Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Monster aus dem All - Gefahren über Gefahren

Monster aus dem All

Gefahren über Gefahren

 

In japanischen Monster- und Science-Fiction-Filmen tauchten insbesondere in den 1960er Jahren immer wieder auch US-amerikanische Schauspieler auf, um die Filme in deren Heimatland attraktiver zu machen. „Monster aus dem All“ ist die seltene Ausnahme eines solchen Films, der ausschließlich mit kaukasischen Darstellern besetzt ist. Nun ist er bei Plaion Pictures erstmals auf BluRay erschienen, in einem hübschen Mediabook.

Schon der allererste „Godzilla“-Film von Ishirô Honda wurde Mitte der 1950er Jahre für den englischsprachigen Raum mit einer Nebenhandlung und einem Erzählkommentar mit Raymond Burr („Perry Mason“) erweitert. An diesem Konzept hielt man dann auch in den zahlreichen Riesenmonster-Filmen fest, die in den kommenden 15 Jahre geradezu inflationär auf die Kinobesucher losgelassen wurden. Oftmals waren es wenig bekannte B- und C-Schauspieler, die in den Kaijū Eiga zum Einsatz kamen, beispielsweise Michael Keith („Die Rückkehr des King Kong“), Russ Tamblyn („Frankenstein – Zweikampf der Giganten“), Rhodes Reason („King Kong – Frankensteins Sohn“) und immer wieder Robert Dunham („Mothra bedroht die Welt“, „Die Rückkehr des King Kong“, „Godzilla und die Urweltraupen“). Als die Popularität dieser Genrefilme Ende der 1960er Jahre zu schwinden begann, durften sich in diesen Filmen auch ehemalige A-Schauspieler die Ehre geben. „U4000 – Panik unter dem Ozean“ hatte 1969 mit Joseph Cotten, Cesar Romero, Patricia Medina und Richard Jaeckel gleich vier von ihnen in den Hauptrollen zu bieten. „Monster aus dem All“, den Kinji Fukasaku (1930-2003; „Battle Royale“) im Jahr davor in den japanischen Toei-Studios in Tokio realisiert hatte, stellt dennoch eine Ausnahme dar. Denn hier sieht man weit und breit keinen einzigen asiatischen Mimen, sondern ausschließlich kaukasische Schauspieler. Dennoch strahlt der Film den typischen Charme der Kaijū Eiga aus, auch wenn es hier keine Riesenmonster gibt. Zahlreiche Modellaufnahmen und Menschen in Gummikostümen sind aber auch hier mit dabei, und die Geschichte ist so naiv und kindisch, wie man es bei diesen Filmen erwarten darf.

Forscher haben entdeckt, dass ein Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde ist und dringend gehandelt werden muss. General Thompson (Bud Widom) kennt nur einen Mann, der für diese schwierige Aufgabe in Frage kommt: Commander Jack Rankin (Robert Horton), der allerdings gerade seinen Dienst quittiert hat. Dennoch lässt er sich nicht lange bitten und reist mit einer Rakete zur Raumstation Gamma 3, wo er auf seinen ehemals besten Freund Commander Vince Elliott (Richard Jaeckel) trifft, mit dem er im Streit auseinanderging. Einer der Gründe war die gemeinsame Liebe zur Ärztin Dr. Lisa Benson (Luciana Paluzzi), die sich für Vince entschieden hat. Auf Gamma 3 leitet sie die medizinische Abteilung. Die beiden Männer müssen sich wieder zusammenraufen und fliegen gemeinsam auf den Asteroiden, um dort drei Wasserstoffbomben zu platzieren, um ihn in die Luft zu sprengen. Der Einsatz gelingt, aber die Crew bringt unentdeckt einige Partikel eines grünen Schleims mit auf die Raumstation, wo sich dieser mit Hilfe von Elektrizität innerhalb kürzester Zeit explosionsartig vermehrt. Aus dem Schleim entstehen einäugige Tentakelmonster in Menschengröße, die unerbittlich auf die Besatzung losgehen und diese dezimieren. Trotz der wieder aufgekommenen Feindseligkeiten zwischen Rankin und Elliott müssen nun alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um das Problem mit den außerirdischen Monstern zu lösen und die Crew der Raumstation zu retten.

Mit einer erstaunlichen Naivität haben sich hier erwachsene Männer wie in einem Kinderspielzimmer ausgetobt und einen knallbunten und größtenteils unfreiwillig komischen Weltraummurks verzapft, den man gesehen haben muss, um ihn zu glauben. Auf der Raumstation feiern die Besatzungsmitgliedern in schrillen Swinging-Sixties-Outfits wilde Partys, die Auseinandersetzungen in der stereotypen Dreiecksbeziehung bestimmen immer wieder die dramatischen Entwicklungen. Highlight sind natürlich die Oktopus-ähnlichen Aliens, die mitunter ein wenig an das Trashmonster aus „Octaman – Die Bestie aus der Tiefe“ erinnern. Bei ihren Auftritten und bei den liebevoll gemachten Miniaturaufnahmen, die man freilich problemlos als solche erkennen kann, sollten Kaijū-Eiga-Fans auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Die BluRay-Erstveröffentlichung erfolgt in einem Mediabook, das darüber hinaus noch eine DVD und ein 24seitiges Booklet mit einem gut recherchierten und informativen Text von Christoph N. Kellerbach enthält. Das Bild (im Widescreen-Format 2,40:1) ist gestochen scharf und sehr farbintensiv. Es gibt drei verschiedene deutsche Sprachfassungen (jeweils im DTS HD Master Audio 2.0 Mono, mitunter etwas verrauscht, aber dennoch stets gut zu verstehen) – die originale deutsche Kinofassung, eine weitere mit der japanischen Filmmusik und eine dritte mit der US-Filmmusik. Alternativ gibt es die englische Tonspur (optional mit deutschen und englischen Untertiteln) und die um 13 Minuten kürzere japanische Schnittfassung des Films (optional auf Deutsch oder auf Japanisch mit deutschen Untertiteln). Die weiteren Extras umfassen einen „Trailer from Hell“ (mit John Landis, 3 Minuten), einen deutschen, englischen und japanischen Trailer zum Film sowie eine sehr umfangreiche (über 100 Motive) animierte Bildergalerie mit internationalem Werbematerial.

Kommentare  

#1 Andy 2026-05-11 07:52
Man kennt ja heute eher die amerikanischen Godzillas. Ein paar von den alten Gummimonsterfilem habe ich auch gesehen und fand die Aufmachung immer schön schräg.

Mich würde hier eine Serie dazu wirklich interessieren, zumal ich ja eher in einer Zeit aufgewachsen bin in der solche Filme in den Kinos gar nicht mehr zu sehen waren. Wenn man googelt, gibt es auch entsprechende Blogs und Beiträge dazu, die richig gut sind.

Also fangt doch mal mit so einer Reihe an. Das fehlt in diesem Zauberspiegel vielleicht noch.

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles