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›Kleine‹ Debuts ... ›Grosser‹ Leute: »Der Kraken-Götze« von Rolf Michael

Kleine Debuts ... Grosser LeuteDer Kraken-Götze
von Rolf Michael
(Professor Zamorra 184)

Den ersten Beitrag Rolf Michaels zur Zamorra-Serie als komplex zu bezeichnen, würde  fast schon an Untertreibung grenzen…

Was der Autor hier im Jahr 1981 ablieferte, darf man, vor allem gemessen an heutigen Maßstäben, getrost als monumentales Schwergewicht bezeichnen, vor allem in Bezug auf den überaus detailliert ausgearbeiteten Background.

 

Der Kraken-GötzeDass gerade dieser einen nicht unerheblichen Teil des Romans ausmacht, mag damals den einen oder anderen Leser überfordert, ganz sicher aber die meisten fasziniert und neugierig auf eine Fortsetzung gemacht haben.

Im Zusammenhang mit dem hier erstmals auftauchenden Schwarzzauberer Amun-Re lässt der Autor mit „seinem“ Atlantis-Komplex (der sich in seiner Darstellung doch erheblich von der anderer Serien unterscheidet) einen gigantischen Hintergrund entstehen, der in seiner Komplexität fast ein wenig an die hochdetaillierten Hintergründe der Macabros – Serie erinnert (in seiner Teestunde erwähnt Rolf, dass in diesem Roman bereits alles drin sei, was er später noch ausbaute).

Dagegen nimmt sich die eigentlich gar nicht so komplexe Haupthandlung um die Wiedererweckung des Amun-Re beinahe ein bisschen armselig aus, geht es doch hier in weiten Teilen des Romans um eine Gruppe Jugendlicher, die durch ein dummes Missgeschick zufällig für eben jene Erweckung und später dann für die Wiedererstarkung des Schwarzzauberers sorgen.

Vor allem die Umstände, welche letztlich zur Erweckung führen, sind so profan (ein Mädchen schneidet sich an einer Würstchendose, das Blut tropft ins Erdreich und benetzt auf wundersame Weise die toten Lippen des Amun-Re), dass sie zu der hochanspruchsvollen, komplexen Hintergrundgeschichte so gar nicht passen wollen.

Doch verzeiht der Leser diesen Lapsus recht schnell, spätestens im letzten Drittel des Romans, in dem der Autor neben dem neu eingeführten Übergegner auch noch den großen Asmodis auftauchen lässt. Dieser schlägt Zamorra ein Bündnis gegen den Feind vor, da er - seiner atlantischen Herkunft entsprechend - auch eine erhebliche Gefahr für die Schwefelklüfte darstellt, was der Parapsychologe natürlich ablehnt.

Hier erkennt man bereits eine weitere große Stärke des Autors: Seine Darstellung solch hochrangiger Gegner wie in diesem Falle eben Asmodis. Diese kann man nur als absolut superb bezeichnen, das Gespräch zwischen Zamorra und dem Höllenherrscher ist ein wahrer Hochgenuss (mal abgesehen von den teils etwas zu pathetischen Äußerungen Zamorras). Die typische Überheblichkeit und die leise Ironie, mit der Asmodis seinem Feind gegenübertritt, das hat einfach Klasse.

Auch die Darstellung der anderen Figuren, seien es nun die beiden Helden Zamorra und Nicole aber auch die Nebenfiguren muss man als gelungen bezeichnen. Die typischen Frotzeleien zwischen dem Chef und seiner Gefährtin erinnern an die Schreibe des bekannten Kollegen, so dass der unbedarfte Leser damals kaum gemerkt haben dürfte, dass hier ein Neuer am Werke war (zumindest nicht anhand dieser Abschnitte). Wobei Michael seinem Freund und Kollegen generell in Sachen Wortwitz durchaus ebenbürtig ist.

Überhaupt gibt es bereits in diesem ersten Roman kaum stilistische Mängel, abgesehen vielleicht von ein paar etwas umständlich klingenden Formulierungen.

Dafür gibt es dann an anderer Stelle wiederum Sätze, die man sich am liebsten einrahmen und an die Wand hängen möchte. Wie etwa den folgenden:
„Aber so wie geschrieben steht, dass die Hölle am letzten aller Tage auch ein Ende habe, hatte sie auch einen Anfang. Und es dämmerte der Tag herauf, da Professor Zamorra einer Kraft gegenüberstehen sollte, die bereits böse gewesen war, bevor der Lichtträger Luzifer den Allerhöchsten von seinem Throne vertreiben wollte.“
Aber so faszinierend das alles auch ist, zumal in Bezug auf die sprachlichen Finessen des Autors - richtig spannend wird es erst gegen Ende des Romans.

Da es gegen einen derart übermächtigen Gegner natürlich so schnell keine nennenswerte Gegenwehr geben kann (vor allem das Amulett muss aufgrund seines Alters zwangsläufig versagen), zaubert der Autor am Ende noch den Elbenherrscher Glarelion aus dem Hut, welcher zwar in dem Setting etwas deplatziert wirkt, scheinbar aber als Einziger dem wiedererstarkten Amun-Re gefährlich zu werden vermag, so dass dieser am Ende von dem Dämon Muurgh gerettet werden muss. Kein besonders würdiger Abgang für einen Gegner dieser Größenordnung, aber natürlich muss dieser am Ende, dem Gesetz des Heftromans folgend, wenn schon nicht vernichtet, so doch zumindest irgendwie vertrieben werden.

Abschließend kann man Rolf Michaels Erstling, von ein paar Längen im Mittelteil abgesehen, nur als absolut gelungenes Debut bezeichnen. Ein Roman den man immer wieder lesen kann. Und der gerade aufgrund seiner Detailverliebtheit in Bezug auf den gewaltigen Background auch heute noch immer wieder aufs Neue fasziniert.
 
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