Jack the Ripper - Das Ungeheuer von London - Analyse einer Mordserie
Jack the Ripper – Das Ungeheuer von London
Analyse einer Mordserie
Bis heute ranken sich die unterschiedlichsten Theorien und Spekulationen um die Identität eines Mannes, der ab 1888 unter dem Namen „Jack the Ripper“ (auf Deutsch: Jack, der Aufschlitzer) in die Kriminalgeschichte eingegangen ist. Es gilt als erwiesen, dass er mindestens fünf Prostituierte kaltblütig ermordet und teilweise auf brutalste Weise verstümmelt hat. Vier weitere Frauen könnten ihm ebenfalls zum Opfer gefallen sein. Die Liste der Verdächtigen ist lang und enthält auch einige höchst prominente Namen, darunter den des britischen Thronfolgers Prinz Albert Victor oder den des gefeierten Schriftstellers Lewis Carroll („Alice im Wunderland“). Seit den sensationellen Vorkommnissen sind diese auf ein breites mediales Interesse gestoßen. Zunächst waren es die großen Zeitungen, die sich mit Reportagen und Spekulationen Millionenauflagen sicherten, später wurde „Jack the Ripper“ dann immer wieder Protagonist in Romanen, Filmen, Comics und sogar Videospielen. Am bekanntesten sind hier sicherlich die deutsch-schweizerische Koproduktion „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“, die Vielfilmer Jess Franco 1976 mit Klaus Kinski in der Titelrolle realisierte, der fünf Jahre zuvor entstandene Versuch der Hammer-Studios, mit „Hände voller Blut“ die Horrorelemente der Geschichte zu betonen, oder der 2001 entstandene „From Hell“ der Brüder Albert und Allen Hughes, in dem Johnny Depp in der Rolle des ermittelnden Scotland-Yard-Inspektors Abberline zu sehen war. Diese Variante basierte auf der gleichnamigen Graphic Novel von Alan Moore („The League of Extraordinary Gentlemen“). Ebenso gelungen ist der Zweiteiler von David Wickes, der 1988 für Thames Television entstand und sich der gerade zugänglich gewordenen Polizeiunterlagen bediente, um den Fall möglichst akkurat zu rekonstruieren.
Als im Londoner Stadtteil Whitechapel eine Prostituierte auf bestialische Weise ermordet aufgefunden wird, gerät die Polizei rasch unter enormen Druck, der von der Sensationspresse weiter angeheizt wird. Man entschließt sich, den Scotland-Yard-Inspektor Fred Abberline (Sir Michael Caine) mit den Nachforschungen zu beauftragen. Zusammen mit seinem jüngeren Kollegen Sergeant Godley (Lewis Collins) muss der Kriminaler feststellen, dass von den Polizeikräften vor Ort äußerst fahrlässig gehandelt wurde. Beweismaterial wurde vorschnell vernichtet, viel zu schnell eine Anhörung einberufen. Abberline, der mit seiner Alkoholabhängigkeit zu kämpfen hat, erbittet sich mehr Zeit für seine Ermittlungen. Der Hellseher Robert Lees (Ken Bones) erzählt ihm von einer Vision über einen Mann mit zwei Gesichtern, was zu Richard Mansfield (Armand Assante) führt, der aktuell am Theater in der Rolle des Dr. Jekyll und Mr. Hyde das Publikum in seinen Bann zieht. Während Abberline und Godley ermitteln, sterben weitere Frauen, die auf der Straße angeschafft hatten. Um den Sozialisten George Lusk (Michael Gothard) bildet sich eine Bürgerwehr, da die Bevölkerung sich kaum Hilfe von Seiten der Kriminalbeamten verspricht. Auf diese wird der Druck dadurch immer größer, auch, weil der Premierminister (David Swift) und der Innenminister (Ronald Hines) darauf drängen, dass der Öffentlichkeit möglichst rasch ein Täter präsentiert werden kann.
David Wickes hat mit größtmöglicher Sorgfalt das London des ausgehenden 19. Jahrhunderts rekonstruiert und anhand der Dokumente und Unterlagen den berüchtigten Fall akribisch wieder aufgerollt. Trotz des Detailreichtums und der Dialoglastigkeit ist ihm dabei ein durchweg äußerst spannender Thriller geglückt, der über die Gesamtlaufzeit von mehr als drei Stunden die Spannung aufrechterhalten kann. Gerade in den letzten Szenen streut der Filmemacher noch einmal eine ganze Reihe falscher Fährten und lässt sein Publikum knobeln, wer tatsächlich hinter Jack the Ripper stecken könnte. Exzellent gespielt und vorzüglich fotografiert, kann dieser Zweiteiler seine Zuschauer auch heute noch begeistern. Die BluRay-Wiederveröffentlichung bei Pidax bietet nun erstmals ein wirklich sehr gutes Bild (im Vollbild-Format 1,33:1). Ebenfalls zum ersten Mal hat man hier die beiden deutschen Tonspuren mit aufgespielt. Die VHS-Fassung aus dem Jahr 1989 im DTS HD Master Audio 2.0, die kurze Zeit später für die Fernsehausstrahlung erstellte Alternativsynchronfassung sowie die englische Originalfassung im DTS HD Master Audio 5.1, optional sind deutsche und englische Untertitel verfügbar. Leider gibt es bei der TV-Synchro im ersten Teil eine ca. 20minütige Passage, in der diese nicht ganz synchron ans Bild angelegt wurde. Das Bonusmaterial ist identisch zu dem der Erstveröffentlichung im Jahr 2011 und umfasst einen Audiokommentar von Regisseur Wickes, Produktionsassistentin Sue Davies und Filmexperte Jonathan Sothcott, einen Doku-Clip aus dem Jahr 1988 (7 Minuten), Rohmaterial einer unvollendeten Fassung, in der Barry Foster in der Michael-Caine-Rolle zu sehen ist (22 Minuten, englische Originalfassung ohne Untertitel) sowie eine kleine animierte Bildergalerie.



