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... Rebecca Gablé über Waringhams, Freude am Thema und ein »No Go«

Rebecca Gablé

 ... Rebecca Gablé ...
... über Waringhams, Freude am Thema und ein »No Go«

Nachdem wir uns am vergangen Sonntag mit Rebecca Gablé über ihren letzten Roman »Der dunkle Thron« ausgetauscht haben, kommt diesmal die Sprache auf die »Waringham-Saga«. Am nächsten Sonntag über ihren Ausflug ins deutsche Mittelalter und ob sich da eine deutsche Variante der Waringhams entwickeln wird ...

 

Zauberspiegel: Das Lächeln der Fortuna war ein Geheimtipp und die Wurzel Deines Erfolges. Mal so gefragt: Bist Du glücklich mit dem grundsätzlichen Setting der Waringhams oder würdest Du mit anderthalb Jahrzehnten Erfahrung heute diesen Roman anders schreiben und das Geschlecht der Waringhams anders schildern?
Rebecca Gablé: Der Verlauf und die Personenkonstellationen im Lächeln der Fortuna waren eigentlich ganz gut für eine Weiterführung geeignet, obwohl ich damals, als ich den Roman beendete, im Traum nicht daran gedacht hätte, je eine Fortsetzung zu schreiben. Aber mit Johns Geburt im letzten Kapitel war ein brauchbarer Grundstein gelegt. Vielleicht war es sogar ganz gut, dass die Idee zur Fortsetzung erst viel später kam und ich die Gegebenheiten bei den Waringham eben so nehmen musste, wie sie waren – fast wie im richtigen Leben Wink. Hätte ich das alles geplant, hätte ich mich vielleicht gescheut, John mit so vielen Brüdern auszustatten, die alle alt genug sind, sein Vater zu sein. Das ist ja eine etwas seltsame Konstellation. Doch als ich dann Die Hüter der Rose schrieb, hat sie mir ganz gut gefallen, zumal sein Verhältnis zu diesen Brüdern, insbesondere zu Raymond, ja zu den Dingen gehört, die seine Persönlichkeit und seine Geschichte prägen.

Zauberspiegel: Ist es seit Das Lächeln der Fortuna schwerer geworden, die Geschicke der Waringhams zu schildern und mit der Geschichte zu verweben - denn im Grunde musst Du zwei Storylines im Auge haben?
Rebecca Gablé: Nein, überhaupt nicht. Die Historie liefert ja im weiteren Verlauf immer neue Ereignisse, Wendungen und Spannungsfelder quasi frei Haus. Sie ist oft auch das prägende Moment, das die persönlichen – also die erfundenen – Geschicke der Waringham bestimmt, die ich praktisch nur noch in die tatsächlichen historischen Ereignisse hineinschmuggeln muss. Das ist mir nie besonders schwer gefallen.

Zauberspiegel: Sind Dir auch schon Fehler unterlaufen? Oder sind die Waringhams so gut im Gedächtnis verankert und dokumentiert, dass da nichts schiefgehen kann?
Rebecca Gablé: Ich habe natürlich meine Stammbäume, Notizen, Tabellen usw., um einen Überblick zu behalten. Mir sind keine Fehler oder Widersprüche in den Biografien der Waringham und ihrer Beziehungen untereinander bekannt. Aber frag meine Leserinnen und Leser, die wissen da besser Bescheid als ich, habe ich manchmal das Gefühl.

Zauberspiegel: Du schreibst im Nachwort zu »Der dunkle Thron«, dass die Schranken des Mittelalters gefallen seien und der Weg für weitere Romane geebnet ist (der Begleitartikel im Zauberspiegel ist ja auch mit »Die Mauer ist weg« betitelt). Damit wirst Du den Aufstieg Englands zum Weltreich schildern können. Was ist der Auslöser? Hast Du die Furcht vor »Männern mit Perücken« verloren? Wirst Du in den sauren Apfel beißen und schreibst weiter?
Rebecca Gablé: Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt alles noch nicht beantworten, weil ich mich im Moment, wie du weißt, ja mit einem völlig anderen Thema befasse. Danach werde ich wahrscheinlich wieder einen Waringham-Roman schreiben. Aber ob der im elisabethanischen Zeitalter angesetzt sein wird (wie ich es eigentlich vorhatte) oder im 13. Jahrhundert, mithin in die „Vergangenheit“ der Waringham führt, ist noch völlig offen. Die Männer in Perücken finde ich immer noch grässlich. Aber über die mache ich mir jetzt noch keine Gedanken, denn die liegen noch weit in der Zukunft – meiner eigenen, wie auch der des Hauses Waringham.

Zauberspiegel: Wenn Du nun noch Lust hast, den Abenteuern der Waringhams und Durhams zu folgen, wo werden wir Vertreter der Familien antreffen? Auf der Mayflower? Wird der letzte Waringham von einem Arzt namens Dr. Watson in Afghanistan zusammengeflickt? Wird ein Waringham am Krimkrieg oder gar an den Weltkriegen teilnehmen? Wird aus dem, was mit Das Lächeln der Fortuna begann, eine Art Jahrtausendsaga zur englischen Geschichte?
Rebecca Gablé: Siehe oben – ich weiß es noch nicht. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, einen historischen Roman zu schreiben, der nach Amerika führt, dessen Gründerzeit mich einfach nicht besonders interessiert. Derzeit könnte ich mir noch eher vorstellen, in die angelsächsische Epoche – also die Zeit vor 1066 – zurückzugehen. Meine Leidenschaft war immer und ist bis auf den heutigen Tag das Mittelalter, über das es noch jede Menge zu erzählen gibt. Aber Interessensgebiete können sich verlagern. Ich warte einfach ab, wohin meine historische Neugier mich treibt.

Zauberspiegel: Ist es nicht eine Last, dass aus einem offensichtlich lustvoll heruntergeschriebenen Roman wie Das Lächeln der Fortuna nun eine Serie entstanden ist und Du dem Fluch der Serie nicht entkommst, weil Leser und Fans immer mehr wollen?
Rebecca Gablé: Überhaupt nicht. Ich glaube, das Vorwort zu Der dunkle Thron wird manchmal ein bisschen missverstanden. Natürlich freue ich mich über dieses anhaltende Interesse und die unglaubliche Treue meiner Leserschaft, aber es ist einfach unmöglich, sich zwei Jahre lang in ein Thema zu graben und einen brauchbaren Roman darüber zu schreiben, wenn dieses Thema einen selbst nicht mit größter Leidenschaft und Neugier erfüllt. Nur so funktioniert das. Und darum werde ich genau so lange Waringham-Romane schreiben, wie ich selbst Lust dazu habe, und keinen Tag länger. Jeder hat ja so seine eigenen Theorien, wie ein Roman Fahrt aufnehmen und gelingen kann. Es gibt keine sicheren Rezepte, aber bei mir kann es nur funktionieren, wenn meine Geschichte zu allererst einmal mir selbst gefällt. Wenn ich nicht neugierig bin, wie es weitergeht, werden meine Leser es todsicher auch nicht sein. So was kriegt man einfach nicht hin, wenn man sich bei der Themenauswahl irgendwelchen Zwängen unterwirft.

Zauberspiegel
: Du verlässt nun die Zeit, in der Du Expertin bist, eben das Mittelalter. Die Recherche gestaltet sich nun bestimmt komplizierter. Erweist sich in diesem Fall „Quo Vadis“ als solides Netzwerk, das Hilfe leisten kann?
Rebecca Gablé: Im Grunde war die Recherche nicht schwieriger. Wenn man einmal gelernt hat, wie man recherchiert, ist es eigentlich egal, ob man etwas über das Mittelalter oder über Kontinentalverschiebung erfahren will, das geht im Grunde immer gleich. Ich bin in der Hinsicht ziemlich eigenbrötlerisch und brauche weder Netzwerke noch Rechercheagenturen. Ich verlass mich lieber auf mich selbst Wink.

Zauberspiegel: Bei aller Freiheit, die Du hast, wenn Du das Schicksal der Waringhams schilderst, umso mehr bemühst Du Dich um Genauigkeit bei den historischen Figuren und Ereignissen. Aber ist da im kommenden Waringham-Roman die Versuchung nicht riesengroß, eine Begegnung zwischen Mary Stuart und Elisabeth I. zu schildern? Oder ist das gar für Dich kein Reiz, sondern ein – wie der Neudeutsche sagt – No Go?
Rebecca Gablé: Wenn ich richtig informiert bin, gilt es als erwiesen, dass eine Begegnung zwischen den beiden niemals stattgefunden hat. Also ist es ein No Go. Natürlich lebt ein historischer Roman auch von Ereignissen, die eventuell stattgefunden haben könnten. Das geht aber nur dann, wenn ein Rest Ungewissheit besteht.  

Zauberspiegel: Besten Dank fürs Interview.
Rebecca Gablé: Da nich‘ für Wink.
 

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