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Der Gefangene von Zenda (1978) - Doppelgänger als Zielscheibe

Der Gefangene von Zenda (1978)

Doppelgänger als Zielscheibe

 

Fünfmal schon war der Roman von Anthony Hope für die Leinwand adaptiert worden, als Richard Quine mit seiner Version von „Der Gefangene von Zenda“ Ende der 1970er Jahre eine Version mit Peter Sellers folgen ließ, die nicht nur Remake, sondern auch gleich noch dessen eigene Parodie darstellen sollte. Nun ist der Film erstmals als BluRay (und parallel auch wieder als DVD) im Handel erhältlich.

Im Jahr 1894 erschien erstmals Anthony Hopes Abenteuerroman „Der Gefangene von Zenda“ (im Original: „The Prisoner of Zenda“), der sich zu einem beachtlichen internationalen Erfolg entwickeln und ein eigenes Genre, die „ruritanische Romanze“, nach sich ziehen sollte. Auch das Medium Film sprang schon früh auf die Popularität dieses Bestsellers an. Eine erste Stummfilmadaption wurde 1913 in den USA realisiert, zwei Jahre darauf folgte eine weitere in Großbritannien. Der von Rex Ingram 1922 inszenierten dritten Stummfilmadaption mit Ramón Novarro folgte 15 Jahre später die sicherlich gelungenste Verfilmung des Stoffes, in der man Ronald Colman und Madeleine Carroll in den Hauptrollen erleben konnte. Eine weitere Tonfilmadaption entstand im Jahr 1952 und bekam in den deutschen Kinos den Titel „Im Schatten der Krone“ verpasst. Unter der Regie von Richard Thorpe spielten hier Stewart Granger und Deborah Kerr. In den 1970er Jahren kam es zu einer kurzen Renaissance von Mantel- und Degen- oder ähnlich gelagerten Abenteuerfilmen. Man denke nur an „Royal Flash“ oder die Neuverfilmungen von „Die drei Musketiere“, die jeweils auf das Konto von Richard Lester gingen. Bei „Royal Flash“ hatte der ehemalige Beatles-Regisseur ganz unverkennbar Elemente aus „Der Gefangene von Zenda“ eingewoben. Da Lesters Filme voller Selbstironie und Witz steckten, entschied man sich 1978, von Richard Quine („Wie bringt man seine Frau um…“) ein komisches Remake des „Gefangenen“ drehen zu lassen. Wer wäre für die Doppel-Hauptrolle seinerzeit besser geeignet gewesen als Starkomiker Peter Sellers (1925-1980), der in seinen Filmen immer wieder Mehrfachrollen übernommen hatte, zuletzt vier Jahre davor in „Weiche Betten, harte Schlachten“? 

Bei den Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag stirbt König Rudolph IV. von Ruritanien (Peter Sellers) einen tragischen Unfalltod. Thronfolger ist dessen Sohn Rudy (ebenfalls Sellers), der im englischen Exil ein Leben voller Glückspiel und Frauengeschichten führt. General Sapt (Lionel Jeffries) und dessen Neffe Fritz (Simon Williams) erhalten den Auftrag, den künftigen neuen König nach Hause zu eskortieren. Sie wissen, dass dessen Leben in tödlicher Gefahr schwebt, weil sein Halbbruder Herzog Michael (Jeremy Kemp) viel lieber selbst auf dem Thron sitzen würde. Als sie in London auf den Kutscher Sydney Frewin (zum dritten Mal Peter Sellers) treffen, der eine markante Ähnlichkeit mit dem König aufweist, ködern sie diesen mit einem lukrativen Job in Ruritanien, sie dorthin zu begleiten. In Wirklichkeit wollen sie Frewin lediglich als Zielscheibe nutzen, um den echten Thronfolger unbeschadet zu seiner Krönungszeremonie schaffen zu können. Der Versuch scheitert und Rudy wird in Zenda gefangengenommen. Nun muss Frewin überredet werden, als Doppelgänger den Thron zu besteigen und damit die Pläne Herzog Michaels zu vereiteln. Was die Situation zusätzlich anheizt, sind die Damen. Denn Rudy ist Prinzessin Flavia (Lynne Frederick) versprochen, hat aber eine heimliche Affäre mit Gräfin Montparnasse (Elke Sommer), deren Gatte Gil (Gregory Sierra) bereits Verdacht geschöpft hat und dem Thronfolger nun ebenfalls nach dem Leben trachtet…

Leider ist dies eine sehr witzarme Parodie auf den klassischen Stoff geworden oder eher ein mit Klamaukelementen durchsetztes Remake der Abenteuergeschichte. Trotz sichtbaren Aufwands und einer stargespickten Besetzung bleibt der Kostümfilm hinter den Erwartungen zurück und überwiegend unverbindlich. Als am unterhaltsamsten erweisen sich die kurzen Auftritte profilierter Nebendarsteller wie John Laurie (als seniler Erzbischof), Norman Rossington (als tollpatschiger Gefängniswärter) und Graham Stark (als konsternierter Lakai). Selbst Gregory Sierra gelingt es als eifersüchtigem Grafen, Starkomiker Sellers hier mitunter an die Wand zu spielen. Die BluRay-Erstveröffentlichung von Explosive Media bietet ein sehr gutes Bild (im Widescreen-Format 1,78:1) und einen stets gut verständlichen, in der deutschen Synchronfassung etwas dumpfen Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0 Stereo, optional mit deutschen und englischen Untertiteln). Als Extras gibt es den deutschen und amerikanischen Kinotrailer des Films sowie eine größere animierte Bildergalerie mit internationalem Werbematerial.

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