Oh, meine Götter, Teil 17: Herakles I – Die jungen Jahre eines Nationalhelden

Oh, meine Götter!Teil 17:
Herakles I – Die jungen Jahre eines Nationalhelden

Wer trug eigentlich „Eulen nach Athen“?

Wurde Sisyphus je mit seiner Arbeit fertig? Und kam der Götterbote auch immer ausgerechnet dann, wenn der Empfänger gerade leider nicht Zuhause war?

Kleine Ausflüge in das Reich der griechischen Mythologie.

Gustav Schwab: Sagen des klassischen AltertumsMal wieder beginnen wir eine Sage mit dem umtriebigen Göttervater Zeus, der sich diesmal mit Alkmene vergnügt. Alkmene ist eine Enkelin von Perseus. Richtig, das war der mit dem Medusen-Haupt, der ja auch ein Sohn von Zeus war, was die verwandtschaftlichen Beziehungen nicht gerade vereinfacht, umso mehr, weil auch Alkmenes Mann Amphytrion ein Enkel von Perseus ist.

Wer dadurch nun wie genau mit wem verwandt ist, lassen wir mal beiseite, jedenfalls ist Amphytrion der König von Tiryns (Stadt im Süden der Insel Peloponnes). Als Amphytrion seine Frau dort alleine lässt, um in Theben zu wohnen, sieht Zeus die Gelegenheit für ein Stelldichein gekommen und zeugt mit Alkmene einen Sohn: Herakles.

Nach der Geburt des kleinen Jungen fürchtet sich Alkmene gar nicht so sehr vor dem Zorn ihres Mannes, aber Hera macht ihr Sorgen (und das nach allem, was wir bisher wissen, auch nicht unbedingt zu Unrecht). Im Palast hält sie es für Herakles für zu gefährlich, deshalb setzt sie ihn auf einem Feld in der Nähe aus.

Ob das nun so viel besser für das Kind ist, kann man zumindest infrage stellen, denn ganz allein ist Herakles schon bald fast verhungert. Wie der Zufall es will, kommen aber Hera und Athene an genau diesem Feld vorbei. Der wunderschöne Säugling fällt Athene sofort auf, und sie überredet die Göttermutter, ihm die Brust anzubieten, um ihn zu stillen. Das macht Hera dann auch, aber Herakles fügt ihr dabei so starke Schmerzen zu, dass Hera in wieder wegstößt. Die wenigen Schlucke der Göttermilch sollen aber genügen, um Herakles Unsterblichkeit zu verleihen.

Gustav Schwab: Sagen des klassischen AltertumsAthene nimmt sich daraufhin des Säuglings an und bringt ihn in die nahe Stadt Tiryns. Dort bittet sie Alkmene, sich um den kleinen Herakles zu kümmern, nicht wissend natürlich, dass sie so Mutter und Sohn wieder zusammenführt. Alkmene erkennt ihr Kind sofort und nimmt es bereitwillig auf.

Inzwischen ist aber auch Hera aufgefallen, welches Kind das war, das sie da gestillt hat. Sie kann kaum fassen, dass sie ihre wertvolle Milch an dieses gehasste Kind gegeben hat, statt es einfach verhungern zu lassen. Und so schickt sie zwei Schlangen aus, um Herakles zu töten.

Nachts als alle im Palast schlafen, kriechen die Schlangen unbemerkt in Alkmenes Schlafgemach, wo auch der kleine Herakles liegt. Zielstrebig schlängeln sie sich zu seiner Wiege, doch Herakles ergreift die Schlangen jeweils am Genick und erwürgt sie mit einem Griff.  Als Alkmene und Amphytrion, der inzwischen wieder da ist und das „Findelkind“ wie sein eigenes aufziehen will, den kleinen Herakles mit den erwürgten Schlangen sehen, ist ihnen klar, dass das Kind etwas Besonderes ist. Sie betrachten die Tat als großes Wunderzeichen und schon bald ist in der Stadt bekannt, dass der kleine Sohn des Königspaares übermenschliche Kräfte hat.

Von einem solchen Kind erwartet Amphytrion Großes, und so kommt dem älter werdenden Herakles die bestmögliche Ausbildung zu. Aus ganz Griechenland werden Helden engagiert, um den Jungen in den verschiedensten Wissenschaften, Kunstfertigkeiten und Kampffähigkeiten zu unterrichten. Herakles ist ein gelehriger Junge, fühlt sich aber auch schnell ungerecht behandelt. Als sein älterer Musiklehrer ihn beim Leierspiel mit Schlägen zurechtweist, wirft Herakles ihm die Leier an den Kopf. Durch seine übermenschlichen Kräfte wird der Wurf so stark, dass er für seinen Lehrer tödlich endet.

Vor einem Gericht wird das Ganze als Notwehr ausgelegt, aber Amphytrion fürchtet, dass Herakles durch den unbedachten Einsatz seiner Kräfte nochmal in eine solche Situation geraten könnte. Deshalb schickt er ihn für seine restliche Kindheit zu seinen Ochsenherden, um auf dem Land groß zu werden.

So verbringt Herakles die letzten Jahre seiner Kindheit recht behütet auf dem Land und ohne weitere Zwischenfälle. Als er achtzehn Jahre alt wird, ist Herakles zum schönsten und stärksten Mann Griechenlands herangewachsen. Nachdem er sich bereits bei der Jagd auf einige Löwen und wilde Eber einen Namen gemacht hat, kann sich der junge Held auch in einem ersten Kampf beweisen.

Gustav Schwab: Sagen des klassischen AltertumsIhm kommt zu Ohren, dass der Minyerkönig Erginos einen unbezahlbaren Jahrestribut von den Thebanern fordert. Als er die Boten, die den Tribut eintreiben sollen, tötet und verstümmelt an Erginos zurückschickt, fordert der Minyerkönig seine Auslieferung. Kreon, der König der Thebaner, ist aufgrund seiner geringen militärischen Stärke schon geneigt, den Forderungen nachzukommen und Herakles auszuliefern. Doch der versammelt eine Gruppe mutiger Jünglinge um sich, um selbst gegen die Thebaner in den Krieg zu ziehen. An einem Engpass, wo die geringe Anzahl seiner Gruppe nicht von Nachteil ist, stellt er die Minyer und kann sie besiegen. Ihr König Erginos fällt in der Schlacht, doch auch Amphytrion wird getötet. Nach der Schlacht rückt Herakles´ kleine Armee gegen die Hauptstadt der Minyer vor, verbrennt die Königsburg und zerstört die Stadt.

Der Thebanerkönig Kreon ist so dankbar für die Befreiung aus der Unterdrückung, dass er Herakles seine Tochter Megara zur Frau gibt. Und auch von den Göttern wird Herakles für seine mutige Tat beschenkt. Von Hermes bekommt er ein Schwert, von Apollon Pfeile, von Hephaistos einen goldenen Köcher und von Athene einen Waffenrock.

Schon bald soll der so reich beschenkte Held Gelegenheit bekommen, den Göttern für ihre Gaben seinen Dank zu erweisen. Doch dazu mehr beim nächsten Mal.

Mehr dazu in:  »Sagen des klassischen Altertums« (1838-1840) von Gustav Schwab

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