Fridolin zieht nach Berlin (Leseprobe)

Thomas TippnerFridolin zieht nach Berlin
(Leseprobe)

Der Klappentext:
Fridolin ist traurig. Seine Menschenfamilie Papa Hannes und Mama Claudia haben beschlossen, mit Sack und Pack in die Hauptstadt zu ziehen. Und auch alle anderen Mitglieder der Familie, die Kinder Anna und Oliver sowie der Hund Fridolin, die Katze Mizie und Vogel Peterle müssen natürlich mit.

Fridolin kann sich nicht vorstellen, seine Freunde, die Dackeldame Fifi und den Spitzdackelschnauzer Ernesto nicht mehr wiederzusehen, und sitzt deshalb genau wie Oliver und Anna, die auch bei ihren Freunden bleiben wollen, im Kinderzimmer. Kein Wuff kommt Fridolin über die Schnauze. Und dann soll es auch noch nach Berlin gehen, die Hauptstadt, wo es nur so von Autos wimmelt. Er könnte platzen vor Wut und würde den Umzug gern verhindern.


Dabei ahnt Fridolin noch nicht, welche Abenteuer er in Berlin erleben und wie viele Hundefreunde er finden wird.

Eine spannende Geschichte für große und kleine Helden, die ihre Umzugstraurigkeit weglächeln möchten.


Thomas TippnerLeseprobe
Was in den letzten zwei Wochen genau geschehen war, bevor die Familie Wagner nach Berlin zog? Fridolin konnte es nicht sagen.

Er wusste nur, dass Anna ausgesprochen traurig war und dass sie kaum noch etwas für ihn vom Tisch abfallen ließ. Sie war so traurig und in sich gekehrt, dass Fridolin sich langsam richtig Sorgen um sie machte. Er versuchte zwar immer, sie aufzumuntern, stupste sie mit seiner Schnauze an und sprang auf ihren Schoß, damit sie beide kuscheln konnten. Aber alles ohne Erfolg. Anna schob ihn meistens einfach beiseite, weil sie alleine sein wollte.

Oliver erging es nicht anders, obwohl er den Schreck, umziehen zu müssen, schneller verarbeitet hatte als Anna. Er war nur gut eine Woche traurig gewesen. Dann aber hatte ihn Fridolin schon wieder mit seinen Fußballfreunden scherzen und lachen hören.

„In Berlin werde ich auch Fußball spielen“, hatte er gesagt und war dann mit seinem besten Freund davongezogen, um die Mädchen zu ärgern, wie er sagte. Auch wenn Fridolin nicht wusste, was Oliver genau damit meinte, hatte er doch seine Vorstellung. Denn seit einiger Zeit redete Oliver immer wieder von Mädchen und davon, dass man sie ärgern musste. Ärgern war wohl so zu verstehen, dass man ohne Vorwarnung Mädchen anrempelte, ihnen die Zunge herausstreckte und sich dann doch freute, dass sie einem hinterher jagten und einen nassen, feuchten Kuss auf die Wange drückten.

Was das genau sollte, konnte Fridolin nicht sagen. Aber er fand es immer sehr lustig und spielte auch gelegentlich mit. Nur wenn er ein Mädchen bellend in die Ecke drängte, bekam er dafür kein Küsschen. Meistens herrschte Oliver ihn dann nur an, dass er das Mädchen in Ruhe lassen sollte.

Na ja, später aber kraulte Oliver ihn dann doch hinter dem Ohr und sagte ihm, dass er der Beste sei.

***

So vergingen die Tage ereignislos und doch voller Spannung, wie Fridolin fand. Nicht nur, dass die Familie ihre ganzen Sachen zusammenpackte, nein, auch die beiden tierischen Mitbewohner von Fridolin begannen sich für die Dinge zu interessieren, die um sie herum geschahen.

Miezi, die faule, gefräßige und zur Schwermut neigende Katze der Familie, redete jetzt sogar manchmal mit Fridolin. Einmal wollte sie wissen, was er davon hielt, nach Berlin zu ziehen. Fridolin war völlig überrascht und nicht darauf gefasst gewesen, dass Miezi ihn ansprechen würde. So saß er nur dagesessen und stammelte, dass er es ganz gut fand. Denn noch immer glaubte Fridolin fest daran, dass Hannes Wagner der neue Job nicht gefallen würde.

Daraufhin sagte Miezi etwas, das Fridolin erschrecke: „Dann verabschiede dich mal schön von deinen sabbernden Freunden, denn hierher zurück kommen wir nicht mehr. Niemals.“

„Nicht? Aber der Job…“

Miezi unterbrach ihn, indem sie ihn aus ihren kreisrunden und unergründlich erscheinenden Augen anstarrte. In diesen Augen lag etwas, ein Wissen, das Fridolin bis in Mark erschütterte: „Das war eine Ausrede, Hündchen, um weiteren Problemen aus dem Weg zu gehen. Menschen sind so. Sie sagen Dinge, die sie nicht meinen, um ihren Gegenüber davon zu überzeugen, dass alles nur halb so schlimm ist. Menschen nennen das“, da senkte sich Miezis Stimme und wurde zu einem geheimnisvollen Raunen, „eine Notlüge.“

Fridolin stand mit offener Schnauze da und begriff nicht, was Miezi meinte.

Lügen war schlecht, egal ob in der Not oder nicht.

Bevor Fridolin aber etwas fragen konnte, war Miezi schon lautlos, wie es ihre Art war, verschwunden.

***

So hatte Fridolin dann nicht weiter über das Gespräch mit Miezi nachgedacht.

Nein, er unterhielt sich dann lieber mit Peterle, dem Wellensittich, der immer hektisch war, überall gefräßige Katzen vermutete und sich sicher war, dass man stets versuchte, ihn in eine Verschwörung von bedeutendem Ausmaß hineinzuziehen.

 „Der Umzug ist der nächste Schritt“, war seine Begrüßung, als Fridolin im Flur an die Voliere trat, wo Peterle sein Zuhause hatte, „um das Reich der Katzen auszurufen.“

„Das Reich der Katzen?“

„Ja“, antwortete Peterle geheimnisvoll, dicht an die Gitterstäbe seiner Voliere hüpfend, seine runden, schwarzen Augen auf Fridolin gerichtet. „Das habe ich ganz genau durchschaut. Schau doch nur, wie Miezi hier herumschleicht, das hat sie seit Jahren nicht getan. Sie muss ihr Codewort erhalten haben.“

„Codewort?“

„Damit operieren alle Geheimdienste. Sie geben dir ein Wort, auf das du reagieren sollst, um deine Pläne in die Tat umsetzen zu können.“

„Und was war das für ein Codewort?“

„Keine Ahnung“, entgegnete Peterle ehrlich und blickte sich verschwörerisch um. „Aber es muss ausgesprochen worden sein. Sonst wäre alles beim alten geblieben.“

„Du meinst, Miezi ist dafür verantwortlich, dass wir umziehen?“

„Nicht nur sie.“

„Wer noch?“ Fridolin blickte Peterle neugierig an.

„Hannes.“

„Wow“, sagte Fridolin und war schwer beeindruckt von dem, was Peterle alles herausgefunden hatte. Und so, wie er es sagte, machte auch wirklich alles Sinn. Nur Miezi passte nicht in das Bild.

„Sie betört Hannes“, rief Peterle, der die Gedanken von Fridolin erraten haben musste.  „Sie kuschelt viel, sucht seine Nähe und flüstert ihm immer irgendetwas ins Ohr. Ich habe es genau gesehen. Halt auch du deine Augen offen, Kamerad. Zu zweit sind wir stärker.“

Mit den Worten war die Unterhaltung für Peterle beendet. Er trank einen Schluck Wasser, den er vorher kritisch beäugt hatte, und verfiel dann in dumpfes Brüten.



Fridolin aber hatte sich vorgenommen, genau auf Mietzi zu achten, um dann bemerken zu müssen, dass zwei Tage später der Umzug losging.

Er hatte kaum eine Chance gehabt, sich bei seinen beiden Freunden Fifi und Ernesto zu verabschieden.

Und als er dann auf der Rückbank saß und den Kopf aus dem Fenster streckte, erblickte er die beiden, wie sie traurig dem Auto der Wagners nachblickten. Fifi winselte leise, während Ernesto ihm zuwinkte.

„Passt gut auf euch auf!“, rief Fridolin und konnte nur mit Mühe seine Trauer unterdrücken. „Wir sehen uns in einem halben Jahr – hoffentlich“, fügte er noch flüsternd hinzu. Gerade wollte er den Kopf zurückziehen, als er Rammler Rocky und Ratte Rambo erkannte, die am Straßenrand saßen und ihm einen langen, nachdenklichen Blick nachwarfen.

„Auch euch alles Liebe und Gute!“, rief Fridolin. „Seid lieb zueinander und ärgert mir meine Freunde nicht zu sehr.“

Dann war der Wagen der Wagners schon um die Kurve gebogen, und alles was Fridolin gekannt hatte, gehörte nun der Vergangenheit an.

Thomas TippnerDaten zum Buch
Fridolin zieht nach Berlin
von Thomas Tippner
ISBN 978-3-9813600-8-0
ca. 80 Seiten, Softcover
erscheint Ende April 2011
€ 10,90 (D) / € 11,90 (A) / sFr 19,90 (CH)
hnb-verlag


Erhältlich in jeder Buchhandlung, beim Online-Buchhandel sowie in unserem Büchershop unter hnb-verlag.de

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