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Stephen Kings Nachtschicht - Ratten im Keller

Stephen Kings Nachtschicht

Ratten im Keller

 

Um 1990 herum gab es ein breites Interesse daran, Stephen Kings Werke für die große Leinwand aufzubereiten. Immerhin hatte kurz zuvor die Verfilmung von „Friedhof der Kuscheltiere“ die Kassen klingeln lassen. Auch Kurzgeschichten wurden nun zu anderthalbstündigen Filmen aufgebläht, wie beispielsweise „Nachtschicht“, der nun bei Filmjuwelen wieder auf BluRay (und erstmals auf 4KUHD) erschienen ist.

Das Interesse an den unheimlichen geschriebenen Vorlagen von Stephen King (geboren 1947 in Portland, Maine) ist seit den 1970er Jahren eigentlich nie abgerissen. Seit mehr als 50 Jahren werden seine Romane und Kurzgeschichten für Film und Fernsehen adaptiert, mal mehr, mal weniger gut. In den späten 1980er Jahren begannen viele zu verstehen, dass King mehr kann als Ekelhaftes und Blutrünstiges in sämtlichen Details zu schildern. Sicherlich war dafür auch Rob Reiners genialer „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“ verantwortlich, der die Novelle „Die Leiche“ in einen melancholisch-schönen Film über das Ende der Kindheit verwandelte. Mary Lamberts Version von „Friedhof der Kuscheltiere“ zeigte wiederum den unheimlichen King und schaffte es, das Fünffache seiner Produktionskosten einzuspielen. Weitere King-Vorlagen mussten her, und so besann man sich auch auf einige Kurzgeschichten, die der Autor bereits vor rund 20 Jahren geschrieben hatte. Aus seiner Kurzgeschichtensammlung „Nachtschicht“ (im Original „Night Shift“) bediente man sich bei „Der Rasenmähermann“, bei „Manchmal kommen sie wieder“ und mehrfach auch bei „Kinder des Mais“ (die Filmreihe lief in Deutschland als „Kinder des Zorns“). 1990 nahm sich Ralph S. Singleton in seinem Langfilmdebüt (er hatte zuvor nur zwei Folgen der Fernsehserie „Cagney & Lacey“ inszeniert) der erstmals 1970 veröffentlichten Kurzgeschichte „Graveyard Shift“ (auf Deutsch: „Spätschicht“) an, die selbst in der deutschen Übersetzung gerade mal gut 20 Seiten lang ist. Wie so oft, musste auch hier der Drehbuchautor, John Esposito („Talos, die Mumie“), seine eigene Fantasie bemühen, um das Ganze auf Spielfilmlänge zu bringen.

Im Provinzkaff Gates Fall im US-Bundesstaat Maine wird seit über 100 Jahren die Bachman Mills betrieben, eine etwas aus der Zeit gefallene Woll-Spinnerei. Das gesamte Gebäude ist ziemlich baufällig und verdreckt, an den Anblick von unzähligen Ratten haben sich die Angestellten längst gewöhnt. John Hall (David Andrews) ist nach diversen anderen Jobs in anderen Bundesstaaten auf seiner Reise nun in Gates Fall angekommen und bewirbt sich um eine Stellung in der Spinn-Fabrik. Vorarbeiter Warwick (Stephen Macht) ist zunächst etwas misstrauisch, ob der Ruhelose tatsächlich längerfristig am Ort bleiben wird, gibt ihm aber eine Chance am Zerhacker, dem unliebsamsten Arbeitsplatz der Fabrik. Da sich Hall ganz gut schlägt, bekommt er von Warwick das Angebot, auch in der Woche des Nationalfeiertags Nachtschichten zu schieben, obwohl in dieser Zeit der Betrieb heruntergefahren wird. Aber man möchte die Zeit nutzen, um den zugemüllten und ebenfalls von unzähligen Ratten bevölkerten Keller aufzuräumen und wieder nutzbar zu machen. Gemeinsam u.a. mit der hübschen Jane (Kelly Wolf), dem grobschlächtigen Brogan (Vic Polizos) und dem neunmalklugen Ippeston (Robert Alan Beuth) machen sich die Männer an die aufwändige und kräftezehrende Arbeit. Es dauert nicht lange, bis sie erkennen, dass hunderte Ratten im Keller für sie noch das kleinste Problem darstellen. Im Dunkeln lauert etwas noch viel gefährlicheres und graueneinflösenderes auf sie…

Was Stephen King hier in wenigen Seiten am Anfang seiner schriftstellerischen Karriere (mit gerade einmal 23 Jahren) zu Papier brachte, gehört sicherlich nicht gerade zu seinen Meisterleistungen. Aber die Kurzgeschichte „Spätschicht“ ist wenigstens spannend und konsequent auf das Endszenario hin erdacht. Singletons Film wäre eventuell besser geworden, wenn man ihn als Kurzfilm realisiert hätte. Aber so musste sich der Drehbuchautor etliche andere Dinge einfallen lassen und hat dabei einige klischeehafte Charakterisierungen in die Hauptfiguren einfließen lassen. Das steigert aber nur die Langeweile zwischen den uninspirierten Schleim-, Blut- und Ekelszenen des Films. Eigentlich nur etwas für King-Komplettisten, alle anderen sollten sich lieber bessere Adaptionen der Werke des Autors anschauen.

Bei Filmjuwelen ist „Stephen Kings Nachtschicht“ nun erstmals auf 4KUHD und parallel auch wieder neu auf BluRay und DVD erschienen. Die zur Rezension vorliegende BluRay weist ein größtenteils exzellentes Bild (im Widescreen-Format 2,35:1) auf, bei dem man bei den Darstellern jede Schweißperle im Gesicht erkennen kann. Auch am Ton (Deutsch und Englisch jeweils wahlweise im DTS HD Master Audio 2.0 und 5.1, optional mit deutschen Untertiteln und englischen Untertiteln für Hörgeschädigte) ist absolut nichts auszusetzen. Zum ersten Mal hat man dem Film auch reichhaltiges Bonusmaterial spendiert. Neben einem Audiokommentar von Filmwissenschaftler Dr. Rolf Giesen kann man online auch ein 28-seitiges digitales Booklet abrufen, das ebenfalls aus dessen Feder stammt. Außerdem gibt es neue Interviews mit Regisseur Ralph S. Singleton (26 Minuten) und den Darstellern Stephen Macht (14 Minuten), Kelly Wolf (13 Minuten) und Robert Alan Beuth (14 Minuten) sowie den deutschen und den amerikanischen Kinotrailer zum Film.

Kommentare  

#1 Andy 2026-04-25 09:21
Ich bin eigentlich kein wirklicher Kingfan. Bei seinen Büchern geht mir auf den Keks, dass er manchmal zu lange braucht um in Gang zu kommen. Da vergehen ja oft gefühlte 100 Seiten bis endlich was geschieht.

Hin und wieder habe mal ein Buch von ihm gelesen und mußte mich schon schwer am Riemen reissen, um das nicht einfach wieder wegzulegen. Es gibt eine Geschichte die mir trotzdem noch gefallen hat, das ist die Vampirstory Brennen muß Salem. Für mich war das dicht geschrieben und richtig gruselig.

Die Filme kenne ich meistens nur als Video, meisten sind die auch nicht gerade das "Gelbe vom Ei".

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