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Linsengerichte

Linsengerichte - Kino für jeden Geschmack

Was darf's sein? Eine Portion (falsche) Haifischflossensuppe? Wildschweinkeule in Minzsoße oder doch lieber eine Portion Pralinen?

Das Kochbuch "Linsengerichte" wirft einen Blick durch die Linse der (Film-)Kamera auf die kulinarischen Möglichkeiten - und legt dabei ganz schön was auf den Teller.

 

Gernot Nepimach hat mit dem Buch nicht das erste Kochbuch vorgelegt. Es ist das inzwischen dritte Kochbuch, mit dem sich Nepimach im Selbstverlag beschäftigt hat, es ist jedoch das erste Kochbuch von ihm, bei dem es um Cineastik und Kulinarik geht. Mehr über den Hintergrund des Buches in dem Interview mit Gernot Nepimach.

Der Preis für das Buch ist mit lediglich 20,00 Euro wirklich überschaubar, gerade angesichts von über 300 Seiten, über 550 Farbfotografien und 140 Rezepten (aus 140 Filmen).

Die Rezepte sind so vielfältig wie die Filme, aus denen Nepimach seine Rezepte wählt. Es kommen Disneyproduktionen wie "Merida" ebenso vor wie "American Psycho", "The Mule" mit Clint Eastwood, "Wall Street" von Oliver Stone, "Pretty Woman" - und sogar das "Dinner for One". Das macht schon deutlich, dass es thematisch vorrangig nicht um ein ganz bestimmtes Genre geht, sondern um Film und Essen an sich. Wie Nepimach im Vorwort schreibt, geht es auch nicht um besonders qualitativ hochwertige Filme oder reinen Trash, sondern "vom oskarprämierten Meisterwerk bis zum cineastischen Albtraum".

Natürlich macht die große Bandbreite an unterschiedlichsten Themen oder Genres das Buch interessant und vielfältig, allerdings auch etwas beliebig in seiner Auswahl - zumindest ist das der Eindruck, den man gewinnen kann. Auf der einen Seite kann so jeder etwas für sich finden und eine kulinarische Begleitung für einen ausufernden Filmabend ist gut machbar, auf der anderen Seite fand ich die alphabetische Sortierung der Rezepte anhand der Filmtitel sehr verwirrend, denn klassische Vorspeisen, Desserts oder Hauptgerichte sind wild durcheinander gemischt. 

Die Rezepte sind, wie gesagt, sehr variantenreich, Hummer oder Putenbrustsandwiches kommen ebenso vor wie Okra-Curry, das tödliche Minzblättchen (Monty-Python-Fans wissen, wovon ich rede), Hibiskus-Avocado-Trüffel oder Tang Cu Pai Gu. Angesichts der Fülle an Filmen und Themen auch kein Wunder. In der Regel sind die Rezepte leicht nachzukochen und die Zutaten zumeist auch ohne Spezialitätengeschäft vor Ort zu bekommen. Bei ungewöhnlichen Zutaten wie beispielsweise Schweinefüße (wenn man mit Alfred Hitchcock kochen möchte), Annattosamen oder Trüffelschokolade muss man unter Unständen etwas erfinderisch werden - oder man versucht online zu bestellen, was in vielen Fällen heute erfolgreich sein dürfte.

Ähnlich gemischt wie die Filme und die Rezepte sind auch die Fotos. Sehr ambitioniert wurde zu jedem Film das jeweilige Gericht im wahrsten Sinne des Wortes "in Szene" gesetzt und aufwändig dekoriert (siehe auch die Props-Liste im Anfangsteil des Buches). Teilweise sind ganz tolle Bilder entstanden (wie eben hier zu "Julie & Julia", siehe rechts), die sich wirklich hinter professioneller Food-Fotografie nicht verstecken müssen, aber auch Fotos, bei denen man sich ein wenig fragt, ob den Machern nicht etwas besseres hätte einfallen können. Hochklassige und einfallsreiche Bilder zu schaffen ist - zugegeben - bei 140 Rezepten nicht ganz ohne.

Ganz grundsätzlich stellt sich - wie bei so vielen Kochbüchern - die Frage, warum man es kaufen sollte. Wie Gernot in dem Interview sagte, winken viele Verleger ab mit dem Hinweis "Kochbücher gibt’s wie Sand am Meer. Kein Interesse". Und natürlich merke ich auch bei mir die Tendenz, einfach Google zu fragen, wenn ich ein Rezept für etwas suche - wo ich früher zum Kochbuch gegrifen habe. Mit den unter Umständen frustrierenden Folgen, wenn Rezepte nicht ausreichend getestet wurden.

Das ist bei Kochbüchern eben in der Regel anders, und bei solchen Liebhaberprojekten wie den "Linsengerichten" nochmal mehr. Und das macht in meinen Augen den Wert solcher Kochbücher aus. Nicht, weil sie das 85. Rezept für Krautwickel bringen, oder weil man dort endlich nachlesen kann, wie man Profiterol macht ... nein, solche "Nischenbücher" erzählen Geschichten, bieten besondere Zugänge zu Themen - in dem Fall eben Film und Kulinarik - und werden dadurch zu etwas Besonderem. Wer sich an der Sortierung nicht stört und ein Faible für auch ausgefallene (Linsen-)Gerichte hat, der sollte sich beeilen, denn es gibt nicht mehr allzu viele Exemplare. Und wie Gernot sagt "Wenn die letzten noch vorhandenen etwa 100 Bücher weg sind, sperrt der Eigenverlag zu". Also los.

 

Linsengerichte - Kino für jeden Geschmack
Autoren- und Fotografenteam: Gernot Nepimach, Eva Nepimach, Susi Begh
Verlag: Eigenverlag Dr. Gernot Nepimach (https://nepimach.at)
Seiten: 312 
ISBN: 978-3-200-05673-2
Preis: 20,-€ (erhätlich über die Webseite des Verlages)

 

 

 

 

 

Kommentare  

#1 Andy 2026-07-12 07:52
Sollte Gernot Nepimach ein weiteres Buch über cineastische Kochrezepte planen, hätte ich noch einen Tipp. Vor kurzem habe ich die beiden Spaßwestern "Die rechte und die linke Hand des Teufels,1970" und "Vier Fäuste für ein Hallelulja, 1971" auf Bluray gesehen.

Da essen die beiden immer Bohnenpfanne mit Speck - das kann man durchaus als legendäres, cineastisches Kultgerichtt bezeichnen. Es besteht aus weißen Bohnen, Zwiebeln, Tomaten, Knoblauch und .....viel Speck - gewürzt mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver bzw. Chili. Dazu gibt es frisches Brot.

Hier mal ein Link dazu:
https: //www.beefbandits.de/blog/bud-spencer-terence-hill-bohnenpfanne-alles-was-du-wissen-musst

Ich finde, das sollte in einem Buch über Film-Kochrezepte nicht fehlen. ;-)
#2 Ringo Hienstorfer 2026-07-12 08:50
Andy, hier habe ich das Passende für Dich:

www.zauberspiegel-online.de/index.php/off-topic-2/42863-food-fiction-die-rechte-und-die-linke-hand-des-teufels-baked-beans

Grundgedanke dieser Artikelreihe waren Inspirationen aus Filmen, Büchern und auch anderen Medien. Eigentlich wollte ich mit der an sich interessanten Reihe ja weitermachen. Eigentlich... Aber dann kam mir so allerhand dazwischen. 2 oder 3 weitere Artikel habe ich sogar fertig. Vielleicht gebe ich mir ja noch einen Ruck ;)
#3 Andy 2026-07-12 13:32
Reingeschaut, Ringo, jetzt habe ich auch noch etwas über den Ursprung des Bohnengerichtes gelernt. :-)
#4 Ringo Hienstorfer 2026-07-12 13:44
Das freut mich! Du solltest es ruhig mal nachkochen, es schmeckt fantastisch. Kein Vergleich mit den Dosenbohnen. Und, bitte, vergiss das Nicht-Duschen nicht!

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