Grant, Andrew: Even

Andrew Grant - EvenEven
Von Andrew Grant
363 Seiten; ca. 8,00 €
ISBN: 978-0-312-35848-8
Erschienen: 2009 (GB)
St. Martin’s Paperbacks

Das Buch erscheint im Februar 2011 unter dem Titel »Ohne Reue« bei Blanvalet (ISBN: 978-3442375653)

»Even« ist der erste Roman einer geplanten Reihe um den britischen Agenten David Trevellyan  und zugleich das Debüt von Autor Andrew Grant. Im Februar kommenden Jahres erscheint das Buch unter dem Titel »Ohne Reue« bei Blanvalet. Freunden hochexplosiver Thriller empfehle ich allerdings, gar nicht erst so lange zu warten, sondern unverzüglich zum englischsprachigen Original zu greifen – es lohnt sich!


»Even« beginnt damit, dass David Trevellyan nach einem erfolgreichen Einsatz die Stunden bis zu seiner Rückkehr ins Vereinigte Königreich in der amerikanischen Metropole New York City totschlagen möchte. Dumm nur, dass er dabei die Leiche eines Stadtstreichers findet. Dümmer noch, dass just in diesem Augenblick ein Polizeiauto am Tatort vorbeikommt und die Cops David für den Mörder halten. Ganz dumm aber ist, dass tatsächlich alle Umstände auf den Briten als Killer hindeuten – und dass es sich bei dem Toten um einen FBI-Agenten handelt, der verdeckt ermittelt hat.

Von einem ihm unbekannten Gegner als Sündenbock missbraucht und von den eigenen Leuten weitestgehend im Stich gelassen, muss David auf sich alleine gestellt agieren, um den wahren Täter zu finden und seine Unschuld zu beweisen. Was noch viel komplizierter ist, als es ohnehin den Anschein hat, denn mit jeder neuen Spur, die David entdeckt, nimmt das Geschehen neue, dramatische Wendungen …

Ich kann nicht behaupten, »Even« wäre das perfekte Buch. Dafür verliert sich Grant mitunter, wenn auch zum Glück nicht übermäßig oft, in allzu detaillierten Beschreibungen, und mit Ausnahme der Hauptperson, aus deren Sicht die Handlung in Ich-Form geschildert wird, fehlen den meisten sonstigen Figuren markante Wesenszüge, weshalb sie im Grunde beliebig austauschbar sind.
Wenn man über diese Schwächen aber hinwegsieht, ist  »Even« in der Tat ein enorm gelungener, hochspannender Thriller, wie man ihn viel zu selten findet. Jenseits üblicher Stereotype erzählt Grant eine fesselnde Geschichte, die seine Leser mit jeder Seite aufs Neue überrascht.

Allen voran liegt das an der komplexen Handlung, die unaufmerksame Leser schnell in Verwirrung stürzt. »Even« ist kein Buch, das man sich mal eben so auf die Schnelle zu Gemüte führen kann. Wer bei den fortwährenden Wendungen und dem zunehmend vielschichteigen Plot nicht die Übersicht verlieren möchte, muss schon Acht geben. Nimmt man, um es einmal drastisch zu formulieren, diese „Anstrengung“ in Kauf, wird man aber mit einer Story belohnt, die sich jeglicher Vorhersehbarkeit entzieht und wieder und wieder für erstaunliche Entwicklungen gut ist. Wer nach der kurzen Inhaltsangabe zu Beginn dieser Rezension glaubt, er ahne, wie sich die Handlung entwickle, der sollte entsprechende Vermutungen ganz schnell wieder fallen lassen. Innerhalb weniger Seiten wechselt Grant wieder und wieder die Richtung seiner Geschichte, sodass bis zum starken Finale nicht genau klar ist, wer nun Gut und Böse ist, wer mit wem und wer gegen wen arbeitet und was genau eigentlich gespielt wird. Großartiges Storytelling, das hier geboten wird!

Obwohl »Even« alles andere als gemächlich voranschreitet, würde ich den Roman nicht gerade tempo- oder actionreich nennen. Wer derlei Spannungslektüre sucht, sollte besser auf die Werke von Matthew Reilly zurückgreifen. »Even« bezieht seine Faszination mehr aus dem geschickt konstruierten Plot, aus exzellent verfassten Dialogszenen sowie einer facettenreichen Handlung, die mit jedem Kapitel ein andersartiges Szenario zu bieten hat. Mitunter geht es schon mal heftig und rasant zur Sache. In anderen Kapitel lässt sich Grant allerdings viel Zeit – was der Dramatik der Situation aber eher zu- denn abträglich ist.

Ein echter Pluspunkt des Romans ist die Darstellung von David Trevellyan. In einer Zeit, in der Helden stets schwer mit inneren Dämonen zu kämpfen und die Last der Welt ganz alleine auf ihren Schultern zu tragen haben, ist ein Mann wie David, der das Glas halb voll sieht, der ganz im Jetzt lebt und dem vergangene Missgeschicke nicht allnächtlich schreckliche Albträume bereiten, eine wahre Offenbarung. Trevellyan mag im Grunde ein eiskalter Killer sein, dem es an Einfühlungsvermögen mangelt. Das ändert aber nichts daran, dass er äußerst sympathisch rüberkommt und der Leser von Beginn an voll auf seiner Seite steht.
Eine Besonderheit des Romans sei noch erwähnt: Jedes Kapitel von »Even« beginnt damit, dass Trevellyan kurz in Erinnerungen schwelgt und sich an Ereignisse aus seiner Kindheit, seiner militärischen Ausbildung oder aus früheren Einsätzen erinnert, die mehr oder weniger gut zu dem passen, was im nachfolgenden Kapitel geschieht. An und für sich bin ich kein Freund solcher „Kapitelvorworte“, sondern überspringe sie meistens. Anders in diesem Fall. Die entsprechenden Passagen sind hochinteressant und sehr unterhaltsam geschrieben, sodass es ein wahrer Genuss ist, sie zu lesen.

Mit »Even« ist Grant ein echt starkes Debüt gelungen, das Fans mitreißender Spannungslektüre bestes Lesevergnügen bietet. Fans von Brett Battles‘ »Jonathan Quinn«-Reihe oder den »Bourne«- Filmen liegen goldrichtig, wenn sie zu dem Buch greifen.

Kein Zweifel: Die Fortsetzung werde ich in jedem Fall auch lesen!

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