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... Sören Prescher über das Schreiben, Dampf und Vorstellungen

Sören Prescher... Sören Prescher ...
... über das Schreiben, Dampf und Vorstellungen

Sören Prescher, Jahrgang 1978, lebt in Nürnberg und schreibt seit 1999 Kurzgeschichten und Novellen für die verschiedensten Anthologien meist im Bereich Horror-Grusel-Dunkle Phantastik-Mystery. Darüberhinaus hat er etliche Romane verfasst. Dabei handelt es sich meistens um Werke aus dem Bereich Kriminalroman. Mit "Der Flug des Archimedes" hat er aber auch einen Steampunkroman vorgelegt.


Zauberspiegel: Hallo Sören! Vielen Dank, dass Du Dir Zeit nimmst, einige Fragen zu beantworten. Du hast mittlerweile zehn Romane und mehr als zwei Dutzend Kurzgeschichten und Novellen veröffentlicht. Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Sören Prescher: Hallo Uwe! Geschichten habe ich eigentlich schon immer gern geschrieben. Wenn früher im Deutschunterricht so was anstand, war ich immer voller Begeisterung dabei. Als Teenager fing ich dann an, die ersten Geschichten auch außerhalb der Schulzeit zu schreiben. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto mehr faszinierte und begeisterte mich das Ganze. Das ist bis heute so geblieben.

Zauberspiegel: Kannst Du Dir vorstellen, irgendwann Deinen Brotberuf an den Nagel zu hängen und "nur" noch zu schreiben?
Sören Prescher: Vorstellen schon, aber ob das auch mit der Umsetzung klappt? An mir soll es da prinzipiell nicht liegen. Doch leider können ja nur die wenigsten Schriftsteller tatsächlich allein von der Schreiberei leben. Dafür braucht es einige Bücher, die sich wirklich, wirklich gut verkaufen. Und selbst dann birgt die Sache noch ein großes Risiko. Wenn ich irgendwann diesen Punkt erreiche, ist das toll. Ansonsten kann ich damit ebenfalls gut leben. Falls es da draußen allerdings einen reichen Gönner gibt, der es gern sehen würde, dass ich mich ausschließlich ums Schreiben kümmere, darf er gern Kontakt zu mir aufnehmen.

Zauberspiegel: Die meisten Deiner Veröffentlichungen kommen entweder aus dem Bereich Kriminalroman oder Horror. Für welches Genre schlägt Dein Herz am meisten?
Sören Prescher: Das kann ich so pauschal nicht sagen. In Genre-Kategorien denke ich normalerweise nicht. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen. Manche davon sind düster oder gruselig, andere blutig, amüsant oder nervenaufreibend. Die Bandbreite ist groß. Es kommt aber durchaus vor, dass ich beim Schreiben einer Krimi-Geschichte große Lust bekomme, danach eine Horror- oder Fantasy-Geschichte zu schreiben.

Zauberspiegel: Einige Deiner Autorenkollegen halten nicht viel von der Kurzgeschichte, weil man ihrer Meinung nur wenig Geld damit verdienen kann. Wie sieht Dein Verhältnis zu Kurzgeschichte und Novelle aus?
Sören Prescher: Mein Herzblut hängt an Romanen. Nicht, weil man damit mehr Geld verdienen kann, sondern weil man darin die Chance hat, größere Zusammenhänge aufzubauen und zu erzählen. Was allerdings nicht bedeutet, dass ich Kurzgeschichten und Novellen deshalb stiefmütterlich behandle. Der Hauptantriebsmotor ist die Handlung selbst. Manchmal reicht es für eine längere, manchmal bloß für kürzere Storys. Ärgere ich mich deswegen? Nein, wenn eine Geschichte zu Ende ist, ist sie zu Ende.

Kreuzfahrt der SkeletteZauberspiegel: Eine Deiner ersten Kurzgeschichten "Die Sanduhr" erschien in der John-Sinclair-Sammleredition. Welche Rolle haben John Sinclair und Jason Dark in Deinem Leben gespielt?
Sören Prescher: Ehrlich gesagt: keine so große. Klar kenne ich die eine oder andere Sinclair-Geschichte und auch diese (von der Umsetzung her) gruselige Sinclair-TV-Serie habe ich mir angeschaut. Aber davon abgesehen ist da nicht viel gelaufen.

Zauberspiegel: Du hast nun schon an etlichen Anthologien mitgewirkt. Hattest Du dabei eigentlich auch Kontakt zu den Autorenkollegen oder nur zum Herausgeber bzw. der Herausgeberin?
Sören Prescher: Es kommt zwar immer auf die jeweilige Anthologie an, aber nachdem ich schon einige Jahre im Literaturbereich unterwegs bin, kenne ich inzwischen auch so einige Autoren. Bei manchen Geschichtensammlungen ist es deshalb fast wie ein Zusammentreffen alter Bekannter. Mit Tobias Bachmann und Markus K. Korb zum Beispiel bin ich schon in so mancher Antho vertreten. Und jedes Mal, wenn ich ihre Namen wieder in einer neuen Antho-Autorenliste lese, freue ich mich darüber.

Zauberspiegel: Findest Du es einfacher eine Geschichte "ins Blaue" zu schreiben oder fällt es Dir leichter zielgerichtet für eine thematische Anthologie wie etwa "Advocatus Diaboli" zu schreiben?
Sören Prescher: Ins Blaue zu schreiben, ist in der Regel einfacher, da man sich da nur allein um seine eigenen Vorgaben kümmern muss. Gibt es konkrete Themen oder Grafiken kann es schwierig werden, wenn einem dazu partout keine brauchbare Geschichte einfallen will. Andererseits inspirieren mich solche Vorgaben aber auch zu Ideen, die mir sonst wohl gar nicht erst gekommen wären.

Zauberspiegel: Du hast vor einiger Zeit auch einen Roman über Sherlock Holmes verfasst. Wie hat es Dir gefallen über die Figur eines anderen Autoren zu schreiben?
Sören Prescher: Es war leicht und schwierig zugleich. Leicht weil ich die Figur Sherlock Holmes seit Kindestagen an kenne und verehre. Somit weiß ich ziemlich genau, wie er und Dr. Watson agieren und denken. Schwierig ist es trotzdem von der handwerklichen Seite, da man den Originalen möglichst gerecht werden möchte. Als Tobias Bachmann und ich „Sherlock Holmes taucht ab“ schrieben, hatten wir von Anfang an festgelegt, dass wir uns an Sir Arthur Conan Doyles Erzählstil und Geschichtenaufbau orientieren würden. Sprich: dass wir die Story aus der Sicht des Doktors schildern und er sich mit Holmes das eine oder andere Mal wegen Kleinigkeiten in die Haare bekommen würde. Eben genauso, wie es auch in den vor über hundert Jahren erschienenen Geschichten der Fall war. Die Originale bedeuten mir da einfach viel zu viel, als dass ich unflätig damit umgehen würde.

Der Flug des ArchimedesZauberspiegel: Mit "Der Flug des Archimedes" hast Du auch einen Ausflug in den Bereich Steampunk gewagt. Was hältst Du von diesem Genre?
Sören Prescher: Ich finde es höchst interessant. Steampunk ist eine in der Vergangenheit spielende Zukunft. Da ist praktisch alles möglich. Was willst du als Autor mehr?

Zauberspiegel: In Deinem Roman hast Du mit dem Ingenieur Harris und dem Streifenpolisten Charlie Grant zwei ungewöhnliche Hauptfiguren gewählt. Wie siehst Du die beiden?
Sören Prescher: Die beiden waren für mich wie Katz und Maus. Zwei total unterschiedliche Charaktere, die beide wichtige Funktionen erfüllen und sich dank ihrer vollkommen voneinander abweichenden Denkmuster öfters mal in die Haare bekommen. Dadurch entwickeln die beiden irgendwann eine ganz eigene Dynamik, ähnlich wie es auch bei Holmes und Watson der Fall ist. Bei Ingenieur Harris hatte ich öfters mal Louis de Funès vor Augen, der sich in seinen Filmen auch wunderbar in Nichtigkeiten hineinsteigern konnte.

Zauberspiegel: Der Roman besteht ja aus drei Teilen. Im dritten Teil führst Du zusätzlich die Figur der Gerde Forster ein, die einen ziemlichen Kontrast zu den beiden Männern bildet. Wie würdest Du sie beschreiben und warum hast Du sie zu diesem relativ späten Zeitpunkt in die Handlung eingebracht?
Sören Prescher: : Gerde war für den Roman unabdingbar. Neben Charlie und Nigel spielt sie die wichtigste Rolle im Buch. Am Anfang des dritten Geschichten-Abschnitts glaubt der Leser ja, die ungefähre Fahrtrichtung zu kennen, in die sich die Handlung weiter entwickeln wird. Warum also nicht das bisherige Konzept an der Stelle abändern und so eine zusätzliche Komponente mit hineinbringen? Des Weiteren gab es in dem Buch bis dahin nicht besonders viele Frauenrollen. Und nachdem ich unbedingt auch eine (weitere) Liebesgeschichte einbauen wollte, war mir klar, dass da jemand Weibliches her musste. Davon abgesehen ist Gerde sowieso wieder ein völlig anderer Charakter als Charlie und Nigel. Sie gibt den beiden ordentlich Paroli und hat gleichzeitig einige wichtige neue Sichtweisen in petto.

Zauberspiegel: Im Roman bzw. der Vorgeschichte dazu schilderst Du die Möglichkeit durch Hypnose Kontakt zu den Seelen Verstorbener bzw. noch Ungeborener herzustellen. Was hat Dich dazu bewogen dieses Szenario zu wählen?
Sören Prescher: : Es war ein unverbrauchtes Konzept. Ein neuer Ansatz, den ich so vorher noch nirgend woanders gelesen habe. Und auf den ich mächtig stolz bin. Dabei liegt es einer eigentlich recht simplen Idee zugrunde: Wenn es via Regressionshypnose möglich ist, in frühere Leben zu blicken, weshalb sollte es dann nicht auch möglich sein, die Reise in die andere Richtung, also in die Zukunft, zu unternehmen.

Zauberspiegel: Streckenweise wirkte der Roman auf mich wie ein Jugendbuch. Ist das nur mein Eindruck?
Sören Prescher: Ja, ein bisschen was von einem Jugendbuch hat der Roman durchaus. Was in meinen Augen aber nichts Schlechtes ist. Abgesehen von seinen Steampunk-Elementen ist „Der Flug der Archimedes“ ein Abenteuerroman, der im viktorianischen London spielt. Während und vor des Schreibens habe ich viele Geschichten von Jules Verne gelesen und mich auch davon inspirieren lassen (deshalb gibt es im Buch auch mehrere versteckte Anspielungen auf ihn). Viele seiner Werke werden heute ebenfalls als Jugendliteratur eingestuft. Ich glaube allerdings nicht, dass der gute Jules das seinerzeit so beabsichtigt hatte. Mir selbst ist das auch nicht so wichtig. Für mich sind das einfach gut erzählte, interessante Geschichten.

Zauberspiegel: Zu "Der Flug des Archimedes" gibt es eine Art Prolog. Es handelt sich um die Novelle "Erinnerungen an Morgen" in der gleichnamigen Anthologie von Alisha Bionda, die zwei Jahre vorher erschienen ist. War der Roman zu diesem Zeitpunkt bereits fertig gestellt?
Sören Prescher: : Nachdem ich die erste Fassung des Romans fertig hatte, habe ich gleich im Anschluss daran die Novelle verfasst. Als auch das erledigt war, habe ich mir den „Flug der Archimedes“ nochmals vorgenommen, um all die Details abzuändern, die mir während des Novellenschreibens noch in den Sinn gekommen sind. Wenn man zwei aufeinander aufbauende Geschichten verfasst, ist eine solche Feinabstimmung sehr wichtig, damit beide Texte eine Einheit bilden.

Zauberspiegel: Wird es ein Wiedersehen mit Charlie, Gerde und Ingenieur Harris geben?
Sören Prescher: Das steht noch nicht fest. Lust und Ideen dafür sind durchaus vorhanden.

Zauberspiegel: Woran arbeitest Du zur Zeit? Auf welche neuen Veröffentlichungen von Dir dürfen wir uns 2015/2016 freuen?
Sören Prescher: Im März erschien mit „Verhängnisvolle Freundschaft“ ein spannender Who-dunnit-Krimi als eBook im Gmeiner Verlag. Außerdem ist seit diesem Monat die Taschenbuchausgabe des ersten Teils meines Mystery-Romans „Marty“ im Rouven-Finn-Verlag erhältlich. Der zweite Teil folgt im Sommer. Ebenso wie die beiden Teile des Horror-Romans „Die Wurzeln des Bösen“, den ich zusammen mit Tobias Bachmann geschrieben habe. In Kürze kommt zudem mein Liebesroman „Momentaufnahme“ auf den Markt.
Außerdem steht im Sommer mit „Wer mordet schon in der Oberlausitz?“ ein weiterer Kurzkrimi-Band mit Silke Porath am Start. Aktuell arbeite ich zusammen mit Silke an einem amüsanten Klosterkrimi. Wann genau der erscheint, ist noch nicht ganz raus, ich vermute, Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres.
Für das Frühjahr 2016 habe ich zudem einen spannenden Thriller in der Pipeline. Die genauen Details dazu sind aber noch geheim.

Titel von Sören Prescher:

  • Der letzte Sommer, Lacrima Verlag 2005
  • Superior, Brendle Verlag 2008
  • Der Fall Nemesis, Voodoo Press 2010
  • Sherlock Holmes taucht ab, Fabylon 2012 (mit Tobias Bachmann)
  • Der Flug des Archimedes, Fabylon 2014
  • Wer mordet schon zwischen Alb und Donau?, Gmeiner Verlag 2014 (mit Silke Porath)
  • Marty 1, Rouven Finn Verlag 2015
  • Verhängnisvolle Freundschaft, Gmeiner Verlag 2015 (eBook)
  • Momentaufname, Oldigor Verlag 2015

Kurzgeschichten und Novellen (Auswahl)

  • Die Sanduhr, in: John Sinclair Sammler Edition Bd. 136, 2001
  • Die Kälte des Kopfes, in: Jenseits des Hauses Usher, Blitz 2002
  • Das vergessene Haus, in: Arkham - Ein Reiseführer, Basilisk 2006
  • Der Käfig der Seelen, in: Rose Noire, Voodoo Press 2009
  • Der verbotene Tempel, in: Dunwich - Ein Reiseführer, Basilisk 2010
  • Rolfs Methode, in: Advocatus Diaboli, Edition Roter Drache 2010
  • Die Tätowierung, in: Wicked, Voodoo Press 2011
  • Metzenger, in: Odem des Todes, Voodoo Press 2011
  • Erinnerungen an Morgen, in: Erinnerungen an Morgen, Fabylon 2012
  • Hawleys Gemälde, in: Snake Woman, Fabylon 2012
  • Die zweite Chance, in: Düstere Pfade, p.machinery 2013
  • Im Auge des Fährmanns, in: Schattenmanns Blick, Textlustverlag 2013
  • Waldemars Beichte, in: Die Knochenkirche, Fabylon 2014

 

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