Wortberg, C. und Theisen, M. - Der Geist der Bücher (Hardcover)

Wortberg - der Geist der Bücher

Der Geist der Bücher
von Christoph Wortberg und Manfred Theisen
299 Seiten, 19,90 Euro, August 2007
ISBN: 978-3-741-78948-3
List Verlag

ACHTUNG - Lesen kann Ihr Leben retten!

Faust, Romeo und Julia, Robinson Crusoe, Agent Kurtz, Kapitän Ahab - wie gut kennst du diese Geschichten? Weißt du wie deine Bücher im Bücherschrank geordnet sind - welches Buch steht neben dem Herrn der Ringe von Tolkien? Weißt du unter welcher Adresse das Fräulein von Scuyderi lebt? Wenn du auf diese Fragen keine positive Antwort geben kannst, könntest du  Probleme bekommen. Dann kann es sein, dass du versagst, wenn du eines Tages die Aufgabe erhältst, die Welt der Literatur zu retten.

Die Jagd beginnt in New York, in der Bibliothek von Lynne, und genau dort endet das Abenteuer auch. Der Kreis ist geschlossen und die Welt der Literatur ist gerettet.

Eigentlich müsste der Untertitel dieses Beitrags über dem Buch stehen, denn genau das erlebt der Protagonist Ben zwischen den Buchdeckeln. 

"Der Geist der Bücher", das 2007 erschienene Buch von Christoph Wortberg und Manfred Theisen ist eines der interessantesten Bücher, die ich in den vergangenen Wochen gelesen habe.

Nach dem Buch "Der König der Welt", in dem die beiden Autoren ihren Protagonisten durch einige Schaltstellen der Weltgeschichte geschickt haben, wenden sie das Prinzip ein zweites Mal an und jagen wieder einen Jugendlichen (dieses Mal heißt der Held Ben) durch ein Abenteuer (dieses Mal eben die Literatur).

Es ist spannend, packend, hat poetische Momente (besonders dann, wenn Bens persönliche Begegnungen mit Julia in den Focus treten), nicht frei von Gewalt (wirklich erschrocken bin ich als klar wird, was mit den Opfern Gondars passiert), dabei aber erfreulich wenig blutrünstig. Bei allem Grauen, das geschildert wird, geschieht es relativ unspektakulär. Es fließt Blut, aber es spritzt nicht wie Fontänen nach allen Seiten, während der Kopf ... (Der Lesefan weiß was ich meine).

"Und was ist, wenn der Rollstuhlfahrer fertig gelesen hat?", fragte er. "Kann er dann etwa einfach aufstehen und wie der Held aus dem Buch in den Sonnenuntergang laufen?"
"Natürlich nicht, aber solange er den Roman las, konnte er es. Und das ist doch schon viel."

 

Dieser kleine Ausschnitt aus einem Gespräch zwischen Ben und seiner Tante, bei der er nach dem Tod seiner Eltern aufwächst, hat mich angesprochen. Während des Lesens schafft es ein guter Autor, den Leser in seine Welt zu holen und ihn für Momente aus seiner eigenen Welt heraus zu ziehen. Manchmal verändert sich die Welt des Lesers durch neue Erkenntnisse und ungewöhnliche Erlebnisse, aber in der Regel wird der Leser nach dem Schließen des Buchdeckels als der Alte wieder auftauchen - für die Dauer des Lesens allerdings war es ihm möglich "zu fliegen".

Angezeigt als Jugendbuch, halte ich es für ein Alter ab 13 Jahren durchaus für lesbar ... wenn sie nicht zu zart besaitet sind. Für ein Erwachsenenbuch hat es meiner Ansicht nach zu wenig wirkliche Tiefe. Die Charaktere (mit Ausnahme des Erzschurken - das sind ja immer sehr dankbare Gestalten) werden nicht ausgestaltet, was bei der Seitenzahl auch kaum möglich ist. Julia und ihr heimlicher Verehrer Mercutio verlassen nicht nur ihre literarische Welt, sie agieren, denken und sprechen auch wie ihre modernen Zeitgenossen. Das ist schade. Dafür gefallen mir die Helfershelfer des Verursacher des literarischen Massenmordens durch ihre Sprache sehr.

Innencover geist der bücherMan darf eines von dem Buch nicht erwarten: Es ist keine wirkliche Auseinandersetzung mit Literatur. Dies will das Buch meiner Ansicht allerdings auch gar nicht. Es geht darum, einen unterhaltsamen Roman mit Spannung und Tempo zu schreiben. Das ist meiner Ansicht nach durchaus gelungen.

Zum Kauf verlockt wurde ich durch die großartige Außengestaltung des Buches (danke Hilden :-), die es mir förmlich in die Finger schob. Die linke Abbildung zeigt die Vorsatzseite im inneren Buchdeckel. Diese Illustration stammt von Iacopo Bruno, Mailand.

Wie bei den meisten Hardcover-Büchern ist die Frage, ob der Inhalt den doch recht hohen Preis rechtfertigt. Meiner Ansicht nach durchaus ... begrenzt. Wie bereits oben beschrieben, hat das Buch durchaus seine Schwächen, je nach Alter und Erwartungshaltung. Es ist kein Stück große Literatur, es ist ein schönes Buch, das mich mit einem zufriedenen Seufzer zurück gelassen hat.

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