Ich bin Römer - Über ein verrücktes Hobby (Teil 1)

Ich bin RömerIch bin Römer
Über ein verrücktes Hobby
(Teil 1)

„Was ist der?“ Das werden sich jetzt sicher einige Leser und Leserinnen fragen. Aber ihr habt schon richtig gehört: ich bin Römer, aber nur an manchen Tagen. Ich betreibe etwas, was sich Reenactment nennt. Unter Reenactment versteht man die Neuinszenierung konkreter geschichtlicher Ereignisse in möglichst authentischer Weise. Und schon wieder ein Fremdwort: authentisch.

Also jetzt in klarem Deutsch: ich und einige andere versuchen das Leben der Römer nachzuspielen und das möglichst originalgetreu. Wie es dazu kam und warum ich mir ausgerechnet so ein Hobby ausgesucht habe, werde ich euch hier erzählen.

An allem ist eigentlich mein Vater schuld. Er schleppte die Familie immer auf so genannte Römertage mit und informierte sich dort über Gruppen und wie es so ist, Römer zu spielen. Von Mal zu Mal war er begeisterter und irgendwann einmal kamen wir in Kontakt mit einer Gruppe aus Hessen. Doch bevor wir überhaupt an einer Veranstaltung teilnehmen konnten, brauchten wir alle zumindest eine Tunika, welche man sich als langes T-Shirt vorstellen kann, das bis über die Knie geht, und Schuhe und einen Gürtel, wobei hier auch nur ein Seil reichte für den Anfang.

Ralf in Uniform Innerhalb kürzester Zeit legte sich mein Vater eine Rüstung für einen Auxiliarsoldaten zu.

Auxiliarsoldaten waren keine Legionäre und hatten auch kein römisches Bürgerrecht. Es handelte sich dabei um einheimische Truppen, die von Rom rekrutiert wurden. Man kann Auxiliartruppen am besten als Hilfstruppen ansehen.

Einige stellen sich sicher vor, dass diese Ausrüstung relativ billig ist, doch da täuscht man sich. Oft lässt man alleine schon für einen  richtig authentischen Dolch einen Tausender liegen. Vieles wird natürlich auch selber gemacht, zum Beispiel ist mein Schild auch selber gebaut. Helm, Schildbuckel und auch Dolch und Schwert müssen von einem Schmied hergestellt werden. Doch als kleine Entschädigung bekommt man für manche Auftritte Gage. Aber diejenigen, die jetzt schon geldgierige Augen bekommen, muss ich leider enttäuschen. Die Ausgaben für Ausrüstung und Ähnlichem sind viel höher als die Einnahmen.

Auf jeden Fall am Anfang war es für mich noch wie Spielen. Also wir machten nicht wirklich mit (also die jüngeren so um 8-10), sondern spielten viel lieber Verstecken, während die Erwachsenen kämpften, marschierten und sich um das Lager kümmerten. Es ergaben sich auch lustige Geschichten.

Wir waren in Trier 2006, so weit ich es noch weiß. Dort gibt es Katakomben und nachts findet dort immer eine Lichtershow statt mit Kerzen in den Gängen. Tagsüber war es jedoch stockdunkel dort, und doch kamen sehr viele Besucher und irrten durchs Dunkle. Wir waren damals noch zu jung, um bei den Großen mitzumachen, sammelten aus Spaß alle Kerzen ein und brachten sie zum Eingang. Irgendwann kam ein Chinese auf uns zu und gab uns 5 Euro und nahm eine Kerze mit. Andere Besucher dachten, wir würden dort Kerzen verkaufen und so  kamen immer mehr Leute zu uns und gaben uns Geld für die Kerzen. So waren wir den ganzen Tag beschäftigt und hatten abends fast 80 Euro eingenommen. Wir teilten das Ganze auf und jeder war glücklich und zufrieden.

So, im nächsten Artikel werde ich dann erzählen, wie es weiterging mit dem „Römern“.

Und wenn Interesse besteht, stell ich auch noch kurz die Ausrüstung eines Auxiliarsoldaten vor.

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