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Im folgenden geht es um zwei Heftromanserien des Autoren JÜRGEN GRASMÜCK, wohl den meisten besser bekannt als DAN SHOCKER, JAY GRAMS oder JÜRGEN GRASSE, um nur drei seiner zahlreichen Pseudonyme zu nennen. "LARRY BRENT" und "MACABROS" sind zwei Serien, die Heftromangeschichte geschrieben haben, wenn es so etwas überhaupt gibt, denn diese Publikationsform von Literatur hat so ihre Probleme.
Der Heftroman ist eine Erscheinungsform der Literatur, die wenig
gelitten ist. Er gilt als minderwertig, trivial und am besten ist er auf
einer Müllhalde aufgehoben.
Sicherlich sind diese Vorwürfe nicht völlig unzutreffend, denn sicherlich ist der Heftroman in der Regel Ex-und-hopp-Literatur, deren Zielgruppen vorwiegend Jugendliche auf der unteren Bildungsschiene, Hausfrauen und Arbeiter sind (Wie schön passt da die überlieferte Äußerung eines Lektors des ZAUBERKREIS-Verlages ins Bild, der gesagt hat " Wir schreiben für die Dummen"). Sicherlich
werden im Heftroman überwiegend simple Charaktere verwandt und sicherlich wird
auch ein vereinfachtes Bild unserer Wirklichkeit gezeichnet, so dass der Heftroman
von vornherein zur eskapistischen Literaturform wird. Alles völlig in Ordnung.
Der Heftroman befriedigt Bedürfnisse nach einer heilen Welt, wo Helden noch
Helden und Schurken noch Schurken sind. Ich meine, an den Heftroman die
Messlatte der Kritik zunächst einmal nur bedingt angelegt werden kann, und
zunächst sollte diese Publikationsform an ihren eigenen Grenzen und Möglichkeiten
gemessen werden.  Wie WOLFGANG JESCHKE im Editorial des "HEYNE SF JAHRBUCHES
1988" eine, mit Berufung auf Literaturnobelpreisträgerin DORIS LESSING und deren Rede beim SF-Weltcon
1987 eigene Maßstäbe der Kritik für die SF reklamierte, so sollte dies auch
für den Heftroman gelten. Keine Publikationsform der Literatur unterliegt
derartig restriktiven Beschränkungen. Da sind kommerzielle Zwänge so hart, wie
nirgendwo anders, da werden den Autoren von Verlagen Vorgaben gemacht, die sie
auf Schienen und in Schemata zwingen, und nicht zuletzt liegt der
Jugendschutz beim Heftroman auf der Lauer, denn hier ist ein Opfer ohne Lobby.
Versucht
man den Heftroman, der sich in seiner jetzigen Form zugegebenermaßen überlebt
hat, in seinen Beschränkungen zu begreifen und sich darauf einzulassen, so kann
man richtig gut unterhalten werden.
Von
Zeit zu Zeit gibt es allerdings Serien, die auf der einen Seite zwar voll in
das Schema des Heftes passen, auf der anderen aber manchmal die engen Grenzen
sprengen. Um ebensolche Serien wird es nun in der Folge gehen.
Es
geht um Serien, die von einem Mann erfunden worden sind, der auf der einen
Seite ein Geschäftsmann ist, der genau weiß, dass er von seinen Geschichten
leben muss bzw. musste. Diese Prämisse bedingt die Einschränkungen hinzunehmen,
die der Heftroman für einen Autor mit sich bringt. Aber auf der anderen Seite
ist JÜRGEN GRASMÜCK ein Autor, der innerhalb der Grenzen des Heftes sich und
seine Phantasie eingebracht hat, wie nur wenige andere Autoren.
Das
mag mit seiner Krankheit zusammenhängen, die ihn seit langer Zeit an den
Rollstuhl fesselt. Für ihn waren die Heftromane SEINER Serien mehr als
nur Broterwerb. Es war eine Möglichkeit sich auszudrücken, eine Möglichkeit
Anerkennung zu erringen.
Diesen
Aspekt kann man nicht außer acht lassen, wenn man das Schaffen JÜRGEN GRASMÜCKS
betrachtet. Erst recht, wenn es um den Kern seines Werkes geht:
"LARRY
BRENT" und "MACABROS".
Zum Abschnitt über Larry Brent und zu dem über Macabros - Artikel über die SF Grasmücks im Leihbuch - Artikel über die SF Grasmücks im Heft Zur SF-Bibliographie Grasmücks - Zu den Nachrufen und zum Lei(d)tartikel zu Jürgen Grasmücks Tod

Da ich als vierjähriger Bengel nicht lesen konnte,
interessierte mich weder der Literaturnobelpreisträger des Jahres 1968, auch
nicht der letzte SIMMEL oder KONSALIK und natürlich beachtete ich nicht den
Heftromanständer bei unserem Zeitschriftenhandel. Da hätte ich damals
"JERRY COTTON", ebenso wie "PERRY RHODAN" und viele andere
Serien und Reihen finden können. Der Leser des Jahres 2006 kann sich kaum ein
Bild der Vielfalt machen. Was es heute noch zu sehen gibt, sind armselige Reste
der einstigen Herrlichkeit.
Aber
an diesem 27. August 1968 gab es auch wieder einen "SILBER-KRIMI" (zur Titelliste) aus
dem ZAUBERKREIS-Verlag, wie schon viele erschienen waren, aber diesmal stand
da etwas ganz neues, zumindest was den Heftroman anging. Es war der erste
Grusel- bzw. Horrorroman, der als Heft in einer als Gruselroman auch kenntlich
gemachten Serie erschien. Zwar hat es vereinzelte Vorläufer, insbesondere innerhalb
der ERDBALL-Reihe des MARKEN-Verlags gegeben, aber die wären zu vernachlässigen.
Der Titel des "SILBER-KRIMI" Nr. 747 war "DAS GRAUEN SCHLEICHT
DURCH BONNARDS HAUS", war von einem gewissen "DAN SHOCKER"
(eine Gemeinsamkeit zwischen dem Autor und mir, denn wie man weiß, war der Name
des Pseudonyms von "BONANZA"-Darsteller DAN BLOCKER abgeleitet) und
trug als Untertitel den bezeichnenden Zusatz "GRUSEL-KRIMI NUMMER
EINS".
Dieser
von mir völlig unbeachtet erschienene Heftroman war der erste seiner Art und
viele folgten ihm. Heute, kennen wir viele, die in die Fußstapfen DAN SHOCKERS
getreten sind. Einige Pseudonyme und ihre Helden: NEAL DAVENPORT , PAUL WOLF
(DORIAN HUNTER), JASON DARK (JOHN SINCLAIR), A.F. MORLAND (TONY BALLARD),
ROBERT LAMONT (PROFESSOR ZAMORRA). Sie alle traten zwar in die Fußstapfen DAN
SHOCKERS, verfolgten aber andere Konzepte, konnten auch anders beginnen, weil
der Boden bereitet war, sprich die Leserschaft und der Markt für andere
Projekte erschlossen waren. Dennoch bleibt es bloße Spekulation, ob ohne einen
DAN SHOCKER die ganze Entwicklung anders verlaufen wäre oder nicht. Eben
sowenig sollte darüber spekuliert werden, ob eine der Horrorserien, die Larry
Brent folgten, niemals oder erst später erschienen wären. Wir haben eine gegebene
Entwicklung. Ich glaube jedoch, es ist unstrittig, dass der Horror Eingang in
den Heftroman gefunden hätte.
Doch
anderseits können wir feststellen, dass DAN SHOCKERS LARRY BRENT der erste auf
dem Markt war. Von DAN SHOCKER und dem ZAUBERKREIS-Verlag war erkannt worden,
dass ein Markt für diese Art Heftromane vorhanden war (und heute noch — wenn
auch nur in kleinerem teilweise zum Nischen- bzw. Kleinverlag hin verschobenem
Rahmen — vorhanden ist). JÜRGEN GRASMÜCK hat es in dem Interview, das in
"MACABROS" Nr. 100 publiziert wurde treffend gesagt.
"Ende der sechziger Jahre war der Heftroman
reif für eine neue Idee." (1)
Der
ZAUBERKREIS-Verlag und JÜRGEN GRASMÜCK haben diese Idee gehabt, und somit sind
das gewissermaßen die Eltern des Horrorheftromans. Mit dem Kind, das die Eltern
hervorbrachten, gilt es sich jetzt zu beschäftigen.

Die
"Schwangerschaft" dauerte etwas länger als gewöhnlich. Die
"Zeugung" erfolgte auf der Buchmesse 1967 (also im Oktober), und die
Geburt, also der Tag an dem das erste Heft am Kiosk lag, war Ende Juli, doch
manchmal kann es schon vorkommen, dass so etwas länger dauert.
Aber nun der Reihe nach.
Auf der Buchmesse 1967 in Frankfurt am Main kam es zu einer Begegnung zwischen
dem Autor JÜRGEN GRASMÜCK und dem Geschäftsführer des Rastatter ZAUBERKREIS-Verlages
Herrn ERNST. Herr ERNST begann dem Autoren, von dem das Rastatter Verlagshaus
bisher Science Fiction und einen Kriminal-Romam publiziert hatte (sowie dessen
Leihbücher teilweise nachgedruckte) sein Leid zu klagen. Er eröffnete JÜRGEN
GRASMÜCK, dass die Krimi-Reihe des Verlages, der "SILBER-KRIMI", ihm
Kopfschmerzen bereite, weil er nicht mehr so recht lief (wahrscheinlich würden
heute Redakteure diverser Serien selbst mit der Auflagenzahl, die dem Herrn
ERNST 1967 Kopfschmerzen bereitete, heute mehr als zufrieden sein (denn 1967 waren
die Verkaufszahlen wesentlich besser und Zahlen um die 100.000 nichts
außergewöhnliches). Nun wurde dem Autor mitgeteilt, dass der Verlag nach etwas
neuem suchte, etwas mit unheimlichen und gruseligen Touch. Das war gar nicht so
abwegig, lief doch zu dieser Zeit eine große Horrorfilmwelle durch die Kinos,
die ihren Ursprung vorwiegend in Großbritannien, sprich bei HAMMER und AMICUS
hatten. Die Stars dieses Horrorkinos waren Leute wie CHRISTOPHER LEE, PETER
CUSHING, VINCENT PRICE und MICHAEL GOUGH.
Aber da gab es auch in heimischen Gefilden eine Erfolgsreihe im Kino der Sechziger Jahre. Deren Stars waren JOACHIM FUCHSBERGER, HEINZ DRACHE, EDDIE ARENDT, ELISABERTH FLICKENSCHILDT, KARIN DOR und KLAUS KINSKI. Dieses Erfolgsformat waren die von Horst Wendtland produzierten EDGAR WALLACE-Filme, sowie die zahllosen Epigonen wie DAS WIRTSHAUS VON DARTMOOR (1963), ein Film, den Jason Dark in den GESPENSTER-Krimi 163 DER UNHEIMLICHE VON DARTMOOR verwandelte. Sie verfügten, ohne dabei ins Übernaürliche zu gehen über Momente des Unheimlichen. Dazu war Masken, Kapuzen, Kutten unad andere Verkleidungen durchaus Usus bei den Bösewichtern. Auch diese - an den Kinokassen und in den Siebzigern im TV - sehr erfolgreichen Formate adaptierte JÜRGEN GRASMÜCK in seine GRUSEL_KRIMIS, eine Etikett, dass heute den EDGAR WALLACE-Filmen anhaftet. Sucht man nach weiteren Film, kann man ruhig auf die MABUSE-Verfilmungen der Fünfziger und Sechziger verweisen.
Diese Filme boten sich als zu adaptierendes Vorbild geradezu an, sollten die Romane Grasmücks doch in einer Krimi-Reihe, eben dem SILBER-KRIMI des Hauses ZAUBERKREIS, starten. Ein Muster, dem bis auf Pabel mit seiner Reihe VAMPIR HORROR andere Verlage folgten.
Zum Unheimlichen, dem Krimi und den Elemtenten der SF (die ja auch in den MABUSE-Verfilmungen anzutreffen sind), mischte Jürgen Grasmück noch einen Hauch James Bond. LARRY BRENT sollte weltweit an exotischen Schauplätzen tätig werden.
JÜRGEN GRASMÜCK bot
spontan an, dem Verlag ein Rahmenexposé zu liefern. Der Geschäftsführer des
ZAUBERKREIS-Verlages hatte, ohne es zu ahnen, eine Saite in dem Autor zum
Schwingen gebracht, denn bereits 1962 hatte JÜRGEN GRASMÜCK als JAY GRAMS beim
BEWIN-Verlag ein Leihbuch publiziert, das eine Mischung aus Science Fiction und
Horror darstellte. Bezeichnenderweise hatte er dabei eine Figur thematisiert,
die schon seit langem mal der SF mal dem Horror zugeschlagen wird: FRANKENSTEIN.
Nur leider machten da die
Herren des BEWIN-Verlags nicht mit, denn diese meinten, dass FRANKENSTEIN 'out'
sei (oder wie es ANDREAS "LEO" LUKOSCHICK – ein beliebter TV-Star der
80iger – formuliert haben mochte "mega-out"), und das, obwohl Ende
der fünfziger Jahre gerade die erfolgreiche Neuverfilmung des FRANKENSTEIN in
den Kinos lief ("THE CURSE OF FRANKENSTEIN (dt. Frankensteins Fluch) GB
1957 Regie: TERENCE FISHER mit PETER CUSHING als DOKTOR FRANKENSTEIN und
CHRISTOPHER LEE als Ungeheuer), der Fortsetzungen bis ins Jahr 1974 nach sich
zog. Aber alles lamentieren von Seiten GRASMÜCKS half nichts.
Der Name
FRANKENSTEIN wurde in KARLEMBORG geändert. Das Leihbuch "TESTAMENT DES
GRAUENS" (Bewin-Verlag, 1962) war ein Vorläufer zu LARRY BRENT. Das in
diesem Roman entworfene Szenario ließ sich problemlos zu einem LARRY BRENT
umarbeiten (Wer nicht über das Leihbuch verfügt, der hat als Leser des
"DAN SHOCKER-READERS" (Hrsg. UWE SCHNABEL und Horst von Allwörden)
Gelegenheit, dies nachzuprüfen, denn die Originalfassung von "TESTAMENT
DES GRAUENS" ist dort publiziert worden).
DAN SHOCKER fuhr von der
Buchmesse begeistert nach Hause, überglücklich, dass er dem Verlag diese neue
Form des Heftes nicht anbieten musste, denn da hatte er schon schlechte
Erfahrungen machen müssen.
Einem großen Verlag hatte
er eine Serie um den (vorgeblich) blinden Rechtsanwalt (sic!) "HESTER GORDON"
angeboten (zwar weniger phantastisch, aber immerhin), die er zusammen mit
JÜRGEN DUENSING (vorwiegend im Western als FRANK CALLAGHAN sehr aktiv, hat auch
SF- (als J.C. DWYNN) und Horror-Romane (unter anderem als JOHN BLOOD und
TERENCE BROWN) geschrieben) konzipiert hatte, und die abgelehnt wurde (Der DAN
SHOCKER'S FANTASTIK CLUB hat den Pilotroman zu dieser Serie im CLUB-LETTER
63/64 vorgelegt).
Nun aber wurde JÜRGEN
GRASMÜCK nach Absprache mit dem Verlag tätig, und er machte sich sofort an die
Arbeit. Er verfasste binnen kürzester Zeit ein Rahmenexposé zu "LARRY
BRENT", wie er seinen Helden zu nennen gedachte. In dieses Rahmenexposé
arbeitete er relativ wenige Sachen hinein. Zum einen stellte er die
"PSA" (= PSYCHOANALYTISCHE SPEZIALABTEILUNG) vor, zum anderen die
Hauptpersonen, wie eben LARRY BRENT selbst, den Russen IWAN KUNARITSCHEW, die
Schwedin MORNA ULBRANDSON, den Boß und blinden Gründer der PSA DAVID GALLUN,
sowie dessen Diener BONY. Hinzu kamen noch einige kurze Anmerkungen zu den
Themen der Serie, soweit diese nicht schon mit Herrn ERNST besprochen waren.
Immerhin betraten hier
Autor und Verlag Neuland im schnelllebigen Geschäft des Heftromans, da galt es
vorsichtig zu sein. Zudem sollte die Reihe um die Abenteuer des PSA-Agenten
innerhalb einer Krimi-Reihe starten, und so musste man bezüglich der Themenwahl
vorsichtig sein. Es war noch auszuloten, wie weit man sich bezüglich der Themen
aus dem Fenster lehnen konnte, ohne dabei Leser zu verprellen.
Daher entschied sich
JÜRGEN GRASMÜCK für einen Weg, der in der Mitte lag. Später starteten Serien
und Reihen von vornherein mit der gesamten Höllenhierarchie und spielte voll
mit Magie und jedwedem übersinnlichen Phänomenen. Bei JÜRGEN GRASMÜCKS
Planungen war es nicht möglich gleich themenmäßig in die vollen zu gehen. Daher
wählte er zunächst Themen, die (pseudo-)wissenschaftlich erklärbar waren, sich
im Bereich der Grenzwissenschaften abspielten. Heutzutage nennt man viele der
Themen, wie sie im Laufe der ersten "GRUSEL-KRIMIS" angeschnitten
wurden: Esoterik.
Also könnte man sagen,
dass er seiner Zeit voraus war. Auch das Krimi-Moment innerhalb der Reihe um
die Abenteuer des Helden LARRY BRENT durfte nicht vergessen werden, um hier
den Leser auch ansprechen zu können (Späterhin hielt sich diese Vorgehensweise,
BASTEI nannte seine erste Horror-Reihe "GESPENSTER-KRIMI" und KELTERS
"GEISTER-KRIMI" startete sogar in der Krimi-Reihe des Hamburger
Verlages).
Sein bisheriges
Hauptbetätigungsfeld konnte JÜRGEN GRASMÜCK auch nicht verleugnen. In mehreren
Aufsätzen der sechziger Jahre wurde die Entwicklung der Lasertechnik euphorisch
beurteilt, so dass er sich entschloss, statt des später üblichen magischen
Waffenarsenals, den PSA-Agenten die damals als "Waffe der Zukunft"
gefeierte Laserstrahl als heute noch nicht verwirklichten handlichen Strahler
in die Hand zu drücken. Ein relativ kluger Schachzug.
Auch an sein Pseudonym
dachte JÜRGEN GRASMÜCK. Sein bisher so oft geübtes Spiel seine Initialen J.G.
einzubringen (JAY GRAMS, JÜRGEN GRASSE, J.A. GORMAN, J.A. GARRETT) wurde für
diesmal vergessen. Nun lief im Fernsehen aber eine Westernserie, die war betitelt
"BONANZA" und war in der Rolle des Hoss besetzt mit einem gewissen
und leider zu früh — im Alter von 32 Jahren — verstorbenen Schauspieler namens
DAN BLOCKER. Nun war klar, dass das Pseudonym das Thema der Romane
widerspiegeln sollte. So kam es dann zu dem Wortspiel, dass den Namen "DAN
SHOCKER" gebar. Dieser wurde flugs noch mit ins Exposé genommen.
Die Erstfassung des
Exposés ging an den Verlag, ohne überarbeitet worden zu sein, denn JÜRGEN
"DAN SHOCKER" GRASMÜCK war mit vollen Herzen und Enthusiasmus an der
Arbeit.
Dieses Exposé wurde vom
Verlag akzeptiert. Das Haus ZAUBERKREIS rief dann bei GRASMÜCKS im Hause an und
bat um den ersten "LARRY BRENT"-Roman. Dies war dann im Spätherbst
1967. Während einer Kur, die im Januar 1968 begann, wurden die ersten Seiten zu
Papier gebracht. Nach der Rückkehr aus der Kur wurde der Roman beendet, was im
April des Jahres 1968 der Fall war. "DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH BONNARDS
HAUS" wurde an den Verlag geschickt, akzeptiert und als SILBER-KRIMI Nr.
747 (Untertitel: "GRUSEL-KRIMI Nummer EINS") auf den Markt geworfen.
Der Roman hat zunächst
einmal das typische Äußere eines "SILBER-KRIMI". Oben links befand
sich das farbige Rechteck mit "Z" (Verlagssignet), das bei diesem
Roman dunkelgrün war rechts oben befanden sich in einem kleinen schwarzen, lang
gestreckten rechteckigen Kasten die Romannummer und der Preis (seinerzeit im
übrigen achtzig Pfennig) unten in roter Schrift auf weißem Grund, in zwei
getrennten rechteckigen Kästen Autor und Titel des Bandes, darunter wiederum
in einem weißen, lang gestreckten Rechteck die Kennung der Sub-Serie
"GRUSEL-KRIMI". Insofern sah der Roman wie die anderen der Krimis
dieser Reihe aus. Doch das Titelbild hob sich doch etwas von den bisherigen ab.
Es ist eine Fotomontage. Auf grau-blauen Hintergrund wurde dieses Bild gedruckt.
Im Vordergrund befindet sich das Gesicht einer schreienden Frau, dahinter die
Aufnahme eines Ungeheuers, von dem nur die Augenpartie zu erkennen ist. Das
war — außer dem Hinweis im Untertitel — der einzige Indiz, dass den Lesern
nicht das übliche Krimieinerlei, wie die ZAUBERKREISkopie von "JERRY COTTON"
— "JEFF CONTER" — geboten wurde.
Doch wer den Roman
aufschlug, der erfuhr alsbald, dass es dem Verlag es mit dem Grusel-Krimi ernst
gemeint war. Der Inhalt hob sich deutlich von den üblichen Krimis ab.
Es ging um die
Wiederbelebung einer alten ägyptischen Prinzessin, die durch eine große Menge
Blut einer bestimmten Blutgruppe erreicht werden sollte. Dazu wurden übergroße
Vampirfledermäuse gezüchtet, die nun Menschen überfallen. Der PSA-Agent
X-RAY-18 HENRY PARKER kommt bei dem Versuch Licht ins Dunkel zu bringen ums
Leben, aber ein junger FBI-Agent auf Urlaub ist auch in den Fall verstrickt
worden. Sein Name: LARRY BRENT. Es gelingt ihm den Fall zu lösen. Dabei wird er
vom PSA-Chef und Gründer, dem blinden Emphaten DAVID GALLUN und dessen
Faktotum BONY für die Arbeit in der PSA entdeckt. Der Roman schließt damit,
dass LARRY BRENT aus dem FBI entlassen wird, um die Ausbildung in der PSA zu
beginnen.
Mit diesem Roman war die
Geburt der ersten Horrorheftserie erfolgt. Nun ging es weiter. Keiner ahnte,
dass dies der Start zu etwas 18 Jahren Heftromangeschichte sein sollte. Und
erst eine übereifrige Vertriebsabteilung in einem Verlagshaus setzte dem
munteren Treiben ein Ende.
Aber das war zu dem
Zeitpunkt Zukunftsmusik...

JÜRGEN GRASMÜCK barst von
Ideen. Seit "TESTAMENT DES GRAUENS" hatte er gehofft derartiges zu
schreiben, und Herr ERNST vom ZAUBERKREIS-Verlag ahnte nicht, dass er ihm sehr
entgegengekommen war. JÜRGEN GRASMÜCK konnte nun schreiben, was er immer
schreiben wollte. Mit dem Helden LARRY BRENT war ein Wunsch in Erfüllung
gegangen. Zwar tauchte der Name des Helden nicht als Sub-Serientitel auf den
Romanen auf, denn dieser Name erklärte nicht die Thematik der Serie, was in
diesem Fall schon Bedeutung hatte, die Leser sollten ja auf die für den
Heftroman neue THematik hingewiesen werden. Daher also der Sub-Serientitel
"GRUSEL-KRIMI".
Im Schnitt erschienen
alle vier bis sechs Wochen Romane von DAN SHOCKER in der SILBER-KRIMI-Reihe.
Unterschiedliche parapsychische, pseudowissenschaftliche oder auch manchmal
wissenschaftliche Errungenschaften bildeten den Hintergrund zu den Romanen.
Im zweiten Roman wurde
LARRY BRENT bereits, nach einer harten Aufnahmeprüfung (über die in der
weiteren Folge des Artikel noch zu reden sein wird nämlich dann, wenn es um die
PSA im speziellen geht) auf Geistererscheinungen in England angesetzt. Als
Partner wurde ihm IWAN KUNARITSCHEW an die Seite gestellt. Diese
Geistererscheinungen stellten sich als Holographien heraus, damals eine Technik
im Entwicklungsstadium, über die aber in Zeitschriften bereits berichtet
wurde. JÜRGEN GRASMÜCK baute diese sinnvoll in den Roman ein, wenn er auch die
Möglichkeiten dieser Technik, wie beim Laser etwas überzog, doch zu guter letzt
ließ er ein reales Geisterphänomen in den Roman einfließen. Ein harmloser
Klopfgeist treibt sein Wesen in dem alten englischen Schloss. Das war das
erste wahrhaft übersinnliche Phänomen innerhalb der Reihe.
Da DAN SHOCKER genau
wußte, was er schreiben wollte, hatte er auch die ersten zehn bis fünfzehn
Titel seiner Serie im Kopf. Er explodierte förmlich, was seine Phantasie
anging. Die erwähnte Holographie in "DIE ANGST ERWACHT IM
TODESSCHLOSS" (SK 753/GK 2 — 8.10.68) war nur ein Anfang. Dann im dritten
Roman eine Thematik, die heutzutage im Zuge der Esoterik-Welle aktuell ist.
"Somnambulismus" (was in "IM KABINETT DES GRAUENS", (SK
761/GK 3 — 03.12.68) im Sinne von Aussenden des Geistes und übertragen auf
einen anderen, toten Körper zwecks einer Scheinwiederbelebung gebraucht
wurde). So erscheint ein vor Jahren hingerichteter wieder auf der Bildfläche
und meuchelt die Familie seines Henkers. LARRY BRENT braucht lange, das Geheimnis
zu lüften.
Die Liste der Themen
ließe sich noch fortsetzen: "JECKYLL & HYDE" in Variation, ein
wenig abgemischt mit 'DR. MABUSE' ("DER DÄMON MIT DEN TOTENAUGEN"
SGK 771/GK 4 11.2.69) eine Art 'Guru', der scheinbar bei Séancen den Kontakt zu
Toten wieder herstellte und für verbrecherische Manipulationen nutzte, dabei
allerlei technische Sperenzien nutzte (wie auch die PSA) ("NACHTS, WENN
DIE TOTEN KOMMEN" SK 777/GK 5 25.3.69) ein riesiges Insektenheer
("DER SATAN SCHICKT DIE HÖLLENBRUT" SK 786/GK 7 27.5.69) Unsichtbarkeit
durch eine technische Spielerei ("DAS TOTENHAUS DER LADY FLORENCE" SK
790/GK 8 24.6.69) Vampire, die keine waren, bei denen nur die sporadische
Missbildung langer Augenzähne auftrat ("DER SARG DES VAMPIRS" SK
814/GK 13 9.12.69), mutierte Riesenschnecken (SGK 838/GK 18 26.5.70). Die
Themen der ersten Nummer waren abwechslungsreich, doch es gab kaum wirklich
übersinnliche Phänomene innerhalb der Romane, denn noch galt es den Markt
auszuloten, zudem war der Jugendschutz zu fürchten, doch dieser nahm
augenscheinlich noch keine Notiz von DAN SHOCKER. Der Horrorroman in Heftformat
sollte erst Mitte der siebziger Jahre in dieser Hinsicht vor die BPS gezogen
werden. Doch zurück zum "GRUSEL-KRIMI" im "SILBER-KRIMI".
Für Auflagenzahlen gilt
dasselbe wie für Geld: man hat sie, aber man spricht nicht darüber. Daher
lässt sich also nur folgendes feststellen. Der Verlag muss positive Rückmeldungen
von den Grossisten erhalten haben, desgleichen müssen die Remittenden recht
gering gewesen sein, so dass im Verlag der Beschluss gefasst wurde, die
Sub-Serie "GRUSEL-KRIMI" mit einem eigenen Titel-Logo zu versehen. So
entstand dann nach reiflicher Planung das Titellogo, dass den
"SILBER-GRUSEL-KRIMI" bis zum Verkauf des ZAUBERKREIS-Verlages an Pabel
prägte. SILBER-KRIMI Nr. 870 (05.01.1971) unterschied sich von den Krimis nun
grundlegend. Das Cover der Romane von DAN SHOCKER war nun in drei Teile
zerlegt. Oben rechts das Verlagssignet, daneben eine Knochenhand, die das Wort
"GRUSEL-KRIMI" hielt. Alles in weiß auf schwarzen Grund gehalten.
über dem GRUSEL-KRIMI stand noch in Rot das Wort SILBER, in alter
ZAUBERKREIS-Tradition, denn mit einer bunt gemischten Romanreihe unter eben
diesem Obertitel hatte die Geschichte des Verlages begonnen. Darunter befand
sich das Titelbild, unten dann abgesetzt, Nummer und Preis, Autor und Titel.
Die Nummerierung war immer noch die des "SILBER-KRIMIS", und unter
dem Titel der Titel der Sub-Serie mit Nummer. Der Roman "DAS BEINHAUS DER
MEDUSA" war ein weiterer Meilenstein zum Erfolg der Serie, und ein weiteres
Markenzeichen der Brent-Romane war von nun an immer dabei.
Der Zeichner LONATI
(Lo) war von diesem Band an regelmäßig dabei. Seine Premiere feierte er auf
"SILBER-KRIMI Bd. 834, GK 17 "VOR DER TÜR STAND FRANKENSTEIN"
(28.04.70). Und dann zeichnete er erst einmal alle Titelbilder bis
"SILBER-KRIMI 862 (GK 23) "DAS MONSTER AUS DER RETORTE"
(10.11.70), um mit "SILBER-KRIMI 866 (GK 24) "SCHREI, WENN DICH DER
HEXENTÖTER WÜRGT" (8.12.70) noch einmal zu pausieren. Die Bilder LONATIS
wurden zu einem Markenzeichen der Romane DAN SHOCKERS, zudem muss der Italiener
die Herren im badischen Verlagshaus derartig beeindruckt haben, dass er viele
weitere Serien gestaltet. So gab er unter anderem auch "BUTLER
PARKER" und der SILBER-KRIMI Sub-Serie "DIE GREIFER" und DAN
OAKLAND und anderen Westernreihen und Krimireihen mit seinem unverwechselbaren Stil ein eigenes
äußeres Profil. Der eigenwillige Stil der Bilder hob sich später noch wohltuend
von den meisten Titelbildern ab, die so auf Horrorheften abgebildet waren. Der
Verfasser dieser Zeilen meint, dass einzig und allein KAREL THOLE, den Pabel
eine Weile beschäftigte, bessere Bilder auf Hefte gezaubert hat, und das über
einen längeren Zeitraum. Zwar hatten viele Zeichner einmal dieses oder jene
bessere Bild, aber über einen so langen Zeitraum sind im Horrorheftroman nur
THOLE und LONATI herausragend. LONATI ist schon fast mit JOHNNY BRUCK
vergleichbar, der ja bei PERRY RHODAN für viele herausragende Titelbilder
sorgte, nur dass LONATI viele Genres bedienen konnte. Im übrigen scheint LONATI
niemand zu kennen, der aus dem Genre des Horrorheftes kommt. Zwar hat während
der langen Zusammenarbeit GRASMÜCK-LONATI einige Male die Frau Lonatis
angerufen, weil es einige Ausnahmen gegeben hat, wo die Titelbildbeschreibung
von JÜRGEN GRASMÜCK ungenau war oder Fragen aufwarf. In der Regel waren die Beschreibungen
exakt gehalten. Erst als die Serie "LARRY BRENT" vom PABEL-Verlag
eingestellt wurde und schon eine ganze Weile vom Markt war, da telefonierte
LONATI einmal persönlich mit JÜRGEN GRASMÜCK. Über den Inhalt des Gespräches
ist leider nichts bekannt.
Doch die Testphase hatte
noch eine weitere Komponente. Am 2.12.1969 startete der Z-Verlag das erste
Taschenbuch von DAN SHOCKER mit LARRY BRENT. Kurz darauf folgte gleich das
zweite. Die Taschenbücher erschienen in der "ZAUBERKREIS EXKLUSIV"
Reihe als Nummern 160 und 170. Diese "GRUSEL-KRIMI" Taschenbücher
(auch hier der Sub-Titel) 1 ("DAS SANATORIUM DER TOTEN" 2.12.69) und
2 ("ZUR HERBERGE DER TAUSEND SCHRECKEN" 30.12.69) schienen ein
weiterer Versuchsballon zu sein. Später wurden die Taschenbücher mehrfach als
Heft nachgedruckt. Auch andere Taschenbücher, die als Erstausgabe erschienen,
wurden als Heft nachgedruckt, andererseits fanden aber auch Hefte den Weg ins
Taschenbuch. Doch das Schwergewicht der Reihe der Abenteuer mit Larry Brent
lag auf dem Heft, daher soll diese Erwähnung zunächst ausreichen.
Mit dem Test im
Taschenbuch, der eigenen Titelaufmachung und der Hereinnahme LONATIS als
festen Titelbildzeichner scheint die Testphase für den
"SILBER-GRUSEL-KRIMI" endgültig abzuschließen. Der Einstieg Lonatis
(GK 17 erschien am 28.04.70) und die Umstellung im Outfit (GK 25 erschien am 5.1.70) schlossen, wenn man den Verlauf einrechnet, die Testphase nach zwei
Jahren ab. Auch der Erfolg der Taschenbücher trug wohl sein Scherflein zu
diesen Entscheidungen im Rastatter Verlagshaus bei.
Die Grusel-Krimis um den
PSA-Agenten Larry Brent hatten sich in der Lesergunst durchgesetzt. Doch noch
lief die Serie im Rahmen des "SILBER-KRIMIS". Offensichtlich war die
Zeit der Auskopplung der Serie noch nicht reif, obwohl der Erfolg gigantisch
war. Es werden Zahlen gemunkelt, die weit jenseits der 100.000 Hefte Auflage
liegen.
Langsam wagte sich DAN
SHOCKER, was seine Themenauswahl anging, weiter vor, denn diese begannen
phantastischer zu werden. In einer Duologie (SK 878/GK 27 "DRACULAS
LIEBESBISS" und SK 882/GK 28 "DRACULAS HÖLLENFAHRT"
(2.3.71/30.3.71)) kam der gute alte Vampirgraf aus Transylvannien zu Ehren,
wenn auch DAN SHOCKER nicht dem inzwischen gängigen Filmmotiv folgte, dass Blut
auf die Asche des Vampirgrafen geträufelt (oder geschüttet, je nach Ästhetik
des Regisseurs) wurde und sich dieser daraufhin aus dem Sarg erhebt. JÜRGEN GRASMÜCK
hielt sich noch an sein Konzept zumindest eine pseudowissenschaftliche
Erklärung vorzuschieben, wenn diese hier auch einen sehr magische Moment hatte.
DRACULAS Blut, wenn es in die Blutbahn eines Menschen gelangt, verändert die
Persönlichkeit eines Menschen und macht ihn nach und nach zum Vampirgrafen
selbst. Dennoch ist dies eine höchst interessante Variante des Vampirthemas im
Heftroman.
Auch das Ungeheuer von
LOCH NESS, von den Briten, seiner Anhängern und Skeptikern liebevoll oder
spöttisch "NESSIE" genannt, kam zu Ehren innerhalb der Larry
Brent-Reihe. Titel des Romans "WÜRGER AUS DEM SEE" (SK 898/GK 32 — 20.7.71).
Auch einem seiner ganz
wenigen Werwolf-Romane fielen in diese Periode der "GRUSEL-KRIMIS",
denn offensichtlich hat JÜRGEN GRASMÜCK den geringen Spielraum des Themas
gesehen und so mit einem Beitrag das Thema im wesentlichen seinen Beitrag dazu
geliefert. Andere Autoren haben das Thema später wenig originell im wahrsten
Sinne des Wortes breitgetreten (Hierzu empfehle ich die Lektüre einiger
Romane JASON DARKS aus der "JOHN SINCLAIR"-Serie . "DER WERWOLF
IM BLUTRAUSCH", war JÜRGEN GRASMÜCKS Roman betitelt, (SK 914/GK 38 — 9.11.71) und hat zwar die reißende Bestie zum Thema, doch im Gegensatz zu
vielen heutigen Verarbeitungen des Themas, war das Untier nur bei Vollmond
unterwegs und hatte auch die tragische Dimension, die den Werwolf umgibt,
soweit das im Heftroman möglich ist.
Einer weiteren britischen
Institution widmete sich GRASMÜCK-SHOCKER im SILBER-KRIMI Nr. 922/GK 38
"DER SCHLITZER AUS DEM JENSEITS" (4.1.72). "JACK THE RIPPER,
wohl bekanntester Mörder im Empire ihrer Majestät der Königin mordet sich
durch die Gegenwart (wo das Empire etwas geschrumpfter erscheint), was eine
nicht unspannende Handlung ergibt, und auch hier setzt sich der Trend zu
Themen, die phantastischer zu werden begannen, fort. Einen vorläufigen
Höhepunkt erreichte die Entwicklung in "SILBER-KRIMI" Nr. 958 (GK 46
— 12.9.72) "DIE LEICHE AUS DER KÜHLTRUHE", wo die Theorie aufgegriffen
wurde, dass es ein Gegenstück zu unserer Welt gibt, wo alles und jeder ein
Gegenstück hatte, nur dass es aus Anti-Materie besteht, was dazu führt, dass
wenn sich die gegensätzlichen Teile berühren es zur Vernichtung beider kommt.
Hier hatte der Autor auf eine Veröffentlichung in grenzwissenschaftlichen
Zeitschriften und Illustrierten aufgegriffen, wie er überhaupt manche
Anregungen hieraus bezog. Aktuelle Berichterstattung war immer wieder etwas,
dass die Phantasie JÜRGEN GRASMÜCKS anregte.
Nachdem die Amerikaner die ersten
Gesteinsproben vom Mond zurückbrachten, wurde diese zunächst unter VerSchluss
gehalten, da die NASA bzw. deren Wissenschaftler Angst vor unbekannten
Krankheiten und Seuchen hatten. Die Antwort JÜRGEN GRASMÜCKS hieß "DIE
PEST FRASS ALLE" (SK 902/GK 33 — 17.8.71), wo das Mondgestein eine sehr,
sehr merkwürdige Krankheit auslöste, die wahrhaftig unheimliche Dimensionen
hatte. Der Verlag hatte im übrigen keinerlei Einfluss auf die Themenauswahl
des Autors GRASMÜCK. Zwar regte der Herr ERNST (genau der von der Buchmesse
1967) in den späten siebziger Jahren ab und an einmal Themen an, die verwertbar
erschienen, doch waren das Vorschläge und keine Verlagsorder. So kam es, dass
DAN SHOCKER im Trend der späten siebziger und vor allen in den achtziger Jahren
das Konzept der BRENT-Romane leicht modifizierte, was hieß, dass er die Themen
mehr und mehr auf reine Dämonenaktivität ausrichtete, das Übersinnliche immer
stärker betonte.
Der Verlag warnte davor in dieser Richtung nicht zu weit
vorzupreschen, aber da der Autor völlig freie Hand hatte, war er nicht zu
bremsen, was zeigt, wie groß das Vertrauen des Verlages in den Autor war. Die
Intervention des Verlages konnte DAN SHOCKER nicht halten, denn sie war mehr
oder minder halbherzig, denn seit aus JÜRGEN GRASMÜCK DAN SHOCKER geworden
war, hatte sich seine Linie als richtig erwiesen. Es gibt wohl nicht viele
Autoren, die bei ihrem Verlag eine derartige Freiheit hatten. Doch der
ZAUBERKREIS-Verlag mit seiner familiären Atmosphäre gestattete herausragenden
Autoren schon mal Freiheiten, und zu den Autoren gehörte DAN SHOCKER alias
JÜRGEN GRASMÜCK. Überhaupt äußerte DAN SHOCKER einmal, dass er nicht nach
Auftrag schreiben könne, sondern seine Freiheiten brauche, das zu
verwirklichen, was ihm vorschwebte. Bei einigen anderen Verlagen hätte das für
ihn sicherlich Schwierigkeiten bedeutet, so ist er dann wohl mit dem Z-Verlag
unheimlich gut bedient gewesen. Noch mehr zeigt sich das in den Erfolgsautor
gesetzte Vertrauen bei "MACABROS", wo es JÜRGEN GRASMÜCK gelingt,
sich über inhaltliche Absprachen mit dem Verlag hinwegzusetzen. Ähnliches
Vertrauen genossen nur noch GISELA deVRIES ("ROTE LATERNE") und
GÜNTER DÖNGES ("BUTLER PARKER")
Der Verlag muss von den
Verkaufszahlen wahrlich begeistert gewesen sein, denn kaum hatte der
"SILBER-GRUSEL-KRIMI" innerhalb des "SILBER-KRIMI" sein
eigenes Outfit bekommen, da startete der Verlag auch schon die passend
gestylte und durchnummerierte Neuauflage. "SILBER-GRUSEL-KRIMI Nr. 1
"DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH BONNARDS HAUS" erschien am 15.12.1970.
Allerdings halte ich diese Neuauflage für einen ziemlichen Fehler, da zwar der
zeitliche Abstand Erstauflage-Neuauflage gerade noch vertretbar erscheint,
doch da war der kleine Vorsprung von nicht mal dreißig Bänden für die Erstauflage.
Daher wurde die Neuauflage späterhin nach Nummern recht früh bei Nr. 117
(erschienen am 19.12.79). Allerdings könnte es auch ganz anders sein, wenn die
Neuauflage nur darum erfolgte, um die Erstauflage zu puschen und öfter am
Kiosk zu liegen, was allerdings kaum wahrscheinlich erscheint. Ein späterer
Starttermin hätte der Neuauflage mehr gebracht.
Die Jubelnummer 50 des
"SILBER-GRUSEL-KRIMI" erschien als "SILBER-KRIMI" 974
(2.1.73) und war betitelt "DIE HORROR-MASCHINE". Es war der letzte
DAN SHOCKER-Roman im Rahmen der "SILBER-KRIMI"-Reihe. Mal abgesehen
davon, dass der Roman in China spielt, war er zwar gut, aber kein groß aufgemachter
Jubelband. Aber das war ganz selten die Art des Autors zu Jubelzeiten besondere
Trilogien oder so zu bringen. Aber dieser Roman war das Ende einer Ära im
"SILBER-KRIMI". Es ging eigenständig weiter.
Am 30.01.1973 war es dann
soweit. Im Labyrinth des Ghuls" lag als "SILBER-GRUSEL-KRIMI"
Nr. 51 vor. Kein Untertitel mehr, keine Nummerierung als
"SILBER-KRIMI". Die Neuauflage erschien von nun an alternierend zur
Erstauflage. Doch alsbald stellte sich heraus, dass DAN SHOCKER aufgrund seiner
angegriffenen Gesundheit das Pensum von zwei neuen Brents nicht mehr schaffen
konnte. Nicht weil er es nicht schaffte zwei Romane im Monat zu schreiben,
sondern auch weil "DAN SHOCKER's MACABROS" ante portas stand und auch
diese Romane geschrieben werden mussten. So erschienen zwischen der Nr. 59 und
der Nr. 69 des "SILBER-GRUSEL-KRIMIS" zwar ausschließlich Romane von
DAN SHOCKER doch das sollte sich ändern. Doch bevor das Thema zur Sprache
kommt, lohnt es sich noch einen längeren Blick auf diese Phase der Serie zu
werfen.
Zunächst warf die Dämonengöttin "RHA-TA-N'MY" ihren langen
Schatten auf die Serie um "LARRY BRENT". DAN SHOCKER schuf eine
Triologie "CORRIDA DER DÄMONEN" (SGK 55 — 22.5.73), "DAS TOR
ZUR HÖLLE" (SGK 56 — 19.6.73) und "MONSTER-BESTIE GORHO" (SGK
57 — 17.7.73), die den Obertitel "RHA-TA-N'MY-LEGENDE" trug.
Hier
fand eine finstere, alte Dämonengottheit Erwähnung, die eigentlich nie so
richtig in Erscheinung treten wird, doch ihre Macht reicht weit. Später dann
wurde die Göttin und ihre Macht zu "MACABROS" eingegliedert, aber zunächst
einmal bestimmte sie die Handlung in "LARRY BRENT" mit, denn die
Schatten ihrer Macht waren groß, auch der Hauptfeind der PSA, Dr. SATANAS, den
DAN SHOCKER kurz nach der "RHA-TA-N'MY-LEGENDE" präsentierte
schöpfte einen Teil seiner Fähigkeiten aus der Macht der Dämonengöttin.
Die
Eingliederung dieser Gottheit in "MACABROS" macht durchaus Sinn,
denn RHA-TA-N'MY bot den Schlüssel zu vielen Abenteuern in jenseitigen Welten,
was zwar dem Konzept der Romane um den PSA-Agenten zuwider lief, aber für MACABROS
wie geschaffen war.
In gewisser Hinsicht erscheint RHA-TA-N'MY als JÜRGEN
GRASMÜCKS Homage an HOWARD PHILIPS LOVECRAFT und seinen
"CTHULHU-MYTHOS", samt der "GROSSEN ALTEN", ohne diesen Namen
zu gebrauchen, aber die Parallelen sind offensichtlich, wenn man nur genau
genug hinsieht. Als Beispiel sei hier nur erwähnt, dass sowohl die
Dämonengöttin GRASMÜCKS und ihre Schergen als auch "CTHULHU" und die
seinen beherrschten in grauer Vorzeit die Erde, bis sie vertrieben wurden.
Allerdings war JÜRGEN GRASMÜCK so klug, diese Gemeinsamkeit nicht allzu
offensichtlich werden zu lassen, so hatte er genügend Spielraum die Sache in
seine Richtung zu entwickeln.
Mit "DIE
WAHNSINNSBRUT DES DR. SATANAS" (SGK 60 — 9.10.73) betrat bereits erwähnter
Doktor die Bühne des Geschehens um die PSA. Dr. SATANAS ist ein Zwitterwesen,
auf der einen Seite ein verrückter Wissenschaftler, der immer wieder
Wissenschaft und Technik für seine finsteren Zwecke mißbrauchte, und auf der
anderen Seite ein Teufel, ein Dämon mit entsprechenden magischen Fähigkeiten.
Im Grunde ist in Dr. SATANAS der ewige Streit verewigt, ob der 'mad scientist'
nun der SF oder dem Horror zuzurechnen ist. JÜRGEN GRASMÜCK beweist, dass beide
Komponenten enthalten sind. LONATI hat das auf den Titelbildern immer wieder
treffend symbolisiert (und die Beschreibung des Autors kongenial umgesetzt).
SATANAS Gesicht war zweigeteilt, auf der einen Seite ein Robotergesicht, auf
der anderen Seite eine Teufelsfratze. Über Dr. SATANAS, wie auch über seine
Nachfolger, wird in der Folge noch gesondert zu reden sein.
Im Verlag wurde aufgrund
der bereits angesprochenen Tatsache, dass DAN SHOCKER das Arbeitstempo für
eine zweiwöchentliche Erscheinungsweise nicht halten konnte, nach Auswegen
gesonnen. Der Weg war ganz einfach. Die Serie hieß ja nicht "LARRY
BRENT", sondern "SILBER-GRUSEL-KRIMI". Daher war die Reihe nicht
an eine Figur oder Autor gebunden. Somit war Platz für andere Autoren
vorhanden. BOB FISHER, HEXER STANLEY (das waren persönliche Pseudonyme), MARCOS
MONGO und CATER SAINT CLAIR (als Verlagspseudonyme) wurden im Laufe der Zeit
zuerst eingeführt (später kamen noch andere Verlags-, Agentur- und
Sammelpseudonyme hinzu).
So war der siebzigte Roman des SILBER-GRUSEL-KRIMI
"DIE GEISTERKICKER VON BUNDIA" aus der Sub-Serie "BOB FISHER'S
NEBELGEISTER", der ebenfalls wie LARRY BRENT im "SILBER-KRIMI"
getestet wurde. Zunächst einmal schrieb aber JÜRGEN GRASMÜCK noch jeden zweiten
Roman der Reihe. Er wurde auf die ungeraden Nummern platziert. JÜRGEN GRASMÜCK
setzte dabei den Trend fort, die Themen phantastischer, zu gestalten. Sie
entfernten sich immer weiter von dem, womit LARRY BRENT einst im
"SILBER-KRIMI" begonnen hatte.
In der Nummer 77 zogen "DIE
LEICHENVÖGEL" (5.11.74) ihre Bahn, die ein Erbe der Dämonengöttin
RHA-TA-N'MY waren. Mit pseudowissenschaftlichen Erklärungsansätzen wurde da
nicht mehr gearbeitet. Auch der Höllenchef gab ein kurzes Gastspiel. Zwar war
das Hauptthema nicht LUZIFER an sich, sondern mehr das Paktieren zwischen ihm
und einer seiner irdischen Anhänger, doch trat gegen Ende des Romanes auch der
Übermotz der Hölle auf, doch nicht wie heute üblich trat der Held mit seinem Superwaffenköfferchen
auf, denn den hatten PSA-Agenten nicht, daher war der Teufel auch nicht so
allmächtig wie heute oft geschildert. So wurde in "PAKT MIT LUZIFER"
(SGK 89 — 22.4.75) der Satan mit Weihwasser vertrieben. JÜRGEN GRASMÜCK blieb
hier auf dem Teppich und hob nicht ab, was dem Spannungsbogen des Romans mehr
als gut tat. Der Satan degenerierte nicht zu einer Figur, deren Bedrohung
absolut universell wurde, sondern persönlich blieb.
So ähnlich hielt es DAN
SHOCKER auch mit seinen Monsterromanen. Seine erste Homage in den Heftromanen
an die großen, Städte zertrampelten Monstren der Filmindustrie ála
"GODZILLA" erschien am 26.3.74 und war betitelt "NAKOR — ECHSE
DES GRAUENS" (SGK 66). Zum einen wirkte hier das Erbe RHA-TA-N'MYS, zum
anderen musste DAN SHOCKER aufpassen, das er nicht langweilte. Denn Monstren,
die Städte zertrampelten mögen im Film recht kurzweilig sein, aber das zu
lesen, ist nicht sonderlich spannend. Somit schilderte JÜRGEN GRASMÜCK als
lange Vorgeschichte eine Expedition und ließ erst gegen Ende das Monster zu
einer kleinen Runde über Häuser und Menschen antreten, doch war es klar, dass
das Monster einfach zu zerschießen nicht in die Konzeption der Romane passen
würde, zudem auch noch unglaubwürdig wird. So wird denn auch das arme Monster
durch ein Symbol vernichtet, was interessant ist.
Auch ein Monstrum,
geschaffen aus Blut und den magischen Einflüssen einer alten Kultstätte der
Druiden trampelte ein bißchen in der Landschaft herum, doch im Grunde war das
nur ein Produkt der eigentlichen Handlung, daher wurde es auch ausnahmsweise
von einem Bomber zerfetzt. Der Roman "DAS HÖLLENBIEST" erschien
zunächst als Taschenbuch am 13.11.73, wurde dann bereits am 26.8.75 als
SILBER-GRUSEL-KRIMI Nr. 98 nachgedruckt.
Die Umstellung auf die
geraden Zahlen lag darin begründet, dass JÜRGEN "DAN SHOCKER"
GRASMÜCK den 100. Roman des "SILBER-GRUSEL-KRIMI" schreiben sollte.
Ein entscheidender Schnitt in der Geschichte der PSA wurde vorgenommen, Dr.
SATANAS tötete DAVID GALLUN alias X-RAY-1 und LARRY BRENT wurde in die
Doppelfunktion X-RAY-1/X-RAY-3 getrieben, etwas, dass sehr schwierig umzusetzen
sein würde, und DAN SHOCKER hatte manchmal Schwierigkeiten dieses Problem in
den Griff zu bekommen. Wieder einmal trieb er Schindluder mit seinen Lesern,
indem er den Eindruck erweckte IWAN KUNARITSCHEW, der sympathische Russe in den
Reihen der PSA, getötet worden wäre. Doch, wie so oft, legte der Autor den
Leser nur herein, denn das war SATANAS letzter Streich, denn der war nun vernichtet.
So stand die PSA erst einmal ohne wiederkehrenden Gegenspieler da, denn
RHA-TA-N'MY und ihre Spießgesellen waren in die "MACABROS"-Abenteuer
eingebunden worden. Dieser Jubiläumsband "LARRY BRENTS TOTENTANZ"
(23.9.75) bedeutete also in verschiedener Hinsicht eine Veränderung in den
Abenteuern.
Doch es dauerte nicht
lange, da erschien der Roman "DIE PESTGÄRTEN DES DR. TSCHANG FU" (SKG
117 — 18.5.76), und eine neuer Hauptgegner der PSA tauchte auch, der sein
Wissen von Außerirdischen bezogen hatte und sieben Leben hatte, von denen er
bereits zwei verbraucht hatte. Dr. TSCHANG FU ist eine Mischung aus SAX
ROHMERS "FU MAN CHU" und einem Dr. SATANAS aus dem Weltall, der die
Klasse von SATANAS aber nie erreichte, dennoch aber für genügend Spannung
sorgte.
Sein erstes Abenteuer spielte in einem entarteten SHANGRI LA, und DAN
SHOCKER spielt das Thema voll aus. In der Folgezeit nutzte er den chinesischen
verrückten Wissenschaftler für die Darstellung von den Mitte der siebziger
Jahre recht populären asiatischen Kampftechniken. Diese Mischung war bereits
HAMMER Films misslungen in den Vampir-Karate-Drama "THE LEGEND OF THE
SEVEN GOLDEN VAMPIRES (dt. Die Legende der sieben goldenen Vampire GB 1974,
Regie: ROY WARD BAKER, mit PETER CUSHING), der auch sonst ein relativer Flop
war, aber JÜRGEN GRASMÜCK bekam das Thema für den Heftroman einigermaßen in
den Griff, so dass die Romane in letzter Konsequenz doch als gelungen zu bezeichnen waren.
TSCHANG FU war nicht nur
ein Gegner von LARRY BRENT und seinen Mit-Agenten in den Reihen der PSA,
sondern auch der erste herausragende Vertreter eines neuen Trends, denn von
nun an häuften sich Einflüsse, die aus dem Weltall kamen. JÜRGEN GRASMÜCK interessierte
sich für die Thesen eines ERICH VON DÄNIKEN und eines PETER KRASSA (um nur zwei
Vertreter der Präastronautik zu nennen), und da diese Theorien über Besucher
aus dem Weltall, die Einfluss auf die Entwicklungsgeschichte der Menschheit genommen
haben sollen, sich auch für Horrorromankonzepte eignen, ging JÜRGEN GRASMÜCK
frisch ans Werk. TSCHANG-FU stellte so etwas wie eine Tür zu dieser Thematik
dar, die zudem ins Konzept der Serie hervorragend passte.
Kurz nachdem DAVID GALLUN
getötet worden war und das Rätsel um IWAN KUNARITSCHEW gelöst worden war,
schrieb JÜRGEN GRASMÜCK, den man inzwischen schon den 'VATER DES
GRUSELHEFTROMANS' nannte, denn inzwischen hatten diverse Verlage Horrorreihen
aufgemacht, und der Spitzenreiter der siebziger, der DÄMONENKILLER (PABEL-Verlag)
lief schon auf Hochtouren, seine zweite Triologie die
"CHAOS-Triologie". Es waren die Bände "DAS GRÜNE BLUT DES STEINERNEN
GÖTZEN" (SGK 104 — 18.11.75), "TOTENKOPF-ROULETTE" (SGK 106 — 16.12.75) und "PANDÄMONIUM" (SGK 108 — 13.01.1976). Darin taucht ein
gewisser GRAF ARMAND LEUCATE auf, der einen sehr zwielichtigen, geheimnisvollen
Eindruck hinterlässt. Er scheint ein sehr langlebiger Mann zu sein, der über
Wissen verfügt, dass normalen Menschen verschlossen bleibt. Die Figur tauchte
dann später noch mal auf.
Ein witzige Notiz am
Rande bildete das Finale des dritten Teils "PANDÄMONIUM", wo eine
Begegnung zwischen LARRY BRENT und BJÖRN HELLMARK bzw. dessen Doppelkörper
"MACABROS" auf Distanz stattfindet, ohne dass der andere weiß, was
sein Gegenüber darstellt. Das Gegenstück dazu befindet sich in "MACABROS"
Bd. 33 "FLUCHT IN DEN GEISTERSUMPF", wo HELLMARKS bzw. MACABROS
Sichtweise der Ereignisse geschildert wird, aber davon an anderer Stelle mehr.
Mit den Silber-Grusel-Krimis
138 (23.3.77), 140 (19.4.77) + 142 (17.5.77) schuf JÜRGEN GRASMÜCK die nächste
Trilogie. Der "ZEITPHANTOM-ZYKLUS" beschäftigte sich mit ARMAND
LEUCATE, der am Ende der Bände das Zeitliche segnete, eine Theorie über
Atlantis und die Azteken flocht er gleich mit in die Handlung ein. Das ganze
war recht flott geschrieben und amüsierte den Leser recht gut. Die Titel der
einzelnen Romane waren "DIE TOTENGEISTER VON UXMAL", "IRRGARTEN
DER MONSTERGÖTZEN" und "TOTENSTADT NEKROPOLIS". Es sollte die
letzte Trilogie im Rahmen des "SILBER-GRUSEL-KRIMI" sein.
Es folgte mit Band 156
(06.09.77) "DR. TSCHANG FUS TEUFELSGEZÜCHT" das (vorläufige) Ende
des Doktors aus dem asiatischen Raum. Doch schon sein Ende, wo er sich in eine
kaum überschaubare Zahl von Insekten auflöste implizierte eine Fortsetzung der
Abenteuer und Auseinandersetzungen mit dem Doktor.
Inzwischen zeichnete sich
ein Trend ganz und deutlich ab, der viel später eine Konsequenz haben sollte
und die LARRY BRENT-Leser freuen sollte. Die verkaufte Auflage der DAN
SHOCKER-Romane lag über dem Rest der "SILBER-GRUSEL-KRIMI"-Romane.
Der Name "DAN SHOCKER" war etabliert und lieferte gute Romane und
konnte sich trotz seines Daseins als Sub-Serie unter fremden Label tatsächlich
behaupten.
Es folgten eine ganze
Reihe Einzelabenteuer. Es gab keinen wiederkehrenden Gegner, der die
PSA-Agenten auf Trab halten konnte. Im Grunde holte die Reihe Atem, die Romane
waren zwar immer noch recht gut, fielen aber gegen frühere Abenteuer doch
recht deutlich ab.
Zwar hatte es ein
wirklich gutes Taschenbuch am 28.09.76 gegeben, betitelt mit "DR.
SATANAS' DRACHENSAAT", in dem Dr. SATANAS in Hongkong aus dem Jenseits
ein Intrigenspiel begann, um wieder zurückzukehren, doch dieser Versuch
scheiterte durch den Einsatz der PSA im Ansatz. Das bemerkenswerte an diesem
Taschenbuch ist zum einen, dass der Doc gar nicht in Persona auftritt.
Viele
der Nachfolgeautoren DAN SHOCKERS hätten hier die Gelegenheit beim Schopf
ergriffen, um den alten Erzfeind wiederzuholen, auf dass er der PSA wieder
einheizt, wie es vor allem in Comics mit Superheldenbeteiligung gemacht wird
(siehe unter anderem "BATMAN" oder "SUPERMAN", wo ein
Gegner nicht so tot sein kann, dass er nicht doch wieder auftaucht). Doch
JÜRGEN GRASMÜCK wollte die Vernichtung SATANAS nicht unglaubwürdig erscheinen
lassen. Zum anderen betrat eine Figur die Bühne, die im weiteren Verlauf der
Romane um LARRY BRENT immer mal wieder auftauchte. MADAME HYPNO ist eine Frau,
die mit Hilfe ihrer hypnotischen Fähigkeiten perfekte Illusionen erzeugen kann,
die alle in die Irre führen. So legte sie — als Gag am Rande — einmal IWAN KUNARITSCHEW
herein, den sie mit Hilfe dieser Fähigkeiten glauben machte, sie könne seine
gefürchteten Zigaretten rauchen.
In
"SILBER-GRUSEL-KRIMI" Bd. 208 (12.09.78) "MADAME HYPNOS SCHATTENTRÄUME"
hatte sie dann ihren zweiten, ebenfalls recht beeindruckenden Auftritt, doch
konnte sie keinen regelmäßigen wiederkehrenden Gegner ersetzen.
Das musste
auch JÜRGEN GRASMÜCK bemerkt haben, so dass der Erfolgsgruselautor des
ZAUBERKREIS Verlages mit "GESPENSTERHAUS AN DER THEMSE" (SGK 224 —
2.01.79) ein neuen 'mad scientist' in das Rennen warf. Diesmal war es
allerdings ein weiblicher 'mad scientist', den er "Dr. X" nannte und
die eine schwarze Halbmaske trug. Dr. X stellte der schwächste Glied in der
Reihe der wiederkehrenden verrückten Wissenschaftler da, so dass ihr mit
"SILBER-GRUSEL-KRIMI" Band 306 (29.07.80) ein alter Bekannter an die
Seite gestellt wurde. Dr. TSCHANG FU war als riesiges Insekt mit Chinesenkopf
zurückgekehrt, und zum guten Schluss des Romans kommt es zum Bündnis der
beiden, doch das auszuspinnen, dazu kam DAN SHOCKER nicht mehr, denn kurz nach
der Andeutung des Bündnisses dieser beiden Feinde der Menschheit und der PSA
war es aus mit den Abenteuern im "SILBER-GRUSEL-KRIMI", und die
Serie begann von vorn, und bevor die Abenteuer der PSA dann wieder auf dem
inzwischen im SILBER-GRUSEL-KRIMI erreichten Stand waren, stellte der
PABEL-Verlag die Serie ein, so dass der Leser wohl nie erfahren wird, was aus
diesem Bündnis geworden ist. "Dr. TSCHANG FU — DER UNHEIMLICHE KEHRT
ZURÜCK" sollte ein Anfang werden, aber dieser Anfang war gleichzeitig ein
Ende.
Alle vier bis sechs
Wochen erschien über lange Zeit LARRY BRENT-Romane im SILBER-GRUSEL-KRIMI. Doch
kurz vor dem Band 300 des "SILBER-GRUSEL-KRIMI" begann der Verlag
mit Nachdrucken alter Romane. Band 297 (27.5.80) "NACHTS, WENN DIE TOTEN
KOMMEN" war der erste einer kleinen Reihe von Titeln, die wieder
aufgelegt wurden, um so alle drei Wochen einen Roman von DAN SHOCKER
präsentieren zu können. Hier wurde dann der Unterschied in der geänderten
Thematik augenscheinlich, denn JÜRGEN GRASMÜCK hatte diese kontinuierlich
immer weiter in Richtung des rein übersinnlichen Phänomens entwickelt, sowohl
in den Einzelabenteuern, als auch in den Romanen, wo sich wiederkehrende Gegner
präsentierten. Doch nie ging er soweit sich eine Höllenhierarchie hochzuziehen
und diese als kontinuierliche Gegner zu benutzen, denn die Hölle trat (von
Ausnahmen wie in "PAKT MIT LUZIFER") eigentlich nie persönlich in
Erscheinung. Es wurden immer wieder die Fälle an menschlichen Dienern
festgemacht.
Doch mit
"SILBER-GRUSEL-KRIMI" Bd. 342 "DAS ECHSENGEZÜCHT GREIFT AN"
(7.04.81) war das Ende der "LARRY BRENT"-Romane als Sub-Serie
gekommen. Die Schere der verkauften Exemplare von DAN SHOCKERS Romanen auf der
einen und der übrigen Autoren auf der anderen Seite klaffte zu weit
auseinander. Und von den anderen Autoren einfach wesentlich weniger zu drucken
ging nicht, denn die Präsenz am Kiosk musste gewährleistet sein, daher wurde
LARRY BRENT endlich unter eigenem Label herausgebracht, und da DAN SHOCKER das
Tempo einer eigenen Serie nicht halten konnte, weil er immer noch MACABROS zu
schreiben hatte, und auch auf seine Gesundheit Rücksicht nehmen musste, legte
man von vorne los.

"DAS GRAUEN
SCHLEICHT DURCH BONNARDS HAUS", LARRY BRENT Nr. 1 erschien am 21.04.81
(es war insgesamt die 4. Ausgabe dieses Romans, manche erreichten sogar 9. Ausgaben,
wobei alle nationalen und internationalen Auflagen mitgezählt wurden). Die Aufmachung
der Serie hatte sich stark verändert. Zwar war diese immer noch
dreigeteilt, doch hatte sich wahrlich einiges getan. Im oberen Abschnitt
prangte in Rot, weiß eingerahmt auf schwarzen Untergrund, von einer blaß gefärbten
Skeletthand gehalten der Schriftzug "LARRY BRENT". Darunter in weißer
Schrift klein der Satz "Unheimliche Grusels von", und daneben etwas
größer und in gelb "DAN SHOCKER". Oben rechts war in weiß Nummer und
Preis angesiedelt, oben links das "Z" im Kreis mit der kleinen Krone
als Verlagssignet. Dann in der Mitte das Bild, und unten abgesetzt der Titel in
schwarzer Schrift auf gelbem Grund. Damit war das Outfit der Serie sehr schön
gelungen, und es sollte halten, bis der PABEL-Verlag es nach dem Kauf von
ZAUBERKREIS änderte.
Noch eine entscheidende
Neuerung hatte es in der "LARRY BRENT"-Serie gegeben. Es gab eine
Doppelseite für Leserbriefe, die von JÜRGEN GRASMÜCK schon 1968 gewünscht wurde.
Der Verlag hatte sich damals gegen eine Leserseite gesperrt, denn zum einen
scheute man die Kosten und Arbeit, zum anderen hatte man schlechte Erfahrungen
machen müssen, denn Versuche mit Leserseiten waren bei ZAUBERKREIS mangels
Zuschriften bisher gescheitert, doch stellte sich bei LARRY BRENT frühzeitig
eine andere Situation ein. Schon recht früh trudelten im Verlag Zuschriften
ein, aber es war kein Forum zur Veröffentlichung der Leserbriefe da. 1976
erhielt zwar "MACABROS" eine bescheidene Seite, aber das war es noch
nicht. Leider nutzte DAN SHOCKER nie das ganze Potenial, das eine solche Seite
bot, aber es war überhaupt ein Fortschritt an sich.
Bereits auf der ersten
Leserseite kündigte JÜRGEN GRASMÜCK an, dass er neue Romane unter die alten
mischen würde, auch die alten wurden — nach den ersten fünf Nummern, die in der
Reihenfolge des "SILBER-KRIMI" erschienen — gemischt, doch die
Begründung, dass einige Romane erst kurz vorher aufgelegt wurden und daher
später erscheinen sollten, was allerdings bei der Nummer 5 der Serie
"NACHTS, WENN DIE TOTEN KOMMEN" (SGK 297 — Nachdruck — LARRY BRENT
Nr. 5) gemacht wurde, da in diesem Roman MORNA ULBRANDSON ihren Einstieg in
die LARRY BRENT-Abenteuer hatte. Die Neuabmischung der alten Abenteuer brachte
Probleme mit sich, denn der PSA-Ring war in der ersten Zeit nur eine Sendeanlage
und später dann eine Sende- und Empfangsanlage. So verfügte LARRY BRENT &
Co. mal über die Möglichkeit mit der Zentrale zu reden, mal aber nur über die
Möglichkeit diese zu informieren und auf Antwort auf konventionellen Wegen zu
warten.
"MORDAUGEN"
(12.5.81) "LARRY BRENT Nr. 9, der erste Roman in der Serie dokumentierte
aufs deutlichste die Wandlung in der Thematik der Reihe der Abenteuer um den
PSA-Agenten LARRY BRENT und seiner Mitstreiter. Eingebettet in die Abenteuer
aus den späten sechzigern und oder frühen siebziger Jahren wirkte dieser Roman
wie ein Fremdkörper.
Thematik und Aufbau der Geschichte von
"MORDAUGEN" trennte Welten von den vorhergehenden Romanen. Die
Entwicklung DAN SHOCKERS hätte gar nicht augenfälliger dokumentiert werden
können. Die "CROWDENS" und der "GEFLÜGELTE TOD" wurden zu
wiederkehrenden Gegnern, die aber zu den schwächsten Schöpfungen des JÜRGEN
GRASMÜCK zählten. So war es auch recht schön, als der "GEFLÜGELTE
TOD" mit einer Duologie in den Nummern 103 "PANOPTIKUM DER GEISTER"
(18.10.83) und 104 "LEICHENPARASIT DES `GEFLÜGELTEN TODES'"
(25.10.83) dann endgültig abserviert wurde, die dann doch aber recht gut war.
Tiefpunkt der Abenteuer um die "CROWDENS" und den "GEFLÜGELTEN
TOD' war eine Triologie. "GEFANGENER DES UNSICHTBAREN" (LB 27 —
20.4.82), "TOD IN DER GESPENSTER-VILLA" (LB 28, 4.05.82) und
"VERFLUCHTE AUS DEM JENSEITS" (LB 29 — 18.05.82) wirkte recht
schwach. Sie stellt eine Aneinanderreihung von Zufällen dar. Weder war die
Story originell noch bereicherte sie die Serie.
Aber diesen Tiefpunkt
überwand DAN SHOCKER überraschend schnell. Schon der nächste eingeschobene
Roman "IN DEN KRALLEN DER NEBELHEXE" (LB 34 — 22.06.82) war JÜRGEN
GRASMÜCK über den Niveauabfall hinweg. Er hatte alte Frische wiedergefunden.
Die Story war schon wieder wesentlich flüssiger, wenn auch sie im Stile der
achtziger Jahre geschrieben wurde. Somit stach auch die `Nebelhexe' aus den
Nachdrucken der alten Romane hervor. Thematisch waren alle neuen Romane ein
Produkt der achtziger Jahre, nicht unbeeinflusst von dem, was in den Jahren
zuvor passiert war, wo andere Autoren Horrorheftromane geschrieben hatten, und
die Themenpalette aufgrund der Vorarbeit JÜRGEN GRASMÜCKS erweitert hatten und
neue Standards schufen.
Doch dem Leserzuspruch
tat dieses uneinheitliche Erscheinungsbild der Serie keinen Abbruch, denn
"LARRY BRENT" war derart erfolgreich, dass die Erscheinungsweise
zwischen Band 29 "VERFLUCHTE AUS DEM JENSEITS" (18.05.82) und Band 30
"DIE MORDENDE ANAKONDA" (25.5.82 Nachdruck des am 1.09.70
erschienenen Romanes) wurde die Serie auf wöchentliche Erscheinungsweise umgestellt.
Der Erfolg der Serie war im gewissen Maße eine Überraschung, waren die Romane
doch im Grunde `olle Kamellen'. Aber anscheinend war das Leserintereresse sehr
groß, die Romane im gewissen Sinne zeitlos, und die Themen waren für eine
nachgewachsene Lesergeneration neu und erfrischend, denn es hatten sich
gewisse Standards herausgebildet, die aber nicht die Sache eines JÜRGEN
GRASMÜCKS waren. Zwar ließen die neuen Themen den `Altmeister' nicht
unbeeinflusst (wie dargelegt), aber kopierte sie nicht, und schwang sich auch
nie auf den fahrenden Zug, sondern suchte stets eigene Wege Seine Ideen und
Variationen von Themen sprachen noch viele Leser an.
JÜRGEN GRASMÜCK hatte
aber den Blick für verwertbare aktuelle Tagesereignisse nicht verloren, und er
griff sie auch für seine LARRY BRENT-Romane auf. Da hatte es den Fall eines
sich in einer Zahnarztpraxis rumorenden Geistes gegeben, dem sich vor allem
(aber nicht nur) die "BILD"-Zeitung widmete. In großen Schlagzeilen
wurden die Beleidigungen des `Geistes' aus Waschbecken, Spucknäpfen und
dergleichen an den Kiosk gebracht, bis dann der Zahnarzt und seine
Sprechstundenhilfe der Manipulation überführt wurden. Später wurden sie dann
auch verurteilt. DAN SHOCKER nahm sich "CHOPPER", wie der `Geist' der
Zahnarztpraxis genannt wurde, an. Doch in LARRY BRENT Nr. 40 "CHOPPER —
GEISTERSTIMME AUS DEM JENSEITS" (3.08.82) entlarvt sich der Geist nicht
als geschickt gemachte, aber unsinnige Täuschung, sondern als gefährlicher
Geist (womit DAN SHOCKER thematisch eher wieder an die Endphase von LARRY
BRENT im SILBER-GRUSEL-KRIMI anknüpft, denn an die Nachdrucke der alten Romane,
die den Schwerpunkt der Serie zu dieser Zeit bildeten), als DYBUK, was im
Grunde typisch JÜRGEN GRASMÜCK ist: er fügte dem modernen Märchen des Geistes
in dem Spucknapf, eine alte jüdische Legende an und schon hatte er einen
Romanstoff. Später sollte CHOPPER noch zweimal der PSA und ihren Agenten Kopfschmerzen
bereiten. In "KÜSS NIEMALS CHOPPERS GEISTERBRAUT" (LB 78 — 26.04.83)
und in "CHOPPER RUFT DIE LEICHEN-LADIES" (LB 136 — 23.10.84) wird
dem Geist dann endgültig der Garaus gemacht.
Außer diesen
wiederkehrenden Themen streute DAN SHOCKER immer wieder Einzelromane in die
Serie ein, die zwar gut waren (in der Mehrzahl), aber nichts dauerhaftes
brachten. Eine Besonderheit dabei ist aber der Roman "MEDUSAS STEINERNE
MÖRDER" (LB 61 — 28.12.82), der eine Fortsetzung zum SILBER-KRIMI Nr. 870
"DAS BEINHAUS DER MEDUSA" (SGK 25 + 333 — 3.2.81 und LB 43 —
24.08.82) darstellte, der ja bereits am 1.12.70 erschienen war. Und natürlich
wurde auch hier die thematische Entwicklung deutlich. Vampirgeister, wie sie in
"MEDUSAS STEINERNE MÖRDER" eine Rolle spielen, hätte es 1970 nicht
geben können. Auf jeden Fall ein Kuriosum, dass ein Heftroman nach gut einem
dutzend Jahre noch mals fortgesetzt wird. Die wenigsten Autoren erhalten die
Möglichkeit dazu.
Mit Band 75 (5.04.83) von
"LARRY BRENT" betrat Dr. SATANAS wieder die Bühne des Geschehens, um
seine alten Abenteuer, ebenfalls durch neue ergänzt, zu erleben und der PSA
einzuheizen. "DIE WAHNSINNSBRUT DES DR. SATANAS" bildete erneut den
Auftakt der Abenteuer um diesen `mad scientist'. Doch schon fünf Nummern später
kam das erste neue Abenteuer um den Doktor. "VAMPIR-KLINIK DES DR.
SATANAS" (LB 80 — 10.5.83) stellte den besten der neuen Romane unter den
ersten hundert Romanen der eigenständigen Serie dar. Zwar zeigte sich auch
hier die thematische Entwicklung im Rahmen der Serie, und so hob sich die
"VAMPIR-KLINIK DES DR. SATANAS" auch deutlich von jenen Romanen ab,
die bereits in der SILBER-GRUSEL-KRIMI-Reihe erschienen. Die Thematik des Romans
ging wesentlich weiter, als SATANAS Aktivitäten im
"SILBER-GRUSEL-KRIMI", doch behielt der Roman das typische Flair der
Romane um den `Doc'. Dr. SATANAS erlebte noch mehrere dazugeschriebene
Abenteuer, auf die ich dann eingehen werde, wenn auf SATANAS speziell das
Gespräch kommen wird.
Im
"SILBER-GRUSEL-KRIMI" gab es 146 Romane um den PSA-Agenten und einen
Band mit Kurzgeschichten in eine kleinen Rahmenhandlung eingebunden. Dieser
Band erschien als "SILBER-KRIMI Nr. 942 (18.04.72) und trug den Untertitel
"GRUSEL-MAGAZIN Nr. 1". Der eigentliche Titel war
"SCHRECKENSMAHL". Den zweiten Versuch eines Gruselmagazins unternahm
DAN SHOCKER mit LARRY BRENT Nr. 100 "LEICHENGEFLÜSTER" (27.9.83). Wo
andere Autoren mit protzigen Trilogien und dergleichen zu Jubelbänden
aufwarten, tut es bei JÜRGEN GRASMÜCK ein Kurzgeschichtenband, was im
Horrorheft allerdings eine echte Rarität ist.
Einer der neu
dazugeschriebenen Bände, die man noch beachten sollte ist die Nr. 114 von LARRY
BRENT "SYLPHIDAS RACHEGEISTER" (3.1.84). Es handelte sich um einen
Fall für die PSA in Irland und nicht mal Dr. SATANAS hat sich mit derartig
vielen PSA-Agenten auf einmal anlegen dürfen. Es befaßten sich mit diesem Fall:
LARRY BRENT alias X-RAY-3, IWAN KUNARITSCHEW alias X-RAY-7, PETER PÖRTSCHER
alias X-RAY-11, MORNA ULBRANDSON alias X-GIRL-C, FRED LANSING alias X-RAY-10,
sowie von Ferne DAVID GALLUN alias X-RAY-1. Ein wahrlich gigantischer Auftrieb
und JÜRGEN GRASMÜCK integriert diese Menge an Agenten sinnvoll in den Roman,
und es erscheint nicht übersetzt. Ein interessanter Roman, der aber doch
glücklicherweise — was den Auftrieb an Agenten betraf — eine Ausnahme bleiben
sollte.
Mit Band 116
"GEHEIMEXPERIMENT TODESSPOREN" (17.1.84) ging eine Ära innerhalb der
Serie zu Ende, denn dies war der letzte Band, der im wöchentlichen Rhythmus erschien.
Von da an ging es mit den Abenteuern um LARRY BRENT in vierzehntäglichem Rhythmus
weiter. Diese Umstellung, in der Regel ein Zeichen dafür, dass die Serie nicht
mehr so gut läuft, hatte mit Misserfolg nichts zu tun.
Aufgrund der Krankheit
JÜRGEN GRASMÜCKS ging der Vorrat an alten Abenteuern sehr schnell zu Ende, und
JÜRGEN würde das Tempo einer wöchentlichen Erscheinungsweise nicht halten
können, zumal es schon desöfteren zu Lieferschwierigkeiten gekommen war.
JÜRGEN GRASMÜCK hatte zum Teil Romane bereits im Rhythmus von zehn Seiten beim
Verlag abgeliefert. Aber das größte war die Geschichte um einen Roman, der
drei Wochen vor Erscheinen beim Verlag anlangte. Oft ist es so, dass etwa vier bis
sechs Monate Vorlaufzeit innerhalb der Serien ist, will sagen, wenn der Autor
einen Roman in der Maschine hat wird dieser innerhalb dieser Frist
veröffentlicht. Damit ist genügend Zeit vorhanden, den Roman zu bearbeiten, ihn
zu drucken, und auszuliefern. Doch ein SILBER-GRUSEL-KRIMI (dessen Titel mir
leider nicht bekannt ist) landete drei Wochen vor Auslieferung bei
ZAUBERKREIS. Die Setzerin bearbeitete den Roman übers Wochenende, da sie eine
entsprechende Vorrichtung zu Hause hatte. Der Verlag verfügt über eine
hauseigene Druckerei, so dass das ganze im Eiltempo ablief und noch geschafft
werden konnte. Damit diese für alle Beteiligten recht stressige Sache nicht
zur Regel wurde, sondern Ausnahme blieb, waren wöchentlich neue Abenteuer
nicht wünschenswert. Um diese Situation hinauszuzögern erschien "DIE
PRANKE DER SPHINX" (Erstauflage SGK 91 — 18.3.75) nicht am 24.01.1984
sondern erst am 31. Januar 1984. Sicherlich eine Entscheidung, die verständlich
erscheint und allen Beteiligten viel Ärger ersparte.
Weiter ging es in
Richtung Band 150, der wieder den eigentlichen Schlusspunkt der Abenteuer um
Dr. SATANAS bildete. "LARRY BRENTS TOTENTANZ" (LB 150 -23.4.85) erschien
jedoch in leicht veränderter Form als gut zehn Jahre vorher in der Erstauflage.
Da waren Illustrationen eingefügt worden, die nun wegfielen (sei es, weil
JÜRGEN GRASMÜCK von vornherein die Änderung plante — worauf Indizien
hindeuten, sei es weil die Rechte für die Illus nicht mehr vorlagen, sei es,
weil die Vorlagen nicht mehr reproduzierbar waren oder weiß der Teufel bzw.
Rha-Ta-N'my warum) und so wurde der Roman von JÜRGEN GRASMÜCK um einige Szenen
ergänzt.
X-RAY-1 alias DAVID GALLUN war nicht mehr tot, sondern schwer
verletzt und lag erneut im Koma. Er dämmerte auf der Intensivstation vor sich
hin, und wartete darauf, dass der Vorrat an alten Abenteuern aufgebraucht war,
denn die Lösung mit LARRY BRENT in Doppelfunktion schien den Autor doch nicht
zu befriedigen. So wählte er den Weg der Korrektur. Immerhin hat JÜRGEN
GRASMÜCK den Roman "X-RAY-1 KEHRT ZURÜCK" angefangen, und das Fragment
im "CLUB-LETTER DES DAN SHOCKER'S FANTASTIK-CLUB `MARLOS'" (CL Nr.
57) veröffentlicht, nachdem der Autor den Anfang bereits auf dem jährlichen
Treffen des Clubs vorgelesen hatte. Dieses
Fragment wurde niemals vollendet. Aber man seinerzeit die Hoffnung nie aufgeben.
Die Konsequenz blieb dem
Leser dennoch erhalten. X-RAY-1 war verschwunden und X-RAY-3 alias LARRY BRENT
wurde X-RAY-1 und der böse Dr. SATANAS hatte sein Leben ausgehaucht, wenn auch
noch als LARRY BRENT Nr. 160 der Nachschlag "DR. SATANAS' DRACHENSAAT"
(10.09.1985) erschien. Hier änderte DAN SHOCKER nichts. Aber er zog die Abenteuer
um den Nachfolger Dr. SATANAS — Dr. TSCHANG FU erstaunlich schnell durch. Mit
Band 162 (8.10.1985) "DIE PESTGÄRTEN DES DR. TSCHANG FU" begannen die
Abenteuer und bereits 20 Bände später mit Band 182 "DAS TEUFELSGEZÜCHT DES
DR. TSCHANG FU" (15.07.86) löste sich der Chinese in Insekten auf. Da
aber Dr. X die Bildfläche noch nicht betreten hatte, würde es noch eine Weile
dauern, bis der Chinese zurückkehren würde, um seine Partnerschaft mit dem
weiblichen Dr. X zu beginnen. Für Band 194 war der Debüt-Roman des Dr. X
"DAS GESPENSTERHAUS AN DER THEMSE" (SGK 224) vorgesehen, aber soweit
kam es nicht mehr.
Doch der Tschang-Fu-Roman
"DIE PESTGÄRTEN DES DR. TSCHANG FU" hatte noch eine weitere
Besonderheit. Der Pabel-Verlag hatte im Juli 1985 den ZAUBERKREIS-Verlag
aufgekauft. Der Besitzer des Z-Verlag Herr Dr. GREISER hatte sich überlegt,
dass dem Heftromanmarkt auf Dauer keine große Zukunft beschieden sein würde,
und die ständig sinkenden Auflagen gaben ihm recht. Es wäre ein Risiko für
einen doch recht kleinen Verlag wie dem ZAUBERKREIS-Verlag sich für die Zukunft
ein neues Standbein zu schaffen. Daher entschloss man sich zu einem ehrenvollen
Abgang. Der ebenfalls in Rastatt beheimatete PABEL-Verlag kaufte mit der
Macht des riesigen BAUER-Konzerns im Hintergrund den kleinen Konkurrenten auf.
Daher änderte sich nach Ablauf des Vorlaufes auch die Aufmachung der
Z-Verlag-Serien ganz erheblich. So auch bei LARRY BRENT. Die Dreiteilung des
Covers wurde geopfert. Von den Markenzeichen des Z-Verlages war lediglich die
Gestaltung des Schriftzuges "LARRY BRENT" und die Skeletthand, die
den Schriftzug hält übrig. Doch der Schriftzug war vergrößert, und über das
Bild gelegt, das nun — pabeltypisch — das ganze Cover einnahm. Außer dem Serienschriftzug
fand sich nur noch der Romantitel, Nr. und Preis auf dem Cover. Der Name des
Autors war in den Innenteil verbannt. Im Innenteil werden zudem noch einige
Personen des Romanes vorgestellt, was ebenfalls typisch für den Pabel-Verlag
ist. Allerdings fehlte der neuen Aufmachung deutlich optische Reize der alten
Aufmachung.
Auf den Leserseiten
kündigte DAN SHOCKER, der sehr wohl um die Popularität des Dr. SATANAS wußte
an, dass es ein Vermächtnis des großen Gegners der Menschheit gab. Es ging um den
DÄMONENSOHN des Dr. SATANAS. Dieser Sohn ist ein typisches Produkt von DAN
SHOCKER. Es ist eine Mischung aus Magie und Wissenschaft. Seine Premiere hatte
der DÄMONENSOHN in zwei aufeinander folgenden Romanen LARRY BRENT Nr. 184
"DER DÄMONENSOHN DES DR. SATANAS" (12.08.1986) und LARRY BRENT Nr.
185 "DIE FOLTERBURG DES DÄMONENSOHNS" (26.09.1986) zeigten wie
clever DAN SHOCKER war. Statt die Vernichtung eines Gegners ins Absurde zu ziehen,
in dem er wiederbelebt wird, greift er zu einem Kunstgriff, der auf der einen
Seite den Status quo erhält (sprich SATANAS bleibt vernichtet), aber auf der
anderen Seite ermöglicht, weitere Abenteuer um diese Figur zu erfinden, denn
der DÄMONENSOHN ist dem Vater doch sehr nahe gekommen. Er wäre für viele Abenteuer
gut gewesen, wenn LARRY BRENT nicht bald darauf eingestellt worden wäre. Ein
weiterer Roman um den Dämonensohn erschien im "CLUB-LETTER DES DAN
SHOCKER'S FANTASTIK-CLUB `MARLOS'". Dieser in fünf Teilen abgedruckte
Roman sollte die Nummer 195 der LARRY BRENT-Serie werden. Die Fortsetzungen
erschienen zwischen dem 21.12.1986 (CL Nr. 46) und dem 15.01.1988 (CL Nr. 50)
und war betitelt "DER DÄMONENSOHN SCHICKT DEN TODESBOTEN". Der Roman war gewissermaßen (obwohl durch die Verwendung des Naens DAN SHOCKER verschleiert) ein Vorbote auf die Zukunft (die nicht mehr wahr wurde), denn der Roman entstammt der Feder W. K. Giesas, also eines Co-Autoren.
Doch es gab für LARRY BRENT keine Zukunft mehr: Der Todesbote war aber
schon für LARRY BRENT unterwegs. PABEL-Chefredakteur MÜLLER-REIMANN ereilte das
Schicksal. Just an seinem 50. Geburtstag hatte er einen tödlichen Autounfall.
Nach diesem tragischen Unglück geriet das Haus PABEL in Panik, Sitzungen
wurden einberufen und Zahlen eingesehen. Das Resultat war, dass Serien wie der
DÄMONENKILLER, die Zweitauflage von MACABROS und andere Serien der Einstellung
zum Opfer fielen. LARRY BRENT lief vorerst weiter, weil er erfolgreich genug
war. Doch das Ende dieser Serie kam auch noch, weil die Vertriebsabteilung des
PABEL-Verlag der Meinung war mit einer verbliebenen Serie nichts mehr gegen
das Programm des BASTEI-Verlages ausrichten zu können, und dann erfolgte
überraschend die Einstellung einer wirklich erfolgreichen Serie.
Doch bevor der letzte
Roman erschien, sollte noch einer der besten LARRY BRENTS herauskommen. LARRY
BRENT Nr. 188 "DAS GRAUEN HINTER DER TÜR" (7.10.1986) ist ein mitreißend
geschriebener Roman, der viele überraschende Wendungen enthält und den Leser
zu fesseln versteht. Die Thematik stellte eine Mischung aus Horror und einen
Schuß SF dar, eine Mischung, die LARRY BRENT populär machte.
Dann gab es noch den
Roman "MÖRDERGRUBE DES GRÜNEN INKA" (LB Nr. 191 — 18.11.1986). Das
war ein Roman, der eigentlich in der Serie "RON KELLY" als Nr. 24
erscheinen sollte, die aber zwischenzeitlich eliminiert wurde. Da der
Romananfang etwa ein Drittel eines Manuskript lang war, fügte JÜRGEN GRASMÜCK
den Russen IWAN KUNARITSCHEW als zweite Hauptperson bei und erfüllte so noch
mals den Wunsch vieler Leser nach einem Solo-Abenteuer des sowjetischen
Side-Kicks LARRY BRENTS, doch es wäre besser ungeschrieben geblieben. Tja, und
dann war der traurige Tag da, an dem der letzte LARRY BRENT erschien. Mehr als
achtzehn Jahre nach dem Auftakt am 23. Juli 1968 kam am 2. Dezember 1986 das
Ende. "STRIPTEASE EINER ZOMBIE-HEXE" war ein unwürdiger AbSchluss,
abrupt und auch nicht besonders gelungen. Die Plötzlichkeit der Einstellung
dokumentierte der Verlag auch noch dadurch, dass er noch den 193. Roman der
Serie ankündigte: "DRACULAS VAMPIRFALLE" (SGK 216 — 7.11.78), der am
16.12.1986 erscheinen sollte.
Die Einstellung hatte
noch unangenehme Begleiterscheinungen für den Autor. Unter MÜLLER-REIMANN
hatte der PABEL-Verlag diverse Zusagen für die Zukunft der Serie gemacht. Es
hieß, LARRY BRENT solle wieder wöchentlich erscheinen, und nachdem die alten
Abenteuer aufgebraucht worden waren, sollten nach Exposés von JÜRGEN GRASMÜCK
Co-Autoren eingesetzt werden, die unter ihrem eigenen Pseudonym tätig werden
sollten. Unter dem DAN SHOCKER selbst sollte auch noch im Rahmen seiner
Möglichkeiten Romane schreiben. Aber diese Zusagen vergaß man nach dem Tode
des Chefredakteurs. Es hatte schon krankheitsbedingte Einsätze von Co-Autoren
im "SILBER-GRUSEL-KRIMI" (3 Romane) und "LARRY BRENT" (2
Romane) gegeben, aber mit der Zusage MÜLLER-REIMANNS sollte LARRY BRENT sich
erheblich verändern. JÜRGEN GRASMÜCK wollte nicht, dass andere Autoren unter
seinem Namen schreiben, denn wenn etwas nicht gelingt konnte man ihn nicht
dafür verantwortlich machen, aber dazu ist es nicht mehr gekommen.
LARRY BRENT gibt es nicht
mehr am Kiosk...

LARRY BRENT ist der
Titelheld der Serie. JÜRGEN GRASMÜCK beschreibt ihn in einem Mitte der
achtziger Jahre im Exposé für den Roman "NACHTRITT DER MONDGEISTER",
das für einen Test mit einem Co-Autor bestimmt war, aber verschoben wurde und
nicht mehr umgesetzt werden konnte, in Kurzform.
"Larry Brent alias
X-RAY-3: Er
ist über einsachzig groß, schlank, sportlich, blond, hat eisgraue Augen. Trinkt
nur mäßig, raucht nicht. Ein sympathischer Kerl, ein Freund, auf den man sich
verlassen kann. Larry war ehemaliger FBI-Agent, ehe X-RAY-1 ihn während eines
Falles (...) zum PSA-Agenten berief" (2)
In "DAS GRAUEN
SCHLEICHT DURCH BONNARDS HAUS" wird uns LARRY BRENT nicht so komprimiert
vorgestellt. Erst häppchenweise erfahren wir mehr über den Helden. Und wie
oben nachzulesen ist, präsentiert sich LARRY BRENT als geradezu typischer Held,
wie es ihn in deutschen Heftromanen zu Dutzenden gibt. Der Held im Heftroman
hat es schwer, denn das ist die Figur, die moralisch über den Dingen zu stehen
hat, gut aussehen muss, allen Gefahren mutig ins Auge blicken darf und sich
immer wieder in die Schlacht wirft.
Mit dem 25. Grusel-Krimi
"DAS BEINHAUS DER MEDUSA" wurde nicht nur das eigene Titel-Layout
konzipiert, sondern auch eine Seite, die überschrieben war "DAS TEAM DER
PSA". Hier können wir lesen:
"(...)
Unter den vorgesehenen 20 Agenten, die innerhalb der PSA mit außergewöhnlichen
Aufgaben betraut werden, nimmt er eine Sonderstellung ein: LARRY
BRENT alias X-RAY-3: Er erreichte den bisher höchsten Intelligenzquotinenten,
was durch die niedrige Zahl hinter der Bezeichnung zum Ausdruck kommt. Larry
ist 30 Jahre alt, groß, schlank, sportlich. Das Haar ist blond, die Augen
rauchgrau. Ein ausgezeichneter Karate- und Taek-won-do-Kämpfer. Er
liebt schnelle Wagen und fährt selbst das neueste Modell eines Lotus Europa,
der mit Sondereinrichtungen ausgestattet ist. Larry, der Sohn einer deutschen
Mutter und eines amerikaischen Vaters arbeitet oft zusammen mit: (...)"
(3)
Es fällt zunächst einmal
der Unterschied in der Augenfarbe auf. Früher waren sie rauchgrau, im Exposé
eisgrau. Ansonsten ist die Beschreibung heftromangerecht dürftig. Man erfährt
das nötigste. So ist LARRY BRENT von der eigentlichen Beschreibung her
eigentlich (wie hefttypisch) nur eine Schablone. Hier ist DAN SHOCKER
konsequent den ungeschriebenen Gesetzen des Heftromanes gefolgt, wenn er selbst
auch sagt:
"Ich
habe mir die Hauptpersonen ganz bewußt mit Leben erfüllt vorgestellt." (4)
Die Vorstellung, dass
seine Hauptcharaktere mit Leben erfüllt sind, mag richtig sein, aber DAN
SHOCKER musste Rücksicht auf das Heft nehmen. LARRY BRENTS Handlungen waren
heldentypisch. Er hatte wenig Laster, war zwar mit unterschiedlichen Frauen im
Bett, aber das waren seltene Ausnahmen. LARRY BRENT war dann eigentlich nur
eine Gallionsfigur, die heldenhaft im Mittelpunkt der Geschichten stand, zwar
etwas liebevoller gestaltet als manch anderer wiederkehrender Held, doch sehr
typisch in der Anlage.
Liebevoller, mit mehr
Marotten ausgestattet und bei der Leserschaft ausgesprochen beliebt war X-RAY
7, welcher desöfteren der `Side-Kick' von LARRY BRENT war. IWAN KUNARITSCHEW,
ein Russe. Über ihn lesen wir in "DAS TEAM DER PSA":
„IWAN
KUNARITSCHEW alias X-RAY-7, ein Mann wie ein Bär, breit, kräftig, der beste
Taek-won-do-Kämpfer in der PSA. Unschlagbar, 32 Jahre alt. Trägt borstiges
Haar. Auffallend sein rotes Gesicht, das nicht nur vom Wodkatrinken kommt.
Raucht nur selbstgedrehte Zigaretten. Der Tabak dazu ist schwarz wie Kohle, und
niemand weiß, woher er diesen "Stoff" bezieht..." (5)
Der Russe ist der
komische Sympathikus, der LARRY BRENT sehr schnell an die Seite gestellt wurde
und in unregelmäßigen Abständen immer wieder auftrat. Er ist dienstälter, aber
nicht so gut wie LARRY BRENT (auch hier gibt es in der Geschichte des
Heftromans mehrere Vorbilder, das bekannteste ist das Duo PHIL DECKER und JERRY
COTTON), der als bester PSA-Agent dargestellt wird. Die erste Begegnung der
beiden fand in SILBER-KRIMI 753 (GK 2) "DIE ANGST ERWACHT IM TODESSCHLOSS"
statt. Das Szenario dieser Begegnung ist eigenartig. LARRY BRENT wurde in die
PSA aufgenommen und entführt und von Sektieren gefangengehalten und wegen
seiner Zugehörigkeit zu ebendieser Organisation zum Tode verurteilt. Unter
großen Mühen konnte LARRY BRENT aus einem Raum entkommen, dessen Wände ihn zu
zerquetschen drohten.
"(...)
Larry wischte über sein von roten Staub bedecktes Gesicht. Er verschmierte es mit
dem Schweiß, und er sah aus als sei er in Tomatensoße geraten. Doch wie er
aussah interessierte ihn im Moment wenig. Die Hauptsache war, dass er einen Weg
gefunden hatte, diesen beiden überdimensionalen Mühlsteinen zu entgehen. Er
stieg durch die Öffnung, erreichte aufatmend die andere Seite. Er sah an der
gegenüberliegenden Wand eine dunkelgraue, verkratzte und etwas zerschundene
Tür. Er
ging darauf zu. Da hörte er das Geräusch schräg hinter sich. Im gleichen
Augenblick zuckten von mehreren Seiten zahlreiche Scheinwerfer auf. Der
Kellerraum wurde bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet. Larry
Brent Schloss geblendet die Augen. Es dauerte eine geraume Weile, ehe er sich
an das Licht gewöhnt hatte, und er warf sich im ersten Augenblick instinktiv zu
Boden, um einem eventuellen Angriff auszuweichen. Er
rollte sich blitzschnell zur Seite. Dann öffnete er die Augen. Er sah die
dunklen Fußspitzen vor sich, die Beine, die in einem gutgeschnittenen,
dunkelgrauen Anzug steckten. Larry
sprang auf die Füße. Er
starrte auf sein Gegenüber. Der andere grinste von einem Ohr zum anderen,
während er die Hände in die Hüfte stützte. "Sie
haben es geschafft, Towarischtsch", sagte der Mann mit einem etwas harten,
für Larrys Ohren ungewöhnlichen Akzent. Ein Russe? Da
wurde sein Blick von einem seltsamen Gegenstand beinahe hypnotisch angezogen.
Am Ringfinger der linken Hand trug der andere einen Ring, wie er nicht
alltäglich war. In einer schweren goldenen Fassung ruhte eine erhabene
Weltkugel, durch die stilisiert das Gesicht eines Menschen schimmerte. Larrys
Miene wurde hart. Diesen
Ring trugen nur sehr wenige Leute, er war ein untrügliches Zeichen für eine
bestimmte Gruppe von Menschen. Larry hatte einen solchen Ring zum erstenmal in
Frankreich gesehen, bei einem Agenten, der der PSA angehörte. Und
dieser Mann vor ihm, dieser Russe war ein Agent der PSA.
***
Larry
konnte es später nicht mehr sagen, er glaubte jedoch ein ziemlich dummes
Gesicht gemacht zu haben, als sein Gegenüber ihm erklärte, dass er nun
wirklich alles überstanden hätte. "Überstanden?"
Larry lauschte den Worten nach. Er hatte plötzlich eine sehr eigenartige
Vermutung. Sein
Gegenüber sah nicht so aus, als gehöre er einer Gang an, und seine ganze
Erscheinung, sein Grinsen ließen darauf schließen, dass er sich köstlich zu
amüsieren schien. "Mein
Name ist Kunaritschew, Iwan Kunaritschew, Mister Brent", stellte der
Russe sich vor. Seine Stimme klang ganz anders als bei der ersten Bemerkung.
Larry Brent gewann den Eindruck, dass Kunaritschew ohne weiteres in der Lage
war akzentfreies Englisch zu sprechen. (...) "Sie
gehören zum Ausbildungsteam?" erkundigte sich Larry, während er einen
langen Blick auf Iwan Kunaritschew warf. Der Russe war ihm vom ersten
Augenblick an sympathisch gewesen. Kunaritschew
war ein Mann wie ein Bär, kräftig und mit breiten Schultern. Sein etwas rötliches
Gesicht erinnerte an die Farbe eines jungen Ferkels. Iwan sah gutmütig und
freundlich aus. Aber Larry Brent hatte im gleichen Augenblick auch das Gefühl,
dass dieser gutmütige Bursche die Gefährlichkeit einer Bombe besaß, wenn es
darum ging Unrecht auszumerzen, und dem Gesetz zu seinem Recht zu verhelfen. (...) Brent
kleidete sich aus, während Kunaritschew draußen in dem Kellerraum
umherwanderte und eine seiner selbstgedrehten schwarzen Zigaretten rauchte,
das Larry im Waschraum anfangen musste zu husten. "Was
rauchen Sie da für ein Kraut Brüderchen?" rief Larry, während er sich
erstheiß, und dann kalt abduschte, nachdem er sich gründlich eingeseift hatte. Kunaritschew
hob die buschigen Augenbrauen. "Geheimnis Towarischtsch! Diesen Tabak
gibt's in ganz New York nicht. Sie möchten wohl gern wissen, woher ich ihn
habe, was?" (6)
Der Russe IWAN
KUNARITSCHEW, der wenig später dann endgültig den für ihn charakteristischen
Bart bekommt, den großen, roten Vollbart. Der Russe hat viele Macken und
Spleens. Da ist zum einen der angesprochene Tabak, den er aus seiner Heimat
bezieht, wie später, viel später, enthüllt wird. Kaum einer kann ihn rauchen.
Desöfteren benutzte JÜRGEN GRASMÜCK diesen Tabak als `runing gag'. Immer
wieder nahmen Personen das Angebot des Russen an, eine der
"Vampirkiller" (wie die Zigaretten in den Romanen genannt wurden) zu
rauchen. Das hatte böse Folgen, Hustenanfälle, unnatürliche Blässe im Gesicht
und Übelkeit waren die Folgen davon. Madame Hypno erzeugte die Illusion sie zu
ertragen, obwohl sie in Wirklichkeit schwer von diesen Zigaretten geplagt
wurde. Aber der Ägypter ACHMED CHACHMAH alias X-RAY-18 (dank diverser Todesfälle
wurde diese Nummer desöfteren besetzt) bereitet dem Russen in DIE MIKRO_KILLER DES Dr. TSCHANG FU eine Überraschung.
"(...)"Achmed,
du gefällst mir. Ich freue mich auf unsere gemeinsame Arbeit, Zigarette?"
Er hielt wie durch Zauberei sein silbernes Etui in der rechten und ließ es
aufschnappen. Fein säuberlich aneinandergereiht lagen Iwans Selbstgedrehte
unter dem Gummiband. Larry
hielt den Atem an und dachte an Morna, um Achmed Gelegenheit zu geben,
vielleicht durch die plötzlich aufflammende Gedankenflut telepathisch eine
Vorwarnung zu empfangen. "Ich
bin kein großer Raucher. Nun hin und wieder zünde mich mir eine an, wenn ich
in Gesellschaft bin", sagte X-RAY-18. "Es
sind selbstgedrehte Zigaretten, eine ganz außergewöhnliche Tabakmischung. Nicht
alltäglich. Die findest du sonst nirgendwo. Greif ruhig mal zu" forderte
Kunaritschew in seiner überzeugenden Art. "Russische?" "Na,
klar! Was denn sonst?" "Ausnahmsweise,
Vampirkiller. Ich nehm's als eine Art Begrüßungsgeschenk. Neugierig bin ich ja
doch." "Ich
auch." Iwan reichte dem Kollegen Feuer und zündete sich dann selbst eine
der berühmt-berüchtigten Stäbchen an. Er
inhaltierte tief. Larry trat einen Schritt zurück, unmerklich den Atem
anhaltend, um den Rauch als Nichtbetroffener nicht inhalieren zu müssen. Achmed
Chachmah nahm einen ersten Zug, inhalierte und betrachtete die Zigarette,
deren Papier keinen Markenaufdruck trug. Iwan
lächelte zufrieden und sagte zunächst nichts. Larry
hielt immer noch den Atem an und lief dann langsam den Korridor entlang. Chachmah
nahm einen zweiten und einen dritten Zug. Spätestens jetzt musste sich etwas
zeigen. Ein Hüsteln, ein erstauntes Augenbrauenheben, ein Zusammenzucken...
meistens zogen die Kunaritschew-Marken-Raucher in einer seltsam verdrehten
Haltung ein wenig die Schultern nach vorn, und dann husteten sie los... Bei
Chachmah aber tat sich gar nichts. Er
nickte angetan. "Die sind gut, die sind wirklich gut", bemerkte er
anerkennend und sah Iwan freundlich an. Der Russe verstand die Welt nicht mehr
und warf einen verstohlenen Blick auf die Zigarette, die der Araber in der Hand
hielt. Er bezweifelte, dass es eine von seiner Sorte war und schien überzeugt,
dass es durch Zufall doch eine käuflich zu erwerbende Marke war. Aber es war
kein Aufdruck vorhanden, es handelte sich eindeutig um eine Zigarette aus
seinem privaten Vorrat. "Der
Geschmack ist herzhaft-würzig, eine Zigarette für einen richtigen Mann",
lobte der Araber die Selbstgedrehte, und Iwan vergaß zu rauchen, als X-RAY-18
den fünften, sechsten und siebten Zug machte, ohne zu reagieren. Da
sagte der Russe nichts mehr und wechselte nur einen schnellen,
verständnisträchtigen Blick mit seinem Freund Larry, der leicht andeutungsvoll
die Achseln zuckte. Achmed
Chachmah schien aus demselben Holz geschnitzt zu sein wie Iwan Kunaritschew,
und Chachmahs Bronchien waren wie die Iwans mit Hornhaut tapeziert, dass er
diesen Angriff auf seine Luftwege reaktionslos überstand!" (7)
X-RAY-18 war also einer,
der dieses Kraut zu rauchen vermochte. Der telepathisch begabte PSA-Agent
verdankt im übrigen seinen Namen einer der Wortspiele JÜRGEN GRASMÜCKS (aus
denen ja auch schon das Pseudonym DAN SHOCKER hervorgegangen war). ACHMED
CHACHMAH (gesprochen Schachmah) ist eine Assoization zu "Schachmatt",
wie JÜRGEN GRASMÜCK einmal auf einem "Marlos-Treffen" zum besten gab.
Zurück zu X-RAY-7. Dieser
hatte noch mehrere Marotten, so zum Beispiel seine Wodkas, in die er Pepperoni
einlegte, was ihnen eine besondere Würze verleihen sollte. So war der Russe
immer wieder für die meisten der komischen Einlagen zuständig. Auch wenn es
galt dumme Sprüche zu klopfen oder das Klischee Angst vor dem Zahnarzt zu
erfüllen. Dennoch widerfuhr dem Russen nicht das Schicksal so vieler Side-Kicks
von Helden des Heftromanes, die immer mehr zum Handlanger des Helden verkamen.
IWAN KUNARITSCHEW konnte immer wieder selbst die Initiative übernehmen und
trug durchaus einiges zur Lösung der Fälle bei. Er geriet nicht in kopflose
Panik, wenn der Hauptheld als verschollen galt, wie es in anderen Serien gang
und gäbe. Immerhin hätte diese Verhaltensweise der Konzeption der Romane
widersprochen, den PSA-Agenten müssen unter allen Umständen kühlen Kopf bewahren
und jederzeit in der Lage sein, die Initiative zu ergreifen.
Der männliche Side-Kick
trug also ähnlich selbstständige Züge, wie der weibliche Side-Kick MORNA
ULBRANDSON. Über sie lesen wir in "DAS TEAM DER PSA"
"MORNA ULBRANDSON
alias X-GIRL-C. Schwedin, ehemaliges
Mannequin. Außergewöhnlich hübsch und attraktiv. Trägt das blonde Haar
schulterlang. Augen grün. Sie ist der erste weibliche Agent der PSA und
spricht, wie auch ihre männlichen Kollegen, mehrere Sprachen fließend. Mornas
Intelligenzquotient ist fast so hoch wie der Larrys. Sie nimmt deshalb in der
aufzubauenden Frauenabteilung eine ähnliche Stellung wie X-RAY-3 ein. Sie hat
eine Schwäche für Larry Brent, lässt sich das aber nicht anmerken." (8)
MORNA ULBRANDSON hebt
sich wohltuend von den diversen schutzbedürftigen Partnerinnen — so man diese
Partnerinnen nennen kann — ab. Sie ist selbstständig, und ihre Liebe zu LARRY
BRENT artet nie so aus, dass sie ohne den Schatz kopflos ist. Überhaupt hält
JÜRGEN GRASMÜCK mit Liebesszenen zwischen den beiden PSA-Agenten hinter dem
Berg, wenn auch das erste Zusammentreffen von "SOHNEMANN" (Kosenamen
für BRENT) und "SCHWEDENFEE" (Kosenamen Ulbrandson) recht
vielversprechend verläuft.
"Lachend
löste Larry Brent die künstliche Gummimaske von ihren Fingern. "Ich habe
sie vorhin in aller Eile weggeworfen, als ich zurück in die Ruine wollte."
Er vertraute ihr alles an, nachdem er ersteinmal wußte, dass auch Patsy nicht
diejenige war, für die sie sich ausgegeben hatte. Patsy verfügte über eine
handliche Laserpistole — und sie trug an einem goldenen Kettchen einen schweren
Anhänger, der das PSA-Motiv zeigte! Sie
lachte. "Ich bin die erste PSA-Agentin, X-RAY-3!" "Deshalb
also der plötzliche Stimmungswechsel in der Blockhütte am Fluß unten, als sie
meinen Ring bemerkten", entgegnete Larry. "Wie ist ihr wirklicher
Name?" "Ich
heiße Morna Ulbrandson, ich bin Schwedin. Meine Deckbezeichnung ist
X-G-C." "
X-G-C?" "G
— wie Girl. X-GIRL-C. Das C steht anstelle einer Ziffer, um eine Verwechslung
mit männlichen Agenten vorzubeugen. Ich bin die erste weibliche Agentin der
PSA." (...) Und
mit diesen Worten beugte er sich über sie und küßte sie. "Das ist das
erste Girl, dass ich küsse", bemerkte er auf ihren Lippen. Sie
zog erstaunt die Augenbrauen hoch, während sie die letzten klebrigen Reste von
Fernandez Curuzcos Gesicht von ihren Fingern schüttelte. "Das
erste X-GIRL..." verbesserte sich Larry..." (9)
Späterhin träumte LARRY
sogar von einer Hochzeit mit MORNA ULBRANDSON, aber in der Romanrealität ging
JÜRGEN GRASMÜCK vorsichtig mit der Beziehung der beiden um. LARRY schlief hier
und da mal mit anderen Frauen, ein Zeichen, das keine monogame Beziehung der
beiden Figuren geplant war. Eine positive Sache für den Heftroman.
JÜRGEN GRASMÜCK legte
auch Wert auf die Tatsache, dass PSA-Agenten eigenständig handeln konnten (auch
und gerade in Streßsituationen). Dies würde durch eine zu enge Bindung nicht
gewährleistet sein, denn wie in anderen Serien immer wieder zu lesen, verloren
Co-Helden den Kopf, wenn der Hauptheld nicht da war oder gar als verschollen
galt, wie "LARRY BRENT" in "CORRIDA, DER DÄMONEN" (SGK 55 22.5.73).
Auf die Selbstständigkeit
legte der Chef und Initiator der PSA gesteigerten Wert. Die Konzept wäre — wie
erwähnt — völlig ad absurdum geführten worden, wenn das passiert wäre.
Dieser Chef ist ein ganz
besonderer Mann. Über ihn lesen wir in "DAS TEAM DER PSA":
"DAVID GALLUN alias
X-RAY-1. 56 Jahre alt, volles, graues
Haar. Sehr väterlich, ruhig. Niemand kennt seine wahre Identität. Er ist den
Mitarbeitern der PSA lediglich als X-RAY-1 bekannt, der geheimnisvolle Leiter
im Hintergrund. Gallun erlitt einen Autounfall und verlor dabei sein
Augenlicht. Danach war er vier Minuten klinisch tot. Eine etwa 28 Zentimeter
lange Operationsnarbe am Kopf und Hals erinnern noch daran. Während der
kritischen Minuten auf dem Operationstisch machte sein Gehirn eine Veränderung
durch. Seit dieser Zeit kann er Stimmungen und Gefühle wahrnehmen und
empfangen, er wurde zum Emphaten. Gallun kann sein Büro über einen geheimen
Eingang betreten. Ein einziger Vertrauter, sein Diener Bony, der ihm das Leben
rettete, begleitet ihn auf all seinen Wegen." (10)
DAVID GALLUN war, wenn
man den spärlichen Hinweisen auf seine Biographie in den Romanen folgt, ein
hoher Beamter im Geheimdienst der Vereinigten Staaten. Nach besagtem Unfall
verlor er sein Augenlicht und baute die PSA auf, um Verbrechen ungewöhnlicher
weltweit Natur aufzuklären. Er war X-RAY-1. Seine Identität hielt er gegenüber
seinen Mitarbeitern geheim. Er sah sich in den ersten Bänden selbst als
Feuerwehr und hatte noch in "DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH BONNARDS
HAUS" und "DER DÄMON MIT DEN TOTENAUGEN" (SK 771/GK 4 — 11.2.69)
eine aktive Rolle inne. Dann verfolgte DAN SHOCKER dieses Konzept nicht weiter.
DAVID GALLUN verkam zu einem Befehlsgeber und Auftragserteiler, der zwar klare
Anweisungen gab, aber nicht mehr aktiv in das Geschehen eingriff. Dies verschenkte
natürlich Möglichkeiten und drängte vor allen Dingen das Faktotum GALLUNS, BONY,
an den Rand des Bedeutungslosigkeit. Leider, kann man nur dazu sagen. Gerade
das aktive Mitwirken des Initiators hätte noch interessante Konstellationen
abgeben können. Die Kombination Blindheit und emphatische Begabung hätte noch
einiges abgeben können. Diese Kombination ist eine Anlehnung an eine frühere
Schöpfung aus GRASMÜCKS Schaffen. Der bereits erwähnte Titelheld der Serie
"HESTER GORDON" hat hier augenscheinlich Pate gestanden, wenn diese
Figur doch erheblich variiert wurde.
DAVID GALLUN
höchstpersönlich entdeckte seinen späteren Spitzenagenten. Er `beobachtet' ihn
beim Verlassen des FBI-District-Gebäudes in New York, als LARRY BRENT aus dem
FBI entlassen und an die PSA überwiesen wurde. DAVID GALLUN erlebt die Szene
so:
"Larry Brent wurde
von einem Buik abgeholt. Wie benommen saß er hinter dem Fahrer. Er würde auch
in Zukunft für Recht und Gesetz kämpfen, aber unter verschärften Bedingungen! Er wußte nicht, dass zwei
Menschen Zeuge seiner Abfahrt wurden. In einer Seitenstraße
stand ein weißer Ford Mustang. Ein Chauffeur saß hinter dem Steuer. Hinter ihm
ein Blinder. Der Blinde fühlte die
Stimmungsschwingen Larry Brents. X-RAY-1 lächelte. Ein spitzbübischer Zug war
in seinem väterlichen Gesicht zu erkennen. "Er ist aufgeregt wie ein
kleiner Junge", meinte er. "Wenn er wüßte, was ihn wirklich
erwartet. Er wird überrascht sein, dass es eine noch härtere Schule als die
des FBI und des CIA gibt(...)" (11)
Die Ahnung des blinden
DAVID GALLUN, dass LARRY BRENT ein guter Agent wird, sollte sich bewahrheiten.
Später kam es anlässlich
einer Auseinandersetzung mit RON SILKER, jenes Mannes, der für den Unfall und
die Erblindung DAVID GALLUNS verantwortlich war zu einem Zusammentreffen von
IWAN KUNARITSCHEW, LARRY BRENT und DAVID GALLUN.
Es war im Grunde das
letzte aktive Eingreifen von X-RAY-1 für eine lange Zeit. Er hatte sich aktiv
in den Kampf gegen den alten Feind eingemischt und war von RON SILKER in ein
abbruchreifes Haus gelockt worden, wo er abstürzen sollte. LARRY BRENT und
IWAN KUNARITSCHEW halfen ihm, ohne zu wissen, wem sie gegenüberstanden.
Zusammen feierten sie Sylvester.
Jedoch kam dann in der
Folgezeit das in den Schatten drängen der Person Galluns. Seine Auftritte
beschränken sich in Funkaufträge an Agenten und wenige Sequenzen in seinem Büro,
wo er teilweise die Gefühle seiner Gesprächspartner erfühlte, wenn sie in
seiner Nähe waren (sprich in ihren Büros). Die Möglichkeiten, die ein
direkter Eingriff des Gespannes GALLUN/BONY ergeben hätten blieben ungenutzt.
Warum, so kommt die Frage auf, ist GALLUN dann blind und welchen Nutzen hat
GALLUN als Emphat? Es war im Grunde herzlich wenig. Der Schwerpunkt der Romane
lag zu einseitig auf den aktiven X-RAY-Agenten. Doch dann kam das Ende des
Chefs der PSA.
"Ein
leises Klicken. Gallun kannte das Geräusch. Dieser Laut entstand, wenn eine
Smith & Wesson Laser entsichert wurde. Sein
Gesicht wurde starr wie eine Maske. (...) Die
Worte klangen wie ein Todesurteil. Gleichzeitig
empfing X-RAY-1 die Gefühle seines Gegenüber. Er konzentrierte sich auf diesen
Strom. Mehr als einmal war es ihm gelungen, andere Menschen, andere Gehirne in
seinem Sinn zu beeinflussen. Das war eine Gabe von der er nur in der größten
Not Gebrauch machte. Eine
solche Notlage bestand nun. (...) Er
musste seinem zu allen entschlossenen Widersacher dazu bringen, von seinem
Vorhaben Abstand zu nehmen! Er
konnte den Wall der bösen Gefühle nicht durchbrechen. Schweiß perlte auf seiner
Stirn. "Tun
Sie's nicht", preßte er hervor. "Mein Tod nutzt Ihnen wenig. Wenn ich
sterbe — sprechen sie Ihr eigenes Todesurteil!" "Es
ist manchmal seltsam, worauf Menschen alles kommen, wenn ihr bißchen Leben
gefordert wird", stieß Dr. Satanas haßerfüllt hervor. Dann
drückte er ab. Der
grelle Laserstrahl jagte lautlos in das Herz von X-RAY-1.
***
Drei
Sekunden noch stand der Getroffene da wie eine Statue. Dann klappten seine
Mundwinkel herab. Die linke Hand, die sich bisher auf die Schreibtischplatte
aufstützte, schleifte über das glatte Holz. Wie vom Blitz gefällt brach X-RAY-1
zu Boden."(12)
Die Nachfolge des toten
GALLUN trat per Testament und nach überstandenen Fall LARRY BRENT, der beste
Mann der PSA, an. Doch diese Doppelfunktion brachte Probleme mit sich. LARRY
BRENT, voll im aktiven Dienst, musste immer erreichbar sein. Ein
Sprachmodulator wandelte zwar seine Stimme um, aber was war, wenn er kämpfte
und einer der PSA-Agenten ihn sprechen wollte? - Ein solches Konzept kann nur von der Heftromanlogik getragen werden. Dieses Problem sah auch DAN
SHOCKER, und in LARRY BRENT Band 150, der die Neuauflage von "LARRY BRENTS
TOTENTANZ" darstellte, ergab sich die Möglichkeit dies zu korrigieren.
Aber das JÜRGEN GRASMÜCK
sich selbst unbehaglich fühlte, zeigen folgende Sätze aus dem Exposé für
"NACHTRITT DER MONDGEISTER":
"Niemand
darf etwas von Larrys derzeitiger Doppelrolle wissen. Selbst seine Freunde
nicht. Er ist zu strengstem Stillschweigen verpflichtet. Und niemand kann auch
etwas merken, denn ein nur Larry bekanntes Codewort aktiviert einen
elektronischen Stimmen-Modulator, so dass die allen vertraute Stimme (ruhig,
väterlich) des Ihnen bekannten X-RAY-1, aus dem Lautsprechern der PSA-Ringe
und -Anhänger kommt. Diese
Konstellation zu wissen, ist wichtig für den Co-Autor. Doch sollte er das Thema
nicht zu breittreten, um Zusammenspiel und Fluß der Handlung nicht zu
behindern. Larry soll agieren (und zwar als X-RAY-3!). Nur wenn es die Handlung
zwingend erfordert, dann die Doppelrolle erwähnen. Die Regel soll sein, dass
Larry Brent in das Geschehen versetzt wird, ohne das unbedingt das
Wechselspiel groß herausgekehrt wird." (13)
Die Behinderung des
PSA-Agenten und Helden LARRY BRENT durch administrative und leitende Arbeit
sollte wieder abgeschafft werden. Da verfehlte der Schuß des Mörders in der
Neuauflage das Herz haarscharf und Ärzte ringen um das Leben GALLUNS.
Allerdings blieb seine Rückkehr aus, da höhere Mächte ein Comeback
verhinderten. Insgesamt kann festgehalten werden, dass dieses Problem heftromantypisch
unter den Tisch gekehrt wird. "LARRY BRENT" geriet eben nicht in die
komplizierte Situation, dass er zu einer unmöglkichen Zeit über Funk in
seiner Funktion als X-RAY 1 angerufen wurde.
Es gab noch eine Agentin
der PSA, die es zu mehreren Einsätzen brachte. Zwar gab es hier und da Agenten,
die zeitweilig auftauchten, aber nur noch eine brachte es soweit in die
Vorstellung der PSA-Agenten aufgenommen zu werden. Ab dem SILBER-GRUSEL-KRIMI
Band 108 "PANDÄMONIUM" (13.01.76) tauchte sie auf dieser Seite auf.
SU HANG, aber bereits in "DER SATAN SCHICKT DIE HÖLLENBRUT" (SK
786/GK 7 — 27.05.69) als Privatdetektivin in Hongkong in unheimliche Ereignisse
involviert, ging dann später zur PSA. Über sie lesen wir in "DAS NEUE TEAM
DER PSA MIT LARRY BRENT ALS X-RAY-1" in "PANDÄMONIUM".
"SU
HANG alias X-GIRL-G, 24 Jahre, eine junge Chinesin aus Hongkong, die von Larry
Brent gern im asiatischen Raum eingesetzt wird. Su ist eine außergewöhnliche
Kennerin der alten Kultur und der alten Mythen ihres Landes und fährt am
liebsten alte Autos, die sie wieder hochpäppelt. Mit besonderer Vorliebe
steuert sie einen achtzehn Jahre alten Citröen 2 CV, der eine
Spitzengeschwindigkeit von 180 km erreicht." (14)
Ihre meisten Auftritt
hatte SU HANG dann auch tatsächlich im Kampf gegen den Chinesen TSCHANG FU,
sowie — und insofern machte GRASMÜCK seine Ankündigung war — im asiatischen
Raum. Auch sie hatte ein Verhältnis mit LARRY BRENT, der somit von dem Anspruch
moralisch einwandfrei zu sein, in gewissen Punkten `entlastet' ist. Auch im
Falle SU HANG hielt sich der Autor konsequent daran, dass PSA-AGENTEN und
AGENTINNEN eigenständig handeln müssen. Diesen Punkt ließ er auch bei anderen
Gelegenheitsauftritten nie außer acht.

Die PSA, was nichts
anderes heißt als "PSYCHOANALYTISCHE SPEZIALABTEILUNG", wurde von
JÜRGEN GRASMÜCK speziell für LARRY BRENT aus der Taufe gehoben. Im Lexikon
kann man unter dem Stichwort "PSYCHOANALYSE" folgendes lesen:
"Psychoanalyse
(griech., "Seelenzergliederung", "Seelenerforschung"), die
systematische Erforschung verborgener seelischer Zusammenhänge und ins
Unterbewußte verdrängter seelischer Erlebnisse (Komplexe) aus Erinnerungen,
Träumen und Ideenverbindung im Wachzustand oder in der Hypnose. 1889 von S.
Freud und Josef Breuer als kathartische (reinigende) Behandlung
begründet...." (15)
In den sechziger Jahren
war "Psychoanalyse", "Psychiater" und dergleichen
Modeworte. JÜRGEN GRASMÜCK nutzte hier ganz perfekt den Wiedererkennungswert
des Wortes "Psychoanalyse". Der Begriff kreiste zwar, aber viele
konnten sich nichts darunter vorstellen. Aus Sicht der Definition müßte es
sich eigentlich bei der PSA um eine Gruppe Psychoanalytiker handeln auf deren
Couch oder in deren Therapiegruppen besondere Fälle von Schizophrenie, Paranoia
und ähnlichem landen. Das sich dahinter eine Art Geheimdienst gegen das
Übersinnliche verbirgt war wohl kaum anzunehmen, wenn man es streng im Wortsinn
nimmt.
Ein weiterer Modebegriff
der sechziger Jahre war X-RAY, der vor allem als Schriftzug in zahlreichen
SF-Romanen aus dieser Zeit oder früher auftauchte. Dort war zu lesen
"X-RAY-Section" oder dergleichen. Auch in einem Film mit RAY MILLAND
"THE MAN WITH THE X-RAY-EYES" (deutsch: "Der Mann mit den Röntgenaugen"
USA 1963, Regie: ROGER CORMAN, Altmeister des B-Films) enthielt dieses Wort und
der deutsche Filmtitel schon die Übersetzung. X-RAY heißt zu deutsch
Röntgenstrahlen. Damit hatte JÜRGEN GRASMÜCK gleich zwei Fliegen mit einer
Klappe geschlagen. Zum einen hatte er ein bekanntes Schlagwort als Codenamen
für seine Agenten gefunden. Zum anderen sollten PSA-Agenten wie mit Röntgenstrahlen
ihre Fälle durchleuchten: Faszinierende Konstruktion im Rahmen des Heftromans.
Wie charakterisiert
JÜRGEN GRASMÜCK selbst seine Erfindung:
"Die
PSA (Psychoanalytische Spezialabteilung): Sie
hat ihren Sitz mitten in New York im Central Park. Unter dem bekannten
Speiserestaurant 'Tavern on the Green'! Zwei Stockwerk unter dem Kellergeschoß
liegt die Welt der PSA. Büros, Labors, Funkzentrale und die Computer sind hier
untergebracht. Eine geheime Tür führt in eine Kammer, die ein getarnter Lift
ist, der nur von den PSA-Leuten benutzt wird. Der Daumenabdruck des Einzelnen
wird zum Schlüssel, den Lift in Gang zu setzen. Einen besonderen Zugang gibt
es nur für den Gründer und Leiter der PSA." (16)
und...
"PSA
(Psychoanalytische Spezialabteilung): Sie hat ihren Sitz in New York. Der
geheime Einsatzort der PSA befindet sich zwei Etagen unter den Kellerräumen
des bekannten Tanz- und Speiserestaurants 'Tavern on the Green' im Central
Park in Manhattan. Die
PSA befaßt sich ausschließlich mit ungewöhnlichen Fällen. Die Abteilung ist
jetzt vier Jahre alt. In einem strengen Aussiebeverfahren werden Spezialagenten
herangebildet, die es bisher nicht gab. Nur die besten bestehen und sind
würdig, die Bezeichnung X-RAY- zu erhalten. Jeder Agent und jede Agentin der
PSA trägt das Erkennungszeichen: eine massive goldene Weltkugel in einer
Ringfassung oder an einem Armkettchen. Die Weltkugel auf der das stilisierte
Gesicht eines Menschen durchschimmert, enthält eine vollwertige Miniatursende
und -empfangsanlage." (17)
Diese beiden kurzen
Abschnitte über die PSA, der erste dem Exposé "NACHTRITT DER
MONDGEISTER", der andere dem "TEAM DER PSA" entnommen, zeigen,
dass es JÜRGEN GRASMÜCK nicht für nötig hielt mögliche Co-Autoren und Leser
über tiefgreifenden Details der PSA zu informieren. Es ist nicht bekannt, ob
JÜRGEN GRASMÜCK sich jemals mehr Gedanken zur PSA gemacht hat.
Zum Beispiel ist die
Geschichte der PSA ungeschrieben geblieben. Der Leser wird zwar über den
Unfall DAVID GALLUNS und der daraus resultierende Schluss die PSA zu gründen
und zu einer schlagkräftigen Polizeiorganisation gegen ungewöhnliche
Verbrechen und Verbrecher informiert, doch nie verlautet näheres über die
Umstände der Entstehung der PSA, über deren Finanzierung, deren konkreten Arbeitsplan,
die Gehälter der Agenten und dergleichen mehr. Überlegt man sich, dass unter
einem Speiselokal mitten in New York umfangreiche Arbeiten vorgenommen worden
sind, ohne dass diese von der Öffentlichkeit bemerkt wurden, denn die PSA
haust ja nicht in einem kleinen Kellerloch, sondern in einer großzügig
angelegten Zentrale, die mit hohem technischen Aufwand betrieben wird. Das ist
kein Maulwurfsbau, sondern eine großzügige Anlage.
Ebenso erfährt man wenig
über die Organisationsform der PSA. Inwieweit ist sie in internationale
Organisationen eingebunden? Zwar wird manchmal angedeutet, dass die Regierungen
der Welt durchaus über die PSA informiert sind. Das wird in jenen Szenen der
Romane deutlich, in denen LARRY BRENT oder ein anderer Agent oder eine andere
Agentin Sondervollmachten hoher Regierungsstellen vorlegen. Inwieweit
übersteht das System der PSA politische Umwälzungen, wie Revolutionen? Woher
bekommen sie ihre Informationen? Von Nachrichtenagenten. Aber über die
Strukturen des Informationsnetzes werden keine näheren Angaben gemacht. Selbst
im Exposé zu "NACHTRITT DER MONDGEISTER" heißt es zum Thema
"Nachrichtenagenten" lapidar:
"Davon
gibt es tausende in aller Welt."(18)
Wie es zu diesem
umfangreichen Netz an Nachrichtenagenten kam, weiß wohl nur der große Meister
aus Altenstadt.
Auch die hochmoderne
Technik, die sich die PSA zu Nutze macht wird nur höchst unzufriedenstellend
erklärt. Ein eigener Satellit lässt auf Einflussreiche Verbindungen schließen,
ebenso auf gewaltige finanzielle Unterstützung. Doch wer steht dahinter, wer
zahlt?
Genauso ist die Aufnahme
von Agenten in die PSA ein Gewirr an diffusen Informationen, die mehr verschleiern
als enthüllen. Zunächsteinmal muss ein PSA-Agent in spe durch außergewöhnliche
Leistungen auffallen. In der Frühzeit der Serie wurde von JÜRGEN GRASMÜCK noch
mehrere Studiengänge (eventuell ohne Abschluss) und das Beherrschen von
Fremdsprachen vorausgesetzt, wobei die Studiengänge späterhin stillschweigend
unter den Tisch fielen, weil das schwerlich mit dem Lebenslauf mancher Agenten
zu vereinbaren war. Sollten diese Voraussetzungen erfüllt sein, ging es für die
Agentenlehrlinge in ein Trainingsprogramm, dass härter und anspruchsvoller
sein sollte, als alles bisher da gewesene. Es wurden jedoch nur wenige
Andeutungen gemacht, worin das Training bestand. Es ging dabei in erster Linie
um Kampfsportarten von denen JÜRGEN GRASMÜCK eindeutig das koreanische Taek Won
Do favorisierte. Ansonsten kann man nur noch in Erfahrung bringen, dass es noch
einen abschließenden Standardtest gibt. Dazu wird der Agent zunächst einmal
offiziell aufgenommen, entführt und von den Entführern zum Tode verurteilt. In
dieser ausweglosen Situation soll sich der Agent beweisen und zeigen, ob er in
der Lage ist auch unter augenscheinlich nicht simulierten Bedingungen, sich zu
befreien und die Iniative zu ergreifen.
Im Laufe der Zeit gibt
es, wie in "DIE PEST FRASS ALLE" (SK 902/GK 33 17.8.71) angedeutet
wird Fort- und Weiterbildungskurse, auf deren Inhalt nicht näher eingegangen
wird.
Im großen und ganzen sind
die Informationen doch eher dürftig und lassen zunächst einmal bei dem doch
sonst recht sorgfältigen Autoren GRASMÜCK auf eine sehr laxe Planung
schließen, aber dem ist auf den zweiten Blick nicht so.
Doch warum erfährt der
geneigte Leser nichts oder nur so wenig über derlei Dinge?
Die Antwort ist
schrecklich einfach: Die PSA ist!
JÜRGEN GRASMÜCK macht
sich damit ein schrecklich einfaches Prinzip des Heftromanes zu Nutze. Der
Leser braucht nur eine Minimum an Informationen, gerade soviel, dass es ausreicht
um eine Organisation wie die PSA zu akzeptieren. Jegliche weitergehenden
Informationen würden den Handlungsfluss stören und die Dinge unnötig
komplizieren. Für den Leser reicht diese geheimnisvolle Organisation aus. Der
Heftromanleser akzeptiert augenscheinlich viele Dinge im Hintergrund. Beispiele
gefällig: Ein FBI-Beamter, der schon gegen AL CAPONE in den dreißiger Jahren
gekämpft hat, saß in den achtziger Jahren noch im Archiv des New Yorker
FBI-Districts (JERRY COTTON) FRANCO SOLO rang viele, viele Bände gegen die Mafia
und überlebte Westernhelden schossen aus vollem Galopp mit ihren ungenauen
Revolvern Derringers aus den Händen ihrer Feinde. Warum sollte der
Heftromanleser nicht etwas wie die PSA akzeptieren? Zudem JÜRGEN GRASMÜCK die
PSA nur als Vehikel nutzte, um seine Helden schnell ins Geschehen zu werfen,
und zwar in aller Welt, ohne sich auf irgendwelche bestehenden nationalen (was
zu mancherlei Verrenkungen führt) oder internationalen Organisationen stützen
zu müssen. Gerade für den neugeschaffenen Romantypus bot es sich an auch ein
anderes Umfeld zu schaffen und FBI, CIA oder den beliebten SCOTLAND YARD außen
vor zu lassen. Die PSA war eine logische Konsequenz. Während des weiteren
Verlaufes der Serie bewährte sich dieses Konzept. PSA-Agenten konnten
problemlos weltweit aktiv werden. Und da die PSA an sich (bis auf einen
Ausnahmeroman — "LARRY BRENTS TOTENTANZ") nicht das Thema der Romane
war, sondern die zu bearbeitenden Fälle, stellte sich eigentlich auch nie die
Notwendigkeit dar etwas mehr auf diese Organisation einzugehen.
Aber weiter geht es mit
den Modebegriffen. Der Begriff "Laser" war modern und er bot sich für
den SF-Autor geradezu an, als er darüber las, dass diese Technik die Waffe der
Zukunft sein würde. Auch Smith & Wesson ist eine Waffenfirma, die in Mode
ist, weil viele Krimi-Helden des Films und des Heftes ihre Waffen von dieser Firma
bezogen. Daher war es nur ein kleiner Schritt zur Kombination beider Begriffe
zum "Smith & Wesson Laser".
Die Liste der Begriffe
ließe sich fortsetzen: Körpermagnetismus, Miniatursendeanlage und dergleichen.
Kurzum, JÜRGEN GRASMÜCK nutzte populäre Begriffe, wo er sie bekommen konnte.
Und der Heftleser
akzeptierte es, dass eine Bande Psychiater sich mit allem anlegte, was
übersinnlich und unheimlich war. Das ist der Heftroman...

JÜRGEN GRASMÜCK widmete
sich als DAN SHOCKER einigen Themen, für die er eine Vorliebe zu haben
scheint. Zum einen hat er diverse Romane geschrieben (insbesondere in den
ersten zehn Jahren LARRY BRENT), die ihren Ursprung in irgendeiner Form in
Ägypten haben. So spielte Ägypten schon in "DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH
BONNARDS HAUS" hinein, "IM TODESGRIFF DER SCHRECKENSMUMIE" (SK
826/GK 16 — 28.4.70) und "DIE PRANKE DER SPHINX" (SGK 91 — 20.5.75)
sind weitere Beispiele.
Auch pflegte JÜRGEN
GRASMÜCK die Druiden, wenn er sie auch vorwiegenden in die böse Ecke schob.
Mit am häufigsten kam die Bedrohung aus dem Weltall oder war Resultat eines
Besuches von Außerirdischen oder ein Erbe eines lang zurückliegenden Besuches.
Das ist bei der Vorliebe JÜRGEN GRASMÜCKS für die Thesen ERICH VON DÄNIKENS
kein Wunder. Zudem wurden derartige Themen von nahezu allen anderen
Horrorheftautoren über die Jahre hinweg völlig vernachlässigt, so dass es sich
geradezu anbot, die Präastronautik zu verwerten.
Am allermeisten waren
jedoch `mad scientists' das Ziel JÜRGEN GRASMÜCKS (gerne auch, und das zeigt
das Beispiel TSCHANG FU als Kombination mit den Außerirdischen).
"Ich
habe mit Ärzten schon zuviele Enttäuschungen erlebt, und daher soviele von
ihnen auf die Schippe genommen." (19)
Dies
ist einer der Gründe, warum DAN Shocker so oft auf den Typus des `mad
scientist' zurückgegriffen hat. Der wohl bekannteste ist Dr. SATANAS. Dazu
sagt DAN SHOCKER bzw. JÜRGEN GRASMÜCK:
"Dr.
Satanas war eine spontane Idee von mir. Auf der anderen Seite gibt es natürlich
auch Vorbilder in der klassischen Literatur, wo es viele verrückte
Wissenschaftler gab. Und wenn man mal einen Blick in die Realität wirft. Da
wird weiter experimentiert, zum Beispiel in der Gentechnik. Was daraus wird,
wissen wir alle noch nicht." (20)
JÜRGEN GRASMÜCK, der
aufgrund seiner Erkrankung viel Ärger mit Ärzten hatte, schuf den ultimativen
`Heft-mad scientist'. DR. SATANAS, der die PSA sehr beschäftigte. Seinen ersten
Fall bescherte er der PSA mit SILBER-GRUSEL-KRIMI 60 "DIE WAHNSINNSBRUT DES
DR. SATANAS" (9.10.73), wo er in Uruguay herumexperimentierte. Doch der
sicher geglaubten Vernichtung entkam SATANAS, denn dieser halbmenschliche `mad
scientis' war nicht einfach nur ein Wissenschaftler. JÜRGEN GRASMÜCK
kombinierte hier Wissenschaft und Magie. Der Autor verband den genetischen Code
des Menschen, der in jeder Zelle vorhanden war mit teuflischer Magie. Dr.
SATANAS brauchte nur ein Stück von der Nasenwurzel, dass er sich auf die
entsprechende Stelle seines Gesichts legte und mit Hilfe von dämonischen
Mächten, die auf dem Erbe der Dämonengöttin RHA-TA-N'MY fußten, verwandelte
sich Satanas in das Ebenbild seines Opfers.
Geradezu spaßig ist die Szene in
"DIE GEHIRNE DES DR. SATANAS" (SGK 81 — 31.12.74) in der Dr. SATANAS
in der Gestalt einer Frau mit LARRY BRENT eine Liebesnacht verbringt, ohne dass
der Held etwas davon ahnt mit seinem Erzfeind zu schlafen.
Der Doktor war einer der
schwer zu fassensten Feinde der PSA. DAN SHOCKER lebte das hier aus, was W.K.
GIESA einmal als das GRASMÜCK'SCHE PRINZIP bezeichnet hatte. Es lautet:
"Bring
den Helden in eine ausweglose Situation, und sieh zu wie du ihn wieder
herausholst." (21)
LARRY BRENT und Konsorten
befanden sich im Kampf gegen Satanas immer wieder in den ausweglosesten
Situationen, aber immer gelang es den PSA-Agenten dem Doktor ein Schnippchen
zu schlagen. SATANAS probierte es immer wieder. Mal verwandelte er Embryos im
Mutterleib in Skelette. Mal versuchte er es von den Eisregionen unseres
Planeten mit einem `Killer-Computer'. Mal mit der geballten Macht der
verborgenen Kräfte des menschlichen Hirns. Und immer wieder ließ er eine
Blutspur zurück.
Das Zwitterwesen SATANAS'
drückte sich auch in seinem Gesicht aus. Es ist ein gespaltenes. Auf der einen
Seite eine Teufelsfratze, auf der anderen ein Robotergesicht. Dieses Symbol
trifft genau den Charakter SATANAS und die Botschaft des Autors, der der Wissenschaft
und der Technik aufgrund eigener negativer Erfahrungen sehr kritisch
gegenüberstand und erlebt hatte, dass alle wissenschaftlichen Errungenschaften
auch mißbraucht werden konnten, ob im großen (als Atombombe) oder im kleinen
(als Patient im Krankenhaus mit der Apparate-Medizin, deren Antlitz alles
andere als menschlich ist). SATANAS ist die Ausgeburt dieser Erfahrungen,
allerdings für das Heft maßgeschneidert, denn der Heftroman verträgt keine
differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Themen. Daher wurde SATANAS zum
Symbol ausgebaut mit seinem gespaltenen Antlitz. Nun steckte hinter der
Fassade des unheimlichen Abenteuers etwas, dass der Leser herausfinden konnte,
wenn er wollte.
Das Ende des
Wissenschaftlers kam in einem der spektakulärsten Larry Brent-Romane. In
"LARRY BRENTS TOTENTANZ" (SGK 100 — 23.9.75) übernahm SATANAS die
Rolle X-RAY-1, aber er scheiterte Schlussendlich und wurde vernichtet. Auch der
Versuch aus dem Jenseits zurückzukehren wurde vereitelt.
Interessant ist, dass Dr.
SATANAS nicht immer das schurkische Zwitterwesen zwischen Magie und Technik
war. Er war einst ein Mensch, der sich RON SILKER nannte. Er war ein
Gegenspieler von DAVID GALLUN und war auch schuld an dessen Unfall. Später
suchte er Kontakt zu den Lehren der Dämonengöttin RHA-TA-N'MY und wurde zu Dr.
SATANAS.
Dies war von JÜRGEN
GRASMÜCK von vornherein nicht geplant. Er hatte nicht vorgehabt aus RON SILKER
Dr. SATANAS zu machen, aber es ergab sich. RON SILKER steckte hinter den
Ereignissen, die die PSA in "DER DÄMON MIT DEN TOTENAUGEN" (SK 771/GK
4 — 11.2.69) in Atem hielt, aber er entkam. Was lag also näher als SILKER zu
SATANAS zu machen, was auch die Rivalität zwischen SATANAS und der PSA noch
besser motivierte.
Doch SATANAS hatte beim
Leser großen Anklang gefunden, so dass JÜRGEN GRASMÜCK in der LARRY
BRENT-Serie noch einen Sohn des dämonischen Halbwesens schuf, der das Ebenbild
seines Vaters ist. In vielerlei Hinsicht. Der "DÄMONENSOHN" trat
genauso auf wie der Vater und war das Ergebnis eines Experiments und war in
zweieinhalb Jahren aufgewachsen. Er bot die Möglichkeit dort weiterzumachen,
wo die Abenteuer mit Dr. SATANAS endeten. In vielerlei Hinsicht, ist diese
Schöpfung für den Heftroman mehr als bemerkenswert. Haben doch einige
schlicht und ergreifend nach dem Fortsetzungsmuster der "DRACULA"-Filmreihe
der englischen HAMMER-FILMS gehandelt und im übertragenen Sinne Blut auf die Asche
des dahingeschiedenen Erzfeindes ihres Helden gegossen und schon war er wieder
da. Im Prinzip führt das die Vernichtung ins Absurde. JÜRGEN GRASMÜCK ging da
ganz anders vor und erhielt sich so zumindest die innere Logik seiner
Geschichten.

Als JÜRGEN GRASMÜCK 1968
"DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH BONNARDS HAUS" geschrieben hat, da hat
er wohl erwartet etwas zu schaffen, von dem er einige Romane schreiben würde,
aber er dürfte nicht geahnt haben, wie erfolgreich die Serie werden würde. Er
schuf die erste Gruselheftserie. Viele folgten auf dem Boden, den er bereitet
hatte, aber keiner ging den Weg den DAN SHOCKER gegangen war. Er war nicht zu
kopieren, seine Art die Themen aufzuarbeiten und in die Geschichten einzubringen
konnten und wollten andere Autoren nicht nachvollziehen. Er folgte selten den
Trends des Horrors, den meistens der Film abgab. Einige wenige Romane sind
das, aber immer versuchte JÜRGEN GRASMÜCK dabei eigenständig zu bleiben. Er
ging nicht auf den Trend ein, silberkugelverschießende Revolver sei der letzte
Schrei für den Helden. LARRY BRENT behielt immer sein eigenständiges Image.
Und es zeigte sich, dass
JÜRGEN GRASMÜCKS Romane in gewisser Weise zeitlos waren, als 1981 die
eigenständige Serie aus der Taufe gehoben wurde. Sie konkurierte spielend mit
anderen Serien und erschien doch nur alle vierzehn Tage und brachte Romane, die
zum Teil mehr als ein Jahrzehnt alt waren. Auch in den Zeiten als "LARRY
BRENT" noch im "SILBER-GRUSEL-KRIMI" als Sub-Serie lief, gehörte
er zu den beliebtesten, ohne eigenständige auffällige Aufmachung. Er war einer
unter vielen und doch war "LARRY BRENT" eher der Leithammel im
"SILBER-GRUSEL-KRIMI". Er zog andere mit. Das Gütesiegel DAN SHOCKER
hielt sich über lange Zeit hinweg und hätte wohl noch weiter gehalten, wenn
nicht andere über das Schicksal der Serie entschieden hätten.
Was die Romane um LARRY
BRENT meist aus dem Wust anderer Serien heraushob war der Umstand, dass die PSA
immer eingriff, um anderen zu helfen oder etwas aufzuklären. So beginnen im
Heftroman viele Helden, doch alsbald schon wird der Held zur Hauptzielscheibe
der Angriffe der Dämonen, Geister und Gespenster. In diesem Moment beginnen
die Serien langweilig zu werden (se sei denn, die Serie ist wie der
"DÄMONENKILLER" von ERNST VLCEK und KURT LUIF von vornherein so konzipiert
worden). Diese Serien werden alsbald langweilig, weil jede Geschichte um den
Held im Mittelpunkt konzipiert wird. Alle erkennen sich imm wieder. JÜRGEN
GRASMÜCK ist es mit seinen LARRY BRENT-Abenteuern gelungen, sich dieser Gefahr
weitesgehend zu entziehen. Das ist ihm hoch anzurechnen. Zudem gestaltete er
seine `Nebenhelden' so eigenständig, wie es eben ging. Das alles hat
"LARRY BRENT" über achtzehn Jahre hinweg erfolgreich sein lassen.
JÜRGEN GRASMÜCK blieb
zudem mit dieser Serie erdverbunden und unternahm keine Trips in die Hölle, und
über die meiste Zeit hinweg gab es immer ein Krimi-Element in der Serie. Er
machte sich somit nicht auf die Jagd von einem Höhepunkt zum anderen. JÜRGEN
GRASMÜCK hat es verstanden sein Konzept sinnvoll zu erweitern. Dies im
Gegensatz zu JASON DARK, der ähnlich anfing und im Nachhinein um seinen
Helden eine Legende wob, die einfach nicht mit den ersten Abenteuern zusammenpassen
will. Er blähte die Serie teilweise unnötig auf und gab somit die Identität
der Serie auf. Das "JOHN SINCLAIR" trotzdem erfolgreich ist, liegt
nicht am Autor, sondern wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Leserschaft.
Als JÜRGEN GRASMÜCK erkannte, dass auch Reisen in fremde Dimensionen möglich
waren, verzichtete er darauf, dies im Rahmen der LARRY BRENT-Serie zu tun, weil
das den Rahmen gesprengt hätte und der Serie nicht bekommen wäre. Er ging einen
anderen Weg als HELMUT "JASON DARK" RELLERGERD mit "SINCLAIR"
oder W.K. "ROBERT LAMONT" GIESA mit "PROFESSOR ZAMORRA".
JÜRGEN GRASMÜCK schuf sich eine zweite Serie.
PSA-Agenten waren auch
Detektive. Das machte auch ein Reiz der Romane aus. Sie wurden nie zu Erben der
großen allmächtigen Zauberamulette und zu Rettern des Universums
hochstilisiert. Diese `Bescheidenheit' zeichnet diese Romane ebenfalls aus und
hebt sie vom geisterjagenden Gros seiner Nachfolger ab.
JÜRGEN GRASMÜCK schuf
LARRY BRENT stark nach dem Wunschbildd, dass er von sich selber hat. LARRY BRENT
ist sein Alter-Ego mit Einschränkungen. Sein richtiges Wunschbild, dass war
sein zweiter Held: BJÖRN HELLMARK. Schade nur, dass er an den Rollstuhl
gefesselt ist, denn dieser Mann hätte bei besserer Gesundheit noch viel mehr
schreiben können. Und ich kann mir vorstellen, dass er sein Niveau besser
gehalten hätte als manch anderer.
8. Mirakel & Ron Kelly - Ein Dykte + Ein Abenteurer = Subserie und Eigenplagiat

Der 21. August 1973
bereicherte den Heftromanständer an Kiosken und in Bahnhofsbuchhandlungen um
eine weitere Serie, die zunächst dem Bereich Grusel/unheimliche Phantastik
zuzurechnen war.
Lange Zeit hatte der SILBER-GRUSEL-KRIMI allein dort
gestanden. Doch inzwischen standen "VAMPIR-HORROR", indem bereits der
Renner der mittleren siebziger Jahre als Sub-Serie lief (richtig der "DÄMONENKILLER"),
der wenige Wochen zuvor gestartete Gespenster-Krimi (in dem der Hit der achtziger
Jahre ebenfalls als Sub-Serie untergebracht war, richtig "JOHN SINCLAIR")
mit in dem Ständer.
Doch an diesem 21. August kam eine weitere Variante des
Horrorheftromanes hinzu: "DAN SHOCKER's MACABROS". Mit dem eher unterdurchschnittlichen
Roman (gerade für die Qualitäten eines dan Shocker) "DER MONSTER-MACHER" startete die Serie und sie hatte einen gar
ungewöhnlichen Erscheinungsmodus: Vierwöchentlich!
"DAN SHOCKER's
MACABROS" sollte zudem später wesentlich weiter gehen als andere Horrorserien.
Mit dieser Serie ging JÜRGEN GRASMÜCK alias DAN SHOCKER weit über das hinaus,
was bis dahin und eigentlich bis heute in den engen Grenzen des Heftromans
gewagt wurde. Dan Shocker öffnete mit dieser Serie Tore in fremde Welten und ein Mix aus Horror, Fantasy und SF, wie er danach gern genommen wurde. Werner Kurt Giesa mit seinen "PROFESSOR ZAMORRA" - Romanen gehörte zu den erstenm, der in SHOCKERs Fusstapfen trat. Giesa gestaltete die Serie so um, adss es passte. Eine weitere Serie, die dem Konzept der MACABROS-Serie folgte, war A. F. Morland mit seinem "TONY BALLARD".
Anders Jason Dark, der da nicht so clever war und ziemlich unmotiviert seinen Helden in fremde Dimensionen jagte, obwohl JOHN SINCLAIR eine Serie wie LARRY BRENT war. Dem Erde verhaftet, also der Phantastik im klassischen Sinne verhaftet. Aber der Erfolg gibt ihm recht.
Dennoch öffnete sich am 21. August 1973 eine Tür für Horrorheftautoren und wie fünf Jahre zuvor war es JÜRGEN 'DAN SHOCKER' GRASMÜCK, der diese Tür öffnete...
Doch der Reihe nach...

In den frühen siebziger
Jahren sah sich JÜRGEN GRASMÜCK einem Dilemma gegenüber. Er unternahm im Geiste
Reisen in fremde und phantastische Welten, in andere Dimensionen, wo große
Abenteuer und Herausforderungen auf Männer warteten, die sie zu bestehen vermochten.
Diese Reisen wollte JÜRGEN GRASMÜCK literarisch umsetzen.
Dies war in den
"LARRY BRENT-Abenteuern" im "SILBER-GRUSEL-KRIMI" nicht
möglich, da der Rahmen völlig anders abgesteckt war. Die Konzeption von
"LARRY BRENT" war ausgesprochen erdverbunden. All das Unheimliche
mit dem sich die PSA auseinanderzusetzen hatte, musste auf der Erde in der
Gegenwart stattfinden. Diesen Rahmen hatte sich JÜRGEN GRASMÜCK in Absprache
und Übereinstimmung mit dem ZAUBERKREIS-Verlag gesteckt, und der Roman
"PANDÄMONIUM" (SGK 108 — 11.11.75) mit der kurzen Szene außerhalb
der Erde, eben im "Pandämonium", ist dabei eher die Ausnahme, die die
Regel sehr eindrucksvoll bestätigt. Das Konzept der Erdverbundenheit der
PSA-Fälle hatte sich als sehr erfolgreich erwiesen. Warum sollte man es also
ändern? Hinzu kam, dass JÜRGEN GRASMÜCK die Romane um den PSA-Agenten und seine
Freunde mit Freuden so schrieb, wie er sie schrieb, denn das war eine Seite
seiner Phantasie. Eine andere war aber ständig auf Wanderschaft durch
phantastische Welten. Diese Welten gingen noch weiter als die, welche der
SF-Autor GRASMÜCK bereits erkundet hatte.
Nun war JÜRGEN GRASMÜCK
in der glücklichen Lage als einer von wenigen Autoren etwas Narrenfreiheit
bei einem Heftromanverlag zu besitzen. Er schlug also dem Verlag Ende 1972 die
Serie "MACABROS" vor, die er als Taschenbuchreihe konzipiert hatte.
Sie sollte zwar im gleichen Kosmos wie die Romane um LARRY BRENT angesiedelt
sein, aber dennoch in eine wesentlich phantastischere Richtung gehen. Das war
sein zweiter Weg seine Phantasie in Romane umzusetzen.
Ganz gegen seine üblichen
Gewohnheiten legte JÜRGEN GRASMÜCK mehrere Exposés vor, um den Verlag deutlich
zu machen, was er vorhatte. Zunächst kamen Autor und Verlag überein die Sache
mehr auf Einzelromane basieren zu lassen, weil das vorteilhafter erschien.
Doch der Leser weiß, was aus dieser Grundvoraussetzung wurde.
Der Verlag akzeptierte
die Idee JÜRGEN GRASMÜCKS, doch die Vorstellung MACABROS als Taschenbuchserie
durchzuziehen, stieß im Verlag nicht unbedingt auf Gegenliebe. Der
ZAUBERKREIS-Verlag war ein nahezu reiner Heftverlag, der sehr wenig
Taschenbücher publizierte. Zudem war das Vertriebsystem des Verlages auf
Kioske, Bahnhofsbuchhandlungen und Supermärkte ausgerichtet. Taschenbücher,
die in `seriöse' Buchhandlungen sollen, bedürfen anderer Vertriebswege, was
Investitionen erfordert hätte. Zudem sind Verlage mit Heftabteilung (oder wie
im Falle ZAUBERKREIS, der sich vorwiegend auf Hefte stützte) im Buchhandel
nicht besonders gern gesehen. Es gibt Vorurteile dagegen. Der Makel des Trivialen,
den es in der Bundesrepublik leider immer noch gibt, haftet den Publikationen
derartiger Verlage an wie die Pest. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn
der LÜBBE-Verlag mit BASTEI eine Art Klotz am Bein hat und von daher noch unter
Vorurteilen zu leiden hatte und teilweise noch zu leiden hat, die sich auf die
Hefte beziehen. Das Alles frei nach dem Motto: Wer Hefte publiziert, kann keine
guten Bücher machen. Ebenso erging es MOEWIG (bzw. PABEL-MOEWIG), dessen
Taschenbücher in Buchhandlungen nur schwer zu bekommen sind, egal wie
niveauvoll die Werke sind. Hinzu kommt, dass an Kiosken oder Hefte vertreibenden
Supermärkten und anderen Verkaufsstellen Taschenbücher nicht richtig
präsentiert oder zum Teil auch gar nicht geordert werden, so dass man den
Händler darauf ansprechen muss. Dies würde einer regelmäßig erscheinenden
Serie gar nicht bekommen, erst recht nicht, wenn Exemplare dieser Serie erst
extra bestellt werden müssen. Etwas, was der ZAUBERKREIS-Verlag später bei den
"MONSTER-FRANKENSTEIN-SPANNUNGSROMANEN" um ROBERT NORDAN durch einen
den Heften beigefügten Bestellschein zu begegnen versuchte. Aus diesen Gründen
einigten sich Autor und Verlag darauf "DAN SHOCKER's MACABROS" als
Heftserie zu bringen.
Der erste Roman war
bereits geschrieben und musste doch erheblich gekürzt werden, um ihn als Heft
zu bringen. Zum erstenmal wurde er im "DAN SHOCKER-READER (Hrsg. Uwe
Schnabel/Horst von Allwörden), der anlässlich des 50. Geburtstages JÜRGEN
GRASMÜCKS herausgebracht wurde, ungekürzt vorgelegt.
So erschien dann am 21.
August 1973, ziemlich genau fünf Jahre nach dem Start von LARRY BRENT im
SILBER-KRIMI "DAN SHOCKER's MACABROS" Nr. 1 und war betitelt
"DER MONSTER-MACHER", ein Roman, der heutzutage des Jugendschutzes
wegen nicht mehr publiziert wird, denn in "DER MONSTER-MACHER",
wird einem Rennfahrer quasi zum Cyborg gemacht, wobei nicht das Experiment,
sondern lediglich die Auswirkungen beschrieben werden. Erst vier Wochen später
sollte die Nummer 2 "FLUCH DER DRUIDIN" (18.09.1973) erscheinen.
Diese Erscheinungsweise war von der geplanten Taschenbuchserie übernommen
worden. Die Krankheit von JÜRGEN GRASMÜCK, die ihn an den Rollstuhl fesselt,
spielte hier Schrittmacher der Serie, zumal ja auch noch LARRY BRENT-Abenteuer
im "SILBER-GRUSEL-KRIMI" zu schreiben waren. Letztendlich erscheint
es als ungewöhnlicher Versuch. Fast alle Heftserien laufen im wöchentlichen
oder vierzehntätigen Rhythmus. "DIE JOKER-BOYS" (eine Western-Comedy)
beim MARKEN-Verlag starteten im zweimonatlichen Rhythmus und "GORDON
BLACK" (eine Horrorserie) lief ebenfalls beim MARKEN-Verlag im monatlichen
Rhythmus an, aber das sind Ausnahmen, die schnell scheiterten, im Gegensatz zu
"MACABROS". Es ist mehr als nur Philosophie, dass Heftserien
regelmäßig und möglichst oft am Kiosk präsent sein müssen, und selbst heute,
da Heftserien nicht mehr so herausragend laufen, ja da der Heftroman als aussterbender
Dinosaurier erscheint, laufen Heftserien mindestens im vierzehntätigen Rhythmus.
Ein Erscheinen alle vier Wochen ist eine Ausnahme, und noch mehr eine Ausnahme
ist es, dass diese Serie sich durchsetzen konnte und in der Lesergunst relativ
gut dastand, und immerhin fast zehn Jahre lief und zudem noch ohne kommerzielle
Not eingestellt wurde.
Der Versuch mit der
vierwöchentlichen Erscheinungsweise setzte sich also durch. Zum ersten wohl,
weil der Name "DAN SHOCKER" auf dem Cover stand, denn das war ein
eingeführter, bekannter und beliebter Name, zum zweiten, weil der "DAN
SHOCKER" im Heftroman für Qualität bürgte und JÜRGEN GRASMÜCK weiß, wie
phantastische Heftromane zu schreiben sind und zum dritten, weil die Zeiten für
den Heftroman 1973 noch wesentlich rosiger waren.
Der Verlag und JÜRGEN
GRASMÜCK hatten sich zunächst darauf verständigt die Romane in der dritten
Person zu schreiben (ursprünglich wollte er eine Ich-Form, was aber nicht so
gelitten war) und als Einzelromane anzulegen. Mehr oder minder zähneknirschend
akzeptierte der Autor die Bedingungen des Verlages, arbeitete aber schon den
ersten Romanen einen losen Zusammenhang und einen versteckten Hintergrund ein,
worauf er aufbauen konnte. Im ersten Band verunglückte der unter dem Pseudonym
BERND HELLMER Rennen fahrende Industriellensohn BJÖRN HELLMARK bei einem
manipulierten Unfall schwer, und erfuhr während seines Ringens mit dem Tod von
einem Geist, der sich AL NAFUUR nannte, dass er Träger eines alten Erbes ist.
Im zweiten Band wird er mit diesem Erbe eines versunkenen Kontinents konfrontiert.
Im "FLUCH DER DRUIDIN" erlangt BJÖRN HELLMARK das "SCHWERT DES
TOTEN GOTTES", das "BUCH DER GESETZE" (welches in einer uralten,
unbekannten Sprache geschrieben war und von BERT MERTUS, einem Kenner alter
Sprachen übersetzt werden sollte wobei Mertus und seine Übersetzungen mehrfach
Ausgangspunkt für Romane waren) und ein magischen Spiegel, der quasi als
Fiktivtransmitter zu gebrauchen war. Diese Dinge bilden mit dem Geistführer
"AL NAFUUR" einen Hintergrund auf dem man einen losen Zusammenhang und
eine Entwicklung aufziehen kann. Doch die Nummer 3 der Serie "ATTACKE DER
UNTOTEN" (16.10.73) entfernt sich schon wieder stark von diesem Konzept.
Er ist ein bloßer Einzelroman, wo es gegen Vampire geht, der sich aber durch
einige geschickte Tricks in den MACABROS-Zusammenhang einfügt. Schon hier sind
es grob zusammen gewebte Verbindung innerhalb den Roman. Späterhin verfeinert
JÜRGEN GRASMÜCK diese Technik erheblich.
Der nächste Roman führt den Leser in
die norddeutsche Tiefebene, wo BJÖRN HELLMARK mit Riesenfröschen konfrontiert
wird, was eigentlich ebenso ein Einzelroman ist, wenn da nicht eine bedeutsame
Eroberung wäre. Das Schwert in unserer Welt herumzuschleppen und zu benutzen
erschien JÜRGEN GRASMÜCK sogar für das Heft zu merkwürdig, so dass etwas her
musste, was diese Waffe kompensierte. JÜRGEN GRASMÜCK wählte die wesentlich
unkomplizierter zu transportierende "DÄMONENMASKE", die für einige
Bände die dominierende Waffe BJÖRN HELLMARKS wurde. Die "DÄMONENMASKE"
sieht aus wie eine Strumpfhose und wurde aus der Haut eines getöteten Dämons
gefertigt. Das menschliche Auge sieht darin, wenn ein Mensch sich den 'Strumpf'
über den Kopf gezogen hat, einen Totenkopf. Was Dämonen darin sahen, wurde nie
so richtig geklärt, aber es hieß sie sähen das Nichts und vergingen dadurch.
"KONGA, DER MENSCHENFROSCH" (Mac. Nr. 4 — 13.11.73) stellt sich
trotz seiner, im Blick auf spätere Bände, isolierten Handlung als wichtiger
Roman dar.
Noch viel wichtiger und
symtomatischer für das Durchbrechen der Einzelromane mit lockerem Zusammenhalt
wird die folgende Duologie:
"DIE
SCHRECKENSGÖTTIN" (Mac. Nr. 5 — 11.12.73) und "HORROR-TRIP"
(Mac. Nr. 6 — 8.01.74). Die beiden Romane führen BJÖRN HELLMARK, der sich seit
seinem Unfall verdoppeln kann und dessen Zweitkörper nur mittelbar über den
Originalkörper verwundbar ist, zum erstenmal in eine fremde Dimension. Zudem
tritt neben der geliebten CARMINIA BRADO noch der wichtigste Side-Kick
HELLMARKS auf: RANI MAHAY, der Dompteur aus Bhutan. Zudem erscheint LEKARIM,
der im Verlauf der Sub-Serie "MIRAKEL" noch Gewicht erhalten soll.
Mit der Nummer 8
schließlich schuf JÜRGEN GRASMÜCK einen Schlüsselroman zur Serie. War bisher
der Begriff XANTILON nur sporadisch oder als Hintergrund für eine spannende
Story aufgetaucht. Lediglich in "FLUCH DER DRUIDIN" wurden das
Schwert, das Buch der Gesetze und einige bruchstückhafte Informationen
erbeutet, und damit ein engerer Zusammenhang zu XANTILON hergestellt.
Doch mit
dem Roman "DIE GEISTER-HÖHLEN" (5.03.74) trat das Erbe XANTILONS konkret
in den Mittelpunkt der Romane. HELLMARK erhielt den Auftrag die unsichtbare
Insel MARLOS zu suchen und seine Bestimmung zu finden, aber durch Manipulation
des Hauptgegners MOLOCHOS gelangte das Erbe nur unvollständig in HELLMARKS
Besitz, ein geschickter Spannungsdreh des Autors. So kämpfte der Held mit nur
höchst unvollständigen Wissen gegen Dämonen. Das Konzept beruhte vorwiegend auf
der Zahl sieben. Es gab da sieben SCHWARZE PRIESTER (später trat noch ein
achter auf) und SIEBEN HAUPTDÄMONEN. JÜRGEN GRASMÜCK schöpfte dabei selbst aus
alten Mythen und wandelte nach seinen Bedürfnissen ab oder aber er schuf selbst
seine Figuren aus seiner Phantasie heraus. Auch der Kontinent XANTILON, den
JÜRGEN GRASMÜCK aus dem abgegriffenen ATLANTIS-Mythos schöpfte, gehört dazu.
Es folgten diverse
Einzelabenteuer, die mehr oder minder mit dem großen Hintergrund RHA-TA-N'MY
und ihren Hauptdämonen, sowie XANTILON und den SCHWARZEN PRIESTERN zu tun
haben, aber der ganze große Zusammenhang kommt erst. Immerhin führt JÜRGEN
GRASMÜCK schon Nebenpersonen ein, die im späteren Verlauf der Serie noch an Bedeutung
gewinnen werden, so PEPE, einen Jungen, den HELLMARK adoptiert ("KNOCHENSAAT",
Mac. 14 — 20.08.74) ARSON, einem Mann aus der Zukunft ("GEFANGEN IM
TOTENMAAR", Mac. 23 — 29.04.75) ALAN KENNAN und CAMILLA DAVIES ("IM
SCHLUND DER HÖLLENSCHLANGE", Mac. 19 — 7.01.75) sind einige dieser
Figuren. Später fügte DAN SHOCKER diese Figuren zusammen. Sie alle tragen das
Blut des alten XANTILON in sich und sind Nachfahren des mit ihrem Kontinent
untergegangenen Volkes.
Und noch etwas Wichtiges
führte der Autor. Es waren die "MANJA-AUGEN". Das sind zu Kristallen
gewordene Augen eines urzeitlichen Vogels auf XANTILON, die über große magische
Kräfte verfügen und sieben von ihnen sollen MOLOCHOS, dem obersten der
SCHWARZEN PRIESTER XANTILONS besiegen können.
Das erste Auge eines MANJAS fand
BJÖRN HELLMARK in den Roman "DWYLUP — STADT DER MONSTER" (Mac. 17 —
12.11.74) weitere wurden in folgenden Romanen gefunden oder übergeben:
"IM SCHLUND DER HÖLLENSCHLANGE" (Mac. 19 — 7.01.75), "GEFANGEN
IM TOTENMAAR" (Mac. 23 — 29.04.75) und gar drei Manja-Augen überreichte
KAPHOON, der SOHN DES TOTEN GOTTES in "GIGANTOPOLIS — ALPTRAUMSTADT"
(Mac. Nr. 69 — 7.11.78) an seine spätere Reinkarnation BJÖRN HELLMARK, so dass
er über insgesamt sechs verfügte.
Eine Tatsache, die im weiteren Verlauf von
"DAN SHOCKER's MACABROS" noch an Bedeutung gewinnen sollte und ein
Konzept umwarf.
Mit Band 24
"MARIONETTEN DES SCHRECKENS" (27.05.75) endete quasi der erste Abschnitt
der Serie. Die Ära des lockeren Zusammenhangs von einzelnen Romanen ging zu Ende.

JÜRGEN GRASMÜCK konnte
nun nicht mehr an sich halten, es war soweit. Mit Band 25 "UGA — BESTIE
DER URZEIT" (24.06.75) begann der Autor die Serie endgültig auf einen
zyklischen, eng zusammenhängenden Aufbau hin zu organisieren.
Es war JÜRGEN
GRASMÜCKS Traum aus BJÖRN HELLMARK den "MANN DER TAUSEND ABENTEUER"
zu machen, sprich es schwebte ihm vor HELLMARK durch tausend Geschichten zu
hetzen (was bei der Erscheinungsweise nicht möglich gewesen wäre), aber er
begann um HELLMARK größere, umfangreichere Abenteuer zu gestalten.
Der
"XANTILON"-Zyklus, welcher mit "UGA — BESTIE DER URZEIT"
beginnt, hat zwei Handungsebenen. Die erste Ebene ist der dem Untergang
geweihte Kontinent XANTILON. Hier tummelten sich BJÖRN HELLMARK, PEPE, RANI
MAHAY und ARSON. Die zweite Handlungsebene siedelte JÜRGEN GRASMÜCK auf der
Erde an, wo CARMINIA BRADO, durch ein Elixier, dass sie zur Lykantropin werden
ließ, in Bedrängnis geriet. Zum anderen gab es immer wieder weitere
Handlungsfäden auf der Erde, die mit dem Geschehen in dem einen oder anderen
Zusammenhang standen.
Dieser Zyklus begründete den Heftroman-"Mythos"
"MACABROS". Es war ein Wunder, dass eine Heftserie bei
vierwöchentlicher Erscheinungsweise und zyklischer Ausrichtung noch erfolgreich
sein konnte. Doch es könnte sein, dass JÜRGEN GRASMÜCK mit seiner Vermutung,
mit den Abenteuern BJÖRN HELLMARKS und seines Doppelkörpers MACABROS eine Saite
in seinen Lesern zum Klingen gebracht zu haben, welche die Phantasie und Träume
anregte, nicht ganz unrecht hat. Zumindest hieß es, dass bei Leseranalysen ein
erstaunlich hoher Prozentsatz an Stammlesern vorhanden war. Durch diesen herausragenden
ersten Zyklus dürfte JÜRGEN GRASMÜCK ein paar Prozent davon an die Serie
gebunden haben.
Schließlich in Band 31 "DER SCHRECKLICHE AUS DEM TOTENBRUNNEN"
(9.12.75) kehrten BJÖRN HELLMARK und seine Begleiter aus der Vergangenheit
zurück. Er hatte viele Abenteuer überstehen müssen. Und in diesem Zyklus trat
auch die "DÄMONENMASKE" in den Hintergruund. Im selben Maß gewann
"SCHWERT DES TOTEN GOTTES" als Waffe an Bedeutung, denn DAN SHOCKER
legte seine fremden Dimensionen vorwiegend als archaische Welten an. Ein
Schwertträger war hier normal. Angedeutet hat sich diese Wandlung besonders
stark in einem Roman, der kurz vor dem "XANTILON"-Zyklus erschien. In
"PHANTOM AUS DEM UNSICHTBAREN" (Mac 23 1.4.75) trat es zum erstenmal
richtig aus dem Schatten der Maske. In der Folgezeit wurde die Maske immer
häufiger von RANI MAHAY benutzt, der ohne Waffe war. BJÖRN HELLMARK jedoch
fuhrwerkte ab dato vorwiegend mit seinem Schwert herum.
Auch war dieser Zyklus
der Schlag, wo in "DAN SHOCKER's MACABROS" endgültig die Grenzen des
Genres gesprengt wurde. Von nun an war alles möglich. Der Fantasyeinfluss dominierte
zusammen mit den Horrormomenten, denn einer Fantasystory in einer fremden Welt
begleitete eine Horror-Story auf der Erde. Hinzu kamen von Zeit zu Zeit
Einflüsse der SF. Alles bunt und stimmig vermischt. Eine für den Heftroman bis
dahin einzigartige Kombination, die DAN SHOCKER und dem Leser sehr viel Spaß
bereitete. Nun teilte er die Reisen seiner Phantasie endgültig mit seinen
Lesern.
Doch HELLMARKS Rückkehr
in die gewohnte Welt bringt nicht die Erlösung. CARMINIA BRADO steht noch
unter dem Einfluss des Elixiers. Es gibt Mittel und Wege die Wirkung des
Elixiers aufzuheben, und es kostet HELLMARK viel Mühe dies zu erreichen und
wieder verschlägt es ihn und seine Gefährten in andere Welten, wobei es zu der
ersten Begegnung zwischen LARRY BRENT und MACABROS, dem Doppelkörper HELLMARKS
kommt. HELLMARK rettet LARRY BRENT und dessen Gefährten aus einer prekären
Situation, so geschehen in "FLUCHT IN DEN GEISTERSUMPF" (Mac. 33 —
3.02.76). Das Gegenstück aus der Sicht LARRY BRENTS findet sich in "PANDÄMONIUM"
(SGK 108 — 11.11.75), so dass diese Szene aus zwei Blickwinkeln in zwei Romanen
geschildert wurde geschildert wurde.
Nach Abschluss des
"XANTILON-ZYKLUS" und im folgenden Zyklus um die Heilung CARMINIA
BRADOS betrat mit Band 35 "MIRAKEL — MANN DER GEHEIMNISSE" (30.03.76)
ein neuer Held die Bühne des Geschehens. Ein bis dahin einmaliger Vorgang
vollzog sich. Eine Heldenserie bekam eine Sub-Serie innerhalb der laufenden
Handlung. Später wird noch einiges dazu zu sagen sein, doch eine Bemerkung
sei noch gestattet. Die Abenteuer FRANK MORELLS alias "MIRAKEL"
wurden mit dem zweiten Roman in die Abenteuer BJÖRN HELLMARKS eingebunden.
Nach dessen Rückkehr aus einer anderen Dimension (CARMINIA war das schon vorher
gelungen) in dem Roman "GRUFT DER BÖSEN TRÄUME" (Mac. 36 — 27.04.76),
gab es mit "UNTER DER DÄMONENPEITSCHE" (Mac. 37 — 25.05.76) noch ein
Zwischenspiel, bevor im zweiten Abenteuer "MIRAKELS" ein
Schlüsselroman der "MACABROS"-Serie integriert wurde, der für den
BJÖRN HELLMARK eine weitere Abkehr von Abenteuern auf der Erde bringen sollte
und die eingeschlagene Richtung der Serie weiter zementierte.
BJÖRN HELLMARK hatte bis
dahin, obwohl er in "DIE GEISTER-HÖHLEN" (Mac. 8 5.3.74) eine
unsichtbare Insel namens "MARLOS" erhalten hatte, von seiner Villa
in Genf aus operiert. Er konnte sich einen aufwendigen Lebenswandel erlauben,
denn er war Konzernerbe. Nun machen dämonische Manipulationen die Familie
HELLMARK arm, treiben den Konzern in den Ruin, und ALFRED HELLMARK, BJÖRNS
Vater, wird ermordet (obwohl es nach Selbstmord aussieht). Zusammen mit MIRAKEL
wehrt BJÖRN alias MACABROS noch eine Bedrohung aus dem Weltall ab. Das
Energiewesen D'DYLL-VH'ON-AYY (was nicht anderes ist als eine lautmalerische
Verballhornung von "Das Gelbe vom Ei" ist) wurde von Molochos
beeinflusst, aber die beiden Helden bringen es auf den rechten Weg zurück.
Alles im allem war "MIRAKEL, PHANTOM AUS DEM ALL" (Mac. 38 —
22.06.76) ein Meilenstein der Serie, denn von nun an verlegte Hellmark seine
Operationsbasis nach MARLOS, der unsichtbaren Insel, deren Karte und die von
XANTILON auf den Nebenseiten zu bewundern ist. So entwickelt sich die Serie
nach und nach voran. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass erst mit diesem Band
weitere Möglichkeiten für die Serie erschlossen werden.
Eine weitere Entwicklung
vollzog sich noch in diesem Roman: JÜRGEN GRASMÜCK erhielt seine Leserseite,
die er sich schon 1968 im "SILBER-KRIMI" für die ersten LARRY
BRENT-Abenteuer gewünscht hatte. Acht Jahre später und fast drei Jahre nach dem
Start von MACABROS erfüllte sich nun dieser Wunsch. Die Masse an Leserpost
hatte den Verlag keine andere Wahl gelassen, doch die Leserseite ist wirklich nur
eine Leserseite. Ein kleiner Rahmen, sieht man sich an, dass ansonsten meist
eine Doppelseite (oder mehr) für Leserbriefe zur Verfügung steht. Auch ist es
Normalität, dass der Betreuer der Leserseite dafür ein Honorar erhält, doch
JÜRGEN GRASMÜCK arbeitete zunächst unentgeldlich an der Leserseite, so froh
war er überhaupt ein Leserforum bekommen zu haben. Die Randbemerkung muss
gestattet sein, dass das Harmoniebedürfnis JÜRGEN GRASMÜCKS auch auf der
Leserseite voll durchschlägt, so dass es so gut wie gar nicht zu den beliebten
kritischen Auseinandersetzungen kommt. Und das lag nicht nur am zu kleinen
Rahmen. Diese Praxis wurde späterhin auch in "LARRY BRENT"
beibehalten, wo dem Autoren eine Doppelseite zur Verfügung stand.
Und schließlich gab der
Geistführer "AL NAFUUR" am Ende von "MIRAKEL — PHANTOM AUS DEM
ALL" noch den Tip, dass es wieder Zeit war für einen größeren Zyklus, der
auch mit dem folgenden Band, MACABROS Nr. 39, eröffnet wurde. In "IM
VERLIES DER HEXENDRACHEN" (20.07.76) brach BJÖRN HELLMARK in eine andere
Dimension auf, um in die Stadt "TSCHINANDOAH" zu gelangen, wo er
wertvolle Informationen erlangen sollte, doch wie das so ist mit MACABROS,
türmten seine Gegner mächtige Hindernisse vor ihm auf und die Reise verläuft
alles andere als glatt.
Als er nicht zurückkehrt und keine Nachricht von
HELLMARK eintrifft, machen sich der Kampfgefährte RANI MAHAY und dessen
Tigerin "CHITRA" sich in "DER HORROR-TEMPEL VON SKYX" (Mac
43 9.11.76) auf die Suche nach dem Freund, aber RANI MAHAY gerät alsbald in
Gefangenschaft und die Tigerin wird in eine Höllenpflanze verwandelt, was sich
auch in der Folgezeit nicht ändert.
HELLMARK geht unterdessen
seinen Weg weiter, wird in die Zukunft verschlagen und DAN SHOCKER erinnert
sich an seine Tage als JAY GRAMS und JÜRGEN GRASSE, so dass BJÖRN HELLMARK als
Raumschiffkapitän CHAS MORGAN durchs All gondelt. Als er es schafft wieder
seinen Körper zu erlangen, trifft er zu seiner Überraschung auf ALAN KEENAN und
CAMILLA DAVIES.
Gemeinsam gelingt ihnen in "DAN SHOCKER's MACABROS"
Nr. 48 "DIE PARASITENGRUFT" (29.03.77) die Rückkehr. Ungeklärt ist
seit Bd. 43 immer noch das Schicksal des Kampfgefährten und Freundes RANI
MAHAY. Und JÜRGEN GRASMÜCK lässt die Leser immer noch schmoren, denn Nr. 49
(26.04.77) ist nach MACABROS Nr. 44 der 4. "MIRAKEL"-Roman und ist
betitelt "DIE QUALLIGEN AUS DER MIKROWELT" Nr. 50, das erste
Jubiläum bringt den ersten und einzigen gemeinsamen Fall von LARRY BRENT und
BJÖRN HELLMARK in einem Einzelabenteuer und ohne großen Belang für die Serie.
"RHA-TA-N'MYS LEICHENSCHLUCHT" (24.05.77) ist eher ein Kuriosum, als
ein wichtiger Roman, dennoch nicht uninteressant.
Aber die Vorankündigung für
den nächsten Band war das wichtigste, denn der 51. Roman sollte sich mit dem
Schicksal von RANI MAHAY befassen. Was folgte war einer der furiosesten
Trilogen der Serie.
Die "SKELETTUS"-Triologie gliedert sich in die
Bände "SKELETTUS — FÜRST DER KNOCHENBURG" (Mac. 51 — 21.06.77),
"AUFSTAND DER KNOCHENMONSTER" (Mac. 52 — 19.07.77) und
"TOTENKOPFMOND" (Mac. 53 — 16.08.77) und schildert recht
eindrucksvoll den Kampf des Inders, er wird geradezu zum Rebellen gegen eine
herrschende Ordnung und fegt diese dann in einem furiosen Kampf hinweg und
kehrt schließlich nach MARLOS zurück.
Mit dem Beginn der Reise
BJÖRN HELLMARKS hatte drei Jahre nach dem Start der Serie die erste Neuauflage
der Serie begonnen. "DER MONSTER-MACHER" erschien zum zweitenmal im
Heftständer am 3. August 1976. Aber diese Neuauflage kam erheblich zu früh, so
dass mit Band 45 "DAS GEHEIMNIS DER GRAUEN RIESEN" am 18. Dezember
1979 schon wieder das Ende kam. Doch später sollte es der Verlag noch mals
probieren.
Aber in der Erstauflage
ging es munter weiter. Die KUGELKÖPFE, eine Rasse aus einer anderen Dimension,
die in der Vergangenheit von Xantilon dort gelebt hatten, jagten einen
KUGELKOPFMISCHLING, namens JIM, der eine menschliche Mutter hatte, was einen
Rückgriff auf den ersten "XANTILON"-Zyklus (Bde. 25 — 31). HELLMARK
kann den Jungen retten und adoptiert ihn. Die Nummer 55 war ein "MIRAKEL"-Roman
und war betitelt "MYSTERION — DER SEELENFÄNGER" (10.10.77), was nicht
weiter erwähnenswert gewesen wäre, jedoch geschieht hier auf der Leserseite
etwas bedeutendes. Der "DAN SHOCKER's FANTASTIK-CLUB 'MARLOS'" wurde
gegründet. Diese Randerscheinung sollte viele Leser und DAN SHOCKERS und
Freunde der phantastischen Literatur zusammenführen.
Aber für BJÖRN HELLMARK
ging es weiter in "DIE LEICHENPILZE KOMMEN" (Mac. 56 — 7.11.77).
MACABROS hatte in "DIE PARASITENGRUFT", also am Ende des "TSCHINANDOAH"-Zyklus
ein Amulett erobert, dass in diesem Zyklus um "OCEANUS" und die
Leichenpilze eine gewichtige Rolle spielte. Im Zuge dieses Zyklusses trat
dann auch "DWAHL", der verschollene achte SCHWARZE PRIESTER auf und
wieder ab. Der Roman war die Nummer 60 der Serie und war betitelt:
"DWAHLS HIRNPUPPEN GREIFEN AN" (28.02.78).
Doch die Nr. 56 brachte noch etwas mit sich. Etwas, dass zeitweise mehre hundert Menschen in Bewegung brachte und lebenslange Freundschaften begründete. In diesem Roman verkündete Jürgen Grasmück seöbst die Gründung des Dan Shocker's Fantastik Club 'Marlos'. Damit begann eine Ära. Ich selbst bin "Marlos-Bürger" 32 geworden. Dan Shocker selbst trug die Nummer 1. Mit dem Mitgliedsausweis habe ich in ein paar Wetten Bier und ein bißchen Kleingeld gewonnen. Wies mich der Mitgliedsausweis doch als Bürger einer unsichtbaren Insel aus. Dieser Roman ist der Beginn meiner 'Karriere' im Fandom und führt quasi direkt zum Zauberspiegel, denn ich fünf Jahre später mit Norbert Aichele aus der Taufe hob...
Mit der Nummer 63 begann
ein weiterer großer Abschnitt der Serie. "DIE FEUERBESTIEN AUS
KH'OR-SHAN" (23.05.78) brachten BJÖRN HELLMARK wieder mit XANTILON in
Kontakt. Zudem ging es um sieben Siegel, die, wenn sie gebrochen werden Unheil
heraufbeschwören. HELLMARK musste das verhindern. Er hatte dabei gegen die URSEN
und deren Herrscher, einer der SIEBEN HAUPTDÄMONEN, SEQUUS zu kämpfen. Dem
Helden werden dabei weitere Dinge aus der Vergangenheit eröffnet, so dass er in
seinem früheren Leben als KAPHOON in LOANA, die TOCHTER DES HESTUS verliebt
war, und CARMINIA BRADO ist LOANAS Reinkarnation.
Eine weitere Innovation
bezüglich der unsichtbaren Insel "MARLOS" brachte der Zyklus zudem
noch. Es war den Bewohnern des Eilandes nach einer gewissen Zeit der
Akklimatisierung möglich die Insel per Teleportation zu verlassen. Hiermit
schuf sich JÜRGEN GRASMÜCK eine Möglichkeit MARLOS tatsächlich zu einem
Stützpunkt der Kämpfer um Hellmark auszubauen, ohne dabei das Tempo des Heftromans
zu verlieren, den trotz HELLMARKS Fähigkeit seinen Doppelkörper zu
teleportieren oder den magischen Hilfsmitteln war es für die Kampfgefährten des
Helden immer noch reichlich schwer die Insel zu verlassen. Das änderte sich
hier und bedeutete eine weitere Entwicklung.
Der
"KH'OR-SHAN"-Zyklus ging dann nach dem Bruch des siebten Siegels
nahtlos über in die Auseinandersetzung mit APOKALYPTA. In "APOKALYPTAS
ERSTE VISION" (Mac. 68 — 10.10.78) "GIGANTOPOLIS — ALPTRAUMSTADT"
(Mac 69 — 7.11.78) und "EISSTURMLAND DES DRACHENKÖNIGS" (Mac. 70 —
5.12.78), wo HELLMARK dann auch drei weitere MANJA-AUGEN erhielt, und zwar aus
den Händen KAPHOONS. Eine kleine Anekdote am Rande. Zwischen den
"EISSTURMLAND DES DRACHENKÖNIGS" und "SPINNENRITTER GREIFEN
AN" (Mac. 71 — 2.01.79) verwandelte sich die norddeutsche Tiefebene
tatsächlich in ein "Eissturmland", denn die große Schneekatastrophe
brach herein, so dass der Roman ins Klima passte und die Auslieferung der
"Spinnenreiter" sich verzögerte. Interessanterweise stapfte der
Verfasser dieser Zeilen zweimal vier Kilometer durch den Schnee, um sich diesen
Roman nach endlich erfolgter Auslieferung zu besorgen.
Nach diesem Zyklus holte
die Serie ersteinmal Atem. Es sah so aus, dass DAN SHOCKER, die sich
überstürzenden Ereignisse auf sich wirken ließ, und dem Leser eine kurze Ruhepause
gönnen wollte. Ergebnisse wurden konsolidiert. Die Atempause ging mit Nummer
75 für einen Band zu Ende. Es folgte ein weiterer Schlüsselroman der Serie, der
mehr Konsequenzen hatte, als der Autor beabsichtigt hat. Mit "USTUR — IN
DEN KETTEN DES UNHEIMLICHEN" (24.04.79) kam das Ende MOLOCHOS. Mit
seinen sieben (sic!) MANJA-AUGEN brachte BJÖRN HELLMARK seinen Erzfeind zur
Strecke. Doch er hatte, wie eine Zählung in diesem Artikel ergab doch nur sechs
Augen. Wie konnte es da angehen, dass MOLOCHOS mit sieben Augen zur Strecke
gebracht wurde?
Da stellt sich die Frage,
ob es Absicht oder Schusseligkeit war, denn bei JÜRGEN GRASMÜCK muss man mit
allem rechnen. Er antwortete UWE SCHNABEL Ende 1989 auf diese Frage:
"Das
war Schusseligkeit. Ich habe einfach vergessen mitzuzählen oder habe mich
verzählt, das weiß ich nicht mehr so genau. Der Grund für die Schusseligkeit
ist auch klar. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt niemals irgendeine Kartei
geführt oder irgendwelche Extraaufzeichnungen gemacht, außer jene, die ich
gerade im Roman beschrieben habe, und so kommt es natürlich, dass man etwas
übersieht oder vergißt. Erst nachdem der Fehler mit den Manja-Augen passiert
war, habe ich damit begonnen, eine Kartei zu führen. Darin habe ich Personen,
bestimmte Gegenstände, Aktionen, Hintergründe, Städte, Positionen und vieles
mehr aufgeführt. Ich fing praktisch an, ein Lexikon zu führen, aber ich hatte
daran nie sehr viel Freude, weil ich ein Mensch bin, der sich einfach nicht
festlegen kann, wenn er eine Geschichte erfindet. Je mehr ich mich vorher
festlege desto schlechter wird die Geschichte. Ich muss spontan schreiben, und
sich die Geschichte bis zum bitteren Ende entwickeln lassen. — Und da kann es
eben auch passieren, dass da statt sieben Manja-Augen ein oder zwei weniger da
sind auch das ist bitter." (22)
So saß JÜRGEN GRASMÜCK
also in der Klemme, doch die Lösung des Problems MOLOCHOS beinhaltete schon
die Lösung des Problems der sechs MANJA-AUGEN bzw. das Problem des fehlenden
siebten in sich. Man musste nur drauf kommen.
Molochos war nämlich
nicht vernichtet worden, sondern er war wieder zu dem geworden, was er einst
war ein Mensch, noch dazu ein besonderer, nämlich AK-NAFUUR, dem Zwillingsbruder
von HELLMARKS Geisterführer AL, was Lösungsansätze bot.
Zunächst einmal ging die
Sub-Serie "MIRAKEL" zu Ende, mit "RUF INS VERGESSEN"
(welch symbolischer Titel) (Mac. 76 — 22.05.79), und dann lief MACABROS wie
gewohnt weiter, wobei sich die Hilfen des AK NAFUUR als wichtig erwiesen.
HELLMARK nimmt Spuren auf. Insgeheim bereitete DAN SHOCKER mit den Bänden 77 —
80 ("ZITADELLE DER GRAUSAMEN" — 19.06.79 "APOKALYPTAS SINTFLUTHÖHLE"
— 17.07.79 "DIE NACHTSEELEN VON ZOOR" — 14.08.79 "DIE
WABEN-MONSTER" — 11.09.79) einen neuen Zyklus vor, der betitelt war
"ODYSSEE IN DER WELT DES ATOMS", mit dem die Ruhepause in MACABROS
endgültig zu Ende ging. HELLMARK verschlägt es darin in den Mikrokosmos, wo
er von NH'OR THRUU und APOKALYPTA, zwei Hauptdämonen, hart bedrängt wird, doch
mit Hilfe seiner Freunde gelingt es ihm der Falle zu entkommen. Mit WRACK DER NAMENLOSEN GÖTTER (Mac 81, 9.10.79) ging es los.
JÜRGEN GRASMÜCK zeigt in
diesem Zyklus wieder einmal, dass es, wenn der Verlag dem Autoren freie Hand
lässt und der Autor die Grenzen des Heftgenres kennt, wohl möglich ist
farbenprächtige, fremde Welten im Heftroman zu entwerfen. Gerade die Reisen
durch die Welt des Atoms bieten vielfältige Möglichkeiten und DAN SHOCKER nützt
sie sehr spannend aus.
Dann in der Nummer 87 der
Serie kommt der Tod zu AK NAFUUR. Er hinterlässt in "MYRADIUS, DER
TAUSENDFÄLTIGE" (25.03.80) ein Testament in dreizehn Teilen, dass HELLMARK
den Weg zur Dämonengöttin "RHA-TA-N'MY" ebnen soll, um diese zu
vernichten. Aber außer dem Testament tauchte in der Nr. 87 noch einer der
Hauptdämonen auf. Eben MYRADIUS, und das sinnreiche an der Sache war, dass
HELLMARK ihn mit auf die Erde brachte. Der "TAUSENDFÄLTIGE", wie
MYRADIUS auch hieß, hätte einer der interessantesten Gegners des Helden werden
können, doch diese Gestalt richtig auszuspinnen, dazu reichte die Zeit nicht
mehr.
Mit "DIE FLÜSTERNDEN
PYRAMIDEN" (Mac. 88 — 22.04.80) begann BJÖRN HELLMARKS Reise zu
"RHA-TA-N'MY". 13 Bände sind es noch bis Band 100. Daher nennt sich
der Zyklus folgerichtig "DIE 13 WEGE IN DIE DIMENSION DES GRAUENS".
DAN SHOCKER fuhr hier zweigleisig. Zum einen arbeitete er noch mals bereits
behandelte Themen auf. Zum anderen griff er neue Handlungsfäden auf. Mit Band
100 sollte der Held in das Zentrum der Macht der Dämonengöttin vorzustoßen.
So muss Hellmark wieder
zurück zum Totenbrunnen, sinnigerweise heißt der Roman, der den "ZWEITEN
WEG IN DIE DIMENSION DES GRAUENS" bildet, dann auch "RÜCKKEHR IN DEN
TOTENBRUNNEN" (Mac. 89 — 20.05.80). Oder auch nach "DWYLUP", der
Stadt der Monster, die noch eine besondere Rolle spielen sollte.
"VERSCHOLLEN IN DWYLUP" (Mac.95, 8. Weg — 4.11.80).
HELLMARK ging dann als
13. Weg in "RHA-TA-N'MYS SCHRECKENSZENTRUM" (Mac. 100 — 24.03.81).
Dort wartete eine Überraschung auf BJÖRN HELLMARK. Nicht RHA-TA-N'MY erwartet
ihn, sondern ihr totgeglaubter Vasall MOLOCHOS. HELLMARK wird von ihm matt
gesetzt und nur MACABROS, der Doppelkörper kann noch aktiv sein.
Das war also der Dreh des
JÜRGEN GRASMÜCK, um seinen Fehler auszubügeln, AK NAFUUR war immer noch
MOLOCHOS gewesen, er hatte einige seiner missliebigen Feinde von seinem größten
Erzfeind aus dem Weg räumen lassen und HELLMARK in eine Falle gelockt. In einem
gigantischen Netz ist der Erbe des Guten des versunkenen XANTILONS gefangen.
Das Rätsel der MANJA-AUGEN
wurde auch noch geklärt. Das Auge, welches Hellmark zuerst fand ("DWYLUP,
STADT DER MONSTER", Mac. 17 12.11.74) war ein Kuckkucksei, das — so der
Ausweg DAN SHOCKERS — ein siebtes vortäuscht, wenn fünf andere in seiner Nähe
sind. Die Erklärung ist im Grunde dünn, denn angeblich sollte Hellmarks Insel
"Marlos" gegen dämonische Einflüsse sicher sein, aber was will man
machen, wenn man sich verzählt hat. So hätte MOLOCHOS auch nicht in der Gestalt
AK NAFUURS auf der Insel agieren können, doch die Umstände zwangen zu dieser
fadenscheinigen Erklärung, zumal diverse Leser (zunächst
FANTASTIK-CLUB-Mitglied IRMTRAUD MAHLER) den Fehler bemerkt hatten.
So folgte dann nach der
Nr. 100 nicht der Kampf mit RHA-TA-N'MY, sondern die erneute Auseinandersetzung
mit MOLOCHOS. Doch zuerst musste MACABROS im alten XANTILON versuchen seinen
Originalkörper zu befreien. Eine Person namens HARRY CARSON bringt Licht in das
Dunkel um die Herkunft KAPHOONS und auf einer anderen Ebene suchten die
Freunde nach HELLMARK. Schließlich erfährt BJÖRN in dem Zyklus, der
"GEFANGENER IN ZWEI WELTEN" betitelt war, wie MOLOCHOS zu
vernichten war, findet es auch schließlich. Der längste Zyklus der Serie begann
quasi mit Band 101 "STURZ IN DAS CHAOS" (21.04.81) und endet mit Band
118 "STERNENSCHLOSS DES TOTEN GOTTES" (7.09.82). Er schließt mit der
Wiedervereinigung von HELLMARK und von MACABROS und dem endgültigen Ende von
MOLOCHOS, der mit Hilfe des "SINGENDEN FAHSAALS" ziemlich beiläufig
vernichtet wird.
Mit Band 119 "FLIEH,
WENN DER SCHATTENMANN KOMMT" (5.10.82) betritt für einige Bände "DOC
SHADOW" die Bühne. Er tauscht mit HELLMARK den Körper, so dass der Held
der Serie im Totenreich unterwegs ist und ihm einige neue Erkenntnisse eröffnet
werden.
Aber mit Band 123
eröffnet sich für den Leser, dass das Ende der Serie vor der Tür steht.
"DIE SPUKRUINE VON MARONN" (Mac. 123 — 15.03.83) "DRUDAN, DER
MYSTERIENMACHER" (Mac 124 — 12.04.83) und "DAS ZAUBERPERGAMENT"
(10.05.1983) bilden den AbSchluss einer Serie. Mit Hilfe des Zauberpergaments
kommt das Ende der für Dan Shocker's MACABROS, und RHA-TA-N'MY wird vernichtet. Die Hauptgegnerin
aus dem Hintergrund ist weg, eigentlich ein schönes Ende. Jene Göttin, die
zunächst die PSA vor Rätsel stellte, und dann aus den Romanen um LARRY BRENT
& Co. verschwand, um HELLMARK als Gegnerin zu dienen.
Doch für der Leser hatte
man einen Hoffnungsschimmer parat. Am 16. November 1982 hatte der
ZAUBERKREIS-Verlag eine weitere Neuauflage der Serie gestartet. Die erste Neuauflage
wurde auch Neuauflage genannt. Die dritte Auflage wurde mit dem Untertitel
versehen "...ein Mann lebt zum zweiten Mal" und weil die erste
Neuauflage nur 45 Bände erreichte quasi als Zweitauflage betrachtet.
Es war geplant,
dass die Zweitauflage nach Bd. 125 mit neuen Romanen fortgesetzt werden würde.
Dazu sollte es nicht mehr kommen, denn nachdem der Pabel-Verlag den
ZAUBERKREIS-Verlag übernommen hatte, wurde die Zweitauflage mit Band 98
"DÄMONENKRIEG" (5.08.86) eingestellt, doch 1983 las sich das Ende
von "DAS ZAUBERPERGAMENT" so:
"HALLO
MEINE LIEBEN FREUNDE!" Der
Kampf gegen die Mächte der Finsternis — insbesondere der gegen die
Dämonengöttin Rha-Ta-N'my — war stets meine Aufgabe. Es
ist mir gelungen, den Schleier des Geheimnisses zu lüften, der sie umgab. Zusammen
mit meinen Freunden habe ich in der Vergangenheit viele gefahrvolle Abenteuer
bestanden. Nun ist uns auch der langersehnte Sieg über Rha-Ta-N'my gelungen. Wir
kennen nun ihre wahre Gestalt. Ich weiß, dass Einflüsse, die sie auf der Erde
hinterlassen hat, von ihren Jüngern nach wie vor in Gang gebracht werden
können. Das werden wir von Marlos aus genau beobachten. Rha-Ta-N'my selbst kann
nicht mehr in Erscheinung treten. Mit
der Lösung des Rätsels um ihre Person konnten wir gleichzeitig auch viele neue
Mitstreiter befreien und damit Bewohner für unsere Insel gewinnen. Wir
werden die Blockhüttensiedlung erweitern müssen. Eine richtige kleine Stadt im
Stil der Westernstädte der Pionierzeit wird nunmehr auf Marlos entstehen. Der
Aufbau dieser Gemeinschaft kommt für die Zukunft große Bedeutung zu. Ich
weiß, dass weitere Abenteuer auf uns warten, denn nach wie vor sind viele Dinge
ungeklärt. Wir
müssen herausfinden, woher Rha-Ta-N'my kam und ob ihre Drohung, dass die Macht
hinter ihr größer ist als sie auf Tatsachen beruht. Ohne
starke Verbündete kämpft ein Einzelner auf verlorenem Posten. Für
heute heißt es Abschied nehmen für die Zeit des Aufbaus. Ich komme wieder, mit
neuen Abenteuern, die ich Dan Shocker exklusiv anvertraue... Vielen
Dank für langjährige Treue und -
Auf Wiedersehen
Euer
Björn Hellmark" (23)
JÜRGEN GRASMÜCK hatte ein
Faible für derartige Abgänge, und er hatte Recht. Es hätte noch viele
Abenteuer um Macabros geben können. RHA-TA-N'MY drohte bei ihrem Abgang an,
dass noch größeres folgen würde. Aber auch noch ihre Vasallen hätten viel Stoff
abgegeben, was leider nicht mehr passiert ist.
Genau wie bei "LARRY
BRENT" hatte auch hier JÜRGEN GRASMÜCK ganz konkrete Zukunftspläne, aber
nach der Einstellung hütet er diese Geheimnisse wie sein Augapfel.
Warum aber, fragt sich
der geneigte Leser, wurde die Serie denn nun eingestellt?
Die verkaufte Auflage war
befriedigend, und war eben immer noch ein Wunder, dass sich nur schwer erklären
lässt.
Der Grund für die
Einstellung war, dass JÜRGEN GRASMÜCK mit der Serie inzwischen wirkliche
Knochenarbeit leisten musste, und viel mit "LARRY BRENT" und
Leserpost zu tun hatte. Daher wurde bei MACABROS eine Pause eingelegt, die dann
doch ein Ende wurde. JÜRGEN GRASMÜCK wollte Kräfte sammeln und Ideen
ausknobeln, was die Serie trotz einer Fülle von Ansatzpunkten auch brauchte,
denn die letzten Bände waren doch etwas bemüht. Mag sein, dass es daran lag nun
die Serie unbedingt mit 125 zu Ende zu bringen, aber man merkte den letzten
Texten doch an, dass JÜRGEN GRASMÜCK geschlaucht war. Eine Fortsetzung wäre
sicherlich mit frischem Wind und viel Elan begonnen worden.
Aber dazu ist es eben
nicht mehr gekommen. Aber, und das sollten wir nicht vergessen, JÜRGEN
GRASMÜCK war sich der Tatsache bewußt, dass ein Neuanfang schwer werden würde.
Nun, wie schwer er geworden wäre, konnte keiner mehr herausfinden...

BJÖRN HELLMARK ist der
erste Held der Heftromangeschichte, der an zwei Orten zur gleichen Zeit sein
konnte. Er ist die Reinkarnation von KAPHOON, dem Namenlosen, der vor etlichen
tausend Jahren heldenhaft über einen Kontinent ála Atlantis streifte, der
XANTILON genannt wurde. Nach seinem Unfall als Formel 1-Fahrer (er fuhr unter
dem Pseudonym BERND HELLMER) rang er auf der Intensiv-Station mit dem Tod. Nach
überstandener Verletzung verfügte er über die Gabe einen Doppelkörper von
sich zu erzeugen und auszusenden.
JÜRGEN GRASMÜCK
chrakterisiertseinen Helden für den Leser in der Spalte "MACABROS UND
SEINE WELT" so:
"Björn
Hellmark: 26
Jahre alt, Deutscher, Einsachtzig groß, trägt eine dunkelgetönte Brille, blond.
Er ist ein ausgezeichneter Sportler, und es gibt kaum eine Diziplin bei der
er nicht mithalten kann, sei es Reiten, Fechten, Boxen, Autorennen oder Schwimmen. Nach
einem manipulierten Unfall beim Rennen um den Grand Prix wird Hellmarks
Wiedergenesung verschwiegen. Während heftiger Fieberträume, die er
durchmacht, erscheint eine Gestalt, die sich Al Nafuur nennt. Dieser Mann hat
eine Botschaft für Hellmark. Und diese Botschaft verändert sein Leben von
Grund auf. Nach
seiner Genesung stellt er fest, dass er über die Gabe der Exteriorsation
verfügt, d.h. er kann sich köperlich verdoppeln und an zwei Orten zur gleicher
Zeit sein. Ein
Geheimnis umgibt seine Existenz, und er gerät in unerklärliche Abenteuer.
Finstere Mächte und rätselhafte Kräfte versuchen zu verhindern, dass er sein
Ziel erreicht, dass er selbst nur in Umrissen erkennt. Hellmark
ist der Sohn eines Millionärs, und sein Status erlaubt ihm ein luxoriöses und
aufwendiges Leben. Er bewohnt einen Luxusbungalow, von 10 Morgen parkähnlichem
Land umgeben, mit Blick auf den Genfer See. Er nennt eine Motoryacht sein
Eigen, einen Helikopter und eine zweistrahlige, sechssitzige Düsenmaschine. Trotz
seines Reichtums ist Hellmark menschlich geblieben. Er kämpft gegen Unrecht und
hilft denen, die unverschuldet in Not geraten sind. Björn
Hellmark ist Macabros." (24)
Später verändert sich die
Beschreibung HELLMARKS ein wenig, nicht die seiner körperliche Merkmale,
sondern die seiner Eigenschaften, Besitztümer und auch Begriffe im Zusammenhang
mit der Serie. Das sieht dann so aus:
"(...)
Nach seiner Genesung verfügte Hellmark über die Bilokation, d.h. er kann an
zwei Orten zu gleicher Zeit sein. Hellmark
hat sein gesamtes Vermögen verloren, weil durch Dämonen und dämonenmanipulierte
Menschen falsche Wirtschaftsaktionen ausgelöst wurden. Hellmark ist Herr der
unsichtbaren Insel Marlos, die zwischen Hawaii und den Galapagos-Inseln in der
Clarion-Graben-Zone liegt. Er besitzt das "Schwert des Toten Gottes",
die Dämonenmaske, den Trank der Siaris und inzwischen drei Augen des Schwarzen
Manja, von denen er jedoch mindestens sieben braucht, um seine dämonischen
Widersacher für alle Zeiten abzuweisen. Björn Hellmarks Doppelkörper heißt
Macabros." (25)
Das also nun ist BJÖRN
HELLMARK, der Mann, der an zwei Orten gleichzeitig sein kann. Er ist der
typische Heftheld, denn er kann nahezu alles. Er machte mit seiner Fähigkeit
eine Entwicklung durch. Zu Beginn der Serie macht es ihm Mühe aktiv zu sein und
gleichzeitig seinen DOPPELKÖRPER agieren zu lasen. Er musste teilweise sogar
ruhen, um "MACABROS" einzusetzen. Anders hingegen im weiteren Verlauf
der Serie. Schließlich konnten sogar beide kämpfen, was zwar manchmal von Nöten
war, aber höchst unzureichend erklärt wurde. Es hieß lediglich, dass Hellmark
eine Entwicklung durchgemacht habe und stärker geworden sei.
Dennoch ist typisch für
die Serien JÜRGEN GRASMÜCKS, dass zunächst eingeführte Beschränkungen, wenn
sie ihren Sinn verloren hatten oder spannungstechnisch ausgereizt waren, von
einen Roman zum nächsten (teils ohne, teils mit Erklärung) abgeschafft wurden.
Wenn in diesem Zusammenhang die Gegebenheiten des Heftromans an sich einmal in
Betracht gezogen werden, so erscheint es durchaus legitim und machbar, denn
schließlich ist kaum Platz Motivationen und Entwicklungen ausführlichst
darzulegen, da Spannung herrschen musste. Immerhin wurde es bei "MACABROS"
noch halbwegs intelligent gelöst, zumal auf anderen Gebieten der Serie dieses
im Grunde doch recht kleine Manko mehr als ausgeglichen wurde (andere Autoren
als JÜRGEN GRASMÜCK haben dieses Spiel wesentlich krasser und dümmer
getrieben).
Doch BJÖRN HELLMARK (der
mehr noch als LARRY BRENT) war ein Wunschbild des an den Rollstuhl gefesselten
JÜRGEN GRASMÜCK. Die Beschreibung HELLMARKS (wie die LARRY BRENTS) hat gewisse
Ähnlichkeiten mit dem Herrn, den JÜRGEN GRASMÜCK morgens beim Rasieren im
Spiegel erblickt. Zudem wurde BJÖRN HELLMARK am gleichen Tag (wenn auch in
einem anderen Jahr) wie der Autor geboren. Und wie LARRY BRENT war er zum Beginn
der Serie 26 Jahre alt. BJÖRN HELLMARK war ein Alter-Ego JÜRGEN GRASMÜCKS mit
dem er seine Reisen in fremde Welten unternahm und der viele Dinge tat, die
JÜRGEN GRASMÜCK durch seine Behinderung verbaut waren, und das noch mehr als
LARRY BRENT. JÜRGEN GRASMÜCK bestreitet das bewußt gemacht zu haben, räumt
allerdings ein, dass wohl jeder Autor etwas von sich in seine Hauptfiguren
einbringe, aber gerade bei Heftromanhelden wird das selten so augenfällig wie
hier, obgleich natürlich auch dieses Alter-Ego voll dem Heldenbild des
Heftromans unterworfen wurde und nur wer JÜRGEN GRASMÜCK kennt, der wird
diesen Zusammenhang herstellen.
Auch HELLMARK hatte seine
weibliche Geliebte. Anders als bei LARRY BRENT stand die Liebesbeziehung von
BJÖRN und seiner Partnerin CARMINIA BRADO weiter im Vordergrund.
Über diese Frau lesen wir
in "MACABROS UND SEINE WELT":
"Carminia
Brado: Sie
ist 22 Jahre alt, eine Frau von atemberaubender Schönheit. Björn Hellmark
lernte die rassige kupferfarbene Brasilianerin beim Karneval in Rio kennen.
Sie tanzt leidenschaftlich gern Samba. Hellmark nennt sie zärtlich `Schoko'.
Carminia ist mehr als nur Sekretärin der Kosmetik-Firma, die Hellmark von Genf
aus offiziell leitet. Die
Brasilianerin kennt das Geheimnis um Hellmark alias Macabros." (26)
Die Brasilianerin fällt
im Vergleich mit MORNA ULBRANDSON aus "LARRY BRENT" doch erheblich
ab. Sie ist zwar bei vielen Abenteuern dabei, wächst aber selten über ihre
Rolle als Liebchen des Helden hinaus, und das trotz ihrer früheren Existenzen
als BAILEA und LOANA, TOCHTER DES HESTUS. Aber auch in diesen Existenzen war
sie Geliebte des Helden, in beiden Fällen KAPHOON (weil diese Existenzen auf
unterschiedlichen Realitätsebenen lebten). CARMINIA erreichte nie den Grad der
Selbstständigkeit anderere Frauenfiguren, und es gelang DAN SHOCKER nie sie
aus dem Schatten des Helden herauszuholen, doch muss man fairerweise
feststellen, dass CARMINIA BRADO im Gegensatz zu anderen Heldenliebchen noch
sehr viel Profil und Eigenständigkeit besaß.
Aber der männliche
Side-Kick HELLMARKS war (wie IWAN KUNARITSCHEW aus den BRENT-Abenteuern) bei
den Lesern sehr beliebt. Der Inder RANI MAHAY wird in der ersten Vision von
"MACABROS UND SEINE WELT" nicht vorgestellt, weil er in Band 5 erst
seinen ersten Auftritt hatte. Dort wird er so eingeführt:
"Rani
Mahay, der Koloß von Bhutan wurde über Lautsprecher angesagt. Der
Vorhang des Manegeneingangs wurde aufgezogen. Die Blicke der Zuschauer konzentrierten
sich auf den Laufgang, der unmittelbar hinter dem Vorhang begann. Sieben
prachtvolle indische Tiger drängten sich dicht an dicht hinter den
Gitterstangen des schmalen Käfigs. Die Tiere waren äußerst erregt. Über
die Lautsprecher meldete sich eine Männerstimme. "Rani Mahay ist der
ungewöhnlichste Dompteur der Welt. Er arbeitet ohne jeglichen Schutz. Die
Tiere werden sich in der Arena, wo wir sie jetzt sehen, frei bewegen können.
Wir bitten sie: verhalten sie sich ganz ruhig. Die Tiere sind aufs äußerste
gereizt, sie sind noch nicht gefüttert worden. Wir tun dies erst nach der Vorstellung,
um zu beweisen, dass Rani Mahay unter denkbar erschwerten Umständen auftreten
muss. Sie brauchen nichts zu befürchten, meine verehrten Zuschauer. Rani Mahays
hypnotische Macht führt und leitet die Tiger. Sie brauchen keine Angst zu
haben, wenn die Raubkatzen auf dem Rande der Manege spazierenlaufen. Rani Mahay
hat sie in jedem Augenblick völlig unter Kontrolle." Ein
Tusch ertönte. Dann
wieder die Stimme. "Empfangen sie ihn! Den Mann, der wilden Tieren seinen
Willen aufzwingt. Rani Mahay, den Koloß von Bhutan!" Die
Stimme verhallte. Und aus dem Hintergrund des unbeleuchteten Manegeneingangs
trat Rani Mahay ins Licht. Als
er an dem Laufgitter vorbeikam, fauchten die Raubkatzen... In
Lebensgröße wirkte er wirklich wie ein Koloß. Er maß mindestens zwei Meter,
hatte Schultern wie ein Kleiderschrank, und seine bronzene Haut glänzte, als
wäre sie mit Öl eingerieben. Das
Licht spiegelte auf seinem haarlosen Schädel. Der massige, beinahe quadratische
Schädel war markant und scharf geschnitten wie eine vollendete Plastik. Die
großen dunklen Augen unter den buschigen Brauen waren lebhaft und klug."
(27)
Im weiteren Verlauf gibt
der Inder eine Kostprobe wilde Tier mit bloßem Willen zu zähmen. Dieser recht
eindrucksvolle Charakter wird in der zweiten Version von "MACABROS UND SEINE
WELT" so beschrieben:
"Rani
Mahay: Inder
aus dem Staate Bhutan. Man nennt ihn auch den Koloß von Bhutan. Mahay ist 28
Jahre alt, zwei Meter groß und zwei Zentner schwer. Er trägt eine Vollglatze
und ist stolz darauf. Auch
in Mahays Adern fließt das Blut der alten Rasse, er ist ein Nachkomme jener
Flüchtlinge, die einst von Xantilon flohen, um auf einem anderen Kontinent
ein neues Leben zu beginnen. Mahay kann mit bloßem Willen Tiere zähmen. Bei
Gefahr wendet er diese Fähigkeit auch bei Menschen an." (28)
Der Inder war das
Lieblingsopfer für einen Spaß, den JÜRGEN GRASMÜCK bisweilen mit seinen Lesern
trieb und dessen Opfer in "LARRY BRENT" einmal IWAN KUNARITSCHEW
("LARRY BRENTS TOTENTANZ" SGK 100 — 22.07.75) war. BjÖRN HELLMARK
stand gleich mehrere Mal neben der Leiche des indischen Freundes, aber jedes
mal entpuppte sich dies als Irrtum. Diesen Gag genoß JÜRGEN GRASMÜCK, wie er
überhaupt ein Faible für Gags hatte. Mal schleuste er Bekannte oder real existierende
Personen in die Romane ein, mal begegneten sich seine Helden. Das liebte und
mochte er, das Spiel mit dem Leser.
RANI MAHAY, der Koloß von
Bhutan, ist ein würdiger Side-Kick an der Seite BJÖRN HELLMARKS. Der Inder ist
nicht nur bloßes Anhängsel und Stichwortlieferant für den Helden, sondern in
der Lage eigene Initiativen zu ergreifen. Zudem bietet er durch seine Glatze
einen interessanten Kontrast zum beharrten Side-Kick des anderen Helden DAN
SHOCKERS. Eine insgesamt sympathische Figur, die JÜRGEN GRASMÜCK im Rahmen des
im Heft möglichen entwickelte, wie es ja überhaupt Tradition im Heftroman ist
neben der Lichtgestalt des Helden eine Figur zu setzen, die mehr Schwächen
hat.
Zudem standen dem Helden
noch diverse Personen und oder Wesen zur Seite, auf die ein — zumindest kurzer
— Blick sich durchaus lohnt. JÜRGEN GRASMÜCK brachte diese Personen nach
Bedarf ins Spiel, auch wenn man nicht mit Ihnen rechnete. Zum einen griffen sie
in die Handlung auf Seiten BJÖRN HELLMARKS ein, zum anderen wurden manche von
ihnen auch in mehrgleisigen Handlungen unterstützend aktiv.
Da wäre zunächst "AL
NAFUUR", über den wir in "MACABROS UND SEINE WELT" folgendes
lesen können.
"AL
NAFUUR: Dieser
Mann ist Hellmark in seinen Fieberträumen erschienen. Al Nafuur ist ein Magier
und Zauberpriester der "Weißen Kaste" aus dem Lande Xantilon, einer
Insel, die wie Atlantis in grauer Vorzeit unterging und eine hochentwickelte
und fremdartige Kultur mit sich in die Tiefe riß. Al
Nafuur kennt die Geheimnisse des Diesseits und des Jenseits. Sein Geist
existiert in einem Zwischenreich, Al Nafuur ist ein Unsterblicher. Wie ein
Phantom begleitet er Hellmark auf allen seinen Wegen. Hellmark
kennt nur die Stimme Al Nafuurs, der manchmal zu ihm spricht. Kein Lebender hat
ihn je gesehen. Al Nafuur weiß mehr, als er zu wissen zugibt." (29)
AL NAFUUR, der
Geistführer Hellmarks, war im Grunde das Gegenstück zu DAVID GALLUN in den
LARRY BRENT-Romanen, denn beide waren die Männer im Hintergrund, die die Helden
in Abenteuer schickten. Er diente als Vehikel, um BJÖRN HELLMARK in seine
Abenteuer zu bringen. Somit wird in der zweiten Version von "MACABROS UND
SEINE WELT" seine Rolle straffer definiert.
"AL
NAFUUR: Magier
und Zauberpriester der `Weißen Kaste', existiert als Unsterblicher in einem
Zwischenreich, von wo aus er geistigen Kontakt zu Björn Hellmark
aufnimmt." (30)
Der Geistführer gab
Anregungen und Wissen weiter, so dass das Tempo des Heftromans gehalten werden
konnte. Der Held brauchte in einer Sackgasse nicht lange zu recherchieren,
denn AL NAFUUR half ihm ab einem gewissen Zeitpunkt per Telepathie aus der
Patsche. Damit AL NAFUUR nie zuviel verraten konnte, hatte JÜRGEN GRASMÜCK
zwei Einschränkungen hinzugefügt. Zum einen konnte durfte oder wollte AL
NAFUUR nie alle Informationen mitteilen (was es wohl für Hellmark zu einfach
gemacht hätte), doch das dahinterstehende Prinzip bzw. die übergeordneten
Mächte wurden von JÜRGEN GRASMÜCK nie beleuchtet. Zum anderen war die
telepathische Verbindung NAFUUR/HELLMARK immer wieder Schwankungen
unterworfen, so dass wenn es interessant wurde, die Verbindung unterbrochen
wurde. Eine simple und ebensowenig definierte Art die Informationen nur soweit
rüberkommen zu lassen, dass es für ein Abenteuer reicht, denn wie sagte schon
"HÄGAR DER SCHRECKLICHE":
"Unwissenheit
ist die Mutter aller Abenteuer" (31)
Von Bd. 1 "DER
MONSTER-MACHER" (21.8.73) bis Bd. 75 "USTUR — IN DEN KETTEN DES UNHEIMLICHEN"
(24.4.79) war der Geistführer in unregelmäßigen Abständen dabei, doch mit der
Umwandlung von MOLOCHOS in AK NAFUUR schien es so, als hätte sich AL NAFUUR zurückgezogen.
Durch den Fehler mit den MANJA-Augen feierte er ein Comeback in späteren
Bänden. Sein Schweigen wurde mit einer Blockade erklärt.
Eine aktive Rolle spielte
AL NAFUUR nie, er blieb ständig als Geistwesen in die Romane eingegliedert.
In Bd. 14 der Serie
"KNOCHENSAAT" (20.8.74) kam eine weitere Figur hinzu, die sich auf
die Seite BJÖRN HELLMARKS schlagen sollte: PEPE. Wie bei den meisten anderen
Personen, die im Laufe der Serie zu dem Kreis um HELLMARK gestoßen sind, so
war auch dieser Junge eine Nachfahre der alten Rasse des Urkontinents
XANTILONS. Über ihn lesen wir in der 2. Version von "MACABROS UND SEINE
WELT":
"14,
fremdsprachenbegabt. Hellmark hat ihn an Sohnes statt angenommen. Pepe wurde im
Urwald von Yucatan groß. Wie Uri Geller verfügt er über parapsychologische
Fähigkeiten. Ohne dass er es selbst will, verbiegen sich in seiner Gegenwart
Bestecke, platzen Glühbirnen, bleiben in Kaufhäusern Rolltreppen oder
Fahrstühle stehen." (32)
Der Junge spielt zwar
mehr oder minder eine Nebenrolle, wird an von JÜRGEN GRASMÜCK immer wieder
gerne in die Handlung integriert. PEPE bewies für sein Alter ein hohes —
vielleicht sogar übertriebenes — Maß an Eigenständigkeit. Er ist kein
herausragendes Licht innerhalb der Heldenriege, aber erfüllt seinen Zweck, der
meistens darin bestand HELLMARK Abenteuer zu liefern und von ihm letztendlich
aus schwierigen Situationen befreit zu werden.
Es gab wesentlich
interessantere Personen. Beispielsweise die Hexe DANIELLE DE BARTEAULIEÉ. Sie wurde
nie in "MACABROS UND SEINE WELT" aufgenommen, und wirkte auch
vorwiegend im Hintergrund mit, aber mit ihren Fähigkeiten war sie auf den besten
Weg in die vordere Garde der Heldenriege vorzudringen, zumal sie sich zudem zur
Partnerin von RANI MAHAY entwickelte, was eine Aufwertung der Person
bedeutete. In "MACABROS" Bd. 39 "IM VERLIES DER HEXENDRACHEN"
(20.7.76). Sie wurde als schwarzhaarige Schönheit beschrieben. Sie war eine
Hexe wider Willen, gefangen in der Macht der Dämonengöttin RHA-TA-N'MY. Es
gelang ihr den Fluch abzuschütteln und sich der Gruppe um HELLMARK
anzuschließen. Dabei nutze JÜRGEN GRASMÜCK das alte Motiv: Liebe.
DANIELLE verliebte sich in BJÖRN HELLMARK und konnte so den Fluch abschütteln.
Doch RHA-TA-N'MY rächte sich und zwang Danielle als Prostituierte ihr Leben zu
fristen. RANI MAHAY geriet bei dem Versuch sie zu befreien in die Fänge vampirähnlicher
Wesen. So geschehen in "DIE NACHTSEELEN VON ZOOR" (Mac. 79 14.8.79).
Zwischen Bd. 39 und 79 hatte JÜRGEN GRASMÜCK die Figur der Hexe ruhen lassen,
bis sie wieder benötigt wurde.
Es gab noch weitere,
teils nicht unwichtige Personen auf Seiten HELLMARKS in der Serie, die durchaus
einer Betrachtung wert gewesen wäre. Seien es ALAN KENNAN, CAMILLA DAVIES, das
Doppelmedium ANKA SÖRGENSEN-BELMAN und TINA MARINO, der Verleger der
"AMAZING TALES" RICHARD PATRICK und JIM, der GUUF, sowie das komische
Urvieh WHISS, samt seines Nachkommen BLOBB BLOBB doch das würde den Rahmen
dieses Artikels doch sprengen. Festzuhalten bleibt, dass diese Figuren ihre
Rollen hatten, die nicht immer vom Helden abhängig waren. Jede dieser
`Sub-Helden' hatte seine Aufgabe.
Einen Fehler beging
JÜRGEN GRASMÜCK jedoch nicht. Er setzte diese Figuren nie in einer Häufung
ein. Als Kontrabeispiel könnte hier die PABEL-Serie "MYTHOR" dienen,
wo unter Leitung ERNST VLCEKS dem Helden ein wahrer Wanderzirkus an Personen
folgte, der ständig größer wurde und zumeist vollzählig dabei sein musste.
JÜRGEN GRASMÜCK hielt seine Personen pro Roman immer wieder übersichtlich und
ergänzte sinnvoll die Einwohnerschaft von MARLOS. Es ist müßig, aber reizvoll
darüber zu spekulieren, was ab einem möglichen Bd. 126 mit MARLOS, seinen
Einwohnern und der Serie passiert wäre.

MOLOCHOS,
oberster der sieben SCHWARZEN PRIESTER des Urkontinents XANTILON, war die
dominierende Negativfigur der Serie. Nahezu die ganzen 125 Bände war MOLOCHOS
dabei. Es sah zwar eine Weile so aus, als hätte man sein Wesen geändert und er
hätte die Seiten gewechselt, doch durch den Fehler mit der Anzahl der
MANJA-Augen kam er zu einem unverhofften Comeback. Zwar gab es diverse Gegner
HELLMARKS, die wiederkehrten, wie zum Beispiel APOKALYPTA, PHANTOMA, SEQUUS
oder die große Macht im Hintergrund RHA-TA-N'MY, aber MOLOCHOS war einwandfrei
der Hauptgegner, dem es sogar gelang HELLMARK einige Schnippchen zu schlagen.
MOLOCHOS wurde nicht in
"MACABROS UND SEINE WELT" aufgenommen, aber in MACABROS Bd. 8
"DIE GEISTER-HÖHLEN" (5.3.74) debutierte er in einem der
Schlüsselromane der Serie. Fortan stellte er HELLMARK nach und spann seine
Intrigen. Seine größte hatte er dem Fehler JÜRGEN GRASMÜCKS zu verdanken den
sechs MANJA-Augen ein siebtes hinzuzufügen. So wurde seine Rückverwandlung in
AK NAFUUR in der Nr. 75 "USTUR — IN DEN KETTEN DES UNHEIMLICHEN"
(24.4.79) zu seinem größten Intrigenspiel, das BJÖRN HELLMARK in eine
gigantische Falle tappen ließ.
Der Erzfeind HELLMARKS
kreuzte eigentlich nie direkt mit BJÖRN HELLMARK oder MACABROS direkt die
Klingen. Er war ein Dämonenfürst und hatte seine Schergen, die die
Schmutzarbeit zu erledigen hatten. Insofern hob er sich wohltuend von den
Dämonenfürsten anderer Serien ab, die sich nicht zu schade waren, den Helden
selbst zu attackieren. Auch in diesem Punkt blieb JÜRGEN GRASMÜCK mehr als
konsequent. Das zeichnet ihn aus.
Die schon fast beiläufige
Vernichtung MOLOCHOS hatte etwas eigentümliches an sich, denn auch hier gab es
keinen großen Showdown der beiden Gegenspieler im Kampf zwischen Gut und
Böse. Der Roman "STERNENSCHLOSS DES TOTEN GOTTES" (Mac. 118 7.9.82)
stellt somit eine relative Ausnahme in der Vernichtung von sogenannten
`Supergegnern' von Horrorhefthelden dar, denn das war in der Tat zumeist ein
Zweikampf zwischen Held und Dämon.
Im Grunde stellt also
diese Vernichtung eine Ausnahme dar, wie sie bisher noch nicht wieder
vorgekommen ist.
MOLOCHOS war jedoch nicht
ein Typ wie DR. SATANAS. Der Dämonenfürst war kein solch symbolträchtiges Wesen
wie der `mad scientist' in LARRY BRENT es gewesen ist, obwohl beide eine
Gemeinsamkeit haben: Beide waren Menschen bevor der eine Dämon, der andere ein
dämonisches Halbwesen wurde. Dazu fehlten ihm auch die Anlagen, und dennoch
ragt er aus der Schar der Bösewichter im Horrorheftroman deutlich hervor.
Nicht zuletzt wegen seines seltenen körperlichen Erscheinens kann man das von
dieser Figur behaupten. Er ist vorwiegend tatsächlich der große Steuermann im Hintergrund
geblieben.

Der
Kontinent XANTILON ist der ganz grobe Hintergrund für die MACABROS-Serie. Von
dort kommt alles, nach dort drängt alles. JÜRGEN GRASMÜCK hatte sich zu Beginn
der siebziger Jahre über den Hintergrund zur MACABROS-Serie Gedanken gemacht.
Dabei muss er zu dem Schluss gekommen sein, dass er als Hintergrund für diese
Serie einen eigenen Mythos als Hintergrund haben müsse. Und in der Tat,
erscheint rückblickend die Hölle der christlichen Mythologie mit ihrer im
Mittelalter geprägten Hierarchie als denkbar ungeeigneter Hintergrund für
"MACABROS".
JÜRGEN GRASMÜCK sah sich
weiter um und entdeckte für den Hintergrund die Mythen und Legenden um
versunkene Kontiente, wie eben ATLANTIS. Nun wollte er nicht diesen feststehenden
und bereits ziemlich abgenutzten Begriff nehmen. Es musste zunächsteinmal eine
Eigenkreation sein. Der Name XANTILON entstand. In den ersten Romanen der
Serie war das, was mit dem Begriff XANTILON zu verbinden war noch reichlich
wage. Mal hier (im Nordatlantik MACABROS Bd. 2 "FLUCH DER DRUIDIN")
mal dort (MARLOS in der CLARION-GRABEN-Zone) tauchten Relikte und Artekakte des
versunkenen Kontinents auf. Und selbst im letzten Band hatte XANTILON nicht
viel an Konturen gewonnen. Der Kontinent blieb ein Rätsel. Der Mythos um DAN
SHOCKERS Fantasiekontinent wuchs mit der Serie. Mehrfach war BJÖRN HELLMARK in
der mythischen Vergangenheit dieser Landmasse, aber die Informationen gaben
selten etwas handgreifliches her. XANTILON stellte im Grunde das gleiche wie
die PSA dar. Der Kontinent war ein Vehikel, und ich glaube kaum, dass sich
scharfe Strukturen über XANTILON herausgebildet hätten, selbst wenn die Serie
bis zum heutigen Tage ohne Unterbrechung gelaufen wäre. XANTILON ist ein reiner
Kunstmythos, der mit allerlei Handgriffen auf jede Veränderung innerhalb der
Serie zurechtzubiegen wäre, wenn der Autor genügend Fantasie aufbringt. Ein
Vergleich mit Fantasywelten außerhalb des Heftromans erscheint daher nicht
statthaft. Man kann, um ganz hoch zu greifen, JÜRGEN GRASMÜCKS XANTILON nicht
mit TOLKIENS MITTELERDE vergleichen. Der ATLANTIS-Ableger gehört zum Heftroman
und hat andere Anforderungen zu erfüllen. Diese hat er erfüllt.
Im großen und ganzen
stellt XANTILON etwas dar, was im Heftroman bisher nicht gegeben hatte. Ein
eigener versunkener Kontinent für einen Helden.

JÜRGEN GRASMÜCK hat mit
seiner Serie "MACABROS" etwas geschaffen, dass einmalig ist auf dem
Sektor des Heftromans im allgemeinen und des phantastischen Heftromans im Besonderen.
Er ist hingegangen und hat Horror mit Fantasy und Science Fiction vermischt,
und keinen unleserlichen Brei herausbekommen, sondern eine faszinierende
Heftserie, voller fremder Welten, phantastischen Idee und großer Abenteuer. Er
hat sich dabei über kommerzielle Zwänge teilweise hinweggesetzt.
Sicherlich hatten alle
Namen einen gewissen Wiedererkennungswert, als Beispiel seien hier nun
"APOKALYPTA" (natürlich abgeleitet von Apokalypse)
"PHANTOMA" (abgeleitet von Phantom), "MANDRAGORA"
(lateinisch: Alraune) angeführt, die sicherlich dem Heftimage voll
entsprechen. Sie sind wenig originell und leicht einzuprägen.
Der Held ist
zunächsteinmal ein ganz typischer Held. BJÖRN HELLMARK vertritt seine Zunft
würdig. Keine Gefahr ist ihm zu groß, kein Risiko zu gewaltig, kein Weg zu
weit. Er ist groß und blond. Entspricht dem Idealbild. Er kann alles, weiß
alles, macht alles und wirft sich mit seinem Schwert mutig jedem Bösewicht in
den Weg, der einen Wehrlosen bedroht. Er ist der für den Heftroman typische
Identifikationsfaktor.
Auch seine Side-Kicks
sind edel, mutig und wohlgebaut. Und sieht man einmal von RANI MAHAYS
Haarproblemen ab (die er aber mit Stolz trägt bzw. nicht trägt), sind alle wunderbare
Ebenbilder Gottes. Sie sind fast genauso mutig wie der Held selbst.
Alles würde so wunderbar
auf eine x-beliebige Heftserie passen, wenn da "DAN SHOCKER's
MACABROS" nicht wesentlich mehr wäre als das. Zum ersten (es ist gar nicht
oft genug zu betonen) ist "MACABROS" ein Wagnis gewesen, denn alle
vier Wochen eine zyklisch orientierte Heftserie zu bringen ist ein Wagnis,
wobei es schon eine Leistung des Verlages ist, dieses Spiel mitzuspielen, denn
eines muss klar sein, der ZAUBERKREIS-Verlag hätte theoretisch jederzeit die
Möglichkeit gehabt den Autor seine Romane nach einer anderen Melodie schreiben
zu lassen. Das Vertrauen, das in den Autor gesetzt wurde ist groß, und es hat
sich gelohnt.
Zum zweiten sind die
Welten, in die JÜRGEN GRASMÜCK seine Protagonisten jagte farbenprächtig,
vielfältig und voller überraschender Ideen. Welten im Mikrokosmos, wo das
Wasser atembar war Welten in der Vergangenheit, wo das Unmögliche möglich war.
JÜRGEN GRASMÜCK hat mit dieser — ungerechterweise — als Horrorserie
deklarierten Serie mehr "Sense of Wonder" verbreitet als die meisten
anderen. Bizarre Dinge tauchten auf, Pyramiden, die flogen und von
skelettierten Zauberern geflogen wurden. Witzige Wesen, wie WHISS tauchten
auf, erschreckten mit ihren Fähigkeiten Personen in den Romanen und amüsierten
den Leser.
"DAN SHOCKER's
MACABROS" war nur auf den ersten Blick für den Leser gemacht. Schon ein
Blick hinter die Kullisen, lässt den Schluss zu, dass JÜRGEN GRASMÜCK diese
Serie für sich ganz allein geschrieben hat, und traf damit den Nerv vieler
Leser. Er setzte damit seine Träume und Wünsche um, was MACABROS über die
routiniert (und nicht notwendigerweise schlecht) geschriebenen Serien manch
anderer Autoren hinaushebt.
JÜRGEN GRASMÜCK hat mit
seiner Serie "MACABROS" sich selbst beschrieben, und das kommt rüber.
BJÖRN HELLMARKS Abenteuer lebten richtig auf, nachdem JÜRGEM die Fesseln
abschüttelte, die ihm die Absprache mit dem Verlag bezüglich der
Einzelabenteuer auferlegt hatte. Dann schrieb JÜRGEN GRASMÜCK endgültig das,
was er wollte. Er jagte BJÖRN HELLMARK durch XANTILON und durch fremde
Dimensionen. Sicherlich musste er aufgrund der Publikationsform Kompromisse
eingehen, doch das war für JÜRGEN GRASMÜCK nie wichtig, dass der Heftroman
besondere Gesetze hat, die den Autor in seinen Möglichkeiten einschränkten.
Mit diesen Nachteilen hatte er früh seinen Frieden gemacht, und sich sogar
damit getröstet viele Leser oft zu erreichen, zudem vorwiegend jugendliche
Leser und ihnen ein bißchen Phantasie zu geben für den tristen Alltag.
Weiß man aber nicht um
die besonderen Umstände der Serie, so erweckt "MACABROS" immer noch
den Eindruck einer durchdachten mit viel Phantasie geschriebenen, außergewöhnlichen
Heftreihe, die ihre Phantasie und Vielfalt durch betonte Einhaltung der
Klischees bei Namen, Helden und Bösewichtern auszugleichen sucht, sich damit
wieder in den kommerziellen Rahmen zu drücken versucht. Nichts ist schwerer zu
schreiben, als eine erfolgreiche Heftserie, weil diese Publikationsform von
Literatur so kurz am Kiosk verweilt. Er muss literarische Unterhaltung auf
begrenzten Platz in Erscheinungsweise einer Zeitschrift bringen, und das ist
schwer, sehr schwer.
"DAN SHOCKER's
MACABROS" ist als erfolgreiche Serie eine Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Und selbst wenn JÜRGEN GRASMÜCK heute meint, dass es für ein Heft besser sei
Serienhelden in Einzelromanen zu bringen, für ihn war es besser
"MACABROS" so zu schreiben, wie er es geschrieben hat.
Leider werden die Leser
keine neuen Romane mehr zu lesen bekommen...

Die Sub-Serie in
"MACABROS" ist ja bereits angesprochen worden. Unter dem Titel
"MIRAKEL" schwebte in unregelmäßigen Abständen ein fliegender
Wundermann durch die Szene. Doch dieser Wundermann war nicht das einzige Mal,
dass JÜRGEN GRASMÜCK sich aus dem MACABROS-Fundus bediente. 1985 plagiierte er
sich ungeniert unter dem Titel "RON KELLY" selbst und mischte noch
etwas "INDIANA JONES" dazu. Um diese beiden Serien gilt es sich noch
zu kümmern...
MIRAKEL
EIN VOGEL? EIN FLUGZEUG?
FRANK MORELL ein
dunkelhaariger, neunundzwanziger Jahre alter Konstrukteur aus Frankfurt,
entdeckte, dass er einst ein "DYKTE" war, als er einen
"DYKTEN-STERN" fand. Heftete er sich diesen an die Brust, dann konnte
er fliegen und nannte sich "MIRAKEL". Der Kristall war allerdings
nicht beliebig nutzbar und musste von Zeit zu Zeit mit 'kosmischer Energie'
aufgeladen werden.
Mit "MIRAKEL — MANN
DER GEHEIMNISSE" feierte FRANK MORELL alias MIRAKEL, wie er sich nannte
seinen Einstand. Der Roman erschien am 30.03.76 als "DAN SHOCKER's MACABROS"
Bd. 35. Der Held wird dem Leser ab Bd. 44 der MACABROS-Serie auf der Seite
"MACABROS UND SEINE WELT" vorgestellt. Doch die Beschreibung, ist
oben bereits zusammengefasst.
Von nun kam MIRAKEL in
unregelmäßigen Abständen wieder, erlebte — vermutlich — um ihn populär zu
machen einen Schlüsselroman der Serie mit Hellmark zusammen (Mac. 38
"MIRAKEL, PHANTOM AUS DEM ALL" 22.06.76)
Später wurden mit
"MYSTERION, DER SEELENFÄNGER" (Mac. 55, Mirakel 5 — 10.10.77)
"DÄMONENPEST" (Mac 57, Mirakel 6 — 5.12.77) "WENN SHIMBA-LOOS
TODESRUF ERSCHALLT" (Mac 61, Mirakel 7 — 28.03.78) "NH'OR THRUUS
UNHEILSCHLÄFER" (Mac 72, Mirakel 9 — 29.01.79) Versuche mit Co-Autoren
gemacht (als da waren: Michael Nagula (Bd. 55), Alexandro Laue (Bd. 57) Roland
Rosenbauer (Bd. 61) und Uwe Anton (Bd. 62) und Reiner Zubeil (72)), die Romane nach Exposés — von
JÜRGEN GRASMÜCK — geschrieben haben. Diese Romane waren alle nicht gut. Das lag nicht unbedingt an den eingesetzten Co-Autoren, die allesamt ihre Qualitäten verfügen. Man denke an Uwe Anton, der heute Exposéautor bei PERRY RHODAN ist. Aber: Das Thema des fliegenden Wundermannes ist nichts für Romane, eher funktioniert dieses Prinzip optisch, also in Comic und Film.
So sollte dann auch später die eigene
MIRAKEL-Serie entstehen. JÜRGEN GRASMÜCK als Exposéredakteur und Hirn an der
Spitze, und Autoren, die das umsetzen. Hierzu veröffentlichte der
"CLUB-LETTER" des "DAN SHOCKER'S FANTASTIK CLUB "MARLOS"
zwischen der Nummer 58 (Dez. 89) und 62 (Jan. 1991) den Roman "DIE ATOMBESTIEN"
von PETER KRASSA, der als Autor von Büchern über die Präastronautik bekannt
ist. Es sollte die Nummer 6 der eigenständigen "MIRAKEL"-Serie
werden. In der Nummer 50 des "CLUB-LETTER" befinden sich die Exposés
zu diesem Roman und den weiteren geplanten Texten.
Doch zu einer eigenen
Serie sollte es nicht kommen. Kamen die Bände, welche DAN SHOCKER geschrieben
hat noch einigermaßen gut beim Publikum an, aber die Romane der Co-Autoren
sorgten für erhebliche Einbußen. Die Romane fielen gegenüber den üblichen, gewohnten
Standard der MACABROS-SERIE zu sehr ab. Es spricht für DAN SHOCKER, dass er
diese Einbußen wieder hereinholte, aber für Frank Morell kam das Ende:
"DER RUF INS VERGESSEN" (Mac. 76, Mirakel 10 — 22.05.79) erscholl und
Frank Morell folgte ihm. Gefangen im Mikrokosmos harrt er seiner Befreiung entgegen,
aber niemand erbarmt sich seiner. Typen, die durch die Luft fliegen sind doch
wohl eher etwas für bebilderte Medien, und so wird "MIRAKEL" wohl auf
ewig in der Versenkung bleiben.
Ein gescheiterter
Versuch, der der MACABROS-Serie phasenweise erhebliche Lesereinbußen
einbrachte, wurde zu den Akten gelegt. Augenscheinlich kamen die Co-Autoren
nicht mit den Exposés und dem Stoff zurecht, zudem schrieben sie die Romane
nicht mit demselben Elan wie JÜRGEN GRASMÜCK. Das fällt natürlich auf. Hinzu
kommt, dass "MIRAKEL" nicht aus dem Holz geschnitzt war, dass sowohl
LARRY BRENT als auch MACABROS auszeichnete. Das Konzept und seine Umsetzung
wirkten hölzern. Die Serie war nicht mit derselben Identifikation mit dem Stoff
entworfen worden, wie sonst üblich bei JÜRGEN GRASMÜCK. Vielmehr machte MIRAKEL
den Eindruck einer am Reißbrett geplanten Serie, ein Held aus der Retorte.
Solche Entwürfe liegen JÜRGEN GRASMÜCK nicht, der selbst mit Mühe und Elan diese
Schwäche nicht ausgleichen konnte.
Die Sub-Serie
"MIRAKEL" scheint eher die versuchte Umsetzung eines Passuses aus dem
Standardvertrag der Romanagentur GRASMÜCK zu sein, in dem es heißt, dass unter
Vertrag stehende Autoren, in von der Agentur entworfenen Serien eingesetzt
und gefördert werden sollen.
So war das Ende der
Sub-Serie gekommen, noch bevor diese ausgegliedert werden konnte. Vielleicht
war es besser so, denn wer weiß, was dem Leser da erspart worden ist. Zudem
hätte meines Erachtens die Reputation JÜRGEN GRASMÜCKS beim Verlag und Lesern
erheblichen Schaden nehmen können.
Ron Kelly
-
Erfahrung schützt vor Torheit nicht
Auf der Buchmesse 1983 in
Frankfurt traf JÜRGEN GRASMÜCK dann die Leute des DELTA MUSIK-VERLAGES mit
Sitz in Köln, die mehr oder minder gute Hörspiele herausgaben. Zu ihren
herausragend schlechten Serien gehörten "CONAN" und "DAN
CROSS". Der Ruf JÜRGEN GRASMÜCKS war auch bis dahin gedrungen. Man redete
eine Weile miteinander, und man trug JÜRGEN GRASMÜCK an, doch einmal eine Hörspielreihe
zu konzipieren, zumal gerade mit Erfolg bei "EUROPA" die Hörspieladaptionen
von "LARRY BRENT" und "MACABROS" liefen. Da man bereits
einen Dämonenjäger hatte (DAN CROSS) wollte man etwas phantastisches, dass in
Richtung "MACABROS" ging.
So kam es, dass JÜRGEN
GRASMÜCK "RON KELLY" konzipierte.
Als JÜRGEN dem
ZAUBERKREIS-Verlag von den Hörspielen berichtete, sagte man ihm dort, er solle
eine Heftreihe davon machen. Am 22.01.85 erschien "RON KELLY" Nr. 1
"EIN MANN VERLÄSST DIE WELT".
Der Verfasser dieser
Zeilen rezensierte diesen Roman, in dem von ihm und NORBERT AICHELE
herausgegebenen ZAUBERSPIEGEL.
"Sicherlich
versucht der Autor etwas zu schaffen, das sich vom Horrorheftroman etwas abhebt.
Zusätzlich soll es noch in die Marktlücke stoßen, die Abenteuerromane mit
phantastischen Einschlägen ... ála "Indiana Jones"." (33)
JÜRGEN GRASMÜCK schrieb
diese Romane völlig anders als gewohnt und in der ersten Person (wie er es
schon früher bei MACABROS wollte), aber damit hören die Parallelen nicht auf.
Ideen- und konzeptmässig gab es viele Ähnlichkeiten und ständig hatte der
Leser das Gefühl einen "MACABROS" für Arme zu lesen. Der Stil war
flapsig und die Abenteuer von "RON KELLY" und seiner Gefährten auf
der schwimmenden Insel waren nicht berauschend. Überhaupt behauptete der
Verfasser dieser Zeilen steif und fest, dass ein Anfänger die Romane schreibe.
Dieser Anfänger war fast dreißig Jahre im Geschäft. Inhaltlich hatte JÜRGEN
GRASMÜCK in den ersten Bänden keine Alternativen, da er sich nach seiner Hörspielkonzeption
richten musste (die Sprechbücher hat er übrigens nicht geschrieben), aber auch
später folgte er dem eingeschlagenen Kurs, der "RON KELLY" in den
Kampf gegen die "UNSICHTBAREN SCHATTEN" führte. "RON KELLY"
war trotz der vorgeschobenen Geheimnisse denkbar einfach konzipiert und ein
Fehler wie mit den MANJA-AUGEN konnte nicht mehr passieren.
Will man einen Vergleich
ziehen, so ist MACABROS "INDIANA JONES" und RON KELLY irgendein
italienisches Rip-Off desselben.
Dennoch wurde auch
"RON KELLY" von PABEL ohne dringende kommerzielle Not eingestellt.
Zwar lief RON KELLY nicht überragend, aber immerhin noch soweit akzeptabel,
dass er keine roten Zahlen schrieb.
Aber auch er musste, wie
alles von DAN SHOCKER dran glauben, so dass der Name am Kiosk inzwischen
Vergangenheit ist...
Nachdruck aus dem Dan Shocker Reader, Frankfurt/M./Drochtersen 1990 Fantasia 61/62, Passau 1991
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