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Quo Vadis, Zamorra?

Oliver Fröhlich

Quo vadis, Zamorra?
 
Am 14.2.2008, dem Valentinstag, dem Tag der Liebenden, erfüllte sich für Werner Kurt Giesa sein Herzenswunsch: Er wurde wiedervereint mit seiner 2005 verstorbenen geliebten Frau Heike.

W. K. Giesa hinterlässt eine große, fassungslose Familie, nämlich die Leser von Romanheften im Allgemeinen und von PROFESSOR ZAMORRA im Besonderen. Es dauerte nicht lange, bis im Bastei-Forum die Frage auftauchte, die sich seit dem 14.2. wohl einige stellen: Was wird nun aus Zamorra?


FotoKann die Lücke, die Giesa hinterlässt, geschlossen werden? Werden die Fans die Serie ohne Werner noch lieben? Werden die Leser die Hefte noch kaufen? Wird die Serie gar eingestellt werden müssen?

Sicherlich, W.K. Giesa war der Hauptautor der Serie. Von bisher 880 Heftromanen hat er über 500 Bände größtenteils alleine, vereinzelt auch mit einem Co-Autoren verfasst. Einer Serie, die zuvor solide, aber unspektakuläre Gruselkost geboten hatte, hat erst er durch seinen Einstieg mit Band 111 ihre unverwechselbare Ausrichtung gegeben, hat den Überbau, das Zamorra-Universum, konstruiert. Auch wenn einiges davon meinen persönlichen Geschmack nicht getroffen hat, so können seine Verdienste für die Serie gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er ist aus der Zamorra-Historie nicht mehr wegzudenken. Auf eine gewisse Art war er Zamorra!

Dennoch gilt es bei all der Trauer um sein viel zu frühes Ende und bei all der Würdigung seiner Leistungen, die Umstände der letzten Jahre nicht aus den Augen zu verlieren. Wie Menschen, die ihm nahestanden, häufig bestätigen, hat ihn der Tod seiner Frau schwer gezeichnet – sowohl physisch, als auch psychisch. Hinzu kam seine Krankheit. All das hatte zwangsläufig Auswirkungen auf PROFESSOR ZAMORRA. Wie er auf der Leserseite und im Bastei-Forum häufiger erklärte, brauchte er nun einfach viel länger, um einen Roman zu schreiben. Wer mochte es ihm auch verdenken? Die Konsequenz bei einer regelmäßig erscheinenden Heftserie lag auf der Hand: Es mussten verstärkt Co-Autoren eingesetzt werden. Es wurde dann auch, wie Giesa es genannt hatte, die „Feuerreserve“ aufgelöst, also Romane veröffentlicht, die schon länger angekauft waren.

Doch er schrieb aus verständlichen Gründen nicht nur weniger als zu seiner Glanzzeit, die Bände, die zuletzt von ihm veröffentlicht wurden, stießen dann auch noch auf ein geteiltes Echo. Die einen bescheinigten ihnen den typischen Stil eines Giesa-Romans, die „Leichtfüßigkeit“ seiner Art zu Erzählen und seinen von vielen geliebten schnoddrigen Tonfall. Andere hingegen warfen den Romanen vor, Zamorra agiere darin zu zynisch, zu menschenverachtend und entwickle sich in eine Richtung, die ihnen gar nicht gefalle. Nun, das mag jeder für sich selbst beurteilen, Tatsache ist aber, dass W.K. Giesa zuletzt nicht unumstritten war. Das belegen schon alleine die Reaktionen, die wir im letzten Jahr auf unseren Beitrag Die Nackten und die Doofen ernteten.

Wie aus dem Bastei-Forum zu erfahren war, war Werner aufgrund seiner Krankheit schon seit längerem nicht mehr der alleinige Strippenzieher im Hintergrund. Die Expose-Arbeit war inzwischen auf mehrere Schultern verteilt. Und im November 2007 wurden bei einer Autorenkonferenz dann mit Giesa zusammen Änderungen beschlossen, wie man die Serie in ihr 35. „Lebensjahr“ und möglichst noch darüber hinaus führen könnte. Ich betone noch einmal: Änderungen, die zwar nicht von Giesa, aber doch mit ihm zusammen beschlossen wurden. All diese Maßnahmen sind nur allzu verständlich, nahmen sie auf der einen Seite doch die nötige Rücksicht auf Giesa und ermöglichten ihm, seine Romane in dem Tempo zu schreiben, in dem er sie eben schrieb, gewährleisteten auf der anderen Seite dem Verlag aber gleichzeitig eine gewisse Planungssicherheit.

Was heißt das nun? Natürlich, es wird Änderungen geben. Doch es wird sie nicht wegen, sondern trotz Werners Tod geben. Traurig daran ist nur, dass es ihm selbst nicht mehr vergönnt ist, die Auswirkungen der von ihm mitbeschlossenen Maßnahmen zu beobachten und sie mitzugestalten. Ich bin mir aber sicher, dass die neue Autorenriege sich alle erdenkliche Mühe geben wird, den Giesa’schen Geist zu erhalten und zu pflegen. Wer weiß, vielleicht spendiert das neue Team ihm als Verbeugung vor seinem Schaffen ja sogar einmal eine Art Auftritt in der Serie! Als Wirrwolf oder als Wirrwolfjäger, als Merlins lange verschollener Schwippschwager oder einfach als liebenswert kauziger Verfasser von Gruselromanen, der erstaunlicherweise mehr über Zamorras Zukunft weiß, als der selbst. (Hey, Zamorra-Autoren: Fühlt euch frei, euch hiervon inspirieren zu lassen!)

FotoWas für Änderungen werden das nun sein, die auf den Leser zukommen? Nun, das wissen alleine die Verantwortlichen – und die werden sich hüten, mehr als nur Andeutungen zu machen. Aber es war zumindest zu vernehmen, dass alte Handlungsfäden fortgeführt, zum Teil vielleicht auch abgeschlossen werden und dass manche offene Frage beantwortet werden wird. Mehr kann uns zu diesem Thema sicherlich Susanne Picard sagen,  die Frage ist nur, wieviel sie verrät. Da müssen wir uns in Geduld üben, bis sie Zeit findet, sich zu äußern. Doch einige grundlegende Dinge sind wohl zu erwarten. 

Aber auch ohne großes Nachdenken, fallen einem sofort einige Sachen ein. Und warum nicht ein wenig spekulieren und mit ein paar Schlagworten um sich werfen (Werner hätte in seiner unnachahmlichen Art an dieser Stelle sicher zu philosophieren begonnen, ob sie deshalb nicht eigentlich Wurfwörter heißen müssten!)? Das Gespräch hinter der Flammenwand (nach neuer Deutung), das Flammenschwert, Luzifers Schicksal, der Erbfolger, die Stationen der Riesen, das Verhältnis zwischen Robert Tendyke und Ted Ewigk, die Herkunft der Regenbogenblumen, die geheimnisvolle Katze im Chateau, Merlins Vergangenheit und vor allem seine derzeit unsichere Zukunft, das Langka, Armakath, Laertes, Stygia, Svantevit. Zamorra-Experten könnten diese Liste sicherlich noch um viele, viele weitere Punkte ergänzen.

Also: Der Stoff ist da! Er muss nur noch aufgegriffen und sorgfältig verarbeitet werden. Natürlich kann nicht alles gleichzeitig in Angriff genommen werden, aber das will ja auch niemand. Im Gegenteil! Das würde nur einen gehetzten Eindruck machen. Wenn man es aber in der richtigen Dosierung angeht, sollte der Stoff mindestens bis Band 1000 nicht ausgehen, auch ohne dass neue Handlungsstränge aufgemacht werden müssen – was natürlich dennoch ab und zu geschehen sollte.

FotoFotoWie sieht es mit den Autoren aus? Volker Krämer und Christian Schwarz dürften wohl gesetzt sein. Vielleicht wird es den einen oder anderen Neuzugang geben. Hat nicht zum Beispiel Michelle Stern im Interview mit dem Zauberspiegel verraten, dass sie gerne auch Zamorra schreiben würde? Vielleicht gibt es aber auch den einen oder anderen Rückkehrer. Freuen würde ich mich hier zum Beispiel sehr über Claudia Kern, Rolf Michael oder Christian Montillon. Ich will keinen Hehl daraus machen, dass es auch Autoren gibt, über deren Rückkehr ich mich weniger freuen würde. Ich verrate allerdings nicht, wer das wohl sein könnte! Doch wer auch immer künftig die Romane schreiben wird: Wichtig sind Kommunikation, gute Planung, koordinierte Expose-Arbeit und daraus resultierend vielleicht auch, dass alle Autoren alle Handlungsstränge und Figuren bedienen können. Dadurch könnte eine größere Homogenität erreicht werden, wurde der Serie zuletzt doch (auch von mir) manchmal vorgeworfen, nicht wie eine einzige Serie zu wirken, sondern wie mehrere mit dem zufällig gleichen Helden. Dass es möglich ist, auch mit einer größeren Autorenschar einen geschlossenen Kosmos zu konstruieren, beweist MADDRAX.

Wie Susanne Picard schon angekündigt hat, werden die beschlossenen Änderungen ab Band 886 greifen. Sehr begrüßenswert fände ich es, wenn die Planung für die Zeit danach so straff wäre, dass kaum noch Raum bliebe für Gastromane außerhalb des großen Zusammenhangs.

Aber was auch immer geschehen, wer auch immer die Zamorra-Tastatur bedienen wird: Gebt der Serie eine Chance! Denn eines muss klar sein: Sollte die Serie doch irgendwann eingestellt werden müssen, läge das nicht an W.K. Giesas Tod, sondern daran, dass in der Folge die Leser weggeblieben sind.

Wer Giesas Romane geliebt habt, sollte der Serie treu bleiben und so dazu beitragen, dass Giesas Werk die Würdigung erfährt, die es verdient! Doch auch wer Giesas Romane nicht oder nur eingeschränkt mochte, sollte der Serie treu bleiben oder zu ihr zurückkehren und dem neuen Team vertrauen! Ich bin sicher, die packen das!

Ich jedenfalls werde mein Scherflein dazu beitragen und in die Serie wieder einsteigen. Deshalb noch eine abschließende Bitte an die Redaktion und die Autoren: Erhört mein Flehen und spendiert den Peters-Zwillingen endlich etwas zum Anziehen.

Kommentare  

#1 Thomas Rippert 2008-02-26 21:32
"Doch auch wer Giesas Romane nicht oder nur eingeschränkt mochte, sollte der Serie treu bleiben oder zu ihr zurückkehren und dem neuen Team vertrauen! Ich bin sicher, die packen das!"

dann soll dem so sein. ich werde zu zamorra zurückkehren, da ich einer von denen war die wegen giesa nicht mehr mitgelesen haben. auch wenn es nur einer ist, aber die chance sollen sie haben! ;)
#2 Olsen 2008-02-27 09:40
Mit mir sind's dann ja schon zwei! Vielleicht treten wir ja eine riesige Bewegung damit los! :lol:
#3 Wolfgang Trubshaw 2008-02-28 13:34
Schlage Parteigründung vor: ZPD - Zamorristische Partei Deutschlands

Wir stehen für:
Abschaffung der Geschwindigkeitsbegrenzung, Kleidungsverbot für Frauen und Einführung des Schul-Pflichtfachs Kalauerkunde.
#4 Olsen 2008-02-28 17:09
Einverstanden! Wichtig ist nur, dass die Heftserie unpolitisch bleibt. Also keine Raserei, angezogene Frauen und keine Kalauer! :-*

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