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Die Nackten und die Doofen

ZauberwortDie Nackten und die Doofen
Warum ich Professor Zamorra  nicht mehr lese
 
Irgendwann im Juli 2005 saß ich vor meiner Perry-Rhodan- und Maddrax-Sammlung und betrachtete sie voller Argwohn. Gerade einmal zwei Jahre war es her, dass ich begonnen hatte, Perry Rhodan zu lesen. Mein Einstieg in Maddrax lag gar erst zwei Monate zurück. Und dennoch standen da vor mir alle Hefte beider Serien in ganzer Pracht.Tja, so bin ich halt, wenn ich meine Begeisterung für etwas entdecke! Da wird nicht lange rumgezipfelt, sondern gleich alles gekauft, was zu kriegen ist.

CoverCoverNun saß ich also da, sah auf die etwa 2.400 Hefte herab (von denen ich zu diesem Zeitpunkt vielleicht 300 gelesen hatte) und begann zu rechnen: Wenn ich jeden Tag ein Heft schmökere, schaffe ich im Jahr 365 Stück. Wenn ich auch die jeweiligen Neuerscheinungen lese, sind das 78 Hefte im Jahr (nämlich 52 Perry und 26 Maddrax). Das heißt, ich hole  im Jahr 287 Hefte auf. Und das heißt, ich bin nach etwa achteinhalb Jahren auf dem Laufenden!

 Juhu!

Moment mal! Wirklich juhu? Achteinhalb Jahre lang jeden Tag einen Perry Rhodan (denn die wenigen Maddrax-Hefte waren hinsichtlich der Gesamtmenge zu vernachlässigen)? Ist das wirklich auszuhalten?

Ich entschied mich für „Nein“!

 

Die Lösung war schnell gefunden: Es musste noch eine andere Serie her! Auch wenn ich die Gesamtlesezeit damit (vielleicht sogar erheblich) verlängern würde, so würde doch der Perry-Anteil sinken, die Chance, das alles durchzuhalten, jedoch steigen.


Da ich lange Jahre meines Lebens mit John Sinclair verbracht hatte, zu dieser Serie aber nicht mehr zurückkehren wollte, entschied ich mich, seinem französischen Kollegen mal eine Chance zu geben: Professor Zamorra! (Wen es interessiert, dem sei gesagt, dass ich inzwischen auch noch in Bad Earth, Sternenfaust, Dorian Hunter und Macabros eingestiegen bin. Hinsichtlich Larry Brent bin ich noch dabei, meinen inneren Schweinehund zu überlisten.)

 

FotoAlso kaufte ich mir im Juli 2005 Band 813 der Serie: „Der Schrecken vom Mekong-Delta“ von Andreas Balzer. Ich las ihn – und war begeistert. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit habe ich allerdings noch gezögert, mir sofort alles zu besorgen, was von Zamorra greifbar war. Erinnerungen kamen auf: Erinnerungen an eine über 1.200 Hefte umfassende Sinclair-Sammlung, die ich trotz noch etwa 500 ungelesener Bände einige Jahre vorher verkauft hatte.


Das sollte mir nicht noch einmal passieren! Oh nein, meine Herren, diesmal wollte ich mit erheblich mehr Umsicht an die Sache herangehen. Also wartete ich zwei Wochen ab, las Band 814 der Serie („Der geheimnisvolle Engel“ von Christian Schwarz) – und ließ mir erst dann umzugskartonweise die komplette Serie herankarren.

 

Ja, ja, so war das damals, vor zwei Jahren. Leider hielt meine Begeisterung nicht lange!

 

Inzwischen ist es schon wieder über einen Monat her, dass ich die komplette Serie wieder in die Umzugskartons gepackt und (für erheblich weniger Geld) verscherbelt habe. Im Nachhinein frage ich mich, wie es dazu kommen konnte. Was hatte mir das Lesevergnügen so vergällt?

 

Tja, das ist nicht leicht zu erklären, da es kein einzelner Punkt war, auf den man den Finger legen könnte. Anfangs war ich fasziniert von den Handlungssträngen um Laertes, Armakath und die Unsterblichen. Sofort holte ich die Lektüre der Bände ab 800 nach, weil ich auf dem Laufenden sein wollte, was die aktuellen Handlungsfäden anging. Krämer und Montillon waren für mich die Autoren, die die Serie faszinierend und einzigartig gestalteten. Blöd nur, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass diese beiden Schreiber gar nicht die Hauptautoren der Serie waren. Im Gegenteil! Von Krämer erschienen vor Band 800 gerade mal neun Romane, von Montillon gar nur zwei – vorbehaltlich eventueller Zählfehler meinerseits.

 

Vom Hauptautor W.K. Giesa gab es zur Zeit meines Einstiegs (ich nehme an krankheitsbedingt) nur gelegentlich mal einen Roman. Und bereits der erste Giesa, den ich in die Finger bekam, stürzte mich in Verwirrung. Es war Band 819 „Die letzten Sauroiden“. Der Roman war wirklich gut geschrieben! Aber was bitte machte dieser kleine Drache namens Fooly da? Ich konnte mir nicht helfen, aber jedes Mal, wenn ich ab diesem Zeitpunkt etwas von Fooly las, musste ich abwechselnd an Tabaluga und Grisu („Ich will Feuerwehrmann werden!“) denken. Tut mir leid, aber ich fand diese Figur ausgesprochen blöde!

 

Doch Fooly war nicht der einzige Doofe in der Serie. Im Laufe der folgenden Wochen und Monate wurde ich bei der Lektüre der alten und neuen Romane konfrontiert mit einem hasenfüßigen Vampir, einem Drachen mit Heuschnupfen, einem trotteligen Dämonenjäger, einer Werschnecke, einigen Beam-Blumen und einem friedfertigen Alligator. Überhaupt wurden Albernheiten ganz groß geschrieben! Figuren legten eine Schnoddrigkeit an den Tag, die zuweilen weit jenseits der Schmerzgrenze lag. Keine Situation zu ernst, keine Lage zu ausweglos, um nicht noch einen halbgaren Witz zu reißen. Ich wette, selbst in einer Szene, in der eine Figur aus dem Zamorra-Universum ohne Fallschirm aus dem Flugzeug stürzt, fällt ihr - kurz bevor sie hörbar auf dem Boden einrastet - noch eine gnadenlos lustige Pointe ein („Mein Aufschlag ist sicher härter, als der von Boris Becker je war“ oder etwas in dieser Art.).

 

Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich gehe zum Lachen nicht etwa in den Keller (sondern nur in die Besenkammer) und ich habe nichts gegen eine gute Portion Humor auch in solchen Serien. Aber erstens sollte er wohl dosiert und zweitens auch noch gut sein! Es ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn eine der Hauptfiguren ein loses Mundwerk hat und zuweilen übers Ziel hinausschießt. Aber doch bitte nicht jede der Figuren! Das funktioniert nicht!

 

Neben all diesen Doofen gab es dann natürlich auch noch die Nackten. Grundsätzlich jede Frau im Giesa’schen Zamorra-Universum, die gut gebaut und hübsch war (Nicole Duval, Teri Rheken, die Peters-Zwillinge), sprang vorzugsweise nackt durch die Gegend. Die Nacktheit des weiblichen Personals führt natürlich zu einer gewissen hormonellen Überreaktion des männlichen Personals. Nur gut, dass Zamorra ein potenter Hengst ist, der immer und überall kann und will. Bevor er und Nicole losziehen, um den bösen Dämon abzuknallen, wird erst mal auf andere Art geknallt, wenn Sie wissen, was ich meine. Ein guter Freund hat Mitte der achtziger Jahre mal zu mir gesagt: „Ich frage mich, ob die Autoren solcher Szenen eigentlich nur mit einer Hand tippen, weil die andere gerade anderweitig beschäftigt ist.“ Nun, so weit will ich nicht gehen, aber ich finde so ein Universum wenig realistisch. Moment! Realistisch? In einer Gruselserie? Ja, ich glaube, gerade in einer Gruselserie sollte der Anteil der „normalen Welt“ so realistisch wie möglich sein. Überfällt man den Leser mit Übernatürlichem und Horror nämlich in einer Welt, die er kennt, dann wirkt das auf ihn wesentlich eindringlicher, als wenn die Alltagswelt der Helden schon abgehoben und bar jeder Realitätsnähe ist.

 

Allmählich musste ich mich fragen, ob ich mich im Zamorra-Universum wirklich wohl fühle. Aber hey! Es gab ja immer noch die klasse Romane von Krämer und Montillon, die völlig frei von den Nackten und den Doofen waren. (Hat sich eigentlich schon mal jemand gefragt, warum das bei den anderen Autoren so ist? Können die evtl. auch nix mit dem Giesa’schen Weltbild anfangen?)

 

Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit mir. Montillons Unsterblichen-Zyklus endete – und mit ihm wohl auch das Engagement des Autors in der Serie. Krämer ist zwar nach wie vor aktiv und schreibt und schreibt und schreibt (zumindest ist es das, was ich aus dem Bastei-Forum herauslese). Dennoch dauert es ewig, bis immer mal wieder einer seiner Romane eingeplant wird.

Und das zeigt auch schon das nächste Problem, das ich mit der Serie habe: Die Handlungsstränge, die die einzelnen Autoren verfolgen, laufen ohne große Berührungspunkte nebeneinander her. So kann man einen Volker-Krämer-Roman z.B. als Band 890 bringen, man könnte den gleichen Roman stattdessen aber auch als Band 880 oder 900 bringen. Einen Unterschied für die Kontinuität der Serie macht das nicht. Bei Zamorra habe ich das Gefühl, ich lese drei oder mehr unterschiedliche Serien, die nur zufällig den Titelhelden gemein haben. Neben diesen verschiedenen Heft-Serien gibt es auch noch eine Hardcover-Serie beim Zaubermond-Verlag.

Doch halt!

Wie W.K. Giesa im Bastei-Forum nicht müde wird, immer wieder zu betonen, haben sich der Zamorra-Maestro und der Zaubermond-Verlag nicht mehr lieb. Deshalb hat Giesa ja auch verkündet, dass bei Widersprüchen zwischen Heft und Hardcover das gilt, was im Heft steht. Was aber soll ich mit einer Buchserie anfangen, von der ich weiß, dass sie für die Heftserie bestenfalls von geringer Bedeutung (wenn Handlungsstränge der „Nebenautoren“ verfolgt werden) ist – wenn überhaupt!

 

Tja, und damit sind wir auch schon beim größten Problem, das ich mit Professor Zamorra habe, und das letztendlich wohl auch daran Schuld trägt, dass ich mit der Lektüre aufgehört habe: Das Bild, das Giesa von der Serie und sich selbst in der Öffentlichkeit wirft.

 

Da ist zum einen der Zoff mit dem Zaubermond-Verlag. In regelmäßigen Abständen erwähnt Giesa, dass er nie, nie, nie mehr für den Zaubermond-Verlag schreiben würde. Wenn man ihn nach dem Grund fragt, hüllt er sich in geheimnisvolles Schweigen – nur um einige Wochen später erneut zu betonen, dass er nie, nie mehr für den Zaubermond-Verlag schreiben würde.

Was soll man denn von so etwas halten?

Wenn er der Meinung ist, dass das niemanden was angeht, dann soll er halt einfach den Mund halten! Macht der Zaubermond-Verlag doch genauso! Oder hat irgendwer schon mal ein Statement von Dennis Erhardt gelesen, dass Giesa nie, nie, nie mehr für ihn schreiben dürfte?

Nein, natürlich nicht!


Und ganz ehrlich: Es ist mir doch egal, mit wem Giesa sich warum überworfen hat!

 

Was soll man von einer Serie halten, bei der der Hauptautor im Bastei-Forum über die Qualität anderer Schreiber herzieht? Was soll man von Äußerungen halten, wie:

„Ich hatte den Roman damals, als Walter ihn ablieferte, in die "Feuerreserve" verbannt und gehofft, daß er da gut und trocken läge und alsbald Schimmel ansetzen möge.
Dummerweise bekam ich aber vor kurzem die Anweisung, die Feuerreserve aufzulösen. Ich habe mich also durch die Bearbeitung gequält und hoffe, daß er jetzt nicht mehr ganz so grottig ist wie vorher. Dasselbe gilt auch für einen Roman von Alfred Bekker. Ich wollte Alfred nie im PZ haben, weil er dafür einfach nicht gut genug ist. Trotz meines Protestes forderte der damalige Cheflektor aber diesen Roman an und kaufte ihn, und jetzt muß ich auch dieses Machwerk verwursten.
“ (3.5.2007)
(Bastei Forum)

Klar, die angesprochenen Romane waren wirklich nicht das Gelbe vom Ei, aber wenn ein Band erst einmal veröffentlicht ist, dann obliegt es doch in der Regel dem Leser, das zu beurteilen. Was für eine Serie ist es denn, in der der Chefautor sinngemäß sagt: „Den nächsten Roman braucht ihr gar nicht lesen, der ist Scheiße!“? Immerhin ist er auch Repräsentant des Verlages und damit ist er auch für die Außenwirkung der Serie und des Verlages zuständig. Ist das der Umgang, der bei Verlagsgruppe Lübbe mit Autoren gepflegt wird? - Ich denke nicht. Und doch geschieht es.

„Er (gemeint ist der frühere Co-Autor Rolf Michael. Anm. d. Verf.) war noch einmal im 666-Sechsteiler dabei. Da hat er aber einen solchen Mist geschrieben, daß ich entschied, mir das nicht noch einmal anzutun.“ (27.4.2007 Bastei Forum)

So etwas kann ich mir vielleicht denken, so etwas kann ich vielleicht sogar verlagsintern ansprechen oder dem Gescholtenen ins Gesicht sagen. Aber so etwas kann ich als Autor und nach eigenen Angaben Verantwortlicher für die Serie doch nicht in der Öffentlichkeit von mir geben! - Das fällt doch auf den Verlag zurück.

„In dieser "Feuerreserve", die für den Fall da sein sollte, daß tatsächlich mal extreme Manuskriptnot herrscht, lag auch der Roman von Earl Warren und liegt – noch, bis in Kürze – ein Werk von Roger Clement. Das ist das einzige von den dreien, auf das ich mich freue und mit dem ich wenig Arbeit haben werde.“
(5.9.2007 - Bastei Forum)

Ist das eine Art in der Öffentlichkeit über Autorenkollegen zu sprechen?

 

Forums-User, die sich erdreisten, dem Meister auf die Nerven zu gehen, werden teilweise hart angegangen:

„Langsam aber sicher habe ich die Schnauze voll. Ich habe Besseres zu tun, als mich hier speziell mit Dir um des Kaisers Bart zu streiten.“
(11.5.2007 - Bastei Forum)

„Ich bin drauf und dran, hier die Brocken komplett hinzuschmeißen und drauf zu kotzen.“
(12.5.2007 - Bastei Forum)

Auch hier habe ich zwar Verständnis, dass einem das Gesabbel manches Forumsmitglieds auf die Nüsse gehen kann. Aber gerade als Autor und Repräsentant einer Serie und des dazugehörigen Verlages darf ich nicht so mit den Lesern sprechen. Zumindest nicht, wenn ich nicht riskieren will, sie als Leser zu verlieren.

 

Und genau das ist bei mir eben nun passiert. Ich bin mir sicher, dass die Zamorra-Welt sich auch ohne mich weiterdrehen wird und dass mein Ausstieg auch niemanden wirklich interessiert (oder dass er gar etwas ändert), aber ich wollte es einfach mal loswerden.

 

Aber soll ich ehrlich sein? Ich find’s schade drum! Denn dass Giesa schreiben kann, hat er schon oft genug bewiesen. Allerdings gelingt es ihm nicht, gute Handlungsbögen zu entwerfen. Sehen wir uns doch nur einmal den Zyklus um die 13 Siegel an. Es mag an meiner eingeschränkten Intelligenz liegen, aber wirklich begriffen habe ich den nicht. Alle paar Bände wurde ein neues Siegel geöffnet, Zamorra entwickelte sich nach und nach zu einem ollen Miesepeter (eine Entwicklung, die übrigens nur Krämer wirklich gut dargestellt hat!) und am Ende machte es Puff und alle Spiegelwelten waren futsch. Warum? Keine Ahnung! Aber selbst, wenn man es mal als gegeben hinnimmt: Was hätte man nicht alles aus diesem Zyklusfinale machen können? Zamorra ist mit der Öffnung des letzten Siegels für den Tod von Abermilliarden Wesen verantwortlich. Das schreit doch nach großem Drama mit Psycho-Zwickmühle, wie es ein Zamorra-Begeisterter mir gegenüber einmal ausgedrückt hat. Aber davon gab es keine Spur. Für meinen Geschmack ist dieses Finale noch gründlicher in die Hose gegangen als der Zyklus selbst!

 

Auch was danach kam, hat mich nicht wirklich überzeugt. Ich erinnere mich beispielsweise an Band 862 „Ssacahs Rückkehr“. In diesem Roman wird Zamorra von einem Schlangendämon verschlungen – wäre ich Giesa, würde ich jetzt sofort fragen, ob es deshalb nicht eigentlich Schlungendämon heißen müsste. Aber wie auch immer, Zamorra befreite sich aus der prekären Lage, indem er sein Amulett zur (ausnahmsweise bekleideten) Nicole sandte, es wieder zu sich rief, wieder sandte, rief, sandte usw. Dadurch wurde der schlängelnde Schlingschlangenschlingel gewissermaßen durchlöchert und alles war gut.


Tja, einige Leser waren da allerdings anderer Meinung. Sie trugen ihre Beschwerde im Bastei-Forum vor und meinten, dass das Amulett beim Senden oder Rufen bisher noch nie Schaden angerichtet habe. Warum solle das nun ausgerechnet in diesem Roman passieren, nur weil es dem Professor so gut in den Kram passte? Und wie reagierte Giesa auf diese Anfrage? Er sagte:

„Sorry, daran kann ich mich würglich nimmer erinnern tun.“

und:

„Sach ich doch gerade: Ich nix mehr Ahnung von. Sorry.“ (14.6.2007 - Bastei Forum)

Tut mir leid, aber ich als Leser fühle mich da irgendwie veräppelt. Der Autor macht einen Fehler (der durchaus vorkommen kann und allzu menschlich ist), kann sich aber später nicht einmal mehr an den Roman erinnern. Bravo! Da drängt sich mir der Verdacht auf, dass der Autor selbst nicht weiß, wo er mit seiner Serie eigentlich hin will.


Und bereits zwei Hefte später drängte sich mir der Verdacht der Konzeptionslosigkeit erneut auf. In Band 864 „Friedhof der Vampire“ schmiedet Stygia nämlich den Plan, den guten Zamorra umzubringen. In der Tat wäre das nicht wirklich ungewöhnlich, wenn ... ja, wenn die gleiche Stygia nicht noch in Band 852 versucht hätte, mit Zamorra einen Pakt gegen Lucifuge Rofocale zu schmieden. Im Forum darauf angesprochen, verkündete der Autor, Stygia habe eben eingesehen, dass Zammy sich nicht überreden lässt, mit ihr zusammenzuarbeiten. Nun, das mag ja durchaus sein, aber dann hätte das nicht ins Forum gehört, sondern in den Roman! In dem war davon aber nichts zu lesen!

 

Wenn ich eine Romanserie lese, dann möchte ich das Gefühl haben, vom Autor bei der Hand genommen und in die Welt geführt zu werden, die seiner Fantasie entsprungen ist. Und da ich natürlich nicht weiß, wohin die Reise geht, brauche ich die Sicherheit, dass wenigstens der Autor den Weg kennt. Bei Zamorra habe ich allerdings den Eindruck, dass der Autor vom Weg abgekommen ist und selbst ziellos durch sein Universum irrt. Wie kann ich mich dann darin wohlfühlen?

 

Nun ja, es gibt sicherlich genug Leser, die da völlig anderer Ansicht sind. Das ist auch gut so. Da ich für meine Wankelmütigkeit bekannt bin, möchte ich auch nicht ausschließen, eines Tages doch wieder in die Serie einzusteigen – zumindest um mal zu sehen, wie sie sich entwickelt hat. Und die Bände von Volker Krämer werde ich mir ohnehin besorgen! Aber bis dahin: Bye bye Zamorra!

 

So, und jetzt zieh ich mich aus und bring den Drachen noch eine Runde um den Block.

 


 

Kommentare  

#1 Dieter 2008-02-10 13:59
ein sehr aufschlussreicher Artikel. Ich finde, ein Autor sollte mit Lesern respektvoll umgehen, und bis auf diese Ausnahme habe ich auch niemanden kennengelernt, der das nicht macht.
#2 Wolfgang Trubshaw 2010-12-31 18:21
Nicht so einfach, die Leichen des alten Forum-Systems auszubaggern. Aber hier die seinerzeitigen Kommentare zu Olsens Artikel, falls die heute noch wen interessieren.
XXX - link deaktiviert

Harantor sagt: Ich habe mal die komplette damalige Diskussion zu Olsesn Artikel wieder hervorgezaubert. Einfach das Bildchen, das "Zum Forum" führt anklicken oder folgenden Link folgen ;-) Die Diskussion beginnt unten auf der Forumsseite Zitat:
#3 Laurin 2011-01-01 13:45
Na ja, Respekt sollte ein nehmen und geben sein, also auch vom Leser hin zum Autor (und umgekehrt genauso). Bei W. K. Giesa kommt der Verlust seiner Frau und natürlich der Alkohol wohl noch dazu und schon waren die Minen gelegt die flott hochgehen können (da ist der Teufelskreis quasi wohl angelegt). Andererseits hat Giesa aber den PZ erst einmal in eine vernünftige Bahn gebracht und auch ziemlich moderner gestaltet, sonst wäre die Serie wohl schon lange Geschichte. Was den Humor angeht, gebe ich mal recht, der sollte wohl dosiert sein und Fooly der Feuerwehrdrache - nee, mußte nicht sein! Aber bitte, was habt ihr gegen die Nackten. Ich erinnere mich da an die Perry-Comics. Als die Mädels da nackig rumturnten wurde immer von einigen Kids drüber gemeckert. Als die Mädels dann mehr bekleidet daher kamen, ging es mit der Serie steil bergab! :-* Aber Spaß bei Seite, vielleicht wäre da einiges anders gelaufen wenn Gevatter Alkohol usw. nicht einiges bei W. K. Giesa's Leben in Schieflage gebracht hätte. Und das es PZ ohne Giesa heute noch geben würde, wage ich sehr stark zu bezweifeln.
#4 Wolfgang Trubshaw 2011-01-01 15:32
Wie sehr Irrweg dieser Versuch eines Ethik-Konsens doch ist, wo jeder von jedem gleich Respekt einfordert, wenn alles, dem es wirklich bedürfte, bloße schulterzuckende Akzeptanz ist, wo (neudeutsch "Networking-gezapftes" Kollegen-)Blut gefälligst dicker als Wasser zu sein hat, wenn es dünner als solches sein sollte, wollte man wirklich "seines Bruders Hirte" sein, statt seines (Kollegen-)Bruders geflissentlicher Wegseher und Apologet.

Vielleicht war ihm damals ja auch etwas nach dieser "Kollegen-Schelte", weil die Scheiße an ihm hängen blieb. Und nicht am Verlag, wie das eigentlich hätte sein sollen. Weil niemand außer ihm dann den (berechtigten oder nicht) Stunk mancher Leser ausbaden durfte. :o
#5 Laurin 2011-01-01 15:36
Ich sag es mal so Wolfgang Trubshaw, ich "kotz" meinen Kollegen auch nicht gleich in den Hals wenn bei mir ein Furz quer sitzt (hart aber wahr). Das meine ich mal mit gegenseitigem Respekt. Wer aber die Keule raus holt, muß eben auch mit den Prügeln rechnen. :lol:

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