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Flaggschiffe, Flottenkadetten und Flops Folge 24: Die nächste Generation

  Mini- und Subserien bei Terra und UtopiaFlaggschiffe, Flottenkadetten und Flops
Folge 24:
Die nächste Generation
SF-Kurzserien von Perry Rhodan-Autoren (IV)

Von den Fünfzigern bis in die Achtziger hinein gab es SF auch in zahlreichen Reihen. Herausragend dabei die ›Marken‹ »Utopia« und »Terra«. Für viele der erste Kontakt mit der Science Fiction bzw. dem ›utopischen Roman‹. In diesen Reihen erschienen zahlreiche Sub- und Miniserien. Diese werden in den kommenden Wochen einmal etwas näher betrachtet ... 

Der unglaublichre PlanetDas Erfolgsrezept, junge Autoren durch Publikation von kleinen Serien bei Terra, von Perry Rhodan-Einzelromanen in den PR-Taschenbüchern und von Atlan-Romanen für die höheren Weihen in der Perry Rhodan-Hauptserie vorzubereiten, wurde solange fortgesetzt, wie es diese Reihen vor dem großen Heftromansterben in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre gab. Peter Terrid alias Wolfpeter Ritter (1949 – 1998) war einer aus der Autorenriege (neben Konrad Schaef und Rainer Castor), die intensivem Kontakt mit Hans Kneifel standen und sich zum Teil bei ihren schriftstellerischen Gehversuchen und auch im weiteren Verlauf ihrer Karriere von ihm beeinflussen und beraten ließen. Nach einigen Einzelromanen veröffentlichte er in Terra Astra die vierteilige Serie „Delta Ursa“, die in einem Sonnensystem mit fünfzig Planeten handelt, welches durch die kaum überwindbare BARRIERE, einen extrem dichten Dunkelnebel, vom übrigen Universum abgeschlossen, aber auch geschützt ist. Auf der Flucht vor einem Feind, der in die Milchstraße eindringt und die Konföderation der Menschen zerstört, landen Flüchtlinge unter der Leitung des Kartographen Bargheer Malagath im Delta Ursa-System und gründen eine neue Zivilisation, die sich auf den achtzehn innerhalb der Ökosphäre liegenden Planeten im Verlauf von neunzehn Jahrhunderten bis zu einer Bevölkerung von 53 Milliarden Menschen entwickelt. Es hat sich ein Kaiserreich etabliert, dessen Herrscher nach dem Gründer „Malagath“ genannt wird. Eine Krise bricht aus, als der Thronfolger von Rebellen entführt wird, welche die Dynastie stürzen wollen. Dann erfindet ein Wissenschaftler ein Unsterblichkeitsserum, und Piraten machen das System unsicher, weshalb die wackeren Kämpen des „Exotischen Korps“ eingreifen müssen.

Der unglaublichre PlanetMalagath Thamur, nach mehr als hundert Jahren seiner langen Herrschaft mit Hilfe des Unsterblichkeitsserums überdrüssig, beschließt zurückzutreten und dann auf das Serum zu verzichten. Er setzt eine kosmische Auktion ein, deren Gewinner – der Kandidat mit den besten körperlichen und geistigen Eigenschaften - sein Nachfolger werden soll. In der Zwischenzeit wird ein Raumschiff auf der Erde ausgerüstet, welches das Delta Ursa-System anfliegt und die Isolation der Bevölkerung von der übrigen Menschheit beenden soll. Vermande Megowan, die junge Wissenschaftlerin und Besatzungsmitglied des Raumschiffes, landet mit ihren Kollegen im Verborgenen auf einem Planeten des Systems. Sie gewinnt den Wettbewerb, wird als neue Herrscherin installiert und gibt den Weg dafür frei, dass die Bewohner des Systems wieder die Galaxis in ihrer ganzen unermesslichen Größe und Mannigfaltigkeit durchstreifen können.

Der unglaublichre PlanetNach dieser farbenprächtigen Serie, bei der der Einfluss Kneifels unübersehbar ist und die von Lesern auch mit Werken von Jack Vance verglichen wurde, kamen die „Morconen-Trilogie“ (später als „Fährte nach Andromeda“ nachgedruckt) und der Dreiteiler „Adventures, Incorporated“. Beide Kurzserien wurden wieder mal nicht handlungschronologisch publiziert, obwohl die Bände relativ kurz hintereinander erschienen. Besonders hinweisen möchte ich auf Terrids Roman „Revolte auf Ssalleh“, der zum Dreiteiler „Adventures Incorporates“ gehört. Der Roman erschien 1974. Drehen Sie mal die Namen des Planeten Ssalleh mit seiner Hauptstadt Netha um! 1974 war nach dem Putsch in Zypern und dem darauf folgenden Einmarsch der Türken auch das Ende des Obristenregimes in Griechenland. Die Griechenland-Anklänge im Roman sind nicht zu übersehen. Für mich war das besonders interessant, weil ich Ende Juni 1974, wenige Wochen vor dem politischen Umsturz in Griechenland auf Maturareise (in Österreich der Ausdruck für Abitur) war.

Der unglaublichre PlanetDann war Terrids Hauptwerk außerhalb der Verlagsserien an der Reihe: die lang laufende Serie um die „Time Squad“, die es in einem Zeitraum von sieben Jahren auf immerhin einundzwanzig Bände in Terra Astra brachte. Es geht dabei um eine Sonderabteilung der Polizei des Terrestrischen Bundes, die Verbrechen mit Hilfe einer Zeitmaschine aufklärt und dabei gegen eine mächtige Verbrecherorganisation kämpft. Die Time Squad kann anfangs ihre Polizisten nur körperlos in die Vergangenheit schicken, wo sie im Körper anderer Menschen die Vorgänge beobachten und die Daten an die Kollegen in der Gegenwart zur weiteren Bearbeitung weiterleiten. Bei ihren Einsätzen reisen die Polizisten in verschiedene Epochen der irdischen Vergangenheit. Im ersten Roman der Serie wird der Polizist Tovar Bistarc für „Die Zeitschwadron“ rekrutiert, weil ein aufmerksamer Kollege feststellt, dass Tovar sich blitzschnell das Kennzeichen des den Unfall verursachenden Fahrzeugs gemerkt und außergewöhnlich gut reagiert hat. Die Zeitschwadron benötigt solch außergewöhnliche Mitarbeiter, und so wird Tovar nach einem Aufenthalt im Trainingscamp bald zu seinem ersten Auftrag in die Vergangenheit gesandt, um dort den wahren Schuldigen für einen Justizirrtum zu finden, der einen Unschuldigen an einem Mord lebenslang hinter Gitter gebracht hat. Nach den erfolgreichen Recherchen, bei denen sich auch sein neuer Kollege Maipo bewährt, haben sich die beiden einen Urlaub verdient:

„Damit hat die Affäre Wood erst einmal ein Ende gefunden“, stellte Slayter fest. „Angesichts der Schwierigkeiten, die Sie hatten, bewillige ich Ihnen Urlaub. „Wie lange?“ „Unbegrenzt“, beantwortete er Maipos Frage. „Das heißt, wenn ich Sie nicht zu einem früheren Zeitpunkt dringend brauchen sollte.“ Ich wußte, was das hieß. „Bis morgen also, Chef!“

zitiert aus: Peter Terrid: Die Zeitschwadron, Terra Astra 282, 1977

Der unglaublichre PlanetBald stellt sich heraus, dass die Zeitschwadron einen organisierten Gegner haben muss, der über beträchtliche finanzielle Mittel verfügt und eine fortschrittlichere Technologie verwendet, denn im Gegensatz zu den Polizisten können die Verbrecher Personen auch körperlich in der Zeit vor- und zurücktransportieren. Tovar wird mit einem der Gegner, dem Zeit-Zauberer Valcarel, konfrontiert. Mit der Weiterentwicklung der Handlung legt die Time-Squad ein Versteck in der fernen Zukunft an, wo eine kleine Reserveeingreiftruppe stationiert wird. Der Verdacht, dass es sich bei der geheimnisvollen Organisation der Gegner um Außerirdische handelt, bestätigt sich. Die Zeitpolizisten müssen gegen die OBEREN kämpfen, die aus einem anderen Universum stammen, und bekommen es dann auch mit weiteren außerirdischen Spezies zu tun. Durch den erfolgreich ausgeführten Auftrag, das Reich Glyssaan zu gründen und damit ein Gleichgewicht im Universum zu erreichen, wird mit Band 21 der Serie zwar ein einigermaßen runder Abschluss der Serie erreicht, aber die Arbeit geht nie zu Ende, denn „der Time Squad stand noch eine harte Zukunft bevor“ (Das Zeit-Imperium, Seite 64).

Der unglaublichre PlanetTerrid hatte Pläne, die Serie überarbeitet neu aufzulegen und fortzuführen, konnte diese aber aufgrund seines unerwartet frühen Todes nicht verwirklichen. Gewisse Parallelen zu Poul Andersons Zeitpatrouille, Andre Nortons Zeitagenten und H. Beam Pipers Parazeit-Stories sind bei der Time Squad nicht zu überlesen. Auch in einem innovativem Genre wie der Science Fiction ist die Anzahl der Themen begrenzt. Terrid wurde auch als Serienautor bei den Pabel-Stammserien Perry Rhodan, Atlan, Dragon und Mythor eingesetzt. Seine Romane waren bei den Lesern beliebt, beim Verlag seine chronische Unpünktlichkeit bei der Abgabe seiner Manuskripte weniger, was ihm auch einige Jahre Pause in der Produktion des Erben des Universums einbrachte. Der Terranische Club Eden würdigte den viel zu früh verstorbenen Autor und sein Werk mit einem liebevoll zusammengestellten Gedenkband, in dem unter anderen auch ein umfangreicher Episodenführer über die „Zeitschwadron“ enthalten ist.

Der unglaublichre PlanetTerrids Kollege Horst Hoffmann (geb. 1950) schrieb mit dem Fünfteiler „Ring der Universen“ in Terra Astra einen spannenden Zyklus für Space Opera-Freunde. Der erste Band „Die Spur der Totenschiffe“, der als Einzelroman konzipiert worden war, wurde vom Lektor G. M. Schelwokat sehr gut aufgenommen, und Hoffmann erhielt den Vorschlag, ihn zu einem kleinen Zyklus auszubauen. Die junge Frau Christine und der sechzehnjähriger Junge Skip werden von einem UFO entführt, Harry Vanderbuilt und Christopher Reed, zwei amerikanische Luftwaffenpiloten von einem anderen. Zusammen werden sie in einem Walzenraumschiff, das zu einer Flotte von Hunderten Schiffen gehört, zu einem unbekannten Ziel im Kosmos verschleppt. An Bord des Raumschiffes finden sie einen verwirrten alten Mann und sonst nur die sterblichen Überreste der Schiffsbesatzung. Sie bekommen Flecken am Körper als Vorboten einer unbekannten Krankheit, die möglicherweise auch die Besatzung davongerafft hat. Die Flotte erreicht einen fremden Planeten, auf dem sie mit einem Beiboot landen. Dort geraten sie in einen Kampf zwischen zwei Gruppen von Einheimischen. Diese können sich mit Gedankenbotschaften mit den Erdmenschen verständigen. Jahrtausende hatten sie auf dem Planeten Loord als Wächter der UNSTERBLICHEN gedient, bis es zu einem Bürgerkrieg kam, die Unsterblichen aus ihrem Schlaf gerissen wurden und flohen. Eine Seuche brachte den meisten Menschen den Tod, die Unsterblichen hatten aber ein Serum, das sie zur Welt Caalis mitnahmen. Drei Loorden fliegen mit den Menschen, die sie für Brüder der Unsterblichen halten, nach Caalis, denn die Krankheit schreitet fort. Der alte Mann, der mit ihnen unterwegs ist, gewinnt sein Gedächtnis zurück. Er ist einer der Loorden, die mit der Riesenflotte Leben im Universum, darunter auch auf der Erde verbreitet hatten, und einer der wenigen Immunen, die die Seuche überlebt hatten. Auf der Erde gestrandet, hatte er dort Jahrhunderttausende verbracht und das Gedächtnis verloren. Im Psychoduell mit dem letzten noch auf Caalis verbliebenen Unsterblichen, der vom Wahnsinn gezeichnet ist und knapp vor dem Tod steht, kann er diesen davon überzeugen, den Terranern das Serum gegen die Seuche zu überlassen. Mit Hilfe des Alten, der ihnen ein Raumschiff zur Verfügung stellt, kehren die Freunde zur Erde zurück und können die auch dort ausgebrochene Seuche besiegen.

Der unglaublichre PlanetZwanzig Jahre später fliegen sie auf der Suche nach ihrem Freund, den Alten, wieder nach Caalis. Sie benötigen seine Hilfe, denn es ist den Menschen noch nicht gelungen, den Überlichtantrieb des ihnen überlassenen Raumschiffes zu enträtseln und für die Produktion weiterer Raumschiffe nachzubauen. Dabei geraten sie in die „Invasion aus dem Dunkel“, denn ein monströses Wesen, das aus der negativen Seite der Evolution entstanden und nach einem erbitterten Kampf in eine andere Dimension verbannt worden war, ist durch die Öffnung der Brücke zwischen den Universen nach Caalis eingedrungen. Der alte Unsterbliche ist auf der Flucht vor dem Monstrum. Auf der Suche nach ihm landen die Freunde im anderen Universum, wo sie in der „Stadt der Gläsernen“ Verbündete finden, die gegen die negative Urmacht kämpfen. Sie können zurückkehren und verbringen Monate in einem Raumschiff über Caalis auf Wache. Christine wird nach kurzer Schwangerschaft Mutter von Cera, dem „Kind des Universums“, das sich unglaublich schnell entwickelt und enorme Geisteskräfte aufbaut. Das N'ADOHKAN, ein Konzentrat der Lebensenergie des Universums, erwacht und nimmt den Kampf gegen das Monstrum auf. Durch einen Eingriff in der Vergangenheit stabilisiert sich die Zukunft und das Monstrum wird besiegt. Die Freunde bleiben „Die Wächter von Caalis“, bis die Lebenssphäre, die im Kind Cera reinkarniert hatte, den Ring der Universen wieder öffnet.

Das war ein wirklich großartig angelegter Zyklus, in dem der junge Autor allerdings wie manch anderer Kollege bei der ersten eigenen Serie ein Feuerwerk an Ideen hineingepackt hat, die dann, den Gesetzen der Heftproduktion entsprechend, nur sehr kurz abgehandelt werden konnten. Interessant, dass der Ring in der Terra Astra-Reihe zeitlich überlappend mit einer Neuauflage vom „Vermächtnis der toten Augen“ erschien. Im Vergleich der beiden Zyklen sieht man deutlich, wie sich im Zeitraum zwischen den jeweiligen Erstpublikationen der Schreibstil (nicht nur durch die unterschiedlichen Autoren bedingt) weiterentwickelt hatte. Der gesellschaftliche Umbruch war gerade zwischen der ersten Hälfte der sechziger und der zweiten Hälfte der siebziger Jahre besonders krass, wie wir wissen, und das lässt sich auch in der SF-Literatur deutlich erkennen.

Der unglaublichre PlanetBald bekam Hoffmann auch das erste Atlan-Exposé (auf dem Titelbild der „Wächter von Caalis“ wurde er bereits als Atlan-Autor bezeichnet), und so war der Weg zu Perry Rhodan vorgezeichnet, wo er Jahrzehnte mitarbeitete, unter anderem einige Jahre als PR-Redakteur und als Bearbeiter der Silberbände. Berühmt-berüchtigt wurden seine Perry Rhodan-Romane mit den Nummern 1111 und 2222. Besonders mit ersterem überraschte er das Lektorat, das von der Satire alles andere als begeistert war. Der Roman war aber von Hoffmann (absichtlich?) so spät abgegeben worden, dass kein Ersatz mehr möglich war, und so wurde das Meisterwerk unter hörbarem Zähneknirschen einiger Leute in Druck gegeben. Die Konsequenz davon war allerdings, dass Hoffmann etliche Jahre bei Perry Rhodan als Autor nicht mehr zum Zug kam. Mit dem Zweiteiler um „Die Galaktische Rallye“ und „Tollhaus Galaxis“ in Terra Astra, der später im Blitz Verlag in einem Sammelband nachgedruckt wurde, strapazierte er ebenfalls die Lachmuskeln der Leser. Die beiden Bände wecken Erinnerungen an den Film „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“. Der berühmt-berüchtige Oberst Julius von Wolkenheim, der schon mehrmals sein Raumschiff PRIDE OF TERRA zu Bruch geflogen hat, wird als Vertreter der Menschheit in einer galaktischen Rallye gewählt, die entscheiden soll, welche Spezies die beste und tüchtigste ist. Hauptkonkurrenten bei den Extraterrestriern sind die Kul-Uys, die mit der BOTTLE OF BEER im Rennen sind. Diese trinkfesten Außerirdischen sind deswegen so gefährlich, weil sie ihr Schiff mit einem Wundertreibstoff, nämlich reinem Alkohol, befeuern. Die Formel für den Treibstoff hatten sie mal den Terranern geklaut. Die anderen wackeren Mitbewerber wie die Treehs und Knastorianer sind auch nicht zu verachten, und jedes Volk hat die Möglichkeit, eine tückische Falle für die anderen vorzubereiten, um sie auf ihrem Flug zum möglichen Sieg aufzuhalten.

Ag-Hhf fühlte sich großartig. Zwar lag er platt wie eine Flunder auf dem harten Boden des Vorratsraumes, aber sein vom Alkohol umnebeltes Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Er hatte nicht ein, sondern drei Hektoliterfässer in den Trichter geleert, der in den Antriebsraum mündete. Trotzdem rührten die Moyo-Talas sich nicht. Die vertragen eben nichts, dachte Ag-Hhf. Ganz im Gegensatz zu mir. Ag-Hhf rollte ein weiteres Faß heran und ließ das Bier über seinen Körper fließen. Überall bildeten sich Saugnäpfe, die die edle Flüssigkeit aufnahmen. Ag-Hhf blähte sich auf wie ein Schwamm. Allerdings preßte die immense Schwerkraft die Flüssigkeit sofort wieder durch unzählige Poren aus seinem Körper heraus. Und das war so ziemlich das Schlimmste, das Ag-Hhf sich vorstellen konnte. Er trank literweise, ohne in den vollen Genuß des edlen Gebräus zu kommen. „Verdammtes Schwarzes Loch!“ stöhnte der Versorgungsoffizier.

Plötzlich war es ihm, als ob er eine wispernde Stimme vernähme. „So betrunken kann ich doch noch gar nicht sein“, gluckste es aus ihm heraus. „Zeige dich, sonst werde ich ungemütlich.“ Ag-Hhf war so berauscht, daß er seine hoffnungslose Situation gar nicht mehr richtig wahrnahm. Der Alkohol nahm die Schmerzen. Trotz der ungeheuren Gravitation fühlte sich Ag-Hhf leicht und beschwingt. Wieder hörte er die Stimme. Sie entstand mitten in seinem Gehirn. Ihr Narren! sagte sie. Wie dumm und hilflos ihr doch alle seid. Ich lese all eure Gedanken, eure und die der anderen Gefangenen. Niemand wird mir entkommen, niemand, hörst du? Ich lasse mir die Beute nicht entreißen! Ag-Hhf wurde hellhörig. Beute? Entreißen? In diesem Augenblick kam ihm eine Erleuchtung. „Du … du … (hick!) … bist doch nicht etwa …?“. Genau, Armseliger. Ich bin das, was ihr Unwissende das Schwarze Loch nennt!

zitiert aus: Horst Hoffmann: Die galaktische Rallye, TA 363, 1978

Das ist Brachialhumor, der einen starken Magen und eine topfite Leber erfordert. Jedenfalls war es „der verrückteste Roman, der je in TERRA erschienen ist“ (G. M. Schelwokat). Hoffmann erwarb sich auch Meriten als Mitautor an der Orion-Serie, besonders mit den Jugendabenteuern der Crew um Cliff McLane, die wir uns in Folge 27 näher ansehen werden.

Der unglaublichre Planet

Wolfgang Kehl (geb. 1954) begann seine schriftstellerische Karriere unter mehreren Pseudonymen in der Zauberkreis SF-Heftreihe und unter dem Pseudonym Arndt Ellmer, das ihn später als Perry Rhodan-Autor bekannt machte, in Terra Astra, wo er neben Einzelromanen und dem Zweiteiler über den Planeten Louden besonders mit dem zehnteiligen Zyklus über die „Sternenkinder“ auf sich aufmerksam machte. Das scheint auch seine Gesellenprüfung als serientauglicher SF-Schriftsteller gewesen zu sein, denn diese Serie erschien 1981/82, und ab „Experiment Black Hole“, dem vierten Band der Serie, wurde er auf der Titelseite des Romans als Atlan-Schriftsteller erwähnt. Bereits 1983 kam Ellmer ins Perry Rhodan-Team, dem er seither angehört. Leider kann ich zum Inhalt der Serie nichts berichten, weil ich sie nicht gelesen habe und die Hefte nicht besitze. Ein Kandidat für eine Neuveröffentlichung?

Der unglaublichre PlanetPeter Griese (1938 – 1996) nahm den für viele Autoren im SF-Genre typischen Weg vom Fan und Leserbriefschreiber über die Produktion von Kurzgeschichten bis zum professionellen Autor. Auffallend war, dass er erst im vergleichsweise hohen Alter von fast vierzig Jahren schriftstellerisch aktiv wurde. Er schrieb an den Perry Rhodan-Taschenbüchern und an der Atlan-Heftserie mit, für die er in ihrer späteren Phase auch zum Exposéautor aufrückte. Bei Perry Rhodan betreute er neben der Mitarbeit als Romanautor nach dem Tod des Chefphysikers Kurt Mahr die Rubrik „Perry Rhodan Computer“ und einige Zeit den „Perry Rhodan-Report“. Für den studierten Elektrotechniker war Science Fiction ein fast natürliches Interessensgebiet. Beiträge von Griese konnte man bereits auf den Leserkontaktseiten von Perry Rhodan und Terra Astra lesen, in Terra Astra konnte er auch seine ersten professionellen Werke unterbringen. Dort veröffentlichte er neben drei Kurzgeschichtensammlungen und zwei serienunabhängigen Romanen sieben Romane um die SEDOR-Agenten, die für die Verteidigung der „Planets of Sol“ (POS) aktiv sind. Protagonisten der Serie sind Thor Delgado und seine Frau Liz mit dem Raumschiff ZAMAMPHAS und ihrer Crew. Die Romane wurden allerdings nicht als Serie gekennzeichnet und haben vielleicht auch deshalb kein größeres Echo bei den Lesern hervorgerufen.

Den Abschluss dieses Artikelfolge ist zwei Autoren gewidmet, die aus ähnlichen Gründen nur ein kurzes Gastspiel beim „Erben des Universums“ hatten. Der eine davon ist Konrad Schaef (geb. 1937), der sich mit Conrad Shepherd ein geniales Pseudonym zulegte. Dieses ist einerseits eine Anglisierung seines bürgerlichen Namens, andererseits die Aneinanderreihung der Namen der zwei amerikanischen Astronauten Charles Conrad und Alan Shepherd, die in den sechziger Jahren Weltraumeinsätze bei der NASA hatten. Weniger genial war sein kurzer Auftritt bei Perry Rhodan mit drei Romanen in den frühen Bänden des M87-Zyklus. Obwohl die Romane vom Publikum gut aufgenommen wurden, kam Schaef dem mächtigen Chefautor Karl-Herbert Scheer in die Quere. Was war geschehen? Lassen wir den Rausgeworfenen selbst zu Wort kommen:

„Schade! Aber was ich damals nicht wußte, war, daß es Autorenkollegen gab, die sich so vorbehaltlos mit PERRY RHODAN identifizierten, daß es schon einem Sakrileg gleichkam, wann man – wie ich es getan habe – der gloriosen CREST IV ein paar defekte und deshalb nicht hundertprozentig arbeitende Generatoren andichtete. Und wenn man gar einen Bordingenieur, einen „Spitzenkönner“ also, als Versager skizzierte, nur weil der den Fehler in seinen Generatoren nicht findet, das schlug wohl dem Faß die Krone ins Gesicht – oder so. Meines Wissens lesen die Käufer von PR so etwas mit weitaus größerem Vergnügen als den vordergründigen Techno-Realismus, der den handelnden Personen die Menschlichkeit abhanden kommen läßt. Irritiert hat mich lediglich die Ausschließlichkeit, mit der einem plötzlich alle Türen im Verlag versperrt wurden. Wen habe ich tödlich beleidigt?“

zitiert aus: Conrad Shephard: Mein Abenteuer PERRY RHODAN;
in: Horst Hoffmann (Hrsg.): Perry Rhodan Werkstattband, Arthur Moewig Verlag, Rastatt 1986

Der unglaublichre PlanetEs kam zu keiner dauernden Mitarbeit mehr, Schaef schrieb im Lauf der späteren Jahre aber noch jeweils drei PR-Taschenbücher und Atlan-Romane sowie einen Perry Rhodan Space-Thriller. Er war auch für andere SF-Serien wie Checkpart 2000 und die Ren Dhark-Buchausgabe aktiv. Für die Terra-Reihe lieferte er mit „Geheimagent der Erde“ und „Attentat aus dem Weltraum“ zwei zusammengehörende Romane ab, die den Auftakt für eine größere Serie von insgesamt sieben Bänden bilden sollten, aber die keine Gnade in den Augen von Moewigs Cheflektor Günter M. Schelwokat fand. Von Heinz Mohlberg wurden die beiden Bände für die Reihe „Utopische Welten Solo“ unter dem Namen „Die Terra-Chroniken“ wieder ausgegraben. Heinz Mohlberg spekuliert in seinem Vorwort zu dieser Ausgabe über die Gründe, warum die Serie in der geplanten Form nicht akzeptiert wurde. Mir erscheint es dagegen plausibel, dass die oben erwähnte Geschichte auch hier die entscheidende Rolle gespielt hat, denn die beiden Romane kamen genau im gleichen Zeitraum 1967/68 wie Shepherds drei Perry Rhodan-Hefte heraus.

Der unglaublichre PlanetHarvey Patton (alias Hans Peschke, 1923 – 1994) war derjenige Autor, der mit nur einem Band den Negativrekord des Perry Rhodan-Autors mit am wenigsten Heftveröffentlichungen in der großen Serie aufstellte. Er verscherzte sich das Wohlwollen der Redaktion mit Kritik am Exposé, das er zu einem Roman auszuarbeiten hatte, wurde aber dann immerhin in der Atlan-Serie weiter eingesetzt, wo er für etwa 30 Romane verantwortlich zeichnete. Er war auch ein fester Bestandteil der vier „H“, die etliche Jahre lang die Orion-Serie fortschrieben. Begonnen hatte er seine Schriftstellerkarriere in den fünfziger Jahren mit SF-Leihbüchern und einigen weiteren Einzelromanen in Heftserien und war auch Mitautor von „Raumschiff Promet“, bevor dieses bei der Katastrophe auf Bankor sein Ende fand. In der Terra Astra-Reihe veröffentlichte mit seiner „Garal-Trilogie“ eine kleine Serie, in der es um die die Besatzung des Raumschiffes ARLENE geht, das auf dem Planeten Garal nach Beschädigungen durch einen Strahlensturm notlanden muss. Die „Zwerge von Garal“ empfangen die Schiffbrüchigen wie Götter, aber nachdem auch diese durch den Einfluss einer Schrumpfstrahlung so klein wie die Einheimischen werden, verlieren sie ihren Götterstatus und müssen die Feindseligkeiten der Priesterkaste ertragen. Die Terraner kämpfen sich durch „Das Labyrinth des Schreckens“, bevor sie im „Berg der Götter“ die Rätsel lösen und den Menschen des Planeten den Weg in die Zukunft zeigen.

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-01-26 12:33
Ich glaube, der einzige Autor, von dem ich mal ein TA gelesen habe, war Griese, weil ich seinen Atlan mochte - was nach der superöden Voltz/Sydow-Ära nach 500 allerdings auch nicht schwer war. Aber dieser Einzelroman erfüllte irgendwie die Definition von Blah.

Den Rest habe ich schon bei PR nie sonderlich gemocht und hätte nie nach deren Romanen gegriffen. Schelwokats Autorenschmiede - so sehr sie zweifellos heute auch fehlt - hatte vielleicht auch den Nachteil, dass sie die Autoren in ein offenbar enges Korsett presste. Keiner der Genannten hat einen besonders eigenständigen Schreibstil entwickelt, wie ihn zum Beispiel Scheer, Mahn, Gehrmann oder Kneifel hatten.

Aber das ist natürlich auch eine Frage des Genres. Ritters KX zb sind nichtssagend gewesen, seine Gaslichter waren prägnanter erzählt und besser als die der meisten üblichen Verdächtigen. Die lagen ihm wohl. Von seinen Rhodans sind mir nur seine letzten in Erinnerung geblieben, weil er da wohl ein Thema gefunden hatte.
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#2 Hermes 2017-01-27 16:17
Von Harvey Patton gibt es noch drei Bände um den "Detektiv der Sterne", die allerdings bei Zauberkreis erschienen sind.
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#3 Henry Stardreamer 2017-01-27 17:45
zitiere Hermes:
Von Harvey Patton gibt es noch drei Bände um den "Detektiv der Sterne", die allerdings bei Zauberkreis erschienen sind.


Weißt du, welche Bände das sind? Meine Artikelserie beschränkt sich zwar auf die in Utopia- und Terra publizierten Serien, aber ich wäre zur Vervollständigung meiner eigenen Kataloge auch an diesen interessiert.
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#4 Hermes 2017-02-01 21:21
Zitat:
Weißt du, welche Bände das sind?
Nr. 112, Nr. 253 u. 254. Wobei die 254 vorher schon als Andromeda 18 erschienen ist.
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