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Die Vampire und Dirk - Der Vampir-Horror Roman: Vampire unter uns

Dirk und die VampireDer Vampir-Horror-Roman
Vampire unter uns

Der Vampir-Horror-Roman ist eine Legende des Heftromans. Ich bin leider erst nach Einstellung der Reihe auf die Serie gestoßen und habe in den achtziger Jahren jede Menge davon gelesen.

Dreißig Jahre später wiederhole ich das Experiment Vampir-Horror-Roman lesen nochmals. Ob es immer noch gefällt?


Vampire unter unsVampire unter uns
von Hugh Walker (Hubert Straßl)
Vampir Horror-Roman Nr.1
12. September 1972 / DM 1,-

Pabel Verlag
Pet Mertens lässt seine Frau Martha von einem Detektiven beschatten, weil er sich sicher ist, dass sie ein Verhältnis hat. Er hört eine Männerstimme aus dem Schlafzimmer, die mit seiner Frau spricht. Aber beim öffnen der Tür ist niemand da, nur das Fenster steht offen.

Der Schnüffler Hammerstock und sein Co. beobachten einen rothaarigen Mann, der vom 6 Stock aus dem Fenster der Mertens zu Boden schwebt. Bei dem Unheimlichen handelt es sich um Willie Martin, Marthas verstorbenen Mann. Der Detektiv verfolgt ihn bis zum Friedhof in Elbenburg, wo er begraben liegt und verschwindet dann für einige Zeit. Sein Co. Witters macht sich  Gedanken um den Verbleib seines Chefs.

Natürlich kommt das den Mertens recht unheimlich vor, zumal Pet im Schlafzimmer einen Kassettenrekorder versteckte, auf dem aber nur Martha Stimme zu hören ist und eindeutige Geräusche des Beischlafes. Martha hatte sich damals sehnlichst ein Kind von Willie gewünscht. Den beiden kommt schnell der Gedanke, das der Ex-Mann diesem Wunsch auch nach dem Tod noch nachkommen möchte. Sie verdrängen den absurden Gedanken schnell wieder und versuchen zur Tagesordnung überzugehen, zumal Martha  schwanger ist. Auch Hammerstock taucht, bleich und wortkarg, wieder auf.

 Noch einmal belauscht Pet Mertens Martha und den Unheimlichen. Er verspricht ihr, nicht wieder zu kommen.  Das Versprechen hält  er auch ein.

Da Hammerstock nur noch selten (Nachts) auftauche, leitet  Witters jetzt die Detektei. Sein Chef klärt mysteriöse Mordfälle in Elbenburg auf. Wie seltsam!

Nach neun Monaten kommt das Kind zur Welt. Ein hässliches, kleines Ding mit den unverkennbaren Gesichtszügen von Willie Martin. Das war auch den Ärzten unheimlich. Eine Anomalie? Auch mit dem Blut des Kindes stimmt etwas nicht. Zudem hat es spitze Eckzähne. Ein kleiner Vampir!

 Die beiden Eltern sind nicht gerade scharf auf dieses kleine Monster und wollen es zur Adoption freigeben, doch wegen der Blutkrankheit kommt es in eine Spezialklinik, wo man dem Kleinen hilft. Obwohl das Baby unheimlich bleibt, gewöhnte sich die Mutter an den Gedanken, es doch zu behalten. Muttergefühle gewinnen die Oberhand. Sie gibt ihm sogar die Brust, muss aber aufpassen, dass sie nicht einschläft. Klein Willie nascht nebenbei noch  (die spitzen Zähne) von ihrem Blut. Alles scheint normal, bis Willie wieder krank wird. Bei einer Untersuchung wird kein Herzschlag festgestellt und er kommt wieder in die Klinik. Er verdaut Blut über seine Adern. Dann verschwindet das Balg. Gestohlen, entführt?

Den Mertens ist es schließlich egal, bis Martha wieder Symptome der Blutarmut zeigt. Das Kind hatte suggestive Fähigkeiten entwickelt und besucht seine Mutter des öfteren, wahrscheinlich mit Hilfe der anderen Vampire (Hammerstock?) Martha kommt in die Klinik und ist (fast) für den Rest des Romans in Sicherheit.

Dr. Felbermann der mit dem Fall medizinisch vertraut ist, will bei Pet Mertens mal nach dem Rechten sehen. Nach mehrmaligen Klopfen und Hämmern an der Tür öffnet dieser, völlig verdreckt und verwirrt. Mertens hatte den Arzt, nach einem Besuch bei Martha, gebeten, ihn heimlich zu beobachten, da er einen Anruf von einem Herrn Malasse bekommen hatte. Er vermutet eine Falle und das Malasse in Verbindung mit dem Verschwinden und dem Vampirismus steht. Er sollte recht behalten. Auch Malasse hat suggestive Fähigkeiten und bringt Mertens dazu, sich dem Kleinen Monster anzunehmen, ihm zu helfen und Schutz zu geben. Andernfalls würde die Rache der lebenden Toten furchtbar sein. Mertens wird, gegen seinen Willen, der Helfer des kleinen Vampirs. Er trägt ihn zu seinen Opfern und Willie wird immer hungriger.

In den Wachphasen bleibt Mertens mit Felbermann in Verbindung und benachrichtigt ihn, als er mit dem Kindervampir in seiner Wohnung allein ist. Sie wollen ihn wieder in die Klinik unter Verschluss bringen. Das merkt der Kleine aber und bringt Mertens auf seine Seite und das Ganze geht von vorne los. Irgendwann wacht Mertens wieder auf und findet Felbermann, mit Bisswunden am Hals, auf seinem Sofa. Mertens und der Vampir machen jetzt gemeinsame Sache gegen den Arzt und das Baby saugt ihn bis auf den letzten Tropfen aus. Und wieder fällt der Vorhang für Mertens... Wieder bei Bewusstsein will Pet jetzt den Vampir töten aber das misslingt, denn Willie riecht den Braten und saugt ihn nun, zwischen einigen Wach- und Schlafphasen, komplett aus.  

Mertens ist jetzt ebenfalls ein Vampir und wird, nach seinem Erwachen auf dem Friedhof in Elbenburg, in die Familie der Untoten aufgenommen. Zuerst wehrt er sich gegen sein Schicksal doch der Hunger nach Menschenblut wird größer.

Klein Willie hatte man in der Zwischenzeit wieder ins Labor gebracht und Pet soll ihn befreien.  Dabei hilft ihm seine Fähigkeit über Mauern zu springen bzw. zu schweben. Auf der Flucht wird das Vampir-Kind aber tödlich von den Kugeln der Polizisten getroffen, stirbt aber nicht ganz, sondern wird endgültig zu einem Vampir – war er doch vorher ein Zwitterwesen.  

Die Behörden nehmen den zunehmenden Vampirismus nun endlich ernst, und machten Jagd auf die Untoten. Die unheimliche Flucht mit dem Kind ( Pet Mertens hatte Sprünge von bis zu 18 Metern auf Lager) war dann doch eindeutig. Es geht  nicht mit rechten Dingen zu!  Ein Artikel in der Zeitung...Vampire unter uns, warnte die Bevölkerung und es wird eine Ausgangssperre verhängt. Die Vampire werden  selber zu gejagten. Pet Mertens gelingt immer wieder die Flucht vor den Menschen.

Nun kommt Malasse wieder ins Spiel und verleiht Mertens, ebenso wie Martin vorher, die Fähigkeit, sich zu vermehren. Endlich hat er ein Ziel: Martha!

Mir bleibt die Spucke weg.  Ein echt genialer Heftroman. Jetzt weiß ich, was mich an der Vampir-Serie damals so fasziniert hat. Das waren 64 Seiten voller Spannung und Tempo und ich glaube, dass ich nicht ein einziges Mal auf dem Lokus war.  Kein Wunder das Herr Bernhardt,  damals zuständig für die Horror-Serie bei Pabel, diesen Roman ankaufte und danach Probleme hatte, andere Exposes durchzuwinken.  

Straßl beschrieb die Vampire damals wie eine Gruppe Außenseiter, die am Leben teilhaben wollten, nach dem Motto: Sie trinken nur Blut, weil sie Hunger haben.

 Selbst nach dem Tod macht sich Mertens noch Gedanken, wie man mit den Menschen ins Geschäft kommen  könnte. Vielleicht kann man ihnen ihr Blut abkaufen oder gegen die Bereitstellung ihrer Vampir-Fähigkeiten tauschen? Transport von Einkaufstaschen in die 6 Etage z.B. Mit Menschen ist auf diesem Gebiet natürlich nicht zu verhandeln.

Als Mertens, zwar unter Einfluss, Opfer für den Kleinen sucht, kommen sogar Vatergefühle in ihm hoch. Bis er sich entschließt, den Mini-Vampir zu killen, haderte er lange mit seinem Gewissen, legt ihm sogar frische Windeln an. Natürlich hatte er die Warnung Malasses im Hinterkopf, war zum Teil aber noch Herr seiner Gedankenströme. Die Szenen in seiner Wohnung waren genial. Ich konnte förmlich riechen, wie der tote Dr. Felbermann so langsam flüssig wird.

Als am Ende die Menschen Jagd auf die Vampire machen und sie niederknüppeln und pfählen, entwickelte ich mich zum Vampirfreund. Das ganze erinnerte an die Hexenverfolgungen im Mittelalter., dabei ...wollen sie doch nur leben.  

Das Titelbild ist  übrigens von Karel Thole ( steht hinten im Impressum). Dracula, für mich sieht der Typ so aus, liegt in seinem Sarg in einer Gruft und pennt. Vor ihm steht eine Vampirin mit Schwangerschaftsbauch. Das unheimliche daran ist, dass die Lady direkt in den Pinsel des Malers schaut. Zu erwähnen wären noch die schönen Innenzeichnungen von Franz Berthold und das Horror-Lexikon. Warum fängt es eigentlich mit D- wie Dämonen und nicht mit A- wie Asmodi (oder so) an?            

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Kommentare  

#16 Toni 2015-08-04 16:17
Sehe ich genauso wie du Jürgen.
Der Hexenhammer war damals ein buntes Allerlei mit viel Humor und Spass an der Sache. Da kam es mir auf den letzten Schliff ( Info, Recherche) bei meinen Sachen nicht so an. :-) Wir waren halt jung.

Da ich aber 30 Jahre nichts mehr geschrieben habe, sind auf dem Gebiet bei mir die Uhren stehen geblieben.
Deshalb bricht mir ja auch manchmal der "Schweiß" aus, wenn ich die toll recherchierten Sachen im Zauberspiegel lese,
Danke trotzdem nochmal für die Rückendeckung! :lol: Ich höre jetzt auf zu jammern...

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