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Wat is denn een »Publikumspreis«? - Da stelle mer uns janz dumm

Zauberwort - Der Leit(d)artikelWat is denn een »Publikumspreis«?
Da stelle mer uns janz dumm

Die Phase der Preisfindung beim Deutschen Phantastik Preis (DPP) hat begonnen. Das ist ein Publikumspreis. Ein Publikumspreis? Wat is dat denn? Stellen wir uns mal ganz dumm ...

Ein Preis - in diesem Kontext - ist etwas, dass man gewinnen kann. Ein Publikum ist eine nicht näher definierte Masse.


Zuerst ... Ein Exkurs ... Gut, der DPP wird jetzt nicht mehr auf dem BuchmesseCon vergeben, sondern etwas mehr als einen Monat früher auf der Phantastika. Und letztlich gibt es bei der Phantastika und den Ausrichtern ein paar nicht gelungene Dinge in Zusammenhang mit dem DPP, so taucht ein Western-Comic in der Liste auf und bei den Hörbüchern wird nicht wie bei Büchern zwischen deutschen Originalen und Übersetzungen getrennt. Marginalien, die in den kommenden Jahren einige Justierungen verlangen. Aber da kommen auch Ungerechtigkeitsvorwürfe, mangelnde Transparenz auf und das wohl das Publikum ungenügend eingebunden sei. Auch der Song, ›ich will ja keine Preise, aber ...‹ findet neue Interpreten. Alles Gründe mal aus Umzugsvorbereitungen und anderen Dingen auszusteigen und mal wieder einen ›Leit(d)artikel‹ zu verfassen (und ein paar Fragen an die Phantastika zu richten - die Antworten demnächst auf diesem Server) - Exkurs Ende ... Zurück zum Publikumspreis.

Publika (ja, das ist der Plural, ich habs nachgeschlagen) gibt es viele. Blicken wir auf den Fußball. Auf Kreisebene finden sich etwa 20 - 100 (zahlende) Menschen ein, um doch eher grobmotorigen Kickern beim Bearbeiten des Balls und des Platzes zuzusehen. In der Bundesliga oder internationalen Wettbewerben sind es (im Stadion) zehntausende, die gut bezahlten und besseren Fußballern beim Spiel zusehen. Ich war auf Konzerten mit weniger als fünfzig zahlenden Zuschauern und ich habe mit mit vielen tausend anderen den Rolling Stones im Stadion zugejubelt. Im Falle des Konzerte sagt die Besucherzahl noch nicht einmal etwas über die Qualität der Musik aus. Und beim Fußball kann man zumindest sagen, dass die Spannung beim Spiel auf Kreisligaplätzen nicht unbedingt der in einem Bundesligaspiel nachstehen muss.

Der DPP ist ein Preis, der in unterschiedlichen Medien publiziertes Phantastisches honoriert. Er ist ein Publikumspreis, wird also durch Abstimmung des Publikums verliehen ...

Moment mal. Ein Abstimmung des Publikums. Erinnern wir uns an den Fußball. Da reicht die Spannweite des Publikums von nahe 0 (auf dem Sportplatz) bis zu knapp unter 100.000 (im Stadion). Wie sieht es denn mit dem Publikum aus. Bei den Büchern sieht es doch wohl ähnlich aus. Hohlbein, Eschbach, Heitz, Meyer - Das sind Autoren mit Startauflagen von mehreren zehntausend Exemplaren (auch im Hardcover) und die hätten sie nicht, wenn sich die Dinger nicht ansatzweise verkaufen würden. Und selbst die weniger großen Namen, die in großen Verlagen publizieren haben Startauflagen von mehreren tausend Exemplaren.

Da verwundert es doch ein wenig, dass Bücher in die Long- und Shortlists kamen, die aus Verlagen stammen, deren Startauflagen weniger als tausend Exemplare betragen. Es gab sogar Gewinner aus diesem Bereich. Da stellt sich dann zunächst einmal eine Frage: Wie groß mag das abstimmende Publikum denn sein? Wieviele Menschen stimmten denn (in den unterschiedlichen Runden) ab? Denn wenn ein breites Publikum abstimmt, dass die - nennen wir sie mal - exotischen Erzeugnisse aus kleinen und kleinsten Verlagen oder gar von Selfpublishern gar nicht kennt (kennen kann), dann haben wir designierte Gewinner. Ein Hohlbein, Heitz, Eschbach, Meyer sollte jedes mal gewinnen. Perry Rhodan gehört auch zu den Gesetzten bei den Serien, denn auch da sind die Verkaufszahlen eher jenseits der 50.000. Das hat nicht unbedingt etwas mit Qualität zu tun, sondern mit der Quantität der abstimmenden Leser.

Also ist das Publikum - nimmt man den Fußball zum Maßstab - dann von der Anzahl eher auf Landesliga denn auf Länderspielniveau. Es muss sich also, nimmt man die Startauflagen mancher der Preisträger zum Maßstab, eher um ein hochmotiviertes Fachpublikum als ein Massenphänomen handeln. Ich glaube nämlich nicht, dass viele die Heitz, Meyer, Eschbach goutieren sich im Falle einer Abstimmung darum bemühen würden auch die Nominierten aus kleinen Verlagen bestellen und lesen würden, nur um objektiv entscheiden zu können.

Was also heißt das für den DPP? Es ist ein Nischenpreis, dessen breite Wahrnehmung sich vor allen Dingen dann auf Aufkleber beschränkt, die besagen, dass dieses oder jenes Werk eben diesen Preis gewonnen hat. Das war es dann auch. Die meisten wissen nicht (und wollen es auch gar nicht) wie dieser Preis zustande kommt. Das ist es dann auch.

Zum einen ist es löblich, dass die Phantastika sich in den folgenden Jahren bemühen wird, dass dieser Preis eine höhere Publikumswirksamkeit erhalten wird. Aber das könnte für die Titel aus nicht so großen Verlagen mit eher kleinen Auflagen bedeuten in so manchem Bereich aus den Listen (Long und Short, ebenso aus der Preisträger) zu verschwinden, weil eben ein breiteres Publikum zum Schwur bzw. zur Abstimmung gerufen wird und es diesem Ruf mglw. dann auch folgt. Das ist dann Aus für die Kleinen. Darüber muss man sich im Klaren sein. Bei Startauflagen von wenigen hundert Exemplaren hat man dann keine Chance gegen Autoren mit Auflagen von 50.000 und mehr zu gewinnen. Oder glaubt das irgendwer?

Ich denke auch, dass es da keinen wirklich gerechten Weg geben wird, diesen Preis auszuloben. Hat es nie - wird es nie. Man kann sicherlich bei der Auswahl der Longlist auf Fachblätter zurückgreifen, aber das wird die Produkte vieler kleiner Verlage auch nicht in die Siegerlisten bringen, wenn ein breites Publikum (sagen wir mal - nur um eine Zahl zu nennen - ein Menge von mehr als 10.000 Personen abstimmt. Dann werden die Titel gewinnen, die von der Mehrzahl der Abstimmenden auch zur Kenntnis genommen wurden.

Es wird auch nichts bringen, die Preise in noch mehr Kategorien zu vergeben oder in groß und klein zu trennen. Das endet dann so wie dein Grammys. Da gibt es dann viele Nischen und eine endlos aufgeblähte Zeremonie, so dass man auf der Phantastika jeden Abend in jeweils mehrstündigen Galas die Preise vergeben kann.

Und Intransparenz? Gunter Arentzen singt seit ewigen Zeiten das Lied der Intransparenz wie die Longlists zustande kommen. Da war nie wirklich Transparenz. Es gab nie Zahlen weder prozentual noch absolut zu den Ergebnissen. Und kaum einen hats gestört. Warum jetzt? Mir ist das ein Rätsel.

Wie viele der Reaktionen auf den DPP bei der Phantastika zeigen, stehen die Veranstalter vor einem magischen Vieleck unterschiedlichster Interessen und Wünsche. Ihnen wird es nicht gelingen, all diesen Wünschen und Ansprüchen gerecht zu werden. Die Ausrichter können nur eines tun: Ihren Ablauf optimieren und den Preis prominenter zu machen und sich ansonsten ein dickes Fell zulegen.

Und natürlich einfach weitermachen ...

Kommentare  

#1 Hermes 2017-03-12 09:18
@ Horst

Ich denke, Du hast die Problematik auf den Punkt gebracht.
Zitat:
Ich glaube nämlich nicht, dass viele die Heitz, Meyer, Eschbach goutieren sich im Falle einer Abstimmung darum bemühen würden auch die Nominierten aus kleinen Verlagen bestellen und lesen würden, nur um objektiv entscheiden zu können.
Mhm, da gehöre ich dann zu den wenigen, die sich tatsächlich Bücher bestellen, um einigermaßen objektiv urteilen zu können.

Zitat:
Ich denke auch, dass es da keinen wirklich gerechten Weg geben wird, diesen Preis auszuloben.
Ich sehe das so, dass der Preis gerade für die kleinen Verlage die Möglichkeit ist, auf ihre Nischenprodukte aufmerksam zu machen. Und die großen dürfen mit dem Aufkleber werben.
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