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Die Söhne des Nordwindes

StoryDie Söhne des Nordwindes

Ein gälisches Märchen von den Western Isles in Schottland

Nicht umsonst sind gälische Märchen beliebt, ebenso wie die keltische Mythologie eine große Reihe von Bewunderern und Anhängern hat. Sie atmet etwas Bodenständiges, Natürliches, das einen mit der Welt um einen herum zu verbinden scheint.

"Na h-Eileanan Siar", dies ist der gälische Name für die Äußeren Hebriden, ein Inselstrang von etwa 3.000 km2 im Nordwesten von Schottland. Wieviele Inseln es nun eigentlich sind hängt entscheidend davon ab, ab wann man eine Insel nicht mehr nur als einen Felsen bezeichnet, der aus dem Wasser ragt.

Einsam gelegene Inseln, wenig Einwohner, sturmumtost, im Westen nichts als der weite Atlantik. Es ist eine Gegend, in der Sagen und Märchen entstehen.


Die Bezeichnung "Hebriden" geht auf den griechischen Historiker Diodorus Siculus zurück, der 55 vor Christus eine Insel namens "Hyperborea" beschrieb. Hyperborea bedeutet "weit entfernt im Norden". Aber auch Plinius und Ptolemäus erwähnen eine solche Inselgruppe - ein Hinweis darauf, dass es damals bereits Kontakt mit den Mittelmeerkulturen gab.

Der Nordwind hatte drei Söhne. Diese Söhne des Nordwindes wurden "Weißfuß", "Weißflügel" und "Weißhand" genannt. Als Weißfuß , Weißflügel und Weißhand aus ihren unsichtbaren Welten zum ersten Mal in unsere Welt kamen, waren sie so schön, dass jeder Sterbliche, der sie erblickte, sterben musste. Und alle anderen, die es nicht wagten, sie anzusehen, flohen vor Angst in die Wälder oder an geheime Orte. Als das die drei Söhne des Großen Clanherren, denn so nannte man den Nordwind auch, bemerkten, dass sie für die Augen der Erdgeborenen nicht zu ertragen waren, zogen sie sich hinter die Tore des Sonnenuntergangs zurück und baten Ollathair, den Allvater, um Hilfe.

Schließlich kehrten sie durch die Tore der Morgenröte zurück, und als sie dies taten, waren sie unsichtbar für die Menschen, und seit diesem Tag, in all den Jahren, die seitdem vergangen sind, hat kein Auge eines Sterblichen sie mehr zu Gesicht bekommen.

Woher, magst du nun fragen, weiß man um sie, die Söhne des Nordwindes? Sie sind seit alten Zeiten bei den Menschen bekannt, und wir können sie in den weißen Fußtritten sehen, wenn man in den Wellen des Meeres geht; und wir sehen sie in dem weißen Rütteln und Schweben von Myriaden kleiner Flocken, wenn der andere über den Hügeln und Tälern einen großen Teppich ausbreitet, über den Wäldern und der Heide, und über Häusern der Menschen; und wir sehen sie in der weißen Stille eines Traums, den der dritte über die sich bewegenden Wasser legt, und die windlose Verbeugung der Bäume über dem stillen Tal des Hochlandes, über dem Rauschen der nie endenden Bergbäche, die wie ein Schal zwischen den Felsen und Berghöhen liegen.

Wir wissen von ihnen zu heutigen Zeiten nur durch die das, was sie zurücklassen, wenn sie vorübergehen, und dies nennen wir Polarwind, Schnee und Eis. Schöner aber waren ihre alten Namen, die sie seit Anbruch der Zeiten tragen: Weißfuß, Weißflügel und Weißhand.

 

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