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Männer der Zukunft - Die nächste Generation: Hans Wolfgang Sommer

Hans Wolfgang SommerHans Wolfgang Sommer

In den siebzigern Jahren gab es eine ganze Reihe von guten Autoren, die nur einige wenige Romane vorlegten. Obwohl ihre Werke beachtliche Qualität aufwiesen, konnten sie sich nur für eine gewisse Zeit in der Szene behaupten. Entweder führte ihr Weg in andere Heftgenres oder führte ganz vom Schreiben weg.

Ein ziemlich ungewöhnlicher Autor war z.B. auch der heute vorgestellte Hans Wolfgang Sommer.

 

Science Fiction aus DeutschlandNach einiger Zeit im Fandom war er für ungefähr 10 Jahre als Autor in der deutschen SF-Szene präsent und verschwand danach wie so viele andere auch.
Hans Wolfgang Sommer wurde 1939 geboren. Er arbeitete zunächst als Immobilienmakler und Bauunternehmer. Nach der Pleite seiner Firma versuchte er sich als Heftautor.

Er schrieb nicht nur Science Fiction sondern auch Krimis, Gruselromane und Comics. 1996 erlag er einem Krebsleiden.

Ende der sechziger Jahre schrieb Sommer in etlichen Fanzines. Darunter waren die Science Fiction Times, Andromeda und die Munich Round Up, also alles im Fandom wohlbekannte Namen.

Wie bei einigen anderen SF-Autoren auch (man denke nur an William Voltz), begann Sommer als Schreiber von Stories. Schon in den Fanzines erschienen erste Kurzgeschichten von ihm.

Im Unterschied zu vielen seiner Kollegen war er aber auch später noch an verschiedenen Anthologien beteiligt, so etwa an der legendären "SF aus Deutschland" in der Fischer Orbit Reihe. Nachfolgend eine Aufstellung aller Anthologen an denen er beteiligt war.
 
  • 1974 Alpers/Hahn (Hrsg.) Science Fiction aus Deutschland, Fischer Orbit
    "Der totale Krieg"
  • 1977 Wolfgang Jeschke (Hrsg.), SF Story Reader 9, Heyne
    "Unser unsterblicher Präsident"
  • 1979 Karlheinz Steinmüller (Hrsg.), Das Rheinknie bei Sonnenaufgang, Neues Leben
    "Privileg", "Der totale Krieg"
  • 1979 Thomas Le Blanc (Hrsg.), Die Anderen,  Heyne
    "Rettung eines Sergeanten"
  • 1981 Michael Nagula (Hrsg.), SF Stories 90, Ullstein
    "Terminus"
  • 1985 Michael Kubiak (Hrsg.), Kontakte, Bastei-Lübbe
    "Liebe deinen Roboter"
  • 1985 Ronald M. Hahn (Hrsg.), Visionen von morgen, Ullstein
    "Das Wesen aller Dinge"
 
Science Fiction Story Reader 9Viele amerikanische SF-Autoren haben ganz selbstverständlich auch in großer Zahl Stories geschrieben und veröffentlicht. In Deutschland blieb die Kurzgeschichte allerdings weitestgehend eine Domäne des Fandoms. Zwar versuchte Pabel, in den sechziger Jahren innerhalb der Utopia-Reihe in regelmäßiger Form Storysammlungen einzubinden, aber letztlich setzte sich dies nicht durch. Lediglich bei Terra Astra gab es später noch hin und wieder einzelne Bände mit Storysammlungen meist eines einzigen Autors. Die Kurzgeschichte an sich fand eine Heimat in den Taschenbuchreihen, vor allem bei Heyne und Ullstein und später bei Moewig SF, wobei es sich aber zum allergrößten Teil um Übersetzungen angloamerikanischer Autoren handelte.  
 
Versicherung mit SchwierigkeitenEin erstes in den 60er Jahren vom Autor bei Pabels Utopia eingereichtes Manuskript, wurde dort nicht angenommen, weil das dortige Lektorat ihm ein zu hohes Niveau bescheinigte. So erschienen die ersten drei SF-Romane von Hans Wolfgang Sommer dann 1970/71 in der Reihe Zauberkreis Science Fiction. Dort veröffentlichte er 1975/76 zwei weitere Titel. Dazu kam ein Roman, der 1976 bei Kelters Gemini erschien. Zwei seiner Romane behandeln die unfreiwilligen Abenteuer des Versicherungsagenten Riglan Tantor, der die "General Insuranca" in Germanar vertritt.

Alle Arbeiten zeichnen sich durch ironische Passagen und ein gerütteltes Maß an Kritik an den Zuständen im Deutschland der 60er und 70er Jahre aus. Egal ob Armee, Gewerkschaften, Medien oder Normalbürger, jeder bekommt sein Fett weg.

Die GestrigenEin Klappentext dazu:
"Zwei unzeitgemäß gekleidete Männer führen seltsame Gespräche, schließlich bringt der eine den anderen um. Studiosus Kellner glaubt in das unheimliche Geschehen eingreifen zu müssen und schlägt den Täter nieder. Dann fotografiert er die beiden ungebetenen Besucher und alarmiert die Polizei. Als diese eintrifft, sind die beiden Gestalten verschwunden. Kellner bekommt Ärger mit dem Kommissar, obwohl er Fotos vorlegen kann. Zusammen mit dem Assistenten der Kripo führen die Recherchen zur Bekanntschaft mit Menscher einer anderen Zeitebene, die sich auf ein gewagtes Experiment eingelassen haben..."
(Vorankündung zu Die Gestrigen)
Dann wurde er zwischen 1976 und 1980 zu einem der Hauptautoren der Professor Zamorra Serie. Damit befand er sich in guter Gesellschaft. Damals schrieben dort übrigens auch andere SF-Autoren wie Andreas Brandhorst, Uwe Anton und W.A. Hary.

Das Andromeda-Rätsel1978 stieg Sommer in die erste SF-Serie ein. Er schrieb vier Bände für Mondstation 1999, eine kurzlebige Taschenbuchserie, die im Basteiverlag erschien. Dabei handelte es sich ähnlich wie bei Raumschiff Orion oder Raumschiff Enterprise um Romane zu einer Fernsehserie. Hier ging es um die britische Produktion Mondstation Alpha 1 aus den Jahren 1975/77, die damals auch in Deutschland im ZDF gezeigt wurde, zumindest 30 der eigentlich 48 Folgen. Aufgrund einer gigantischen Atommüllexolosion wird der Mond aus seiner Umlaufbahn gerissen und entfernt sich von der Erde. Dazu kommen dann noch unkontrorlierte Dimensionssprünge, die den Trabanten unwillkürlich durch Raum und Zeit bewegen. Die Serie schildert die Abenteuer der Besatzung der Mondstation.
 
Aufstand der TerranautenUnd schließlich arbeitete Sommer 1979/81 bei den Terranauten mit.

Acht Romane konnte er beisteuern zu dem letzten großen Versuch, eine in diesem Fall auch inhaltliche Alternative zur erfolgreichen Perry Rhodan Serie auf die Beine zu stellen.

An der Fortsetzung in Taschenbuchform war Sommer dann allerdings nicht mehr beteiligt. Nach dem Ende der Terranauten wandte er sich wieder dem Grusel zu. Er gehörte  zu den Autoren von Damona King.

Bis 1985 erschienen auch noch vereinzelte Kurzgeschichten von Sommer, danach verschwand er aus der SF-Szene.
 
Hans Wolfgang Sommer gehörte zu den Autoren, die in den 70er Jahren neue Wege in der SF gehen wollten. Seine Romane gehören zu den ironischten Arbeiten der damaligen Zeit.

Ein Jahrzehnt war er eine feste Größe in der SF-Szene, ohne freilich an die ganz großen heranzureichen. Aber was wäre die deutsche SF ohne diese Autoren "am Rande" gewesen? 

Welt auf EisZauberkreis SF:
(1970-1976)
98 Versicherung mit Schwierigkeiten
111 Die Gestrigen
116 Rettung eines Sergeanten
168 Die Greise von Osiris
180 Die schlafende Erde

Gemini:
(1976)
16 Welt auf Eis

Die Terranauten:
(1979-1981)
8 Titel
erster Band: 4
letzter Band: 82

Mondstation 1999:
(1978)
4 Titel
erster Band: 7
letzter Band: 10

Hans Wolfgang Sommer
(1939-1996)
erste Veröffentlichung: 1970
letzte Veröffentlichung: 1985
Pseudonyme: H.W. Springer, Michael Roberts, Hans Wolf

 

Kommentare  

#1 Heinz Mohlberg 2010-11-29 19:44
Interessant, war ja ein mehr ode rweniger nicht so bekannter Autor.
Welche Bände gehören dann (locker) zusammen?
#2 Hermes 2010-11-29 21:30
ZSF 98 Versicherung mit Schwierigkeiten und ZSF 168 Die Greise von Osiris haben die selbe Hauptperson.
#3 Heinz Mohlberg 2010-12-03 19:55
...wäre ja ggf. was für Utopische Welten Solo...
#4 Heinz Mohlberg 2015-06-28 19:29
ZSF 98 & ZSF 168 werden denmächst als Utopische Welten Solo 48 erscheinen.
Die restlichen vier Hefte aus Zauberkreis-SF und Gemini sind für 2016 als ein Band eingeplant.
#5 martin baresch 2015-06-29 12:32
Noch ein kleiner Nachtrag zu Hans Wolf Sommer, mit dem ich bei DAMONA KING immer gern zusammengearbeitet habe: 1994 schrieb er den vom VGS-Verlag nur unter meinem Geburtsnamen "Martin Eisele" veröffentlichten Roman "Highlander - Die Rückkehr des Unsterblichen" zur gleichnamigen TV-Serie fertig. Im Innenteil des Buches ist sein Name Hans Sommer vermerkt.
#6 Heinz Mohlberg 2015-06-29 13:49
Hallo Martin,
danke für die Info, wir konzentrieren uns bei der Herausgabe aber "nur" auf seine reinen SF-Romane; auch Kurzgeschichten fallen unter den Tisch.

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