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Die Vampire und Dirk - Der Vampir-Horror Roman: Drakula lebt!

Dirk und die VampireDer Vampir-Horror-Roman
Drakula lebt!

Der Vampir-Horror-Roman ist eine Legende des Heftromans. Ich bin leider erst nach Einstellung der Reihe auf die Serie gestoßen und habe in den achtziger Jahren jede Menge davon gelesen.

Dreißig Jahre später wiederhole ich das Experiment Vampir-Horror-Roman lesen nochmals. Ob es immer noch gefällt?


Drakula lebt!Drakula lebt!
von Hugh Walker

Vampir Horror-Roman Nr. 46
Dezember 1974 / DM 1,-

Pabel Verlag
Eine Stimme dringt in Harald Fuchs Unterbewusstsein und befiehlt ihm aufzuwachen. Als er die Augen mühsam auf bekommt, sieht er seinen neuen Mitarbeiter Freddie Morton mit besorgten Gesicht über sich gebeugt. Dann kommen die Erinnerungen zurück und als er sich umblickt merkt er, dass er sich immer noch in der Klinik von Dr. Lukard befindet.

Kurz lässt er die Ereignisse Revue passieren und wundert sich, dass er immer noch Herr seiner Sinne ist, denn schließlich hat man ihm Blut abgezapft und dieses gegen Lukards Kunstblut getauscht. Müsste er jetzt nicht eigentlich ein Wesen der Nacht sein? Scheinbar hat man noch etwas mit ihm vor.

Freddie ist durch das Fenster gestiegen und berichtet ihm nun von den Ereignissen, die er verschlafen hat. Inspektor Hartwig hat vor der Klinik seine Männer postiert, aber er glaubt noch nicht so recht  an eine Bedrohung durch Vampire, zumal er die Klinik durchsuchen ließ und nichts gefunden hat.  Als Verbündeter scheidet er also zunächst aus. Der Gerichtspsychologe Dr. Fellner wurde wohl von Lukards Kreaturen gefangen genommen, zumindest hat man ihn seit dem Besuch bei Fuchs nicht mehr gesehen und  die „Patienten“ sind wieder brav nach Hause gelaufen. Scheinbar haben die hypnotischen Fähigkeiten von Lukard und Konsorten für alle Beteiligten eine heile Welt erschaffen, die Harald und Freddie jetzt zum platzen bringen muss.

Doch zuerst sollte man mal unbeschadet die Klinik verlassen, denn nach dem Blutverlust und dem langen liegen ist der Kreislauf von Harald Fuchs im Keller. Noch ist die Klinik erfüllt von unheiligen Leben, aber bald wird es Tag und da müssen sich die meisten Kreaturen wieder irgendwo verkriechen. Zwar können die „neuen“ Vampire am Tage überleben, doch die Sonne raubt ihnen immense Kräfte. Das machen sich die Zwei zu nutze und locken ein paar der Blutsauger ins Krankenzimmer, um schließlich die Vorhänge zu Seite zu ziehen. Nach ein paar Sekunden in der prallen Sonne fällt ihnen schließlich das Fleisch von den Knochen und sie vergehen. Der Weg durch die Tür ist zwar jetzt versperrt, aber irgendwie schaffen sie es, durchs Fenster zu entkommen.

Harald Fuchs erster Weg in der Freiheit führt zu Babara, doch er wird vorher von Sonja, der infizierten Schwester, abgefangen. Angeblich hat man Babara in die Klinik von Lukard gebracht und sie möchte ihn jetzt dorthin fahren. Fuchs wittert eine Falle, nockt Sonja aus und bringt sie ins städtische Krankenhaus in Sicherheit. Wenig später wird er von zwei Polizisten geschnappt und zu Hartwig geschleppt. Durch und durch Polizist hört er sich Fuchs Story zwar an, hat aber immer noch einige Zweifel an der Sache mit den Vampiren. Da aber ein paar Männer von ihm hypnotisiert wurden, scheint hier etwas Seltsames im Gange zu sein. Er schlägt Harald und Babara vor, sie an einen sicheren Ort zu bringen und sammelt unterwegs, vor Lukards Klinik, noch den sehr blassen und müden Dr. Fellner ein. Er hat in einem unbeobachteten Moment einfach das Haus verlassen. Wahrscheinlich hat man auch sein Blut getauscht. Er schließt sich der Flucht von Harald und Babara an.

Im Versteck der Polizei zeigt Fellner sein wahres Gesicht und verwandelt sich in ein Ungetüm mit Vampirzähnen und Flügel-Umhang.. Selbst der kleinen Tochter der Hausherrin will er an die Kehle (siehe Titelbild). Das ist eindeutig zu viel und mit versammelter Mannschaft treibt  man Lukards Geschöpf  aus dem Haus. Fuchs trauert um seinen Freund, der wohl nie mehr der Selbe sein wird.

Nach einem kurzen Telefonat mit Hartwig erfährt der Detektiv, dass die Fledermäuse aus dem Keller der Klinik bereits gestartet sind und sich nach Süden bewegen, genau in seine Richtung. Schnell beschließen Harald und Babara das Haus zu verlassen und mit dem geliehenen Auto eines Beamten in die Nacht zu flüchten. Allerdings werden sie dabei vom Fellner-Monster, das mittlerweile fliegen kann, beobachtet.

Nach etlichen Kilometern hat sie der Vampir eingeholt und geht zum Angriff über. Ohne Rücksicht auf alte Freundschaften rammt Fuchs dem Untoten einen Holzpflock ins Herz und erlöst ihn so. Die Verbindung zu Lukard dürfte sich damit erledigt haben. Denkste, denn im nächsten Augenblick fällt ein Schwarm Fledermäuse über das Auto her. Ein paar der Gestalten, die sich nun wieder zu voller Größe verwandeln, befördert Fuchs endgültig ins Jenseits, doch schließlich muss er sich der Übermacht ergeben. Babara ist zu dieser Zeit schon unter einem Berg von Blutsaugern begraben und als diese sie wieder frei geben, ist sie tot. Für Wut und Trauer ist jetzt keine Zeit, denn nun geht es Fuchs an den Kragen. Lukard taucht auf und befiehlt seinen Lakaien, den Gefangenen an einen Baum zu binden. Danach macht sich eine unheimliche, lebendige Wolke auf in den nächsten Ort. Als die untote Babara erwacht, schließt sie sich der Meute an.

Wieder sieht Harald Fuchs nach dem Erwachen in das Gesicht von Freddie Morton. Zum Glück hat ihn Hartwig laufen lassen und ist selber mit einem Heli hinter den Vampiren her. Lukard und seine Gesellen haben ein ganzes Dorf aufgemischt und die Menschen in ihren Reihen aufgenommen. Das weitere Ziel des Schwarms ist unbekannt, doch Harald Fuchs vermutet, dass man von Lukard noch einiges hören wird. Er hat dem Ober-Vampir fürchterliche Rache wegen Babara und Fellner geschworen und selbst Inspektor Hartwig glaubt jetzt an Vampire...

Dirk und sein SenfMein Senf
Was, das waren 65 Seiten? Ohne Ansatz war man wieder mitten drin im Walker-Kosmos rund um die Vampire. Wer den ersten Teil verpasst hatte, bekam noch ein paar Erklärungen am Rande geliefert, aber eigentlich wurde die Story einfach weiter erzählt. Da gab es schon andere Autoren, die nochmals den halben Vorgänger-Roman wiedergekäut haben oder Seitenweise Querverweise lieferten. Der Story-Verlauf war jetzt auch nicht übermäßig kompliziert, so dass sogar für absolute Neu-Leser ein guter Einstieg möglich war. Im Grunde genommen war der Weg ja schon mit dem ersten Teil zu zwei Vierteln zurückgelegt und DRAKULA LEBT! war mehr oder weniger der Entschleuniger des Vierteilers. Action gab es genug, daran lag es nicht, aber es kam nicht mehr viel Neues dazu. Es lief sozusagen.

Überhaupt gab es jede Menge Action und Geschwindigkeit. Das ist eigentlich ungewöhnlich für Straßl, der ja seine Geschichten eher von hinten und etwas gemäßigter angehen ließ. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich bei Davenport bin, wäre da nicht ab und an der erhobene Zeigefinger zu lesen. Walker schafft es immer wieder, den Lesern etwas zum nachdenken mit auf den Weg zu geben, so auch diesmal. Haben die Vampire etwa eine Berechtigung, den Menschen an den Lebenssaft zu gehen? Mal rein hören, was Harald Fuchs/Walker so von sich gibt:

 „... und es könnte wohl sein, dass diese Vampire zu einer Bedrohung der menschlichen Existenz werden...“

woraufhin Babara die Beißer in Schutz nahm und sie noch nicht ahnte, dass sie die nächste Stunde nicht überleben bzw. bald zu ihnen gehören wird:

„Natürlich hast du recht. Aber ihnen so einfach die Existenzberechtigung abzusprechen, das ist doch eine typisch menschliche Selbstherrlichkeit.“

 Tja, der Mensch hat sich auf dem weiten Erdenrund ziemlich breit gemacht und „Andersartige“ mal eben zur Seite gedrängt. Ein wenig klingt die Sache so, als wenn nach Straßl`s Auffassung die Vampire eine Seitenlinie des Homo Sapiens sind und die Evolution bei ihnen einen anderen Weg gegangen ist. Ohnehin ist für die Scharfzähne kein Platz mehr, denn: ...Nimm die Überbevölkerung. Wir werden dem Bevölkerungszuwachs jetzt schon kaum Herr...“ und das war 1973. Immer noch ein aktuelles Thema.

Ob jetzt Lukard wirklich der alte Miesepeter Drakula ist, wurde noch nicht eindeutig geklärt. Harald Fuchs glaubt so langsam daran, denn für ihn ist der Klinikbetreiber und Obervampir ...Eine gespenstische Figur, die durch zahllose Gruselfilme und Romane tief im Bewusstsein der Menschen saß. Oft belächelt, gewiss – aber nicht immer ohne Gänsehaut...  und... wenn unsere Erlebnisse keine Illusion waren, kein Hypnosetrick, dann gab es Vampire unter uns. Und zack, hat Hub Straßl den ersten Roman der VHR aus dem Hut gezaubert. War das Eigenwerbung, oder hatten die Kreaturen aus Band 1 und Lukards Geschöpfe doch eine gemeinsame Basis, außer ihr Vampir Sein?

Da DRAKULA LEBT! (man achte auf das Ausrufezeichen auf dem Cover) rasant geschrieben war und noch zügiger zu lesen ist, komme ich mal so langsam zum Ende.

Mir ist aufgefallen, dass die Walker-Vampire zwar modern rüber kommen, aber eigentlich vor den selben Dingen zurückschrecken wie ihre Film-und Roman-Artgenossen. Knoblauch, Kreuz und Eichenpflog sollte jeder Vampirjäger im Handgepäck haben. Zudem schadete dem gewöhnlichen Sauger das Sonnenlicht immens. Lukard ist da ein anderes Kaliber und schon eine Evo-Stufe weiter.  Ein Vampir ist halt ein Vampir, und da kann man nichts dran rütteln, aber ein wenig aufpimpen (zumindest beim Boss) darf ja wohl noch erlaubt sein.

Der dritte Teil kam leider erst als Nummer 81, der vierte erst als 123 und nicht in den darauffolgenden Wochen. Warum, verstehe ich nicht so richtig(war Straßl anderweitig eingespannt?), denn es war ja offensichtlich noch nicht zu Ende mit Lukard. Ganz im Gegenteil, denn der Schwarm blutrünstiger Vampire musste ja irgendwo seinen Hunger stillen. Wien würde sich da anbieten, allerdings wurde die Stadt bis jetzt noch nicht genannt, aber wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, werden wir in ein paar Monaten einen schönen Ausflug zum Zentral-Friedhof machen.

Was gab es sonst noch?
Irgendwie kommt mir der Vampir vom Thole-Cover sehr bekannt vor. Nun, Christopher Lee ist es nicht, und Ferdy Mayne auch nicht. Bela Lugosi scheidet komplett aus. Ich komm nicht drauf (vielleicht ein Unter-Vampir beim Tanz...). Die Szene gab es im Roman genau so, obwohl mir der Geflügelte eher danach aussieht, als wenn er ein wachsames Auge auf die Kleine wirft.

Das Motto vom Alfons Cartoon lautet diesmal: Dem Jongleur ist nichts zu schwör und Bertholds „Figuren-Gruppe“ sieht etwas mitgenommen aus und gehören wohl zum Vampir-Schwarm.

VAMPIR INFORMIERT ist diesmal wieder dem Horror im Film gewidmet. Auch Draculas Blutdurst scheint noch nicht gestillt zu sein, denn DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT. Vincent Price ist im THEATER DES GRAUENS gleich in sieben Rollen zu bewundern. Seine Umkleide muss wohl deshalb etwas größer gewesen sein. 1974 konnte sich auf einige Horror-Streifen freuen.

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-03-08 10:07
Von allen Straßl-Romanen waren das die, mit denen ich nie viel anfangen konnte. Ich glaube, 3+4 habe ich dann auch nie gelesen.

Mit Ferdy Mayne liegst du vermutlich nicht ganz falsch, auch wenn das Gesicht etwas verfälscht ist. Es gab, glaube ich, ein Filmplakat mit ihm in der gleichen Pose.

In einem Interview hat Straßl meiner Erinnerung mal gesagt, dass er eher ein langsamer Autor war. Außerdem dürfte es zu der Zeit hinter den Kulissen schon längst mit der Terra Fantasy angefangen haben. Und Dragon lief auch noch.

Hey, hast du bald die ersten 50 voll ;-) Respekt!
#2 Toni 2017-03-08 18:42
Ist schon irgendwie auffällig, dass Straßl bei dem Vampir-Zyklus aufs Gas gedrückt hat, aber die Nummer 3 war schon klasse. Kann mich dunkel erinnern, dass er da Wien hat verschwinden lassen und einen riesigen Friedhof (und seine Bewohner) als Gegenpol zu Drac... sorry Drakula einsetzte. Die Nummer 4 kenne ich selber noch nicht.

Jetzt muss ich mich selber berichtigen: Drakula lebt! ist natürlich vom Dez. 1973.

Jau, schon geht's stramm auf Artikel Nr. 50 zu. Mein Respekt gegenüber hauptberuflichen Autoren wächst mit jedem Buchstaben...

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