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»Schön war die Jugend?« - Ausflüge in die Romanheftvergangenheit: Der Todeskaktus (Kommissar X Nr. 1403)

Schön war die Jugendzeit? -  Ausflüge in die RomanheftvergangenheitAusflüge in die Romanheftvergangenheit:
»Der Todeskaktus«
Kommissar X 1403 von John Hayne (???)

Welcome to the Eighties…

Nach meinem stylischen Ausflug in die seligen Früh-Siebziger mit einem Leihbuchnachdruck mache ich zeitlich mal zwei Schritte nach vorn und greife mir mal eine der langlebigsten Kriminalserien heraus – der gute alte „Kommissar X“ alias Jo Walker mit semi-exotischen Abenteuern rund um den Globus.

1740 Romane sind nun schon mal ein Stein im Brett und eigentlich verdienen die vielen Autoren an dieser Erfolgsgeschichte schon fast eine eigene Analyse quer durch fast drei Jahrzehnte, um all das zu würdigen, was man der Figur an die Hacken und die unvermeidliche Knarre geschrieben hat. Aber ich mache ja nur Stichproben und so muss ich mich mit einem Roman begnügen, der veröffentlicht wurde, als die Serie bereits im langsamen Niedergang begriffen war.

Honorarkürzungen und wildes Redaktionsmanagement führten dazu, dass in den 80ern die Autoren wie wild ein- und wieder ausstiegen und so wurde die Palette an Pseudonymen immer bunter, wobei ich beim besten Willen nicht feststellen konnte, wer denn nun hinter John Hayne gesteckt hat, der soweit ich es feststellen kann, ganze zweimal als Autor für Romane verwendet wurde und hier sein „Debüt“ gibt (Falls es jemand weiß, immer raus damit!).

Mit einem Titel wie „Der Todeskaktus“ erwartet man natürlich eine Prise Trash, aber obwohl hier immer fröhlich herum gescherzt wird (natürlich nur abseits des Falls, wenn man sich gerade gegenseitig anruft oder sich Essen, Zigaretten oder Schnaps abgaunert), handelt es sich dann doch um einen recht straigten Drogenroman, der dann doch wieder etwas ganz Anderes wird, je weiter die Seitenzahlen voran schreiten.

Zwar kann auch dieser Roman noch mit dem fröhlichen Sexismus der frühen Jahren in einer Nebenrolle punkten, aber zur Front hin kennt die Story keine Gnade, was die augenrollenden, hasserfüllten Fieslinge angeht, die hier ein vielschichtiges, böses Spiel betreiben. Da darf man sich schon mal ein wenig an Klassiker der 80er wie „Miami Vice“ erinnert fühlen, auch wenn bei der latenten Geringschätzung für exotische Herkünfte (Mestizen und Puertoricaner in diesem Fall) am Ende das alles doch wieder ein Plan von geldgierigen, reichen und weißen Männern ist.

Was ich überrascht feststellen musste, ist die Chuzpe, mit der hier relgiöser Wahn, eine radikale Verbrecherbande und Unterschlagung zu einem fluffigen Ganzen aufgeschlagen, um während der Story einfach zweimal die Richtung zu wechseln. Leider ergeben sich die Wechsel nicht aus der Handlung, sondern müssen in umfänglichen Nacherzählungen dann jeweils separat aufgeklärt werden, aber niemand könnte behaupten, die vorliegende Geschichte sei karg gestrickt. Im Gegenteil, der Aufwand ist beträchtlich (und die Lösung erinnert sowohl an Bond wie auch an „Dirty Harry“). Vielfarbig hätte man es damals wohl genannt und ich neige dazu, mich da mal einfach anzuschließen. Genauso gut könnte ich die Kombination abstrus und noch dazu konstruiert bezeichnen, aber das mag jeder selbst entscheiden.

Zumindest hält einen der Plot bei der Stange, auch wenn der Held und die Bösewichter nicht den gleichen Zeiten anzugehören scheinen. Aber eine gehörige Portion Rücksichtslosigkeit und eine Menge Explosionen waren ja schon immer dazu angetan, etwaige Löcher wegzubrennen.

Aber urteilt selbst…

Der Todeskaktus»Du wirst sentimental. Geh lieber zu deiner Leiche!« - »Es ist nur eine halbe Leiche!«
Ein augenrollender Priester bei einer abseitigen Messe, um den ein wilder Hexentanz aufgeführt wird, instruiert eine junge Frau namens Patricia Santos aka Patricia Miller, dass es nun bald „soweit“ sein würde und entlässt sie die Obhut ihres Luxusautos auf dem Weg von einem New Yorker Hafenschuppen in die teure 5th Avenue – Patricia ist die puertoricanische Frau des dreifach so alten Multimillionärs George W. Miller.

Daheim leiert die Gute (Böse?) sofort eine festliche Abendunterhaltung in dem mexikanischen Restaurant „Mexicana“ (echt jetzt?) an: gemeinsam mit ihrem Männe, dem Bankier Clark Wattson und seiner aktuellen Begleitung und einem befreundeten Ehepaar.

Im Restaurant  von Juanita Nuntez ausgelassen angekommen, ordert Patricia erstmal eine Runde Tequila, die man als Starter runterkippt: für Mr. Miller kommt der Agavenschnaps aber gar nicht gut, er erleidet einen seltsamen Herzanfall und seine Körperfunktionen fahren runter: offenbar wurde er vergiftet.

Das scheint ausreichend genug für Clark Wattson, der alsbald bei Jo Walker alias „Kommissar X“ vorstellig wird, um ihn zwecks Aufklärung zu engagieren. Jo will zwar lieber mit seiner blonden (logo!), attraktiven (sowieso!), langbeinigen (wer hätte daran gezweifelt?) und nicht auf den Mund gefallenen (nudge, nudge!) Assistentin April Bondy schäkern, beugt sich aber dem dicken Scheck.

Kohle macht munter, also düst Walker sofort in die Klinik, wo er sich die Bestätigung der Vergiftung abholt. Also ran an die Prä-Internet-Rollkartei und einen Fachmann gesucht, den er in dem „mad scientist“-mäßigen Kicherer Doctor Meyerhold findet, der in seinem Versuchstier-Blubberlabor sofort die Lösung parat hat: es handelt sich um „lophophora williamsii“, das Gift eines Kaktus, dass auch Peyote bzw,. Meskalin genannt wird und Rauschzustände und Wahnvorstellungen auslöst. Meyerhold ist die Wikipedia in Person und weiß auch, dass man das Gewächs scheibchenweise in Sekten als falsche Hostie verteilt und wo sich so eine Sekte gerade in New York breit gemacht – im Hafenviertel.

Walker macht das, was alle Ermittler machen, er fährt erst ins Restaurant (wo er das Glas natürlich abgespült findet) und dann zur Ehegattin, die sofort ihren Chauffeur lossschickt, um Walkers Lenkung zu sabotieren. Dann macht sie sich auch noch so verdächtig, auf dass er April beauftragt, Wattson zu beauftragen, auf den Patienten wegen eventueller zweiter Anschläger aufzupassen.

Mit der kaputten Lenkung kommt Jo noch recht gut klar und stolpert so erstmals über seinen voluminös-aktiven Polizeikumpel Tom Rowland, der ihn in die Klinik begleitet, wo jemand präventiv schon mal alle lebenserhaltenden Maßnahmen abgestellt hatte. Aber Wattson konnte noch rechtzeitig eingreifen.

Walker fokussiert jetzt auf den Hafen und die Sekte, weiß aber nicht, wie er an die Örtlichkeit herankommen soll. Aber Rowland kann ihm die Zeit des nächsten Treffens schließlich mitteilen und einen Observationsposten hundert Meter entfernt.
Tatsächlich entdeckt Walker so Patricia Miller vor Ort, wird jedoch selbst gleichzeitig wegen seines Fernglases entdeckt. Der Chef der Bande, Miquel Santos, entsendet vier gedungene Killer in Walkers Lagerhalle, die seine Notreserve, einen Pförtner in der Telefonloge ausschalten und ihn dann unter Feuer nehmen. Leider wird einer von einem Querschläger getroffen, den zweiten begräbt Walker unter einem Kistenstapel mit Whisky, den Dritten erledigt er in Combatstellung. Der Vierte flieht.

Als er endlich Rowland hat informieren können, ist die Lagerhalle schon gereinigt und die Leichen verschwunden, wenigstens der Pförtner lebt noch. Walker wundert sich, dass, obwohl die Sekte kein Aufsehen will, gleich beinharte Killer auf ihn angesetzt werden.
Da kommt auch schon die Nachricht, dass Miller den Löffel geschmissen hat – offenbar hat noch jemand sein Essen vergiftet.

Ihr nächstes Ziel soll das Codewort der Messenteilnehmer werden und dazu wollen sie einen Minirekorder in der Nähe des Tores anbringen, doch schon beim Sichtungsgang wird April von einer Kamera aufgenommen.

Rowland hat inzwischen in Sachen Patricia recherchiert und von Miquel Santos erfahren, der sie unter ihre Fittiche genommen hatte und ihr eine solide Erziehung hat angedeihen lassen. Offenbar wurde sie dann gezielt auf Männer wie Miller angesetzt, der sie dann auch vom Fleck weg heiratete. Der Sekte blieb sie aber auch weiterhin treu. Das Problem: einen Miquel Santos gibt es in New York eigentlich gar nicht.

Nach dem Begräbnis lässt die Witwe die Ermittler relativ glatt abblitzen, doch Walker stellt eine neue relative Nähe Wattsons zur Witwe fest.

In der Folge installiert man tatsächlich einen Bandrekorder in der Nähe des Hafenschuppen, wird dabei jedoch ausgiebig beobachtet. Die betreffenden Männer machen das Gerät unbrauchbar und stecken es dann jedoch zurück.

Tage vergehen und eine Einbruchs- und Raubwelle überzieht die Stadt. Irgendwann finden sich in Wald, Fluß und Flur auch die Leichen der erschossenen Killer wieder.
Weil das mit dem Rekorder nicht geklappt hat, versucht man es nun mit der Einschleusung eines Informanten namens Terry, der allerdings leider – dank Walkers sauberen Supports und anderer Süchte – an der Nadel hängt.
Leider engagiert Walker Terry in der Bar eines Info-Händlers namens Baxter und als aufgrund eines dummen Zufalls Terry für seinen Lohn keinen Stoff kaufen kann, fängt er an zu jammern und zu plaudern, Baxter wird hellhörig, verkauft die Info und Terry kriegt von einem fingierten Händler so reinen Stoff, dass er freiwillig einen Rundflug vom Rockefeller Center macht!

Ergo planen die Verbrecher hinter dem Kult langsam ihren Ausstieg: erst wird Wattson über Patricia Miller eingesackt, dann kidnappen die Gangster Restaurantchefin Juanita und bringen sie zu der Halle.
Und jetzt kommt auch die eigentliche Story endlich auf den Tisch: die Verbrecher beschuldigen nämlich Wattson des Mordes an Miller, der im Krankenhaus den Verdacht auf das puertoricanische Personal gelenkt hat. Die Gangster dachten auch, Juanita würde mit ihnen zusammen arbeiten, dabei hatte die Restaurantbesitzerin ein Verhältnis mit Wattson. Denn Wattson hatte die Verbrecher erpresst, weil er von ihren Plänen (die Einbruchsserie!) wusste.

Parallel wird nun auch April bei der Zweitinstallation des Rekorders geschnappt und die drei Delinquenten werden dem verrückten Priester ausgeliefert. Das wiederum gefällt nun Patricia nicht mehr besonders.

Rowland und Walker lassen das Gebäude daraufhin umstellen und ein erstes Feuergefecht ergibt ein Patt. Santos verlangt daraufhin eine Passage mit Hubschraubern nach La Guardia und dort eine PanAm-Maschine zur Flucht, andernfalls würde die Halle gesprengt.
Die Hubschrauber sind schon unterwegs, als Patricia alles der Polizei beichtet – u.a. auch, dass Santon April aus dem Flugzeug werfen will. Walker setzt sich sofort in Bewegung und lässt sich zu dem Flugzeug bringen, aber als die Gangster am Hafen die Hubschrauber entern, sprengen sie gleichzeitig in Teilen die Halle.

Während unten noch das Chaos herrscht, erreichen die Gangster die Maschine und erzwingen den Start. Walker will eingreifen, wird aber von Santos in Schach gehalten. Als dieser tatsächlich April aus der startenden Maschine werfen will, greift Walker zu und springt mit ihr ab – natürlich hat er einen Fallschirm dabei.

Die beiden Piloten der Maschine – heimlich gegen Air Force-Offiziere ausgetauscht – lösen jetzt einen steilen Sturzflug aus, der die meisten Gangster in der Maschine außer Gefecht setzt. Sie können das Flugzeug landen und alle Gangster werden verhaftet, während Jo und April im Zoo niedergehen.

Nun müssen nur noch Wattson und Nuntez verhaftet werden, also fährt man in Windeseile zum „Mexicana“, doch Nuntez meldet sich bereits, dass Wattson nach einer Peyote-Dosis in tiefen Schlaf verfallen ist und abgeholt werden kann.
Sie kann dann auch endlich die verbleibenden Hintergründe klären:

Santos hatte sich viele gläubige Helfer herangezogen, die ihm Infos über die auszuraubenden Häuser zutrugen, investierte in den Kult und stützte ihn. Doch im Falle Patricia Miller wurde sein Plan von Wattson (der auf Patricia scharf war) entdeckt.

Wattson brauchte Geld, weil er Bankkonten veruntreut hatte und erpresste somit Santos zum Weitermachen. In der Folge versuche Juanita Patricia für Wattson auszuhorchen und Patricia Juanita für Santos.


Eigentlich war der vergiftete Drink für Wattson gedacht, damit das belastende Material geklaut werden konnte, doch der konnte Juanita überreden, es an Miller weiter zu reichen. Doch die Wirkung war für den alten Mann viel viel stärker und Wattson brachte in seinem Größenwahn Walker ins Spiel.

Wattson wird in der Folge verhaftet und ihm wird der Prozess gemacht, bei dem er die Todesstrafe bekommt. Als ruchbar wird, wieviel Geld er beiseite gebracht hat, lässt er sich auf ein Spiel um sein Überleben ein, doch weil man ihn nicht freilassen will, redet er nicht – und wird schließlich hingerichtet. Juanita kommt frei und Patricia findet plötzlich ihren Chauffeur sehr attraktiv…

»Deine Samthaut ist zu schade für ein Mexikanermesser!«
Ja, da war also ne ganze Menge los – und nachdem ich diverse Romane gelesen habe, die von den Autoren nach dem Panzerfaustprinzip auf Seite 63/64 fertig „gesprengt“ wurden, ist es hier geradezu irritierend, dass bei einem so geschickt angelegten und vielseitigen Fall die ganze Action auf Seite 52 (!) tatsächlich schon durch ist und danach nur noch Aufarbeitung und Nachgeschichte erfolgen.
Zentrales Element dieser erneuten Zusammenfassung des Geschehens (es ist aber immer etwas anders und insgesamt in jedem Fall wissenswert) ist nach Heli-Einsatz und Beinah-Absturz einer Verkehrsmaschine inclusive Sprengung und Einäscherung von gefühlt 150 Sektenjüngern aber nicht eine Besprechung auf dem Revier oder Gott bewahre beim FBI wegen des ganzen Papierkrams, sondern ganz hollywoodlike ein abschließendes bzw. an den Showdown sofort anschließendes gemütliches Schollen-Essen beim Mexikaner (sind die berühmt für ihre Scholle?), bei dem die Herren Protagonisten auch nichts anderes zu tun haben, als der „nur so halb“ involvierten holden Weiblichkeit in diesem Fall den Weg in die Freiheit zu bereiten, inclusive des Verschwindenlassens von Beweismaterial durch Rowland zugunsten von Juanita, solange sie ihn nur für diesen Abend weiter bekocht.

Ich muss diese Art von Hollywood-Wendung wohl nicht extra kommentieren, interessanter finde ich da schon den groß angelegten Geldbetrug, den Wattson nebenbei noch aufgezogen hat und der an viele Finanzskandale, die damals noch in der Zukunft liegen gemahnen. Dass Wattson für Erpressung und einen beinahe zufälligen Mord an Miller, der ja nicht mal geplant war, dann die Todesstrafe kriegt, scheint mir sogar für radikale US-Gerichte ein bisschen gewagt zu sein, vor allem weil Juanita leer ausgeht. Und wie üblich sind Prozess, Berufung und Hinhaltetaktik noch im Roman enthalten, obwohl sie sich noch über Jahre hätten hinziehen müssen. Typische Schnellschuß-Gerechtigkeit, wobei man den wahren Fiesling und schlussendllichen Massenmörder Santos später gar nicht mehr erwähnt, der Ähnliches eher verdient gehabt hätte.

Ansonsten ist der Roman, der mit „Puertos und Mestizen“ anfängt, geradezu klinisch sauber – die Exoten vor Ort sind vielleicht religiös motiviert ein wenig naiv, aber die ganzen angeheuerten Helfer – allesamt Hilfskräfte und Hausangestellte, auch hier wieder ordentlich Kapitalismuskritik- sind nicht mal an den Einbrüchen beteiligt, sie plaudern bloß etwas über die Alarmanlagen und so…

Dass das strafrechtlich auch von Bedeutung wäre, fällt ebenfalls unter den Tisch, stattdessen geht alles auf die hassenswerte Bande, die gedungene Meuchelmörder beinhaltet. Das macht natürlich schon eher Eindruck und den Showdown, der ganz schön an Budget verschlingt, hat man auch möglichst knallbunt inszeniert.
Wahrscheinlichkeiten spielen da weniger eine Rolle. Dass AirForce-Piloten die PanAm fliegen könne, das will ich ja noch glauben. Dass Walker sich einen Fallschirm umschnallt und das nicht bemerkt wird, das geht schon weniger. Dass Fieslinge im Steigflug einer PanAm allerdings eine Luke ohne größere Schwierigkeiten und explosiven Druckverlust zum Rauswurf öffnen, das riecht dann schon ein wenig albern und der Doppelsprung mit Landung im Zoo ist natürlich auch ein Witz. Noch viel besser ist dann die Überwältigung mittels Fliehkräften durch einen Sturzflug mit anschließendem Wieder-Hochziehen über New York – zum Glück lässt sich der Autor hier nicht über Wahrscheinlichkeiten aus, sondern bringt das alles relativ schnell hinter sich.

Das ist übrigens generell ein Merkmal des Schreibers, denn besonders viele Actionszenen inszeniert er sich nicht zusammen. Walker erschießt im Roman einen einzigen Typen praktisch in Notwehr, ansonsten wird die Action quasi einkondensiert: hier ein kurzes, angeblich intensives Feuergefecht, da fast eine Bruchlandung, dann eine Sprengung, deren Folgen man nur sehr marginal miterlebt.

Stattdessen dürfen Walker, Bondy und Rowland ordentlich – also relativ schwach – herumscherzen und Rowland alles essen, trinken und rauchen, was nicht schnell genug weggeschlossen wird. Offenbar war das ein Muss der Serie, denn es passt sonst eigentlich nicht zu dem ernsten Fall, bei dem man der Sekte noch etwas mehr Raum hätte einräumen müssen und vielleicht auch der Wirkung des titelgebenden Todeskaktus, der nach jeder „schwarzen“ Messe (ja, so steht das da wirklich) die Teilnehmer zu einem affentanzartigen Gehampel provozieren, totale Ekstase und so. Als dann die Gefangenen den Sektierern zum Frass vorgeworfen werden und es wirklich bunt werden könnte, was machen die Zugedröhnten da? Sie lassen die Gefangenen auch naschen (Wirkung setzt sofort ein!) und taufen sie dann behelfsmäßig im nahen Becken – sonst passiert nichts.

Wie gesagt: nicht alles stimmig, nicht alles gut strukturiert und mitunter sehr falsch gewichtet (das Zwischenspiel mit dem Junkie-Informanten ist geradezu abstrus und diente wohl nur zur Streckung eines Romans, der nicht allzu viele graphische Gewaltausbrüche bieten sollte), aber es hielt mich bei der Stange und würde eine Zweitlesung der Serie nicht unmöglich machen.

Ordentliche bewährte Ware mit allen Macken, die man braucht.

Dann jetzt noch einen „Franco Solo“ und der Wilde Westen kann kommen...

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-11-12 12:33
Zitat:
Stattdessen dürfen Walker, Bondy und Rowland ordentlich – also relativ schwach – herumscherzen und Rowland alles essen, trinken und rauchen, was nicht schnell genug weggeschlossen wird.
Und selbst das dürften sie heute nicht mehr. Die Sinclair-Neuausgabe zb. ist in eine rauchfreie Zone verwandelt worden.

Obwohl, es gibt auch Ausnahmen.. Bei der neuen E-Book Ausgabe von Peter Mattek, dem Bundesbullen, gibt es eine Inhaltswarnung, dass man aus "kulturhistorischen Gründen" nichts geändert hat.

Die KX der letzten Jahre, die ich gelegentlich gelesen habe, waren alle öde. Versuche, sich an Trends zu hängen, die im Fernsehen und auch im Kino liefen, daraus aber notgedrungen die blutfreie Jugendversion machen zu müssen.

B(l)ondy war die asexuelle Quotenfrau, die aber in einer Serie für ein männliches Publikum dann doch nie so richtig gleichberechtigt war und im Zweifelsfall gerettet werden musste/konnte, wenn das Manuskript zu kurz geriet. Walker war zum Mann ohne Eigenschaften geworden, Rowland sowieso.

Tony Kendall (R.I.P.) und Brad Harris (R.I.P.) hätten die beiden aus der Kneipe geworfen, ohne ihren Drink zu verschütten.

Auf deine Franco-Rezi bin ich gespannt :-) Ist für mich das Paradebeispiel, wie man ein Genre für den deutschen Heftroman von innen nach außen gewendet hat.
#2 Feldese 2017-11-20 08:24
Ja, bezüglich des BUNDESBULLEN "Peter Mattek" ist es wirklich die richtige und lobenswerte Entscheidung des Verlags, in der eBook-Ausgabe auf die Originaltexte zurückzugreifen und NICHT die bearbeitete, um ein paar neue Romane ergänzte und nach Berlin verlegte Neuauflage zu bringen.

"Kommissar X" war ja stets (?), zumindest ab den späten 60er-Jahren, die lockere Krimialternative zu "Jerry Cotton". Früher hab ich speziell die KX-TBs von M. Wegener sehr geschätzt. Ein erneuter Leseversuch vor kurzem hat aber gezeigt: Alles hat seine Zeit - und die kann irgendwann vorbei sein. (Oder ich hatte jetzt durch Zufall eher schlechte Serienbeispiele in Händen.)
#3 JLo 2017-11-20 21:00
Einfach mal die KX-Taschenbücher von C. H. Günter versuchen. Seine späten Mister Dynamit sind arg routiniert heruntergeschrieben, aber sein KX-Taschenbücher - und MD bis in die späten 1970er sind gut gealtert.
#4 Andreas Decker 2017-11-21 12:18
zitiere Feldese:
Ja, bezüglich des BUNDESBULLEN "Peter Mattek" ist es wirklich die richtige und lobenswerte Entscheidung des Verlags, in der eBook-Ausgabe auf die Originaltexte zurückzugreifen und NICHT die bearbeitete, um ein paar neue Romane ergänzte und nach Berlin verlegte Neuauflage zu bringen.


Anlässlich dieser Entdeckung habe ich mal in ein paar Originale reingeblättert. Die zu bearbeiten wäre zu aufwändig sprich teuer geworden. Da wird soviel gesoffen und gequalmt, da müsste man den halben Roman umschreiben ;-) Von der Produktwerbung ganz zu schweigen :lol:

zitiere JLo:
Einfach mal die KX-Taschenbücher von C. H. Günter versuchen. Seine späten Mister Dynamit sind arg routiniert heruntergeschrieben, aber sein KX-Taschenbücher - und MD bis in die späten 1970er sind gut gealtert.


Seine KX kenne ich nicht, aber bei den MD würde ich das unterschreiben. Wenn Guenther eine gute Woche hatte, war er richtig gut.

Ich würde immer noch gern wissen, wer für die Titel zuständig war. "Brich den Hals in Havanna", "Leichenhaus und aus" oder "Drüben in Paris", so was wollte man doch lesen. Das war schnodderig und cool, bevor es das Wort überhaupt gab :lol:
#5 JLo 2017-11-21 21:47
Es würde mich nicht wundern, wenn das seine Titelvorgaben waren. Jedenfalls soll er sich nur von Atkinson etwas haben sagen lassen / die Texte beeinflussen lassen. Da würde mich ein Festsetzen des Titels nicht wundern.
J. Preyer war mit ihm gut bekannt, vielleicht weiß er da mehr.
Die KX-TBx wurden mal im Zauberspiegel aufgeführt: www.zauberspiegel-online.de/index.php/krimi-thriller-mainmenu-12/gedrucktes-mainmenu-159/1420-der-heftroman-c-h-guenter-vater-von-mister-dynamit-und-kommissar-x

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