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Das Labor

StoryDAS LABOR
Ein James Kelly-Roman
(1. Teil)

Es dämmerte bereits, als der schwere Geländewagen im schlammigen Untergrund zum Stillstand kam und dabei gehörige Mengen des grauschwarzen Drecks in die Luft schleuderte.

„Da sind wir, Mr. Kelly“, meinte Nicolas Grilescu und deutete auf die alte Ruine, die sich düster zwischen einigen dicht bewachsenen Sträuchern und hohen Bäumen abzeichnete.

Auf schaurige Weise wurde belegt, was der Lauf der Jahrhunderte mit einem solchen Bauwerk anzurichten vermochte.

„Die alte Abtei von Vizilieni“, fügte er hinzu und schauderte dabei. James Kelly nickte stumm. Die von großen Löchern durchstoßenen Mauern der ehemaligen Abtei waren im rötlichen Licht der untergehenden Sonne deutlich zu erkennen.

 

„Die alte Abtei von Vizilieni“, fügte er hinzu und schauderte dabei. James Kelly nickte stumm. Die von großen Löchern durchstoßenen Mauern der ehemaligen Abtei waren im rötlichen Licht der untergehenden Sonne deutlich zu erkennen.

Eher beiläufig registrierte er, dass die meisten äußerlichen Zerstörungen den Zweck verfolgt haben mochten, die christlichen Symbole des Bauwerks zu beseitigen.

„Die Mönche, die hier lebten haben die Abtei vor über 130 Jahren verlassen, und damals war sie schon in einem entsetzlichen Zustand. Vater erwarb die Ruine in den frühen 70ern.“

Grilescus Stimme klang, als wäre ihm überhaupt nicht wohl bei diesem Gedanken. Milav Grilescu war vor acht Wochen an den Folgen eines schweren Schlaganfalls gestorben. Zu diesem Zeitpunkt war er 72 Jahre alt gewesen und hatte über ein Privatvermögen verfügt, welches sich durchaus mit dem eines Wirtschaftsmagnaten im Westen hätte messen können.

Grilescu war während der letzten 35 Jahre sehr erfolgreich gewesen, sogar, als das Wirtschaftssystem Rumäniens zusammengebrochen war und als Folge davon Armut durch das Land gespült wurde.

Der Handel an internationalen Märkten hatte ihn finanziell abgesichert und nach Ceauşescus Tod hatte er begonnen den Wiederaufbau des Landes zu unterstützen. Nach außen hin war Milav Grilescu ein Volksheld, der unzähligen Kindern Essen und Kleidung und sehr vielen Erwachsenen Arbeit und Verdienst gebracht hatte.

Doch es hatte noch eine andere Seite des erfolgreichen Geschäftsmannes gegeben.

Den Sammler des Okkulten, den Forscher des Paranormalen, den Mann, der unbedingt magische Macht erlangen wollte.

James Kelly war Grilescu zu dessen Lebzeiten nur ein einziges Mal begegnet und das war 1975 in New York gewesen, wo der schwerreiche Rumäne auf einer Privatauktion ein angeblich verwunschenes Gemälde erworben hatte.

Für 153 000 Dollar.

Kelly hatte Grilescu damals gewarnt dieses Gemälde nicht mitzunehmen, sondern es vielmehr schnellstmöglich zu vernichten, doch der Geschäftsmann hatte ihn nur ausgelacht und ihm dann den Rücken zugekehrt.

Drei Jahre später war bekannt geworden, dass Grilescu durch einen nicht näher erläuterten Unfall, seinen linken Arm verloren hatte. Der Dämonenjäger war eher der Meinung gewesen, dass der Fluch, der auf dem Gemälde gelastet hatte, wirksam geworden war und der monströse Wolf auf dem Bild zu Leben erwacht war.

Tatsächlich hatte Kelly einige Monate später eine riesige Wolfskreatur im Grenzgebiet zwischen Rumänien und Ungarn erlegen können. Der Dämonenjäger nahm heute noch an, dass es sich dabei um dasselbe Geschöpf gehandelt hatte, aber einen eindeutigen Beweis hatte Kelly nie erbringen können.

Und jetzt war Milav Grilescu tot.

Kelly gab es nicht gerne zu, aber als er vom Tod Grilescus gelesen hatte, war er ein klein wenig erleichtert gewesen, denn dessen Motivationen, sich mit dem Übernatürlichen zu befassen, hatten ihm nicht wirklich gefallen.

Aber mit Grilescus Tod war das Thema noch nicht beendet, denn aus Rumänien hatte den Dämonenjäger eine dringende Anfrage erreicht.

Kelly war vom Sohn des Toten gebeten worden nach Bukarest zu kommen, weil es etwas enorm Wichtiges zu erledigen gab. Neugierig war Kelly am gestrigen Tage bei Nicolas Grilescu erschienen, der seit seinem sechzehnten Lebensjahr nichts mehr mit seinem Vater zu tun hatte haben wollen.

Er hatte die herrschsüchtige und aggressive Art seines Erzeugers abgelehnt. Nicolas – mittlerweile 39 Jahre alt – lebte im Osten Bukarests in einem bescheidenen Wohnblock und verdiente sich seine Brötchen als Tischler.

Er hatte Kelly freundlich begrüßt, während eine vierköpfige Kinderhorde um sie herumgetobt war. Nicolas’ Frau hatte Eistee serviert und dann hatte er Kelly im verschwörerischen Flüsterton etwas sehr Überraschendes verraten.

„Mein Vater hatte ein geheimes Labor, in dem er alchemistische und magische Experimente durchführte.“

Kelly war verblüfft gewesen, hatte ihm aber geglaubt und nicht näher befragt, woher er seine Informationen bezog. Stattdessen hatte er seinen Gastgeber weiterreden lassen und der hatte ihm erklärt, dass es in diesem Labor eventuell noch eine Vielzahl von gefährlichen Hinterlassenschaften gab, die nicht unbeobachtet weiter vor sich „hinköcheln“ durften.

Kelly hatte Nicolas zugestimmt und war einverstanden gewesen, sich zum Labor zu begeben.

So war am besten herauszufinden ob eine Gefahr davon ausging.

Am frühen Morgen waren sie aufgebrochen und jetzt, wo das Licht des Tages mehr und mehr schwand, waren sie endlich am Ziel angekommen.

Unweit des kleinen Ortes Vizilieni, der nur von einer Handvoll alter und kümmerlicher Menschen bewohnt wurde und am Rande des Siebenbürgischen Hochlandes lag, hatte Nicolas den Geländewagen ausrollen lassen. Den Wagen hatte ihm ein alter Freund geliehen.

Er starrte seit einigen Minuten auf die alte Ruine, dessen westliche Seite in den immer länger werdenden Baumschatten verschwand.

„Ein unheimlicher Ort, wirklich“, meinte Grilescu.

Kelly nickte.

„Allerdings. Hier ist vor langer, langer Zeit etwas wirklich Schreckliches geschehen. Das Böse hat eindeutige Spuren hinterlassen.“

Der Dämonenjäger sprach diese Worte mit fester Überzeugung aus.

„Und wie gehen wir jetzt vor? Ich meine, gehen wir einfach in das Labor hinein und schauen uns um, oder müssen wir irgendwelche Maßnahmen ergreifen, bevor wir auch nur einen Schritt in Richtung der Ruine machen?“

In Kellys Augen blitzte er für einen kurzen Moment irritiert auf.

„Wir?“, fragte er nur. 

„Natürlich! Ich komme selbstverständlich mit“, erklärte Grilescu voller Überzeugung.

Kelly schüttelte schnell und energisch den Kopf.

„Nein Nicolas, Sie werden auf gar keinen Fall mit mir gehen. Sie bleiben hier und warten mindestens drei Stunden. Sollte ich bis dahin nicht zurückgekehrt sein, fahren sie zurück nach Bukarest und rufen diese Telefonnummer in London an. Lassen Sie sich Mr. O’Hacc geben und berichten Sie ihm – und nur ihm – was hier passiert ist.“

Kelly drückte Grilescu einen kleinen Zettel in die Hand, auf dem die Nummer des Anschlusses von Glanny O’Hacc stand.

„Mr. O’Hacc?“, fragte Grilescu verwirrt und starrte auf den Zettel, als wären die Nummern darauf in irgendeiner exotischen Geheimschrift verfasst worden.

„Mr. O’Hacc ist ein guter Freund von mir der, falls mir etwas passiert, geeignete Maßnahmen ergreifet, damit diese Sache hier doch noch zu einem vernünftigen Ende geführt wird. Er hat da so seine Kontakte und Verbindungen.“

Das, was Kelly dem jungen Grilescu da unterjubelte, war die Untertreibung des Jahrhunderts, denn Glanny O’Hacc besaß mehr als nur Kontakte und Verbindungen.

Er war eine ernstzunehmende Größe im Spiel der unsichtbaren Mächte.

Glanny war in 246. Generation Nachkomme eines irischen Koboldfürsten. Neben seiner Funktionen vom Schreibtisch aus, war er ein bemerkenswerter Kämpfer mit einzigartigen Fähigkeiten.

„Also, nicht vergessen! Falls ich in drei Stunden nicht zurück bin, kehren Sie nach Bukarest zurück und rufen Glanny O’Hacc an. Er wird dann alles Weitere veranlassen. Verstanden?“

Nicolas nickte stumm und sah dabei zu, wie James Kelly seinen Hut von der Ablage nahm, ihn sich aufsetzte und dann ausstieg.

Wortlos machte sich der Dämonenjäger auf den Weg, der ihn in Richtung der alten Abtei führte und dabei holte er die Wegbeschreibung, die Grilescu ihm überlassen hatte, aus der rechten Manteltasche.

Die Schatten der Bäume wurden immer länger, je weiter die Sonne ihren Lauf vollendete. Der Aufstieg zur Abtei war nicht weiter schwierig, denn der Dämonenjäger war in ausgezeichneter körperlicher Verfassung, und als er den Fuß der Ruine, nach einer knappen halben Stunde erreichte, atmete er nicht einmal schwerer.

„Ich muss mir die Strecke für den Rückweg merken“, flüsterte er ein wenig selbstvergessen, als er sich umblickte.

„Welchen Rückweg?“

Der Dämonenjäger blieb wie angewurzelt stehen. Er hatte die zischende Stimme deutlich vernommen, konnte aber nicht genau sagen, ob nun mit den Ohren oder innerhalb des Schädels, was auf telepathischen Kontakt hätte schließen lassen.

Ohne sichtbare Hast griff Kelly unter den Mantel und öffnete einer der Taschen an seinem Ausrüstungsgürtel. Sie waren allesamt mit den verschiedensten Amuletten, Talismanen, Steinen und anderen übersinnlich behafteten Kleinodien voll gestopft (wobei Kelly immer sehr genau wusste, wo sich welches Objekt befand). Er hatte sie im Laufe seiner langen Karriere als Dämonenjäger und Okkultismusexperte auf allen fünf Kontinenten zusammen suchen können.

Kelly fühlte das Metall des „Geisterlicht“-Zylinders zwischen seinen Fingern und holte das kleine, leistungsstarke Gerät heraus. Zum Auskundschaften, ob sich unsichtbare Geister in der Nähe befanden, war es hervorragend geeignet und sogar bei strahlendem Tageslicht hätte es solch geartete Anwesende sichtbar werden lassen.

Das grelle, bläuliche Licht strahlte auf und entließ einen Strahl, der schon nach wenigen Zentimetern zu einem immer breiter und höher werdenden Kegel wurde. Geistwesen innerhalb eines Radius von fünf bis zehn Metern wären nun für Kelly sichtbar geworden, doch in diesem Umkreis waren keine zu erkennen.

Nachdenklich schaltete der Dämonenjäger das Gerät aus und holte etwas, das einem kleinen Salzstreuer ähnlich sah, aus einer der anderen Gürteltaschen.

Es gab eine bestimmte Form von Geist, die sich dem Einfluss des „Geistlichts“ zu entziehen vermochte. Und das waren Angehörige der Spezies „Poltergeist“!

Kelly hatte mit diesen Wesen schon einige sehr unliebsame Erfahrungen machen können und wollte, sollte sich hier ein solcher Kerl herumtreiben, nicht Gefahr laufen ihm seinen ungeschützten Rücken zu präsentieren.

Gegen Poltergeister wiederum gab es nur sehr wenig wirklich effektive Mittel, doch in der Abschrift eines Briefes des Alchemisten Theophastus Bombast von Hohenheiman, der später unter dem Namen Paracelsus bekannt und legendär geworden war, an den Erzbischof von Avignon im Jahre 1526, hatte James Kelly die Zusammensetzung eines wahren Wundermittels entdecken können.

Dieses Mittel – ein körniges Pulver – trug er in diesem simplen Salzstreuer bei sich und schleuderte es mit einer raschen Bewegung in die nähere Umgebung. Das silbrig-violette Pulver verteilte sich sofort in der Luft. Wie dünne, glitzernde Streifen, die sich mehr und mehr auflösten glitt es dem Erdboden entgegen.

Im nächsten Moment hörte der Dämonenjäger ein durchdringendes Kreischen.

„Hab ich dich“, murmelte er nur und grinste breit, als eine zappelnde Gestalt in der Luft schwebend sichtbar wurde.

Die Gestalt sah aus wie ein kleiner, irgendwie missgestalteter, nackter Mann mit gräulich verschrumpelter Haut. Er hing in Schulterhöhe vor Kelly und schrie und wand sich unter entsetzlichen Qualen.Kelly beobachtete das schwebende Wesen, wie es immer deutlicher erkennbar wurde und gleichzeitig dem Erdboden entgegensackte.

Wortlos schüttete der Dämonenjäger einige der schillernden Körner in seine Hände, verrieb diese kräftig und packte dann zu. Der Poltergeist wurde durch das zerriebene Pulver – zumindest für kurze Zeit – für Kelly greifbar und kreischte ganz fürchterlich auf, als sich dessen Finger um seine Gurgel schlossen.

„Hallo! Ich bin James Kelly und vielleicht hast du meinen Namen schon gehört!“

Der Poltergeist wand sich im Griff des Dämonenjägers und versuchte sich ihm zu entziehen, aber Kellys Finger waren hart wie Stahlklammern und ließen nicht locker.

„Wir können jetzt versuchen auf eine einfache oder eine schwere Weise miteinander klar zu kommen!“

Der Poltergeist gebärdete sich weiterhin wie verrückt und schien Kellys Worte überhaupt nicht zu hören.

„Entweder du beantwortest mir meine Fragen und ich lasse dich gehen, wenn ich dich nicht mehr brauche, oder aber du verweigerst mir die Antworten, die ich haben will, ich foltere dich einige Zeit mit dem Pulver, dass dir so zusetzt und letztlich gehst du zugrunde.“

Der Poltergeist verstummte mit einem Mal und starrte Kelly aus gelben rotumränderten Augen an.

„Und tu nicht so, als würdest du mich nicht verstehen! Ich kenne mich mit Poltergeistern aus. Du verstehst mich schon.“, knurrte der Dämonenjäger drohend.

„Schon gut, schon gut“, würgte der gefangene Poltergeist heraus und hörte auf sich zu wehren.

„Was willst du wissen, Kelly?“

Der Dämonenjäger war nun doch etwas überrascht, denn mit einem so schnellen Einlenken hatte er nicht gerechnet, auch wenn er wusste, dass der Poltergeist unter dem Paracelsus-Pulver schrecklich zu leiden hatte.

„Ich suche nach dem Labor. Ich denke, du weißt welches ich meine, oder?“

Es war schon ein merkwürdiger Anblick, wie der Poltergeist in Kellys Griff hing und einen nachdenklichen Ausdruck auf sein knittriges Gesicht zauberte.

„Ich glaube ja. Das Geheimlabor vom alten Grilescu!“

Kelly grinste hart.

„Der Kandidat gewinnt dafür schon einmal 100 Punkte. Und nun musst du mir nur noch den genauen Zugang zeigen und mich hinunterführen. Dann lasse ich dich auch schon laufen.“

Unsicherheit zeigte sich auf den Zügen des Poltergeistes.

„Ich kann dir den Zugang zeigen, aber … aber ich will dich nicht dort hinein begleiten.“

„Aber, aber, ein so ausgeschlafener Poltergeist wie du, wird doch keine Angst haben, mit hinein zu kommen.“

Der Poltergeist begann nun wieder in Kellys Griff zu zucken, doch dieses Mal war es nicht die Furcht vor dem Dämonenjäger oder wegen der Schmerzen durch das Paracelsus-Pulver, sondern aus Angst vor dem Labor.

„Da ist es nicht geheuer!“

Beinahe hätte Kelly aufgelacht, denn dass ein Poltergeist diese Worte gebrauchte, hätte selbst er niemals für möglich gehalten.

„Ach, was du nicht sagst. Aber ehrlich gestanden ist mir deine Meinung vollkommen egal. Du wirst mich begleiten, denn du kannst mir nicht weismachen, dass du nicht schon mal da drinnen warst.“

Im verschrumpelten Gesicht des Antlitz des Poltergeistes machte sich Verzweiflung breit.

„Ich bin selber unter größten Mühen dort herausgekommen. Ich bitte dich inständig! Ich will da nicht wieder hinein!“

„Was hat das zu bedeuten?“

Der Gefangene des Dämonenjägers erschlaffte nun vollständig in dessen Griff. Jedwede Anspannung wich aus dem kleinen Körper.Fast kam es Kelly so vor, als resigniere das Wesen.

„Der alte Grilescu hat mich vor vielen Jahren gebannt und hierher verfrachtet, um mich näher zu untersuchen. Jedenfalls sagte er das immer.“

„Wie hat er dich gebannt?“, wollte Kelly wissen.

Der Poltergeist wand sich unangenehm berührt hin und her. Sein Blick wich dem des Dämonenjägers aus.

„Er bannte mich anders, als du es getan hast, Kelly. Er … er hat meinen Namen erfahren und ihn gegen mich eingesetzt.“

Wie bereits erwähnt waren Poltergeister trickreiche Gestalten, die sich den meisten herkömmlichen magischen Angriffen entziehen konnten. Kelly hatte schon von erfahrenen Magiern gehört, die gegen solche Kreaturen gekämpft hatten und sie trotz großer Macht und wohl durchdachter Versuche nicht hatten stellen oder ausschalten können.

Kelly hatte mit dem Paracelsus-Pulver einen immensen Vorteil ihnen gegenüber. Besaß man es aber nicht, konnte man trotzdem siegreich sein, wenn der Name des Poltergeistes bekannt war und man ihn in eine machtvolle Beschwörung einband. In diesen Fällen war es den betreffenden Poltergeistern ebenfalls kaum möglich davonzukommen.

„Du konntest aus dem Labor entkommen? Und trotzdem treibst du dich immer noch hier in der Gegend herum?“, fragte Kelly.

Der Poltergeist wandte missmutig seinen Blick ab.

„Ich bin aus dem Labor geschlüpft, weil das Bannfeld nachgelassen hat. Es bedurfte regelmäßiger Erneuerung, aber leider bindet mich eine Reststrahlung davon immer noch an dieses Gebiet. In ein paar Wochen könnte ich auch dem entkommen und wäre frei.“

Kellys Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, als er seinen Gefangenen aufmerksam musterte.

„Du kennst das Labor! Und eventuell könntest du mich hineinführen.“

Der Poltergeist blickte den Dämonenjäger erschrocken an.

„Aber … aber …“, begann er zu stammeln und blickte sich mit Verzweiflung in den Augen um.

Es kam Kelly so vor, als suche er nach einem Fluchtweg, doch die vom Pulver bedeckte Hand hielt ihn weiterhin fest.

„Und ich glaube, wenn es Sicherheitsmechanismen gibt, dann kennst du sie.“

„Ein paar, aber ich weiß nicht wie man sie beseitigt“, jammerte der Poltergeist.

„Du wirst mich warnen, und alles Weitere übernehme ich dann schon. Und damit ich beide Hände frei habe und du mir nicht abhauen kannst …“

Kelly förderte abermals den Salzstreuer zutage und verteilte noch etwas mehr von dem Paracelsus-Pulver über dem Poltergeist. Die kleine Gestalt begann wie verrückt zu kreischen und schüttelte sich.

Als der Dämonenjäger meinte genügend von dem Mittel über seinem Gefangenen verstreut zu haben, ließ er ihn los und sah seine Vermutung bestätigt. Der Poltergeist war durch den Einsatz des Pulvers dermaßen geschwächt, dass er sich nicht einfach absetzen konnte.

„Keine faulen Tricks, mein Kleiner, sonst geht es dir schlecht“, warnte Kelly mit dumpfer Stimme. „Also, wohin müssen wir jetzt?“

Der geschwächte Poltergeist deutete in Richtung der Abtei, die nun aus der Nähe betrachtet mehr Ähnlichkeit mit einem steinernen Schweizer Käse aufwies, als mit den Überbleibseln eines einst würdevollen Gebäudes.

Müde und mit schlurfenden Schritten näherte sich der Poltergeist der Ruine und Kelly folgte in einigem Sicherheitsabstand.

Vor einem steinernen Bogen, in dem nur noch die modrigen Fragmente eines Holztores hingen, blieb der unfreiwillige Führer des Dämonenjägers stehen.

„Gehen wir nicht hinein?“

‚Hineingehen’ war eigentlich unmöglich, denn hinter dem Bogen lag ein Bereich der Ruine, über dem sich kein Dach mehr befand.

Der Poltergeist schüttelte den Kopf. Er schien sich auf irgendetwas zu besinnen, auch wenn es ihm augenscheinlich wegen seiner Schwäche schwer fiel.

Kelly stand zwei Meter hinter der schmalen Gestalt, die ihren Blick auf den Boden, direkt unter dem Bogen gerichtet hielt und beobachtete sie dabei, wie sie ein paar Mal kräftig ein und ausatmete.

Gerade als den Dämonenjäger die Geduld endgültig verließ und er den Poltergeist wütend anfahren wollte, stieß dieser eine Reihe von kehligen Lauten aus.

Die Wirkung dieser Laute war beeindruckend, denn ein tiefes Grummeln erklang und gleichzeitig begann der Fußboden zu beben.

Kellys Instinkt meldete sich.

Der Mistkerl hat mich verraten …, dachte er und seine Hand zuckte in Richtung des Salzstreuers mit dem Paracelsus-Pulver.

Er wollte dem Poltergeist damit gehörig einheizen, doch soweit kam er gar nicht. Vor den beiden erhob sich, nach wie vor von dumpfen Lauten begleitet, ein gigantischer Felsblock, der mehr und mehr in die Höhe wuchs.Schlammige Erde flog nach allen Seiten fort und unbewusst trat Kelly einen Schritt zurück.

Der Felsblock war in Wirklichkeit ein Steinquader mit mehreren Metern Kantenlänge, der sich dem Himmel entgegenreckte und dabei ein Loch im Boden freigab.

Nach einigen Augenblicken, in denen es weiter gegrummelt und rumort hatte, kam der Quader endlich zum Stillstand.Kelly hatte den Atem angehalten und trat nun einen Schritt vor, wobei er einen leisen Pfiff ausstieß.

„Donnerwetter. Ein gut versteckter Zugang. Sehr raffinierter Mechanismus!“

Der Poltergeist musterte den Dämonenjäger aus seinen umränderten Augen und sagte kein Wort. Er schien sich mit seinem Schicksal, Kelly in das Labor Grilescus führen zu müssen, abgefunden zu haben und ging auf das Loch zu.

Kelly erkannte, als er näher kam, das schmale Stufen in die unauslotbar erscheinende Dunkelheit in der Tiefe führten.

„Einen Moment“, rief er und der Poltergeist, der soeben die erste Stufe betreten wollte, verharrte mitten in der Bewegung.

„Was waren das für Worte, die du ausgestoßen hast? Welche Sprache war das?“

Der Poltergeist zuckte mit den Schultern.

„Ich weiß nicht genau. Es ist eine sehr alte Sprache, die von einem sehr mächtigen Volk benutzt wurde. Ich kenne die Bedeutung der Worte nicht, sondern habe sie mir nur eingeprägt.“

Eine böse Ahnung stieg in Kelly auf, denn er hatte einen Verdacht, was für eine Sprache den eben ausgestoßenen Worten zugrunde lag.

„Lemurisch“, murmelte er und gab dem Poltergeist ein Zeichen von der Öffnung zurückzutreten. „Ich glaube das war Lemurisch oder zumindest eine dem verwandte Sprache. Und wenn das so ist, dann wäre es sehr, sehr gefährlich einzutreten.“

„Wieso?“, wollte der Poltergeist wissen.

Kelly rieb sich über sein Kinn und blieb dicht seitlich der Öffnung stehen. Es schien keine Gefahr darin zu bestehen, die Stufen die Tiefe zu benutzen, doch Kellys innere Stimme stieß ununterbrochen Warnungen aus.

„Selbst die simpelsten lemurischen Zauberformeln waren durch zwei Umstände abgesichert: Zum einen mussten die Worte absolut exakt ausgesprochen werden und zum anderen konnten sie ihre Wirkung nur dann entfalten, wenn sie von denjenigem ausgesprochen wurden, für den sie gedacht waren.“

Bei diesen Worten dachte der Dämonenjäger an die unglückselige Rowena Harris, die unwissend die Aktivierungsformel der beiden lemurischen Kampfarmbänder ausgestoßen hatte, die James Kelly seit etwas mehr als fünf Jahren besaß. Es waren die richtigen Worte der alten Königsgarde von Lemuria gewesen, und Rowena hatte sie korrekt ausgesprochen, aber sie hatte die Armbänder dabei nicht getragen.

Träger war damals schon Kelly gewesen, und er hatte mit ansehen müssen, wie die Armbänder ihre gefährliche Kraft zwar entlassen hatten, dabei aber nicht nur den Dämon Arylock vernichteten, sondern auch Rowena töteten.

Es war eine schmerzhafte Erfahrung gewesen und später hatte der Dämonenjäger erfahren, dass nur derjenige, der die Armbänder trug, sie auch mittels der alten Formel benutzen durfte.

„Es ist also so, dass du den Zugang freigelegt hast, aber du darfst ihn nicht benutzen“, erklärte Kelly weiter.

„Was würde denn passieren, wenn ich es doch tue? Immerhin bin ich ein Poltergeist.“

Kelly grinste seinen Gefangenen mit einem mitleidigen Ausdruck auf dem Gesicht an.

„Im Moment bist du eher eine Art von verunglücktem Mensch. Das Pulver lähmt deine Kräfte und verhindert, dass du feinstofflich wirst. Du würdest wahrscheinlich genauso vernichtet werden wie ich, sollte ich einen Versuch starten diese Stufen zu überwinden.“

Der Dämonenjäger blickte nach wie vor in die Tiefe. Dort unten gab es, höchstwahrscheinlich, eine Vielzahl von Experimenten und Gegenständen, die nicht in falsche Hände geraten durften.

Ein alter, närrischer Sammler okkulter und magischer Objekte, hatte sie initiiert und gesammelt und sie durften nicht unbeobachtet dort verbleiben, sondern mussten entweder beendet oder beseitigt werden.

Kelly biss sich in die Unterlippe. Er musste etwas tun, denn ihm blieb nicht mehr viel Zeit, bevor Nicholas nach Bukarest zurückkehrte.

Vielleicht aber war das der beste Weg. Zurück nach Bukarest und dort Glanny O’Hacc angerufen, damit dieser – begleitet von einem seiner Spezialteams, die er selber ausgebildet hatte – hierher kam, und Kelly die notwendige Unterstützung fand.

Noch im selben Moment schüttelte der Dämonenjäger den Kopf. Nein, soweit war es noch nicht. Er musste selber etwas unternehmen!Und zwar jetzt!

Doch die Fragen waren, was zu tun war und wie dieses was umzusetzen war.

Kelly kramte in seinem Gedächtnis herum. Er kannte Unmengen von magischen Formeln und Beschwörungen, sowie alte Gebete, die in lange nicht mehr benutzten Sprachen gesprochen wurden. Es war möglich diese jetzt einzusetzen und dann auf die Reaktionen zu achten, aber Kelly hatte keine Zeit dazu.

Er wollte schnellstens in Grilescus Labor, die Lage checken und eventuell die eine oder andere Gefahrenquelle beseitigen und sich dann zurückziehen.

„Wenn ich bloß wüsste, wie man diesen Zauber umgeht“, flüsterte Kelly gedankenverloren und starrte dabei auch weiterhin in die Tiefe.

„Ich weiß es nicht, aber vielleicht sie!“

Der Dämonenjäger blickte auf und sah direkt in die Augen seines Gefangenen, der immer noch vor der Öffnung stand.

„Welche sie? Wen meinst du?“

Eine Antwort erhielt er nicht, da sich im nächsten Augenblick die Ereignisse überstürzten.

 

  *** 

 

Ein Schuss ertönte!

Obwohl Kelly sich durch ein nahezu übermenschlich schnelles Reaktionsvermögen auszeichnete, wäre er in diesen Sekundenbruchteilen zu langsam gewesen.

Da schon oft auf ihn geschossen worden war, registrierte der Dämonenjäger, dass sich eine Schrotflinte oder ähnliches abgefeuert worden war und es kam ihm so vor, als sause die Ladung ganz dicht an seinem rechten Ohr vorbei.

Der Poltergeist kreischte auf, ruderte mit seinen kurzen faltigen Armen herum und kippte in dem Moment direkt in die Bodenöffnung, da Kelly sich hinter einen zirka anderthalb Meter aufragenden Mauerrest hechtete.

„NEEEINNNN“, kreischte er mit schriller Stimme und Kelly konnte noch soeben die Stelle auf seinem Rücken erkennen, wo ihn die Schrotladung getroffen hatte.

Dann war der manifestierte Poltergeist verschwunden, doch seine Leiden waren damit noch nicht beendet.

Hinter dem unregelmäßig geformten Mauerfragment sah Kelly, wie das Loch im Boden auf schauerliche Weise zu Leben zu erwachen begann.

Es verformte sich blitzartig und bewegte sich dabei wie ein überdimensionales, zum Himmel gerichtetes Maul, dem Nahrung zugeführt worden war und welches deshalb zu kauen begonnen hatte.

Der Dämonenjäger riss die Augen entsetzt auf, als er hören konnte, wie die Knochen des glücklosen Poltergeistes unter dem Druck sich ständig bewegenden Öffnung zerbarsten und ein eisiger Schauder rieselte seinen Rücken herab, als sich ein unmenschlicher Schrei in das schaurige Tun mischte.

Gleichzeitig reagierte Kelly instinktiv, richtete seinen linken Arm auf die Öffnung und aktivierte das lemurische Kampfarmband.

Er schmetterte das Aktivierungswort, während eine zweite Schrotladung abgefeuert wurde und in die Mauer einschlug, hinter die er sich gekauert hatte. Eine grüne Energieentladung schoss aus dem Armband in Form einer rasenden Kugel und traf die Öffnung, die sich immer noch mahlenden Kieferhälften gleich bewegte.

Die Schreie des Poltergeistes waren glücklicherweise verstummt! Im selben Moment, da die Kugel zerstob und kleine Blitze in die Öffnung tauchten und sich an ihren Rändern verteilten, erlahmten die Bewegungen und kamen gänzlich zum Stillstand.

Und nun?

Kelly musste alles auf eine Karte setzen, durfte nicht einfach hier hocken bleiben und musste wahrhaftig einen Sprung ins Unbekannte riskieren.

Er wollte gerade seine Muskeln anspannen und sich mit dem Kopf voran in die Öffnung werfen, als er einen kurzen Schrei vernahm.

Dann erklangen Geräusche, als würden zwei Personen miteinander ringen und dann hörte Kelly schnelle aber unregelmäßige Schritte.

Abermals krachte ein Schuss, hämmerte aber gegen einen Baumstumpf, der einige Meter ihm gegenüber aus dem Boden ragte und dann brach ein Körper durch das Dickicht.

Ungefähr aus dieser Richtung waren auch die Schüsse gekommen. Kelly erkannte die Person, die da durch das Gebüsch gestrauchelt kam, beinahe hinfiel und insgesamt vollkommen entkräftet wirkte.

„Nicolas?“

Es war tatsächlich sein Begleiter, der doch eigentlich beim Wagen hätte warten sollen.

Grilescu wirkte nicht nur erschöpft und pumpte mit raschen, rasselnden Atemzügen Luft in seine Lungen, nein er blutete auch aus einer Wunde, die waagrecht über die volle Breite seiner Stirn verlief.

„KELLY“, brüllte er aus Leibeskräften und schien sich dabei so zu verausgaben, dass er in jedem Moment zusammenbrechen konnte.

Der Dämonenjäger reagierte!

Er wusste weder, wer auf ihn und Grilescu gefeuert hatte, er hatte auch keine Ahnung wer diese ‚sie’ war, von der der Poltergeist kurz vor seinem Ende geredet hatte, aber er wusste dass Nicolas Hilfe brauchte und dass die Wirkung der Energiekugeln eventuell nicht lange vorhalten würde (wenn überhaupt!!!) und dass die Öffnung vielleicht gleich wieder zu unheilvollem Leben erwachen würde, wenn er hineinzutauchen versuchte.

Trotzdem musste er das alles auf die Reihe bringen. Kelly sprang hinter seiner Deckung vor und feuerte nun eine weitere Energiekugel ungefähr in die Richtung, aus der geschossen worden war.

Er hoffte, wenn er den Schützen schon nicht traf, ihn doch ablenken zu können, damit er und Grilescu sich in die (hoffentlich noch gelähmte oder sogar vollständig ausgeschaltete) Öffnung zu flüchten.

„HIERHER“, rief nun der Dämonenjäger und schmetterte gleichzeitig eine zweite Energieladung der ersten hinterher.

Grilescu war zwar angeschlagen, aber er handelte dennoch richtig, eilte auf Kelly zu, er ihn heranwinkte und ließ sich von dem dann zur Öffnung bugsieren.

Der Dämonenjäger schoss noch eine dritte Energieladung ab und tauchte sprang dann Grilescu hinterher.

Das Glück war ihnen hold!

Die Öffnung begann nicht noch mal zu kauen!

 

  *** 

 

Dicht unterhalb der Öffnung blieb der Dämonenjäger stehen und schöpfte erst einmal Atem.

Die letzten Minuten waren chaotisch gewesen und die ganze Sache hätte furchtbar schief laufen können.

Was, wenn die Öffnung auch ihn und Grilescu zerkaut hätte? Was, wenn der unbekannte Schütze noch einmal auf sie gefeuert und getroffen hätte?

Etwas unterhalb von James Kelly, erklang nun ein leises Stöhnen.

„Nicolas“, entfuhr es dem Dämonenjäger besorgt.

„Ich … ich bin in Ordnung“, kam die schwache Antwort aus der Dämmerung und sogleich hörte Kelly, wie Grilescu sich schwerfällig erhob.

Der Dämonenjäger war ziemlich grob mit ihm umgesprungen und hatte ihn einfach hier hinein gestoßen, doch in Anbetracht der Umstände, war diese Reaktion nicht verwunderlich gewesen.

„Und? Können Sie sie sehen?“, fragte Nicolas, nachdem er sich erhoben und etwas dichter an Kelly herangetreten war.Undeutlich konnte der Dämonenjäger seinen Begleiter auf den Stufen unter sich erkennen.

„Ich glaube nicht, dass sich da draußen jemand näher herangewagt hat. Aber trotzdem: Wen meinen Sie mit ‚sie’? Ich habe diese Frage schon einmal gestellt, aber leider bislang keine Antwort darauf erhalten.“

Trotz des schwachen Lichts konnte Kelly deutlich sehen, wie die Wangenmuskeln im Gesicht von Nicolas Grilescu zu zucken begannen. Etwas nagte ganz gewaltig an ihm.

„Es ist …“

Er brach ab und schien mit sich selber im Unklaren zu sein, ob er Kelly die ganze Wahrheit sagen sollte oder nicht.

„Raus mit der Sprache“, forderte der Dämonenjäger, wobei er zwischenzeitlich nach draußen gelugt und gelauscht hatte. Hier zeigte und rührte sich augenscheinlich nichts und niemand. Konnte es vielleicht sein, dass er den unheimlichen Angreifer mit der Flinte vertrieben oder sogar getroffen hatte?

Kelly kannte die verheerende Wirkung der Energiekugeln aus den lemurischen Armbändern nur zu genau. Sie vermochten Menschen als auch Dämonen und sogar Geister zu schädigen, wenn sie trafen.

„Es ist meine Schwester“, erklärte Nicolas niedergeschlagen.

„Wie bitte?“

Nicolas hob beschwichtigend seine Hände.

„Eigentlich ist sie meine Stiefschwester. Vater hat  …“

Nicolas unterbrach sich erneut, als kämpfe er mit einer äußerst unangenehmen Erinnerung.

„… hat Danja immer vorgezogen!“

In Kellys Kopf überschlugen sich die Überlegungen.

„Der Poltergeist hat also von ihr gesprochen. Er war der Meinung, sie könne einen Weg hier hinein finden.“

Nicolas schüttelte energisch den Kopf.

„Das glaube ich nicht, denn Danja hat während der letzten zwei Jahre im Gefängnis gesessen. Sie ist bei meinem Vater in Ungnade gefallen, weil sie …“

Wieder brach Nicolas ab.

„… sie wollte Vater ermorden.“

Allmählich konnte Kelly das Zögern seines Begleiters verstehen, denn so eine Verwandtschaft, die lud nicht gerade ein, um damit in aller Öffentlichkeit zu prahlen.

Trotzdem musste er Nicolas schelten, weil er Danja mit keiner Silbe erwähnt hatte, als sie sich, nach seiner Ankunft in Bukarest unterhalten hatten.

Doch die Schelte musste warten, wie Kelly eine knappe Sekunde später befand.

Die Ränder der Öffnung, durch die sie gesprungen waren, und an denen rötlichgrüne Überreste des Poltergeistes klebten (auf den unteren Stufen konnte der Dämonenjäger auch noch größere Teile von dem Bedauernswerten ausmachen), begannen in bedrohlicher Weise zu knirschen und ein wenig zu erzittern.

„Ich schätze die Wirkung der Energiekugeln lässt nach. Gleich schnabuliert unser „Kleiner“ wieder mächtig los. Kommen Sie, wir müssen hier verschwinden!“

Kelly und Grilescu eilten nun die Stufen so schnell sie konnten hinab und erreichten einen Gang in den sie mündeten. Kaum hatten sie den Bereich der Treppe verlassen, hörte das Knirschen und Zittern auf. Offensichtlich waren sie aus dem Gefahrenbereich des „Mauls“ herausgetreten.

Kelly hörte nun ein anderes Geräusch, dem Knirschen der Öffnung nicht unähnlich.

„Was ist denn?“, fragte Nicolas und blickte die Treppe wieder hinauf, wo man die Öffnung und auch noch die allerletzten Sonnenstrahlen des Tages erkennen konnte.

Mit einem dumpfen Rumsen legte sich der Stein, der vorhin den Weg freigegeben hatte, nun wie ein übermächtiger Sargdeckel auf die Öffnung und hüllte sowohl James Kelly, als auch Nicolas Grilescu in absolute Finsternis ein.

„Oh mein Gott“, flüsterte Nicolas, nachdem die Dunkelheit sich um ihn gelegt hatte und er nichts mehr erkennen konnte.

Kelly sagte nichts!

Er ahnte, dass dies alles nur der Anfang war.

Der Anfang von etwas viel, viel Schlimmeren …                      

  -  ENDE des ersten Teils –             

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