Honigfrauen - Der Event-Dreiteiler im ZDF

ZDFSommer, Sonne und die Sehnsucht nach Freiheit im Jahr 1986: Voller Hoffnung auf ein unbeschwertes Leben fernab des heimischen DDR-Regimes und unbeobachtet von ihren Eltern machen sich die  Schwester Maja und Catrin auf den Weg an den Balaton.

Doch schon bald geraten die beiden unter Beobachtung der so genannten Balaton-Brigade.

Sendedaten: Sonntag, 23. April 2017, 20.15 Uhr, Sonntag, 30. April 2017, 20.15 Uhr, Sonntag, 7. Mai 2017, 20.15 Uhr


Der Sommer 1986 beginnt für die Erfurter Schwestern Catrin und Maja Streesemann verheißungsvoll: Endlich halten sie die Reiseerlaubnis für ihren ersten Urlaub am Balaton in den Händen. Bepackt mit zwei Rucksäcken, Proviant von Mutter Kirsten und den guten Ratschlägen ihres Vaters Karl machen sich die beiden jungen DDR-Bürgerinnen per Auto-Stopp auf in den Süden. Die Verheißung auf grenzenlose Freiheit fernab der DDR und  die Aussicht auf das ein oder andere romantische Abenteuer beflügeln ihre Fantasie. Am Balaton angekommen, lassen sie den Blick über die weite Wasserfläche schweifen, auf der Sportboote mit West-Touristen kreuzen, und sind sich sicher: Das wird der schönste Urlaub ihres Lebens.

Doch die beiden ahnen nicht, dass sie schon bald unter Beobachtung der Stasi stehen. Denn um Fluchtversuche von DDR-Bürgern zu unterbinden, betreibt die so genannte "Balaton-Brigade" im Ferienparadies Ausspähung in Badehosen. Während Catrin auf dem Campingplatz rasch neue Freunde findet – und mit dem sympathischen Rudi aus Mühlhausen auch einen Mann, der sich ganz offenbar näher für sie interessiert – ist die jüngere Maja magisch angezogen vom Glanz des schicken Luxushotels "Balaton-Residenz", in dem ausschließlich Westtouristen wohnen. Ab 80 D-Mark für eine Übernachtung – unvorstellbar für die jungen Frauen.

Doch das Schicksal hilft  und verschafft ihnen nicht nur Eintritt in die "Balaton-Residenz", sondern auch die Bekanntschaft des ungarischen Hotelchefs Tamás. Catrin verliebt sich gleich in den charmanten Ungarn, aber Maja ist es, die ihm bei der ersten Gelegenheit einen Kuss abnötigt. Ein erster Schatten auf dem innigen Verhältnis der beiden Schwestern. Unterdessen rollt aber längst weiteres Unheil an: Mutter Kirsten hat nach einem omi¬nösen Anruf aus Ungarn allen Anlass zur Sorge, dass die Reise ihrer Töchter die komplette Familie ins Verderben stürzen könnte. Unter einem Vorwand bringt sie ihren Mann Karl dazu, den Trabi anzulassen, um Maja und Catrin hinterherzufahren.

Kirsten sorgt sich weniger um den verderblichen Einfluss des Westens auf ihre Töchter, als um ein altes Geheimnis, das an den sonnigen Ufern des Plattensees an die Oberfläche zu gelangen scheint. Denn was außer Kirsten keiner weiß: Karl ist nicht der leibliche Vater von Catrin. Und Kirstens alte Liebe  Erik, der vor Jahrzehnten aus der DDR geflohen ist, macht selbst Urlaub auf dem Campingplatz, um endlich seine Tochter zu sehen. Kirsten will alles unternehmen, um ihren jahrelang gelebten emotionalen Drahtseil-Akt nicht aus dem Gleichgewicht geraten zu lassen. Doch plötzlich steht sie ihrer Jugendliebe mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber und begreift, dass dieses Wiedersehen ihr Leben erst recht aus der Bahn zu werfen droht.

Maja und Catrin haben derweil ihren Herzen Flügel verliehen: Catrin gibt dem Werben ihres Zelt-Nachbarn Rudi nach und Maja umgarnt den ungarischen Hotelbesitzer Tamás. Aber auch diese beiden Männer haben ihre Geheimnisse: Tamás organisiert unter der Hand Fluchthilfe in den Westen, und Rudi, nicht nur treuherzig, sondern maximal linientreu, ist ein heimlicher Angehöriger der Balaton-Brigade und sieht endlich die Chance, dem sauberen Hotelier Tamás das Handwerk zu legen.

Als der Fluchtversuch eines Freundes auf dem Campingplatz tragisch endet und die Stasi-Spitzel sich auf die Lauer legen, um den nächsten Staatsfeind abzupassen, hat der für die Mädchen so unbeschwert begonnene Urlaub endgültig seine Leichtigkeit verloren.  Langsam aber sicher gerät die traute Welt der Erfurter Familie vor der idyllischen Kulisse des Plattensees aus den Fugen. Am Balaton fallen die Masken, eine nach der anderen…

"Die Tischdecke wurde zum Rock, der Wohnzimmervorhang zum Bikini" -  Kostümbildnerin Maria Schicker:
Als junges Mädchen bin ich selbst zum Balaton getrampt. Habe mich mit Freunden auf dem Campingplatz getroffen und über die Pullover auf dem Siófok-Markt gestaunt – nicht gekauft, das war zu teuer. Für uns aus der DDR war Ungarn das Tor zum Westen. Farbig, aufregend anders und fast unerschwinglich.
Es war mir ein großes Bedürfnis, die Kostüme so authentisch wie möglich zu designen, aber die Sehgewohnheiten haben sich komplett geändert: Es ist immer ein Abwägen zwischen dokumentieren und der Frage, wie weit kann ich gehen, ohne dass es für uns heute lächerlich wirkt. Deshalb habe ich das Ensemble in Kostüme gekleidet, die ihre Rolle unterstützen, sodass der Zuschauer für die Charaktere Empathie empfindet und sich in der Story fallen lassen kann.
Im Osten wurde eigentlich alles selbst genäht und gestrickt, das wollte ich auch bei der Erfurter Familie Stresemann zeigen. Ich habe unser Familienalbum studiert. Die aus Ost und West mit Schnittmusterbögen dienten mir ebenso als Orientierung.
Soweit möglich, wurde die West-Mode damals eins zu eins kopiert. Die Stoffe der DDR-Webereien gingen meist in den Westen. Kreativität war also gefragt – selbst aus "nichts" wurde noch etwas gemacht. Die Tischdecke musste herhalten und wurde zum Rock, oder der Wohnzimmervorhang zum Bikini. Jedes Stück wurde gehegt und gepflegt, die Wolle wieder verwendet, das Bettlaken blau gefärbt, um daraus eine Hose zu nähen.
Im Film tragen beide Frauen kleine "grenzüberfliegende" Symbole: Die Tasche mit der aufgestickten Möve, die Halskette mit einem Schwalbenanhänger, oder die kleine Libelle. Mutter Kirsten hat für die beiden genäht: den farbigen Hosenanzug für Catrin, den Pulli mit Schleifen auf dem Rücken für Maja. Catrin hat sich eine Jacke aus melierter Wolle gestrickt, das war einmal ein Pulli vom Vater. Maja ist die Romantische und kauft sich eine ungarische Bluse auf dem Markt, passend zur roten Hotpants.
Es gab natürlich auch Rollen, bei denen ich das ganze Spektrum von Farbe, Schulterpolstern, enger Taille und kiloweise "Bling-Deko" zeigen konnte. Da habe ich mit Freude tief in die Zauberkkiste gegriffen. So entstand ein sehr persönlicher und einmaliger Look für die Honigfrauen.

Bild: ZDF-Logo aus der Wikipedia

Kommentare  

#1 Hanne 2017-04-24 14:00
Wir waren als "Westler" während der 70er und 80er Jahre öfter am Balaton, in Siofok. Der Film bringt viele Erinnerungen zurück. Berichtigend würde ich sagen, daß wir niemals so ein villenähnliches Hotel gesehen haben wie die "Balaton-Residenz", es waren immer diese Hotelklötze. Ein Hotel in privater Hand gab es nicht und der Hotelchef mußte linientreu sein. Die Bespitzelung haben wir bemerkt, bzw. wurden darauf aufmerksam gemacht, aber als Westdeutsche hatten wir ja nichts zu befürchten. Allerdings wunderten wir uns, warum unsere Landsleute aus dem Osten nicht mit uns sprachen, jetzt ist uns alles klar.

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