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Adrian Black

StoryAdrian Black

Mein Unbehagen wuchs plötzlich ins Unermessliche, als Thomas Shelby mir das Buch zurückgab, welches ich bei einer Orientreise in der dunkelsten Ecke eines Ladens gefunden hatte. Der Besitzer, ein ungewaschener, nicht gerade vertrauenerweckender Typ mit Ziegenbärtchen, schien nur all zu froh gewesen zu sein es los zu werden. Er feilschte nicht einmal um den Preis.

Shelbys Hände zitterten wie bei einem Alkoholabhängigen der sein Pensum noch nicht erreicht hatte.

Als ich das Buch aus seinen Händen nahm zuckten sein Hände blitzschnell zurück, und er verschränkte die Arme vor seiner Brust.

 

Das Buch fühlte sich warm an, seltsam weich und geschmeidig. Dennoch war es fest und stabil, wie jedes normale Buch. Nur der seltsam süßlich-harzige Geruch schien stärker als zuvor zu sein.

"Was hast du herausgefunden?" fragte ich meinen Freund, leise. Aber als ich in seine Augen sah, war ich mir nicht mehr sicher ob ich es denn überhaupt erfahren wollte. Da war etwas, das mich bis ins tiefste Mark erschaudern ließ. "Vieles und wenig!" murmelte Thomas leise. "Wenig was dir helfen würde Adrian, aber vieles was ich nicht mehr vergessen kann, und das mich in meinen Träumen ein lebenslang peinigen wird - und darüber hinaus!"

Und dann erzählte Shelby mir von seinen Untersuchungen an dem Buch, die er nur abends nach Dienstende hatte durchführen können.

"Als du mir das Buch gabst um sein Alter zu bestimmen, Adrian" flüsterte er mit belegter Stimme und fuhr sich nervös durch sein Haar, "dachte ich das ich in ein, zwei Tagen fertig wäre. Aber ich irrte mich, wie du ja weißt!"

Thomas Shelby steckte sich eine Zigarette in den Mund, zündete sie an und nahm ein, zwei Züge.

Ich nahm mit Befremden zu Kenntnis das mein Freund, der sonst jegliches Laster ablehnte und einer der sportlichsten Menschen war die ich kannte, rauchte!

"Weißt du, mein Freund", fuhr er fort, "weißt du eigentlich das man in der Archäologischen Forschung auch mit DNA-Tests arbeitet?" 

Er wartete meine Reaktion gar nicht ab, sondern sprach weiter in seinem Flüsterton. "Als ich mit der üblichen Carbonanalyse buchstäblich", er kicherte kurz vor sich hin, so als hätte er einen Witz gemacht, "auf Granit stieß, und auch andere Bestimmungsmethoden versagten, da versuchte ich mit Hilfe der Gentechnik mein Glück."

Shelby zündete eine weiteren Glimmstengel an. "Ich nahm eine Proben der Buchdeckel, des Rücken und der Buchseiten, sowie der Schrift!"

Nach drei Zügen sprach er weiter. "Als ich das Ergebnis hatte traute ich meinen Augen nicht. Der Umschlag, nein auch die Seiten, das GANZE", seine Stimme wurde unmerklich lauter, "Buch war aus Haut!"

"Haut!?" Ich hatte das Gefühl als wenn sich ein tiefes Loch unter meinen Füßen auftat um mich zu verschlingen. Mich überkam eine grauenhafte Vorahnung.

"Ja!" Thomas Shelbys Augen wurden kleiner und schienen bis in meine Seele vordringen zu wollen. "Es war keine tierische Haut, nein es war Menschenhaut!"

Er kicherte plötzlich ohne Grund, und fuhr sich erneut durch sein Haar. "Menschenhaut... jaja... aber nicht nur von einem Menschen, es waren mehrere. Die DNA-Analyse zeigte mir das es eine ganze Familie gewesen war, die zu einem Buch verarbeitet wurde."

Ein würgendes Gefühl machte sich in meinem Hals breit. Meine Füße wollten diesen Ort verlassen, aber blieben wie angenagelt stehen. Ein Teil von mir schrie "Weg, nur weg!", der andere wollte aber nun auch den Rest der grauenhaften Entdeckung von Thomas Shelby erfahren.

Ein Fehler, den ich noch später büßen sollte.

Shelby murmelte weiter vor sich hin, unterbrochen von glucksenden und kichernden, dann wieder wimmernden Lauten. Er beschrieb welcher Teil der Familie welches Teil des Buches bildete. Ich versuchte weg zuhören, meine Gedanken auszuschalten, denn sein Gebrabbel verstörte mich zutiefst.

"Die ganze Familie wurde bis auf die Knochen, die zu Leim wurden mit dem das Buch gebunden wurde, genutzt. Selbst die Schrift des Buches ist aus dem Blut dieser Menschen!"

Ich schreckte aus meinen Gedanken auf, und starrte ihn entsetzt an. Jetzt erst begriff ich den kosmischen Ausmaß dessen, von dem er mir seit eine Viertelstunde berichtet hatte.

"Und du irrst dich nicht, Thomas?" Ich sah ihn direkt in die Augen, die irgendwie leblos wirkten und dennoch ein seltsames Funkeln hatten.

"Ich wünschte ich täte es, Adrian, mein Freund!" Er begann wieder nervös durch sein Haar zu fahren.

"Weißt du", er sprach wieder normal und deutlich, so wie ich seine Stimme in Erinnerung hatte, "dieses Buch ist älter als die bekannte Menschheit. Es ist uralt und böse. Abgrundtief böse. Wirf es weg, versenke es an der tiefsten Stelle des Meeres oder schieß es ins All!"

Er zündete wieder eine Zigarette an, ich wusste nicht mehr die wievielte, und sog gierig den Rauch ein. "Aber wenn du mich fragst, ist all dies zwecklos. Nur alleine das reinigende Feuer kann es - und das auch nur vielleicht - zerstören!"

Shelby sah mich mit klaren Augen an. "Verbrenne es, Adrian. Bei allem was dir heilig ist, verbrenne es mein Freund!"

Plötzlich wurde sein Blick glasig, seine Stimme fast unhörbar, nur ein "die Stimmen... hörst du nicht dieses Flüstern... der Wind..." Er drehte sich hastig um und rannte davon als wären tausend Dämonen der Hölle hinter ihm her.

*

Normalerweise genoss ich die langsamen Zugfahrten, denn in unserer heutige hektischen Zeit, in denen Zeit knappes Gut war und Menschen die Ruhe nicht zu schätzen wussten, nahm ich mir die Zeit zur Ruhe und die Muse zum Entspannen so oft ich konnte. Außerdem konnte ich so mit meinem Subnotebook arbeiten und meine Ergebnisse zu Papier bringen.

Doch diesmal war alles anders.

Allein, meinen Gedanken nachhängend, saß ich in meinem Zugabteil. Das Buch, welches Shelby an den Rand des Wahnsinns getrieben hatte, lag in meinem verschlossenen Koffer neben mir. Ich hatte nicht vor es in die Hände zu nehmen - jedenfalls so lange nicht, wie ich es nicht musste.

Ich dachte an Thomas Shelby. Was er mir berichtet hatte ließ mir keine Ruhe.

Das Buch bestand aus menschlichem Haut und Blut. Soweit glaubte ich seinen Worten. Doch das es älter sein sollte als die Menschheit war doch ein Widerspruch in sich. Wie konnte menschliches Material das Buch bilden wenn es vor der Menschheit entstanden worden sein soll?

Es sei denn...

Ich schüttelte den Kopf. Sicher, in meinem Beruf ist das Unglaubliche, das Unfassbare ein Teil des Täglichen Lebens, aber doch nur auf dem Papier, in einer fiktiven Welt. Und als Autor verschiedener Romane hatte ich meinen Leser schon des öfters schlaflose Nächte beschert.

Aber dies war selbst für meine Fantasie unglaublich weit her geholt.

Doch ich sollte mich noch nie so in meinem Leben geirrt haben, das sollte ich nur zu bald erfahren.

Die Stimme von Dana Scully mit der x-files Melodie im Hintergrund verkündete mir auf englisch das ich eine neue Mail hätte.

Irgend etwas in meinem Hinterkopf warnte mir die eMail zu öffnen.



Subject: Buch

From: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

To: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Hallo, Adrian,

wenn du das liest hoffe ich das es dir gut geht. Denn mich haben die Stimmen geholt, die dunklen Schatten des Wahnsinns.

Hüte dich vor dem Buch. Zerstören kannst du es nicht, aber verschließe es vor der Welt.

Und bei allem was dir heilig ist: werfe keinen Blick auf die Seiten!!!

Denn selbst wenn du es nicht lesen kannst, das Wissen wird sich deiner bemächtigen. Wenn das geschieht bist du genauso verloren wie ich.

Nur der Tod kann dich von diesem Wissen befreien - und selbst da bin ich mir nicht sicher.

Die Stimmen, sie sind wieder da. Sie flüstern leise zu mir. Oh mein Gott, warum ich, warum... Erlöse uns von dem Bösen... Nein, der Tod ist keine Erlösung.

Entsetzen ergriff mich, und eine unbegreifliche Furcht machte sich in meinem Körper breit.

Thomas war wahnsinnig geworden!

Ein eiskalter Schauder erfasste mich als ich Shelbys eMail löschte.

Dennoch spürte ich eine nie gekannte Nervosität.

Ich schloss mein Netbook und legte es neben mich auf den freien Sitz.

Draußen wurde es dunkel. Das letzte Licht des Tages wich der Finsternis der Nacht, die langsam über das Land kam.

Leichte Nebelschwaden standen über den Wiesen und Feldern, an denen der Zug vorbei ratterte, und bewegten sich im leichten Wind hin und her.

Ich zündete mir eine Pfeife an. Der Geruch nach Kokosnuss-Ananas füllte den Raum. So dachte ich eine Weile an nichts und blies Rauchwölkchen nach oben.

"Er... erwachen... nein... träumen... du bist es... geh' fort..."

Ich nahm meine Pfeife aus dem Mund. Niemand war im Abteil außer mir. Woher zum Teufel kam dieses Wispern und Flüstern?

Jetzt war es fort, und nun erst nahm ich das Rattern des Zuges wieder war, das zuvor scheinbar verstummt war.

Hatte Shelbys Wahn auf mich abgefärbt, oder war das Buch in meinem Koffer doch so gefährlich wie Thomas es mir weismachen wollte.

Ich schüttelte den Kopf über diese törichten Gedanke die ich hegte und wandte mich wieder meinem Netbook zu. Ich hatte noch einiges zu tun bevor der Zug den Bahnhof erreichte.

*

Es waren drei Tage seit meiner Zugfahrt vergangen. An die Stimmen hatte ich seit dem keinen Gedanken mehr verloren.

Das braunrote Buch, das meinen Freund Thomas Shelby solche Angst bereitet hatte, lag auf meinem Schreibtisch. Eigentlich hatte ich es zu meinen anderen Büchern stellen wollen, aber ein unbestimmtes Gefühl untersagte es mir.

Ich stellte mit befremden fest, das mein Blick immer öfter auf den Einband fiel, auf dem viele schauerliche Kreaturen ihr Unwesen trieben.

Es war so als würde das Buch mich zum öffnen auffordern, damit ich sein Wissen in mich aufnehmen konnte.

Ich hielt mich selbst zu dieser Zeit für einen willensstarken Menschen, der, wenn er sich am Riemen riss, der Versuchung widerstehen kann. Ich würde dieses Buch, dieses Etwas, nicht öffnen, geschweige denn lesen. Auf keinen Fall - Niemals!

Dennoch wanderten meine Gedanken zu Thomas Shelby zurück, und ich nahm mir vor ihn endlich anzurufen.

Ich griff zum Telefon und wählt seine Nummer. Das Freizeichen ertönte. Nach dem fünften Klingeln ging der Anrufbeantworter an.

"Hier ist der Anschluss von Thomas Shelby. Hinterlassen Sie mir eine Nachricht. Ich werde mich melden!"

Ich atmete tief durch.

"Thomas... Adrian hier. Bitte geh' ran! Thomas...?  Ok! melde dich bitte bei mir! Wie geht es dir? Thomas, bitte, ruf' zurück!"

Ich legte beunruhigt auf. Ein leichtes Ziehen machte sich in meinem Hinterkopf breit. Eine leise Stimme sagte mir das Thomas nicht zurückrufen würde. Aber sie sagte mir nicht was auf mich zukam.

Hätte ich dies zu diesem Zeitpunkt gewusst, ich wäre wie von tausend Ameisen gebissen aufgesprungen und hätte mein Heil in der Flucht gesucht!

So aber harrte ich der Dinge die da kommen sollten.

*

Es war eine stürmische Nacht, der Regen floß in Strömen, und die Äste der Weide, die vor meinem Haus stand schlugen in einem unheimlichen Takt gegen die große Scheibe meines Arbeitszimmers.

Es war etwa gegen Mitternacht, als ich dieses Pochen hörte. Ein leises, kraftloses Pochen, das von meiner Terrassentür zu kommen schien.

Wer um Himmelswillen konnte das um diese Uhrzeit sein, fragte ich mich, denn Besuch erwartete ich keinen.

Als ich an der Tür war, erstarrte ich, denn durch die Scheibe sah ich Shelby.

Er stand bis auf die Haut durchnässt vor der Tür. Seine Haltung war gebückt, und sein Kopf bewegte sich hin und her, so als würden seine Augen nach einem Verfolger Ausschau halten.

Ich öffnete die Tür.

Thomas starrte mich an. Sein Blick war der eines gehetzten Tieres gleich, das vor dem Jäger in einem Busch Zuflucht gefunden hatte.

"Lass mich rein, bei Allem was dir noch heilig ist, lass mich rein!"

Ich nickte meine stumme Zustimmung.

Eilig trat er ein.

Ich schloss die Glastür, dabei vermeinte ich im Licht eines zuckenden Blitzes einen seltsamen Schatten am Rande des Waldes zu sehen, der sich zum Teil auf meinem Grundstück befand.

"Ich habe dir viel zu berichten!" Thomas wirkte nervös. "Aber es wird dir nicht gefallen, mein Freund!"

Ich sah ihn fragend an. "Du sprichst in Rätseln, Thomas." Ich schenkte uns zwei Gläser Scotch ein.

Begierig trank Shelby den Whisky, und ich goss nach.

"Und rede nicht um den heißen Brei, mein Freund. Was ist mit dem Buch los. Du weißt ich glaube nicht an Hexerei, aber seit ich das Buch habe, bezweifle ich das ich damit recht hatte!"

Thomas Shelby sah mich seltsam an. "Was ist es? Hast du schlechte Träume? Oder ist es das Buch? Bewegen sich die Figuren auf dem Deckel, oder gar die Schrift?" Erneut nahm er einen Schluck, und bohrte dann mit heiserer Stimme nach: "Hörst du manchmal flüsternde Stimmen ohne jemanden zu sehen?"

Ich erschauderte.

"Keine Träume, Stimmen auch nicht!” log ich. "Es ist das Buch das mich bis ins Mark erschauern lässt. Es ist als hätte es eine Aura des abgrundtiefen Bösen, dass selbst Luzifer Zuflucht im Himmel suchen würde, das mir entgegen strahlt, sobald ich in seiner Nähe bin. Und trotzdem - ich kann es nicht wegwerfen!"

"Ja!" Shelby kicherte vor sich hin, "Es ist soweit, das Buch will dich haben. Dich seine Weisheiten lehren! Doch dieses Wissen hat seinen Preis, und ich denke nicht, dass du ihn zahlen willst!"

Er trank einen neuen Schluck, und ich schenkte das dritte Glas voll.

"Jedenfalls nicht freiwillig! Doch das Buch hat seine Möglichkeiten dich dazu zu bringen!" Seine Stimme klang schwer, und der Whisky entfaltete seine Wirkung.

"Weißt du eigentlich, wo du dein Haus erbaut hast?" Seine Augen hatten wieder diesen durchbohrenden Blick, der bis in mein Innerstes drang.

Irgendwas in seiner Stimme ließ sämtliche Alarmglocken in mir läuten. Mein Haus hatte ich in einem saarländischen Ort nahe am Waldrand gebaut. Über mir erstreckte sich der Berg Littermont mit seiner Schlossruine.

Die Legende erzählt von einem Ritter Maldix, dem Sohn einer Adligen, der Margaretes vom Littermont, welcher ein ungestümer, grausamer Jägersmann gewesen sein soll. Im Jahr 1429 wollte er am heiligen Karfreitag in den frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang eine Treibjagd im Nalbacher Herrenwald veranstalten. Er entdeckte einen großen weißen Hirsch und hetzte ihn durch den Wald auf den Litermont. An einer Schlucht konnte Ritter Maldix sein Pferd nicht mehr zügeln und stürzte in den Tod. Im Sturmwind soll man Maldix noch heute durch das Nalbacher Tal brausen hören.

"Ja, und wie du weißt gibt es im Saarland viele Orte, die als magisch oder mystisch bekannt sind. Aber dafür bis du den weiten Weg doch nicht hergekommen. Was willst du mir sagen?!"

Ich nahm einen großen Schluck aus meinem Glas und goss mir ein Zweites ein.

Shelby begann plötzlich zu zittern, so als stände er nackt im Schnee. "Du musst mir das Buch geben, Adrian. Um deiner Seele willen, GIB MIR DAS BUCH!!!" Seine letzten Worte schrie er fast heraus.

"Thomas, um Himmelswillen! Was ist nur in dich gefahren?" Ich sprang aus dem Sessel. "Wenn du willst das ich das Buch verbrennen soll, dann werfe ich es jetzt hier und heute in den Kamin!" Ich machte Anstalten das Buch zu nehmen.

"NEIN!" Mein Freund packte meine Hand. "Tu' es nicht. Für dich ist es nicht zu spät! Für mich schon!"

Er ließ meine Hand los, und ich rieb mir das schmerzende Handgelenk.

"Sorry, Adrian, wollte dir nicht weh tun. Noch bin ich Herr meiner Selbst. Auch wenn es dir anders erscheint. Doch bald werde ich nicht mehr Thomas Shelby, dein Freund sein. Es kommt die Zeit in dem ich nur noch Ihm diene. Ihm, dessen Name du besser nicht erfährst." Er nahm den letzten Schluck aus seinem Glas, und plötzlich war seine Stimme klar und deutlich, so als wäre jeder Alkohol aus seinem Körper gewichen.

"Hast du in dem Buch gelesen, Adrian!"

Ich verneinte. Der Anblick des Einbandes und die Analyse, die Shelby mir vor Tagen gegeben hatte, hatte dies verhindert. Doch ich wusste nicht, ob ich nicht heute Nacht nicht den Schritt gewagt hätte.

All dies teilte ich meinem alten Freund Shelby mit, der erleichtert aufatmete.

"Dann ist es nicht zu spät wenigsten dich zu retten, mein Freund!" Er nahm das Buch an sich ohne das ich ihm widersprach.

Wortlos wandte er sich um und schritt zur großen Glastür, die Wohnzimmer und Terrasse trennte.

"Thomas!"

Er wandte mir sein Gesicht das eine seltsame wilde Entschlossenheit widerspiegelte seinem Schicksal zu trotzen, obwohl er wusste das es zwecklos war.

"Ich werde für deine Seele beten!" Ich wusste nicht warum ich dies sagte, war ich doch kein besonders religiöser Mensch,  doch bis heute hielt ich dieses Versprechen!

"Danke, mein Freund. Vergiss mich nicht. Und halte dich von Schatten fern!"

Dann verließ er mein Haus und trat wieder in den strömenden Regen der Nacht.

Am Rand des Waldes sah ich wieder diese dunkle Gestalt. Doch diesmal saß sie auf einem Pferd.

Shelby ging direkt auf sie zu.

Eine Hand streckte sich ihm entgegen und zog ihn auf das Pferd.

Plötzlich zuckt ein greller Blitz durch die Gewitterwolken, und ich konnte die Gestalt erkennen. Es war ein seltsam altertümlich gekleideter Mann mit einem wilden Bart. Und es schien mir als würden seine Augen feurig lodern.

Maldix!

Ich erstarrte, konnte mich nicht rühren, nicht die Tür schließen.

Maldix, der Wilde Jäger! Es gab ihn wirklich!

Dann war es wieder dunkel.

Shelby und die Gestalt, die ich als Maldix zu erkennen geglaubt hatte, waren verschwunden. So als hätte sich der Erde aufgetan und sie verschluckt.

Zitternd schloß ich die Terrassentür und ging zurück zur Bar. Nach zwei Whisky ging es mir besser.

In dieser Nacht konnte ich kein Schlaf finden. Also blieb ich auf und schrieb die Erlebnisse der letzten Wochen und Tage auf.
Zu Erinnerung an Shelby, und als Warnung für all die, die diese Geschichte lesen werden.

*

Drei Monate sind nun seit der Veröffentlichung meines Romans "Die schlafenden Götter" vergangen, der reißenden Absatz gefunden hatte und noch immer in den Bestsellerlisten stand.

In dieser Form verpackt konnte ich der Menschheit von dem Grauen erzählen, das uns unsichtbar - und manchmal auch nur zu sichtbar - umgibt, denn sonst hätte man mich in die Irrenanstalt gesteckt.

Doch ich hatte nicht alles berichtet, so dass die unwissenden Leser nicht der Verdammnis anheimfallen würde die Shelby ereilt hatte, und vor der ich hoffentlich bewahrt wurde.

Denn Thomas Shelby hatte mir noch etwas zugerufen, bevor er und der Wilde Reiter verschwanden.

"Ph'nglui mglw'nafh Cthulhu R'lyeh wgah'nagl fhtagn."

Ende
(c) by Michael Müller 2011

Kommentare  

#1 Dolmial 2011-10-23 14:27
Das Reich von Cthulhu wird kommen, fürchtet die letzten Tage? :cry:
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