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LEGION

StoryLEGION

Ich glaube, dass das Böse eine starke,
spürbare Macht auf Erden ist.
Das Böse ist so real wie du und ich.
Auch heute gibt es den Teufel noch.
Der Teufel ist ein glänzender Imitator.
Ein Meister perverser Nachäffung.
Er kann so aussehen, als wäre er nirgends,
aber er ist überall !
Diejenigen, die die Existenz des Bösen leugnen,
- angeblich auf verstandesmäßiger Ebene –
leugnen, was sie in der Welt sehen,
was sie über die Welt hören
und was sie fast jeden Tag ihres Lebens denken und fühlen.
Sie bestreiten, was sie in Zeitungen lesen.
Glaube mir,
das Böse ist auch in diesem Augenblick überall in unserer Nähe.
Ich weiß, dass es wahr ist.

Aus: DIE WIEGE DES BÖSEN von JAMES PATTERSON


Die Gestalt ging langsam über die Straße. Niemand schien sie zu bemerken bzw. konnte sie sehen und das bereitete der Gestalt besonders großen Spaß. Jedenfalls das, was die Gestalt unter Spaß verstand.

Sie konnte Zentimeter vor einem Menschen stehen und ihn anhauchen und er würde sie nicht einmal bemerken. Das machte es ihr aber auch viel leichter die Menschen zu beeinflussen, ohne dass es dem einzelnen bewusst wurde.

Die Gestalt sah zwei Menschen, die sich stritten. Die Lippen verzogen sich zu einem diabolischen Grinsen. Mit Entzücken dachte sie daran, was nun geschehen würde.

Sekunden später stand sie neben den beiden Streithähnen. Die Gestalt beobachtete mit großer Freude, dass sich seit ihrem Eingreifen der Streit ausgeweitet hatte.

Wüste Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten lockten Dutzende von Schaulustigen an, die mit gierigen Blicken das Schauspiel beobachteten.

„Na, gefällt es Euch?“, sagte die Gestalt zu den Passanten, die als Antwort nur noch gieriger das Geschehen verfolgten, in der Erwartung, dass auch endlich Blut floss.

„Töte ihn“, flüsterte die Gestalt dem einen Streithahn ins Ohr. Doch aus irgendeinen Grund schien die Gestalt bei diesem Menschen mit ihren Einflüsterungen keinen Erfolg zu haben.

Doch sie gab nicht auf. So wandte sie sich den anderen Streithahn zu und dieser nahm die Worte „TÖTE IHN“ in sich auf.

Minuten später lag einer der beiden Männer mit eingeschlagenem Schädel auf dem Asphalt.

Und noch immer verfolgten die Passanten gierig und völlig unmenschlich wirkend in ihrem Voyeurismus das Geschehen, ohne dass auch nur einer von ihnen eine Hand rührte, um zu helfen.

Die Gestalt rieb sich unterdessen vor lauter Freude die Hände. Wieder hatte sie eine Seele in SEIN dunkles Reich aufgenommen. Und weitere sollten folgen.

Als sie die Straße wieder überquerte, hielt sie kurze inne und nahm die bösen Gedanken und Taten der Menschen, wie ein Mensch den Sauerstoff, in sich auf.

Vor ihren geistigen Augen spielten sich Tragödien ab. Mord, Raub, Vergewaltigung und zu was die Menschen noch so alles fähig waren. 

Er liebte die Menschheit mit all ihren Fehlern und schlechten Eigenschaften. Sie würde noch viel Böses schaffen bis sie untergehen würde.

****

Jason hatte die Schnauze voll. Ihn kotzte mal wieder alles an.

Was hatte es für einen Sinn sich  fünf Tage die Woche abzurackern und dann irgendwann mit einer kleinen Rente, wenn es die in einigen Jahren überhaupt noch gab, irgendwo im Alter dahinzuvegetieren?

Überall wurden den Leuten das Geld nur so aus der Tasche gezogen und jeder wurde verarscht. Alles wurde teurer, doch mehr Geld bekam man nicht.

Jason spuckte auf den Boden, zog eine Fluppe aus der fast leeren Zigarettenschachtel und entzündete sie zwischen seinen Zähnen.

Für einige Sekunden genoss er diese Sucht, bis ihn die Wirklichkeit wieder einzuholen schien.

Er beobachtete eine Gestalt, die, wie ein Geist,  durch die Menschen hindurchzugehen schien. Selbst als sie nur Zentimeter vor einem der vielen Passanten stand, schien dieser die Gestalt nicht zu bemerken.

Es war seltsam.

Jason wollte weitergehen, doch er konnte den Blick nicht von dieser unheimlich wirkenden Gestalt abwenden.

Die Faszination schien einfach zu groß.

Plötzlich blickte die Gestalt in seine Richtung und schien Jason ebenfalls für einige Sekunden zu beobachten bis ein wissendes Lächeln ihre Mundwinkel umspielte und sie - ohne den Verkehr auf den Straßen zu beachten - zu ihm hinüberkam.

****

Die Gestalt ging durch einige der Menschen einfach hindurch, als existierten diese gar nicht und säte währenddessen überall Zweifel und Zwietracht in deren Seelen.

Einen anderen Passanten hauchte er mit seinem Atem an und dessen freundliches Gesicht verdüsterte sich und eine grimmige Miene machte sich auf seinem Gesicht breit.

'Na, da hat seine Frau aber zu Hause nichts mehr zu lachen', dachte die Gestalt und freute sich diebisch, wieder Böses in die Herzen eines Menschen gesät zu haben.

Doch plötzlich stoppte die Gestalt in ihrer Bewegung.

Sie spürte, dass sie beobachtet wurde, aber das war unmöglich. Kein menschliches Wesen konnte ihn sehen. Und doch ...

Die Gestalt blickte zur gegenüberliegenden Straßenseite und sah einen Mann mittleren Alters, der sie neugierig zu beobachten schien.

‚Also es gibt sie doch noch‘, dachte die Gestalt, ‚Menschen, die seinesgleichen erkannten‘.

Die Gestalt beobachtete den Menschen noch einige Sekunden lang, dann ging sie zu ihm hinüber.

****

„Du kannst mich also sehen?“, fragte ihn die Gestalt.

Jason nickte.

„Wer oder was bist du? Der Teufel?“

Die Gestalt grinste hinterhältig.

„Nein, ich bin nicht der Teufel. Man nennt mich LEGION!“, antwortete die Gestalt stolz, als sie Jason ihren Namen sagte.

„LEGION?

„Also, ein Dämon?“

Die Gestalt verdrehte die Augen.

„Wenn du so willst.“

„Ich verstehe nicht ...“

„Das wirst Du auch nicht, Mensch. Die Menschheit ist dumm. Ihr geht mit geschlossenen Augen durch diese Welt, obwohl ihr so viel sehen könntet, wenn ihr Eure Augen nur einmal richtig öffnen und genauer hinsehen würdet. Aber es gibt auch einige wenige von Euch, die Dinge sehen ...“

„So, wie ich?

 „Ja, so wie du. Aber dieses Wissen, Dinge zu sehen, die andere nicht sehen, birgt auch  ihre Gefahren ...“

Jason entfernte sich einige Schritte von der Gestalt.

„Du brauchst keine Angst zu haben, Mensch ...“

„Ich heiße Jason, Dämon!“

LEGIONS Gesicht verdüsterte sich für Sekunden.

Er schien über das Wort Dämon verärgert zu sein.

„Gut, Jason. Diene mir und ich erfülle dir jeden deiner Wünsche. Geld, Macht, Frauen, ewiges Leben. Was immer du dir je in deinem Leben gewünscht und erhofft hast, geht in Erfüllung! ALLES WAS DU WILLST!“

Die Stimme LEGIONS wurde immer verheißungsvoller. Und plötzlich veränderte die Gestalt ihr Aussehen.

„Du wolltest mich doch immer schon haben“, sagte zu ihm eine bekannte Frauenstimmen. „Greif zu und DU wirst mich für immer besitzen! FÜR IMMER!“

„Du kannst jede Frau haben, die DU willst“, sagte LEGIONS Stimme verheißungsvoll und ein anderes Frauengesicht kam zum Vorschein.

„Du willst Macht über die Menschen. Du bekommst sie. Du willst die Welt nach Deinem Gutdünken verändern? Auch diesen Wunsch kann ich DIR erfüllen!  DU MUSST NUR ZUGREIFEN, JASON!“

Jason schloss für einige Sekunden die Augen.

Nein, dieser Dämon war nicht besser als all die Politiker und all die anderen, die den Menschen etwas versprachen und es dann doch nicht hielten.

Die den Menschen vorgaukelten, dass Geld und Macht alles im Leben war und alles andere nichts.
Nein, dieser Dämon hielt genauso wenig sein Wort wie all die anderen.

Es war eine Utopie zu glauben, dass LEGION seine Versprechungen halten würde.

„N E I N !“, antwortete Jason zum Erstaunen von LEGION. „Ich werde DIR nie dienen. Verpiss dich und lass mich in Ruhe!“

Die Gestalt überlegte.

Hier hatte er es mit einem besonders schwierigen Exemplar der Rasse Mensch zu tun.

Wieder so ein elender Zeitgenosse, der dachte, gegen den Strom schwimmen zu können und nicht mit den Wölfen heulen zu müssen.

Dieser Narr!

LEGION und seinesgleichen hatte viele Tausende Anhänger auf dieser Welt. Dieser Wicht würde sich wundern, in welchen Positionen sie alle saßen.

Doch plötzlich verging seine Wut auf diesen Menschen, der sich gegen ihn stellte, wie sie gekommen war und ein Plan keimte in seinen Gedanken.

Und wieder umspielte ein hinterhältiges Grinsen seine Mundwinkel.

„Du kannst gehen, Jason.  Ich werde dich nicht aufhalten.“

Jason sah LEGION an.

Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, als habe er den Dämon durchschaut.

„Ich glaube, das könntest du auch nicht, Dämon, selbst wenn du es wolltest. Du scheinst nicht über alle Menschen auf Erden Macht zu haben, um sie nach deinem Gutdünken zu beeinflussen und zu manipulieren ...“

„Geh!“, unterbrach ihn die Gestalt, die über die Worte des Menschen wieder verärgert schien.
Doch noch hielt LEGION seinen Zorn unter Kontrolle.

Jason entfernte sich vorsichtig von der Gestalt.

Als er einige Zeit später  die Straße überqueren wollte, vergewisserte er sich, dass kein Wagen sich ihm näherte und ging dann weiter.

Doch plötzlich hörte er den Schrei eines Menschen, der sich anscheinend in höchster Not befand.
Instinktiv drehte sich Jason, der die Straße zur Hälfte überquert hatte,  zu dem Hilferuf um, übersah dabei aber ein Auto, das sich ihm plötzlich mit hoher Geschwindigkeit näherte.

Bevor der Autofahrer wusste, wie ihm geschah, hatte er Jason bereits erfasst, der einige Meter weit durch die Luft geschleudert wurde.

LEGION hatte unterdessen alles beobachtet und lächelte hintergründig über den Unfall, den  er eigens für Jason arrangiert hatte.

Er schaut auf den blutüberströmten Körper dieses Starrsinnigen, der reglos am Boden lag.

Ein Mensch, der ihm und seinesgleichen hätte gefährlich werden können, war ausgeschaltet worden und er konnte seinen Auftrag, Tod und Verderben über die Menschheit zu bringen, ungehindert fortsetzen.

Er schnippte mit den Fingern und der Autofahrer, der Jason angefahren hatte, fasste sich an die Brust und starb Sekunden später, als sein Herz für immer aufhörte zu schlagen.
Danach verschwand er, ohne auch nur einen weiteren Gedanken an die beiden Menschen zu verschwenden, und setzte sein Tagewerk fort.

©  by Ingo Löchel

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