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The Evil of ... Hammer & Co. - Die Hammerfilme: (WIE SCHMECKT) DAS BLUT VON DRACULA

The Evil of ... Hammer(WIE SCHMECKT) DAS BLUT VON DRACULA
(TASTE THE BLOOD OF DRACULA)

 

Nach „DRACULAS RÜCKKEHR“ (Originaltitel: DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE) ging es bei Hammer ums Eingemachte. Eine weitere Dracula-Fortsetzung musste aufgrund des Erfolges her. Da Christopher Lee keine Lust mehr hatte, wollte man einen jüngeren Schauspieler für die Rolle des Grafen Dracula verpflichten. Die Wahl fiel auf RALPH BATES.


1Doch davon wollte Warner Bros. Seven Arts nichts wissen. Warner bestand auf Lee als Dracula-Darsteller, um den Film zu finanzieren. Aus diesem Grund musste Hammer in den sauren Apfel beißen. Sie erhöhten Lees Gage, sodass der Schauspieler schließlich zusagte, ein weiteres Mal in die Rolle des Grafen Dracula zu schlüpfen. Christopher Lee hätte es lieber lassen sollen.

Die Dreharbeiten zu „TASTE THE BLOOD OF DRACULA“ begannen am 27. Oktober 1969 und wurden am 5. Dezember 1969 beendet.

Als Regisseur wurde der Ungar PETER SASDY verpflichtet, der zuvor nur für diverse TV-Serien tätig gewesen war. Das wirre Drehbuch stammte mal wieder aus der Feder von Anthony Hinds. Ein Drehbuch von Kevin Francis, dem Sohn des Regisseurs Freddie Francis, hatte Hammer zuvor abgelehnt, obwohl später einige Szenen von Kevin in der Drehbuchversion von Hinds auftauchten.

Der ‚Kaufmann‘ Weller (Roy Kinnear) wird von einem geistig verwirrten Mitreisenden aus der Kutsche geworfen und irrt ziellos durch den nächtlichen Wald. Schließlich erreicht er den Ort, an dem Dracula (am Ende von „DRACULAS RÜCKKEHR“) durchbohrt von dem Kreuz in den letzten Zügen liegt.
Nachdem sich der Vampir aufgelöst hat, nimmt Weller dessen Umhang, Draculas Ring und Kette sowie ein bisschen von Draculas Blut, das sich in ein rotes Pulver verwandelt hat, mit.

Danach wechselt die Handlung des Films zu den drei perversen Geschäftsmännern William Hargood (Geoffrey Keen), Samuel Paxton (Peter Sallis) und Jonathon Sekker (John Carson), die sich einmal in der Woche treffen, um etwas ‚Besonderes‘ zu erleben. In einem Bordell treffen sie auf Lord Courtley (Ralph Bates), der von seinem Vater enterbt wurde, weil er bei einer Schwarzen Messe erwischt wurde.
Die drei sprechen Courtley an, der sie zum ‚Kaufmann‘ Weller führt. Von ihm kaufen Hargood, Paxton sowie Sekker die Hinterlassenschaften Draculas, um eine schwarzmagische Messe zu zelebrieren.

Am Abend treffen sich die vier Männer in einer verlassenen Kirche, um die Zeremonie durchzuführen. Doch als sie das Blut Draculas trinken sollen, kneifen sie und töten Lord Courtley, nachdem dieser das Blut seines Meisters getrunken hat. Danach fliehen Hargood, Paxton und Sekker.

Doch die drei Männer haben die Rechnung ohne Dracula gemacht. Der erwacht nach der Ermordung Courtleys zu neuem Leben und rächt sich an den drei Mördern seines Jüngers. Nach und nach lässt er die drei Männer von deren Kindern ermorden, die unter seinem Bann stehen. Zuerst tötet Alice Hargood ihren Vater. Danach folgt Lucy, die zusammen mit Alice ihren Vater Samuel Paxton in der verlassenen Kirche ermordet.
Als Letzter muss Jonathan Sekker dran glauben, der von seinem eigenen Sohn erstochen wird. Doch dieser konnte Paul, den Geliebten von Alice, insoweit instruieren, dass er den Kampf gegen Dracula aufnehmen kann, um Alice aus dessen Klauen zu erretten.

Der Lebensmittelkontrolleur schlägt zuEs dauert fast 45 Minuten, bis Christopher Lee (nach einer sehr kleinen Szene am Anfang) endlich im Film auftaucht. Danach wird der Film aber auch nicht viel besser, der am Anfang sehr langatmig wirkt.

Der einzige Lichtblick ist dagegen RALPH BATES, der als Einziger im Film wirklich überzeugen kann. Es wäre bestimmt recht interessant gewesen, ihn als neuen Dracula im Film begrüßen zu können. Aber daraus wurde leider nichts.

Ansonsten scheint der Film ziemlich schnell heruntergekurbelt worden zu sein. Auch der Regisseur Peter Sasdy scheint mit der filmischen Darstellung von „WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA“ ziemlich überfordert gewesen sein. Kein Wunder, wenn man die wirre Handlung (besonders am Schluss) betrachtet.

Anthony Hinds scheint am Schluss des Films jedenfalls nichts mehr eingefallen zu sein. Die Handlung in der verlassenen Kirche ist nicht nur völlig unzulänglich, sondern der Zuschauer weiß überhaupt nicht, was er mit dieser wirren Zurschaustellung überhaupt anfangen soll.

Hier fällt besonders Pauls ‚Kampf‘ gegen Graf Dracula auf. Es bedarf schon etwas mehr, als ein weißes Tuch nebst zwei Kerzen und einem Kreuz auf dem Altar, um eine entweihte Kirche neu zu weihen. Hier hätte sich Hinds etwas mehr informieren sollen, um das Ganze viel glaubhafter und realitätsnäher rüberzubringen.

Als Dracula auftaucht, attackiert Paul den Vampir mit dem Kreuz vom Altar, das plötzlich in hellem Licht erstrahlt. Dracula flüchtet nach oben und wird dort plötzlich mit einem Kreuz in einem Glasfenster konfrontiert, das ebenfalls zu leuchten beginnt, das er jedoch zerschlagen kann.

Doch plötzlich erscheint die völlig verwahrloste Kirche in neuem Glanz. Die Kirche erstrahlt im hellsten Licht und sieht auch sonst völlig rein und aufgeräumt aus. Durch diese, nennen wir es mal ‚Vision‘, wird Dracula völlig paralysiert und stürzt (natürlich) mitten auf den Altar, auf dem er sich nach und nach langsam auflöst.

Wo der Anfang des Films schon völlig unzureichend wirkt, ist der Schluss des Films die Krönung des Ganzen. Nämlich Jacobs Krönung. Und das in negativer Hinsicht. Die Frage steht nach wie vor im Raum, was sowohl Regisseur Peter Sasdy als auch Drehbuchautor Anthony Hinds damit überhaupt bezwecken wollten. War es so eine Art Lückenfüller, weil Hinds nichts mehr Brauchbares eingefallen war?

So kann „WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA“ weder in der Handlung noch in Bezug auf die Darsteller, abgesehen von RALPH BATES, überzeugen. Auch Christopher Lee agiert eher lustlos als Graf Dracula, was aufgrund des dämlichen und fantasielosen Drehbuchs und der Handlung des Films auch kein Wunder ist.

Auch die Kinozuschauer waren von dem vierten Dracula-Film aus den Hammer Studios ganz und gar nicht begeistert. Denn „TASTE THE BLOOD OF DRACULA“ war der erste Dracula-Film aus der Hammer-Schmiede, der an den Kinokassen floppte, und das nicht ohne Grund.

Und „TASTE THE BLOOD OF DRACULA“ sollte nicht der letzte Hammer-Film sein, der keinen Gewinn mehr einspielen sollte.

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Wie schmeckt das Blut von Dracula(WIE SCHMECKT) DAS BLUT VON DRACULA
(TASTE THE BLOOD OF DRACULA)
GB 1969

Stab
Regie: Peter Sasdy
Drehbuch: John Elder
Produktion: Aida Young
Musik: James Bernard, Philiph Martel
Kamera: Arthur Grant
Schnitt: Chris Barnes

Darsteller
Christopher Lee als Graf Dracula
Linda Hayden als Alice Hargood
Anthony Higgins als Paul Paxton
Ralph Bates als Lord Courtley
Geoffrey Keen als William Hargood
Peter Sallis als Samuel Paxton
John Carson als Jonathan Sekker
Roy Kinnear als Weller
Michael Ripper als Inspector Cobb
Gwen Warford als Martha Hargood
Isla Blair als Lucy Paxton
 

© by Ingo Löchel

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2012-03-07 14:19
Zweifellos ist Taste ein Hammer-Film, der polarisiert. Man findet ihn öde oder man findet ihn toll :lol: Ja, das Ende ist schwach ? aber das trifft auf die meisten Hammer-Filme zu -, und Dracula hat nur wenig Auftritte. Aber auf jeden Fall versucht das Drehbuch, einmal eine andere Geschichte zu erzählen. Tatsächlich kam Dracula in der allerersten Fassung überhaupt nicht vor, weil Lee keine Lust mehr hatte ? sein Herz hing zu der Zeit an einer "authentischeren" Dracula-Verfilmung, nämlich der von Jess Franco. Und verglichen damit ist Taste ein Oscar würdiges Meisterwerk.

Statt Dracula stehen in Taste die verlogenen Herren der ach so anständigen viktorianischen Gesellschaft im Mittelpunkt, die ihre Familien als Patriarchen tyrannisieren und nach dem Kirchgang im Puff die Sau rauslassen, bis ihnen das zu langweilig wird und sie ihren Kick bei einer Satansmesse holen wollen. Die Idee, dass Dracula ausgerechnet ihre unschuldigen Kinder korrumpiert und auf sie hetzt, spiegelt auf eine verdrehte Weise schon den Zeitgeist von 69/70 wieder und ist eine originelle Idee.

Sicherlich ist das Drehbuch nicht konsequent genug umgesetzt worden und Lee als Dracula war da auch nicht hilfreich. Vermutlich wäre es ein besserer Film geworden, wenn man auf ihn verzichtet hätte, genau wie in "Dracula und seine Bräute". Aber verglichen mit dem Rest der Dracula-Filme, wo Hammer verzweifelt versuchte, dem Zeitgeist hinterherzurennen und damit grandios scheiterte, ist Taste nun wirklich alles andere als ein Lückenfüller.

Die schauspielerische Leistung von Linda Hayden, die beim Dreh gerade mal 17 war, ist hier noch sehr schwankend, keine Frage. In Blood on Satan´s Claw aus demselben Jahr war sie auf jeden Fall eindrucksvoller.

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