Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Von Supermarionetten, UFOs und Space:1999

Gerry AndersonVon Supermarionetten, UFOs und Space:1999
Gerry Anderson und seine Serien

Geboren wurde Gerald ›Gerry‹ Anderson am 14. April 1929 in West Hampstead/London und eigentlich dürfte zu diesem Zeitpunkt noch niemand gewusst haben, dass Gerry eines Tages mit einigen visionären Formen über die Zukunft Erfolge feiern wird. Auch in Deutschland wird die Science Fiction im Fernsehen - besser gesagt im ZDF - über einen längeren Zeitraum eben durch die Zukunftsvisionen von Gerry Anderson geprägt. Doch mit realen Schauspielern hatten die Andersons am Anfang nicht viel am Hut.

 

Gerry AndersonMit Fäden an Armen und Beinen in den Weltraum
Zuerst waren Gerry und seine Frau Sylvia Anderson in der Ortschaft Slough bekannt als Marionettenkünstler und deren filmische Umsetzung. War ihre Serie THE ADVENTURES OF TWIZZLE, die 1957/1958 umgesetzt wurde, noch eher auf ein kindliches Publikum ausgerichtet, so entwickelten sie doch rasch die Technik ihrer sogenannten "Supermarionetten" weiter und sparten auch nicht an der Entwicklung von Spezialeffekten für den Bereich Science Fiction. Denn eines sollten sie mit Sicherheit nicht werden - eine englische Kopie der deutschen Augsburger Puppenkiste. Denn während die über Jim Knopf und das Urmel erfolgreich die Einschaltquoten im Bereich des Kinderprogramms nach oben schnellen ließen, hatte man in Großbritannien völlig andere Ziele.

Mit Serien wie SUPERCAR, FIREBALL XL5 oder STINGRAY hatten die Andersons bereits ihr Publikum von den reinen kindlichen Zuschauern auch auf die Erwachsenen ausgeweitet. Phantastische Abenteuer im Weltraum oder in den Tiefen des Meeres waren bei Gerry Anderson angesagt, und das sicherte ihm 12 sehr erfolgreiche Jahre im TV. Und was dabei interessant war ist die Tatsache, dass man keine hohen Kosten für gute Schauspieler veranschlagen musste - jedenfalls vorerst nicht. Und so manche seiner phantastischen Marionetten-Visionen fanden auch Eingang in die deutsche Fernsehlandschaft.

ThunderbirdsDie einstündige Pilotfolge zur Serie THUNDERBIRDS (1965/1966) mit dem Titel TRAPPED IN THE SKY begeisterte den damaligen Chef von ITC Entertainment, Lew Grande so sehr, das Gerry Anderson das Folgekonzept der auf je 25 Minuten ausgelegten Episoden ändern musste. Dies betraf aber weniger die inhaltliche Konzeption sondern in der Hauptseite die Laufzeit der jeweiligen Episoden der Serie, die nunmehr auf eine Spielzeit von rund 60 Minuten pro Folge ausgeweitet wurde. Es sollten aber noch einige Jahre und weitere Serien mit Marionetten wie z.B. CAPTAIN SCARLET AND THE MYSTERONS vergehen, bevor an die Stelle der Marionetten Darsteller aus Fleisch und Blut treten sollten.

Projekt Blue Box wird geschlossen...

UFO...verkündet die US-Regierung und beendet damit für die Öffentlichkeit nachvollziehbar die Untersuchungen zu dem Phänomen von Sichtungen sogenannter UFOs, mit denen angeblich Außerirdische die Erde besuchen. Gleichsam bestreitet man das es jemals beweisbare Sichtungen oder gar Kontakte gegeben hätte. Was die Menschheit jedoch nicht einmal ahnt ist die Tatsache, das sie mit der Schließung des Projekt Blue Box einer Vertuschungsaktion der Regierung aufgesessen sind, die einzig und alleine dem Ziel dient, Panik und Massenhysterie unter der Bevölkerung der Erde zu vermeiden. Denn es wurden nicht nur UFOs gesichtet, sondern die Erde wird bereits seit geraumer Zeit von Aliens angegriffen. Dies ist aber auch die Stunde, wo die Supreme Headquarters Alien Defence Organisation (S.H.A.D.O.) ihren Verteidigungskampf unter dem Kommando von Ed Straker aufnimmt.

Dies war die Ausgangslage für die erste Science Fiction Serie von Gerry und Sylvia Anderson sowie Reg Hill, in denen sie ihre Abenteuer mit realen Darstellern wie Ed Bishop als Ed Straker, Michael Billington als Paul Foster oder George Sewell und Gabrielle Drake u.a. umsetzen konnten. Die Serie UFO war geboren und zeichnete sich recht schnell durch Spannung, Action und manch düsterer Handlung aus, die trotzdem schrill waren und die Zuschauer (auch in Deutschland) vor die Fernseher trieb. Markenzeichen waren dabei nicht nur die Grundidee einer heimlichen Invasion aus dem Weltraum, sondern auch futuristische Fahrzeuge bzw. Modelle und außergewöhnliche Kostüme, für die z.B. neben Sylvia Anderson noch Kim Martin und Iris Richens zuständig waren. Für die durchweg perfektionierten Spezialeffekte zeichnete sich der Oscar-Preisträger Derek Meddings aus, der auch in Blockbustern wie James Bond - Moonraker, Superman oder Batman Hand anlegte.

UFO schrieb TV-Geschichte und nicht wenige wollten sich keine Folge entgehen lassen, in denen eine weltweite Organisation mit ihrem Hauptquartier unter einem Filmstudio, mit futuristischen Fahrzeugen, Flugzeugen, U-Booten und gar einer Mondbasis die Welt vor Organe raubenden Aliens verteidigten. Da schießen Abfangjäger von der Spitze eines U-Bootes (Skydiver) aus dem Meer und sexy Girls in hautengen Spacesuits nehmen auf dem Mond die Verteidigung in ihre zarten Hände. Die Serie spiegelte praktisch den Zeitgeist der auslaufenden 60er und frühen 70er Jahre wieder, wie kaum eine andere Serie. Bedenkt man, dass es bei der Erstausstrahlung in Deutschland (ZDF) damals nur zwei Hauptprogramme und die Dritten gab, so lässt sich der Erfolg mit einer Zuschauer-Quote von durchschnittlich 46 Prozent einfach und effektiv darstellen.

Die Serie selbst wurde in zwei Schüben gedreht, da es zwischenzeitlich zum Umzug des Filmstudios und einiger anderer Umstände kam. Folge davon war, dass einige Darsteller für die Serie nicht mehr zur Verfügung standen (wie George Sewell und Gabrielle Drake) und deren Charaktere neu besetzt werden mussten (z.B. durch Wanda Ventham, die in einer der ersten Episoden schon einmal eine Gastrolle spielte). Die erste Staffel von UFO war insgesamt so erfolgreich, das es bereits ein großes Interesse der Sender an einer weiteren Staffel gab. Zuerst beschloss man bei ITC die Sache zu überarbeiten und mit neuem Elan an eine zweite Staffel zu gehen. Hätte sich ITC doch an diesem geplanten Vorgehen gehalten - die Serie UFO hätte eventuell einen ähnlichen Kultstatus unter den SF-Fans erreichen können, wie ihn STAR TREK hervorgebracht hat. Der Rubel rollte und über die Laufzeit der Serie hinaus hatte sich eine Welle aus Fanartikeln über Modelle, Spielzeug, Sammelkarten, Bücher oder Comics und Figuren in aller Welt entwickelt, an denen man schließlich auch durch die Urheberrechte beteiligt war. Alles sollte in der nächsten Staffel durch einen Zeitsprung imposanter sein, auch die Mondbasis. Doch dann machte man bei ITC den Fehler, statt die Serie UFO dahin gehend zu überarbeiten, das gesamte Konzept völlig Umzuwerfen. Was blieb war die viel größere Mondbasis und eine völlig andere Serie die nun unter dem Titel SPACE:1999 (Mondbasis Alpha 1) nichts mehr mit der Serie UFO und ihren Charakteren gemein hatte.

Moon in SpaceMerkwürdigkeiten und schwunglose Darsteller
Nun ließ sich eine zweite Staffel von UFO nicht mehr realisieren und die Serie SPACE:1999 schaffte es sogar, es auf zwei Staffeln zu bringen (Staffel 1. 1975-1976 und Staffel 2. 1976-1977). Trotzdem ist es kaum ein Geheimnis das man sich im Nachhinein darüber ärgerte, das Konzept völlig umgeworfen   und somit keine zweite Staffel der Serie UFO auf den Weg gebracht zu haben. SPACE:1999 war zwar kein kompletter Reinfall, konnte aber was Spannung und Action anging kaum mit der Serie UFO mithalten. Die Charaktere mit Commander John Koenig (Martin Landau), Dr. Helena Russell (Barbara Bain) oder Professor Victor Bergman (Barry Morse) wirkten oftmals eher ermüdend, als hätte man ihnen Valium verabreicht. Der Serie fehlte einfach der Schwung und die Action und das konnten am Ende auch das Designs und die Spezialeffekte nicht mehr herausreißen.

Handlungstechnisch strotzten manche Folgen der Serie nur so von Merkwürdigkeiten, wirkten verworren und logisch nicht wirklich schlüssig. Auf eine Auflösung solcher Ungereimtheiten wartete man in den Episoden dann jedoch vergeblich. In der zweiten Staffel kam es zu weiteren Merkwürdigkeiten die dann schon richtig ins Kraut schossen. Ohne Erklärung finden sich Veränderungen an den Uniformen und sogar der Ausstattung der Kommandozentrale wieder, womit man noch hätte Leben können. Doch auch das fehlen des Vizekommandanten der Mondbasis, Paul Morrow (Prentis Hancock) und Prof. Victor Bergman (Barry Morse) die Serienrelevant waren, wird schlicht totgeschwiegen und sorgt so für Löcher in der Logik in epischem Ausmaß.

Das die Serie SPACE:1999 unter dem Titel MONDBASIS ALPHA 1 im deutschen Fernsehen trotzdem zu einem Erfolg wurde, lässt sich durchaus auch mit dem fehlen von alternativen Serien bzw. Filmen aus dem Genre Science Fiction zu diesem Zeitpunkt erklären. Das Phantastische Genre hatte da nicht gerade einen hohen Stellenwert für die Verantwortlichen von ARD und ZDF, oder anders gesagt, in der "ersten Reihe" saß man in dieser Hinsicht bei beiden nicht. Auch sonst lieferten sich die Sendeverantwortlichen des ZDF einige kuriose Schoten. So wurde am 15 Oktober 1978 eine Episode der Serie wegen einer Wahlberichterstattung zur Landtagswahl in Bayern schlicht unterbrochen und nicht fortgesetzt. Da es daraufhin Proteste der Zuschauer hagelte, wurden die letzten Minuten nach fünf Tagen im Magazin "Drehscheibe" nachgereicht. Blöd nur, das man die Zuschauer vorab nicht davon in Kenntnis setzte. Auch pappte man durch die deutsche Bearbeitung der zweiten Staffel eine andere Titelmusik auf. Interessant ist zudem, dass nach dem Ende der Serie SPACE:1999 Teile der Kulissen und einige Requisiten in dem James Bond-Film MOONRAKER wieder Verwendung fanden. Man könnte also von "Wanderrequisiten" sprechen, denn z.B. die Raumanzüge in SPACE:1999 stammen letztendlich aus der Vorgänger-Serie UFO.

Gerry Anderson's Serien-Übersicht:


Abschließen möchte ich diesen Abschlussartikel zur bisherigen Artikelserie UFO mit einer Übersicht der Serien schließen, die Gerry und Sylvia Anderson ihren Fans bescherten.

  • 1957-1958
    The Adventures of Twizzle

  • 1958-1959
    Torchy the Battlery Boy


  • 1959-1960
    Four Feather Falls

  • 1960-1962
    Supercar

  • 1962
    Fireball XL5

  • 1963
    Stingray

  • 1965-1966
    Thunderbirds

  • 1967
    Captain Scarlet and the Mysterons
  • 1967-1968
    Joe 90
  • 1968-1969
    The Secret Service
  • 1969-1970
    UFO

  • 1973-1976
    Space:1999

  • 1983-1984
    Terrahawks

  • 1994-1995
    Space Precinct

  • 1996-1998
    Lavender Castle

  • 2003-2005
    New Captain Scarlet

Kommentare  

#1 D. Wrath 2012-02-21 16:53
Die Ufo-Artikelreihe hat mir sehr gut gefallen: Eine gelungene Mischung aus Hintergrundinformationen, ausführlichen Inhaltsangaben und tiefergehenden Einblicken in die Hauptthemen der Serie.
Noch eine Bitte: Wäre es möglich, eine Überblicksseite für den schnellen Zugriff auf deine Beiträge zu erstellen? Also eine Startseite mit Links zu den 27 Ufo-Artikeln?
Zitieren
#2 Laurin 2012-02-21 18:01
Danke dir erstmal D. Wrath. Ich bin da jedoch nur der "kleine" Artikelschreiber. Für deinen Wunsch wäre es daher besser, dich direkt an Horst zu wenden, denn der entscheidet sowas. Aber in der Regel braucht man nur auf "Science Fiction" klicken (links oben) und dann auf "Gesehenes" klicken. Da sind alle Artikel bis zu diesem enthalten. ;-)
Zitieren
#3 McEL 2012-02-22 16:33
Nochmals danke! Die Serie war wirklich gut!!!
Zitieren
#4 Lefti 2012-02-22 20:44
Ich muß ja immer wieder betonen, dass ich ja nicht unbedingt der Science Fiction-Fan bin, zumindest, was die Allgemeinheit, bzw. der Otto-Normal-Verbraucher unter Science Fiction versteht. Kann mich jedoch noch gut an Mondbasis Alpha 1, die ich als kleiner Bursch gesehen habe, erinnern. Am besten haben mir immer die Transport-Raumer (?) gefallen. Ich fand das Design nicht schlecht. Und war da nicht auch so eine hippe Schnitte, die sich Maya nannte?
Den Landau Martin habe ich zu letzt in Sleepy Hollow und Ed Wood (dem Regisseur vom legendären Plan 9 from outer Space :lol: ) gesehen, wo er Bela Lugosi miemte.
Zitieren
#5 McEL 2012-02-23 01:14
Ja, die "Schnitte" namens Maya fand ich noch eins der Highlights der Serie. Gestaltwandlerin - das hatte was. ;-)
Zitieren
#6 Friedhelm 2012-02-23 02:16
Landau wäre ja beinahe Mr. Spock geworden. Dann hat er ja eine ganze Weile den "Rollin Hand" in der Serie "Mission Imposible (dtsch. Kobra übernehmen Sie)gemimt.
Und er war ja auch mit Barbara Bain verheiratet, die Helena aus Space 1999

Die "Schnitte", das war Catherine Shell. Die hat, wenn ich das noch richtig erinnere, eine Nebenrolle im Bondfilm "Im Geheimdienst Ihrer Majestät gehabt...(eine der vielen Damen auf dem "Piz Gloria")
Zitieren
#7 Laurin 2012-02-23 21:12
Nix zu Danken, McEL. :lol:
Jepp - Lefti, ich glaub die Raumer wurden in der Synchron hier "ADLER" genannt. Weiß ich aber nicht mehr so genau. Und zum "Schnittchen" kann ich auch nicht viel zu beitragen, da mir damals die Serie schon von der Handlung nicht wirklich gefallen hat (war mir da schlicht zu langweilig) und ich eigentlich nur noch sporadisch geguckt hatte.
Zitieren

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.