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Von Lindwürmern, stocksteifen Engländern und giftigen Ladys!

Biss der SchlangenfrauVon Lindwürmern, stocksteifen Engländern und giftigen Ladys!

Seit dem mysteriösen Verschwinden ihrer Eltern betreiben die Schwestern Eve und Mary Trent das Gästehaus "Mercy-Farm" in der Nähe des Schlosses von D'Amton im schönen Derbyshire. Landschaftlich hat England (aber auch Schottland usw.) ja sehr viele schöne Sehenswürdigkeiten zu bieten, was man auch im Film ersehen kann (zumindest um Längen besser als die englische Küche je sein wird
). Zumindest ist diese Region wie geschaffen für schauerliche Geschichten und genau hier finden wir einen Schlangenkult aus dunkler Vorzeit, der uns das Gruseln lehren soll!

 

SzenenfotoAlles dreht sich um Monsterschlangen
Doch bleiben wir erst einmal bei dem von den Schwestern Eve und Mary Trent geleiteten Gasthaus. Denn dort hat sich der schottische Archäologiestudent Angus Fint über den Sommer eingemietet, um seiner Suche nach Überresten aus der Zeit des römischen Imperiums zu frönen. Und ja, unser lieber Fint ist fündig geworden. Nur scheinbar fündiger als er es sich in seinen kühnsten Träumen ausgemalt hatte. Denn schon stößt er auf die Überreste eines noch älteren Klosters und auf einen gewaltigen Schädel, der allem Anschein nach einer Schlange zuzuordnen ist.

In der Gegend um das Schloss der D'Amtons rankt sich die Legende, dass einstmals in dunkler Vorzeit ein Lindwurm (andere Bezeichnung für eine riesenhafte Schlange in dem Film) die ansässigen Bewohner in Angst und Schrecken versetzt haben soll. Und wie es in solchen Legenden nun einmal üblich ist, bereitete eben in der düsteren Vorzeit der damalige Lord John D'Ampton dem riesigen Lindwurm und seinem blutigen Treiben ein jähes Ende! Davon weiß zumindest noch James D'Ampton zu berichten, der ein Nachfahre des besagten heldenhaften Lords ist.

Und weil sich Legenden nun mal vortrefflich dazu eignen, gibt es in jedem Jahr ein rauschendes Fest zum Gedenken an eben diesen heldenhaften Lord D'Ampton und seinem Sieg über den teuflischen Lindwurm. Doch irgendwie stellt man sich sehr schnell die Frage ob es sich nur um eine überlieferte Legende handelt, an der der Zahn der Zeit nagt und so manches hinzugedichtet wurde, oder ob der Schlangenkopf, den Angus Fint gefunden hat, nicht etwas mit eben dieser Überlieferung zu tun hat.

Zumindest wird die Sache immer geheimnisvoller, als sich eine exzentrische Lady mit Namen Sylvia Marsh für den Schlangenkopf interessiert. Besagte, recht gewandte Sylvia Marsh hat sich zu diesem Zweck zumindest schon mal im Temple House einquartiert und zeigt auch nicht sehr viele Skrupel darin, mal jemanden über die Klinge springen zu lassen. Sylvia Marsh versprüht dabei soviel Erotik wie Gift!

Als besagte Sylvia dann endlich in den Besitz des Schlangenschädels gelangt, beginnt der Reigen aus Halluzinationen und heidnischen Ritualen und Eve Trent gerät sogar in ihre schuppigen Fänge. Und wir lernen, daß vorchristliche Kulte eben doch länger leben als gedacht, auch wenn sie über lange Zeit im Verborgenen ihr Dasein fristen müssen. Doch wie dies mit Kulten - und der Schlangenkult macht da keine Ausnahme - so ist, geliebt werden ihre Anhänger wenig und so wird auch Sylvia Marsh letztendlich ein Opfer des höllischen Lindwurmes, dem unsere stolzen englischen Gentlemen ein verdientes Ende bereiten und dabei auch die hübsche Eve Trent vor ihrer Opferung bewahren. Aber wie es in "guten" Gruselfilmen eben so ist, nichts ist so wie es auf den ersten Eindruck erscheint, denn einer der Retter hat selbst Bissspuren! Wenn das denn mal kein böses Omen ist, denn das Böse hat immer etwas dagegen, völlig von der Platte geputzt zu werden.

Hugh GrantEine kritische Betrachtung
Nun, irgendwie tue ich mich jetzt verdammt schwer damit, den Film "Der Biss der Schlangenfrau" als Gruselfilm zu bezeichnen. Von einem Horrorstreifen, also die härtere Steigerung des Genres, mal völlig zu schweigen.

Fangen wir einfach mal mit einigen Schauspielern an. Da hätten wir den Nachfahren des heldenhaften Lords, gespielt von Hugh Grant. Also irgendwie bringt er den stocksteifen Engländer mit Adelstitel noch steifer herüber als die Queen in Personalunion es je könnte. Und wenn ich da ehrlich bin, hat er mir in Filmen wie Notting Hill allemal besser gefallen, weil man da noch über einige Strecken herzhaft mitlachen konnte. Sammi Davis als Mary Trent erfüllt in meinen Augen jedes Klischee einer englischen grauen Maus, wo hingegen Catherine Oxenberg als Eve Trent den hübschen Blickfang abgibt. Man kann nun über schauspielerische Leistungen durchaus geteilter Meinung sein, aber zu mehr als den "Blickfang" hat es bei Catherine Oxenberg noch nie bei mir gereicht. Amanda Donohoe ist mir dagegen kein wirklicher Begriff aus anderen Filmen, so halte ich mich hier über ihr schauspielerisches Talent mal zurück. Doch als Sylvia Marsh mit überlangen Giftzähnen oder mit blauer schuppiger Schlangenhaut gibt sie hier eine Mischung aus Geisterbahn-Übertreibungen, Sadomaso-Phantasien und Erotikstar für ältere Generationen (und ich kann so Alt werden wie Metusalem, so tief gesunken bin ich noch nicht ☺)ab.

Nun muss ich aber hinzusetzen, dass ich dem Film "Der Biss der Schlangenfrau" durchaus einen gewissen Unterhaltungswert nicht abstreiten will. Nur wer glaubt, sich hier "gruseln" zu können, dem muss ich eine blühende Phantasie bescheinigen, oder ein sehr, sehr empfindsames Gemüt! Wie ich oben ja schon mal kurz erwähnte, ist es gruseliger, das zu essen, was Engländer so kochen als diesen Film anzusehen (und ja, ich hatte mich in England vor deren Kochkunst gegruselt).

Fast wäre ich aber geneigt, den Film einfach mal in die Sparte moderner Märchen zu platzieren und wenn man sich auf diesen Gedanken einlässt, dann kann "Der Biss der Schlangenfrau" durchaus an Unterhaltungswert gewinnen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Film auf einer Geschichte von Bram Stoker basiert, dessen Meisterstück "DRACULA" niemandem unbekannt sein dürfte. Zumindest hat er für ein modernes Märchen alles zusammen: Ein altes Schloss, eine dunkle Höhle, ein Monster (den Lindwurm), die graue Maus und die hübsche Schönheit, die wackeren Retter und die böse Hexe in Form der Sylvia Marsh! Zudem weiß ich nicht, warum der Film laut Vorabinformation seitens TELE 5 erst um 22.00 Uhr ausgestrahlt wird. Eigentlich kommt in dem Film nichts vor, was nicht bereits in manchen Comic's heftiger geboten wird.

Wie gesagt, es kommt auf die Sichtweise an. Dann kann der Film auch durchaus unterhalten. Doch über den Punkt Familienunterhaltung kommt dieser Streifen bei mir nicht hinaus, Spannung kommt wenn, dann nur recht kleckerweise rüber und von Gruselstimmung ist der Film meiner Meinung nach meilenweit entfernt.
The lair Of The White Worm
The Lair of the White Worm
(Der Biss der Schlangenfrau)
Regie/Drehbuch: Ken Russell
Produktion: Ken Russell, D. Ireland, William J. Quigley, R. Vasconcellos
Kamera: Dick Bush
Musik: Stanislas Syrewicz
Nach einer Geschichte von Bram Stoker (DRACULA)

Darsteller:
Eve Trent - Catherine Oxenberg
Mary Trent - Sammi Davis
James D'Ampton - Hugh Grant
Sylvia Marsh - Amanda Donohoe
Angus Fint - Peter Capaldi
Der Biss der Schlangenfrau
90 min.
England 1988

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