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Paul Naschy - Seine Filme: LATIDOS DE PANICO (HEART BEAT)

Paul Naschy und seine FilmeLATIDOS DE PANICO 
(HEART BEAT)
DAS HORRORKABINETT DES SENOR MONSTRUO (TEIL 5)

1981 hatte Paul Naschy das zweifelhafte Vergnügen einer Zusammenarbeit mit dem spanischen Landsmann Juan Piquer Simon. „Who to fuck is J.P. Simon?“ Sagen wir es einmal so, währendJess Franco unter den Filmfreunden wenigstens noch einen zweifelhaften Ruf als Schundfilm-Dilettant geniessen darf, kann Senor Simon nicht einmal mehr mit dieser Auszeichnung dienen.

 

Als Epigonendirector brachte er eine doofe Superman-Klamotte („Supersonic-Man" / 1978“) ins Kino, vergriff sich an Meister Spielbergs „E.T.-Idee“ mit dem Heuler „Los Nuevos Extraterrestres" (1983) und war, unter anderem, für Shitmovies wie den Nacktschnecken-Horror „Slugs" (1988) verantwortlich.

Ausgerechnet diese Nullnummer offerierte Naschy nun eine Zusammenarbeit mit Ex-Hammerstar Peter Cushing, für seinen Pseudo-Jules Verne-Heuler „Misterio en la isla de los monstruos“ (1981) („Reise zur Insel des Grauens“). Nun war dieses Miteinander wohl, weitestgehend Auslegungssache für Simon, denn obwohl der englische Altstar und sein Euro-Kollegeim Film auftraten, hatten beide nur kurze Cameo-Auftritte und keine einzige gemeinsame Szene. Naschy musste sogar in den ersten Minuten den Löffel abgeben, dabei wurde er, peinlicher Weise, am Anfang in den Credits  erwähnt (…“and Paul Naschy as Flint…“).

Seine Enttäuschung darüber konnte er allerdings mit anderen Auftragsarbeiten überwinden und schrieb sich 1982 wieder selber ein Script, um einen Horrorcharakter aus den frühen Siebzigern zu reaktivieren…..

Naschy als Paul de MarnacPaul de Marnac ist mit der reichen Genevieve verheiratet. Als bei ihr ein schweres Herzleiden diagnostiziert wird und der Arzt dringend Ruhe verordnet, bringt er sie auf sein ländliches Schloss in der Nähe von Perrouze. Die Schwerkranke ahnt nicht, dass Paul die Kontrolle über ihr Vermögen will und ein Verhältnis mit Julie, der Nichte seiner Haushälterin, hat. Er will das junge Mädchen heiraten. Die beiden wollen Genevieve zu Tode erschrecken und dafür ist das Anwesen genau der richtige Ort.
 Der Legende nach hat ein Verwandter, Alarich de Marnac, dort vor Jahrhunderten seine untreue Frau getötet und muss nun ,als Verdammter, alle hundert Jahre neue Opfer suchen.
Mit Julies Hilfe inszeniert Paul ein paar unheimliche Ereignisse und hat schließlich Erfolg, aber seine Komplizin plant etwas ganz anderes..
 

Ja, so isses, die Gute will, des schnöden Mammons wegen, den verliebten Paul auch noch meucheln und schafft's. Und dann kommt der Meister Alarich über sie...

Diesen garstigen Gesellen kennen wir bereits aus dem Siebziger-Trasher „El Espanto Surga de la Tumba“ (1972) („Blutmesse für den Teufel“). Obwohl uns „Latidos….“ immer wieder gerne als Fortsetzung verkauft wird, ist der Film keine, jedenfalls keine direkte. Wir sehen eine komplett eigenständige Story, die mit dem Erstling nur Pauls abscheulichen Verwandten gemein hat.

Alarich gibt sich am Anfang, vor der Pre-Title-Sequenz, die Ehre, massakriert sein Weib und taucht, unverrichteter Dinge, in den letzten 10 Minuten der Show wieder auf. Klar, dass der Finsterling eben doch nur die zweite Geige spielt.

Das Script von Jacinto Molina verwurstet die altbekannte „Ehemann treibt reiche Ehefrau in den Wahnsinn/Tod"-Thematik und bietet damit kaum etwas Neues.

Wenn dem Werk eine gewisse Atmosphäre trotzdem nicht ganz abgeht, dann könnte der Grund darin liegen, dass „Latidos…“auf den für die Achtziger typischen „Camping-Schlitzer“ verzichten kann und sich vielmehr an italienischem Giallo und Fünfziger „EC-Horror-Comics“ orientiert.

So etwas fällt durchaus positiv ins Auge, und irgendwann lässt sogar Dario Argento grüssen, wenn ein mysteriöser Fremder, mit schwarzen Handschuhen, kurz durch die Gänge schleicht.

Was den, für diese Zeit, wirklich untypisch altmodischen Touch betrifft, so hat Molina offensichtliche Anleihen bei den Hitchcock-Meisterwerken „Rebecca“ (1940) und „Gaslight“ (1944) („Das Haus der Lady Alquist“) gewagt.

Der Film nimmt sich in der Tat wie ein Horror-Thriller/Mistery-Melodram aus, ohne jedoch eventuelle Vorbilder wirklich zu erreichen. Das lag auch ganz sicher nicht in Naschys Sinne, der sich damit wohl viel eher vor „Hammer-Films“ verbeugen wollte.

Die erste Hälfte des Streifens ist die beste, nur leider wird’s dann zuweilen richtig zäh und die Geduld des Zuschauers arg strapaziert. Da müssen schon mal nervig, behäbige Endlosdiskussionen der handelnden Charaktere überstanden werden.

Auch sonst scheint der Geschichte das nötige Tempo ein wenig abzugehen. Dabei entsteht der Eindruck, dass Naschy, bei seiner Arbeit als Director, irgendwie nicht genau wusste, wohin er eigentlich wollte.

Was dem narrativen Teil fehlt, das gleicht unser Spanier durch den Einsatz krasser, wenn auch durchschaubarer, Schock-Standards wieder aus. Neben den atmosphärischen Angsteinlagen kommen die Gorefreunde auf ihre Kosten und dürfen sich an ein paar netten Slash-Effekten erfreuen. Wie es sich gehört und passend zur Location des Schlosses, kommen beim Morden auch ein paar mittelalterliche Gerätschaften zum Einsatz.

Es geht in der Tat recht blutig zu, aber Naschy spart das meiste Blut für die letzten zwanzig Minuten auf.

Da taucht der olle Alarich wieder auf und macht die hinterhältige Julie mit seinem Morgenstern platt, denn niemand entkommt seiner gerechten Strafe.

John Carpenter und „The Fog/1980“ lassen grüssen.

Ach ja, der „deutsche Titel“….forget it..
Latdos der Panico
LATIDOS DE PANICO
(HEART BEAT)
Spanien 1982

CAST:
Paul Naschy - Alarich de Marnac / Paul den Marnac
Julia Saly - Genevieve
Manuel Zarzo - Dr. Lacombe
Paquita Ondivela - Julie
Jose Sacristan - Alain
 Lola Gaos - Marbille
Silvia Miro - ireille
Jose Vivo - Dr. Rigaud

Regie: Paul Naschy
Drehbuch: Jacinto Molina
Kamera:Julio Burgos
Musik: Moncho Alpuente, Servando Cavallar
Laufzeit: 89 Minuten (Deutsche Fassung)
Kein Einsatz in deutschen Kinos
Video: „Atlanta”
Spanisches und deutsches DVD-Cover
DVD:CMV-Trash-Collection /„Laser Paradise-Red Edition“

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