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Der Teufel nutzt jede menschliche Schwäche...

Der Teufel nutzt jede SchwächeDer Teufel nutzt jede menschliche Schwäche...
...oder wie fix man im "Auftrag des Teufels" arbeitet!

Ich sage es gleich vorweg, wenn in einem Horrorfilm der Teufel selbst auftritt, dann will ich ihn sehen. Auch aus dem Grund heraus, weil ich darüber fachsimpeln kann, ob er, der Topstar aller gefallenen Engel glaubwürdig oder völlig daneben erscheint! Ich kann hier gleich sagen, in vielen Fällen ringt mir der "Teufel" ein müdes Lächeln ab. Nehmen wir als Beispiel mal den Film "Constantine" mit Keanu Reeves. Der Film basiert ja auf der DC Comic/Vertigo Reihe "Hellblazer".

 Mal ehrlich, als gegen Ende des Films der Teufel auftritt hatte ich eher das Gefühl, eine schlechte Kopie eines Mafia-Paten vor mir zu haben. Aber genug vom Film "Constantine"!

Keanu Reeves und der Teufl (Pacino)Keanu Reeves und der Teufel
Nun begegnet Keanu Reeves nicht nur im Film "Constantine" dem Teufel. Als Kevin Lomax ist er auch gleich noch sein Sohn ohne das dies ihm wirklich bewußt ist. Die Rede ist von dem Film "Im Auftrag des Teufels" und eben dieser Film weißt erheblich weniger Tricks auf als wie sie im Film "Constantine" eingebaut wurden. Das aber macht den Film nicht schlechter, ganz im Gegenteil! "Im Auftrag des Teufels" schafft es einen unreligiösen Menschen wie ich nun mal einer bin, den Teufel sehr realitätsnah zu vermitteln. Keine Hörner auf dem Kopf, keinen Pferdehuf und nach Schwefel riecht er auch nicht und doch ist diese Version des Teufels grandios gelungen. Dies ist auch ein wesendlicher Verdienst des Schauspielers Al Pacino geschuldet, der wie kein anderer den Teufel hinterhältig, böse, aber auch charismatisch und verführerisch darstellt. Ohne Übertreibung kann man sagen das ohne Al Pacino der Film wohl nicht den Saturn - Award in der Sparte "Bester Horrorfilm" gewonnen hätte!

Keanu Reeves Charlize TheronEinblicke in die Trickkiste des Teufels
Alles beginnt irgendwo in den Südstaaten wo Kevin Lomax der wohl angesagteste Verteidiger vor Gericht ist. Eigendlich hat Kevin noch nie einen Prozess verloren und so ist jeder wie wild dahinter her sich in einer aussichtslosen Situation von Lomax verteidigen zu lassen. So auch ein Lehrer der sich nebenbei noch als Kinderschänder entpuppt. Zwar bemerkt selbst Kevin das mit diesem seltsamen Mann irgendwas nicht ganz stimmt, aber nicht der Gerechtigkeitssinn steht bei Kevin Lomax hoch im Kurs, sondern sein Ehrgeiz vor Gericht der ewige Gewinner zu sein. Das dieser Umstand auch einen anderen Grund haben könnte, kommt Kevin dabei nicht in den Sinn!

Irgendwann verliert jeder einmal, aber nicht Kevin Lomax. Und so feiert er ausgelassen mit seiner Frau Mary Ann (Charlize Theron)auch diesen Sieg in einer Bar. Natürlich suchen neben einem Reporter auch andere Personen die Nähe des ewigen Gewinners. Einer macht Kevin dabei ein sehr verlockendes Angebot. Lange unter Beobachtung teilt man Kevin nun ein Angebot mit, das er unmöglich ausschlagen kann. Die Sache hat nur einen Hacken, Kevin muß samt Frau nach New York um dort in der Anwaltskanzlei von John Milton (Al Pacino) zu arbeiten. Unbehaglich ist dieser Erfolg nur Kevin's Mutter, einer tiefreligiösen Frau die ein Geheimniss vor Kevin verbirgt.

Zuerst ist Kevin und Mary Ann Lomax überwältigt vom Luxusleben und mit seinem ersten Fall boxt er sogleich einen Voodoo - Millionär der eigenartigerweise in einem Keller haust und Tiere auf ziemlich blutige Weise schlachtet, frei. Der nächste Fall ist Mord und die Sache sieht selbst für Kevin ziemlich aussichtslos aus, zumal der Baulöwe den er verteidigen soll einige Leichen im Keller aufweist.

Während Kevin Lomax sich in den Fall verbeißt und mit dem Gespühr eines Raubtieres die Geschworenen auswählt, beginnt seine Frau Mary Ann ihre Einsamkeit mit anderen Frauen von Mitarbeitern der Anwaltskanzlei zu vertreiben. Dies bleibt nicht ohne Folgen denn Mary Ann bemerkt sehr schnell das nicht alle das zu sein scheinen was sie vorgeben. Und die setzen alles daran Mary Ann in den Wahnsinn zu treiben. Als es Mary Ann immer schlechter geht holt Kevin zur Unterstützung sogar seine Mutter nach New York. Sein Ehrgeiz macht nun auch vor Mary Ann nicht halt, zumal er sich vor seinem Chef John Milton beweisen will, der ihn mehr und mehr in seinen Bann zieht.

Mensch (Reeves) und Teufel (Pacino)Immer mehr entfernt sich Kevin von seiner Frau und gerät in den Bann von Milton. Selbst als Mary Ann völlig fertig und bis auf eine Decke splitternackt und mit Wunden übersät in einer Kirche Kevin mitteilt, das sie von Milton vergewaltig worden ist, schenkt er ihr keinen Glauben, war er doch zur besagten Zeit selbst mit Milton zusammen. Erst als sich Mary Ann in der Psychatrie selbst umbringt, beginnt Kevin zu reagieren. Schlußendlich, aber für Mary Ann zu spät bricht Kevins Mutter ihr schweigen und offenbart Kevin das sie in jungen Jahren selbst einmal in New York gewesen war und mit Milton ein Verhältnis hatte, dessen Resultat eben Kevin ist.

Kevin, der nunmehr begreift das seine Frau keine Wahnvorstellungen hatte stellt Milton zur Rede. Nun offenbart sich John Milton nicht nur als sein leiblicher Vater sondern auch seine wahre Gestalt... John Milton ist der Teufel der die Gerichte nutzt um sein Werk auf Erden völlig unbehelligt zu betreiben. Nun erfährt Kevin auch das eine von Miltons Mitarbeiterinnen, auf die er selbst schon ein Auge geworfen hat, seine Halbschwester ist. Des Teufels Plan ist simpel aber effektiv, Kevin soll sich mit seiner Halbschwester paaren und den Antichristen zeugen. Der Teufel denkt halt in größeren Kategorien und mit dem Antichristen will er sein Imperium über die Welt massiv ausbauen. Nur durch seinen Selbstmord (im Roman zum Film läuft das Ende um einiges anders ab) kann Kevin den Plan des Teufels vereiteln.

Doch Kevin stirbt nicht. Plötzlich findet er sich in der Vergangenheit wieder und beschließt eben diese zu verändern. Nun setzt er alles daran den Prozess des Kinderschänders zu verlieren, was ihm sogar den Entzug seiner Anwaltslizenz einbringen kann. So erhofft er sich für den Teufel uninteressant zu werden, wäre da nicht sein Ehrgeiz und seine Eitelkeit. Er legt sein Mandat im Prozess nieder, wissend das der Kinderschänder verurteilt wird. Als er gut gelaunt mit seiner Frau Mary Ann das Gericht verlassen will, bietet sich der Reporter an, ihm im Kampf um seine Anwaltslizenz zu unterstützen. Kevin willigt ein und als er das Gericht verläßt, verändert sich das Aussehen des Reporters und John Milton, der Teufel sieht ihm mit seinem markanten Lächeln nach. Eitelkeit ist wirklich eine seiner liebsten Sünden!

Erfolg verführt.
Ehrgeiz verblendet. Eitelkeit vernichtet.
Erkenntnis kann die Hölle sein.
(Klappentext auf dem Cover des Roman zum Film "Im Auftrag des Teufels"/ Verlag Goldmann / Ausgabe 1998)
Der Teufel (Pacino)Einige kritische Anmerkungen
Der Film "Im Auftrag des Teufels" ist absolut sehenswert, lässt man hier doch den Teufel nicht billig-böse auftreten. Vielmehr ist er ein diabolischer Blender, ein Verführer und, Al Pacino ist in dieser Rolle einmalig und in Bestform!
Gerade der verbale Schlagabtausch gegen Ende des Films, als Kevin Milton zur Rede stellt ist brillant (Zitat/Teufel: "Ich bin ein Fan der Menschheit!"). Wann hört man schon mal solche Sätze vom Teufel in einem Film? Und seien wir mal ehrlich, wenn es einen Teufel gäbe...ja, er wäre bestimmt ein Fan der Menschheit!

Dies ist aber auch schon das kleine Manko des Films. Denn neben Al Pacino wirken die Schauspieler Keanu Reeves und Charlize Theron ziemlich blass. An vielen Stellen, so auch eben in dem verbalen Schlagabtausch gegen Ende des Films gelingt es Al Pacino völlig Keanu Reeves glatt an die Wand zu spielen! Auch der Gewissenskonflikt von Kevin Lomax/Keanu Reeves gegen Ende des Films wirkt eher konstruiert und dem Happy End des Films geschuldet.
Auch im Film selbst nimmt Al Pacino als der Teufel/John Milton immer wieder eine Rolle ein die manchen sagen lässt: Der Typ ist ja irgendwie asozial aber auf eine faszinierende Weise (und das Böse hat immer etwas Faszinierendes). Irgendwie stößt Miltons Art eigentlich ab und doch verführt er letztendlich auch den Zuschauer der eigentlich immer mehr von Milton sehen will. Dabei braucht der Teufel nicht einmal viel zu sagen, schon sein kurzes, einprägsames Lachen (hört sich ungemein gut gehässig an) reicht völlig aus, dagegen kommen selbst ganze Dialoge von Kevin Lomax/Keanu Reeves nicht an.

Al Pacino strahlt - und das muss man hier einmal deutlich sagen - im gesamten Film eine Präsenz aus, gegen die selbst die besten Dialoge der anderen Schauspieler verblassen. Sollte also wieder einmal jemand auf die Idee kommen einen Film zu drehen, in dem der Teufel höchst persönlich eine tragende Rolle spielt, dann holt Al Pacino mit ins Boot und lasst ihn den Teufel so spielen wie er es in diesem Film getan hat, denn brillanter geht es eigentlich kaum noch.

Müsste ich Sternchen von 1 für "geht noch" bis 5 für "absolut perfekt" für den Film verteilen, so bekäme er von mir glatte fünf Sterne verpasst und dies einzig und alleine Aufgrund der perfekten Darstellung des Teufels durch Al Pacino.

Wer den Film noch nicht gesehen hat(im TV lief er bereits), dem kann ich nur sagen, holt euch die DVD und seht ihn euch an. Wer nun Gerichtsfilme nicht ausstehen kann, dem sei gesagt, springt über eueren Schatten, es lohnt sich allemal, denn einen besseren Teufel kriegt ihr nur sehr sehr selten zu sehen.


Im Auftrag des Teufels - DVD-CoverDaten zum Film:
Im Auftrag des Teufels
Regie: Taylor Hackford
Drehbuch: Jonathan Lemkin, Tony Gilroy
Laufzeit: 144 Minuten
Freigabe: ab 16 Jahre
Premiere: 17. Oktober 1997 (USA)

Darsteller:
Kevin Lomax - Keanu Reeves
John Milton - Al Pacino
Mary Ann Lomax - Chalize Theron
Mrs. Lomax  - Judith Ivey
Eddie Barzoon - Jeffrey Jones
Christabella - Connie Nielsen
Alexander Cullen - Craig T. Nelson
u.a.

Kommentare  

#1 Des Romero 2010-05-14 09:04
Ja, ich finde "Im Auftrag des Teufel" auch klasse. Allerdings denke ich, es hätte auch andere Schauspieler gegeben, die dem Teufel glaubwürdig Leben verliehen hätten. Und meines Erachtens wird Keanu Reeves nur von Pacino an die Wand gespielt, weil seine Dialogstellen einfach nicht mehr hergeben. Steht Reeves im Fokus der Handlung, wie etwa zu Beginn des Films, weiß er durchaus zu überzeugen. Das Wichtigste an diesem grandiosen Film ist für mich allerdings die Botschaft, die er ganz offen ans Tageslicht bringt: Jeder ist für seine Taten selbst verantwortlich! Wer also sagt, das Schicksal habe ihn in diese und jene Richtung getrieben, sollte einmal überlegen, ob er nicht doch irgendwann die Möglichkeit zur Wahl hatte ...
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#2 blu 2010-05-14 10:02
Im Auftrag des Teufels ist einer meiner liebsten Pacino-Filme, keine Ahnung wie oft ich den schon gesehen habe, aber ich schaue doch jedesmal wieder rein, wenn er im Fernsehen wiederholt wird.

Besonders der von Dir erwähnte Schlagabtausch am Ende ist Films ist (für mein Empfinden) genial.

Die berühmte "God is a Prankster" Tirade von John Milton (in dt. leider nicht ganz richtig mit 'Gott ist ein Voyeur' übersetzt) - absolut brilliant. Ich liebe es!
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#3 Laurin 2010-05-14 17:47
# Des Romero:
Ich gebe dir da durchaus recht das Reeves z.B. am Anfang durchaus überzeugen kann und auch sonst will ich hier seine Leistungen nicht unbedingt schmälern. Aber in dem Moment wo Al Pacino so richtig loslegt, verblasst er merklich. Auch gibt es durchaus andere Schauspieler die "schön" diabolisch spielen können, aber auswechselt wöllte ich Al Pacino nicht wirklich ;-) weil zu perfekt!

# blu:
Da geht es dir wie mir blu und ich habe ihn auch noch auf VHS :-) ! Der von mir erwähnte Schlagabtausch hätte auch locker noch 10 Min. länger dauern können, so genial fand ich die Dialoge (auch wenn sie nicht immer ganz richtig ins deutsche übersetzt wurden).
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