Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Paul Naschy - Seine Filme: LA ORGIA DE LOS MUERTOS (DER TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER)

Paul Naschy und seine FilmeLA ORGIA DE LOS MUERTOS 
(DER TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER)
DAS HORRORKABINETT DES SENOR MONSTRUO (TEIL 3)

Naschy und der spanische Horrorfilm waren Kult, daran besteht gar kein Zweifel. Was nun aber selbst dem verklärtesten Fan aufgehen muss ist die Tatsache, das der so beliebte Euro-Trash doch auch eigentlich von einer gewissen Eindimensionalität und Humorlosigkeit geprägt war.

 

Der Totenchor der KnochenmännerDazu hatte Naschy nicht unbedingt wenig beigetragen, weil er ja unter seinem Geburtsnamen, Jacinto Molina, selber das Drehbuch schrieb und immer wieder die gleichen wieder erkennbaren Muster darstellte. Ein solcher Wiedererkennungswert wirkt natürlich von Film zu Film spannungsloser.

Die Zusammenarbeit mit den „Hammer-Regisseuren“ Terence Fisher oder John Gilling hätte ihm da vielleicht weiterhelfen können, aber bekanntlich sind damals in dieser Hinsicht geplante Projekte gescheitert.

Dafür waren es dann dieses Mal, erneut, italienische Finanziers...

Nachdem sein Onkel an einem Schlaganfall gestorben ist, kehrt Serge Chekov in sein Heimatdorf zurück, um an der Testamentseröffnung teilzunehmen. Kurz nachdem er angekommen ist, wird seine Cousine Maria erhängt aufgefunden. Alles deutet auf einen Selbstmord hin.
Zwischenzeitlich erfährt Serge, dass er, sehr zum Missfallen seiner jungen Tante Nadja, vom Verstorbenen als Alleinerbe eines Schlosses bedacht wurde.
Die Autopsie ergibt schließlich, dass Maria keines natürlichen Todes gestorben ist, und die Polizei hat in dem kranken, nekrophilen Igor auch bald den Hauptverdächtigen gefunden. Doch dann geschehen weitere Morde.
Niemand ahnt, dass der irre Dr. Droila Urheber dieser Verbrechen ist, und während Nadja ihren Neffen dazu verführen will. das Erbe an sie abzutreten, betreibt Droila in den Katakomben des Anwesens seltsame Experimente, mit denen er Tote reanimieren will…

Ja, und bis es dazu kommt, dauert’s halt ein bisserl, denn „La Orgia….“ ist nur bedingt ein Film über wandelnde Untote, vielmehr bietet sich diese spanisch-italienische Co-Produktion denn auch zunächst als „Gothic-Murder-Mistery-Movie“ mit echter, schwerer Gruselatmo an. Da sorgt dann schon die Musik von Francesco di Masi am Anfang für den richtigen Einstieg.

Hier hat sich der Verleih „Alemannia“ dann wohl auch für den deutschen Titel inspirieren lassen.

SzenenfotoDer Plot erinnert irgendwie, oder wieder einmal, an die früheren „Hammer-Produktionen“, vor allem weil er mit seinen unterirdischen Tunneln, Geheimgängen und Gräbern den typischen englischen Horror enthält.

Man erwartet fast jeden Moment, dass Christopher Lee und Peter Cushing nächtens über den Friedhof schleichen, um dort ihre finsteren Pläne auszuhecken.

 Daraus wird bedauerlicher Weise gar nichts, aber immerhin ist Paul Naschy mit von der Gruselpartie. Nur ist leider „La Orgia…….“ kein wirklicher Naschy sondern viel ehereine unterhaltsam schreckliche Geschichte mit einer, wenn auch unvergesslichen, Nebenrolle des Senors. Am Script durfte er diesmal nur seinen Igor-Charakter etwas zur eigenen Zufriedenheit aufpolieren, ansonsten war Kollege Colombo am Start.

Den Hauptpart konnte dafür Stelvio Rossi ergattern, der sich auch gerne mal Stan Cooper nannte, und wie eine Mischung aus Peter Wyngarde (u.a. TV: „Department S/1969“, „Jason King/1971“) und einer leichteren „Jack Taylor“-Version („Dr. Jekyll Y el Hombre Lobo/1971“) wirkt.

Als ganzer Kerl macht er  die Bösen mit seinen Fäusten nieder und istgleich für zwei Frauen das Objekt der Begierde. Da hat ihn der Paul wohl auch ganz schön beneidet.

Natürlich kann auch hier nicht auf Klischeefiguren verzichtet werden, und da hätten wir vor allem den Pfeife schmauchenden Inspektor, der von Colombo wohl aus irgendwelchen englischen Kriminalfilmen entliehen wurde.

Davon abgesehen hat „La Orgia….“ richtig gute Momente und wird eigentlich nie wirklich langweilig. Das Makeup der Untoten kann wohl als gelungen bezeichnet werden und auch die restlichen Effekte überzeugen. Für Gore-Fans findet sich, unter anderem, eine, für damalige Zeiten, recht graphische Autopsieszene und eine Enthauptung.

Als Beigabe gibt esIgor, der mit einem Messer in der Brust, durch die Gegend schlurft.

Und selbstredend sorgt dann einen Haufen lebender Toter für den grässlichen Höhepunkt.

Die Bestie aus dem TotenreichDas alles unter Merinos Egide, der eigentlich bis dato nur für Italowestern oder Abenteuterstories zuständig war, und wie inzwischen auch bekannt sein dürfte, blieb dieses Werk sein einziger Ausflug in die Welt des Phantastischen.

Bei uns hatten ein paar Cleverles die Idee, Leon Klimovsky („Nacht der Vampire", 1970) als Director dafür zu verkaufen. Dieser Fauxpas kann durchaus als fahrlässige Unwissenheit durchgehen , denn Klimovsky war in den guten alten Siebzigern nicht gerade jedem Horrorfilmkonsumenten bekannt.

Wie dem auch sei, „La Orgia…..“ ist nicht unbedingt ein Meisterwerk, „handwerklich“ aber gut gemacht und bleibt bis zum Schluss horrific.

Und weil’s so schön schrecklich war, konnte der gleiche Film wenig später noch einmal unter dem Ersatztitel „Die Bestie aus dem Totenreich“ in den Kinos platziert werden.

Ein Horrorspass, nicht nur für Naschy-Komplettisten…

La Orgia De Los Muertos
LA ORGIA DE LOS MUERTOS
(DER TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER)
Spanien,Italien 1972

CAST:
Paul Naschy - Igor
Stan Cooper (aka Stelvio Rosi) - Serge
Dianik Zurakowska - Doris
Gerard Tichy - Professor Leonidas Droila
Maria-Pia Conte - Nadja
Aurora de Alba - Maria

Regie: Jose Luis Merino
Drehbuch: Jose Luis Merino, Enrico Colombo
Kamera: Modesto Rizzolo, Manuel Merino
Musik: Francesco de Masi
Laufzeit: 98 Minuten (Deutsche Fassung)
Deutscher Verleih: „Alemannia“
Deutsche Erstaufführung: 19.03.1976
Videocover
Video: „ITT Contrast“ / „VMP“ / “Royal Video”
DVD: „Kein deutsches Relase. Nur als Bootlegs“

Zur Übersicht

Kommentare  

#1 lars 2010-08-19 05:14
Tach auch,

was habe ich denn hier entdeckt??? Da dachte ich, ich habe alles von Paule Naschbär (also Paul Naschy) im Netz gelesen - und jetzt finde ich noch was! TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER ist natürlich wie alle seine Filme Kult! Klar waren manche nicht so dolle - macht nix! Es ist genau wie mit Vincent Price: alle lieben ihn!!! Naja, zumindest lieben ihn alle Oldschool-'70er-Jahre-Horror-Freaks zumindest! Ich war gerade auf der Suche nach dem Soundtrack DOCTOR JEKYLL Y EL HOMBRE LOBO von ANTON GARCIA ABRIL - den gibts jedoch nicht! Heul...
Grüsse von Lasse!
Zitieren

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.