Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Paul Naschy - Seine Filme: EL JOROBADO DE LA MORGUE (DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN)

Paul Naschy und seine FilmeEL JOROBADO DE LA MORGUE
(DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN)
DAS HORRORKABINETT DES SENOR MONSTRUO (TEIL 2)

Bis 1971 hatte Paul Naschy sechs Werwolf-Movies und den ersten spanischen „Giallo-Slasher“ „Jack de del Destripador de Londres“ („Jack, der Ripper von London“) in die Kinos gebracht. Im Folgejahr konnte er seine Filmographie dann um acht weitere Produktionen bereichern, darunter die recht freie Adaption des Bram Stoker Romans „Dracula.....und der Buckelige, ein weiterer Charakter der klassischen Gruselthematik

 Die Stunde der grausamen LeichenDer einfältige, buckelige Gotho arbeitet als Gehilfe in der Leichenhalle des Feldkircher Krankenhauses und wird aufgrund seiner auffälligen Behinderung von seinen Mitmenschen immer wieder gedemütigt. Nur die an Tuberkolose erkrankte Ilsa behandelt ihn gut. Gotho liebt sie, begnügt sich aber mit ihrer Freundschaft.

Als die junge Frau schließlich stirbt, versteckt er den Leichnam in den unterirdischen Gewölben der Einrichtung. Im besten Glauben, dass sie nur schläft, bittet der naive Mann den irren Wissenschaftler Orla um Hilfe, der verbotene Experimente durchführt und eine monströse Kreatur erschaffen hat.
Dieser verspricht ihm, Ilsa wieder zu erwecken und nutzt den Verzweifelten fortan für seine düsteren Zwecke aus….

Fröhlich, mitreißende Volksfestmucke, wunderschöne Berglandschaften und ein beschauliches Städtchen - ganz klar ein Heimatfilm..oder?

Mitnichten, das Ding ist eine echte Horrorfilmgroteske, die Naschy sofort nach „El Grande Amor Del Conde Dracula“ in Angriff nahm. Innerhalb eines Monats waren der „Dracula-Plot“ und die Geschichte vom buckeligen Gotho im Kasten.

Produzent war Schriftsteller Manuel Leguineche, ein Freund seines Vaters, der auch den Director Javier Aguirre für beide Filme empfohlen hatte.

Was den Zuschauer nun erwartet ist eine Mischung aus garstigem Horror, unfreiwilligem Humor und „Frankenstein-Plot.

Hier handelt Alberto Dalbes, ein damaliger erfolgreicher Theaterschauspieler, als Dr. Orla, mal wieder „zum Wohle der Menschheit“. Wir wissen ja, dass dabei nix weiter rumkommt, als ein beknacktes Monster, dass vor sich hinbrüllt und Menschenfleisch frisst.

Leider macht ein lautes Organ und übermäßiger Appetit noch kein passables Ungeheuer aus, deshalb taucht selbiges auch nur zum Schluss, für wenige Minuten auf, clever, clever, der Senor…

Die tragischen Elemente sind  ganz auf Naschys Antihelden Gotho zugeschnitten, der ob seiner merkwürdigen Erscheinung immer wieder die schlimmsten Beleidigungen ertragen muss.

Der arme Tropf ist natürlich unglücklich verliebt, und seine Love-Interest ausgerechnet ein todkrankes Mädel namens Ilsa, das eh bald in die ewigen Jagdgründe eingeht. Die Todgeweihte wird von Maria Elena Arpon gegeben und ist das Sterben schon gewohnt. Eurokult-Fans erkennen sie als erstes Opfer der „reitenden Leichen“ („Die Nacht der reitenden Leichen/1971“).

Das Makeup der armen Ilsa ist schon gut gelungen und passt zum morbiden Look, den Kameramann Cubero einfängt.

Das Script von Jacinto Molina (aka Naschy) spart dabei auch nicht mit blutigen FX, wenn Gotho seine Peiniger meuchelt. Da endet schon einmal jemand in der „Eisernen Jungfrau“.

Gelegentlich werden  allerdings auch Zeuge einiger geschmackloser Verirrungen, bei denen Naschy und Kollegen offenbar wirklich nicht mehr Herr ihrer Sinne waren.
Für eine Szene, in der Gotho einer Leiche den Kopf absäbelt, wurde ein echter menschlicher Kadaver benutzt.

Weil nun der gute Paul beim besten Willen keinen so starken Magen hatte, musste er sich ordentlich besaufen, um dieses Vorhaben denn auch ausführen zu können. Schlussendlich war die Natur stärker, und so wurde für die finale Tranchierung ein Dummy genutzt.

Paul NaschyEs gibt dann noch eine Sequenz, in der seine „Darsteller“, echte Ratten, Höllenqualen erleiden mussten. Tierschützern in aller Welt könnte soetwas kaum gefallen, aber Senor Naschy liess die armen Viecher lange Zeit ohne Nahrung, um einen Angriff auf ihn realistischer zu gestalten. Das Ergebnis waren ihre Bisse, die er am ganzen Körper spüren konnte, da musst dann schon mal eine Tollwutimpfung sein.
Als Bezahlung für diesen furiosen „Cameo-Auftritt“ wurden einige Ratten bei lebendigem Leibe vor der Kamera verbrannt.
Senora Arpon hatte es auch nicht gerade leicht, lag sie doch auf einer Tischplatte, über und über mit den knabbernden Nagern bedeckt, ohne sich doubeln zu lassen.

Der deutsche Verleih sah sich offensichtlich dazu veranlasst, die ohnehin schon schräge Atmosphäre mit einer zuweilen unpassend wirkenden Synchro zu entschärfen und schob Gotho zwischendurch sogar einen völlig bescheuerten Reim zwischen die Zähne ( „Der Tod ist wie mein Bruder, er lässt mich nicht allein. Und geht er sich ne’ Seele suchen, dann möchte ich bei ihm sein“)

Derartiges war ja schon in dem SciFi-Horror-Trash „Dracula jagt Frankenstein“ (1969) (siehe: „Die Daninsky-Chronicles Teil 2) usus.

Ansonsten labern die munteren Leutchen eben typische „Rainer („Arena Synchron“) Brand-Texte wie etwa …“Meister der Tasse, schenk ein“…oder ähnliches.

Naschys Performance als Buckel tragender Kretino blieb nicht ganz ohne Folgen. 1973 durfte er ausgerechnet dafür, auf dem „Festival des Fantasy-und Science Fiction Film“, in Paris, den „George Melies Preis“ als bester Schauspieler entgegen nehmen.

Wir gönnen ihm das……...
El Jorobado De La Morgue
EL JOROBADO DE LA MORGUE
(DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN)
Spanien 1972

CAST:

Paul Naschy - Wolfgang Gotho
Alberto Dalbes - Dr. Orla
Maria Perschy - Frieda
Rosanna Yanni - Elke
Victor Alcazar - Dr. Tauchner
Maria Elena Arpon - Ilsa

Regie: Javier Aguirre
Drehbuch: Jacinto Molina, Alberto Insua, Javier Aguirre
Kamera: Paul Perez Cubero
Musik: Carmelo Bernaola
Laufzeit: 83 Minuten (Deutsche Fassung)
Deutscher Verleih: „Modern Film“
Deutsche Erstaufführung: 18.11.1973
 Die DVD
Video: „Euro Video“ / „IMV“
DVD: „Anolis“/ „Ascot Elite“/ „Retrofilm“

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.