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Das etwas ernstere Gesicht des Okkultismus - »A Dark Song«

A Dark SongDas etwas ernstere Gesicht des Okkultismus
»A Dark Song«

Die Trauer um ihren verstorbenen Sohn lässt Sophia Howard sichtlich nicht mehr zur Ruhe kommen. Aus diesem Grund sucht sie auch den direkten Kontakt zum durchaus engagierten, allerdings auch cholerischen Okkultisten Joseph Solomon, um mit ihm durch das Ritual des "Abramelin" (nach Abraham von Worms) mittels eines Schutzengels noch einmal mit ihrem verstorbenen Sohn kommunizieren zu können. Doch dieses Ritual ist nicht gerade von ungefährlicher Natur und Sophia will zudem auch noch Rache für ihren Sohn.

A Dark SongDenn dieses Ritual muss man nicht nur in völliger Isolation durchführen, sondern es kann durchaus auch Wochen oder gar Monate dauern und ist eine psyschische wie physische Grenzüberschreitung.

Zwar fällt es Joseph Solomon nicht gerade leicht, den Wunsch von Sophia zu erfüllen, doch dann nistet man sich mit ausreichend Vorräten für die völlige Isolation der eventuell nächsten Monate in ein abgelegenes altes Anwesen irgendwo in Wales ein. Dabei schließt Joseph auch das gesamte Anwesen mittels eines schützenden Salzkreises ein, welches während des Rituals von ihm und Sophia auch niemals überschritten werden darf.

Was nun folgt hat bei Zeiten eher etwas von einem Kriegszustand zwischen Sophia und Joseph, der sich auch jetzt wieder wie ein kaltschnäutziger Despot verhält, während er gleichsam verlangt, dass sich Sophia durch Perioden des Fastens sowie weiteren Entbehrungen als auch quälender Kälte und Todesängste zu kämpfen hat. Dies soll z.B. auch dazu dienen, die Dämonen zu bekämpfen, die sie unweigerlich ebenfalls mit dem Ritual anziehen werden. Doch auch der gewünschte Engel wird laut Joseph nicht nur mit lieben Worten und einigen Gebeten zu erreichen sein.

Und so verlieren sowohl Sophia als auch Joseph bald jegliches Zeitgefühl und werden immer mehr durch düstere Vorkommnisse geplagt. Ob diese Vorfälle allerdings immer übernatürlicher Form sind, oder ob auch die Drogenpilze und die körperliche Schwächung hier die Phantasien von Sophia und dem Okkultisten mitunter durchgehen lassen, wissen sie ebenfalls nicht mehr selber klar zu bestimmen.

Allerdings treibt auch das eher toxische Verhältnis zwischen Sophia und Joseph einem immer gefährlicher werdenden Finale entgegen. Wird es trotzdem gelingen, einen Engel zu rufen, der Sophia nicht nur einen letzten Kontakt zu ihrem verstorbenen Sohn ermöglicht, sondern auch darüber hinaus ihrem zuerst verheimlichten Wunsch nach Rache entsprechen wird?

A Dark SongAusgedacht haben sich die Macher ...
... dieses Horrorfilms das besagte Ritual des "Abramelin" nicht speziell für diesen Film, der eher etwas in die gleiche Kerbe trifft, wie etwa GET OUT von Jordan Peele aus dem Jahre 2017. Der Ursprungstext dieses Okkulten Ritual soll eigentlich eher laut einigen Aussagen neuerer Zeit aus dem 18. Jahrhundert stammen. Generell soll das magische Ritual aber laut anderen Aussagen und eben zeitlich entsprechenden Niederschriften von "Abraham von Worms" stammen, der bereits um 1362 geboren wurde, dessen Todesdatum bzw. Jahr jedoch bis Heute nicht mehr völlig nachvollziebar ist. Beim Namen Araham von Worms handelt es sich allerdings wohl auch wiederum um einen Autorennamen eines jüdischen Mannes aus Worms aus dem 15. Jahrhundert, der diesen umfangreichen magischen Text in deutscher Sprache überlieferte und sich selbst zu Beginn des Buches als Abraham ben Rabbi bar Jehuda ben Rabbi Shimon vorstellte.

Genau genommen schätzt man die Geburt "Abraham von Worms" daher durch textvergleichende Untersuchungen zwischen 1355 bis eben 1362 ein, wobei es sich eventuell also auch um den damaligen Gelehrten Jacob Molin (oder auch Mölln) ben HaLevi handeln könnte, der ja etwa bis 1427 gelebt haben dürfte. Genau lässt sich dies allerdings wohl auch nicht mehr ganz sauber bestimmen, da z.B. vorher durch die Schwarze Pest von 1349 bereits die kleine jüdische Minderheit im betreffenden Siedlungsraum fasst völlig ausgelöscht wurde. Schätzungen gehen da zur damaligen Zeit von nicht mehr als rund 500 Mitbürgern jüdischer Abstammung im gesamten Rhein-Mein-Gebiet aus. "Das Buch der wahren Praktik in der uralten göttlichen Magie" (welches auch z.B. in Oxford in einer aramäischen Fassung vorliegt) bezieht sich wie im Film selbst ebenfalls durch Joseph ausgesagt, auch auf die Kabbala, dessen Wurzeln sich auch im "Tanach", der Heiligen Schrift des Judentum wiederfinden lassen.

Diese magische Schrift prägte später ebenso in Teilaspekten den Orden des "Hermetic Order of the Golden Dawn" (1888 in England gegründet), bzw. auch den Orden "Ordo Templi Orientis" (gegründet zu Beginn des 20. Jahrhundert). Der Okkultist Aleister Crowley (geboren 1875 - gestorben 1947) experimentierte mit diesem Text z.B. hinsichtlich einer Anrufung seines Schutzengels.

Nach dieser eher kurzen inhaltlichen ...
... Ausführung auf die Ebene des Okkultismus merkt man bestimmt schon, dass der eigentliche Macher (Regie und Drehbuch Liam Gavin) des Films A DARK SONG es durchaus sehr ernst hinsichtlich des Inhalt und der Verbindung zwischen Okkultismus und der Religion nimmt.

Entsprechend sollten Fans des Genre, die sich bei A DARK SONG von 2016 nun einen Horrorfilm irgendwo zwischen DER EXORZIST (1973), THE UNHOLY (2021) oder dem CONJURING Universum (ab 2013) erwarten, sich die Anschaffung der Blu-ray (oder DVD) wirklich noch einmal überlegen. Denn in diesem Film verzichtet man nämlich auf die üblichen Elemente, die man bei solchen Horrorfilmen gewohnt sein dürfte und welche die Spannung merklich nach oben treiben. Dafür bekommt man allerdings ein intensives Kammerspiel geboten, in dem Realität und übernatürliche Elemente irgendwann immer mehr ineinander verschwimmen. Ja, über einen größeren Zeitraum fehlt eigentlich sogar jede mögliche Anspielung auf übernatürliche Ereignisse und trotzdem gelingt es dem intensiven Zusammenspiel der Darstellerin Catherine Walker (Sophie) und des Darstellers Steve Oram (der Okkultist Joseph), eine intensive und recht düstere Atmosphäre aufrecht zu erhalten.

A DARK SONG ist ein Horrorfilm über Trauer und Sehnsüchte, der sich Themen wie Okkultismus mit großer Sorgfalt und Ernsthaftigkeit annähert.

(Pressestimme: film-rezension.de)

Dies macht allerdings auch die sehr toxische Verbindung aus, welche die Beiden hier in der Handlung sehr intensiv darstellen und die den Zuschauer durchaus auch zu fesseln weiß. Häufige Jump-Scares, größere Blutorgien oder schnelle Bildschnitte sind bei A DARK SONG hingegen absolute keine typische Normalität. Wer also dem normalen Horrofilm mit ordentlichen Schreckmomenten und/oder schnellen Bildschnitten mehr abgewinnen kann, dürfte hier eventuell sogar in Sachen übernatürlicher Elemente und entsprechender Action eher etwas gelangweilt vom Platz gehen.

In den deutschen Kinos düfte dieser irische Horrorfilm allerdings auch nicht wirklich breit zu sehen gewesen sein, denn in Zusammenarbeit mit Camera Obscura gelangte A DARK SONG in Deutschland nur in wirklich ausgesuchte Kinos. Die mir vorliegende Blu-ray wurde indessen nun ebenfalls erst seitens Alive (Vertrieb) im Dezember des Jahres 2021 veröffentlicht. Man muss dabei allerdings hier auch Liam Gavin zugestehen, dass ihm hier mit durchaus minimalen Mitteln ein wegweisendes Horrordrama als Regiedebüt gelungen ist, den man in dieser Intensität und Ernsthaftigkeit wirklich nur selten findet.

Ein Horrorfilm im reinsten Sinne des Wortes, der nicht auf ein junges, auf Schockmomente hoffendes Puplikum setzt, sondern den Okkultismus der Geschichte möglichst authentisch angeht."

(Pressestimme: Peter Osteried/programmkino.de)

Catherine Walker die hier in der Rolle der Sophia Howard zu sehen ist und die Rolle der trauernden Mutter sehr intensiv umsetzt, dürfte man vielleicht auch schon im Film THE CURSE OF AUDREY EARNSHAW von 2020 oder aber in HOUSE OF CUGGI von 2021 gesehen haben. Den Schauspieler Steve Oram, der hier den cholerischen Okkultisten Joseph mit einer erschreckenden Realitätsnähe spielt, könnte man indessen auch in Horrorfilmen wie THE CANAL (2014) oder DAS BLUTROTE KLEID (2018) bereits ebenfalls gesehen haben.

A Dark SongMein Fazit:
A DARK SONG ist wie bereits oben erwähnt kein typischer Horrorfilm, dessen Inhalt bereits recht bekannt vorkommen dürfte. Denn in den meisten Filmen zum Bereich des Okkulten werden Rituale eher in wenigen Minuten abgehandelt mit flackernden Kerzen in düsteren Räumen, ein paar hübschen aber mitunter unverständlichen Beschwörungsformeln sowie als Sahnehäubchen für die betreffende Filmszene möglichst noch einem netten Schreckmoment. Also genau betrachtet wirklich nicht viel, wenn man hierzu die Gesamthandlung so eines Horrorfilm betrachtet.

In dem Punkt liegt bei A DARK SONG dann das Augenmerk zu fasst 70 Prozent auf das hier durchzuführende Ritual, wobei auch die toxische Beziehung zwischen der Auftraggeberin und dem Okkultisten durchaus einen weiteren Schwerpunkt bildet, um die Spannung zu erhöhen. Denn die üblichen Schreckmomente oder ähnliches haben in diesem Film keine wirkliche Hochkonjunktur.

Der Film nimmt hierfür aber auch das Thema wirklich sehr ernst, was ebenfalls irgendwie eine kleine Besonderheit sein dürfte. Und so saugt man sich nicht eben mal schnell eine spiritistische Sitzung oder einmal Gläserrücken mit kleinen magischen Formeln aus den eigenen Fingern. Das hier also Liam Gavin, der eben nicht nur sein Regiedebüt gibt, sondern auch das dazugehörige Drehbuch gleich mit verfasst hatte, von der Materie durchaus mehr als nur ein wenig Ahnung besitzt, lässt sich bei einer nur geringen Recherche zum Thema und dem besagten Ritual durchaus schnell feststellen.

Aber auch die Geschichte rund um das besagte Ritual und die nicht wirklich in alle Richtungen eindeutig geklärten Fakten eben zum Ritual selbst, was z.B. die wirkiche Entstehungszeit betrifft, wie aber auch zum Verfasser "Abraham von Worms" selbst, sind durchaus spannend zu lesen und können, soweit vorhanden und zu einem wesentlichen Teil auch belegt, im Internet durchaus nachgelesen werden.

Das man zudem nicht die volle Wahrheit gleich zu Beginn erfährt, was wirklich alle Ziele von Sophia betrifft, bzw. dass sie dem Okkultisten Joseph doch noch etwas wesentliches vor Beginn des Rituals verschwiegen hatte, gehört hierbei auch zum Spannungsaufbau. Man sollte daher also mit wachem Geist bei der Handlung bleiben, um hier nicht am Ende zu rätseln, warum da jetzt eben das passiert ist, was da passiert.

Alleinigst der Auftritt des etwas überdimensionalen Engels, welcher für manche sicherlich einer der gruseligsten Momente des Film-Finale sein dürfte, fand ich persönlich doch eher unglaubwürdig, was hierbei für mich auch wiederum an der durchweg glaubwürdig aufgebauten Gesamthandlung dann etwas negativ kratzte. Hier in Sachen Engel etwas weniger dick aufgetragen, hätte dem Gesamtfilm daher sicherlich auch gut zu Gesicht gestanden. Gesamt betrachtet dürfte der Film aber besonders für Zuschauer mit einem gehobenen Interesse an realistisch gestalteten okkulten Ritualen aber durchaus eine Empfehlung auf hohem Niveau wert sein.

Einige Extras in Sachen Interviews mit dem Regisseur, dem Kameramann sowie den DarstellerInnen, als auch z.B. einigen entfallene Szenen und einem weiteren Kurzfilm von Liam Garvin hat die mir vorliegende Blu-ray seitens des Vertrieb Alive (sowie Studio Camera Obscura) auch noch zu bieten, was das Gesamtbild natürlich ebenso positiv abrundet.

A Dark SongA Dark Song
(A Dark Song)
mit Steve Oram, Catherine Walker, Martina Nunvarova, Mark Huberman u.a.
Regie & Drehbuch: Liam Gavin
Produktion: David Collins
Musik: Ray Harman
Genre: Horror/Drama
Studio: Camera Obscura
Laufzeit: 100 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Extras: Interview mit Liam Gavin, entfallene Szenen, Kurzfilm u.m.
Vertrieb: Alive
Irland, Großbritannien 2016

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