Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Eine ganz eigene dämonische Art - »The Vigil: Die Totenwache«

The Vigil: Die TotenwacheEine ganz eigene dämonische Art
»The Vigil: Die Totenwache«

Der junge Yakov will sich endlich völlig von seiner strengen chassidischen Gemeinde in Brooklyn trennen. Hierzu besucht er auch eine Selbsthilfegruppe, die ihm dabei auch auferlegt, jeglichen Kontakt zu dieser abgeschotteten jüdischen Galubensgemeinschaft zu vermeiden. Dumm nur, das Yakov auch noch einige Geldsorgen plagen. Und so nimmt er auch eher widerwillig das Angebot des Rabbiners dieser Gemeinde an, für 400 Dollar eine Totenwache zu übernehmen, wie es in der Gemeinde eben Tradition ist.

The Vigil: Die TotenwacheDas in der Wohnung des verstorbenen Gemeindemitglied, welches im Wohnzimmer aufgebahrt wurde, aber nun nicht alles wirklich koscher abläuft, bereitet Yakov recht schnell einige Sorgen. Dabei geht er zuerst davon aus, dass hier die demenzkranke Ehefrau des Verstorbenen für so manche gruseligen Momente verantwortlich ist, da sie immer mal wieder wie ein Geist still und heimlich in der Nacht durch das Haus schleicht.

Allerdings werden die Vorkommnisse recht schnell auch irgendwie für Yakov immer bedrohlicher und mysteriöser, weshalb ihm bald auch der ungute Gedanke beschleicht, dass hier sogar "Mazik", ein dämonischer Totengeist selbst seine unheiligen Finger im Spiel haben könnte. Und so befindet sich Yakov auch bald in einem regelrechten Albtraum wieder, der von geradezu bizarren Ängsten begleitet wird und dem er einfach nicht mehr zu entkommen vermag.

Doch es ist eben nicht nur der dämonische Totengeist, welcher nicht von den Körpern der Toten lassen mag, dem sich Yakov in dieser Nacht stellen muss. Auch, und vielleicht noch viel mehr, muss er sich hierbei seinem ganz persönlichen Kampf und damit auch den Dämonen seiner eigenen Vergangenheit stellen.

The Vigil: Die TotenwacheMal ehrlich gesagt ...
...reicht dies auch schon als Umschreibung der filmischen Handlung, wobei es sich hier auch um das Langfilmdebüt vom Autor und Regisseur Keith Thomas handelt, welches seitens dem Filmlabel Blumhouse produziert wurde. Und bei der Erfolgsschmiede Blumhouse muss der Film THE VIGIL - DIE TOTENWACHE wohl auch einen gewissen Eindruck hinterlassen haben, da man Keith Thomas auch die Neuinszenierung vom Stephen-King-Klassiker DER FEUERTEUFEL (Originalfilm von 1984 mit Drew Barrymore und Heather Locklear) nun bei Blumhouse anvertraut hat. Ob das gut geht, wird sich noch zeigen müssen, denn mit wirklich viel Erfahrung kann Thomas in Sachen Regie für einen Kinofilm eben noch nicht wirklich aufwarten.

Und ich persönlich würde den Film THE VIGIL - DIE TOTENWACHE noch nicht unbedingt als einen Qualitätsbeweis für Thomas bewerten wollen. Der Grund hierfür ist das, was Thomas mit dem Film an Aussagen transportieren wollte und das, was dann am Ende eben bei dem Film wirklich herausgekommen ist.

Denn der Totengeist "Mazik" ist im Film quasi auch eine Art Synonym für geschichtliche und politische Abgründe, da dieser Dämon sich  von dem Leid eben der verstorbenen Menschen ernährt. Und der besagte Verstorbene im Film ist hierbei ein KZ-Überlebender, der zu seinen Lebzeiten also ein geniales Opfer dieses "Dibbuk" (Bezeichnung im jüdischen Volksglauben für einen Dämon bzw. bösartigen Totengeist) gewesen ist. Und nun hat dieser Totengeist auch Yakov im Visier, der selbst Opfer eines antisemitischen Überfall geworden ist, der sogar mit einem tödlichen Verlust für ihn endete. Dabei gibt sich Yakov auch selbst eine gehörige Schuld, weil er aus purer Angst nicht eingeschritten ist, als es zu der unsäglichen Gewalt mit anschließender Todesfolge kam (mehr wird hier aber meinerseits nun nicht detaliert hierzu verraten).

Doch in den knapp einmal 90 Minuten Spielzeit gelingt es Keith Thomas nicht wirklich, die Thematik des Holocaust und die inneren Shuldgefühle von Yakov mit dem Thema einer dämonischen Macht in Einklang zu bringen, weshalb unter dem Strich eigentlich nur einige wenige gruselige Szenen wirklich sehenswert sind, während dieser Horrorfilm mit seinen eigentlich versöhnlich angedachten Botschaften über weite Strecken schlicht nur schwächelt. Und so hebt sich THE VIGIL - DIE TOTENWACHE nicht wirklich von den bekannten Dämonen- und Exorzismus-Filmen ab, bei dem so manches religiöse Brauchtum eben eine äußerst hohe Grundlage bildet.

Dabei sind Filme dieser Art durchaus recht interessant, wenn sie sich mal mehr oder weniger auf den jüdischen Glauben beziehen, gerade so als hätte jede religiöse Stoßrichtung eventuell auch ihre ganz eigenen Dämonen. Letzteres basiert natürlich am Ende auf nichts anderes, als die jeweilige Auslegung, die zwischen dem Christen- und Judentum, aber auch dem Islam variiert. Denn alle drei großen Religionen fangen schließlich im Paradies mit Adem und Eva an, bis diese von Gott auf die Erde vertrieben wurden und nun als Sünder ein Leben als Sterbliche fristen müssen. Aber insgesamt können Horrorfilme mit jüdisch-religiösen Wurzeln irgendwie immer mit - sagen wir einfach mal - diversen exotischen Elementen aufwarten, die man auf der Gundlage des Christentum nicht wirklich erwarten würde, auch wenn der Unterschied mitunter eher sogar sehr gering erscheinen mag. Ich erinnere hier nur einmal an einige Inhaltliche Besonderheiten während des Exorzismus im Horrorfilm THE UNBORN aus dem Jahre 2009 (USA mit Odette Annable als Casey Beldon und Gary Oldman als Rabbie Sendak in den Hauptrollen), mit denen man einen Dibbuk auszutreiben versucht, der als bereits im Mutterleib verstorbener Zwillingsbruder durch seine Schwester nun geboren werden will, um noch mehr böses zu verrichten. Ich erinnere hier nur mal an das große Horn, welches während (laut Drehbuch) des Exorzismus geblasen werden muss, anstatt mit einem Kruzifix das Böse wegwedeln zu wollen. Für eine Szene bei einem christlich geprägten Exorzismus wäre das irgendwie undenkbar.

Der Punkt ist nur leider, dass der Film THE VIGIL - DIE TOTENWACHE irgendwie auch nicht mit solchen kleinen, aber interessanten Besonderheiten aufwarten kann. Dafür präsentiert uns der Film  mit dem Hauptdarsteller Dave Davis (GHOST SHARK/2013 oder BOMB CITY/2017) eher ein schlichtes Kammerspiel, bei dem er als besagter Yakov - wäre die Totenwache in einem Wolkenkratzer - wohl gleich aus dem Fenster springen würde, wenn hinter ihm jemand nur "Buhh!" rufen würde. Von einem Helden ist er also mehr als nur ein Universum entfernt. Zum Glück kann er bei dem besagten "Buhh!" dann doch die Tür nehmen, da es kein Wolkenratzer, sondern nur ein normales Haus ist. Allerdings wäre ein Sprung aus einem Wolkenkratzer nach meiner bescheidenen Meinung wesentlich interessanter gewesen, was auch den Film selbst wohl merklich abgekürzt hätte.

Nun gut, die Totenwache findet also in einem normalen alten Haus statt und es gibt deshalb auch leidlich genug klassische Schattenspiele und flackerenden Kerzenschein, damit Yakov zumindest einmal in der Nacht versucht, zumindest durch die Tür wieder das Weite zu suchen, um dann aber doch wieder mehr oder weniger gezwungen zurückzukehren, um sich dem Unheilmichen noch mannhaft stellen zu können. Nur flacht dabei die Spannungskurve mit jeder weiteren vertreichenden Minute bei dem Film leider auch merklich ab, so das THE VIGIL - DIE TOTENWACHE mit seiner Thematik nicht über die nur üblichen Grundlagen ähnlicher Horrorfilme wirklich hinaus kommt.

The Vigil: Die TotenwacheMein Fazit:
Der Film THE VIGIL - DIE TOTENWACHE kam bedingt durch die Corona-Pandemie bei uns nur in einigen ausgewählten Kinos ins Programm, welche eben trotz der Pandemie öffen durften. Und so ging dieser Genre-Beitrag auch eher sehr still und leise an uns vorbei, bis das der Film dann für das Heimkino auf DVD oder Blu-ray vermarktet wurde.

Der Trailer zum Film versprach dann durchaus nicht wirklich etwas neues, machte aber glaubens, dass man es hier durchaus mit einem spannenden Beitrag zu tun bekommt, auch wenn er das Rad nicht wirklich neu erfindet. Nur leider war dies auch nur eine Hoffnung, wie ich dann bei der sichtung des ganzen Films feststellen durfte.

Und so fing ich etwa ab der Mitte des Film an, so manche leidliche Hoffnung fahren zu lassen und nur noch zu hoffen, dass der Film ein baldiges Ende finden möge.

Dabei hat er durchaus einige atmosphärisch gruselige Momente. Doch überzeugen konnte mich am Ende weder die Handlung selbst, noch der eigentliche Hauptdarsteller Dave Davis. Wesentlich gruseliger war da schon die Schauspielerin Lynn Cohen (DAS LEBEN VOR MEINEN AUGEN/2007 oder DIE TRIBUTE VON PANEM - CATCHING FIRE/2013), die hier als demenzkranke Witwe Mrs. Litfak ab und zu mal durch das schummrig beleuchtete Haus schleicht und auch mal ungefragt einige kryptische Aussagen von sich gibt.

Wirklich billig wirkt der Film allerdings auch nicht und man merkt durchaus, das Keith Thomas sich hier wirklich Mühe gegeben hatte. Nur leider läuft es an allen Ecken - sagen wir einfach mal - nicht wirklich rund. Der Gruselfaktor plätschert eher gleichmäßig vor sich hin und bietet eigentlich keine wirkliche Spitzen. Diesen Mangel aber versucht man im Film dann leider auch durch aufdringliche Jumpscares auszugleichen, was dann wirklich eher abschreckend als erschreckend wirkt.

Was eventuelles Bonusmaterial angeht, so glänzt die vorliegende Blu-ray (BD) ebenfalls einer sprichwörtlichen Wüste unter sengender Sonne und man könnte sagen, dass hier bis auf einen trockenen Hals nichts zu holen ist außer eben dem entsprechenden Trailer zum Film selbst.

Grundsätzlich spricht aber auch nichts dagegen, sich den Film THE VIGIL - DIE TOTENWACHE trotzdem mal an einem launigen Abend anzusehen. Für eine wirklich gutgemeinte Empfehlung reicht aber alle Mühe bei diesem Film nicht, weshalb ich diese hier auch nicht aussprechen werde. Wurde ich nach einem Punktesystem bewerten, dann käme der Film schlicht gerade einmal mit etwas Bauchschmerzen auf gute zwei von insgesamt fünf Punkte auf der Wertungssklala, was Anbetracht der durchaus vorhandenen Möglichkeiten dann doch schon irgendwie traurig ist.

The Vigil: Die TotenwacheThe Vigil - DIE TOTENWACHE
(The Vigil)
mit Dave Davis, Lynn Cohen, Menashe Lustig, Fred Melamed, Malky Goldman, Ethan Stone, Moshe Lobel, Emilio Vitolo u.a.
Regie & Drehbuch: Keith Thomas
Produktion: Jason Blum, Raphael Margules, Daniel Finkelman u.a.
Musik: Michael Yezerski
Genre: Horror/Drama
Laufzeit: 90 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: EuroVideo
USA 2020

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.