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Öko-Horror der bayrischen Art - Hugh Walker »Die Hölle in mir«

Der ParascoutÖko-Horror der bayrischen Art
Hugh Walker »Die Hölle in mir«

Robert Steinberg hat besondere Fähigkeiten die man bei ihm auch als 4.0 Wahrnehmungen bezeichnet. Dabei ist er kein Telepath der eventuell Gedanken lesen könnte. Viel eher handelt es sich um ein parapsychologisches Fernwahrnehmungsvermögen bei dem er die Gefühle anderer Menschen und durch deren Augen auch deren aktuelle Situation mitverfolgen kann. Er wird also quasi ein Teil von ihnen, ohne jedoch hierbei aktiv eingreifen zu können.

Die Hölle in mirUnd gerade würde man Steinberg gerne als Para-Einsatzperson an einem ganz besonderen Ort aktiv werden lassen, weshalb sich auch die Personen Bonner vom Innenministerium und Stiernagl, der Bürgermeister von Waldhofen im IGPP (Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene) in Freiburg eingefunden haben.

Doch während Stiernagl, eine Art typischer Urbayer, Steinberg am liebsten gleich mit nach Waldhofen nehmen würde, zeigt sich Bonner nicht so glücklich über die weitere Vorgehensweise. Schließlich wäre es ihm ganz lieb, wenn eher niemand von dem IGPP und der Person Steinberger mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten etwas mitbekommen würde. Doch das dürfte etwas schwer fallen, denn so wirklich sucht sich Steinberg nicht aus, wo er mit seinen Kräften aktiv wird, sondern vielmehr verschmelzen sich diese besonderen Vorkommnisse und Personen eher unkontrolliert mit seinem außergewöhnlichen Bewusstsein.

Als Robert Steinberg dann auch mit seinem Wagen die Stadtgrenze von Waldhofen erreicht, überkommt ihn auch sogleich eine höchst intensive wie verstörend-negative Wahrnehmung, weshalb er die Fahrt auch direkt kurzzeitig unterbrechen muss, bis das er wieder Herr seiner Sinne ist. Dabei liegt Steinberg Aufgabe eher darin, herauszufinden, warum in dem idyllischen Ort plötzlich mehrere Menschen durch offensichtlichem Selbstmord aus dem Leben geschieden sind. Denn auch hierfür lässt sich einfach keine wirklich plausible Erklärung finden. Dabei besteht die erste Wahrnehmung von Steinberg eher aus einer ganzen Welle von Millionen unmenschlich erscheinender Todesschreie aus der Richtung des Weidenzeller Moor, als kämen diese von unzähligen gequälten Seelen gleich aus dem Fegefeuer oder gar der Hölle selbst.

Recht bald stellt Steinberg in Waldhofen auch fest, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht, auch wenn man ihn hier allgemein sehr freundlich empfängt. So kann er z.B. Blut und eine weitere grünliche Substanz an einer der Hauswände eines Selbstmörders erkennen, welche jedoch andere Mitbürger offenbar nicht sehen können. Allerdings scheint auch eine Hauskatze mit dem besonderen Namen "Schatten" bald eine recht sonderbare Verbindung zu Steinberg aufzubauen. Gerade so, als verfüge auch sie über eine ganz besondere wie seltene Fähigkeit.

Was Steinberg jedoch nicht wirklich bestens gelingt, ist die Geheimhaltung seiner eigentlichen Anwesenheit in Waldhofen, denn sehr schnell wird der Reporter Thomas Rappe von der Passauer Neue Presse zu seinem Schatten, weil er hier eine wirklich gute Story vermutet. Und die will sich ein Vollblut-Journalist natürlich nicht entgehen lassen. Aber nicht nur aus diesem Grund erhält Steinerg vom Institut durch seinen Kollegen Bernhard Winter (und späterhin auch mit Dr. Polonia "Pollie" Hirsch) schnelle wie tatkräftige Unterstützung.

Immer mehr scheint hierbei für Steinberg das naheliegende Moor ins Zentrum der Ereignisse zu rücken. Und dann übermannen ihn plötzlich die Ereignisse eines gewissen Adolf Fuchs, der irgendwie eine persönliche Verbindung zu den bisherigen Selbstmördern gehabt hatte. Und durch dessen Augen sieht Steinberg plötzlich auch dessen Frau und seine kleine Tochter, vor denen Fuchs offenbar in den Keller zu fliehen versucht. Denn weder die Tochter noch seine Frau wirken selbst für Steinberg nicht wirklich lebendig und sollten zudem eigentlich durch einen Unfall bereits seit längerem verstorben sein.

Gemeinsam mit Rappe, der den völlig verstörten Steinberg vorfindet, wie auch Steinbergs Kollege Bernhard Winter, der nun ebenfalls in Waldhofen eingetroffen ist, macht man sich eiligst zur Rettung von Adolf Fuchs auf. Doch der wird quasi vor ihren Augen erschossen, als er in der Nacht mit seiner verstorbenen Frau und Tochter scheinbar das Haus verlässt. Doch waren dessen danach plötzlich wieder verschwundene Frau und Tochter wirklich Geister, die auch körperlich wie Zombies wieder aus ihren Gräbern auferstanden waren? Und in welcher Verbindung stehen sie zu dem Moor, welches für Steinberg als Ausgangspunkt immer mehr ins Zentrum dieser unheimlichen Vorkommnisse rückt?

Die Hölle in mirNein, die Hölle war noch nicht wegen Überfüllung geschlossen ...
... wie man auch sagen könnte. Und weil wir es hier auch nicht mit den typisch Verdächtigen (Vampire, Zombies oder Geister) aus dem Bereich des Gruselroman zu tun haben, sollte man sich in diesem Fall auch nicht zu sehr an Untote gewöhnen, die dem Grab auferstanden sein mögen, um nun eventuell Rache zu nehmen.

Denn was in dieser Nacht nicht nur Steinberg auch mit eigenen Augen zu erkennen glaubte, war schlicht ein Trugbild. Eine fasst perfekte Illusion, geschaffen von ... aber Nein, so viel will ich hier nun wirklich nicht verraten. Schließlich macht selber lesen bekanntlich eher einen schlanken Fuß (oder was auch immer).

Denn was Romane des Autors Hubert Straßl angeht, den man wohl eher unter seinem Autorennamen Hugh Walker kennen dürfte, so wurde man von ihm stets mit literarischen Besonderheiten belohnt. Dabei konnte er sich selbst z.B. so bekannten Monstern wie etwa den Vampiren annehmen, die ja innerhalb damaliger Heftromanserien seitens auch anderer Autoren schon mehr als vielfache Auftritte erhielten. Aber man bekam dann doch seitens Hugh Walker trotzdem auch hierzu etwas ganz besonderes, ja in der Landschaft der Heftromane durchaus ganz untypisches geboten.

Man könnte auch sagen, dass diese Romane, wäre Hugh Walker hier nicht gezwungen gewesen, sich an die starre Seitenvorgabe von gut 60 Seiten der Heftromane zu halten, eher zwischen zwei Buchdeckel gehört hätten. Denn was das literarische Niveau seiner Romane betraf, so schwebte Hugh Walker stets weit über dem typisch trivialen Mainstream eben des ansonsten schnell zu konsumierenden Heftromans. Und so waren bei ihm auch Vampire eben nicht nur einfache Monster, die nach Blut gierten und den typischen blonden Helden mit unsinnigem wie überheblichem Gelaber am Ende ins kühle Grab bringen wollten. Nein, bei Hugh Walker hatte selbst ein Vampir eine Seele, eine Vergangenheit oder einen Hintergrund und verkam so nicht bereits zu Beginn einer Geschichte zum typischen Monster der Woche.

Das Hugh Walker eben keine einfache Massenware ablieferte, machte ihn auch zu einem der beliebtesten Autoren in Bereich der Phantastik, auch wenn er nicht wie andere Autoren über eine hohe Taktzahl neuer Romane verfügte. Dafür waren seine Romane immer irgendwie etwas ganz besonderes.

Das Licht der Welt erblickte dieser Roman als Neuausgabe um seinen hierfür neu geschaffenen "Helden" Robert Steinberg erstmaligst in der Bastei-Heftromanreihe DÄMONEN-LAND (Ausgabe 50) im Jahre 1991. Nun gehörte ich damals nicht zu der Leserschaft, die sich die Reihe DÄMONEN-LAND regelmäßig aus den Läden oder einem Kiosk griff, um so diese Romanhefte möglichst noch vor den anderen Leseratten zu konsumieren. Genauer gesagt hatte ich in meinem Leben noch nie einen Roman dieser Bastei-Reihe in Händen gehalten, geschweige denn darin geblättert oder gar gelesen. Wirklich in Kontakt mit Walkers besonderem "Helden" Robert Steinberg bin ich nun eigentlich erst durch die Taschenbücher des Verlag Emmerich Books & Media gekommen, die es sich damals zur Aufgabe gemacht hatten, das Gesamtwerk von Hugh Walker durch entsprechende Buchausgaben (Format Taschenbuch) zu würdigen. Und so gelangte auch der Band DER PARASCOUT in meine Sammlung der Hugh Walker Bände, von denen ich euch ja 2018 schon mal die Rezensionen der Romane aus dem Band DER OKKULTIST hier im Zauberspiegel vorgestellt hatte. Doch wer etwas mehr über eben Hugh Walker und seine Romane zu "Robert Steinberg" und seine "Fälle" wissen und lesen möchte, dem empfehle ich ebenfalls das Buch DER PARASCOUT, welches nämlich auch mit einem recht interessanten Vorwort seitens Horst Hermann von Allwörden zu eben diesen Romanen aufwarten kann. Doch kommen wir nun gleich mal zu meinem persönlichen Fazit speziell zu diesem ersten der im Band DER PARASCOUT befindlichen drei Romane seitens Hugh Walker.

Die Hölle in mirAlso, hier nun mein Fazit ...
... was ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Der Roman DIE HÖLLE IN MIR mag grob gefasst durchaus in die Sparte Horror- bzw. Gruselromane passen. Wirklich leichte Kost ist er deshalb jedoch nicht und geht das Genre auch von einer recht eigenen wie auch höchst interessanten Seite an. Dabei ist der "Held" durchaus kein Superheld, auch wenn er besondere Gaben besitzt, um so mit dem Geist anderer Menschen oder wie im Fall der Katze "Schatten" auch Tieren zu verschmelzen. Denn diese Gabe ist eigentlich keine Superkraft, die Steinberg nach belieben einfach abrufen und einsetzen kann. Vielmehr wird er von dieser Kraft zu allen möglichen wie unmöglichen Augenblicken mehr oder auch mal weniger quasi überrollt. Und diese Kraft ist eben auch nicht die Lösung des Problem, sondern führt unseren "Helden" eigentlich nur wie Teile eines Puzzle immer näher heran an die unwirklichen wie verstörenden Hintergründe.

So weit, so spannend. Doch (leider) etwas zu schnell beschlich mich hier bald eine gewisse Vorahnung, das ich es hier auch mit einem Roman aus dem Bereich des Öko-Horror zu tun hatte, was an sich nicht negativ zu sehen ist. Das Problem liegt allerdings darin begründet, dass durch seine Figur Robert Steinberg Hugh Walker recht schnell andere Möglichkeiten schlicht ausgeschlossen hatte, indem der "Held" anmerkte, dass er z.B. nicht an Geister von Verstorbenen oder gar Dämonen glaube. Sicherlich hatte Walker damit versucht, gleich dem Leser zu signalisieren, dass man es hier eben nicht mit einem der üblichen Gruselromane zu tun hatte. Es engt allerdings auch die Möglichkeiten für den Leser ein, der ja wie die Figur Steinberg mit jedem weiteren Hinweis versucht, der Lösung des Fall etwas näher zu kommen. Oder anders gesagt, die eigentliche Spannung will nun nicht mehr wirklich durch die Decke schießen, weil man nun als Leser den eigentlichen Hintergründen schneller auf die Spur kommt, als es der Held eben in der Handlung vermag. Denn als Leser brauchte ich so bald nur noch Eins und Eins zusammenzuzählen um zu wissen, wo die Fahrt hingeht.

Die Hölle in mirUnd genau diesen strategisch nicht wirklich gelungenen Hinweis (Steinbergs Unglaube hinsichtlich Geister und Co.) erhielt ich als Leser bereits im ersten Drittel des Roman, wo Dioxine und Chemikalien erwähnt wurden, bzw. Steinberg sich über ein Buch äußerte, in dem es um die sterbende Welt geht, weil diese durch den Menschen immer mehr vergiftet wird. Und da ja nun Geister, Zombies usw. durch Steinberg zu Beginn als "unglaubwürdig" ausgeschlossen worden sind, verengte sich bei mir als Leser dann auch schnell durch die reichlich gebotenen Hinweise der Fokus eben auf einen waschechten Öko-Horror-Roman.

Dabei stürzte die Spannung aber nicht völlig ab, da es ja trotzdem irgendwie interessant blieb, wenn es um die Frage geht, wie dort draußen im Weidenzeller Moor es überhaupt zustande kam, dass sich dort ein einheitliches und offenbar intelligentes, aber eben nicht menschliches Bewusstsein entwickeln konnte, welches nun für eine gravierende Umweltzerstörung scheinbar Rache nehmen will.

Das es dem Roman DIE HÖLLE IN MIR allerdings trotzdem etwas schwer gefallen war, mich immer gespannt mitzunehmen, lag schlicht an zwei Punkten.

Der erste Punkt war schlicht die Spannung, die nun ohne wirkliche Höhen blieb und somit eher sich beständig im noch guten Mittelfeld bewegte. Denn zu schnell wusste ich bereits im ersten Drittel, wo der Hase langlaufen würde. Die eigentliche Spannung, die mich eigentlich an der Geschichte fesseln sollte, wurde so nur durch die noch ausstehende Klärung mancher noch folgenden Details aufrecht gehalten. Der zweite Punkt ist eher persönlicher Natur, denn ich konnte dem bayrischen Dialekt, egal ob gesprochen oder wie hier nun gelesen, noch nie wirklich etwas abgewinnen, weshalb ich auch schon als Kind am Samstag-Abend das Wohnzimmer meist freiwillig verließ, wenn meine Eltern beschlossen hatten, sich im Fernsehen eine weitere Ausstrahlung des bayrischen Komödienstadl anzusehen.

Aber gut, das ist irgendwie auch ein anderes Thema. Wirklich gut an dem Roman DIE HÖLLE IN MIR hatte mir indessen gefallen, wie Hugh Walker mit viel Fantasie hier die Natur aktiv zurückschlagen lässt. Aber auch die Passagen mit der Katze "Schatten", wirkten hierzu interessant von Walker in die Gesamthandlung eingebunden und entwickelten so für sich genommen eine ganz eigene Dynamik.

Die Erzählweise wirkt dabei eher ruhig, durchdacht und wenig hyperaktiv wie eventuell in manch anderen Heftromanen des Genre. Den Roman nun aber trotzdem als Horror zu bezeichnen, fällt mir allerdings ein wenig schwer, da die Handlung für mich persönlich viel eher in den Bereich Mystery mit einem Hauch Science Fiction tendiert, bei denen der Autor auf wirklich plakative Schockelemente eher weitgehend verzichtet. Dazu passt, das die Zahl weiterer möglicher Opfer sehr gering bleibt und die Handlung auch weitgehend (bis auf die besagte Hauswand) ohne blutige Elemente auskommt.

Die Hölle in mirDer Parascout
von Hugh Walker:
Einzelroman: Die Hölle in mir
Genre: Horror/Mystery
Erscheinungsdatum: 2017
Seitenanzahl: 94 Seiten (von gesamt 320 Seiten)
Cover-Gestaltung: Beate Rocholz
Geamtlayout & Satz: Jörg Schukys
Preis/Printausgabe: 14:99 Euro (als eBook 5,95 Euro)
Ausführung: Paperback
ISBN: 9781547212804
Emmerich Books & Media

Die Artikel:
- Die Hölle in mir
- LLegende des Grauens

- Der Teufelmacher

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