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Kurz vor dem einschlafen - »Jack in the Box: Es lebt«

Jack in the Box: Es lebtKurz vor dem einschlafen
»Jack in the Box: Es lebt«

Als ein älterer Herr auf einer Wiese gut versteckt einen offenbar recht alten und wertvollen "Schachtelteufel" findet, ist die Begeisterung durchaus zuerst recht groß. Jedenfalls bis zu dem Augenblick, wo dessen Ehefrau diese Spieluhr mit herausspringender Clown-Puppe gerade mal näher in Augenschein nehmen möchte. Denn da wird dieser Clown plötzlich sehr lebendig und tötet sie auch sogleich, bevor er sie danach auch noch mit in seine Spieluhr zieht.

Kann es vielleicht sogar sein, das dieser Schachtelteufel in Wirklichkeit nur ein perfides Tor zur Hölle darstellt?

Eine (für die Zuschauer) eher unbestimmte Zeit später, gerät diese bösartige Spieluhr durch eine Haushaltsauflösung gerade in den Besitz eines kleinen Museum für geschichtliche Militärutensilien und antikes Spielzeug. Und hier fällt dieser recht alte Springteufel auch dem ebenfalls neuen Mitarbeiter Casey Reynolds auf, der gerade auch etwas seine junge Kollegin Lisa Cartwright auf die eher ganz nette Tour anflirtet.

Und da diese Jack in the Box Spieluhr durchaus schon sehr alt und wohl auch entsprechend wertvoll erscheint, wird sie im Bereich für antikes Spielzeug auch bald als Hauptattraktion ausgestellt. Casey kennt sich auch mit der dazugehörigen Legende aus, wonach man in früheren Zeiten bösartige Dämonen der Hölle in solche Puppen fahren ließ, um sie dann auf Dauer in einer solchen Spieluhr bannen zu können.

Nur mit dem Bann, der eigentlich die Menschen vor dem höllischen Bösen schützen soll, hat es dieser Clown-Dämon es nicht so wirklich. Denn er ist nur zu gerne bereit, aus diesem eigentlich recht engen Behältnis der Spieluhr herauszusteigen, um nicht nur die dann anwesenden Menschen zu töten und mit sich in seine Welt zu ziehen. Nein, denn genau genommen sind es ganze sechs unschuldige Seelen, die dieser Dämon einsammeln will, um seine grausige Freiheit endlich wieder zurückgewinnen zu können.

Da war es dann seitens zweier Einbrecher wohl auch eine sehr dumme Idee, gerade in dieser Nacht im Museum einzubrechen, um dort die wertvollsten Dinge zu stehlen. Und da fällt natürlich auch ihr Blick auf diesen offensichtlich wertvollen "Jack in the Box". Dumm nur, das der Dämon auch die zwei Einbrecher bereits registriert hat und nun seinerseits sich deren Leben samt ihren Seelen einverleiben will.

Nach einer Weile, bei dem sich für Casey immer mal wieder recht seltsame Vorfälle um die Spieluhr ereignen und auch offensichtlich Personen spurlos verschwinden, ist er sich bald sicher, das diese seltsame Spieluhr ein böses Geheimnis umgibt. Also geht Casey den wenigen Informationen um den Schachtelteufel nach und trifft dabei auch auf den früheren Besitzer, der sie Spieluhr ja vormals auch gefunden und ausgegraben hatte. Und genau der warnt Casey vor dem Dämon, der sich in der Puppe eines Clowns darin verbirgt. Daher versucht Caesy auch sogleich  Lisa vor dem abgrundtiefem Bösen zu warnen, was da der Spieluhr entsteigen kann.

Doch genau der befindet sich in Sachen Opferzahl bereits auf der Zielgeraden und hat sein nächstes Ziel auch bereits im Visier. Kann Casey und Lisa das mörderische Spielzeug noch stoppen?

Jack in the Box: Es lebtUnd wieder grüßt ein Clown des Bösen ...
... könnte man bei dem Horrorfilm JACK IN THE BOX - ES LEBT auch sagen. Denn neben der genialen Neuverfilmung von ES (2017) nach einem literarischen Bestseller von Stephen King, treiben ja so einige böse Clowns (nicht nur) im Kino ihr Unwesen.

Zu nennen wäre da z.B. auch der Horrorfilm TERRIFIER aus dem Jahre 2016. Allerdings gab es da auch schon 2014 den etwas skurrilen Film CLOWN, der ja schon mit seinem Titel jeden Filmfreund auf die Erscheinungsform des Bösen stößt. Und mal abgesehen davon, kam ja auch 2019 mit ES KAPITEL 2 die Fortsetzung hinsichtlich des kinderfressenden Clown Pennywise endlich in die Kinos.

Aber auch sonst war ein offensichtlicher Clown nicht unbedingt nur dafür bekannt gewesen, im Zirkus die Kinder eher zum lachen zu bringen. Denn bereits in Steven Spielbergs POLTERGEIST von 1982 (aber auch in der Neuverfilmung von 2015) taucht zumindest eine recht böse Version einer Clown-Puppe auf. Und auch Rob Zombie greift in seinen Horrorfilmen immer gerne mal auf böse Mitmenschen zurück, die sich für ihr blutiges Handwerk gerne hinter der Schminke eines Clown verbergen wie im Horrorfilm "31" von 2016. Und wo wir grade bei Horrorfilmen von Rob Zombie sind, dürfen wir natürlich auch die geniale Figur des Clown Captain Spaulding nicht vergessen, der von Sid Haig in den Rob Zombie Filmen HAUS DER 1000 LEICHEN (2003), THE DEVIL'S REJECTS (2005) und späterhin mit einem leider recht kurzen Auftritt eben in 3 FROM HELL (2019) verkörperte wurde, bevor Haig dann leider auch kurz darauf im gleichen Jahr an seiner schweren Krankheit verstarb.

Die Liste bösartiger bis dämonischer Clowns im Film ließe sich natürlich (wie auch in Sachen Horrorromane) noch weiter verfolgen. Aber das würde hier wohl zu weit führen und dem hier vorliegenden Film JACK IN THE BOX von 2020 auch eigentlich zu viel der Ehre bedeuten. Eigentlich hat es mich schon gewundert, das es von diesem eher seichten Horrorfilmchen mittlerweile sogar mit JACK IN THE BOX - AWAKENING (2021) sogar noch eine Fortsetzung gibt.

Dabei war der damalige Trailer von JACK IN THE BOX (2020) durchaus recht vielversprechend, weshalb ich ihn mir auch als Blu-ray schließlich zugelegt hatte. Das wirkliche Böse war hierbei aber dann wohl doch eher der Trailer zum Film und weniger die kaum wirklich gruselig dreinblickende Clown-Puppe aus der Spieluhr. Die Maske des lebendigen Clown-Dämon ist da zumindest um einiges gruseliger geraten, was ja auch schon einmal ein Lichtblick sein kann. Doch wirkliche Spannung oder gar ein gruseliges Flair kommt leider bei diesem doch recht billig wirkenden Horrorfilm dann leider nicht wirklich auf.

Jack in the Box: Es lebtEher billiger Trash statt derber Horror:
Das eigentliche Elend fängt hierbei jedoch nicht bereits damit an, das man für die filmische Umsetzung wohl finanziell nur auf die Mittel aus Omas Sparstrumpf hatte zurückgreifen müssen. Schließlich gibt es auch durchaus jede Menge B-Movies mit kleinem Budget, welche trotzdem für die Fans von Horrorfilmen ein ansehnliches Resultat abliefern können. Diese offensichtliche Gewissheit scheint jedoch nicht bis zu den Machern von JACK IN THE BOX vorgedrungen zu sein.

Und dabei werde ich mich hier auch nicht über die durchweg fehlende Logik im Film auslassen, denn die verhindert schließlich nicht zwangsläufig einen guten Horrorfilm.

Die eigentlichen Mankos liegen nämlich sehr ersichtlich an völlig anderen Stellen. Denn schon  der Spruch "Pennywise meets Hellraiser" auf dem Cover der Blu-ray dürfte die Fans des Genre eher veralbern. Was uns nämlich der Regisseur Lawrence Fowler  hier abliefert, der auch gleich noch für das Drehbuch verantwortlich ist und neben Geoff Fowler auch als Produzent auftritt, hat eher etwas von den sehr schlecht gealterten Gruselfilmen wie PUPPET MASTER aus dem Jahre 1989 oder etwa DEMONIC TOYS von 1992. Selbst die bekannten Horrorfilme um die Mörderpuppe CHUCKY dürften hier bereits eher zu einer im Genre höheren Liga in Sachen Spannung, Gänsehaut und Gore zählen. Dafür hätte JACK IN THE BOX durchaus das Zeug gehabt, ein zumindest etwas lustiger Trash zu werden, aber leider nahm man sich in diesem Punkt schlicht selbst viel zu ernst, so das die Bezeichung Trash eben nicht mit "lustig" in Verbindung gesetzt werden kann.

Selbst Freunde derber bis blutigere Szenen in einem Horrorfilm kommen hier schlicht nicht auf ihre Kosten. Denn viel zu schnell wird mit der Kamera weggeschwenkt, bevor es überhaupt mal interessant werden könnte. Und wenn dann die Hand des bösen Clown mit den drei viel zu groß und eher trashig geratenen Krallen aus der Speilbox herausgreift, ist eigentlich auch fasst schon der Gipfel des "Horror" im Film erreicht. Denn wirklich getoppt wird das Ganze nur noch durch die durchaus gruselige Maske, die der betreffende Darsteller Robert Nairne hier trägt. Aber leider kann die Maske natürlich nicht den gesamten Film tragen. Da sollte man sich auch nicht von dem Hinweis "Uncut" auf dem Cover der BD täuschen lassen, denn zum schneiden gab es da wohl selbst für die schärften Jugendschützer nichts. In dem Punkt ist JACK IN THE BOX nämlich ein Horrorfilm, den man einfach nur wohlwollend durchwinkt, wenn er nicht gerade im Kindergarten aufgeführt wird.

Die Krone wird dann allerdings noch von den diversen Darstellerinnen und Darstellern abgeschossen, die nun wirklich niemand wirklich kennt und die auf mich wirkten, als hätte man sie frisch von einer Laienspielgruppe aus der Theaterschule abgeworben. Die Leistungen bis in die Hauptrollen hinein dürfte man jedenfalls nur dann noch als solide bezeichnen können, wenn man als Filmfreund wirklich schmerzfrei durchs Leben wandelt.

Die Dialoge sind dabei ebenso mal mehr und mal weniger recht sinnfrei gehalten. Wenn die entsprechenden DarstellerInnen diese dann aber auch noch so vortragen, als müssten sie diese gerade noch irgendwo ablesen, oder man sich noch nicht so wirklich sicher ist, ob man sie auch richtig auswendig gelernt hat, dann tut einem das schon irgendwo beim zuschauen tief in der ansonsten vielleicht noch hoffnungsvollen Seele weh. Nun kann man auch in diesem Punkt noch sagen, das es filmische Gurken im Genre gibt, die das auf der Negativliste sicherlich noch toppen können. Besser macht das den Film JACK IN THE BOX allerdings mitnichten.

Jack in the Box: Es lebtMein Fazit:
Da kann man mal wieder sehen, wie einen so ein Filmtrailer doch auch gehörig in die Irre führen kann. Oder anders ausgedrückt: Wenn man den Trailer gesehen hat, hat man glatt schon fasst die wirklich guten Szenen des Horrorfilm alle gesehen.

Der Gruselfaktor liegt ansonsten auf einem Niveau, wo man sich wirklich nur noch der eigenen schnarchenden Geräusche erwehren muss. Und mal wirklich interessante Gewaltszenen und blutige Effekte gehören hier wohl auch eher auf die Wunschliste eines bärtigen alten Mann am Nordpol, den wir ja jedes Jahr in der Werbung für die Zuckerbrause Coca Cola zu den Festtagen vorgestellt bekommen. Und wenn man dann noch halbwegs gute Darstellerinnen und Darsteller auftreiben könnte, dann hätte man zumindest schon mal so einiges für einen guten B-Movie gewonnen, der allerdings in der Realität doch eigentlich eher in Richtung billigem C-Trash tendiert.

Aber selbst wenn der Film die Mittel gehabt hätte, um wenigstens ein paar kleine wie gute Spezialeffekte einzubauen und zumindest die Hauptrollen mit etwas talentierteren DarstellerInnen zu beglücken, hätte der Film wohl bei mir eher verloren. Denn alleine die Grundidee hätte eher vor mindestens 30 Jahren die Fans des Genre noch vom Hocker (zwar nicht gehauen aber zumindest ... ) gezogen. So allerdings bekommt man eine recht vorhersehbare Geschichte geboten, die ziemlich spannungsfrei aber dafür recht sicher an jeder Klippe eines guten Horrorfilm vorbeischifft. Allerdings ist das Ende des Films wieder gelungen, weil es eben das Ende ist und man den Film damit auch endlich überstanden hat.

Unter dem Strich hält man hier mit JACK IN THE BOX daher einen Gruselfilm (die Bezeichnung Horrorfilm halte ich persönlich wirklich für zu hoch gegriffen) in Händen, der wirklich dann noch einen positiven Zweck erfüllt, wenn der Arzt einem jegliche Aufregung und erschreckende Monente verboten hat. Mit Sicherheit werde ich deshalb um die Fortsetzung von 2021 einen großen Bogen machen, womit sich dann auch eine mögliche (zumindest winzige) Empfehlung für diesen Low-Budget-Film von 2020 meinerseits auch von selbst erledigt hat.

Jack in the Box: Es lebtJack in the Box - Es lebt
(Jack in the Box)
mit Ethan Taylor, Lucy-Jane Quinlan, Robert Nairne, Charles Abomeli, Vinnie Clarke, Philip Ridout, Darrie Gardner, Stacey Linn Crowe, Simon Balfour, Tom Carter u.a.
Regie und Drehbuch: Lawrence Fowler
Produktion: Lawrence Fowler, Geoff Fowler
Musik: Christoph Allerstorfer
Genre: Horror
Laufzeit: 88 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Erscheinungstermin DVD/BD: Oktober 2020
Vertrieb: Lighthouse Home Entertainment
Großbritannien 2019

Kommentare  

#1 Friedhelm 2022-01-05 12:07
Zitat:
Da kann man mal wieder sehen, wie einen so ein Filmtrailer doch auch gehörig in die Irre führen kann. Oder anders ausgedrückt: Wenn man den Trailer gesehen hat, hat man glatt schon fasst die wirklich guten Szenen des Horrorfilm alle gesehen.
Naja, Filmtrailer sollen halt die Neugier des Filmfans wecken - und das Prinzip, einige der besten Sequenzen in so einem "Vorfilm" (wie man das früher nannte...) zu packen ist fast so alt wie das Kino selber. Ich könnte dir etliche Beispiele nennen, wo ich früher am Ende völlig enttäuscht aus dem Saal "gestolpert" bin, weil die Filmvorschau einige Wochen vorher mehr versprochen hat, als letztendlich drin war.

Als Filmoldie bin ich zumindest in den letzten 30 Jahren auf so etwas nicht mehr reingefallen. Und heute hat man ja auch so einige, andere Möglichkeiten, um den wahren "Gehalt" irgendeines neuen Cine-Krachers zu erfahren.... ;-)
#2 Laurin 2022-01-06 20:10
Zitat Friedhelm:
"Als Filmoldie bin ich zumindest in den letzten 30 Jahren auf so etwas nicht mehr reingefallen."

Du glücklicher Filmfreund, aber glaub mir, irgendwann kriegen sie auch dich wieder. :lol:
#3 Friedhelm 2022-01-07 13:57
@Laurin: aber nicht doch, da müsste ich ja schon an extremer Vergesslichkeit leiden - aber wie es heisst es natürlich immer so schön: "Man soll niemals nie sagen...", das wusste schon der verstorbene Ur-Bond Sean Connery.. ;-) :-*
#4 Laurin 2022-01-07 15:35
Genau, und der Ur-Bond war in dieser Hinsicht noch Weise. :lol:

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