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Dario Argento und die flotten Höllendiener - »Dämonen«

DämonenDario Argento und die flotten Höllendiener
»Dämonen«

Bevor wir mal in die Handlung dieses Horrorfilm aus dem Jahre 1986 einsteigen, dessen DVD, die mir vorliegt, ja in der "Dario Argento Collection" erschienen ist, sei hier gesagt, dass der Regisseur mit Lamberto Bava eigentlich ein anderer ist. Argento hatte den Film selbst (nur) produziert und war auch am Drehbuch beteiligt. Regie hatte Argento hier also nicht geführt. Dafür hatte seine noch sehr junge Tochter Asia Argento hier als Ingrid Haller ihre allererste kleine Filmrolle.

DämonenGenau genommen darf Asia Argento gegen Ende bei dem Kampf gegen die Dämonen ihren Film-Daddy aus einem Auto heraus beweinen. Macht aber nichts, denn irgendwie sieht die Kleine trotzdem irgendwie niedlich aus, so das man ihr eigentlich gleich nach dem schmerzhaften Ableben ihres Vaters ein Eis als zumindest kleinen Trostspender kaufen möchte. Aber DÄMONEN ist ja ein Horrorfilm, da trösten man dann, wenn überhaupt, erst nach dem Ende des Abspann.

Wo der Amtsschimmel galoppierte:
Diesen Film hatte ich damals, als er noch auf den globigen VHS-Kassetten in die Videotheken kam, leider nicht zu sehen bekommen. Denn es handelt sich aus heutiger Sicht verwirrender Weise um den zweiten Teil einer recht kleinen italienischen Horrorfilmreihe. Verwirrend auch wohl deshalb, weil der erste Film 1985 in Deutschland unter dem Titel DÄMONEN 2 erschien. Und den hatte ich damals auf VHS dann doch gesehen gehabt, wo die Dämonen in einem Kino ihre Jagd auf die wild kreischenden Mädchen eröffneten (und natürlich den männlichen Darstellern, die den Mädels ständig hinterherliefen). Bei diesem Film hatte ich sogar noch Glück gehabt, denn an dem Samstag, wo ich ihn ausgeliehen hatte, war er quasi kurz vorher frisch zum Verleih eingetroffen. Und als ich ihn nach dem Wochenende zurückbrachte, verschwand die besagte Filmkassette schnell unter dem Ladentisch, weil er auch schon gnadenlos per Gericht auf dem Index gelandet und wohl auch bereits beschlagnahmt worden war. Man sieht hier also mal, wie schnell Gerichte in Deutschland auch sein können, weshalb mir das auch Jahrzehnte später noch gut in Erinnerung geblieben ist. Dem hier nun vorgestellten zweiten Teil ging es in diesem Punkt damals wohl nicht so ganz anders, und so blieb auch er dann zumindest ganze 25 Jahre auf dem Index, bis das er dann mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren in Deutschland wieder die Luft der so gepriesenen (und wohl auch für die Filmwirtschaft geltenden) freien Marktwirtschaft schnuppern durfte.

Und das man sich beim deutschen Rechtssystem wohl schnell auf dünnem Eis bewegen kann, hatte nun vor kurzem auch Netflix wohl schnell irgendwie bemerkt. Die stellten nämlich  die Horrorfilme DÄMONEN 2 (also den eigentlich ersten Film) und DÄMONEN (den hier besprochenen zweiten Film) ungekürzt und mit dem damaligen Originalton samt deutschem Untertitel in ihr Programm. Die Freude unter den deutschen Splatter-Fans hielt jedoch hierzu nicht wirklich lange an, denn schon kurz nach dem Release auf dem Streamingdienst verschwand wohl laut Meldung vom 03. April 2021 (nachzulesen bei "moviebreak.de") der erste Film DÄMONEN 2 auch schon wieder in der Versenkung, auch wenn man gerade den ersten Film vom Titel her schon mal vorsichtshalber in "Demoni" geändert hatte (nachzulesen in Kino.de vom 01. April 2021). Zwar schwieg Netflix sich hierzu erst einmal aus, jedoch soll es laut "Schnittberichte" wohl daran gelegen haben, dass der besagte erste Film (wie dann auch der zweite) gegen Ende der 1980er Jahre nicht nur flott auf dem Index landete, sondern auch damals von der BPjM beschlagnahmt wurde. Und so war nur der hier vorgestellte zweite Teil unter dem Titel DÄMONEN bei uns erst einmal über Netflix weiterhin verfügbar, da dieser ja bereits vom Index genommen worden war. Ganz anders z.B. wie in der Schweiz, wo man seitens des Gesetzgebers eben damals keine solchen unnützen Wellen geschlagen hatte wie in Deutschland und wo die schweizer Netflix-Kunden natürlich auch dann beide Filme über den Streamingdienst genießen duften.

Doch lassen wir es damit mal mit den interessanten Informationen aus dem Hintergrund des deutschen Rechtsgemurmel und dieser italienischen Horrorfilme und schauen mal etwas in die Handlung der mir hier nun vorliegenden DVD seitens New Vision Films.

DämonenWenn du leben willst, mach den Fernseher aus:
An einem Samstagabend will die hübsche, aber wohl etwas überreizte Sally in der elterlichen Wohnung irgendwo in einer deutschen Großstadt, im Hochhaus "Time Tower" mit ihren Freunden ihren 18. Geburtstag feiern. Aber wie gesagt ist Sally nervlich etwas überreizt, weshalb sie auch zwischenzeitlich lautstark ihre Partygäste alleine lässt und in einem anderen Raum dann heulend vor dem Fernseher abhängt, wo gerade ein Horrorfilm läuft. Die anderen jungen Leute feiern indessen nebenan fleißig weiter, als wäre nicht wirklich etwas passiert.

In einer anderen Wohnung ist ein kleiner Junge gerade ebenfalls ganz alleine und nutzt die Gunst der Stunde aus, um sich gleichsam diesen Gruselfilm im Fernseher anzusehen. Und gleich in einem benachbarten Apartment machen sich auch die hochschwangere Hannah und ihr Freund, der Physik-Student George einen netten Abend. Doch so ganz ruhig ist es in diesem Hochhaus nun auch nicht, denn im Erdgeschoss gibt es auch noch ein gut besuchtes Fitnesscenter.

Und während die Party von Sally weiter geht, sitzt diese immer noch gespannt im Nebenraum am Fernseher und verfolgt weiter die Handlung des Horrorfilm. Doch dann passiert etwas, was Sally plötzlich das Blut in den Adern gefrieren lässt. Denn der Dämon aus dem Film versucht plötzlich direkt aus dem Fernsehbild in ihre Welt zu gelangen, was ihm wohl auch gelingt. Und dann reicht eigentlich nur eine kleine Verletzung aus, um die nun seltsam verstörte Sally (vorher aber wieder im Kreise ihrer Partygäste beim auspusten der Geburtstagskerzen auf der Torte) selbst plötzlich in einen blutrünstigen Dämon zu verwandeln.

Schon bald gerät so die Gesamtsituation völlig außer Kontrolle und das Apartment-Hochhaus scheint ebenfalls plötzlich völlig von der Außenwelt abgeschottet zu sein, da z.B. die Tore der Tiefgarage sich nicht mehr öffnen lassen und auch die Fenster ziemlich hart im Nehmen sind. Und so strömt bald ein anwachsender Haufen gefährlicher Dämonen durch das Treppenhaus auf der Suche nach weiteren menschlichen Opfern die man entsprechend höllisch infizieren kann.

George, der gerade wegen dem Stromausfall mit einer weiteren Bewohnerin des Hochhauses im Fahrstuhl zwischen den Etagen festhängt, weiß zuerst davon nichts. Und als er dann mitbekommt, was hier schreckliches abgeht, gelingt es auch schon einem Dämon durch den Spalt der Fahrstuhltür, die eh schon bereits hysterische Bewohnerin zu verletzen, so das auch die sich bald in einen weiblichen Dämon verwandelt. Um also selber zu überleben und seine schwangere Freundin Hannah noch retten zu können, bleibt ihm nun nichts anderes übrig, als aus der Falle Fahrstuhl auszubrechen und erst auch mal um sein eigenes Leben zu kämpfen.

Aber auch Hannah erhält plötzlich vor der Tür seltsamen Besuch von dem kleinen Jungen, der scheinbar völlig verängstigt und nach Hilfe suchend gerade durch die Gänge des Hochhaus irrt. Doch schnell muss Hannah mit Schrecken feststellen, dass auch der kleine Nachbarsjunge bereits zum Dämon mutiert ist und nun seinerseits versucht, die junge schwangere Frau zu seinem persönlichen Opfer zu machen. Indessen versuchen sich die Mitglieder des Fitnesscenter in der Teifgarage auf den blutigen Angriff der Dämonen vorzubereiten, denn die rettende Flucht scheint bisher aus diesem Gebäude völlig unmöglich.

DämonenVorsicht, nicht auf die Logik achten ...
... denn dann versaut man sich diesen Film aus dem Jahre 1986 mit Sicherheit. Dabei macht er doch irgendwie (auf manchmal recht seltsame Weise) trotzdem noch Spaß. Zumindest merkt man hier, dass man sich von der Welle der Zombiefilme gerade auch aus Italien zumindest etwas hat abheben wollen. Trotzdem erinnern das ganze irgendwie dann aber doch noch an eben diese Zombiefilme, denn genauso wie Infizierte zu Zombies werden, so wird man hier zum Dämon und diese wiederum laufen (zwar sportlich flotter als Zombies) zumeist auch wie die untoten Horden auf der Suche nach potenziell menschlichen Opfern im Gebäude herum.

Wie gesagt, so manches Verhalten der Darstellerinnen und Darsteller sollte man nicht wirklich hinterfragen, denn nicht wenige wirken auch ohne die Gefahr durch die Dämonen irgendwie am Rande ihres persönlichem Nervenkostüm etwas überreizt. Auch spielen die zwei jungen Paare in einem Wagen keine wirklich wichtige Rolle, welche per Bleifuß auf dem Gaspedal durch die Straßen der Stadt in Richtung der Party bei Sally rasen. Denn die bauen dann später vor dem Ziel eh nur einen Autounfall mit den Eltern des kleinen Jungen, die gerade auch mit dem Wagen auf dem Nachhauseweg waren, weil Muttern wegen ihrem kleinen Sprößling plötzlich ein ungutes Gefühl in der Magengegend verspürte.

An sich kann dieser italienische Horrorfilm, der trotz der Tatsache, dass die Handlung keine witzigen Elemente bereithält, gnadenlos die schmale Grenze zum Trash überschreiten, aber trotzdem noch recht viel Spaß machen. Das liegt aber weniger an der doch recht dünnen Handlung, sondern eher an den hübsch gruseligen bis etwas ekligen Masken, mit denen man uns die Dämonen zumindest in der direkten Großaufnahme präsentiert. Auch was die Action angeht, macht der Film kaum wirklich Gefangene, womit am Ende eben nur die schwangere Hannah mit Hilfe von George dieses Hochhaus noch lebend verlassen können. Und auch für eine Hochschwangere ist Hannah dabei ziemlich hart im nehmen, und das hat nicht unbedingt nur etwas mit den angreifenden Dämonen auf dem Dach des Hochhauses zu tun. Allerdings zeigen auch die angreifenden Dämonen in der Tiefgarage olympische Qualitäten, wenn es darum geht, eine Feuersperre mittels Salto zu überwinden.

Was jedoch dann trotzdem bei mir meine wohl eher nostalgisch-positive Einstellung ziemlich trübte, war der kleine Junge als Dämon. Der war nämlich richtig schön gruselig, bis das man sich seitens der Macher des Films ohne wirkliche Not dazu entschieden hatte, noch einen in Sachen Grusel draufsetzen zu müssen. Denn der Knirps platzt quasi irgendwann auf wie eine Melone und aus ihm schlüpft dann wohl die eigentliche dämonische Kreatur, die dann jedoch leider irgendwie wie eine wilde Mischung aus einem Gargoyle, den Gramlins aus dem Film von 1984 und Kermit dem Frosch aus der Muppet-Show wirkte. Doch mit dieser dümmlich in die Weltgeschichte schauenden und schlecht animierten Puppe hatte man dann, anstatt das Ganze, wie wohl eigentlich erhofft, noch etwas gruseliger gestalten zu können, leider plötzlich die rote Linie überschritten, die gnadenlos direkt in die Lächerlichkeit führt. Da fragt man sich dann doch irgendwie, was sich Lamberto Bava, Dario Argento und der Rest sich dabei gedacht hatten, welche z.B. auch noch mit am besagten Drehbuch gefeilt hatten?

DämonenMein Fazit:
Der italienische Horrorfilm DÄMONEN aus dem Jahre 1986, welcher im Original den eigentlich zweiten Teil darstellt (die Titelvergabe in Deutschland konnte ja mitunter so verwirrend sein), kann man sich als Slpatter-Fan durchaus gerne auch in einer netten Runde gleichgesinnter Freunde ansehen. Denn an Action fehlt es hier nun wirklich nicht. Die Effekte und hier besonders die Arbeit der Maskenbildner ist bis auf den Ausrutscher mit der dämonischen Version von Kermit dem Frosch auch für die damaligen Möglichkeiten recht ansprechend umgesetzt worden. Dazu umweht diesen Horrorfilm noch ein leichter Hauch der damaligen Zombie-Welle im italienischen Kino.

Um diesen Filmabend wirklich perfekt zu gestalten, heißt es in Sachen logischer Handlungsweisen im Kopf aber wirklich das Licht auszumachen. Das hilft jedenfalls ungemein, zumal so manche Charaktere im Film irgendwie etwas seltsam überdreht wirken könnten.

Im Prinzip sollte man den Film DÄMONEN also nicht wirklich mehr als beinharten nostalgischen Beitrag im Genre betrachten, wie es die Spaßbremsen des damaligen Jugendschutz es wohl gesehen hatten, sondern ihn eher im Hinterkopf zum gruseligen Spaßfaktor erklären. Dann kann man über so manchem holprigen Moment auch gelassener hinwegsehen. Für die damaligen Verhältnisse der 1980er Jahre war der Film auch durchaus in Kreisen der Fans härterer Gruselkost mehr als nur einen Blick wert gewesen. Aber seien wir mal ehrlich, wir Fans sind mit den Jahren durchaus kritischer geworden, achten plötzlich viel mehr auf logische Details und in diesen Punkten ist der Horrorfilm DÄMONEN nun leider nicht wirklich gut gealtert. Zumindest aber von Dario Argento (der ja bei beiden Teilen seinen Senf beisteuerte) hätte man sich hier eigentlich wesentlich mehr und natürlich auch noch etwas besseres erwartet. Aber dafür waren die dämonischen Zähne schön eklig, wenn sie sich bei der Veränderung der Menschen zu Dämonen langsam jeweils aus dem Ober- wie auch Unterkiefer herausschoben und so die normalen Zähne optisch perfekt herauspurzeln ließen.

Vom grundsätzlichen Handlungsaufbau hatte man übrigens in beiden Filmen eigentlich nur das besagte Umfeld wirklich entscheidend verändert gehabt. Denn gingen die Dämonen im ersten Film in einem dann offenbar abgeriegelten Kino auf die Jagd nach menschlichen Opfern, so wurde diese Grundhandlung dann hier im zweiten Film dann einfach in ein Hochhaus verlagert. Wirklich überraschende Fortsetzungen sehen also in der Regel auch wirklich etwas anders aus, und wenn man nur einen der besagten Filme kennt, reicht das dann wohl auch schon irgendwie.

Eine Empfehlung gibt es von mir daher eher etwas eingeschränkt für Filmfreunde des Genre mit einem eher stärkeren nostalgischen Background. Zumindest sollte man aus Gründen einer nostalgischen Anwandlung, oder weil man auch mitunter recht schmerzfrei ist (wie ich), zu diesem Horrorfilm aus der damaligen italienischen Filmschmiede greifen. Zumindest kann ich euch aber auch versprechen, das man bei diesem Horrorfilm auch nicht auf das typisches Flair der 1980er Jahre verzichten muss, denn in keinem anderen Jahrzehnt hatten die Teenager mittels ihrer Kleidungswahl versucht, möglichst oft älter als ihre eigenen Eltern zu wirken. Von daher also viel Spaß bei diesem Film aus der hier gebotenen Dario Argento Collection seitens des Vertrieb New Vision Films.

DämonenDämonen
(Demoni 2 - L'incubo ritorna)
mit Nancy Brilli, David Edwin Knight, Bobby Rhodes, Coralina Cataldi-Tassoni, Asia Argento, Virginia Bryant, Antonio Cantafora, Davide Marotta, Anita Bartolucci, Marco Vivo, Michele Mirabella, Marina Loi, Giovanna Pini, Stefano Molinari u.a.
Regie:Lamberto Bava
Drehbuch: Dario Argento, Lamberto Bava, Dardano Sacchetti. Franco Ferrini
Produktion: Dario Argento
Musik: Simon Boswell
Genre: Horror
Laufzeit: 78 Minuten (DVD)
Original-Filmlänge: 84 Minuten
Filmreihe: The Dario Argento Collection #6
DVD/FSK: 18 Jahre
Extras: Making Of, Originaltrailer, animierte interaktive Menüs u.m.
Vertrieb: New Vision Films
Italien 1986

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2021-10-06 12:01
Zitat:
Aber seien wir mal ehrlich, wir Fans sind mit den Jahren durchaus kritischer geworden, achten plötzlich viel mehr auf logische Details
Seit wann? :o Die meisten zeitgenössischen Horrorfilme sind vor allem in dieser Hinsicht so was von schlampig, nach dem Motto, das ist Horror, also ist Handlungslogik völlig egal. Und die Zuschauer scheint das auch nicht zu stören. Da musst du nur mal in den Kommentaren bei IMDB schmökern. Manchmal unfassbar, wie viele nicht mal mehr in der Lage sind, die Handlung zu verstehen.

Dessen ungeachtet kam bei Leuten wie Argento und seinen vielen italienischen Kollegen die Logik bewusst immer erst an zweiter oder dritter Stelle :-) , Atmosphäre und Bilder waren immer wichtiger.
#2 Laurin 2021-10-06 15:00
Zitat @Andreas Decker:
" Und die Zuschauer scheint das auch nicht zu stören. Da musst du nur mal in den Kommentaren bei IMDB schmökern. Manchmal unfassbar, wie viele nicht mal mehr in der Lage sind, die Handlung zu verstehen."

Naj ja, ich meinte mit den kritischeren Fans auch eher uns alte Hasen, Andreas Decker und weniger solche, die auch die Teletubbies unter die klassischen Horrorfilme einsortieren (obwohl, irgendwie merkwürdig-gruselig fand ich diese Kindersendung schon). :D

Was Argento und nicht wenige seiner Kollegen betrifft, muss ich dir hier auch recht geben, bevor der sich nämlich um die Logik überhaupt Gedanken gemacht hatte, musste erst einmal die Atmosphäre und die Bildgewalt stimmen. ;-)
Allerdings hat Argento das Ganze auch zusammen mit durchaus etwas mehr Logik wesentlich besser z.B. in dem Horrorfilm THE CHURCH (LA CHIESA) von 1989 unter einen Hut bekommen. Er konnte also schon ... wenn er denn mal wollte.
#3 Friedhelm 2021-10-08 14:46
Ach ja ....Logik im Horrormovie. Wenn wir Mal ehrlich sind, dann funktionieren Horrorfilme doch auch nur, weil logische Aspekte aussen vor bleiben. Das sieht man sowohl beim neuzeitlichen Genrefilm - und bei den klassischen Gruselern erstrecht. Man muss sich dabei nur mal wieder die kultigen Hammer-Dinger anschauen Hätte man da auf Logik gesetzt, wäre Graf Dracula nie wieder aus dem Sarg gekrochen. Und nicht nur Hammer steht dafuer - es gibt ettliche Beispiele.
#4 Laurin 2021-10-08 15:38
Na klar ist es im ersten Moment nie logisch, wenn (nicht nur bei den Hammer-Klassikern) ein Toter wie Dracula wieder aus dem Sarg aufsteht. Aber Horror ist ja schlicht ein Teil der Phantastik und da gelten ab einem gewissen Punkt die vorhandenen Realitäten der schnöden grauen Welt eben nicht, in der wir uns als Zuschauer, Leser oder Zuhörer ansonsten abmühen müssen. ;-)
Aber es ist ja schon eine Sache, ob man die Grenzen durch und mit der Phantastik so weit wie möglich dehnt, oder ob andererseits selbst die Grundprinzipien der Phantastik nicht mehr verschleiern können, das da etwas absolut nicht mehr logisch zusammenpassen will, weil es schlicht so keinen Sinn mehr hergibt.
Und wer denn lieber was zu kritisieren sucht, statt sich einfach nur der phantastischen Unterhaltung hingeben zu wollen, der wird sich natürlich gerade auf diese ... sagen wir mal ... schwarzen Löcher der Logik innerhalb einer Gesamthandlung mit wehenden Fahnen stürzen. ;-)
#5 Friedhelm 2021-10-08 20:52
Naja, wenn Filmfreunde im Kino, auf Silberscheibe oder direkt im TV einen Horrorfilm ansehen sind Logikansprüche wohl auch eher zweitrangig . Ansonsten sollte man besser den abendlichen Mathekurs besuchen.. Will sagen: _ jedes Ding hat seine Zeit...
#6 Andreas Decker 2021-10-11 09:53
zitiere Friedhelm:
Ach ja ....Logik im Horrormovie. Wenn wir Mal ehrlich sind, dann funktionieren Horrorfilme doch auch nur, weil logische Aspekte aussen vor bleiben.


Und genau das ist das ewige Missverständnis in dieser Diskussion. Gemeint ist die Logik, die sich aus den narrativen Strukturen der Geschichte ergeben. Wenn der Macher A als Fakt etabliert, daraus aber nicht B resultiert - egal wie schräg B sein müsste - sondern Z, weil sonst die Geschichte wie ein Kartenhaus zusammenkracht.
#7 Friedhelm 2021-10-11 19:37
@ Andreas Decker: wo soll jetzt das Missverständnis liegen? Wenn ich erwähne, dass "logische Aspekte aussen vor bleiben", betrifft das doch eben die Erzählstruktur. Nichts anderes habe ich gemeint... :-*

Und In dieser Hinsicht weisen Genrebeiträge (hier der Horrofilm) selten einen logischen Plot auf - das lässt sich gar nicht abstreiten. In neueren Gruselern gibtes ganz sicher auch Ausnahmen, aber im klassischen Horrrofilm hat man wohl eher bewusst darauf verzichtet, um überhaupt einen Film garantieren zu können. ;-) Beispiele lassen sich viele nennen - von "Frankenstein" bis zu den moderneren "Zombie-Movies".

In meinem Kommentar fanden ja auch die "Hammermovies" kurze Erwähnung. Da schlägt die Geschichte mit jeder "Dracula-Fortsetzung" die merkwürdigsten Haken, um des Grafen ewige Wiederkehr erklären zu können. Daraus hat eigentlich immer "Z resultiert" - nur ist dem Publikum so etwas damals wahrscheinlich weniger aufgefallen.

Jetzt interessieren mich die heutigen Horrorfilme (geht ja zum grossen Teil eh nur um "Ghosthouse-Dinger") eigentlich immer weniger . Es mag also durchaus sein, dass Regisseure wie James Wan. u.a., sehr viel mehr Wert auf den logischen Aspekt legen. :-*

Ich bin freilich kein großartiger Experte und will gerne einräumen, dass ich mit meiner Sichtweise vielleicht (mal wieder) voll daneben liege.
#8 Laurin 2021-10-11 21:01
Ich glaube mal, ich muss hier mal etwas grobere Beispiele nennen, die ich mit Fehlern in der Logik meine, die schlicht so auch in der Phantastik absolut nicht gehen.

Wenn also in Beispiel 1. ein Vampir irgendwie mittels Blut auf dem Staub seiner Leiche wieder zum Leben erweckt wird, ist dies eigentlich kein Logikfehler, sondern ein Element der Phantastik. :-)

Wenn aber in Beispiel 2. Frankensteins Monster durch ein Tor schreitet mit einer Weste aus Fell am Körper und durch eine Perspektivänderung kurz darauf das Monster in einem zitronengelben Anzug das besagte Tor dann durchschritten hat, das wäre dann ein Logikfehler, der nicht hinzunehmen ist. :-*

Es spielt also eigentlich keine Rolle, ob herumlaufende Zombies oder auferstandene Vampire in der Realität "unlogisch" sind. Denn es handelt sich hier ja nicht um eine Dokumentation, noch um einen Film der bemüht am Realismus hängt, sondern eben um einen Film mit phantastischen Elementen. Und selbst in einem Piratenfilm wäre es ja nicht nur unlogisch, sondern auch ärgerlich, wenn ein bestimmter Pirat ein Holzbein hat und drei Minuten später mit zwei gesunden Beinen davonlaufen kann. ;-)

Ich glaube, jetzt müsstet ihr wissen was ich in Sachen Logik und ihre Fehler meine. :P
#9 Friedhelm 2021-10-12 14:29
Zitat:
Wenn also in Beispiel 1. ein Vampir irgendwie mittels Blut auf dem Staub seiner Leiche wieder zum Leben erweckt wird, ist dies eigentlich kein Logikfehler, sondern ein Element der Phantastik. :-)
Da stimme ich dir zu - aber, wenn Graf Dracula am Ende von "Blut für Dracula" im Burggraben seines Schlosses ersäuft - und dann im Folgefilm ,"Draculas Rückkehr" anfänglich in irgendeinem Gebirgsbach rumliegt, der augenscheinlich gar keinen Zugang zum selben hat, dürfte das schon ein Logikfehler sein. Ebenso verhält sich mit der Lage seiner "gräflichen Heimstatt". ;-)

In den ersten beiden Filmen war diese noch "ganz bequem" per Kutsche zu erreichen. In "Rückkehr" muss der Monsignore erst rumklettern, weil Draculas Schloss plötzlich auf einem schwer zugänglichen Gebirgsmassiv (oder so) steht. Was ist geschehen - wurde das Schloss etwa durch dunkle Kräfte versetzt? :D

Ich denke wir sind uns fast einig, wenn ich einfach mal behaupte, dass ein logischer Plot im Genrefilm eigentlich nur wenig zu suchen hat. Denn wie du ja selber schreibst, steht hier hier das "phantastische Element" im Vordergrund. :-*

Zitat:
Wenn aber in Beispiel 2. Frankensteins Monster durch ein Tor schreitet mit einer Weste aus Fell am Körper und durch eine Perspektivänderung kurz darauf das Monster in einem zitronengelben Anzug das besagte Tor dann durchschritten hat, das wäre dann ein Logikfehler, der nicht hinzunehmen ist.
Sorry, aber das nennt man dann wohl eher einen "Anschlussfehler". Und dafür gibt es auch außerhalb des Genrefilms Beispiele, die sich evtl leichter nachvollziehen lassen.. :-*

Zum einen ist es schon bemerkenswert, wenn Bruce Willis's Hemd in "Stirb Langsam" nach einer Weile einfach so die Farbe wechselt. Das fiel mir gleich auf, als ich den Film im Kino gesehen habe. :D

Oder, wenn iPeter Falk eine Zimmertür öffnen will und sich eine Zigarette in den Mund steckt. (Filmtitle ist mir glatt entfallen..) Als er durch besagte Tür tritt (hier folgt der von dir genannte Wechsel der Perspektive), ist die Zigarette schon völlig "abgeraucht" - und er trägt wohl auch plötzlich ein anderes Jacket. Zwischen diesen beiden Einstellungen sollen eigentlich nur Sekunden vergangen sein - aber was ist geschehen? Hat Falk die Zigarette im Zeitraffer-Tempo geraucht und sich auch gleich noch schnell umgezogen? :D ;-)

Die Antwort wissen wir beide - zwischen den Aufnahmen lag eine Drehpause - mag sein, von einer Stunde, einem Tag oder einer Woche. Jedenfalls hat man nachher nicht mehr "so ganz" auf die Details geachtet - warum auch immer. Also, Anschlussfehler... :P

Zitat:
Ich glaube, jetzt müsstet ihr wissen was ich in Sachen Logik und ihre Fehler meine
Und da ist es wieder, unser Problem (oder deins?) - wir "reden einmal wieder aneinander vorbei..." Wenn man in Hinsicht auf "Logik-Fehler" den "Piraten mit dem Holzbein" einmal auslässt (weil, ist kein phantastisches Element..und fiele wohl auch eher in den Bereich "Anschlussfehler.."), dann habe ich nichts anderes "gesagt" als du, denn:

Zitat:
Ach ja ....Logik im Horrormovie. Wenn wir Mal ehrlich sind, dann funktionieren Horrorfilme doch auch nur, weil logische Aspekte aussen vor bleiben.
Und....

Zitat:
Naja, wenn Filmfreunde im Kino, auf Silberscheibe oder direkt im TV einen Horrorfilm ansehen sind Logikansprüche wohl auch eher zweitrangig . Ansonsten sollte man besser den abendlichen Mathekurs besuchen..
Zitat:
Aber es ist ja schon eine Sache, ob man die Grenzen durch und mit der Phantastik so weit wie möglich dehnt, oder ob andererseits selbst die Grundprinzipien der Phantastik nicht mehr verschleiern können, das da etwas absolut nicht mehr logisch zusammenpassen will, weil es schlicht so keinen Sinn mehr hergibt.
Es ist freilich auch richtig, dass man selbst im Phantastischen Film "mit der Kirche im Dorf bleiben muss" - wenn es aufgrund "logischer Untiefen" dann doch irgendwann nicht mehr funktioniert. Aber in einem solchen Genre bleibt's halt schwierig... :-*

Irgendwie liebe ich ja solche Diskussionen. Und ich habe zudem festgestellt, dass ein Kommentar völlig ausreicht, um etwas beizutragen, das dann evtl. Reaktionen hervorbringt. Warum also ganze Artikel schreiben - man muss ja nur auf die passende Thematik warten. Das nur mal dazu - allerdings werde ich mich jetzt bemühen, alles weitere, was zu diesem Artikel kommt, unkommentiert zu lassen. Ansonsten "verzetteln" wir uns nur noch:cry:
#10 Laurin 2021-10-12 21:17
Gut @Friedhelm, man kann so was natürich auch Anschlussfehler nennen, obwohl ich das dann doch noch etwas anders sehe, denn es handelt sich da während der Produktion durchaus um einen Anschlussfehler der für mich dann aber später als Zuschauer sich in der Endfassung als einen wirklich störenden Logikfehler darstellt, der in der Gesamthandlung dann einfach nur noch ärgerlich erscheint. Aber solche höchst ärgerlichen Fehler könnten die Macher auch umgehen, wenn diese Schlafmützen einfach keine Filme mehr drehen würden, weil sie den offenbar schon in der Produktion nicht wirklich im Griff haben. ;-)

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