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Horror der albtraumhaften Bilder - Mariano Bainos »Dark Waters«

Dark WatersHorror der albtraumhaften Bilder
Mariano Bainos »Dark Waters«

Aus dem schnelllebigen London kommend will die junge Elizabeth nun auf einer recht abgelegenen Insel, die fasst schon völlig aus der Zeit gefallen zu sein scheint, dem Geheimnis ihres verstorbenen Vaters nachgehen. Denn dort finanzierte er ein Kloster, in dem ein recht eigenwilliger und nicht weniger seltsamer Nonnenorden höchst seltsame Rituale abhält. Wirklich christlich scheint es hier zumindest bei Blutritualen und fremden Gottheiten nicht zuzugehen und hier hat auch jeder etwas zu verbergen.

Dark WatersDie Frage stellt sich also für Elizabeth, warum sie auch nach dem Tod ihres Vaters diesen seltsamen Orden noch weiter finanzieren sollte. Allerdings trifft sie bereits auf ihrer Anreise auf höchst skurrile Personen. Und auch der Fischer, der sogleich kryptische Warnungen ausstößt, bevor er sie zur Insel hinausfahren will, fördert nicht gerade das Vertrauen von Elizabeth in dieses seltsame Umfeld von Land und Leute.

Wirklich freundlich wird Elizabeth auf der Insel dann auch durch die Nonnen nicht aufgenommen. Nur die junge Novizin Sarah scheint ihr hier wirklich offen und freundschaftlich gesonnen zu sein. Doch recht bald dämmert es Elizabeth dann doch, dass hier eher der äußere Schein trügt und eine grausame Wahrheit tief im Verborgenen zu finden sein dürfte. Und schon recht bald geht es hier nicht mehr wirklich nur um die Finanzierung dieses seltsamen Kolster und seiner Bewohnerinnen.

Denn was Elizabeth bisher noch nicht geahnt hatte, ist der Umstand, dass diese unwirkliche Reise sich auch in einen Trip in ihre eigene und recht unselige Vergangenheit entwickelt, welche sie bisher aus ihrem Bewusstsein völlig verdrängt hatte. Und je tiefer Elizabeth in ihre eigenen, bis vor kurzem verdrängten Erinnerungen ihrer Kindheit eindringt, um so gefährlicher wird auch dieser finstere Ort für sie. Als Elizabeth dann heimlich die seltsamen Rituale hinsichtlich einer offensichtlich archarischen Gottheit beobachtet, wird auch schon bald ihr eigenes Leben durch die Nonnen bedroht. Doch dieser Anschlag auf ihr Leben ist nichts im Vergleich zu dem Schrecken, der in ihrer eigenen Kindheit verborgen lag.

Der letzte seiner Art ...
... oder man könnte auch glatt sagen, Mariano Baino legte hier  mit seinem selbstgeschriebenen Werk aus dem Jahre 1993 den letzten Abgesang auf das traditionelle wie auch erfolgreiche Horrorkino Italiens hin, welches einmal von so großen Namen wie Dario Argento, Lucio Fulci oder Mario Bava weltweit in die Lichtspielhäuser getragen wurde. Und wenn man sich DARK WATERS ansieht, so könnte man als Kenner des Genre sogar der schnellen Meinung verfallen, man hätte es hier mit einer Filmproduktion aus den 1970er bis 1980er Jahre zu tun.

Dem ist jedoch nicht so und überhaupt ist DARK WATERS schon was die Produktion und die Finanzierung an sich betrifft, eher sogar ein Kuriosum. Denn finanziert wurde der Horrorfilm, der im Jahre 1993 produziert wurde, größtenteils durch russische Produzenten, was sich wiederum auch daran zeigt, dass einige Drehorte neben Moskau auch in erster Linie auf der Halbinsel Krim lagen. Und auch was die Schauspielerinnen und Schauspieler betrifft, so geben sich hier zumeist ukrainische DarstellerInnen recht häufig die Klinke in die Hand.

DARK WATERS als Gesamtwerk lebt dabei allerdings auch nicht unbedingt direkt von der inhaltlichen Handlung, die zu einem Großteil ebenfalls wie die Bildgewalt einem finsteren Albtraum entsprungen sein könnte. Schon der Beginn des Films kommt da sage und schreibe die ersten 17 Minuten mit nur einem einzigen gesprochenen Satz aus, ohne jedoch seine Zuschauer hiermit nun direkt wieder von der Angel zu lassen. Denn längst ist man von den düsteren wie surrealen Bildern gefesselt.

Und hier darf der Zuschauer - und das gilt für den gesamten Film - sehr intensiv in ebenso atmosphärisch und aufwändig umgesetzten Bildern mit schaurig  brennenden Kreuzen, jeder Menge Kerzen in unterirdischen Katakomben, albtraumhaften Ritualen des Okkultismus oder der brachialen Gewalt des Meeres an den Klippen schwelgen. Das hierbei dann auch ein wenig der Hauch von H.P. Lovecraft mit durch die Filmhandlung schwebt, dürfte dabei eigentlich jedem Fan des Genre auffallen. Mariano Baino indessen gibt hierzu selber an, diese offensichtlichen Bezüge zu Lovecraft erst wirklich selbst bemerkt zu haben, als er den fertigen Film erstmals in seiner Gesamtheit betrachten konnte.

Das Szenario an sich trägt dabei unterschellig aber auch immer den Hauch einer beänstigenden, weil apokalyptischen Bedrohung, was gerade auch durch die effektvollen wie albtraumhaften Sequenzen geschieht, die mittels besonderer Sorgfalt auch in Sachen des perspektivischen Blickwinkel, dem Ton und Schnitt sowie der Beleuchtung liegen. Wer also diesen Horrorfilm recht unvorbereitet und ohne Hintergrundinformationen sieht, der dürfte ohnen einen Blick auf den Vor- wie auch Abspann glauben, hier eventuell ein bisher noch unbekanntes Werk eventuell von Dario Argento vor sich zu haben. Denn auch sein Werk SUSPIRIA lebte zum größten Teil nicht nur durch die eigentliche Handlung und den gebotenen Dialogen, sondern durchaus auch sehr stark durch eben die Perfektion der gebotenen Bilder. Dabei handelt es sich aber bei DARK WATERS um den bisher wohl einzigen Langfilm seitens Mariano Baino, der nach eigenen Aussagen hier wohl auch seine eigenen Albträume aus der Kindheit mit verarbeitet haben dürfte, in denen nicht selten ein Gekreuzigter in stürmischer Nacht durch sein Schlafzimmerfenster brach, um sich ihm dann bedrohlich zu nähern. Ab wann der noch kleine Mariano dann allerdings schweißgebadet in seinem Bett aufgeschreckt ist, dürfte sich hier wohl jeder selbst vorstellen können. Denn in der Regel gibt es sicherlich sogar angenehmere Albträume.

Nicht die klischeehaft-weibliche Hauptfigur ...
...dürfte hierbei in DARK WATERS auch die Schauspielerin Louise Salter abgegeben haben, die hier im Film eben trotz der äußerst düster gehaltenen Handlung nicht in die Rolle des typisch weiblichen Opfers rutscht, welches in Horrorfilmen immer hübsch in Panik kreischend durchs Bild marschiert. Dafür glänzt sie recht glaubhaft sowohl in den Dialogen wie auch ihrem gesamten Auftreten. Wem das Gesicht von ihr dann irgendwie doch etwas bekannt vorkommen mag, der liegt damit auch nicht wirklich falsch. Schließlich hatte sie ein Jahr später eine kleine Nebenrolle als Vampirin in Paris im Film INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR (1994), nach einem Roman von Anne Rice aus dem Jahre 1976.

Dark WatersIn Deutschland eher verschlafen, ...
... könnte man hingegen zur Veröffentlichung des Horrorfilm DARK WATERS sagen. Denn in den USA hatte Bainos Film bereits in den besten DVD-Zeiten eine würdige Veröffentlichung mit jeder Menge Bonusmaterial und weiteren Kurzfilmen seitens Mariano Baino erhalten.

In Deutschland brauchte es hingegen (weil die Welt eventuell doch eine Scheibe ist und wir da wohl direkt am Rand stehen) ganze 26 Jahre nach der Entstehung des Horrorfilms, bis das die Fans des Genre auch endlich hier in den Genuß einer Blu-Ray/DVD-Verwertung von DARK WATERS für das eigene Heimkino gekommen sind. Dafür das wir also in Deutschland erst jetzt dieses kleine filmische Meisterwerk präsentiert bekommen, haben wir jedoch zumindest das außergewöhnliche Glück, dass die Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray seitens Wicked Vision stattfindet, wo man recht liebevoll in Sachen Ton und Bildqualität an das eigene Produkt herangeht und es wie hier auch mittels einer dritten Disc mit sattem Bonusmaterial ausstattet hat, welches kaum noch Wünsche offen lässt.

Mir persönlich liegt übrigens die verschlankte 3-Disc-Version (in DVD und Blu-ray plus Bonusmaterial) vor, die man recht flott zum Beispiel über Amazon ordern kann. Dabei gibt es aber auch seitens Wicked Vision limitierte Mediabooks mit nach meiner Kenntnis drei verschiedenen Covern in ebenfalls einer 3-Disc-Version und zusätzlich noch mit einem 48-seitigem Booklet. Das gebotene Bonusmaterial - ich muss gestehen das ich das noch nicht in vollem Umfang genossen habe - soll laut Vertrieb und Bewerbung der Mediabooks übrigens ganze sieben Stunden umfassen.

Mein Fazit:
Nun, ich muss hier durchaus im Vorfeld schon mal die Fans des Genre warnen, die eher auf Horrorfilme des typischen Mainstream schwören. Denn die dürften unter Umständen mit einem Horrorfilm wie DARK WATERS so ihre kleinen bis größeren Schwierigkeiten bekommen.

Wer jedoch z.B. mit Lovecraft-Verfilmungen wie DAGON (2001) oder dem Horrorfilm THE CHURCH (1989) seitens Dario Argento (Drehbuch & Produktion) und auch Argentos SUSPIRIA (1977) etwas anfangen kann, der kann meiner bescheidenen Meinung auch recht unbedenklich bei DRAK WATERS zugreifen, welcher in erster Linie durch die stimmungsvollen und albtraumhaften Bilder überzeugt, während dabei die Handlung eher recht einfach gestrickt etwas in den Hintergrund tritt. Letzteres muss hier also auch kein Nachteil sein, denn man wird bei DARK WATERS durchweg recht schnell als Zuschauer mittels der albtraumhaften Bildgewalt und der fühlbar düsteren Atmosphäre sehr intensiv mitgetragen, so das eine eher einfach gestrickte Handlung dann durchaus schnell zur Nebensache werden kann. Das dies wohl auch einer Größe wie Dario Argento damals nicht immer wirklich gelungen ist, zeigte sich nach meiner kritischen Betrachtung hingegen bei dem Horrorfilm THE SECT (1991), indem Dario Argento als Produzent und in Sachen Drehbuch in Erscheinung trat. Bei Mariano Baino und DARK WATERS ist genau dieser beschrittene Weg allerdings voll aufgegangen und konnte mich so durchweg auf recht hohem Niveau überzeugen. Da dürfte dann eine recht positive Empfehlung meinerseits also ebenfalls keine wirkliche Überraschung sein.

Dark WatersDark Waters
(Dark Waters)
mit Louise Salter, Verena Simmons, Albina Skarga, Marija Kapnist, Pavel Sokolov, Valeriy Bassel, Tanya Dobrovolskaya, Lubov Snegur, Anna Rose Phipps u.a.
Regie: Mariano Baino
Drehbuch: Mariano Baino, Andrew M. Barg
Produktion: Andrew M. Barg, Paul Azov, Svetlana Polyarush u.a.
Musik: Igor Clark
Erstveröffentlichung: Dezember 1993/Russland
Genre: Horror
Laufzeit: 92 Minuten (BD/ungekürzt)
DVD/FSK: 16 Jahre
Extras: Audiokommentar, "Lovecraft Made Me Do It", Dokumentation: "Deep into the Dark Waters", Kurzfilme mit Regie-Kommentar, Musik-Video: "Face and the Body",Bildergalerien und vielem mehr (extra Bonus-Disc)
Vertrieb: Wicked Vision
Italien, Russland, Ukraine, Großbritannien 1993 (laut IMDb)

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