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Über Mobbing und der toten Omas Rache - »One Last Call«

One Last CallÜber Mobbing und der toten Omas Rache
»One Last Call«

Chris ist in der Kleinstadt eher ein völliger Neuling ohne einen große Freundeskreis, was für einen Teenager eben auch nicht gerade prickelnd ist. Doch lange bleibt auch Chris nicht alleine, da die hübsche Tonya sich seiner annimmt. Und so schleicht Chris auch bald mit ihr, ihrem Ex-Freund Zack und dessen jüngerem Bruder Brett über einen Jahrmarkt. Doch so richtig spannend wird es für Chris erst später, als Tonya und Co. nach dem Jahrmarkt der alten Edith wieder auf den Pelz rücken wollen.

One Last CallDenn Tonya gibt Edith die alleinige Schuld an dem Tod ihrer Schwester, auf die diese doch eigentlich hätte aufpassen sollte. Denn Edith schien damals eine Art nachbarschaftlichen Kindergarten zu führen, in den man auch Tonyas Schwester regelmäßig im guten Gewissen abgab.

Doch seit dem Tod ihrer kleinen Schwester ist Tonya davon überzeugt, dass daran die alleinige Schuld eben die alte Edith trifft. Und um sie das auch immer spüren zu lassen, hetzte Tonya nicht nur die anderen gegen Edith auf, sondern man trifft sich auch regelmäßig um die alte Dame in ihrem Haus nach allen Regeln der Kunst zu terrorisieren.

An diesem Abend befindet sich nun auch Chris dabei, dem jedoch nicht wirklich wohl bei der Aktion zumute ist. Und als man dann eines ihrer Fenster eingeworfen hat, taucht Edith plötzlich hinter den Teenagern auf und fordert sie auf, ihr Grundstück wieder zu verlassen und das ihr Mann Edward sie wohl erschießen würde, wenn er gerade anwesend wäre.

Doch in Wirklichkeit ist Edith durch den jahrelangen Terror der Jugendlichen und die für sie unhaltbaren Anschuldigungen völlig mit den Nerven am Ende. Das nächste was Chris und die anderen über Edith erfahren ist, das sie durch Selbstmord aus dem Leben geschieden ist, welches für sie unter diesem jahrelangen Terror nicht mehr lebenswert erschien.

Doch damit ist Edith für die Teenager längst noch nicht aus der Welt, denn schon bald erhalten sie alle einen Anruf ihres Ehemann Edward, der ihnen erstaunlicher Weise offenbart, das sie jeweils 100 000 Dollar aus dem Nachlass von Edith erben, wenn sie an einem bestimmten Abend im Haus von Edith in einem abseits gelegenen Zimmer einen bestimmten Telefonanruf in mindestens einer Minute tätigen. Edward erklärt ihnen noch einige weitere kleinere Regeln die sie hierbei nicht brechen dürfen, doch die sind nicht unbedingt das größte Problem für Chris, Tonya, Zack und dessen Bruder Brett. Vielmehr dürfte ihr größtes Problem sein, mit wem sie telefonieren werden. Denn ihre Gesprächspartnerin heißt Edith und ruft direkt für sie aus der Hölle an.

Auf der einen Seite mag man zwar diese Schauergeschichte des alten Edward hinsichtlich der verstorbenen Edith nicht so recht glauben wollen, aber 100 000 Dollar sorgen dann eben doch dafür, das sie dieses finstere Spiel - wie sie es sehen - durchaus bereit sind mitzumachen. Und dann ist es zuerst der gierige Zack der zum Telefonhörer greift und damit seine eigene Zukunft auf erschreckende Weise beendet. Denn auch im Haus von Edith ist dann nichts mehr wirklich so wie es eigentlich sein sollte.

One Last CallDas Zusammentreffen zweier Horror-Ikonen:
anders mag man es zu Beginn einfach nicht anders nennen, denn in der Rolle der alten Edith spielt in ONE LAST CALL Lin Shaye auf, die man auch aus Horrorfilmen wie AMITYVILLE - A NEW GENERATION (1993), SNAKES ON A PLANE (2006), 2001 MANIACS (2005) oder INSIDIOUS (2010) her kennen dürfte, um nur einige wenige ihrer Filme aus diesem Genre hier aufzuzählen. Aber das sie sich auch auf komödiantischem Boden sehr gut bewegen konnte, zeigte sie zum Beispiel in der Filmkomödie DETROIT ROCK CITY (1999) unter der Produktion des Bassisten der Rockband KISS, Gene Simmons, wo sie eine gottesfürchtige sowie kettenrauchende Mutter spielt, die mit allen Mitteln versucht, ihren Sohn und damit auch seine drei Freunde vom Besuch eines Konzert der Band KISS in der Detroit Cobo Hall abzuhalten, weil diese laut ihrer Meinung wohl in ihren Masken und mit ihrer Musik dem Teufel huldigen.

Ich selbst muss hier natürlich zugeben, das ich auch so einige Filme in meiner Filmsammlung habe, in der eben auch Lin Shaye eine nicht gerade kleine Rolle spielt. Da muss ich dann eigentlich auch nicht unbedingt noch extra erwähnen, dass ich Lin Shaye eigentlich ziemlich gerne in jedem filmischen Genre sehe.

Eine weitere Ikone dürft hierbei auch Tobin Bell sein, der sich eigentlich im Kino aber auch im Fernsehen durch alle Genre durchgewühlt hat, aber wohl wirklich in den Köpfen der Fans blutiger Horrorfilme durch die SAW-Reihe haften geblieben ist, die ja mit dem Film JIGSAW aus dem Jahre 2017 auf insgesamt acht Filme angewachsen ist. Und die SAW-Reihe eben mit Tobin Bell wurde wiederum von niemand anderem tragend in Szene gesetzt als James Wan, der ja auch für die sehr erfolgreichen Filmreihen INSIDIOUS wie auch THE CONJURING (und dessen Ableger) verantwortlch ist. Nur leider hatte James Wan mit dem Film ONE LAST CALL nichts zu tun, aber dazu gleich mehr.

Nun dürfte schließlich auch jeder eigentlich wissen, wer meine Rezensionen hier im Zauberspiegel liest, dass ich durchaus auch extem harte wie auch blutige Filme wie etwa I SPIT ON YOUR GRAVE (natürlich Uncut, Original wie auch Remake) oder HOSTEL recht gerne sehe und auch vor den Kannibalen- und Zombie-Schockern der 70er bis 80er Jahre nicht zurückschrecke. Gleiches gilt auch im literarischen Sinne, wo stramme Leser der (nur) Gruselheftchen bei so manchem derb-blutigen Inhalten von nicht wenigen meiner Büchern immer noch ohnmächtig vom Sessel rutschen würden. Bei der SAW-Filmreihe muss ich allerdings gestehen, hatte ich immer schon meine Schwierigkeiten, mit der Handlung irgendwie richtig warm zu werden. Trotzdem schätze ich aber durchaus die schauspielerische Leistung von Tobin Bell als sadistischen Serienkiller Jigsaw innerhalb dieser Filmreihe. Nur wirkliche Freunde fürs Leben werden Jigsaw und ich wohl nie werden.

One Last CallAber ONE LAST CALL ist nicht SAW, allerdings auch nicht ein für mich so genial umgesetzter Horrorfilm wie eben 2001 MANIACS unter der Regie von Tim Sullivan mit Lin  Shaye in einer der Hauptrollen, womit wir auch gleich den Kern des Problems treffen. Und der Kern liegt positiv zuerst schlicht darin, dass man hier auf eine sehr gute Schauspielerin und einen ebensolchen Schauspieler wie Lin Shaye und Tobin Bell zurückgreifen konnte. Auch die grundsätzliche Idee bezüglich der Handlung bietet bei ihrer Einfachheit durchaus ein nicht zu verachtendes Potential, was nur darauf wartet, ausgeschöpft zu werden. Aber damit geht es auch leider schon los mit den kleinen und leider negativen Ergebnissen in Sachen "ausschöpfen".

Die anderen Darstellerinnen und Darsteller wie Erin Sanders (Tonya) oder Chester Rushing (Chris) geben sich hier ebenfalls noch redlich Mühe, aber ihre darstellerische Leistung zeigt leider auch irgendwie, das sie mit ihren Rollen so einige Mühen haben. Dann wäre da noch im wirklich engen Umfeld der Handlung Mike Manning (Zack) und Sloane Morgan Siegel (Brett) zu nennen, denen ich irgendwie im gesamten Film ihre jeweilige Rolle wirklich nie so ganz abnehmen konnte. Denn ihr Schauspiel wirkte immer irgendwie etwas künstlich unterfüttert und verweigerte sich irgendwie bei mir jeglicher glaubhaften Darstellung. Man kann es dabei irgendwie schlecht beschreiben, denn wie sie ihre Rollen ausfüllen, schwanken sie irgendwo zwischen den typischen Teenager-Rollen von der Stange und einer leicht überzogenen und damit eher unglaubwürdigen Darstellung.

Ein weiterer Knackpunkt ist leider auch, dass sich die Handlung über einige Stellen anfängt wie Kaugummi zu ziehen. Ein recht grasses Beispiel ist das Treffen von Edward mit den Teenagern im Haus von ihm und der verstorbenen Edith. Die Erläuterungen und Regeln die Edward hier den Jugendlichen unterbreitet, kratzen schon zeitlich ein wenig an meinen Nerven als Zuschauer. Und wenn man dann glaubt, es wäre nun alles gesagt, kommt einer der Jugendlichen daher und zweifelt an, das es hier mit rechten Dingen zugeht und man sie nur vorführen wolle, womit das gefühlt die Diskussion um das angebotene Erbe und die dazu erforderlichen Regeln gleich wieder irgendwie anfängt. Solche Durchhänger mit zum Teil recht unsinnigen Dialogen zerren natürlich nicht nur die Spannungskurve, sondern auch die düstere Atmosphäre merklich in den Minusbereich. Zudem kommt aber auch leider hinzu, das mir gefühlt Tobin Bell selbst in seiner Rolle als Vollstrecker von Ediths letztem Willen die Lust ausgeht und so dann eben auch am Ende ein wenig genervt wirkt.

Zwar sollte er eigentlich eher etwas auf Wut und Rache gebürstet sein, schließlich sitzt er hier mit den Teenagern zusammen, die über Jahre hinweg seine geliebte Frau terrorisiert und in den Selbstmord getrieben hatten. Nur wirkt er hier nicht wie ein Mann, der einen gewissen Hass auf die in sich trägt, die eben am Freitod seiner Ehefrau schuld sind. Vielmehr wirkt er aber eher gelangweilt uns späterhin auch genervt, was seine Rolle dann leider doch ab einem gewissen Zeitpunkt etwas konterkariert.

Als es dann endlich ans Eingemachte geht, Zack als erster den abgelegenen Raum mit dem altertümlichen Telefon betritt und Edith sich aus den Untiefen der Hölle meldet, hat es auch hier der Film eher etwas schwer bei mir, mich so richtig in eine gruselige Stimmung zu versetzen. Zwar gibt es im weiteren Verlauf durchaus dann die eine oder andere nette, eben dann doch gruelige Szene, aber genau betrachtet will das Gesamtkonzept der Macher (Regie und Drehbuch) nicht wirklich mal über einen längere Zeitraum wirklich positiv punkten.

One Last CallMein Fazit:
Am Ende von ONE LAST CALL komme ich nur persönlich und mit reichlich Mühe meinerseits noch auf sehr knappe drei von insgesamt fünf Punkten in meiner Gesamtbewertung. Und das es eben knappe drei Punkte wurden, liegt auch nur daran, weil Lin Shaye und Tobin Bell hier gemeinsam vor der Kamera standen, sonst wäre wohl noch ein Punkt Abzug drin.

Ich könnte hier nun nochmals im Detail aufrollen, woran es an manchen Stellen für mich gehapert hatte. Nur mag ich mich hier nun auch nicht seitenlang austoben wollen.

Der Film selbst bot leider, trotz einer eher kleinen darstellerischen Bühne, auf der man sich trotzdem großzügig hätte entfalten können, zumeist nur Mittelmaß und kam auch oft nicht wirklich in die Puschen. Da fragt man sich dann eben auch irgendwann, ob man sich gerade gruselt oder dies doch eher eine Nebenwirkung einer zuweilen leider aufkommenden Langeweile ist, welche gerade am eigenen letzten Nerv unangenehm knabbert.

Dabei hatte die Vorlage hier durchaus eine Menge guter Ansätze zu bieten, die man nur in der Handlung auch entsprechend zügig hätte ausnutzen sollen, statt dann aber nur behäbig von einer Szene zur nächsten zu robben. Denn leider sind hier nach dem gespielten Freitod von Lin Shaye als Edith auch der Regisseur Timothy Woodward Jr. und weit im vorfeld der Schaffenskraft der Drehbuchautor Patrick Stibbs in unregelmäßiger Folge in einige Momente des Sekundenschlaf verfallen ... oder waren es doch schon kurzweilige Zustände eines offensichlichen Komas? Zumindest versuchten sie aber gefühlt im letzten Drittel dann etwas wacher aufs Tempo zu drücken.

Da ist dann auch die FSK-Altersfreigabe ab 16 Jahren fasst schon wieder ein kleiner Witz, da man wohl meint, das man Horrorfilme generell mindestens mit einer 16er Altersfreigabe bedenken sollte. Und witzig war im Film ONE LAST CALL eigentlich ja auch nichts, was jedoch nichts daran ändert, dass man diesen Horrorfilm trotzdem fasst mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahre hätte versehen können, wenn er am Ende nicht dann doch ein wenig Fahrt aufgenommen hätte.

Unter dem Strich bleiben mit Lin Shaye und Tobin Bell zwei verschenkte Ikonen des Genre und auch eine Menge, leider verschenkter Möglichkeiten, die aus ONE LAST CALL noch einen richtig guten Horrofilm gemacht hätten. Als eher durchschnittlichen Gruselfilm mit wirklich netten kleinen Schockeffekten geht ONE LAST CALL allerdings durchaus noch durch, denn als Kenner des Genre und seinen verschiedenen Ablegern kann ich hier auch bestätigen, das es noch viel schlimmeres auf dem Markt der bewegten Bilder gibt. Wirklich viel schlimmeres!

One Last CallOne Last Call
(The Call)
mit Lin Shaye, Tobin Bell, Erin Sanders, Chester Rushing, Solane Morgan Siegel, Mike Mannig, Ciara Hanna, Madeleine Wade, Aidan Bertola, Toby Leeder, Randy Charach u.a.
Regie: Timothy Woodward Jr.
Drehbuch: Patrick Stibbs
Produktion: Randy J. Goodwin, Zebulun Huling, Gina Rugolo u.a.
Musik: Samuel Joseph Smythe
Genre: Horror
Laufzeit: 97 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: EuroVideo
USA 2020

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