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Wenn aus Menschen gnadenlose Monster werden - »Im Wolfsbau«

Im WolfsbauWenn aus Menschen gnadenlose Monster werden
»Im Wolfsbau«

Carrie ist 14 Jahre und ihre kleine Schwester Allison gerade einmal 8 Jahre alt. Gemeinsam befinden sie sich mit Carries gleichaltriger Schulfreundin Brooke wie immer auf dem Nachhauseweg von der Schule. Und wie immer geht es dabei eigentlich auch recht ausgelassen zu. Und die Mädchen selbst wüssten wohl eigentlich kaum, was ihre gute Laune jetzt noch hätte trüben könnte. Dabei sollten sie sogar Angst haben. Gewaltige Angst, denn ein weißer fensterloser Van nähert sich ihnen bereits.

Im WolfsbauFür Allison, die man auch einfach nur Allie nennt, sind die beiden Männer in dem Van eher sogar irgendwie lustig mit der Art, wie sie sprechen und den Masken die sie über ihren Köpfen tragen. Der eine nennt sich z.B. Mr. Wolf und sieht mit seiner Maske sogar aus wie ein Werwolf aus einem dieser alten Gruselfilme. Und der andere nennt sich Onkel Oink und versteckt sein Gesicht hiter einer recht echt wirkenden Schweinemaske.

Allie weiß natürlich das es böse Menschen gibt, jedoch weiß sie noch nicht, zu was solche Menschen fähig sind und was sie ihr schlimmes antun könnten. Ganz im Gegensatz zu Carrie und Brooke, denen die zwei seltsamen Vögel in ihrem weißen Van gleich nicht ganz geheuer vorgekommen sind. Als die Mädchen jedoch die Flucht durch den Wald antreten, ist dies geradeso, als würden sie Allen Cooper (Mr. Wolf) und seinen Kumpanen Dale Hill (Onkel Oink) zur fröhlichen Hetzjagd auffordern. Nur wird sie eben nicht fröhlich sondern für die junge Brooke sogar in Kürze auf grausame Art und Weise tödlich enden.

Er trat auf Brookes Kopf, stieß ihr Gesicht halb in einen Klumpen Matsch, dann drehte er seinen Fuß hin und her, als würde er eine Zigarettenkippe austreten. Blut kam aus der Nase und lief aus ihren Augenhöhlen. Irgendetwas an ihrem Kopf gab ein knackendes Geräusch von sich.

(Jon Athan: Im Wolfsbau/Seite 24)

Keith Klein ist ein Streifenpolizist in der Stadt Montano und hat eigentlich auch die Jugendlichen hier recht gut und irgendwie sogar väterlich im Griff. Als er an diesem Tag Feierabend macht, hat seine Frau Lisa jedoch seltsamer Weise kein Essen zubereitet und wirkt sichtlich nervös. Der Grund ist recht simpel. Denn es ist schon relativ spät, doch ihre Töchter Allison und Carrie sind immer noch nicht von der Schule aus zu Hause angekommen, was eigentlich so garnicht ihre Art ist.

Keith sieht das ganze zuerst nicht so tragisch, da er davon ausgeht, dass die Mädchen sich ins Kino abgesetzt haben könnten, da dort gerade ein neuer Film mit ihrem Schwarm Leonardo DiCaprio läuft. Doch auch die Eltern von Brooke machen sich späterhin langsam Sorgen und Keith wird mit der Zeit ebenfalls langsam nervös. Also schaltet man bald die Polizei ein, die sich auch recht schnell auf die Suche der Mädchen macht. Nur Keith wird so lange vom Polizeidienst freigestellt, da er als Vater wohl nicht objektiv an den Fall herangehen würde. Und tatsächlich stellt sich bald heraus, dass die drei Mädchen eventuell einer Entführung zum Opfer gefallen sein könnten. Denn sie sind wie vom Erdboden verschwunden und man findet kein Lebenszeichen von ihnen. Doch wenn es sich um eine Entführung handelt, warum meldet sich dann der oder die Täter nicht per Telefon um irgendwelche Forderungen zu erpressen?

Carrie runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. In ihren Ohren klang alles bedrohlich, was er sagte, das musste an dem kalten, toten Ausdruck in seinen Augen liegen. Er war ein besserer Schauspieler als Riley, aber seine Augen konnten nicht lügen.

(Jon Athan: Im Wolfsbau/Seite 81)

Doch Keith hat nicht vor in seinem Heim mit Lisa tatenlos herumzusitzen und um seine geliebten Töchter zu bangen. Gemeinsam mit seinem Freund und ehemaligem Kollegen, dem Privatdetektiv Gerald Greenwood macht er sich somit selbst auf die Suche nach seinen geliebten Mädchen. Gerald wiederum ist bereit Keith in allem zu unterstützen, solange Keith keine roten Linien übertritt, die ihnen beiden massive Schwierigkeiten bei der bereits ermittelnden Polizei einbringen könnten. Selbst als die Spur dann zu selbstgedrehten Videos führt, die unter der Hand an ausgesuchte und gut zahlende Kunden verkauft werden und in denen blutjunge Mädchen und Jungen auf brutale Art und Weise vergewaltigt, gequält und sogar grausam ermordet werden, ahnt Gerald noch nicht, wie viele rote Linien Keith wirklich bereit ist zu überschreiten um seine Töchter lebend wiederzusehen.

Carrie hingegen findet sich in einem schäbigen Loch wieder, in dem die Männer sie gefangen halten. Dabei hat man sie auch von ihrer kleinen Schwester Allison getrennt, die sich in der Gewalt eines Sadisten mit dem Vornamen Riley befindet. Sie weiß jedoch noch nichts davon, das Riley faktisch dafür bezahlt hat, damit er jederzeit mit ihnen machen kann was er will. Und sie weiß nicht, was dieser Riley mit dem kalten, clownhaften Lachen bereits alles ihrer kleinen Schwester Allison angetan haben könnte. Und Riley wiederum will Carrie und Allison nicht (gleich) töten. Jedenfalls nicht, solange ihn dieses perverse Spiel und die Mädchen nicht anfangen zu langweilen.

"Du stirbst", flüsterte Keith. "Wie fühlt es sich an? Tut es weh? Hast du Angst? Du weißt, dass auf der anderen Seite nichts auf dich wartet, richtig? Bald wird alles schwarz. Bald ... Gott, ich wünschte, ich hätte dich länger am Leben halten können. Du verdienst mehr Schmerzen für das, was du diesen unschuldigen Kindern angetan hast."

(Jon Athan: Im Wolfsbau/Seite 215 bis 216)

Keith und Gerald ahnen bereits, in welche grausamen Hände die Mädchen geraten sein könnten. Es sind gefühllose Sadisten die Mädchen wie Carrie und Allison an Millionäre im Nahen Osten verkaufen, an Kartelle, die sie als Prostituierte oder Drogenmulis missbrauchen, oder sie für die Produktion von Snuff-Filmen foltern und töten, wenn sie sie nicht sogar an Kriminelle in China verkaufen, damit die sie wegen ihrer Organe regelrecht ausschlachten. Das ein solches sadistisches Monster gleich vor Ort für die Mädchen eine Menge Geld hingelegt hat, ahnen sie jedoch bei ihrer Suche noch nicht. Aber die Täter werden am Ende nicht die einzigen Monster sein. Denn bald sehen sie sich selbst einem ebenso gnadenlosen Monster gegenüber, welches alles in Blut ertränkt, was sich zwischen ihm und die Freiheit der Mädchen stellen wird.

Im WolfsbauÜber eine eiskalte Spannungsschraube:
Und die zieht der Autor Jon Athan eben merklich bald von Seite zu Seite immer stärker an. Grundsätzlich sei den Leserinnen und Lesern, die es nicht so extrem mögen, hier gesagt, dass die sexuellen Elemente eher sogar recht oberflächlich zumeist nur angekratzt werden. Denn selbst für den Autor dürfte eine detaliert geschilderte Vergewaltigungsszene z.B. mit einer Achtjährigen irgendwie zu weit gehen. Allerdings reicht es manchmal eben auch schon aus, zu wissen, dass sich ein solcher Sadist in der Romanhandlung an einem solchen kleinen Mädchen wohl gleich mehrmals vergriffen hat, so das entsprechend unschöne Bilder im Kopf des Lesers durchaus entstehen können. Das liegt hier aber auch an der Beschreibung eines Sadisten wie Riley, welche beim lesen wirklich schon ein recht verstörendes aber eben leider auch irgendwie recht realistisches Bild von einer solchen Person liefert. Und Riley ist da schlicht auch nicht die einzige Person, die über dauerhafte Gefühlskälte nun so einige üble Geschichten erzählen könnte.

Genau da muss ich hier nun die Leserinnen und Leser aber auch wieder warnen, die mit recht blutigen, grausamen und verstörenden Beschreibungen eben später nicht mehr in einen ruhigen und gesunden Schlaf kommen. Überhaupt würde ich in dieser Richtung empfindsameren Gemütern nicht ohne Bedenken zu diesem Roman von Jon Athan raten, welcher auch nicht umsonst gerade in der Festa-Extremreihe veröffentlicht wurde. Mal abgesehen davon, das Jon Athan überhaupt zu den noch recht jungen, aber eben auch recht harten Horrorautoren aus den USA gehört, welche sich in ihren Romanen weniger übernatürlichen Schrecken widmen, aber dafür viel lieber dem Monster im Menschen auf den Grund gehen.

In seinem Roman IM WOLFSBAU beschreibt Jon Athan allerdings nicht nur das abgrundtief Böse seitens der Täter, sondern er öffnet hier auch unangenehm die Augen seiner Leserschaft dafür, wie schmal eigentlich der Grad sein kann, um plötzlich selbst zum Monster zu werden, auch wenn man ja eigentlich auf der Seite der Guten und Rechtschaffenden stehen sollte. Den typischen und wohl auch völlig unrealistischen Helden, der nie die roten Linien überschreitet und das Banner von Moral und Anstand stets eisern hochhält, wird man bei Jon Athan daher generell (und eben auch nicht in diesem Roman) wohl kaum antreffen.

IM WOLFSBAU dürfte in diesem Punkt also seine Leserschaft nicht wirklich kalt lassen, dafür aber schon recht schnell eben kalt erwischen. Denn schon der Beginn, wo die Entführer zuerst die Mädchen anfangen verbal zu bedrängen, hat bereits etwas erschreckendes in der geschilderten Art und Weise. Und das eben noch Seiten bevor die erste Gewalt geschildert wird und das erste unschuldige Blut fließt.

Jon Athan bietet in den eher stillen Momenten innerhalb der Handlung aber auch einen recht interessanten Einblick auf die Eltern. Keith dem Streifenpolizisten sowie seiner Frau Lisa und was in ihnen vorgeht bzw. wie die Ängste um ihre Kinder ihr Gefühlsleben und ihre Gedankengänge negativ beeinflussen können. Und auch wenn man wie Keith sich eben aus tiefer Überzeugung jahrelang als Polizist für die Einhaltung von Recht und Gesetz, aber auch für eine eher menschliche Herangehensweise eingesetzt hat, so wird der Leserin und dem Leser im Verlauf der Handlung durchaus aber auch sehr eindrücklich vermittelt, wie hauchdünn die Membran zwischen einem eigentlich rechtschaffenden Menschen hin zu einer kaltblütigen Bestie doch sein kann. Und das verstörende daran ist hierbei eigentlich sogar, dass man Keith aufgrund der extremen Ausnahmesituation, in der er sich zunehmend befindet, sogar irgendwie verstehen kann. Doch ist Keith dann eigentlich nicht selbst bald auch bereits genau wie diese Monster, die er eigentlich bekämpft?

Im WolfsbauUnd auch ohne nun hier viel zu verraten, sei gesagt, dass dieses Monster bei Keith auch noch nach vielen Jahren danach nicht mehr zur Ruhe gekommen ist und seine scharfen Zähne wieder zeigt. Aber um zu erfahren was ich damit meine, müsst ihr den Roman natürlich schon selber lesen.

Generell weiß Jon Athan allerdings sehr genau, wie man als Autor gnadenlos die Spannungsschraube nach oben dreht, ohne dabei den Inhalt der Handlung so zu überziehen, dass man sie möglicher Weise nicht mehr ernst nehmen könnte. Und das macht den Roman IM WOLFSBAU eben so spannend wie aber auch in seinem Inhalt so verstörend. Denn bei genauer Betrachtung könnte alles eigentlich auch der Realität entsprechen. Eine Realität jedoch, mit der wir mit Sicherheit wohl niemals konfrontiert werden möchten.

Da der Roman IM WOLFSBAU von Jon Athan in der Extremreihe des Festa Verlag als Band 64 erschienen ist, sollte man sich  hinsichtlich einer Bestellung gleich im Internet auch auf die Seite des Verlag begeben. Denn wie es eigentlich langsam bekannt sein dürfte (es ist ja nicht meine erste Buchrezension im Zauberspiegel, was die Festa-Extremreihe angeht), erscheinen die Bände der Taschenbuchreihe Festa Extrem ohne ISBN und sind damit als "Privatdrucke" mit einer Altersempfehlung ab 18 Jahre nur direkt über den Verlag (und somit eben nicht über den Buchhandel) erhältlich. Aber das ist eigentlich ja nicht schlimm, denn so kommt man auch dazu, mal durch alle anderen interessanten Buchreihen des Festa Verlag zu stöbern.

Von meiner Warte aus kann ich IM WOLFSBAU von Jon Athan jedenfalls ohne große Abstriche empfehlen. Na ja, das Cover ist dieses mal nicht wirklich so ganz mein Fall (ist halt eine Geschmacksfrage), aber daran soll es doch wohl nicht scheitern, denn auf den Inhalt kommt es ja schließlich an. Was andererseits mal ein vernünftiges Bild vom Autor Jon Athan selbst angeht, so scheint dieser allerdings immer noch recht Kamerascheu zu sein. Aber hier habe ich zumindest mal ein Foto von ihm mit vorschriftsmäßigem Mundschutz ergattern können, um ihn hier den Leserinnen und Lesern auch mal optisch zumindest etwas näher bringen zu können.

Im WolfsbauIm Wolfsbau
(Into the Wolves' Den)
von Jon Athan
Originalausgabe: by Jon Athan/2019
Deut. Erstausgabe: Mai 2021/Festa-Extrem-Band 64
Genre; Thriller/Horror
Seitenanzahl: 352 Seiten
Übersetzung: Klaus Schmitz
ISBN: Ohne/Nicht über den Buchhandel beziehbar
Preis: 13,99 Euro
Verlag: FESTA
Altersempfehlung ab 18 Jahre
Bezug über: festa-verlag.de

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