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Der schweigsame Bösewicht - »Blut für Dracula«

Blut für DraculaDer schweigsame Bösewicht
»Blut für Dracula«

Der Film ist eigentlich eine direkte Fortsetzung der Hammer-Produktion DRACULA von 1958 mit Christopher Lee als Dracula und Peter Cushing als Dr. Van Helsing, weshalb wir auch gleich zu Beginn nochmals die Sterbeszene von Dracula im Zweikampf mit Van Helsing aus dieser besagten Hammer-Produktion geboten bekommen. Erst danach setzt hier dann der eigentliche Film unter dem Titel BLUT FÜR DRACULA (DRACULA - PRINCE OF DARKNESS) aus dem Jahre 1966 an.

Blut für DraculaDie Fortsetzung schreibt indessen auch vor, dass seit dem Ableben des blutsaugenden Grafen Dracula bereits wieder zehn Jahre vergangen sind. Und zu dieser Zeit treibt es nun die englischen Brüder Charles und Alan Cent samt ihren jungen Frauen Diana und Helen in die Karpaten.

Und wie dies an den betreffenden Örtlichkeiten so üblich ist, setzt der Kutscher unsere Paare mitten in der Wildnis ab, weil ihm in der Dunkelheit so ziemlich alles (also auch das kleine Herz) in die Hosen rutscht. Dafür treffen sie aber auf ihrer Reise auch auf einen recht freundlichen Abt, den man auch einfach Shandor nennen darf. Und dieser besagte Vorsteher eines Klosters gibt ihnen als nette Reisezugabe auch gleich den Hinweis mit, den Ort Karlsbad und hier besonders das dort in der Nähe gelegene Schloss eines verstorbenen Graf Dracula tunlichst zu meiden.

Natürlich kommt es aber so wie es kommen muss. Man schlägt die nette Warnung irgendwie in den Wind, der Kutscher machte wie bereits bekannt die Mücke und ehe man sich versieht, kommt da eine andere Kutsche daher und nun steht man vor einem Schloss, wo scheinbar auch gerade der Tag der offenen Tür herrscht. Drinnen werden sie zudem bereits von dem seltsamen Diener Gabor (im englischen Originalton heißt er hingegen "Klove") erwartet, der hier immer noch im Auftrag seines längst verstorbenen Herrn, Graf Dracula, seine Dienste verrichtet.

Das man dann auch in der Nacht nicht wirklich in einen tiefen Schlaf mit zuckersüßen Träumen verfällt, dürfte eigentlich auch logisch erscheinen. Jedenfalls geht Alan dem Diener bald auf den Leim und wird kurz darauf bereits wie ein Schwein beim Metzger in der Gruft über Draculas letzter Ruhestätte zum ausbluten aufgehangen.  Und das macht Gabor nicht aus reinem Egoismus, sondern weil er so die Asche seines Herrn und Meisters mit dem Blut des Opfers wieder zum Leben erwecken will.

Und dieser Plan gelingt und Dracula selbst sorgt gleich schon mal dafür, das Helen, Alans Ehefrau, nun als Vampirin an seiner Seite steht. Aber auch Charles und Diana kommen recht bald in Kontakt mit Dracula und einer nun recht blutrünstigen Helen, die wenig Zeit verlieren wollen, auch diese Beiden zu ihren Opfern zu machen. Dumm nur das es Charles und Diana nicht nur gelingt, Dracula erst einmal zu entkommen. Auch Helen bekommt mittels eines Kreuz von Diana gleich mal ein selbst für Vampire schmerzhaftes Branding verpasst.

Blut für DraculaZwar schaffen es Charles und Diana auf ihrer Flucht dann auch bis zum Kloster zu gelangen, wo Shandor ihnen natürlich Schutz vor Dracula und seiner neuen Partnerin gewähren will. Doch so ganz unvorbereitet laufen auch die Vampire nicht gegen die klösterlichen Mauern an. Und so drückt Helen vor dem Fenster von Diana ordentlich auf die Tränendrüse bis die dann auch eben dieses Fenster öffnet. So gelingt es Helen zwar Diana in den Arm zu beißen, doch den grausamen Keim der Vampire weiß Shandor mittels einer heißen Öllampe auch gleich wieder auszubrennen. Dafür geht die Sache für Helen nicht so gut aus, denn sie wird von den Mönchen gefangen und recht bald auch durch Shandor gepfählt.

Dracula geht selbst die Sache mit Diana etwas hinterlistiger an, denn im Kloster befindet sich auch der scheinbar verrückte Ludwig (quasi ein Fliegen verschlingendes Pendant zur Figur des Renfield aus dem Roman von Bram Stoker). Und den hat Dracula direkt unter seiner geistigen Kontrolle, so das der blutige Graf mit dessen Hilfe doch noch die von ihm begehrte Diana entführen kann.

Und mit ihr macht sich Dracula und sein Diener Gabor auch gleich wieder mit ihrer Kutsche auf, um seine zukünftige neue Gefährtin auf sein Schloss in Sicherheit zu bringen (wenn man das mal so ausdrücken darf). Dabei sind Shandor und Charles ihnen allerdings so dicht auf den Fersen, dass es am Schlossgraben sogar zu einem ungeschickten Unfall kommt, bei dem der Sarg mit Graf Dracula im gefrorenen Schlossgraben landet. Zwar will Charles den Vampir mit einem Pfahl zu Leibe rücken, doch geht gerade auch die Sonne unter und Dracula erwacht. Es sieht also nicht gerade gut aus für Charles, doch Diana schießt aus Verzweiflung um ihren Charles direkt auf das Eis auf dem er und Dracula stehen. Hierdurch quillt das darunter fleißende Wasser (absolut tödlich für Vampire) aus dem Eisloch hervor. Shandor erkennt die Panik in Draculas Augen vor dem Wasser und schießt dann gezielt auf das Eis, welches so unter dem Vampir zerbricht. Dadurch versinkt Graf Dracula hilflos im kalten fleißenden Wasser und muss nun ertrinkend erneut sein unheiliges Leben lassen.

Blut für DraculaEigentlich eine würdige Fortsetzung ...
...auch wenn wir hier leider erfahren müssen, dass Graf Dracula in seiner sportlicheren Jugend auch kein Seepferdchen-Abzeichen an die Badehose getackert bekommen hatte. Aber mal ehrlich, hatte nicht schon Bram Stoker in seinem Roman DRACULA (Erstveröffentlichung im Jahre 1897) bereits festgehalten, dass Vampire und damit eben auch Graf Dracula im fließenden Wasser ertrinken können? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht mehr so genau, aber irgend so eine Aussage, glaube ich mich zumindest noch zu erinnern, war da.

Was man sich in der Fortsetzung vielleicht hätte ersparen sollen, war nun auch noch schnell eine entsprechende Renfield-Figur einzubauen. Der Schauspieler Thorley Walters, der späterhin auch in weiteren Hammer-Produktionen wie FRANKENSTEIN MUST BE DESTROYED (1969) oder VAMPIRE CIRCUS (1972) mitspielte, wirkt hier als eine Art Renfield-Abklatsch leider irgendwie auch nur eher aufgesetzt.

Thorley Walters spielte übeigens auch neben Margaret Rutherford als Miss Marble in dem Agatha-Christie-Film DER WACHSBLUMENSTRAUSS mit. Und da befand er sich bei BLUT FÜR DRACULA dann auch in bekannter Runde und eben auch in bester Gesellschaft. Denn der Schauspieler Charles Tingwell spielte in allen vier Miss-Marble-Filmen neben Margaret Rutherford den neunmalklugen Inspector Craddock. Aber auch der Schauspieler  Francis Matthews kann sich da einreihen, denn er spielte in der Agatha-Christie-Verfilmung MÖRDER AHOI! aus dem Jahre 1964 mit. Fehlt also nur noch Margaret Rutherford selbst in BLUT FÜR DRACULA, aber damit kann ich hier nun leider nicht wirklich dienen, auch wenn das mal eine interessante Idee gewesen wäre.

Blut für DraculaDas es schon 1966 finanziell nicht auffallend rosig aussah, wenn es bei Hammer um das Geld ging, muss man eigentlich aber nun wirklich nicht in jeder betreffenden Filmrezension als wichtige Information erwähnen. Schließlich war Hammer nie eine wirklich große Filmproduktionsgesellschaft gewesen, die das Geld hätte mit vollen Händen herauswerfen können. Und natürlich kann man das auch eventuell in der einen oder anderen Szene etwas erkennen. Aber mal ehrlich, für das Geld was Hammer wirklich zur Verfügung stand, hatten sie sich zumindest immer sehr bemüht, den Zuschauern wirklich etwas zu bieten. Und das sollte man schließlich auch einmal lobend erwähnen.

Viel eher stellte sich da die Frage, warum Graf Dracula in bzw. ab diesem Film in eine zumeist völlig schweigende Rolle abgeglitten ist. Als Begründung gibt es hierzu ja nicht nur eine Version.

Eine der Versionen stammt z.B. von Christopher Lee als Dracula-Darsteller selbst. Denn der fasste die wenigen wohl vorhandenen Dialoge für den Vampir im Drehbuch schon fasst als persönliche Beleidigung auf und hat sich so nach eigener Aussage dann völlig geweigert, auch nur ein Wort (geschweige denn einen ganzen Satz) im Film hörbar auszusprechen.

Blut für DraculaWiederum andere behaupten, dass Anthony Hinds (der Sohn des Hammer-Begründers William Hinds) nicht so wirklich mit der Beschwerde seitens Christopher Lee hinsichtlich der "Dialogtexte für Dracula" im Drehbuch klar kam und dieser dann aus einer Trotzreaktion heraus beschlossen hatte, das Lee nunmehr im Film eben keinen Dialog mehr zu sprechen bekäme.

Jimmy Sangster wiederum, der neben John Sansom das Drehbuch für BLUT FÜR DRACULA verfasst hatte, sah die Sache wieder von einer eher praktischen Seite, als er hierzu zur Antwort gab, das Vampire schließlich nicht zum plaudern da wären. Und weil dies eben mal so ist, habe er also Christopher Lee als Graf Dracula schlicht gleich keine Dialoge ins Drehbuch geschrieben.

Was allerdings in diesem Punkt der Wahrheit wohl am nächsten kommt, darf sich hier nun eigentlich jeder selbst aussuchen. Eine schwörende Hand würde ich bei allen drei Aussagen allerdings nur ungern erheben.

Das es mit der Fortsetzung so lange gedauert hatte, soll allerdings wohl ebenfalls an Christopher Lee gelegen haben, der sich direkt nach dem Film DRACULA von 1958 erst einmal standhaft geweigert haben soll, den Umhang des Vampir wieder für eine weitere Verfilmung um die Schultern zu werfen. Man kann also sagen, dass es schon damals eine gewisse Hassliebe seitens Christopher Lee zu der Filmfigur des Grafen Dracula gegeben haben musste. Genutzt hatte es Christopher Lee allerdings nichts, denn er sollte danach noch einige Male in diese ihm eher immer ungeliebter werdende Rolle des Grafen Dracula schlüpfen müssen.

Blut für DraculaEs kann also durchaus schlechter werden ... aber erst später:
Das Christopher Lee in BLUT FÜR DRACULA also nur noch einige eher animalische Laute von sich gab (wie etwa ein zischendes Geräusch wie von einer Schlange), machte den Film an sich allerdings nicht schlechter. Ganz im Gegenteil. So gewann die Figur des Dracula eine gewisse Bedrohlichkeit für die Zuschauer, die ein falscher Satz zur ebenso falschen Zeit sicherlich wie ein Kartenhaus hätte zusammenfallen lassen. Andererseits zeigt Christopher Lee hier aber auch sehr eindrucksvoll seine schauspielerische Präsenz, indem  er auch ohne irgendwelche Dialoge eine Szene jederzeit zu dominieren wusste.

Leider hapert es bei der Fortsetzung zum Film DRACULA, die ja eben ziemlich lange gebraucht hatte um umgesetzt zu werden, gleich am Anfang. Denn in den ersten wohl 30 Minuten tut sich eigentlich nicht wirklich viel, zumal erst danach Dracula auch selbst auf den Plan tritt. Die Idee mit dem ausbluten eines Opfers dürfte aber eventuell sogar eine kleine Vorlage für eine Szene in dem Horrorfilm HOSTEL 2 (2007) seitens Eli Roth geliefert haben. Denn auch dort hängt man recht ähnlich eine junge Frau kopfüber auf (hier dann gespielt von der Schauspielerin Heather Matarazzo, die man auch aus dem Film IM AUFTRAG DES TEUFELS aus dem Jahr 1997 her kennen dürfte) um sie dann langsam über einer anderen nackten wie auch mörderischen Frau in einer Art Wanne genüßlich ausbluten zu lassen.

Gesamt betrachtet ist der Film BLUT FÜR DRACULA allerdings wirklich kein schlechter Beitrag seitens Hammer gewesen. Es fehlt zwar irgendwie ein zweiter markanter Darsteller wie Peter Cushing als Gegenspieler Dr. Van Helsing, den der Schauspieler Andrew Keir (CLEOPATRA/1963 oder DAS GRÜNE BLUT DER DÄMONEN/1967) hier als Shandor und Vorsteher eines Klosters nun wirklich nicht gleichwertig ersetzen konnte. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass Keir seine Rolle als wehrhafter Abt etwa schlecht gespielt hätte. Ganz und garnicht. Aber es fehlt Andrew Keir eben irgendwie doch diese Präsenz und das starke Charisma eines Peter Cushing als Gegenspieler des Grafen aller Vampire, auch wenn Cushing hier in der Eröffnungssequenz zu sehen ist, die wie gesagt aber aus dem Film DRACULA von 1958 stammt. Bei den Dreharbeiten zu BLUT FÜR DRACULA war Cushing jedenfalls zu keinem Zeitpunkt beteiligt gewesen. Das merkt man sogar recht deutlich noch eher, wenn man sich mal hintereinander die betreffenden Filme DRACULA von 1958 und BLUT FÜR DRACULA von 1966 gleich hintereinander an einem schönen Filmabend reinzieht.

Blut für DraculaEine Empfehlung kann ich jedenfalls für den Film BLUT FÜR DRACULA durchaus jederzeit abgeben, ohne dabei schamhaft die Gesichtsfarbe wechseln zu müssen. Und für Nostalgiker dürfte dieser zweite Dracula-Film mit Christopher Lee seitens Hammer eh schon irgendwie zum Pflichtprogramm gehören. Und bei der mir vorliegenden 2-Disc-Blu-ray hapert es auch nicht an der recht hohen Bildqualität und einer ebenso recht positiv gebotenen Tonqualität. Auch das Bonusmaterial auf beiden BD-Scheiben ist nicht zu verachten. Denn neben den verschiedenen Audiokommentaren kommen auch so einige Darstellerinnen und Darsteller des Films zu Wort, es gibt zudem noch eine Super-8-Fassung zu bestaunen oder ein Comic zum Film und vieles mehr. Die 2-Disc-Blu-ray von BLUT FÜR DRACULA bietet auf Disc 1 dann die angegebene britische Fassung und auf Disc 2 die US-Fassung. Das kompakte Gruselpaket wird dann auch seitens Anolis Entertainment präsentiert und kommt auch mit einer familienfreundlichen Altersfreigabe ab 12 Jahre daher.

Was mich allerdings etwas stutzig macht sind die Preisvorgaben für diesen Film. Denn die 2-Disc-Blu-ray bekommt man z.B. über Amazon bereits für 26,95 Euro. Als DVD-Version wird man allerdings schon mit einem Phantasiepreis von 97,46 Euro knallhart zu Boden gestreckt. Und bei der Gebrauchtware fängt man da ebenfalls bereits mit 61,99 Euro an zu rechnen. Und als Neuware kommen dann von anderen Anbietern sogar noch Preisvorstellungen von bis 99.99 Euro an die Pinwand der kleinen finanziellen Unverschämtheiten. Das Zauberwort für solche Preisvorstellungen heißt hier jedenfalls mal wieder "Limited Edition", auch wenn man sich bei solchen Preisvorstellungen so ziemlich alles, nur eben nicht wirklich verzaubert vorkommen dürfte. Wer also schlau ist, der greift hier gleich bei der 2-Disc-Blu-ray unter 30 Euro zu, die preislich eben noch in einem normalen Rahmen für Sterbliche daherkommt.

Blut für DraculaBlut für Dracula
(Dracula - Prince of Darkness)
mit Christopher Lee, Charles Tingwell, Francis Matthews, Barbara Shelley, Suzan Farmer, Andrew Keir, Thorley Walters, Philip Latham u.a.
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Jimmy Sangster, John Sansom
Produktion: Anthony Nelson Keys (namentlich für Hammer-Productions)
Musik: James Bernard
Genre: Horror
Laufzeit: 90 Minuten (BD/2-Disc-Edition/Britische & US Fassung)
DVD/FSK: 12 Jahre
Extras: Audiokommentare, Behind the Scenes, World of Hammer, Bildergalerie, Comic, Super-8-Fassung u.m.
Vertrieb: Anolis Entertainment
Großbritannien 1966

Kommentare  

#1 Friedhelm 2021-05-05 18:18
Zitat:
Das es mit der Fortsetzung so lange gedauert hatte, soll allerdings wohl ebenfalls an Christopher Lee gelegen haben, der sich direkt nach dem Film DRACULA von 1958 erst einmal standhaft geweigert haben soll, den Umhang des Vampir wieder für eine weitere Verfilmung um die Schultern zu werfen
Lee hat ja in einigen Interviews eigentlich immer bedauert, dass er den Grafen nie so darstellen konnte wie Bram Stoker ihn beschrieben hat. Für seine Abneigung, die Rolle auch weiterhin zu spielen, machte er die mauen Drehbüchern verantwortlich – und nannte rein finanzielle Gründe dafür, dass er sich eben doch umstimmen ließ. Seiner Meinung nach hätten die Verantwortlichen bei „Hammer“ auch nie das Potential in Stokers Roman richtig erkannt.

Zitat:
Viel eher stellte sich da die Frage, warum Graf Dracula in bzw. ab diesem Film in eine zumeist völlig schweigende Rolle abgeglitten ist.
Laut dem verstorbenen, charismatischen Mimen enthielt „Blut für Dracula“(Arbeitstitel: "Dracula III") anfänglich sogar sehr viel Dialog . Jimmy Sangster, so Lees Vermutung, habe nach seiner Verweigerung, diesen zu sprechen wohl auch nicht mehr gewusst, was das untote Blaublut überhaupt noch sagen sollte. Dass er Charles und Diana im Schloss dann nur noch anfaucht, lässt den Vampir –meiner Meinung nach- allerdings eher unfreiwillig komisch wirken. Christopher Lees „Dracula “ wirkt immer dann richtig bedrohlich, wenn er seinen Opfern/Gegnern wortlos, mit gebieterischer Geste und zuweilen blutunterlaufenen Augen an die Halsschlagader will. Letztendlich war die Entscheidung, ihn dann eben nicht sprechen zu lassen schon sehr konsequent. Im ersten Film, aus dem Jahre 1958, hat er ja auch nur in den gemeinsamen Szenen mit Harker einen Dialog. Den restlichen Plot sagt er gar nichts und erzielt alleine durch seine bloße Präsenz eine entsprechende Wirkung.
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#2 Laurin 2021-05-05 20:09
Zitat Friedhelm:
" Seiner Meinung nach hätten die Verantwortlichen bei „Hammer“ auch nie das Potential in Stokers Roman richtig erkannt. "

Nun ja, dafür das ich in meinem Leben genau diesen Roman mindestens 4 mal angefangen und dann aber irgendwann auch wieder abgebrochen hatte, zeugte bei mir auch nicht gerade von einem hohen Potential. Aber gut, Lee liebte wohl eher die Idee, den Roman von Stoker 1 zu 1 umsetzen zu können.

Zitat:
" Christopher Lees „Dracula “ wirkt immer dann richtig bedrohlich, wenn er seinen Opfern/Gegnern wortlos, mit gebieterischer Geste und zuweilen blutunterlaufenen Augen an die Halsschlagader will. Letztendlich war die Entscheidung, ihn dann eben nicht sprechen zu lassen schon sehr konsequent."

Diese konsequente Haltung stand wie du ja selbst sagst, der Figur des Dracula gut zu Gesicht. Es ist aber auch immer die Frage im Raum, passt da der Dialog auch wirkich, oder macht er die Szene gar zur Farce? Bei letzterem ist eben nur noch schwer wieder etwas gut zu machen. Von daher war es schon ganz gut die Dialoge lieber gleich wegzulassen und Lees bedrohliche Präsenz in den Vordergrund zu rücken.
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#3 Friedhelm 2021-05-05 23:06
Also ich mag den Roman, aber das liegt evtl. an meiner zuweilen etwas altmodisch nostaligischen "Seele.". Man muss sich auf den Erzählstil dieser Geschichte allerdings auch richtig einlassen können, um daran Gefallen zu finden. Und jemand wie Christopher Lee, der unter anderem als sehr belesener "Geist" bekannt war, hatte zu einem solchen Klassiker wahrscheinlich auch den "Zugang", um das erwähnte Potential zu erkennen.

Zitat:
Es ist aber auch immer die Frage im Raum, passt da der Dialog auch wirkich, oder macht er die Szene gar zur Farce?
Naja, was hätte Dracula in besagter Szene auch sagen sollen - ohne dass es lächerlich rübergekommen wäre? Ich meine, das ist der "Herr aller Vampire" (wie uns eine Stimme aus dem Off zuvor, in "Dracula und seine Bräute, 1960", am Anfang so schön erklärt hat )....Charles und Diana sind potentielle Opfer....
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#4 Laurin 2021-05-06 10:34
Nun ja, da hat was den Roman DRACULA angeht meine "nostalgische Seele" doch wohl ihre Grenzen gefunden gehabt. Jedenfalls statt eines gewissen "Zugangs" hatte ich stets einen vorzeitigen "Ausgang" hinsichtlich dieses Klassikers gefunden gehabt. :-*
Aber mag einfach auch eine Geschmacksfrage sein, die bei mir leider nie positiv ausgefallen ist.

Was die Dialoge angeht, da fällt mir (weil vor kurzem noch mal gesehen) der Film DRACULA mit Bela Lugosi wieder ein. Der hatte ja einige Dialoge und zu Beginn wohl auch den längsten mit den "Kindern der Nacht". Aber diese Szenen waren eher unverfänglich, also wo man wenig hätte kaputt machen können. Wenn es hier aber konkret um seine weibliche wie blutige Mahlzeit ging, wurde auch er recht schnell extrem wortkarg. :D
Man könnte also auch sagen, das Schweigen wurde bei Christopher Lee dann in deser Rolle auf eine etwas höhere Ebene gebracht. ;-)
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#5 Friedhelm 2021-05-06 12:58
Zitat:
Nun ja, da hat was den Roman DRACULA angeht meine "nostalgische Seele" doch wohl ihre Grenzen gefunden gehabt. Jedenfalls statt eines gewissen "Zugangs" hatte ich stets einen vorzeitigen "Ausgang" hinsichtlich dieses Klassikers gefunden gehabt
Okay, ist ja nicht jeder so drauf wie ich - Bram Stokers Roman muss man natürlich im Kontext seiner Entstehungszeit sehen. Selbiges gilt ja auch für Mary Shelley und ihren "Frankenstein".
Ich besitze davon eine übersetzte Fassung, die schon schwer lesbar (weil altmodisch übersetzt) ist. Aber anstatt aufzugeben, war das für mich eher eine Herausforderung. Ich denke, dabei hättest du erstmal "kräftig ins Geländer gebissen."

Wie gesagt, die beiden Romane sind "Kinder ihrer Zeit. Die Frage ist doch, was ein Leser in 200 Jahren wohl über die Geschichten eines Stephen King sagen wird.

Und was Bela Lugosi betrifft: ich habe mir vor ein paar Tagen Tod Brownings "Dracula" im Original angeschaut und fand Lugosis Akzent zwar irgendwie komisch, aber eben auch sehr passend für diese Rolle. Leider geht das in der deutschen Synchro ja völlig verloren - ein Umstand, den ich schon schade finde.

Dass er im Film soviel gesprochen ist wohl einfach darin begründet, dass Browning sich ja viel mehr auf das Theaterstück gestützt hat - was man, wie wir wissen, nur unschwer erkennen kann. Abgesehen davon, wirkt Lugosi in seinen dialoglosen Szenen eher merkwürdig denn gruselig. Er hat fast etwas "schmieriges" an sich.

Christopher Lee hingegen konnte gräflicher Spitzzahn schon sehr beängstigend sein. Allerdings muss man hier dann wieder die zeitlichen Abstände betrachten - zwischen den beiden Versionen liegen "Welten".

Es sei, wie es eben sei - ich will diese Thematik jetzt auch nicht weiter zerreden...
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#6 Mark Wolf 2021-05-06 15:21
Christopher Lee drehte 1969 mit Jess Franco eine weitere Verfilmung von Bram Stokers Roman. Sein Mitwirkung an "El Conde Dracula" (dt. Nachts, wenn Dracula erwacht") sollte an die Bedingung geknüpft sein, dass man sich an die literische Vorlage halte. Habe ihn nicht gesehen, aber der berühmt-berüchtigte Regisseur und die Besetzung mit Herbert Lom und Klaus Kinski klingen interessant, zumindest teilweise soll er sich näher der literarischen Vorlage orientieren: de.wikipedia.org/wiki/Nachts,_wenn_Dracula_erwacht
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#7 Friedhelm 2021-05-06 20:31
Mark Wolf: man kann Jess Francos Version
zwar mit etwas gutem Willen als Versuch ansehen, den Roman adequat zu verfilmen, aber mehr als ein Versuch ist dabei eben auch nicht herausgekommen. Es stimmt zwar, dass er sich teilweise an die Vorlage hielt, aber ansonsten nichts weiter als einen verunglückten Trashfilm zustande brachte.

Christopher Lee selber war über seine Entscheidung,, für Franco den Dracula zu spielen, im nachhinein nicht glücklich. Unter anderem monierte den übermäßigen Einsatz von Kamera-Zooms und die schlampige "Amerikanische Nacht" (Nachszenen, die bei Tagelicht mit Filter aufgenommen wurden...), bei denen zumindest der Schatten der englischen Horrorikone gut sichtbar war.

Klaus Kinski soll übrigens gar nicht gewusst haben, dass er in einem Dracula-Film mitspielt.

Mittlerweile habe ich den Film schon einige Male auf DVD gesehen - weil ich halt auch Trashfilm-Fan bin.
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#8 Mark Wolf 2021-05-07 02:33
Ja, so ähnlich hatte ich mir das auch vorgestelllt. Die schlampigen "amerikanischen Nächte" wurden auffäligerweise auch im "Lexikon des Horror-Films" erwähnt. Aber vielleicht könnte es auf der Ebene Trashfilm ganz nett anzuschauen sein.
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#9 Laurin 2021-05-07 09:50
Nun ja, @Mark Wolf und @Friedhelm, ich mag ja so manches Filmchen von Jess Franco doch recht gerne (er hat so eine ganz eigene Art Trash zu produzieren), aber das gerade er recht nahe an die Vorlage von Bram Stokers DRACULA den besagten Film hinbekommt, wäre wohl glatt ein neues Weltwunder gewesen. Scheinbar hatte sich Christopher Lee da auch nicht im Vorfeld ordentlich informiert, sonst hätte er gewusst, dass das in seinem Sinne nie was werden kann.
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#10 Friedhelm 2021-05-07 13:15
Mark Wolf: wie bereits erwähnt, habe ich den Film ja schon öfter gesehen. Als Trashfan tut man sich so etwas zuweilen gerne mal an. Die verkorksten Nachtszenen sind mir gleich beim ersten Mal "ins Auge gesprungen." Da dachte ich allerdings tatsächlich noch, dass diese Szenen am Tage spielen sollten. Wie man ja aus Stokers Roman weiss, konnte das Tageslicht den Vampir dort nur schwächen, aber nicht töten. In "Hammers" erstem "Dracula-Film" wurde die Regeln des Vampirfilms sozusagen neu aufgestellt.

In der Tat lässt sich so ein Jess-Franco-Trasher abends, mit einer Tüte Chips und Flasch Bier ganz gut aushalten.

Zitat:
aber das gerade er recht nahe an die Vorlage von Bram Stokers DRACULA den besagten Film hinbekommt, wäre wohl glatt ein neues Weltwunder gewesen.
Lieber Konrad, ich habe ja auch von einem (eher misslungenen) Versuch geschrieben - und dass er sich teilweise an die Vorlage hielt - kleiner Unterschied zu "recht nahe..." :P

Wie bei Stoker reist Harker zum Schloss des Grafen (zuerst per Zug, dann mit Kutsche..) - in dieser Hinsicht sind sogar die Wölfe drin, die "Harkers Kutsche" verfolgen, ebenso wie eine kurze Sequenz, in der Dracula über seine Vorfahren spricht.

Die weitere Handlung folgt dem Roman in groben Zügen, aber eben doch eher holprig. In der Tat kommt Jess Franco mit seinem "Dracula" kaum über eigenwilliges B-Niveau (wenn nicht sogar C..)hinaus; dabei nervt nicht nur seine Vorliebe für unsinnige Zoom-Effekte, Franco hat die Geschichte mit seiner Erzählweise praktisch auf banale Weise zerstört. Die Charaktere agieren überaus hölzern und Draculas Ende wurde auf unsagbar dämliche Weise in Szene gesetzt. :cry:

Dennoch kann dem längst verstorbenen Jess FRanco ein gewisser, guter Wille nicht abgesprochen werden. Zumindest ist Bram Stokers Geschichte immer noch erkennbar - wenigstens etwas, gelle. ;-)

Zitat:
Scheinbar hatte sich Christopher Lee da auch nicht im Vorfeld ordentlich informiert, sonst hätte er gewusst, dass das in seinem Sinne nie was werden kann.
Sehr gut möglich - immerhin kannte er Franco ja bereits durch seine Zusammenarbeit in "Der Hexentöter von Blackmoor", aus dem Jahre 1969.
Da hätte er eigentlich wissen müssen, was ihn erwartet. Kann aber auch sein, dass er sich von der Vorstellung zu sehr blenden liess, den Grafen endlich in einer adequaten Filmversion spielen zu dürfen. :-*

Diese einfach mal dazu... :-*
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#11 Laurin 2021-05-07 16:01
"Zitat Laurin: aber das gerade er recht nahe an die Vorlage von Bram Stokers DRACULA den besagten Film hinbekommt, wäre wohl glatt ein neues Weltwunder gewesen.
--------------------------------------------------------------------------
Lieber Konrad, ich habe ja auch von einem (eher misslungenen) Versuch geschrieben - und dass er sich teilweise an die Vorlage hielt - kleiner Unterschied zu "recht nahe..." :P
"

@Friedhelm:
Dabei war mein Satz eigentlich nicht mal auf deine Aussage hin gemünzt, sondern schlicht eine allgemeine Feststellung, dass das mit Franco und einer werksgetreuen Wiedergabe nie was geworden wäre, und wenn, dann wäre es wohl wirklich ein neues Weltwunder gewesen. :lol:
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#12 Friedhelm 2021-05-07 19:06
@Laurin: nachdem ich deinen Kommentar nochmals gelesen habe, fällt mir das auch auf.

Stelle fest: ich werde im Alter immer schwerfälliger. Hätte mich rechtzeitig ein Vampir gebissen, (so, in den Zwanzigern vielleicht..), wäre ich "foreever young.." geblieben. Tagsüber würde ich in meinem geräumigen Sarg schnarchen - und abend als Nachtwächter arbeiten. Keine Probleme, ein sorgloses "Leben" als Untoter - naja, vielleicht bis auf die Sache mit dem Sonnenaufgang.

Nu aber Schluss mit dem Unsinn - ich würde doch niemals als Nachtwächter arbeiten wollen.. :-* ;-) :lol:
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