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Eine bisweilen auch lustige Horror-Filmanthologie - »Katzenauge«

KatzenaugeEine bisweilen auch lustige Horror-Filmanthologie
»Katzenauge«

Das man nun wirklich nicht alle Kurzgeschichten auf Spielfilmlänge aufblasen sollte, dürfte dem geneigten Filmfreund durchaus geläufig sein. Denn so etwas kann funktionieren, in nicht wenigen Fällen kann so etwas aber auch ordentlich nach hinten losgehen, wenn der Geschichte dafür nämlich die nötige Substanz fehlt. Nutzt man aber diverse Kurzgeschichten für einen entsprechenden Episodenfilm, dann kann das auch mal recht lustig sein, auch wenn man den Film allgemein zum Bereich Horror zählt.

Denn genau das hat man hier ja getan. Allerdings würde ich persönlich und ohne dies jetzt hier irgendwie negativ zu meinen, wirklich nicht so ernst betrachten. Da würde mir die Bezeichung Fantasy-Filmanthologie oder Episodenfilm der Phantastik eher passend erscheinen. Aber der Film KATZENAUGE (Originaltitel: CAT'S EYE/1985) erhielt wohl natürlich auch das Prädikat "Horror" weil es sich hier ja um zuerst literarisch veröffentlichte und dann verfilmte Kurzgeschichten (zwei an der Zahl!) aus der Feder von Stephen King handelt, der ja auch irgendwie als literarischer Meister des Schreckens bekannt ist.

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Etwas lustiges, etwas spannendes und was neues:
Wer den Episodenfilm KATZENAUGE kennt, der dürfte vielleicht geneigt sein, mich oben nun des flunkerns überführt zu haben da ich in Klammern behaupte, es wären nur zwei Kurzgeschichten von Stephen King zu sehen. Dabei sind es jedoch insgesamt drei verfilmte Geschichten von King. Nun, das ist auch richtig, jedoch handelt es sich hier wirklich eben nur um zwei Kurzgeschichten von Stephen King, die auch eine vorherige literarische Veröffentlichung genossen hatten. Hierbei handelt es sich genauer gesagt um die Kurzgeschichten QUITTERS, INC sowie DER MAUERVORSPRUNG. Die dritte Geschichte können wir hier locker unter dem Titel DER GENERAL laufen lassen, denn den Titel hat diese Geschichte ja für den Film schließlich von Stephen King erhalten. Die Geschichte DER GENERAL wurde seitens Stephen King nun wirklich sehr speziell für den Film CAT'S EYE geschrieben und so lässt sie sich eben auch in keiner entsprechenden literarischen Anthologie von Kurzgeschichten bzw. einem entsprechenden Magazin finden, welches durchaus gerne mal eine Kurzgeschichte von Stephen King veröffentlichen würde.

Was wir bei den Kurzgeschichten (beide nachzulesen in der Kurzgeschichtensammlung NACHTSCHICHT von Stephen King/Verlag Bastei-Lübbe) auch nicht vorfinden werden, ist eine Katze, die uns allerdings dafür im Film von einer Episode zur nächsten geleitet und in der letzten Geschichte um das Mädchen Amanda sogar zum eigentlich heldenhaften Retter wird, den das Mädchen ja auch bereits im Vorfeld liebevoll "General" getauft hatte. Dabei hatte Stephen King natürlich selbst (Drehbuch), aber auch Lewis Teague (Regie) sowie Dino De Laurentiis (Produktion gemeinsam mit Martha Schumacher) nicht daran gespart, auch noch so einige andere Hinweise auf Bücher bzw. Verfilmungen von Romanen seitens Stephen King gleich optisch mit einzubauen. Das hatte den Zuschauer nämlich auch damals schon geradezu dazu eingeladen, hier stets die Augen offen zu halten um die hier verstreuten Hinweise von Romanen und Romanverflimungen hinsichtlich des Autors Stephen King zu finden.

KatzenaugeSo taucht dann auch der teuflisch-böse Wagen (ein 1958er Plymouth Fury) auf, den man natürlich auch aus CHRISTINE (Roman wie auch Film 1983) her recht gut kennen dürfte. Für die Regie und teilweise auch die Filmmusik war da übrigens kein geringerer als John Carpenter zutändig gewesen, der Roman selbst stammt natürlich von Stephen King (wem sonst!). Unsere Katze befindet sich hierbei übrigens zu Beginn von KATZENAUGE gerade auf der Flucht vor dem blutrünstigen Bernhardiner aus einem weiteren Roman von Stephen King (CUJO/1981). Allerdings haben weder der Wagen (CHRISTINE) noch der Hund (CUJO) wirklich etwas mit den gebotenen Geschichten zu tun. CUJO wurde übrigens 1983 ebenfalls von Regisseur Lewis Teague verfilmt, der dann auch 1985 bei KATZENAUGE im Regiestuhl saß. Ebenfalls auffällig läuft an anderer Stelle bei KATZENAUGE in einem Fernseher gerade der Film DEAD ZONE nach einer Geschichte von Stephen King (Roman 1979, Verfilmung 1983). Ein weiterer lustiger Hinweis auf Stephen King im Film finden wir dann z.B. noch in eben der letzten Geschichte mit dem Titel DER GENERAL, wo die Mutter von Amanda im Bett den Stephen-King-Roman PET SEMATARY (deut. Titel: FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE) aus dem Jahre 1983 liest (die Originalverfilmung erfolgte hier allerdings erst 1989).

Das ich so ein wenig Probleme damit habe KATZENAUGE als Horror-Anthologiefilm anzusehen, liegt dabei nicht etwa daran, dass es hier nicht auch um Grausamkeiten sowie Mord und Totschlag mit einem gesamt betrachtet eher wenig ausufernden Ansatz der Phantastik gehen würde. Gesamt betrachtet jedoch sind alle drei Beiträge weniger gute Beispiele für filmisch eher düstere Geschichten mit einem Gänsehauteffekt, bei denen man sich auch hübsch gruseln könnte. Dafür machen die einzelnen Episoden einschließlich der verbindenden Handlung mit der Katze allerdings wirklich Spaß auf einer zugegeben recht schwarzhumorigen Ebene. Schauen wir uns also einfach mal diese drei Episoden etwas genauer an, die seitens der Katze dann zusammengefügt werden.

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Quitters, Inc:
Dick Morrison möchte endlich mal mit dem Qualmen aufhören, nur leider greift er nur zu gerne immer mal wieder zu einem Päckchen mit den Zigaretten ... oder sind es doch heimliche Sargnägel? Deshalb bringt ihn ein Freund gleich mal in das Institut eines Dr. Vinnie Donatti, der so ganz eigene Arten aufweist, um Raucher zu ihrem Glück zu zwingen. Dabei sind Stromfolter oder Vergewaltigung nicht gerade die nettesten Methoden, allerdings wohl in den Augen von Donatti dafür die effektivsten. Für Dick und seine Ehefrau wird dessen Wunsch nach einer rauchfreien Zukunft jedenfalls zu einem recht bizarren wie gefährlichem Trip.

Wie das mit der Stromfolter und einer unfreiwillig tanzenden Ehefrau abläuft, muss in der Verfilmung unsere Katze vorführen, welche in der Kurzgeschichte von Stephnen King jedoch nicht vorkommt (wie natürlich auch in der folgenden Kurzgeschichte DER MAUERVORSPRUNG). Gegenüber der Kurzgeschichte ist allerdings die Änderung des Anfangs auch so in der Verfilmung recht auffällig, da Dick hier ja direkt bei Quitters, Inc abgesetzt wird, was in der Kurzgeschichte ebenfalls so nicht direkt vorkommt. Ein weiterer recht auffälliger Punkt besteht darin, dass Dick und seine Frau in der Verfilmung ein kleines geistig behindertes Mädchen haben, welches auf eine entsprechend speziell ausgerichtete Schule geht. In der Kurzgeschichte jedoch haben die Morrisons einen geistig behinderten Jungen. Auch wundert es ein wenig, dass auch die Kurzgeschichte in der Kurzgeschichtensammlung NACHTSCHICHT selbst QUITTERS, INC heißt, Donattis seltsames Institut aber in der Kurzgeschichte dann seltsamer Weise als "Nonfumo-Gesellschaft" bezeichnet wird. In dem Episodenfilm wiederum sieht man überall als Werbung den Namen "Quitters, Inc" in großen Buchstaben an den Wänden, allerdings taucht hier nie die Bezeichnung als Nonfumo-Gesellschaft" tragend auf.

Die Kurzgeschichte selbst liest sich übrigens recht flockig und locker von der Hand, weist allerdings kaum wirkliche Höhen auf, so das wohl eigentlich diese Kurzgeschichte auch recht schnell wieder in Vergessenheit geraten könnte, würde man eben die mitunter etwas bizarre Verfilmung aus KATZENAUGE nicht kennen. Die wartet nämlich wirklich recht ansprechend auf, kann mit den Darstellern optimal punkten und besitzt einen mitunter recht skurrilen bis eben bizarren Verlauf, welcher mit einem gehörigen wie aber auch gelungenen Schuss schwarzem Humor gepaart ist, den man dann allerdings nicht so schnell vergisst. Das aus dem behinderten Jungen aus der Kurzgeschichte in der Verfilmung eine behinderte Tochter wurde, mag eventuell den Kosten geschuldet sein bzw. dem Umstand, dass man mit der kleinen Drew Barrymore (E.T. - DER AUSSERIRDISCHE/1982 oder DER FEUERTEUFEL/1984 nach einem Roman von Stephen King) in allen Episoden auch gleich mal die kindlichen Rollen abdecken konnte. Gesamt betrachtet kann ich hier also sagen, dass wo die Kurzgeschichte von King eher schwächelt, da kann die entsprechende Filmepisode in KATZENAUGE wirklich auffallen ansprechend punkten.

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Der Mauervorsprung:
Cressner ist ein recht dubioser Geschäftsmann dessen Geschäfte wohl auch oft nicht ganz der gesetzlichen Legalität entsprechen dürften. Und Cressner liebt es zu allem Wetten abzuschließen. So auch als unsere Katze "Der General" eine stark befahrene Straße überqueren will. Dabei wettet Cressner, dass sie überlebt und gewinnt. Danach nimmt er sie aus einer gewissen Dankbarkeit heraus mit, denn zu Hause muss schließlich noch ein recht übles Verbrechen in die Tat umgesetzt werden. Der Tennisspieler Johnny Norris hat nämlich eine Affäre mit Cressners Ehefrau und die will ihn eben mit Norris verlassen. Doch Cressner schnappt sich Norris und zwingt ihn zu einer brisanten Wette. Gewinnt Norris, bekommt er von Cressner nicht nur dessen Ehefrau, sondern auch eine Menge Geld oben drauf. Lässt Norris sich aber nicht auf die Wette ein, dann alamiert Cressner die Polizei, die in Norris Wagen die dort von Cressners Helfern deponierten Drogen vorfinden, welche Norris dann mit Sicherheit für viele Jahre in den Knast bringen würden (in der Kurzgeschichte übrigens 40 Jahre). Norris kann die Wette aber nur gewinnen, wenn er in schwindelnder Höhe einmal das Hochhaus auf einem Mauervorsprung umrundet ohne in den sicheren Tod zu stürzen. Erschwerend dürfte nicht nur eine Taube für Norris werden, sondern auch der Umstand, das Cressner gerne Wetten abschließt, aber dafür am Ende auch ein sehr schlechter Verlierer sein kann.

Nun, in der Verfilmung der Episode kommt wieder unsere Katze ins Spiel, während in der Kurzgeschichte selbst sich Norris und Cressner gleich in der Wohnung gegenübersitzen, wo letzterer die mehr als gefährliche Wette erzwingt. Auch hier flacht allerdings die Kurzgeschichte merklich von der Verfilmung ab. So wird Norris in der Geschichte von Cressner zwar gesagt, dass er seine untreue Ehefrau bereits im Vorfeld ermorden gelassen hat. Einen direkten Beweis gibt es in der Kurzgeschichte allerdings für Norris so nicht. In der Verfilmung ist dies etwas anders, da hier Cressner Norris mit dem abgetrennten Kopf seiner ermordeten Ehefrau in einer Tasche konfrontiert. Auch geht Norris am Ende davon aus, dass Cressner tödlich abgestürzt sein muss, sofern es ihm nicht doch (eventuell) gelungen sein sollte, vom Mauervorsprung in die gegenüberliegende leerstehende Wohnung einzusteigen und sich dort zu verstecken, was Norris dann doch noch nachprüfen will. Der Leser bleibt bei der Kurzgeschichte am Ende daher eher im Ungewissen, da Cressner hier zumindest eine mögliche Option zum überleben offen bleibt. Norris bezweifelt jedoch, ob Cressner es überhaupt auf dem knappen Mauervorsprung bis dahin lebend schafft. In der Verfilmung wiederum stürzt Cressner ab und wird so offensichtlich selbst Opfer seiner sadistischen Wette mit Norris.

Nun lässt sich auch hier sagen, dass die Kurzgeschichte sich leicht von der Hand lesen lässt (was bei nur 21 Seiten auch nicht unbedingt schwer sein dürfte) und eine gewisse - aber irgendwie auch als zu leicht empfundene - Spannung aufzuweisen hat. Und auch hier kann die filmische Umsetzung in KATZENAUGE wieder wesentlich stärker in ihrem Handlungsverlauf und auch durch die guten Darsteller punkten. Die Kurzgeschichte schwächelt da zu Recht, denn der Effekt, dass ein ausgewachsener Mann sich an der Außenwand eines Hochhauses entlang bewegen muss, während er sich nur auf einem gerade mal 25 cm breiten Mauervorsprung bewegen kann, wirkt mit den passenden Bildern natürlich wesentlich eindringlicher als in einer reinen Beschreibung die nur zu leicht auch bald langweilen kann, wenn man hier eben über eine gewisse gebotene Länge der Beschreibung hinaus geht. Das auch hier die Verfilmung die wesentlich besseren Karten hat, liegt aber nicht nur an den eindringlichen Bildern über eine Person auf so einem Mauervorsprung in dieser enormen Höhe, sondern auch an der einzigartigen Darstellung des sadistischen Charakter seitens Cressner durch den Schauspieler Kenneth McMillan. Beide Kurzgeschichten von Stephen King kommen zudem übrigens auch in der Verfilmung bisher ohne wirkliche Elemente der Phantastik aus. Dies ändert sich allerdings im dritten Beitrag, den Stephen King alleinigst für diese Verfilmung eigenhändig ins Drehbuch schrieb.

KatzenaugeDer General:
Nun, auch hier konnte unsere Katze ja mit etwas Glück noch mal entkommen. Doch schon recht bald hat sie wieder die Visionen des Mädchens Amanda, die ihn um Hilfe gegen ein übles Monster anfleht. Und so macht sich die Katze auf den Weg und gelangt so nun endlich direkt zu Amanda und ihren Eltern, die ein hübsches Haus im Grünen haben. Die Sache hat nur einen Haken, Amandas Mutter ist nicht wirklich gut auf Katzen zu sprechen, zumal Amanda, welche die Katze gleich "General" tauft und natürlich auch behalten will, noch in ihrem Zimmer einen Wellensittich als Haustier beherbergt. Das dann Amandas Vater auch noch scherzhaft behauptet, ihre Mutter würde daran glauben, das Katzen den Kindern den Atem stehlen, mischt die Karten wahrlich auch nicht besser für das Mädchen und "ihrem" General. Das Amanda möchte, das General bei ihr im Schlafzimmer übernachtet, hat allerdings auch noch einen anderen Grund. Denn er soll ihre bösen Träume verscheuchen, in denen in der Wand ein Monster haust, welches ihr in der Nacht wenn sie schläft nach dem noch recht jungen Leben trachtet. Als dann auch noch Amandas Mutter General in ein Tierheim verfrachtet, wo die Katze dann auch noch eingeschläfert werden soll, spitzt sich die Gefahr für das Mädchen zu, denn das Monster existiert nicht nur, wie ihre Eltern bisher glauben, in ihren Träumen. Vielmehr ist es ein übler kleiner Kobold der nicht nur gleich ihren Wellensittich getötet hat, was dann der Katze in die Pfoten ... äh ... Schuhe geschoben wird, sondern sich nun auch von ihrem kindlichen Atem ernähren will, wobei sie im Schlaf allerdings daran ebenfalls ersticken würde. Doch so leicht gibt der General nicht auf, wenn es um die Rettung seiner kleinen Freundin vor einem ebenso niederträchtigen wie gefährlichen Kobold geht.

KatzenaugeKeine homoge aber abwechslungsreiche Zusammenstellung:
Nun, kann eine dieser Geschichten dem Zuschauer eine Gänsehaut verpassen? Das wohl kaum. Ist eine Geschichte so spannend, dass man sich dabei vor Angst selbst sogar die Fußnägel abkaut? Nun wirklich nicht, es sei denn man kaut sich die Nägel ab weil man schlicht eine Hungerpanik hat. Was reizt denn dann eigentlich so positiv an dieser filmischen Athologie unter dem Titel KATZENAUGE?

Zuerst wäre da mal der fasst schon geniale schwarze Humor bei QUITTERS, INC, der den Zuschauer durchaus an den Bildschirm fesseln kann. Hinzu kommen da dann noch so kleine Helferlein wie talentierte Schauspielerinnen und Schauspieler, welchen dieses bald sogar recht bizarre Spiel sichtlichen Spaß bereitet. Und damit kann die Verfilmung hier auch wesentlich stärker punkten als eben die Kurzgeschichte von Stephen King selbst. Nun muss man natürlich auch sagen, dass King selbst hier durch die Arbeit am Drehbuch seine Kurzgeschichten wie QUITTERS, INC oder DER MAUERVORSPRUNG nochmals sehr intensiv veredeln konnte. Das verändert aber eine Kurzgeschichte nicht nachträglich positiver, auf der die Verfilmung hier ja eigentlich beruht. Jedoch bietet sie in der filmischen Bildsprache wiederum diverse Möglichkeiten die in der jeweiligen Kurzgeschichte so eben nicht vorhanden sind.

Gleiches trifft auch eben für die Kurzgeschichte und die Verfilmung von DER MAUERVORSPRUNG zu. Auch hier isst das Auge bei der Verfilmung nur zu gerne und entsprechend kräftig mit, während die reine Kurzgeschichte leider beim lesen sogar einen leicht faden Geschmack entwickeln kann.

Da ich nun auch so einige Kurzgeschichten von Stephnen King kenne, weiß ich auch, das King immer dann wirklich zu einer gewissen Hochform aufläuft, wenn er wie z.B. bei der Novelle DIE LEICHE in der Anzahl der Seiten die dreistellige Marke überschreiten kann. King benötigt nämlich einen gewissen Freiraum um seine Geschichten  sich wirklich entfalten lassen zu können. Diesen Freiraum bieten natürlich Kurzgeschichten von nur zwanzig bis dreißig Seiten nicht wirklich, weshalb man sich hier eben auch nur auf das wirklich Wesentliche konzentrieren kann und quasi auch muss. Dabei sind seine Kurzgeschichten nun in der Regel jetzt allerdings nicht als schlecht zu bezeichnen, aber anhand solcher Verfilmungen kann man erst wirklich erkennen, was man aus solchen kurzen Geschichten mitunter auch optisch noch alles rausholen kann. Und dann gibt es wieder Kurzgeschichten wie etwa Kings KINDER DES MAIS (ebenfalls aus der Kurzgeschichtensammlung NACHTSCHICHT vom Verlag Bastei-Lübbe), wo es bisher nicht wirklich etwas gebracht hatte, die Geschichte filmisch entsprechend an Handlung noch aufblasen zu wollen.  Da funktioniert scheinbar Kings eigene Kurzgeschichte als Lektüre recht gut, während sie filmisch umgesetzt allerdings oft eher frontal gegen die Wand läuft.

Und wenn sich Stephen King richtig austoben kann, so wie bei seinem Roman BRENNEN MUSS SALEM, dann hat es eine Verfilmung  plötzlich selbst wahrlich schwer, dem literarischen Werk in Sachen Spannung und Atmosphäre noch das Wasser zu reichen, wobei ich hier nun nicht behaupten will, dass die bisherigen Verfilmungen des Stoffes nun deshalb schlecht ausgefallen wären. Aber mit dem nötigen Freiraum gelingt es Stephen King eben wesentlich stärker, seine Leserinnen und Leser ganz tief in die entsprechende Geschichte eintauchen zu lassen und das eigene Kopfkino zu Höchstleistungen anzutreiben, geradeso als wären sie fasst selbst schon ein Teil der Handlung. Hingegen bei seinen knappen Kurzgeschichten bleibt man als Leser leider oft außen vor und betrachtet den kurzen Verlauf so eher aus sicherer, aber emotional auch unpersönlicher Entfernung, was sich aber auch mitunter negativ in Sachen Kopfkino auswirken kann.

Am wenigsten homogen erscheint bei den verfilmten Kurzgeschichten in KATZENAUGE gerade die extra beigesteuerte Gechichte DER GENERAL von Stephen King. Denn im Gegensatz zu den zwei anderen Episoden  der Filmanthologie tringt hier dann das phantastische Element in Form eines bösen Kobold in die Handlung ein. Dies kann man als einen Kritikpunkt für den Gesamtfilm KATZENAUGE betrachten, muss man aber eigentlich nicht wirklich. Denn mit der Episode DER GENERAL sorgte man sehr wohl für eine durchweg positive Abwechslung und bricht so auch starre Strukturen auf, welche eher sogar Gefahr laufen, einer gewissen Gewöhnung und damit der Langeweile Tür und Tor zu öffnen. Man kann dies auch mit dem Essen vergleichen. Auch da liebt man ja nach einem herzhaften Essen als Nachtisch dann meist noch ein süßes Leckerchen zum runden Abschluss. Aber mitunter kann es auch die Geschmacksnerven sehr positiv animieren, wenn man diese eingefahrene Schiene mal verlässt und statt dessen mit etwas saurem (z.B. einer Gewürzgurke oder ähnlichem) statt mit einer Süßspeise das herzhafte Mahl abrundet. Von daher haben die Macher (einschließlich eben auch Stephen King als Drehbuchautor)  also eigentlich alles richtig gemacht, denn auch die fließende Überleitung von einer Episode zur nächsten mittels einer Katze  weiß hier zu gefallen und wertet die Filmanthologie auch deshalb recht positiv auf, weil die jeweiligen verfilmten Geschichten so nicht einfach grob aneinandergereiht, sondern dann doch irgendwie wieder wie aus einem Guss wirken. Das Sahnehäubchen ist dann noch der schwarze Humor der ebenfalls wie ein roter Faden sich durch alle Episoden zieht.

Das bei der Filmanthologie KATZENAUGE indessen die Spezialeffekte nicht wirklich mehr auf der Höhe der Zeit waren, kann man hierbei allerdings auch gut verschmerzen, denn dafür sind sie trotzdem nicht schlecht umgesetzt worden und lassen sogar aus heutiger Sicht noch ein gewisses nostalgisches Flair mitschwingen.

Gesamt betrachtet ist die Bezeichung Horror also wirklich mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, denn KATZENAUGE sorgt zwar kaum für eine gruselige Stimmung, punktet aber mit einer Menge schwarzem Humor, skurriler Ideen, jeder Menge spannungsgeladener Bilder und wirklich gut ausgesuchten Darstellerinnen und Darsteller. Und um es hier genau zu sagen: Nicht nur die Katze führt durch alle drei Episodenfilme, sondern auch Drew Barrymore hat zumindest irgendeinen kleinen Auftritt in allen drei voneinander eigentlich unabhängigen Geschichten - und sei es eben nur als Vision einer niedlichen Katze.

Wirklich leider recht schwach auf der Brust ist die Blu-ray hingegen in Sachen Bonusmaterial. Die Bild- und Tonqualität ist bei der BD allerdings dafür wieder auf einem sehr ansprechenden Niveau.

Katzenauge

Stephen Kings Katzenauge
(Cat's Eye)
mit Drew Barrymore, Kenneth McMillan, Candy Clark, James Woods, Mary D'Arcy, Alan King, Robert Hays, James Rebhorn, James Naughton, Tony Munafo u.a.
Regie: Lewis Teague
Drehbuch: Stephen King
Produktion: Dino De Laurentiis, Martha Schumacher
Musik: Alan Silvestri
Genre: Horror/Thriller/Fantasy/Anthologiefilm
Laufzeit: 94 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Extras: Audiokommentar von Lewis Teague, Trailer und Bildergalerie
Vertrieb: Koch Media
USA 1985

 

Kommentare  

#1 Robert Martschinke 2021-04-17 20:21
Die einzige Stephen King-Verfilmung, in der nicht irgendwo ein Stephen King-Buch herumliegt, ein Stephen King-Filmposter herumhängt oder gerade eine Stephen King-Verfilmung in der Glotze läuft, dürfte wohl Kubricks "Shining"-Adaption sein - die Stephen King ja denn auch nicht sonderlich mochte. Bei den ganzen internen Querverweisen zwischen den "Katzenauge"-Episoden sei ansonsten der Vollständigkeit halber noch der Song "Every breath you take" von The Police erwähnt, der - wenn ich mich recht erinnere - zumindest in der ersten und der letzten Episode auftaucht, wobei der Songtext bezüglich ersterer eine erfrischend neue Bedeutung erhält ("ev´ry breath you take / ev´ry move you make / I´ll be watching you").
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