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Atmosphärisch dicht aber nicht wirklich spannend - »Gretel & Hänsel«

Gretel & HänselAtmosphärisch dicht aber nicht wirklich spannend
»Gretel & Hänsel«

Die jugendliche Gretel lebt mit ihrem kleinen Bruder Hänsel und ihrer Mutter in einer gar finsteren Epoche. Das tägliche Brot zum Leben reicht kaum für die kleine Familie aus und auch sonst bekommt man in dieser trostlosen Welt aus Armut und Hunger nichts geschenkt. Aus diesem Grund sind Gretel und ihr kleiner Bruder auch gezwungen, eine Anstellung zu finden, um zumindest halbwegs diesem Teufelskreis zu entgehen.

Gretel & Hänsel

Dabei zeigt schon die erste Anstellung für Gretel die tiefere Verkommenheit dieser Welt.

Der lüsternde alte Kerl, der ihre Dienste eventuell gerne in Anspruch zu nehmen gedenkt und dafür auch bereit ist, sie zu entlohnen, hat es allerdings eher auf ihren jungen wie reizvollen Körper abgesehen statt ihren diversen Fertigkeiten im Haushalt. Entgrüstet schlägt Gretel dessen eindeutig zweideutiges Angebot aus, was ihr und ihrem kleinen Bruder alldings auch im eigenen Heim keine Pluspunkte einbringt. Ganz im Gegenteil werden sie sogar von ihrer eigenen Mutter dafür noch postwendend und recht kaltherzig vor die Tür gesetzt.

Nun völlig auf sich allein gestellt und um irgendwo eine Arbeit und Nahrung zum Überleben zu erhalten, streifen die Geschwister bald auch durch einen dichten wie auch finsteren Wald. Dabei ist es gerade der kleine Hänsel, der aufgrund seiner kindlichen Jugend noch nicht wirklich in der Lage scheint, die ganze Tragweite ihrer bedrohlichen Situation wirklich zu erkennen. Dafür nimmt er jedoch recht bald den Geruch von warmen wie auch leckeren Speisen ganz in ihrer Nähe mit seiner empfindlichen Nase wahr.

Vor Hunger getrieben folgen die Geschwister daher diesem köstlichen Duft im Wald und geraten so recht bald an ein einsam gelegenes Haus, wo sie durch die Fenster auf dem großen Tisch eine Vielzahl der leckersten Speisen erkennen können. Und in diesem alten Haus inmitten des Waldes scheint zudem nur eine alte Frau zu leben, die sich recht einfach den Geschwistern als Holda vorstellt und sie feundlich einlädt, eine gewisse Zeit bei ihr zu verweilen und um sich an den Leckereien zu stärken.

Schon bald scheinen Gretel und Hänsel bei der alten Frau auch ein neues Heim gefunden zu haben und verrichten für die ihnen von Holda gebotene Unterkunft und den reichlichen Mahlzeiten mancherlei Arbeiten im und um das Haus herum, die wohl langsam zu schwer für die alte Frau sein dürften. Doch in den Nächten wird Gretel von seltsamen Albträumen heimgesucht und auch sonst beschleicht sie langsam immer stärker der Verdacht, dass an diesem seltsamen Ort nicht alles mit wirklich rechten Dingen zugeht.

Gretel & Hänsel

Ein Gruselfilm für ein Arthaus-Publikum:
Die klassischen Märchen wurden ja schon vor einigen Jahren bereits in Hollywood wieder neu entdeckt, um daraus möglichst phantastische, aber auch lustige bis gruselige Neuverfilmungen zu schaffen. So wurde man bald mit Filmen wie RED RIDING HOOD - UNTER DEM WOLFSMOND (deut. Titel/2011/USA, Kanada) oder ein Jahr später etwa mit SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN (2012/USA) in die Märchenwelt versetzt, von dem dann 2016 eine eher leidliche Fortsetzung unter dem Titel THE HUNTSMAN & THE ICE QUEEN (Originaltitel - THE HUNTSMAN: WINTER'S WAR) folgte. Aber auch das Märchen Hänsel und Gretel musste bereits mehrmals für neuere Verfilmungen herhalten. Da erspare ich mir allerdings den kurzen Blick auf die eine oder andere Billigproduktion und verweise gleich mal auf HÄNSEL UND GRETEL: HEXENJÄGER (Originaltitel - HÄNSEL & GRETEL: WITCH HUNTERS) aus dem Jahre 2013, in dem unter der Regie und dem Drehbuch seitens Tommy Wircola (Drehbuch gemeinsam mit Dante Harper) allerdings kaum noch wirklich auf das eigentliche Märchen eingegangen wird, sonder hier deren Lebensweg faktisch fortgeschrieben wurde, indem man nun einfach den Faden weiter spinnt, wo sie als Erwachsene sich auch recht reich an Action als Hexenjäger durch ein eben mitunter auch bildlich märchenhaftes Zeitalter schlagen müssen. Aber auch mehr in Richtung lustige Komödie bediente man sich in Hollywood der recht bekannten Märchenwelt wie etwa 2012 mit dem Film MIRROR MIRROR, der den verdammt langen deutschen Titel SPIEGLEIN SPIEGLEIN - DIE WIRKLICH WAHRE GESCHICHTE VON SCHNEEWITTCHEN verpasst bekam. Eine wesentlich ernstere und bisweilen auch ein wenig gruseligere Version drehte man allerdings bereits 1997, welcher dann bei uns den schneidigen deut. Titel SCHNEEWITTCHEN (Originaltitel - SNOW WHITE: A TALE OF TERROR) verpasst bekam. Oder man nehme die phantastische Sache mit den Bohnen, welche dann 2013 unter dem Genre Fantasy/Abenteuer als JACK AND THE GIANTS (Originaltitel - JACK THE GIANT SLAYER) daher kam. Die Liste lässt sich natürlich durchaus noch um einiges verlängern, ich nenne da nur mal das Märchen DIE SCHÖNE UND DAS BIEST , welches bereits 2012 als Gemeinschaftsproduktion zwischen Deutschland und Österreich verfilmt und 2017 dann von den Disney-Studios mit dem Originaltitel THE BEAUTY AND THE BEAST nochmals verfilmt wurde. Und selbst die Gebrüder Grimm, die ja im sammeln von Märchen in ihrer Zeit schon recht fleißig waren, darf man natürlich dabei auch nicht vergessen. Sie bekamen dann auch den recht ordentlich in Szene gesetzten Fantasyfilm BROTHERS GRIMM spendiert, der als eine Gemeinschaftsproduktion der Vereinigten Staaten, Großbritannien und Tschechien im Jahre 2005 in die Kinos kam.

Gretel & Hänsel

Von Märchen und Horror:
Nun kann man sagen, dass nicht gerade wenige Märchen in ihrem Originalzustand durchaus dem Stoff hinsichtlich einer heutigen, recht blutigen Horrorgeschichte mehr als nur recht nahe kommen würden. Und in früheren Zeiten waren es auch weniger Geschichten gewesen, die  nur für Kinderohren gedacht waren. Denn gerade die Erwachsenen erzählten sich zum Zeitvertreib am Kamin diese besagten Geschichten, die damals noch mit einigen blutigen Details mehr angereichert waren. Allerdings hörten da auch die noch lieben Kleinen mitunter gespannt zu, mit denen man damals wohl auch nicht so zimperlich umging, ihnen dabei gewisse blutige Grausamkeiten in den schönsten Details zu schildern.

Heute ist dieser altersmäßigen Zielgruppe der bekannten Märchen auch durch den Jugendschutz längst Rechnung getragen worden, womit man auch über lange Zeiträume hinweg so manche Grausamkeiten innerhalb der früher Mund zu Mund überlieferten Geschichten Stück für Stück entsorgt hatte. Welches Kind würde etwa heute ernsthaft noch auf den Gedanken kommen, dass es in dem Märchen um das Rotkäppchen und dem bösen Wolf es sich eigentlich um einen recht grausamen sexuellen Missbrauch handeln könnte?

Gerade der Film GRETEL & HENSEL wurde im Vorfeld und besonders nachdem man den ersten Trailer bei YouTube sichten konnte, recht schnell in die Kategorie Horrorfilme eingereiht. Nicht ganz zu Unrecht übrigens, denn der Film selbst spielt hinsichtlich der stets düsteren wie beklemmenden Atmosphäre und  einer daher auch stetigst bedrohlich wirkenden Grundausrichtung sehr wohl und recht gekonnt mit Elementen des Horrorfilm. Hinzu kommen neben so manchen optischen dann auch akustische Mittel hinzu, die hier eine scheinbar eindeutige Richtung vorzugeben scheinen, auch wenn man auf die üblichen Jump-Scares eher verzichtet. Man kam also auch mit Hilfe des Trailers daher schnell auf die irreführende Meinung, dass man hier nun das bekannte Märchen eher in Richtung einer beinharten Horrorgeschichte adaptiert hätte.

Bei genauer Berachtung traf diese vorab geäußerte Einschätzung allerdings nicht den wirklichen Kern, den diese Form des Märchens nun in seiner Gesamtheit an den Tag legte. Denn um ein wirklicher Horrorfilm zu sein, fehlen dem Film schlicht z.B. die typischen Schockelemente. Auch in Sachen Spannungsaufbau versucht der Film GRETEL & HÄNSEL eigentlich nicht wirklich zu punkten. Wo er punktet ist die unheilschwangere Atmosphäre mit ihrem bedrohlich wirkendem Farbspiel, der zum Teil auf den Betrachter beklemmend wirkenden Kameraführung und dem schlicht durch den Film führenden roten Faden, welcher über den gesamten Film hinweg beim Zuschauer ein düsteres Unbehagen auszulösen weiß. So könnte man hier auch durchaus zu recht von einem düster gelagerten  Film reden, der am Ende aber wohl eher ein Arthaus-Publikum erreicht, statt den Adrenalin-Fan schockverwöhnter Horrorfilmen.

Der Film selbst ist dabei jedoch durchaus als ein recht interessanter Beitrag zu werten, der einen zwar nicht durch blutige Szenen und Gewaltdarstellungen vom Sofa fegt,  dafür allerdings durchaus das Augenmerk auf völlig andere Dinge richtet. Zum einen wäre da die mehr als offensichtlich feministische  Aussagekraft, die der Film GRETEL & HÄNSEL hier transportiert. Das beginnt schon damit, dass Gretel bereits ein Teenager ist, weshalb die Handlung auch kleine und mitunter eher versteckte Hinweise auch auf ihr sexuelles Erwachen beinhaltet, zumindest, wenn man recht offensichtlich einmal vom Beginn ausgeht, wo Gretel die Arbeit bei einem wesentlich älteren Mann ausschlägt, weil der recht eindeutige sexuelle Motive in ihrer Richtung hegt und diese auch nur recht halbherzig zu verbergen sucht. Wir haben es hier also auch etwas mit einer Coming-of-Age-Geschichte in einer recht düsteren Zeit zu tun, bei der ihr wesentlich kleinerer Bruder Hänsel sogar wie ein Hindernis empfunden werden kann und über weite Strecken der Handlung eigentlich auch recht selbstsüchtig wirkt, ohne jedoch mit der entscheidenden Intelligenz gesegnet zu sein, um die Gesamtsituation, in der sie sich befinden, dann wirklich auch richtig erfassen zu können.

Waren Gretel und Hänsel im bisher von uns bekannten Märchen also fasst gleichaltrig und auf Augenhöhe, so fehlt hier nun der Aspekt der zumindest geistig gleichberechtigten Stellung unter den Geschwistern fast völlig. Aber auch die Hexe Hulda gibt hier in GRETEL & HÄNSEL nicht das typische Bild einer Kinder verschlingenden bösen Kreatur ab. Sie wirkt nicht selten zwar bedrohlich und ihr auftreten hat im Umfeld gar eine gefühlt  unangenehme Wirkung. Doch ob sie wirkich nur eine böse Kreatur ist, welche dem Glück der Geschwister nur im Wege steht, wird für den Zuschauer auch am Ende so nicht wirklich ersichtlich. Mitunter hat man gar das starke Gefühl, als trete Gretel selbst am Ende an Huldas stelle, die im Film übrigens auch durch die Schauspielerin Jessica De Gouw (bekannt auch durch die Fernsehserien DRACULA/2013 bis 2014 in 10 Episoden, bzw. in der seit 2020 laufenden Serie PENNYWORTH) als junge Version der alten Hexe auftritt. Damit wären wir also auch bereits bei einem Blick auf die durchaus zum Teil recht interessante Besetzung von GRETEL & HÄNSEL angelangt.

Gretel & Hänsel

Bekannte wie eher unbekannte Namen:
Der Schauspielerin Alice Krige wiederum gelingt es durchaus recht gruselig die ältere Version der Hexe Hulda darzustellen. Krige dürfte vielen durchaus auch hinsichtlich ihrer Rollen als Werkatze Mary Brady aus der Stephen-King-Verfilmung SCHLAFWANDLER (SLEEPWALKERS/1992) oder als Borg-Queen aus dem Kinofilm STAR TREK: DER ERSTE KONTAKT (STAR TREK: FIRST CONTACT/1996) bekannt sein. Aber man dürfte sie auch kennen durch ihre Rolle als Christabella aus dem kanadisch-französischen Horrorfilm SILENT HILL - WILLKOMMEN IN DER HÖLLE (SILENT HILL/2006) oder als Eir, der Heilerin aus Asgard im MCU-Fantasyfilm THOR  - THE DARK KINGDOM (THOR - THE DARK WORLD/2013).

Die gerade mal 19-jährige Sophia Lillis (geboren im Februar 2002 in Crown Heights, Brooklyn) machte ihre ersten Gehversuche als Schauspielerin bereits 2013 in dem Kurzfilm THE LIPSTICK STAIN. International ist sie jedoch erst wirklich bekannt geworden durch die Stephen-King-Verfilmung ES (IT/2017) sowie aus ES KAPITEL 2 (IT CHAPTER TWO/2019), wo sie die Rolle der jungen Beverly Marsh spielte. Hänsel wird in GRETEL & HÄNSEL vom Jungschauspieler Samuel Leakey gespielt, von dem es ansonsten jedoch leider im Internet noch keine weitere, wirklich interessante Einblicke gibt, außer das er 2021 dann für den Film TWIST in einer kleineren Nebenrolle vor der Kamera stehen soll.

Die Schauspielerin Fiona O'Shaughnessy, welche in GRETEL & HÄNSEL die eher herzlose Mutter spielt, dürfte nicht unbedingt dem deutschen Publikum nachhaltig aufgefallen sein. Dabei spielte sie aber z.B. eine kleine Nebenrolle in dem Monumentalfilm ALEXANDER von Oliver Stone (2004). Ihre Filmbiografie beginnt zumindest mit dem Horrorfilm WARLOCK - DAS GEISTERSCHLOSS (WARLOCK III: THE END OF INNOCENCE) aus dem Jahre 1999, wobei ich hier ehrlich gesagt nicht sagen kann, wie groß ihre Rolle hier gewesen sein dürfte. Es dürfte sich hier aber sicherlich wohl ebenfalls eher um eine recht kleine Nebenrolle gehandelt haben.

Auch sonst kann der Film GRETEL & HENSEL neben Alice Krige und Sophia Lillis nicht wirklich mit international berühmten, oder doch zumindest halbwegs (bei uns in Deutschland) bekannten Namen aus dem Bereich Film und Fernsehen aufwarten, so das es hier auch nicht viel bringen würde, hier tiefer in zum Teil auch noch recht kurze schauspielerische Biografien graben zu wollen. Dieser Umstand sagt allerdings nichts über das Talent aus, welches hier an den Tag gelegt wurde, selbst wenn es sich zumeist auch eher in GRETEL & HÄNSEL um kleinere Nebenrollen handelt. Besonders hervorstechend ist in diesen Nebenrollen zwar auch niemand wirklich, jedoch bieten alle ein durchaus solides darstellerisches Können ab, bei dem es auch nichts zu kritisieren gibt.

Gretel & Hänsel

Gesamt betrachtet ...
... dürfte der Film GRETEL & HÄNSEL am Ende in seiner gesamten Art und Ausrichtung kaum auf wirklich größere Gegenliebe bei Fans des eher deftigen Horrorfilm treffen. Allerdings wenn man sich alle anderen Türen des Interesse offen hält, dann kann auch dieser Film den betreffenden Zuschauer durchaus recht nett unterhalten.

Ob es diese Version von einem Märchen aber nun wirklich  gebraucht hätte, da will ich mich hier nun nicht drüber auslassen. Im Grund muss das auch jeder für sich selbst entscheiden. Als verlorene Zeit würde ich die ca. 87 Minuten Gesamtspielzeit allerdings auch nun nicht wirklich abtun wollen.

Dafür kann der Film nämlich mit einer sehr gekonnt düsteren Atmosphäre und Grundstimmung durchaus ordentlich Punkten. Um als Horrorfilm aber wirklich durchstarten zu können, gelingt ihm jedoch über der gesamten Handlung hinweg nicht der dafür auch benötigte Kick in Sachen Spannung bzw. den entsprechenden Schockelementen um eine eher niedrige Spannungskurve auch nach oben schnellen zu lassen.

Zugegeben ist ein weiteres Manko daher auch der Umstand, dass die Handlung an sich so recht langsam wirkt, als habe man als Zuschauer eventuell doch am Ende eher gefühlte 120 Minuten vor diesem Film gesessen. Man sieht also, was so ein wenig Spannung mehr hier oder da doch recht positiv eben noch hätte bewirken können. Und weil wir gerade bei den negativen Faktoren sind, so komme ich hier auch nicht darum herum, das Finale zu kritisieren, wo die Handlung dann doch irgendwie störend, weil plötzlich überhastet ihr Ende findet.

Wenn man sich aber wie bereits gesagt im Vorfeld von der Erwartung einer nervenzerfetzenden wie auch eher blutig orientierten Spannung verabschiedet hat, so wie man sich hier auch vom typisch überlieferten Bild eines Lebkuchenhauses verabschieden sollte, dafür aber dann doch mit einer recht finsteren Atmosphäre glücklich werden kann, die auch über mysteriöse Erscheinungen, bedrohliche Schatten und gespenstisch flüsternde Kinderstimmen verfügt, der wird an dem Film GRETEL & HÄNSEL dann trotzdem noch seine Freude finden.

Dies mag hier für den Film selbst wohl nicht die positive Empfehlung sein, die manche sich vielleicht noch in der Vorfreude einer eigenen Sichtung erhofft hatten, aber  er hat nun einmal auch das Zeug, sein Publikum ziemlich zu spalten, was man auch recht gut an anderen Filmkritiken festmachen kann. Da wären z.B. Filmkritiken zu nennen, die allgemein sogar als recht wichtig im Filmgeschäft gelten. Ist man nämlich beim "Hollywood Reporter" hier durchaus voll des Lobes, so tut man sich bereits in der "Variety" eher recht schwer darin, mit dem Film GRETEL & HÄNSEL wirklich noch irgendwie warm zu werden (genaueres lässt sich hier z.B. in den entsprechend auch übersetzten Auszügen hinsichtlich des Films in der Wikipedia nachlesen).

Mit üppigem Bonusmaterial ist die Blu-ray (BD) von GRETEL & HÄNSEL allerdings wirklich nicht gesegnet. Da hätte man alternativ ja eventuell etwas Lebkuchen beipacken können. Die Altersfreigabe ab 16 Jahre geht auch irgendwie in Ordnung, auch wenn ich sie persönlich vielleicht noch für etwas zu hoch halte. Aber für eine höhere Einstufung fehlt dem Film halt noch eine Menge an entsprechend etwas härteren Szenen (was ja Horrorfilme meist ausmacht) und eine noch jüngere Einstufung kann man kritisch sehen da ganz junge Kids eventuell der gebotenen Handlung nicht immer folgen können, oder aber eventuell die doch recht düstere Atmosphäre nicht direkt positiv verarbeiten können (und wer will den lieben Kleinen schon ernsthaft einen Albtraum an den Hals wünschen wollen).  

Gretel & Hänsel

Gretel & Hänsel
(Gretel & Hänsel)
mit Sophia Lillis, Sammy Leakey, Alice Krige, Jessica De Gouw, Melody Carillo,  Fiona O'Shaughnessy, Jonathan Delaney Tynan, Charles Babalola  u.a.
Regie: Oz Perkins
Drehbuch: Rob Hayes
Produktion: Fred Berger, Brian Kavanaugh-Jones
Musik: Robin Coudert
Genre: Mytery/Drama
Laufzeit: 87 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Capelight Pictures
Extras: Storybook, Featurettes, Teaser u.m.
USA 2020

 

Kommentare  

#1 Friedhelm 2021-04-03 16:12
Ich möchte ja nicht den Oberlehrer geben, aber wenn ich mich hier schon einmal rumtreibe....

...dieses als kleiner Hinweis zur Bereinigung:

Zitat:
o wurde man bald mit Filmen wie RED RIDING HOT - UNTER DEM WOLFSMOND (deut. Titel/2011/USA, Kanada) oder ein Jahr später etwa mit SNOW WHITE AND THE HUNDSMAN (2012/USA) in die Märchenwelt versetzt,
und:
Zitat:
welcher dann bei uns den schneidigen deut. Titel SCHNEEWITTCHEN (Originaltitel - SNOW WHITE: A TALES OF TERROR) verpasst bekam.
Jetzt will ich es damit gut sein lassen - und denke, dass dir diese kleine Hilfestellung ja auch nur recht sein kann.

Ansonsten kenne ich diesen Film noch nicht- bzw. sah ich bisher noch keinen Grund für eine Sichtung. Einige andere, die du hier nennst (u.a. "Red Reding Hood" oder "Brothers Grimm"), habe dann doch gesehen, war aber nicht immer so richtig amused. "Brothers Grimm" fand ich von seiner Machart gar nicht schlecht - und bei "Red Riding Hood hätte man irgendwie mehr Energie in die Animation des Werwolfs investieren müssen - sah mir irgendwie zu sehr nach TV-FX aus. "Beauty and The Beast" (egal, welche Verfilmung..) ignoriere ich wann immer es geht - dafür steht mein Frauchen darauf.

Bei " A Tale of Terror" dachte ich eigentlich nur, dass Sigourney Weaver bei der Wahl ihrer Rollen wohl etwas zu unvorsichtig geworden ist.
Naja. und "Jack and the Giants" war mir irgendwie zu fade.

Abgesehen davon, muss man sich wohl gar nicht wundern, dass im Horrorfilm vermehrt auf die guten, alten Märchen zurückgegriffen wird.

Da geht es ja ansich schon sehr gruselig zu, und sieht man sich, z.b., "Rotkäppchen" einmal an, dann ist das ja auch nichts anderes als eine klassische, verkappte Werwolfstory. Und Hexen, wie sie in "Hänsel und Gretel" auftauchen (vielmehr die eine..) waren im Genrefilm ja von jeher beliebte Grusel-Gestalten

Zudem weisen solche Märchen, die man den Kindern früher ja eigentlich als "Gute-Nacht-Geschichten " vorgelesen hat, zuweilen fast schon brutale Momente auf (siehe, u.a. eben Hänsel und Gretel..u.v.a.), die man mühelos in einen Genrefilm übertragen kann. :cry:

Nun hat meiner einer aber auch selber schon lange keine Märchenstunde mehr abgehalten - und es wird gemunkelt, dass einiges in den Geschichten inzwischen etwas entschärft wurde. :-*
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#2 Laurin 2021-04-03 18:19
Nun ja, @Friedhelm, die oben aufgezählten Filme zu bekannten Märchenthemen sind ja auch eher ein recht grober Überblick. Nicht jeder der Filme will auch ins Fach Horror verschoben werden. Einige sehen sich besser in der Fantasy aufghoben, andere gar mitunter eher in der Komödie mit ein wenig Biss. ;-)
Da hättest du als "Oberlehrer" auch mächtig was zu tun, wenn du da auf alles genau eingehen wölltest. :D

Der Punkt hierbei ist auch, dass man da auch nicht alles gersehen haben muss. Manches wie etwa RED RIDING HOOD hätte es meiner Meinung nach auch verfilmt nicht wirklich benötigt. Oder Julia Roberts als "böse Königin" in SPIEGLEIN SPIEGLEIN ... einfach nur gruselig und das nicht gerade im positiven Sinne. Den Film guckt man im Fernsehen einfach nur mal mit, weil Lily Collins als Schneewittchen da noch ganz niedlich aussieht und nicht so extrem abgemagert wie z.B. auf aktuelleren Bildern der Schauspielerin. Sigourney Weaver passte die Krone der bösen Königin da schon wesentlich besser (weil auch eben gut gespielt).

Aber wirklich so vermehrt wird beim Horrorfilm noch nicht einmal wirklich auf Märchen zurückgegriffen. Manche wie eben GRETEL & HÄNSEL verfügen jedoch über eine recht finstere bis beklemmende Atmosphäre, weshalb man diesen Film nur zu gerne (und eventuell auch zu leichtfertig) in die Horror-Ecke schiebt. Dabei könnte man sehr wohl einiges aus der Ecke der Märchen für das Genre adaptieren, aber dann sollte man das ganze auch ein wenig ernsthafter (eben härter) in der betreffenden Richtung aufgreifen.

An sich waren Märchen früher sogar noch brutaler in ihrem Inhalt, als wir ihn z.B. eventuell von unseren Müttern zur Nacht am Bett erzählt bekommen hatten. Da haben selbst schon die Gebrüder Grimm glättend die brutalen Spitzen etwas abgeschliffen gehabt. Und heute ist es ja Mode, alles zu entschärfen, bis eigentlich nichts brauchbares mehr übrig bleibt. Nur merken die entsprechenden Personen dahinter oft nicht einmal, dass sie zwar alles bis zum erbrechen entschärfen können, aber damit die Welt trotzdem keinen Milimeter besser machen. Da sehe ich auch mitunter eine nicht gerade kleine Portion Selbstbetrug bei. Als Kind habe ich da z.B. auch Kinderbücher wie den "Struwelpeter" bekommen, woraus mir meine Mutter auch vorgelesen hatte. Und jeder weiß glaube ich, wie blutig es in dem Kinderbuch zugeht. Trotzdem wurde aus mir ein Mensch mit hohem solidarischen Empfinden der Rassismus wie auch Kriege schlicht als unmenschliche Dummheit ablehnt. Aber ich will da manchen Gutmenschen jetzt auch ihr mitunter sinnloses Hobby nicht nehmen, wenn sie mal wieder was zum "entschärfen" gefunden haben. :-*
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#3 Friedhelm 2021-04-03 19:01
Mein lieber Laurin/Konrad - wir haben uns wohl missverstanden. Der "Oberlehrer" war anders gemeint: du müsstest "Red Riding HOT wieder zur HOOD werden lassen - und aus dem HUNDSMAN wieder HUNTSMAN"

Der Originaltitel zum Film mit Weaver war kein "A TALES sondern "A TALE of Terror.."

Drum schrieb ich ja - zur Bereinigung...

Zitat:
Aber wirklich so vermehrt wird beim Horrorfilm noch nicht einmal wirklich auf Märchen zurückgegriffen. Manche wie eben GRETEL & HÄNSEL verfügen jedoch über eine recht finstere bis beklemmende Atmosphäre, weshalb man diesen Film nur zu gerne (und eventuell auch zu leichtfertig) in die Horror-Ecke schiebt.
Naja, man kann da schon einen -wenn auch nicht soooo ausufernden - Trend erkennen. Und was "Gretel und Hänsel" betrifft: der Film ist mit ziemlicher Sicherheit als Horrorfilm deklariert worden - oder meinetwegen auch als Horror-Märchen.

Ich werde mir das Ding demnächst reinziehen - und mich dazu evtl irgendwann nochmal melden.

Davon abgesehen - irgendwie sind Horrorfilme ja auch Märchen - aber eben sehr finsterer ..und zuweilen noch viel brutaler..
Zitat:
Da haben selbst schon die Gebrüder Grimm glättend die brutalen Spitzen etwas abgeschliffen gehabt.
Da waren die Brüder dann wohl doch nicht konsequent genug. Man hat ja danach immer mal wieder "Hand an ihre Werke" gelegt.

Ganz ehrlich, ich versteh's irgendwie - wie soll denn so "Halbling" einschlafen, wenn es in "Papis Märchenstunde" (oder meinetwegen auch Mamis) so furcheinflössend zugeht. ;-)

Da geht es auch wohl weniger darum, die Welt um ein paar Millimeter besser zu machen. :-*

Es sei...wie es eben sei - ist halt, wie immer, nur meine bescheidene Meinung. Mehr will ich daraus auch nicht machen...

Frohes Osterfest....übrigens...
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#4 Laurin 2021-04-03 23:23
Ach ja, @Friedhelm, da kannst du mal wieder sehen, wie ich mit der englischen Sprache auf dem Kriegsfuß stehe. Da kann Rotkäppchen schon mal "heiß" werden und der Jäger zum Dackel. :lol:

Ich sag mal so, als die Gebrüder Grimm damals die Gewaltspitzen in manchen Märchen etwas geglättet hatten, da ging man allgemein noch nicht so zimperlich mit den "Halblingen" um. Das Wort Jugendschutz war zu der Zeit (man denke nur an die schwere Kinderarbeit in den Bergwerken oder so) wohl auch noch eher Fiction. :-*

Dir - und natürlich auch allen anderen Leserinnen und Lesern im Zauberspiegel - auch ein paar schöne Feiertage von mir gewünscht. ;-)
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