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Die Fantasy-Film-Welle der 1980er Jahre: Conan der Zerstörer

Fantasyfilme der 80igerConan, der Zerstörer

Königin Taramis (Sarah Douglas) will den träumenden Gott Dagoth aus seinem Schlaf erwecken. Um ihr Ziel zu erreichen, benötigt Tamara einen bestimmten Kristall aus dem Palast des Zauberers Toth-Amon (Pat Roach). Doch dafür braucht sie die Hilfe des barbarischen Kriegers Conan (Arnold Schwarzenegger). Zunächst lehnt Conan ab. Doch als die Königin ihm in Aussicht stellt, seine verstorbene Gefährtin Valeria wieder in das Reich der Lebenden zu holen, stimmt er der Mission zu.

Conan, der ZerstörerGemeinsam mit Taramis' Nichte Jehnna (Olivia D'Abo), dem Dieb Malak (Tracey Walter), dem Zauberer Akiro (Mako) und Jehnnas Leibwächter Bombaata (Wilt Chamberlain) macht sich Conan auf den Weg, um den Kristall zu beschaffen.

Auf den Weg zum Zauberpalast von Toth-Amon, trifft die Gruppe auf die gefangene Zula (Grace Jones), die Conan befreit. Nach ihrer Befreiung schließlich sich Kriegerin der Gruppe an.

Doch Conan ahnt nicht, dass Königin Taramis ihn hintergehen will und Bombaata den Auftrag hat, Conan nach erfolgreicher Mission umzubringen und die jungfräuliche Prinzessin auf den Opferstein der Königin zu führen, um zusammen mit dem Kristall den Gott Dagoth zu erwecken...

Nach dem weltweiten Erfolg von "Conan der Barbar" wollte der Produzent Dino de Laurentiis unbedingt eine Fortsetzung des Fantasyfilms mit Arnold Schwarzenegger drehen.
Doch da sowohl Laurentiis als auch das Filmstudio Universal dachten, dass ein wenig gewalttätiger Conan-Film an den Kinokassen mehr Geld eingespielt hätte, sollte die Fortsetzung "Conan the Destroyer" weit harmloser inszeniert werden als "Conan der Barbar".

"Universal hatte nur noch E. T. im Kopf. Die Firma machte so viel Geld mit Spielbergs Blockbuster, dass die Chefs auch Conan als Familienfilm verkaufen wollten.
Jemand rechnete sogar vor, dass, wenn Conan der Barbar »jugendfrei« gewesen wäre, fünfzig Prozent mehr Kinokarten verkauft worden wären. Man war der irrigen Auffassung, dass ein Film umso mehr Erfolg hat, je breiter sein mögliches Publikum ist.
Aber man konnte aus Conan dem Barbaren nicht einfach Conan den Babysitter machen. Die Figur war nicht jugendfrei. Conan war ein gewalttätiger Mann, der Eroberung und Rache im Kopf hatte.
Wenn man die Figur so weit verharmloste, dass der Film jugendfrei war, so vergrößerte man zwar zunächst das Publikum, doch man schadete der Fortsetzung auch, weil man die eingefleischten Conan-Fans verärgerte. Seine besten Kunden muss man zuerst bedienen und dann weitersehen. Wer waren denn die Leute, die Conan lasen? Wer waren die Fans der Conan-Comics?
Ihnen hatte Conan der Barbar gefallen. Wenn man wollte, dass ihnen die Fortsetzung noch besser gefiel, musste man die Handlung noch steigern, den Film noch actionreicher machen. Sich auf die Altersfreigabe zu konzentrieren, war der falsche Ansatz." (1)

Arnold Schwarzenegger, der erneut die Rolle des Conan übernahm, war mit der Idee aus der Fortsetzung eine Art Familienfilm zu machen nicht gerade begeistert. Doch er konnte sich gegen Dino de Laurentiis, seine Tochter Raffaella sowie gegen das Filmstudio Universal nicht durchsetzen.

"Ich legte Dino, Raffaella und den Studioleuten meine Ansicht dar, und wir diskutierten eingehend darüber. »Ihr wollt kneifen«, sagte ich. »Ihr seid Conan und seiner Welt nicht treu.
Vielleicht lasst ihr besser die Finger von der Conan-Fortsetzung, wenn euch die Gewalt und die Ausrichtung der Figur unangenehm ist. Lasst es einfach sein, oder verkauft das Projekt an jemand anders! Aber macht nicht etwas daraus, das es nicht ist.«
Es hatte keinen Zweck. Am Ende musste ich mich ihrer Entscheidung beugen, weil ich einen Vertrag hatte." (2)

Conan, der ZerstörerDa der Regisseur John Milius für die Fortsetzung "Conan the Destroyer" nicht zur Verfügung stand, wurde Richard Fleischer ("Die Wikinger", "Die phantastische Reise", "Jahr 2022... die überleben wollen") für den Regie des Fantasyfilms verpflichtet.

"Als die Fortsetzung aktuell wurde, hatte er keine Zeit für Drehbuch oder Regie, und so klinkte sich das Studio in das Projekt ein, was meines Erachtens zu schwerwiegenden Fehlentscheidungen führte.
Als Regisseur wurde Richard Fleischer gewonnen. Er drehte schon seit vierzig Jahre in Hollywood, darunter unvergessliche Filme wie Tora! Tora! Tora! und 20000 Meilen unter dem Meer.
Es war nicht seine Idee gewesen, Conan handzahm zu machen, er hielt sich einfach an Dinos Anweisungen und die des Studios. Er wollte sich in seinem Alter höchstwahrscheinlich einfach nicht mehr herumstreiten und war froh, Arbeit zu haben.
Der Film sollte comicartiger werden. Statt Nietzsche sollten Zauberschlösser, Fantasy und Abenteuer im Mittelpunkt stehen. Bei der Arbeit mit uns Schauspielern war Fleischer in jeder Hinsicht ein hervorragender Regisseur, doch seine Vorgaben befolgte er unerbittlich." (3)

Für das Drehbuch zum Film wurden zuerst die beiden Autoren Roy Thomas und Gerry Conway gewonnen. Doch nachdem dieses verworfen wurde, schrieb Stanley Mann das Drehbuch zu "Conan the Destroyer", der die Handlung des geplanten Fantasy-Films komplett umschrieb.

Für die weibliche Hauptrolle konnte die Sängerin Grace Jones verpflichtet werden, die bereits 1973 mit "Jagd auf linke Brüder" ihr Filmdebüt gegeben hatte, da die Produzenten der Meinung waren, dass es sich bei Zula um eine weibliche Figur handelte.

Die Figur des Zula war jedoch vom Autor Roy Thomas als männlichen Krieger konzipiert worden (denn im Afrikanischen ist Zula ein Männername), der 1978 in der Märzausgabe der Comic-Serie "Conan the Barbarian" sein Debüt gegeben hatte.

Nachdem "Conan the Destroyer" am 29. Juni 1984 in den USA gestartet war, ging das gewaltfreiere Konzept von Dino de Laurentiis und dem Filmstudio Universal nicht auf, denn der Fantasy-Film spielt in den USA nur knapp 31 Millionen US-Dollar an den Kinokassen ein. Also weit weniger als "Conan der Barbar".

"In den USA schaffte es Conan der Zerstörer in weniger Kinos als der Vorläufer und spielte nur 31 Millionen Dollar ein, das bedeutete dreiundzwanzig Prozent weniger als Conan der Barbar.
Unsere Befürchtungen hatten sich bestätigt. Mit der Umgestaltung der Figur zum – wie Roger Ebert es launig formulierte – »freundlichen Barbaren von nebenan« hatte das Studio es sich mit dem harten Kern des Publikums verscherzt." (4)

Conan, der ZerstörerAm 19. Oktober 1984 startete der Film unter dem Titel "Conan der Zerstörer" auch in den deutschen Kinos, wo der Fantasy-Film allerdings auch nur auf mäßiges Interesse beim Kinopublikum traf.

Nach dem mäßigen Erfolg von "Conan der Zerstörer" hatten sowohl Arnold Schwarzenegger, der nur noch zeitgenössische Stoffe spielen wollte, als auch der Produzent Dino de Laurentiis kein Interesse mehr daran, einen weiteren Conan-Film zu drehen.

"Mit Conan hatte ich innerlich abgeschlossen. Die Figur war ausgereizt. Als ich von meiner Werbetour zurückkam, setzte ich mich wieder mit Dino zusammen und erklärte ihm, dass ich keine prähistorischen Stoffe mehr drehen wollte, sondern nur noch zeitgenössische. Wie sich herausstellte, hatte sich auch Dinos Begeisterung für Conan abgekühlt." (5)

Vergleicht man "Conan der Zerstörer" mit "Conan der Barbar", so liegen zwischen den beiden Fantasy-Filmen Welten.
Denn gerade durch die sehr realistische Inszenierung des Regisseurs John Milius und durch die realistische und nachvollziehbare Handlung konnte die Fantasy-Verfilmung "Conan der Barbar" vollumfänglich überzeugen und punkten.
Was bedingt durch die sehr klischeehafte und bisweilen sehr ideenlosen Handlung bei "Conan der Zerstörer" nicht der Fall ist, wobei man sich sowieso wundert, was der Drehbuchautor Stanley Mann aus der Figur des Conan gemacht hat, der fast überhaupt nicht mehr wiederzuerkenn ist, und in dieser zahmen Filmversion eines Barbaren überhaupt nicht überzeugen kann.

Hinzu kommt, das die übrigen Darsteller des Films in ihren Rollen nicht wirklich überzeugen können, auch weil erhebliche Fehlbesetzungen vorliegen, und die ganzen Rollen des Films auch viel zu klischeehaft in Szene gesetzt wurden.

Die große Ausnahme in "Conan der Zerstörer" ist jedoch Grace Jones, die die Kriegerin Zula nicht nur mit großer Intensität im Film zu spielen versteht, sondern Arnold Schwarzenegger komplett die Schau stiehlt und an die Wand spielt.

(1) Arnold SchwarzeneggerConan, der Zerstörer
(2) Arnold Schwarzenegger
(3) Arnold Schwarzenegger
(4) Arnold Schwarzenegger
(5) Arnold Schwarzenegger


Conan der Zerstörer
(Conan the Destroyer)
USA 1984

Regie: Richard Fleischer
Drehbuch: Stanley Mann
Kamera: Jack Cardiff
Schnitt: Frank J. Urioste
Musik: Basil Poledouris

Darsteller
Arnold Schwarzenegger als Conan
Mako als Akiro
Grace Jones als Zula
Wilt Chamberlain als Bombaata
Tracey Walter als Malak
Sarah Douglas als Königin Taramis
Olivia d’Abo als Prinzessin Jehnna
Pat Roach als Toth-Amon
Jeff Corey als Großwesir
Sven-Ole Thorsen als Togra
Ferdy Mayne als Der Hüter

FSK: Ab 16 Jahren
Laufzeit: 97 Minuten

Deutscher Kinostart: Am 19. Oktober 1984

 

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Kommentare  

#1 Cartwing 2021-01-18 06:34
Sehr interessanter Beitrag.
Ich hätte nicht gedacht, dass Arnie sich damals so für die authentische Darstellung der Figur eingesetzt hat.

Ich erinnere mich kaum noch an den Film. Weiß nur, dass ich enttäuscht war und die ganze Zeit darauf wartete, dass Grace Jones wieder mit ihrem halbnackten Hintern durchs Bild rennt...
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#2 Ingo Löchel 2021-01-18 16:06
Infos über seine Filme "Conan der Barbar", "Conan der Zerstörer" und "Terminator" etc. erzählt Arnold Schwarzenegger in seiner Biographie "Total Recall - Die wahre Geschichte meines Lebens".
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