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Jean Marais: Es war einmal oder Die Schöne und das Biest

Jean MaraisEs war einmal
oder
Die Schöne und das Biest

Es war einmal ein verarmter Kaufmann (Marcel André), der pflückte eine Rose, um sie seiner Tochter Bella (Josette Day) zu schenken.

Er wusste allerdings nicht, dass die Blume zum Garten eines Wesens gehört, das über diesen Diebstahl ganz und gar nicht erfreut war...

Die Schöne und das Biest...Die Bestie (Jean Marais) verlangt daraufhin einen Ausgleich für die gestohlene Rose. Damit ihr Vater verschont bleibt, erklärt sich Bella dazu bereit, anstatt ihres Vaters zum Schloss der Bestie zurückzukehren.
Und so begibt sich die bescheidene und von ihren Schwestern Adélaïde (Nane Germon) und Félicie (Mila Parély) stets schikanierte Bella auf das Schloss des Monsters.

Mit der Zeit erkennt sie jedoch, dass die Bestie eine gutmütige Natur hat und Menschen dagegen viel grausamer sein können...

"L'enfance croit ce qu'on lui raconte et ne le met pas en doute. Elle croit qu'une rose qu'on cueille peut attirer des drames dans une famille.
Elle croit que les mains d'une bête humaine qui tue se mettent à fumer et que cette bête en a honte lorsqu'une jeune fille habite sa maison. Elle croit mille autres choses bien naïves.
C'est un peu de cette naïveté que je vous demande et, pour nous porter chance à tous, laissez-moi vous dire quatre mots magiques, véritable «sésame ouvre-toi» de l'enfance: Il était une fois..."


„In der Kindheit glaubt man, was erzählt wird, und zweifelt nichts an. Man glaubt, dass wenn man eine Rose pflückt, der Familie ein Unglück wiederfährt.
Man glaubt, dass die Hände einer Bestie anfangen zu dampfen, sobald sie jemanden tötet, und dass sich die Bestie dafür schämt, wenn ein junges Mädchen in ihrem Hause wohnt.
Man glaubt noch tausend andere naive Sachen. Ein wenig von dieser Naivität erbitte ich mir jetzt von ihnen, und sage – um uns allen Glück zu bringen – die drei magischen Worte. Das wahre „Sesam öffne dich“ unserer Kindheit: Es war einmal ...“


"Children believe what we tell them. They have complete faith in us. They believe that a rose plucked from a garden can plunge a family into conflict.
They believe that the hands of a human beast will smoke when he slays a victim, and that this will cause him shame when a young maiden takes up residence in his home. They believe a thousand other simple things.
I ask of you a little of this childlike sympathy and, to bring us luck, let me speak four truly magic words, childhood's "Open Sesame": Once upon a time..."

Die Schöne und das BiestNach Ende des Zweiten Weltkrieges entschied sich der Schriftsteller, Regisseur, Drehbuchautor und Maler Jean Cocteau (1889-1963) dafür, nach "Das Blut eines Dichters" (1930) wieder selber einen Film zu drehen.

Cocteau stimmte dem Vorschlag seines Freundes, des Schauspielers Jean Marais, zu, das französische Märchen "Die Schöne und das Biest" von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont aus dem Jahre 1757 zu verfilmen.

Doch der Regisseur hatte gegen eine Vielzahl von Schwierigkeiten zu kämpfen. Denn kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges fehlte es an Geld, Elektrizität und Filmmaterial.
Hinzu kam, dass der Darsteller Jean Marais, der damals bei der Besatzungsarmee in Deutschland stationiert war, für die Dreharbeiten zu "La Belle et la Bête" freigestellt werden musste.

Zwar wollte Cocteau "La Belle et la Bête" ursprünglich in Farbe drehen. Da allerdings viel zu wenig Farbfilm-Material vorhanden war, wurde der den Märchenenfilm letztendlich als Schwarzweißfilm gedreht.

Doch da nach Ende des Zweiten Weltkrieges Schwarzweißfilm-Material in nur unterschiedlicher Qualität vorhanden war, wirken im fertigen Film einige Szenen klarer, einige andere Szenen verschwommener.
Cocteaus Kameramann Henri Alekan machte aus dieser Not aber eine Tugend und setzte das schlechtere Schwarzweißfilm-Material in den traumhaften Szenen von "La Belle et la Bête" ein, wodurch in diesen Szenen zusätzlich eine besondere und märchenhafte Atmosphäre entstand und erreicht wurde.

Die Innenaufnahmen des Filmes entstanden im Filmstudio in Saint-Maurice. Als Schloss der Bestie ist das Château de Raray nahe Senlis zu sehen.

Die Schöne und das BiestFür das Szenenbild des Märchenfilms waren Lucien Carré, Christian Bérard und René Moulaert verantwortlich. Die Kostüme wurden von Antonio Castillo und Marcel Escoffier entworfen und von Pierre Cardin fertiggestellt.

Für die Maske des Biestes hatte der Schauspieler Jean Marais zuerst an einen Hirschkopf gedacht hatte. Doch Cocteau verwarf den Vorschlag seines Freundes und Hauptdarstellers. Und so schuf Hagop Arakelian schließlich die Maske des Biestes, für die Marais Hund Moulok als Vorbild diente.

Aufgrund der widrigen Umstände war die Firma Gaumont aus der Produktion des Märchenfilms ausgestiegen. Und auch der Produzent André Paulvé war im Begriff gewesen aufzugeben, als seine Frau nach dem Sichten einiger Probeszene von "La Belle et la Bête" das Filmprojekt vor dem Aus rettete.

Nachdem "La Belle et la Bête" am 25. September 1946 seine Premiere auf den ersten Filmfestspielen in Cannes gefeiert hatte, startete der der Märchenfilm am 29. Oktober 1946 in den französischen Kinos.
Dort wurde wer ein Riesenerfolg an den Kinokassen, der über 4,2 Millionen Franzosen in die Kinos lockte.

Die Schöne und das BiestIn Deutschland kam der Film "La Belle et la Bête" am 8. April 1947 unter dem Titel "Es war einmal" in die Kinos.

Knapp 50 Jahre nach seinem Kinostart, konnte der Filmklassiker nur dank aufwändiger Restaurationsarbeiten konnte vor dem endgültigen Verfall gerettet.
Denn nach fast 50 Jahren war das Filmmaterial mit den Jahren zerschlissen und zerkratzt, an fast 50 Stellen fehlten Bilder und auch der Ton war unbrauchbar geworden.

Nach Beendigung der Restaurationsarbeiten erlebte der Film "Das Schöne und das Biest" ab dem Jahr 1995 in Ländern wie England, Japan, den USA und in Frankreich nicht nur seinen zweiten Kinostart, sondern er wurde danach auch auf vielen Filmfestivals in Griechenland, Hongkong, England, Neuseeland und Italien gezeigt.

Zwar wurde das Märchen "Das Schöne und das Biest" nach seiner Erstverfilmung durch den Regisseur Jean Cocteau noch viele weitere Male verfilmt, auch als Zeichentrickfilm und als Realfilm von Disney, doch trotz dieser internationalen Konkurrenz bleibt der Cocteau-Film mit Jean Marais und Josette Day in den Hauptrollen die beste Verfilmung des Märchens von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont.


Denn Film "Die Schöne und das Biest" von Jean Cocteau ist ein unübertroffenes Meisterwerk geblieben, das selbst heute noch seine Zuschauer (ob jung oder alt) durch seine märchenhaft-fantasievolle Atmosphäre sowie durch seine stimmungsvollen Bilder verzaubert und in seinen Bann schlägt.

Hinzu kommt, dass der Film durch seine teils surrealistisch wirkende Ausstattung und Dekoration der Innenräume des Schlosses sowie durch die Kostüme und die Maske des Biestes eine Aura des Fantastischen schafft, die bis heute unübertroffen bleibt, der man sich als Zuschauer nicht entziehen kann.

© by Ingo Löchel

Es war einmal
Die Schöne und das Biest(La Belle et la Bête)
Frankreich 1946

Regie: Jean Cocteau
Drehbuch: Jean Cocteau
Kamera: Henri Alekan
Schnitt: Claude Ibéria
Musik: Georges Auric

Darsteller
Jean Marais als Avenant/Bestie/Prinz
Josette Day als Bella
Marcel André als Bellas Vater
Mila Parély als Félicie
Nane Germon als Adélaïde
Michel Auclair als Ludovic
Raoul Marco als Geldverleiher

FSK: Ab 0 Jahren
Laufzeit: 90 Minuten

Deutscher Kinostart: Am 8. April 1947

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