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Terror nach zehn Jahren Pause - »The Strangers: Opfernacht«

The Strangers: Opfernacht Terror nach zehn Jahren Pause
»The Strangers: Opfernacht«

Irgendwie kommen Cindy und Mike mit ihrer rebellischen Tochter Kinsey nicht mehr wirklich auf einen grünen Zweig. Nach ihrer Meinung könnte sich Kiney nämlich auch eine dicke Scheibe von ihrem Bruder Luke abschneiden, der in den Augen seiner Schwester allerdings wohl eher zu einem Muttersöhnchen mutiert ist. So kommt es, wie es Kinsey eigentlich nicht wollte, denn ihre Eltern sehen keinen anderen Ausweg mehr, als sie nun entgültig in ein Internat abzuschieben.

The Strangers: OpfernachtDas Mike und Cindy allerdings im Vorfeld auch noch einige Ferientage mit beiden Kindern in einem Trailerpark gemeinsam verbringen wollen, der auch noch von Verwandten betrieben wird, bessert die Stimmung besonders bei Knisey ebenfalls nicht.

Das sie hier allerdings vielleicht ihre letzte Chance hätte, das drohende Schwert des Internats nochmals abzubiegen, wenn sie sich nur etwas kooperativer verhalten würde, scheint dem eher mies gelaunten Teenager auch nicht in den Sinn zu kommen. Und so ist das familiäre Verhältnis schon auf der Fahrt zum Trailerpark alles andere als harmonisch zu nennen.

Das ändert sich auch dann nicht, als sie in der Nacht endlich ankommen, jedoch scheinbar die einzigen sind, die sich im gesamten Trailerpark gerade aufhalten. Und wäre die seltsame Abwesenheit anderer Menschen an diesem Ort nicht schon gespenstisch genug, klopft es auch schon bald an ihrer Tür und ein eher verstört wirkendes Mädchen fragt, ob Tamara zu Hause wäre. Da die Familie weder eine Tamara kennt, noch wüsste, wo diese zu finden sein soll, verschwindet das Mädchen wieder unerkannt in der Dunkelheit der Nacht.

Als späterhin Luke nochmals bei einem abendlichen Spaziergang mit seiner Schwester reden will, nachdem sie im Streit ebenfalls herausgerannt ist, spitzt sich die Situation allerdings immer bedrohlicher zu. Denn in einem anderen Wohnwagen entdecken sie die brutal ermordeten Leichen von weiteren Bewohnern des Trailerpark. Wieder zurück, will sich Mike gemeinsam mit Luke den Tatort nochmals genauer ansehen, während Kinsey bei ihrer Mutter bleiben soll. Und dann plötzlich klopft das seltsame fremde Mädchen erneut.

Doch dieses mal ist das Mädchen maskiert und setzt alles daran, Mutter und Tochter zu töten. Doch so einfach machen es Kinsey und ihre Mutter Cindy der scheinbaren Psychopathin nicht. Am Ende ist es jedoch nur Kinsey, die mit Hilfe ihrer Mutter gerade noch entkommen kann. Nun muss Kinsey sich alleine durch den Trailerpark kämpfen um ihren Vater und Luke zu finden. Doch der Maskenmann, Dollface und Pin-Up-Girl haben längst ihre kaltblütige Jagd auf die Überlebenden begonnen und setzen nun alles daran, ihre Opfer auf blutigste Art und Weise das Lebenslicht auszublasen.

The Strangers: OpfernachtDurchaus einen Achtungserfolg ...
... konnte Bryan Bertino mit seinem Home-Invasion-Schocker THE STRANGERS im Jahre 2008 erzielen, auch wenn zu diesem Zeitpunkt die Welle der Home-Invasion-Streifen schon irgendwie wieder ausgelutscht erschienen. Doch bei einem Budget von knapp an die 10 Millionen US-Dollar gelang es Bertino trotzdem noch locker mit seinem Film das zehnfache wieder durch die Kinokassen einzuspielen.

Durch diesen Erfolg wäre es eigentlich kaum ein Wunder gewesen, wenn man gleich eine weitere Fortsetzung nachgeschoben hätte. Und eine Fortsetzung war auch durchaus geplant gewesen, bei der eventuell die Schauspielerin Liv Tyler nochmals einen Auftritt hätte erhalten sollen. Denn die sollte eigentlich den blutigen Terror des Maskenmann, der Dollface und dem Pin-Up-Girl aus dem ersten Film überlebt haben. Doch zu dieser Fortsetzung kam es dann nicht. Statt dessen wurde ein Folgefilm schlicht und einfach immer weiter verschoben. Oder anders gesagt, es sollte locker 10 Jahre dauern, bis mit THE STRANGERS: OPFERNACHT nun 2018 ein Sequel herauskam, welches sich aber auch durchaus sehen lassen kann.

Hatte bei THE STRANGERS noch Bryan Bertino selbst das Drehbuch geschrieben und auch selbst Regie geführt, so ist er nun neben Ben Ketai nur noch an dem Drehbuch beteiligt. Die Regie übernahm indessen für THE STRANGERS: OPFERNACHT Johannes Roberts, der schon 2005 mit dem Horrorfilm FOREST OF THE DAMNED auffällig wurde und mit Horrorfilmen wie THE OTHER SIDE OF THE DOOR (2016) oder 47 METERS DOWN (2017) ordentlich im Genre nachlegte.

The Strangers: OpfernachtDas man sich für THE STRANGERS: OPFERNACHT so viele Jahre Zeit ließ, zeigt sich hierbei eigentlich durchweg positiv, auch wenn man in Sachen Home-Invasion-Schocker und Slasher-Filme hier nun nicht das Rad neu erfindet. Denn THE STRANGERS: OPFERNACHT hat bis auf das Killer-Trio Maskenmann, Dollface und Pin-Up-Girl eigentlich nichts mehr mit dem Erfolgsfilm von 2008 gemeinsam. Vielmehr steht dieses Sequel durchaus auch recht gut für sich selbst und ist von der Handlung her auch alles andere als ein liebloser Abklatsch von THE STRANGERS.

Eine recht schnelle Fortsetzung von THE STRANGERS wäre eventuell nämlich auch Gefahr gelaufen, eher etwas unispiriert den Faden des ersten Films wieder aufzunehmen. Doch nun, durch die Zeit eher losgelöst, kann das Sequel des Psychohorrors durchaus locker mit seinem hochspannenden Vorgänger THE STRANGERS auf Augenhöhe mithalten. Und statt den Terror wieder in die beengten Räumlichkeiten eines Hauses zu tragen, erinnerte man sich hier auch an die damaligen Slasher-Filme der 1980er Jahre und weitet so das Aktionsfeld der Opfer wie der Täter gleich auf einen ganzen Trailerpark irgendwo im Nirgendwo aus. Selbst die Handlungsweisen der Opfer wie aber auch des völlig empathielosem Killer-Trio wirken fasst durchgehend und auf ihre Art reduziert logisch. Da wird nicht wie bekloppt hinter einem Opfer hergerannt, denn es hat eh keine Chance von hier einfach so zu verschwinden, egal wie sehr es sich anstrengt. Und auch was das recht blutige Ableben der einzelnen Charaktere angeht, so ist der Film eigentlich irgendwie immer eine Überraschung wert und hält sich so kaum an die Vorgehensweise aus dem Vorgänger THE STRANGERS. so gibt es denn auch einige wirklich heftige wie schockierend wirkende Szenen, wie etwa die, wo der Maskenmann scheinbar locker zum Vater in den Wagen steigt, da dieser eh nicht mehr in der Lage ist, sich noch irgenwie wirkungsvoll auch nur noch halbwegs zu verteidigen.

Dabei mag es allerdings auf der anderen Seite vielleicht für manche Zuschauer etwas schwierig sein, mit den Hauptfiguren der Familie wirklich warm zu werden, denn dazu hat man nämlich nur eine knappe halbe Stunde Zeit. Ab dann geht es zur Sache, denn der Terror steht nun im Zentrum und steigert sich bis zum finalen letzten Drittel erheblich.

The Strangers: OpfernachtMeine Filmkritik:
Glänzte THE STRANGERS aus dem Jahre 2008 noch mit einigen ausgedehnten Psychospielchen, so lassen der Maskenmann, das Pin-Up-Girl und Dollface schon direkt zu Beginn in THE STRANGERS: OPFERNACHT wirklich keinen Zweifel an ihrer wahren Intention, die schlicht mit der Lust am töten umschrieben werden kann.

Danach gilt es dann, sich erst einmal als Zuschauer den Opfern zu nähern, bevor dann langsam aber unaufhaltsam in der folgenden Handlung die Hölle ausbricht. Ich muss dabei zugeben, dass ich den Film THE STRANGERS aus dem Jahre 2008 nicht selbst in meinem Filmarchiv habe und auch nur einmal wirklich gesehen hatte. Zwar fand ich THE SRANGERS dabei nicht mal schlecht, jedoch wirklich aus dem Sessel gehauen hatte mich dieser späte Beitrag der Home-Invasion-Schocker allerdings auch nicht. Dies lag schlicht daran, dass der erste Film leider doch über die eine oder andere Länge verfügte.

THE STRANGERS: OPFERNACHT, der auch völlig für sich selbst stehen kann, legt hier dann doch einen Zacken mehr auf und wusste mich nun wesentlich besser zu unterhalten, auch wenn der Film in Sachen Psychoterror und Slasher keine wirklich neuen Tore im Genre aufstößt.

Dafür geht man hier allerdings sogar auffällig sparsam mit den Jump-Scare um und untermalt das Ganze dann eher an den wirklich passenden Stellen mit so einigen 80er-Jahre-Songs wie etwa KIDS IN AMERICA (1981) von Kim Wilde.

Was mir allerdings besonders an THE STRANGERS: OPFERNACHT gefallen hatte, ist das man in der Filmhandlung selbst eher recht unberechenbar mit dem Teenager Kinsey und deren Familie umspringt. Gleiches widerfährt aber auch dem Killer-Trio, so das man durchaus die eine oder andere Überraschung erleben darf, weil man damit schließlich irgendwie doch nicht gleich gerechnet hatte. Da wirken dann im Gegenzug auch im Gesamtbild einige kleine Klischees schon eher wieder unspektakulär.

Ein weiterer Pluspunkt besteht darin, dass man bei THE STRANGERS: OPFERNACHT nie versucht, mit einigen Einschüben von Humor der Handlung etwas an Schärfe zu nehmen. Statt dessen bekommt man als Fan durchaus eine gute Portion Gore geliefert, der sich nicht hinter zu schnellen Schockelementen versteckt.

Wie gesagt, das Rad wird hier nicht neu erfunden und dies war auch sicherlich nicht das erklärte Ziel von Johannes Roberts. Viel eher ist THE STRANGERS: OPFERNACHT aus dem Jahre 2018 auch als eine kleine Verbeugung vor den 80er-Jahre-Filmen etwa von John Carpenter zu verstehen, was den Machern auch durchaus vorbildlich gelungen ist. Gesamt betrachtet stimmt hier also eigentlich alles und lässt sogar noch Platz - vielleicht nicht für große - aber doch kleine Überraschungen für den Zuschauer. Da bleibt mir auch eigentlich nichts anderes übrig, als dem Psychoterror ohne jeglichen Schnörkel von THE STRANGERS: OPFERNACHT die vollen fünf von insgesamt fünf Messerklingen als Höchstbewertung zu verleihen. Zwar hatte ich es bei der kleinen Familie etwas schwer, wirklich mit ihnen warm zu werden, aber dies wäre eventuell ein persönliches kritisieren auf sehr hohem Niveau. So kann ich hier also auch locker noch die Empfehlung nachschieben, sich diesen Film zumindest unbedingt einmal anzusehen.

The Strangers: OpfernachtThe Strangers: Opfernacht
(Strangers: Prey at Night)
mit Bailee Madison, Lewis Pullmann, Martin Henderson, Christina Hendricks, Damian Maffei, Emma Bellomy, Lea Enslin, Preston Sadleir, Leah Roberts, Ken Strunk u.a.
Regie: Johannes Roberts
Drehbuch: Bryan Bertino, Ben Ketai
Produktion: Bryan Bertino, Alastair Burlingham, Brett Dahl u.a.  
Musik: Adrian Johnston
Genre: Horror/Thriller
Laufzeit: 86 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Extras: Interviews, B-Roll
Vertrieb: Universum Film
USA 2018

Kommentare  

#1 Friedhelm 2020-08-15 15:57
Den ersten Film habe ich gar nicht gesehen - diesen Teil habe ich mir vor längerer mal gegeben.

Okay, kann man ansehen, aber wie du bereits angeführt hast, ist das auch einer dieser Filme, die an bekannten Stellschrauben drehen.

Das eine oder andere mal war's schon spannend, aber auch nicht unbedingt unvorhersehbar.

Wäre auch kein Ding, dass ich im Archiv haben müsste - nochmals reinsehen lohnt dann doch nicht.. Liegt vielleicht daran, dass ich kein großer Fan dieses Genres ("Home Invasion") bin.
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#2 Laurin 2020-08-15 20:21
Na, da ist bei mir als Fan des Genre doch die Bandbreite weit gestreut.

Klar, hier wollte man auch den Horror der 80er Jahre huldigen und das ist den Machern, finde ich, durchaus gut gelungen. Was den ersten Film angeht (The Strangers), bin ich mit dir allerdings einer Meinung. Einmal gesehen ist schon fasst die Miete und den Film muss ich deshalb auch nicht unbedingt meinem Archiv hinzufügen. Bei diesem Film hier, drücke ich aber mal gerne ein Auge zu und stell ihn mir ins Regal.
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