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Eine Art Fiebertraum - »Die unwiderlegbare Wahrheit über Dämonen«

Die unwiderlegbare Wahrheit über Dämonen Eine Art Fiebertraum
»Die unwiderlegbare Wahrheit über Dämonen«

Zum generellen Verständnis dieser Filmrezension sei hier gesagt, das ich den Gesamttitel des Films DIE UNWIDERLEGBARE WAHRHEIT ÜBER DÄMONEN im weiteren Text einfach mal auf DÄMONEN abkürzen werde. Dies vereinfacht das Ganze schon mal ungemein. Bei diesem Horrorfilm aus Neuseeland scheiden sich allerdings auch die Geister, denn der Film ist recht ungewöhnlich inszeniert und lässt selbst am Ende doch so manche Fragen einfach offen. Doch kommen wir hier kurz zur Handlung selbst.

Die unwiderlegbare Wahrheit über DämonenEigentlich steht der Antropologe Dr. Harry Ballard als Universitäts-Dozent mit beiden Beinen auf dem Boden der wissenschaftlichen Tatsachen und kann sich auch sonst hinsichtlich seines Privatleben kaum beklagen. So könnte das Leben also auch eigentlich an der Seite seiner Freundin Celia weitergehen.

Doch dann wirft der mysteriöse Selbstmord seines Bruders die ersten drohenden Schatten über das Leben von Ballard. Denn der beendete sein Leben deshalb, weil er sich ständig von höllischen Dämonen verfolgt glaubte.

Auch der Mitschnitt einer schwarzen Messe auf einem Videoband, welches Ballard in die Hände fällt, scheint die Wahnvorstellungen hinsichtlich seines verstorbenen Bruders nun zumindest zu untermauern. Doch genau mit diesem Videoband gerät die Welt des Wissenschaftlers nun vollkommen aus den Fugen. Denn schon kurze Zeit danach wird er von einigen bizarren Freaks entführt. In ihrem Anführer erkennt Ballard zudem den Zeremonienmeister Le Valliant von der schwarzen Messe aus dem Video wieder. Die Freaks setzen Ballard indessen unter Drogen und auch sein eigenes Leben scheint nun förmlich an einem seidenen Faden zu hängen.

Allerdings gelingt es Ballard dann doch, diesem eher kriminell wirkenden Zirkel zu entkommen und so sein eigenes Leben zu retten. Doch die Freude darüber währt wahrlich nur kurze Zeit. Denn schon bald darauf, als er in seiner Wohnung erwacht, findet er seine Freundin Celia gekreuzigt und blutüberströmt mit Stacheldraht umwickelt, leblos in der eigenen Wohnung vor. Ballard bleibt nichts als die Flucht, denn die Polizei würde ihm nun wirklich nicht glauben, dass er mit dem grausamen Tod von Celia nichts zu tun hätte, zumal er sich ja auch die ganze Zeit in ihrer unmittelbaren Nähe befand.

Harry Ballard ahnt, das er selbst nun den Kampf gegen die Satanisten aufnehmen muss, wenn er jemals wieder in ein normales Leben zurückkehren will. Dabei scheint ihn auch die plötzlich aufgetauchte und selbsternannte Hexe Bennie zu unterstützen, die ihm nicht nur helfen will, sondern auch seine körperliche Nähe sucht. Von ihr erfährt Ballard, dass der Satanist Le Valliant selbst nicht nur mit den Dämonen der Hölle im Bunde sein soll, sondern selbst ein Dämon der Hölle ist.

Dies würde für Ballard zumindest erklären, warum Le Valliant und seine satanischen Anhänger immer wieder dort auftauchen, wo er und Bennie sich gerade befinden. Einen wirklichen Schutz oder ein sicheres Versteck auf Dauer scheint es für Ballard daher scheinbar nicht zu geben, weshalb er gemeinsam mit Bennie die Flucht nach vorne antreten muss, um Le Valliant und seinem satanischen Zirkel das grausame Handwerk legen zu können.

Die unwiderlegbare Wahrheit über DämonenKein Horrorfilm nach normalen Maßstäben:

Was passiert, wenn man hinter den Vorhang der vermeintlich festen und unnachgiebigen Realität schaut? Welche Schrecken mag man dort finden, in der ewigen Dunkelheit des Seins, die seit dem Anbeginn düsterer Äonen nur von wenigen Menschenseelen besucht wurde?

(Zitat aus dem Booklet der limitierten Mediabox von DIE UNWIDERLEGBARE WAHRHEIT ÜBER DÄMONEN)

Der Film DÄMONEN ist das Kino-Debüt des Neuseeländers Glenn Standring, der hier nicht nur die Regie führte, sondern auch gleich selbst das Drehbuch schrieb. Der Film selbst wurde in seiner Heimat bereits für einige Preise nominiert und war sogar auf den Filmfestspielen von Sitges im Rennen um die Nominierung als bester Film vertreten.

Dabei dürfte der Film aus dem Jahre 2000 allerdings auch sehr viele Zuschauer am Ende ziemlich verwirrt zurückgelassen haben. Hebt er sich doch von der Machart und dem ansonsten doch eher bekannten Handlungsschema doch sehr stark von üblichen Horrorfilmen mit einem offensiven Einschlag in Sachen Okkultismus ab.

Der Grund dürfte eigentlich darin liegen, dass der Regisseur und Drehbuchautor Glenn Standring seinen aus früheren Zeiten durch einen mehrtägigen Drogentrip durchlebten Horror nun in seinem Film DÄMONEN mit abarbeitet, welcher ihn damals auf eine albtraumhafte Reise bis an die Grenzen des Wahnsinns führte. Selbiges darf man nämlich auch direkt aus dem entsprechenden Booklet des mir vorliegenden Mediabook von cmv-Laservision entnehmen, welche seit Juni 2020 (BD plus DVD) auch in Deutschland im Handel erhältlich ist.

Vorweg sei hier schon einmal vor meiner persönlichen Filmkritik erwähnt, dass der Film selbst scheinbar so einige Mankos aufweist. Trotzdem fällt es schwer, sich dieser recht surreal gestalteten Handlung zu entziehen, weshalb man als Zuschauer auch am Ende trotzdem etwas ratlos bleibt, zumal nicht nur viele Fragen, sondern in gewisser Weise auch irgendwie das Ende relativ offen bleiben. Doch die angesprochenen Mankos des Films scheinen bei näherer Betrachtung eventuell sogar einem gewissen System zu unterliegen.

Sieht man sich hierzu als Beispiel so manche Kommentare seitens der Kunden an, die sich den Film DÄMONEN bereits zugelegt hatten, dann fallen direkt schon einmal zwei Gründe für den Kauf des Films auf. Der erste Grund liegt schlicht am Schauspieler Karl Urban, denn so manche Fans des Darstellers wollten sich wegen ihm in der Hauptrolle auch diesen Horrorfilm nicht entgehen lassen.

Der zweite, fasst ebenso häufig genannte Grund ist der lange Filmtitel DIE UNWIDERLEGBARE WAHRHEIT ÜBER DÄMONEN, welcher durchaus so einige inhaltliche Begehrlichkeiten zu wecken scheint, was das Thema Okkultismus und Dämonologie betrifft. Dies dürfte auch das schlichte, aber effektive und auf 333 Exemplare limitierte Mediabook-Cover-B mit dem durchaus gruseligen Pentagram sogar noch etwas unterstreichen.

Eine weitere Auffälligkeit dürfte im Film selbst die Figur des Satanisten Le Valliant sein, welcher durch den Schauspieler Jonathon Hendry gespielt wurde. Denn optisch hatte man sich hier bei der Figur des Le Valliant äußerst stark am Aussehen des im Oktober 1997 in San Francisco/Kalifornien verstorbenen Satanisten und Gründer der Church of Satan, Anton Szandor LaVey orientiert. Man könnte auch sagen, Hendrey gelingt es hier durchaus als optischer Zwilling von LaVey durchgehen zu können, dessen satanische Religionsgemeinschaft auch heute noch in den USA recht aktiv ist.

Die unwiderlegbare Wahrheit über DämonenMeine Filmkritik:
Man kann den Film DÄMONEN nun durchaus zwiespältig betrachten, weil er sowohl negative wie auch positive Seiten aufweist. Fangen wir der Einfachheit wegen also erst einmal mit den negativen Punkten an, bei denen ich ebenfalls wohl nicht in Sachen Filmkritiken alleine stehe.

Die jeweiligen Darstellerinnen und Darsteller, einschließlich Karl Urban (DER HERR DER RINGE/2002 & 2003, STAR TREK/2009, 2013 & 2016, sowie THOR - TAG DER ENTSCHEIDUNG/2017) wirken in ihren Rollen eher mitunter oberflächlich und beliebig austauschbar. Die Charaktere selbst gewinnen dabei innerhalb der Handlung daher nur bruchstückhaft wirklich an Tiefe. Dabei spielen sie ihre Rollen eigentlich nicht einmal wirklich schlecht, sondern liefern eher ein Schauspiel ab, welches sich schlicht betrachtet knapp über dem Durchschnitt hält. Also eben nicht lustlos, aber auch nicht überragend. Da stellt sich allerdings bei genauer Betrachtung irgendwann die Frage, wie viel System hinter dieser Art zu spielen steckt, denn so seltsam wie es sich hier anhören mag, aber es passt irgendwie seltsamer Weise auch wieder in das Gesamtkonzept des Film, dessen Aufbau eher einem wirren Albtraum als einer gut durchorganisierten Filmhandlung ähnelt.

Irgendwie ratlos bleibt der Zuschauer auch hinsichtlich des Films selbst. Denn dieser fährt fasst gut zwei Drittel der Handlung eher zweigleisig, so das der Zuschauer eigentlich nie wirklich weiß, ob er hier nun Bilder aus einem sehr üblen Drogenrausch der betreffenden Hauptperson vermittelt bekommt, oder es sich doch um einen Horrorfilm mit übernatürlichen Elementen handelt. Zwar wird etwa ab dem letzten Drittel das Gewicht verstärkter auf die übersinnlichen Elemente gelenkt, jedoch am Ende des Films bleibt der Zuschauer trotzdem mit einer gewissen Ratlosigkeit in dieser Frage zurück, was wiederum ebenfalls wieder irgendwie von den Machern mit etwas Abstand betrachtet, als durchaus gewollt erscheint.    

Der Film selbst glänzt auch nicht mit einem sauberen Handlungsfaden. Vielmehr kann man den betreffenden Faden als eher schwaches Bindeglied betrachten, weil man als Zuschauer sich eher immer wieder in bestimmte Handlungsabschnitte hineingestoßen fühlt. Doch dies scheint bei näherer Betrachtung aber auch durchaus einem gewissen System zu folgen. Schließlich wirkt der Film auf den Zuschauer doch so auch sehr surreal bis offensiv vertörend in seiner Art. Das ganze hat eine gewisse Ähnlichkeit mit realen Albträumen, die ja auch nicht einem drehbuchmäßig geplanten und als solchen eher durchdachten Handlungsablauf folgen. Vielmehr ähneln Albträume ja einem Mosaik, welches sich aus vielfältigen bedrückenden Situationen und Ängsten zusammenfügt, um so einem eher nicht der Logik folgendem Ablauf zu folgen. Dafür entfaltet der Albtraum eher eine recht surreale bis wirre Gschichte, die die betreffende Person im Schlaf dann allerdings durchaus als sehr realistisch empfindet.

Man sieht also, dem Zuschauer wird es hier bei diesem Horrorfilm aus Neuseeland nicht wirklich einfach gemacht, denn der steigt mit einem Füllhorn von Fragen in die Handlung ein, um am Ende mit vielen Fragen doch wieder zurückgelassen zu werden.

Und hier liegt dann auch der Knackpunkt, wo wir auf die positiven Aspekte des Films zu sprechen kommen. Denn trotzdem, oder gerade wegen seiner stark surreal wirkenden Handlung schafft es der Film durchaus wieder, den Zuschauer, wenn er sich denn darauf einlässt, gebannt vor dem Bildschirm zu halten. Schließlich will er nicht nur Fragen beantwortet haben, die die surreale Handlung eben beständig aufwirft. Er will wissen, wie es weiter geht und ob es sich hier nun bei der Handlung um die Hauptperson Harry Ballard nur um einen Horrortrip eines unter Drogen stehenden Protagonisten handelt, oder ob er doch gegen eine übernatürliche, weil dämonische Gefahr ankämpfen muss. Der Knackpunkt bei diesem Film könnte hingegen durchaus recht einfach sein, wenn man am Ende das Fazit zieht, dass man wohl eher einen Albtraum gesehen hat, welcher eigentlich schon einem Albtraum entsprungen ist.

Die unwiderlegbare Wahrheit über DämonenWas den Punkt Action betrifft, so sollte man indessen die Erwartungen nicht wirklich zu hoch anlegen, womit Nicht-Hardcore-Fans des Genre hier deshalb ebenso bedenkenlos zugreifen können.

DIE UNWIDERLEGBARE WAHRHEIT ÜBER DÄMONEN schleppt als Film des Genre also bei der ersten Betrachtung einige Baustellen mit sich herum. Baustellen, die allerdings bei näherer Betrachtung eventuell auch als durchaus gewollt erscheinen können, um so den surrealen Charakter der Handlung breit aufstellen zu können und um so auch eine alptraumhafte Grundhandlung zu erreichen. Der Film lässt viele Fragen daher scheinbar bewusst offen und wirkt mitunter etwas wirr, weiß aber trotzdem Spannung zu erzeugen. Es wird dem Zuschauer somit nicht immer leicht fallen, die jeweiligen surrealen Elemente wirklich einordnen zu können, aber trotzdem sticht einem ein ambitionierter Ansatz ins Auge. Den Protagonisten fehlt es häufig an Profil und wirken so eher oberflächlich und austauschbar und doch fiebert man bald irgendwie mit ihnen. Der Film läuft mitunter sogar etwas Gefahr, in einen billig zu nennenden Klamauck abzurutschen und doch weiß der Film den Zuschauer immer wieder zu fesseln, sofern er sich unvoreingenommen darauf einlässt. Dies zeigte sich dann auch an entsprechenden anderen Kritiken und Kommentaren zum Film, wo man sich ebenfalls häufig recht schwer tut, den Film nun als eher schlecht oder doch gut zu klassifizieren.

Mein persönliches Fazit sind daher drei von insgesamt fünf irre Freaks als Höchstbewertung und damit einen halben Freak eben noch über dem Durchschnitt. Man kann sich den Film ansehen, aber man sollte schon wissen, worauf man sich hier einlässt, denn ein Horrorfilm von der sprichwörtlichen Stange ist er nicht und kann somit auch nicht an solchen wirklich befriedigend gemessen werden. Andererseits muss man den Film aber auch nicht unbedingt gesehen haben, denn wirklich leicht macht er es dem Zuschauer nämlich auch nicht, welcher ein festes Bild in Sachen Filmaufbau, Handlungsverlauf und einem entsprechenden Ende erwartet, wo zumindest die meisten im Film selbst auftauchenden Fragen schlussendlich abgearbeitet werden. Daher will (und kann) ich hier auch keine wirkliche Empfehlung für den Film aussprechen, sondern überlasse es hier dem Filmfreund selbst, ob er sich einen Film ansehen oder gar ins Regal stellen möchte, der an so einigen fest verankert geglaubten Richtlinien eines Horrorfilm diabolisch lächelnd vorbeigeht.

Die unwiderlegbare Wahrheit über DämonenDie unwiderlegbare Wahrheit über Dämonen
(The Irrefutable Truth About Demons)
mit Carl Urban, Katie Wolfe, Jonathon Hendry, Tony MacIver, Sally Stockwell, Adam Brookfield, Dennis Feaver, Peter Daube, Phil Grive, Glen Jarvis, Romani Lawson, Kelson Henderson, Mel Johnston, Perry Piercy u.a.
Regie & Drehbuch: Glenn Standring
Produktion: Dave Gibson
Musik: Victoria Kelly, Joost Langeveld
Genre: Horror/Thriller/Fantasy
Laufzeit: 90 Minuten (BD) & 87 Minuten (DVD)
Version: Mediabook mit 16-seitigem-Booklet, limitiert auf 333 Exemplare, Cover-B
DVD/FSK: 16 Jahre
Extras: Teaser & Trailer, Audiokommentar, Interview mit Gelnn Standring, Notizen des Regisseur, Artwork u.m.
Vertrieb: cmv-Laservision
Neuseeland 2000

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