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Liebe zwischen Hass und Berechnung - »Lovesick: Sick Love«

Lovesick: Sick Love Liebe zwischen Hass und Berechnung
»Lovesick: Sick Love«

Die hübsche Julia liebt den Rock-Gitarristen Istvan. Istvan wiederum liebt Julia und das Geld, was ihn allerdings bei der Russen-Mafia ziemlich in die Enge treibt. Auch der Hotelier Michael O'Ryan verliebt sich in Julia und Julia tut mal so als liebe sie Michael, weil sie für Istvan schnell Geld heranschaffen will. Istvan wird indessen noch lernen, Michael zu hassen, der wiederum seine Mutter hasst. Und Michaels Mutter hasst so ziemlich jeden, einschließlich ihres Sohnes.

Hört sich vielleicht etwas verworren an, ist es aber nicht. Im Grunde ist der britische Film LOVESICK: SICK LOVE vom deutschen Regisseur Wolfgang Bült sogar recht einfach gestrickt. Und da Bült schon mit der Schauspielerin Fiona Horsey und dem Schauspieler Paul Conway seine Erfahrungen in dem Trash-Streifen PENETRATION ANGST (2003) gemacht hatte, den ich hier ebenfalls vor einiger Zeit im ZAUBERSPIEGEL bereits vorgestellt hatte, füllen die nun auch hier die Hauptrollen wieder (irgendwie trotzdem perfekt) aus.

Dabei merkt man natürlich auch in LOVESICK: SICK LOVE, dass das entsprechende Budget wohl wirklich wieder minimalistisch gewesen sein dürfte. Aber man merkt natürlich auch, dass die Darstellerinnen und Darsteller nicht mal zur zweiten Garde im britischen Filmgeschäft gehörten. Dafür zieht Fiona Horsey aber auch hier wieder gerne blank und zeigt dem Zuschauer so einiges, was ihn über so manches schauspielerische (Un-)Talente hinwegsehen lassen dürfte.

Auch LOVESICK: SICK LOVE ist daher also eher ein Trash-Streifen, der mit einigem britischen Humor daherkommt und uns auch ein klein wenig den Vorhang in Richtung Gore lüftet, ohne jedoch zartere Gemüter nun ernsthaft mit drastischen Bildern zu verstören. Aber auch wenn der Film mit so einigem unterschwelligen schwarzen Humor angereichert ist, so handelt es sich hier nicht um eine Komödie. Dafür steigt die Handlung einfach auch gewollt zu tief in die Schattenseiten innerhalb der britischen Gesellschaft hinab. Doch wenn man Bült kennt, weiß man, das er nur zu gerne darauf verzichtet, irgendwo einen moralischen Zeigefinger zu erheben. Dafür zeigt er uns eine Welt, gerade so wie sie eigentlich ja auch ist: Dreckig, heuchlerisch und mindestens 12 Stunden pro Tag eher ungerecht.

Und bevor ich nun schon in die Filmkritik selbst eintrete, schauen wir uns doch erst einmal ein wenig in der Handlung von LOVESICK: SICK LOVE um.

Lovesick: Sick LoveSex, Kohle und unerfüllte Liebesträume:
Julia ist in der Regel nicht nur recht hübsch anzusehen, sondern in ihrem Job als Dienstmädchen in einem schäbigen Hotel in England auch notorisch unpünktlich, was dem Hotelier Michael O'Ryan zuerst ziemlich sauer aufstößt. Die Unpünktlichkeit von Julia kommt jedoch nicht von ungefähr, denn um überhaupt über die Runden zu kommen, steht sie Nachts auch noch in einer Art Rockerkneipe hinter dem Tresen. Und dann ist da eben noch der Rockmusiker Istvan, der weniger mit der Musik sein Geld verdient, es sich dafür aber in ordentlicher Menge bei der Russen-Mafia geliehen hatte. Und wenn es denn die Zeit erlaubt, will Julia mit Istvan natürlich auch noch eine Runde wilde Maus auf der Matratze spielen, was ja ebenfalls so manche Nacht verkürzen dürfte, wenn es um ausreichend Schlaf geht.

Als dann allerdings ein Gast des Hotel sich sexuell Julia mehr nähert, als es für ihn eigentlich gut ist, packt die gleich mal die Chance beim Schopfe und erleichtert ihn dabei um ein hübsches Sümmchen. Dumm nur das dessen gerade aufgetauchte Ehefrau einen gewaltigen Aufstand bei Michael macht. Und da Julia eh bereits eine Strafe auf Bewährung hat, macht sie nun Michael schöne Augen, damit der alles tut, um die Polizei aus der Sache herauszuhalten oder ihr gar noch den Job zu kündigen.

Und der fällt auf den süßen Augenaufschlag von Julia auch promt herein und verliebt sich bald sogar in das süße, aber ziemlich durchtriebene Ding. Im Grunde würde Michael ja eh gerne eine Beziehung zu einer willigen jungen Frau haben, weshalb er auch Blind Dates mit entsprechenden Frauen verabredet, die sexuell ... na ja ... etwas speziell sind. Nur traut er sich im letzten Augenblick dann doch nicht, die entsprechenden Damen anzusprechen und ergreift statt dessen lieber wieder die Flucht. So ist die einzige Frau in seinem Leben immer noch Mutter, die ziemlich ans Bett gefesselt ihren Sohn jedoch beständig zur Weißglut bringt. Im Grunde gibt es nichts, was diese alte Frau mag und woran sie zumindest ein gutes Haar lassen würde. Da kommt es gerade recht, dass sie ins Krankenhaus muss und Michael nun für Julia freie Bahn hat.

Istvan wiederum kann nicht so mit Julia, wie er gerne möchte, denn in der Regel muss er sich vor der Russen-Mafia verstecken, die das ihm geliehene Geld samt hohen Zinsen wieder abkassieren will. Und sollte er das nicht vorweisen können, hat man ihn schon einmal auf sein baldiges und recht unschönes Ableben hingewiesen.

Michael hat inzwischen Medikamente aus dem Krankenhaus mitgehen lassen, die er Julia heimlich spritzt um sie ruhig zu stellen. Und wenn die erst einmal weggetreten ist, steht für Michael und seinem ausgiebigen Sexleben nichts mehr im Wege, zumal er auch ein Kind von ihr will. Gewissensbisse hat er dabei nicht, denn längst hat er gemerkt, dass sie von ihm wohl nicht schwanger ist, wie sie es ihm bald berichtet hatte und auch immer noch hinter seinem Rücken mit Istvan rummacht. Und da Istvan schließlich die Miete von Julias Wohnung nicht bezahlt hatte, ist die auch gezwungen, weiterhin bei und für Michael das verliebte Mäuschen zu spielen, merkt allerdings selbst nicht so wirklich, was der so mit ihr anstellt. Da sie aber auch mittlerweile normalen Sex mit Michael hatte, lügt sie ihm eben bald vor, von ihm schwanger zu sein, was er zuerst auch freudig aufnimmt.

Doch dann findet sie plötzlich die Ampullen des Medikament, mit dem Michael sie regelmäßig zum Sex vorher ins Land der Träume geschickt hatte und dreht den Spieß um. Sie droht Michael, ihn bei der Polizei wegen Vergewaltigung anzuzeigen und holt sogar Istvan mit ins Hotel, der Michael am liebsten den Schädel einschlagen würde, weil der eben mehr als einmal seine schmutzigen Finger an Julia hatte. Dabei ahnt Julia nicht einmal, das Michael längst so ziemlich außer Kontrolle geraten ist, denn seine Mutter, die unerwartet aus dem Krankenhaus zurückgekehrt ist und gegenüber ihrem Sohn wieder ihr Gift verspritzte, hat Michael schon mal gleich für immer das Mundwerk gestopft. Und es könnte auch ein Fehler von Istvan sein, sich körperlich Michael gegenüber überlegen zu fühlen, denn der hat nur noch ein Ziel, Julia und eine mögliche Schwangerschaft. Und dieser Wunsch macht ihn schlicht unberechenbar.

Lovesick: Sick LoveMeine Filmkritik:
So hart wie sich die Handlung mit Vergewaltigungen, Mord und Totschlag auch anhören mag, so wird der an so manchen Härtefällen vielleicht eher ungeübte Zuschauer dann doch nicht überfordert werden. Das meiste muss er sich sogar schlicht selbst per Kopfkino abrufen. Dafür zeigt Fiona Horsey allerdings wieder ein Menge Haut, was den ansonsten verwöhnten Zuschauer nun auch nicht gerade vom Sofa oder an die Fernbedienung treiben dürfte. Schließlich ist sie durchaus der hübscheste Blickfang innerhalb des gesamten Films und sorgt so dafür, dass so manche talentfreie Zone bei den anderen Darstellern dann doch nicht zu stark auffällt.

Zu kritisieren gäbe es also bei dem Film LOVESICK: SICK LOVE gerade in dem Punkt des schauspielerischen Talent wohl schon mal so einiges und man merkt dem Film auch eben beständig an, dass er wohl mit dem Geld aus einem Sparschwein umgesetzt wurde. Man sollte allerdings bei Wolgang Bült generell in solchen Dingen die Messlatte der Erwartungen aber auch nie wirklich hoch legen.

Doch trotzdem schafft es Bült nach PENETRATION ANGST auch bei LOVESICK: SICK LOVE es einfach, irgendwie beim Zuschauer noch Spaß zu entfachen und ihn somit beständig bei der Stange zu halten. Und daran sind eben nicht nur die Nacktszenen von Fiona Horsey alleine Schuld, die wahrlich schon dafür einen Preis verdient hätte. Wie gesagt, wir reden hier von einem Trash-Movie der wirklich offensichtlichen Sorte und nicht von einem ansprechend umgesetzen B-Movie oder gar einem Hollywood-Blockbuster.

So wirkt der Film auch wieder irgendwie grob zusammengezimmert und hätte an nicht wenigen Stellen nicht nur einen Feinschliff benötigt. Manches andere, was im Film nur angerissen erscheint, hätte dagegen mehr ausgebaut und detailreicher ausgeschmückt werden können. Und trotzdem schaffte es dieser Trash-Streifen gleich zum Punlikumsliebling vom Fantasy-Festival in Manchester zu werden. Denn irgendwie ... man frage mich jetzt ehrlich nicht warum ... schafft es dieser Film von Bült es einfach wieder, trotzdem zu einem recht kurzweiligen Filmspaß zu werden, dem man sich dann auch nicht mehr einfach entziehen möchte.

Und genau das reizt mich hier nun auch wieder dazu, dieser (ich kann es nur immer wiederholen) Trash-Granate ohne Abstriche ganze vier von insgesamt fünf Gummipunkte als Höchstbewertung zu vergeben. Was den Film nun so sehenswert macht, trotz eben so mancher Unzulänglichkeiten, kann man indessen nur recht schwer erklären. Um das zu verstehen, muss man sich die Filme von Wolfgang Bült aus britischer Produktion schon selbst mal ansehen haben, was also auch irgendwie wieder einer kleinen Empfehlung gleich kommt.

Und da Wolgang Bült mit Fiona Horsey und Paul Conway hier nun auch nach PENETRATION ANGST ein zweites mal mit seinem Trash bei mir abräumen konnte, versuche ich nun auch Bülts dritten Streich noch an Land zu ziehen. Hierbei handelt es sich um den Film TWISTED SISTERS (2006), in dem wiederum Fiona Horsey und Paul Conway in den Hauptrollen zu sehen sein werden.

Lovesick: Sick LoveLovesick: Sick Love
(The Chambermaid)
mit Fiona Horsey, Paul Conway, William Rowsey, Jessica Barnes, Eden Ford, Dutch Dore-Boize, Sam Chapman, Jane Dodd, Emma Saunders, Moira Pean, Jean Marlow u.a.
Regie & Drehbuch: Wolfgang Bült
Produktion: Nick P. Coe, Wolfgang Bült
Musik: Tiamat
Genre: Erotik/Horror/Thriller
Laufzeit: 90 Minuten (DVD)
DVD/FSK: 18 Jahre
Bonus: Making Of: Sick Fun/ Foto-Galerie/Teaser u.m.
Vertrieb: Epix Media
Großbritannien 2004

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